Full text of "Anglia"
Google
This is a digital copy ofa bix>k lhal was preserved for gcncralions on library sIil-Ivl-s before il was carefully scanncd by Google as pari of a projeel
to makc the world's books discovcrable online.
Il has survived long enough Tor llie Copyright lo expire and the book to enter the public domain. A public domain book is one that was never subjeel
to Copyright or whose legal Copyright terni has expired. Whether a book is in the public domain niay vary country tocountry. Public domain books
are our gateways to the past. representing a wealth of hislory. eulture and knowledge that 's oflen diflicull to discover.
Marks, notations and other marginalia present in the original volume will appear in this lile - a reminder of this book's long journey from the
publisher to a library and linally to you.
Usage guidelines
Google is proud to partner with libraries lo digili/e public domain malerials and make ihem widely accessible. Public domain books belong to the
public and we are merely their cuslodians. Neverlheless. this work is expensive. so in order to keep providing this resource. we have taken Steps to
prevenl abuse by commercial parlics. iiicludmg placmg lechnical reslriclions on aulomaled uuerying.
We also ask that you:
+ Make non -commercial u.se of the fites We designed Google Book Search for use by individuals. and we reuuest that you usc these files for
personal, non-commercial purposes.
+ Refrain from mttoimited qu erring Do not send aulomaled uueries of any sorl to Google's System: IC you are condueting research on machine
translation. optical character recognition or other areas where access to a large amount of texl is helpful. please conlact us. We encourage the
use of public domain malerials for these purposes and may bc able to help.
+ Maintain attribution The Google "walermark" you see on each lile is essenlial for informing people aboul this projeel and hclping them lind
additional malerials ihrough Google Book Search. Please do not remove it.
+ Keep it legal Whatever your use, remember thai you are responsable for ensuring that whal you are doing is legal. Do not assume that just
because we believe a b<x>k is in the public domain for users in the Uniled Staics. thai the work is also in ihc public domain for users in other
counlries. Whelher a book is slill in Copyright varies from counlry lo counlry. and we can'l offer guidance on whelher any specific use of
any specific book is allowed. Please do not assume thai a book's appearance in Google Book Search mcans il can bc used in any manncr
anywhere in the world. Copyrighl infringemenl liabilily can bc quite severe.
Almut Google Book Search
Google 's mission is lo organize the world's information and to make it universal ly accessible and useful. Google Book Search helps readers
discover llie world's books while liclping aulliors and publishers reach new audiences. You can searcli through llic lull lexl of this book on llic web
at|http : //books . qooqle . com/|
Google
Über dieses Buch
Dies ist ein JisziULk-s Exemplar eines Buches, das seil Generalionen in den Regalen der Bibliotheken aufbewahrt wurde, bevor es von Google im
Rahmen eines Projekts, mit dem die Biieher dieser Well online verfügbar gemacht werden sollen, sorgfältig geseannt wurde.
Das Buch hat das Urheberrecht überdauert und kann nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Ein öffentlich zugängliches Buch ist ein Buch,
das niemals Urheberrechten unterlag oder bei dem die Schutzfrist des Urheberrechts abgelaufen ist. Ob ein Buch öffentlich zugänglich isi. kann
von Land zu Land unterschiedlich sein. Öffentlich zugängliche Bücher sind unser Tor zur Vergangenheil und stellen ein geschichtliches, kulturelles
und wissenschaftliches Vermögen dar, das häufig nur schwierig zu entdecken ist.
Gebrauchsspuren. Anmerkungen und andere Randbemerkungen, die im Original band enthalten sind, linden sich auch in dieser Datei - eine Erin-
nerung an die lange Reise, die das Buch vom Verleger zu einer Bibliothek und weiter zu Ihnen hinter sich gebracht hat.
Nu tm ng s r ichtl i nien
Google ist stolz, mit Bibliotheken in Partnerschaft lieber Zusammenarbeit öffentlich zugängliches Material zu digitalisieren und einer breiten Masse
zugänglich zu machen. OITciillich zugängliche Bücher gehören der Ol'lciilliclikcil. und wir sind nur ihre Hüter. Nichlsdeslolrolz ist diese
Arbeil kostspielig. Um diese Ressource weiterhin zur Verfügung stellen zu können, haben wir Schritte unternommen, um den Missbrauch durch
kommerzielle Parteien zu verhindern. Dazu gehören technische Einschränkungen für automatisierte Abfragen.
Wir bitten Sie um Einhaltung folgender Richtlinien:
+ Nutzung der Dateien zu nichtkommerziellen Zwecken Wir haben Google Buchsuche für Endanwender konzipiert und möchten, dass Sic diese
Dateien nur für persönliche, nichtkommerzielle Zwecke verwenden.
+ Keine automatisierten Abfragen Senden Sie keine automatisierten Abfragen irgendwelcher Art an das Google-System. Wenn Sie Recherchen
über maschinelle Übersetzung, optische Zeichenerkennung oder andere Bereiche durchführen, in denen der Zugang zu Texl in großen Mengen
nützlich ist. wenden Sie sich bitte an uns. Wir fördern die Nutzung des öffentlich zugänglichen Materials für diese Zwecke und können Ihnen
unter Umständen helfen.
+ Beibehaltung von Google-Markenelemcntcn Das "Wasserzeichen" von Google, das Sie in jeder Datei linden, ist wichtig zur Information über
dieses Projekt und hilft den Anwendern weiteres Material über Google Buchsuche zu linden. Bitte entfernen Sie das Wasserzeichen nicht.
+ Bewegen Sie sich innerhalb der Legalität Unabhängig von Ihrem Verwendungszweck müssen Sie sich Ihrer Verantwortung bewusst sein,
sicherzustellen, dass Ihre Nutzung legal ist. Gehen Sie nicht davon aus. dass ein Buch, das nach unserem Dafürhalten für Nutzer in den USA
öffentlich zugänglich isi. auch für Nutzer in anderen Ländern öffentlich zugänglich ist. Ob ein Buch noch dem Urheberrecht unterliegt, ist
von Land zu Land verschieden. Wir können keine Beratung leisten, ob eine bestimmte Nutzung eines bestimmten Buches gesetzlich zulässig
ist. Gehen Sie nicht davon aus. dass das Erscheinen eines Buchs in Google Buchsuche bedeutet, dass es in jeder Form und überall auf der
Welt verwendet werden kann. Eine Urheberrechlsverlelzung kann schwerwiegende Folgen haben.
Über Google Buchsuche
Das Ziel von Google besteht darin, die weltweiten Informationen zu organisieren und allgemein nutzbar und zugänglich zu machen. Google
Buchsuche hilft Lesern dabei, die Bücher dieser Welt zu entdecken, und unlcrslülzl Aulurcii und Verleger dabei, neue Zielgruppen zu erreichen.
Den gesamten Buchlexl können Sie im Internet untcr|http: //book;: . j -;.-;. j_^ . ~:~\ durchsuchen.
H B 9321*5
Q
BE
6SwC
H
^^fe^^s
Hi
^^L^IflSL-t "^^^A ^^H
RS
SSR'T
■ R . V
|^£§H Pu
HKS
\
ANGLIA.
7 1/ n < ( v
ZEITSCHRIFT
FÜR
ENGLISCHE PHILOLOGIE.
UNTER LEITUNG VON
RICHARD PAUL WÜLKER
HERAUSGEGEBEN
VON
EWALD FLÜGEL und GUSTAV SCHIRMER.
XII. BAN l).
HALLE a.S.
MAX NIEMETER.
1889.
VERZEICHNTSS DER MITARBEITER.
Dr. B. Assmanu in Leipzig.
Dr. G. Baist in Erlangen.
Prof. Dr. W. M. Baskervill in Nash-
ville, Tenn. U. S. A.
Oberlehrer M. Bech in Metz.
W. Bernhardt in Bonn.
Dr. K. Borchard in Halle a. S.
K. Boyle in St. Petersburg.
H. Brandes in Berlin.
Prof. Dr. A. Brandl in Göttingen.
Dr. P. Branscheid in Bärge i. Schles.
Prof. Dr. H. Breymann in München.
Prof. Dr. B. ten Brink in Strass-
burg im Elsass.
Dr. P. Buss in Leipzig.
Dr. R. Carl in Dresden.
Dr. F. Charitius in Jena.
Dr. J. L. Cheney in Chicago, III.,
ü. S. A.
Oberlehrer 0. Collmann in Posen.
Prof. Dr. W. Creizenach in Krakau.
Dr. H. v. Dadelsen in Gebweiler.
Prof. Dr. N. Delius in Bonn, f
Oberlehrer Dr. C. Deutschbein in
Zwickau.
Dr. A. Diebler in Freiberg in Sachs.
Dr. F. Dieter in Berlin.
Dr. E. Döhler in Wismar.
F. Dünne in Frankfurt a. M.
Bibliothekar Prof. Dr. H. Düntzer in
Köln.
Prof. Dr. A. Ebert in Leipzig.
Dr. H. Effer in Aachen.
Dr. £. Einenkel, docent an der aka-
demie zu Münster i. W.
Dr. W. Ellmer in Weimar.
Prof. Dr. K. Elze in Halle a. S. f
Dr. H. Fernow in Hamburg.
H. Fischer in London.
Dr. R. Fischer in Göttingen.
F. G. Fleay in London.
Dr. E. Flügel, docent an der Uni-
versität Leipzig.
Dr. E. Förster z. z. in London.
Oberl. Dr. A. Fritzsche in Leipzig.
Dr. J. Fred. Furnivall in London.
Dr. H. Gabler in Plauen.
Prof. Dr. 11. Gering in Kiel.
Dr. 0. Glöde in Rostock.
Dr. 0. Goldberg in Crimmitschau.
Dr. A. Graf in Husum.
Archivar Prof. Dr. Chr. Grein in
Hannover, f
Dr. F. Groschopp in Markneukirchen
im Voigtl.
Dr. F. K. Haase in Leipzig.
Prof. J. A. Harrison in Lexington,
Va., ü. S. A.
Oberl. Dr. M. Hartmann in Leipzig.
Dr. E. Häufte in Greifswald.
Dr. E. Hausknecht in Tokio.
H. R. Helwich in Oberdöbling bei
Wien.
Dr. P. Hennig in Werdau.
Director Prof. Dr. W. Hertzberg in
Bremen, f
Dr. W. Heuser in Hannover.
Dr. F. Hicketier in Berlin.
Dr. E. Hönncher in Leipzig.
Dr. 0. Hofer in Leipzig.
IV
VERZEICHNIS DER MITARBEITER.
Dr. F. Holtbuer in Leipzig.
Oberbibliothekar Prof. Dr. A. Holder
in Karlsruhe.
Dr. A. Hohlfeld in Heidelberg.
Dr. £. Holthaus in Köln.
Dr. F. Holthausen, docent an der
Universität Göttingen.
Oberl. Dr. K. Horstmann, docent an
der Universität Berlin.
Dr. H. Hupe in Lübeck.
Dr. J. Kail in Wien.
Dr. P. Kamann in Leipzig.
Prof. Dr. F. Kluge in Jena.
Dr. J. Koch in Berlin.
Oberbibliothekar Dr. R. Köhler in
Weimar.
Dr. £. Koeppel, docent a. d. Univer-
sität MUnchen.
Dr. H. Krebs, Taylor Institution in
Oxford.
Dr. P. Lange in Würzen.
J. Lawrence in Ilkley near Leeds.
Dr. P. Lefevre in Halberstadt.
Dr. A. Leicht in Meissen.
Dr. K. Lentzner, Örehoi b. Helsingör
(Dänemark).
Prof. Dr. F. A. Leo in Berlin.
Oberlehrer Dr.B.Leonhardtin Anna-
berg.
Dr. S. Levy, lektor a. d. Universität
Strassburg.
Dr. F. Liebermann in Berlin.
Dr. H. Logeman in Gent.
W. S. Logeman in Rock Ferry bei
Liverpool.
Dr. 0. Lohmann in Lüneburg.
Dr. H. Löschhorn in Berlin.
Dr. F. Ludorff in Bonn.
Dr. G. Lttdtke in Berlin.
Cand. F. Lüns in Wesel.
Dr. K. Luick in Wien.
Prof. Dr. G. £. MacLean in Minne-
apolis, Minn., U. S. A.
Dr. M. Mann in Meissen.
Dr. £. Menthel in Elberfeld.
W. Merkes in Bonn.
Dr. Th. Miller, lektor an der Univer-
sität Göttingen.
Dr. L. Morsbach, docent an der Uni-
versität Bonn.
Dr. W. Mushacke in Bonn.
Dr. W. Nader in Wien.
Prof. Dr. A. Napier in Oxford.
Dr. R. Nuck in Berlin.
Dr. E. Peters in Berlin.
Dr. J. Phelan in Louisville, Ky.,
U. S. A.
J. Platt in London.
Mrs. Const. M. Pott in London.
Oberlehrer Dr. L. Proescholdt in
Homburg v. d. Höhe.
Prof. Dr. K. Regel in Gotha.
Dr.* 0. Reissert in Hannover.
Dr. A. Reum in Reudnitz- Leipzig.
Oberlehrer Dr. D. Rohde in Ham-
burg.
Direktor Dr. F. Rosenthal in Han-
nover.
Dr. R. Rössger in Bernburg.
Prof. Dr. K. Sachs in Branden-
burg a. H.
Cand. P. Sahlender in London.
Oberlehrer J. Sahr in Dresden.
Dr. Gr. Sarrazin, docent a. d. Uni-
versität Kiel.
Oberlehrer Dr. W.Sattler in Bremen.
Dr. P. Sauerstein in Borna.
Prof. Dr. J. Schipper in Wien.
Dr. G. Sehinner, docent an der Uni-
versität Leipzig.
Dr. G. Schleich in Berlin.
Director Dr. Alexander Schmidt iu
Königsberg, f
Dr. 0. Schöpke in Dresden.
Prof. Dr. A. Schröer in Freiburg im
Breisgau.
Prof. Dr. K. J. Schröer in Wien.
Dr. W. Schumann in Elberfeld.
Prof. Dr. E. Sievers in Halle a. S.
Prof. W. W. Skeat in Cambridge.
Miss L. Toulmin Smith in London.
Dr. W. Sopp in Marburg.
E. Stiehler in Plauen.
F. H. Stoddard in Berkeley, Cali-
fornia.
Dr. F. H. Stratmann in Köln, f
VERZEICHNIS DER MITARBEITER.
Dr. A. Sturmfels in Giessen.
Prof. Dr. H. Suchier in Halle a. S.
Dr. U. Sweet in London.
Dr. G. Tanger in Berlin.
Oberl. Prof. H. Thurein in Berlin.
Prof. Dr. M. Trautmann in Bonn.
Dr. £. Uhlemann in Osnabrück.
Prof. Dr. H. Varnhagen in Erlangen.
Cand. F. Voges in Göttingen, f
Prof. Dr. W. Wagner in Hamburg, f
Dt. K. Weiser in Czernowitz.
B. W. Wells in Providence, R. J.
U. S. A.
Dr. J. Wichmann in Leipzig.
Dr. W. Wilke in Halle a. S.
Dr. H. Willer t in Berlin.
Dr. Th. Wissmann in Wiesbaden, f
Prof. Dr. H. Wood in Baltimore, Md.
U. S. A.
Prof. Dr. R. P. Wülker in Leipzig.
Dr. AI. WUrzner in Wien.
Prof. Dr. F. Zarncke in Leipzig.
Dr. W. Zeitlin in Gomel in Rassland.
Oberl. Dr. U. Zernial in Berlin.
Dr. A. Zetsche in Altenburg.
Prof. Dr. J. Zupitza in Berlin.
BAND-INHALT.
Seite
G. Schirm er: lieber James Sheridan Knowles' William Teil ... 1
E.Flügel: Pyramys aud Tysbe. — (Vgl. nachtrag am schlusse des
bandes) 13
J. Kail: Ueber die parallelstellen in der angelsächsischen poesie . 21
M.Mann: Quentin Durward 41
E. Koeppel: Die englischen Tasso-übersetzungeu des !♦>. Jahr-
hunderts 1D8
G. Sarrazin: Die entstehuug der Hamlet-tragüdic 143
I. Shakespeare^ Hamlet und Thomas Kyd.
0. Hofer: Leber die entstehung des angelsächs. gedientes 4 Daniel' 15b
Bücheranzeigen: 205
The Century. Gädcrtz, Zur Kenutniss d. ultcngl. Bühne. —
Lee hl er, John Wycliffe. — Lumby, Morc's Utopia. — Lumby,
More's History of King Riehard III. — Seebohm, The Oxford
Reformers. — Nader u. Würzner, Elementarbuch der engl.
Sprache. — Ten de ring, Kurzgef. Lehrbuch d. engl. Sprache. -
DOll, Neues Lehrbuch d. eugl. Sprache. — Ben ecke, English
Pronunciation. — Baedeker, Groat Britain. — Baedeker,
London.— Martin, Old Chelsea. — Hunt, The English Church
in the Middlc Ages. — Poole, Wycliffe. — Tyler, Patrick
Henry. — Iligginson, Short Studies of American Authors. —
Montague, Arnold Toynbee. — De Quincey, Bekenntnisse
eines Opiumessers. — Hume, Chronicle of King Henry VTII.
E.Flügel: Liedersammlungen des XVI. Jahrhunderts, besondersaus
der zeit Heinrieh\s VIII 225
1. Die lieder des Add. Ms. 3IH22. — 2. Die lieder des Royal Ms.
Appendix 5*\
W. Sopp: Orthographie und ausspräche der ersten neuengl. bibel-
übersetzung des William Tyndale 273
F. K.Haas e: Die altengl. bearbeitungen von Grosseteste's 'Chastoau
d'ainour' verglichen mit der <juelle 311
(J. Sarrazin: Die 'Fata Apostolomm' und der dichter Kyuewulf . 375
H.Hupe: Die präpositiou for 388
BAND-INHALT. VII
Seite
Th. Miller: The position of Grendel's arm in Heorot 396
K. Lentzner: Die Cotewoldspiele und ihre dichterische Verherrlichung 401
K. L u ick: Zur uietrik der mittelenglischen reimend-alliterierenden
dichtung 437
I. Die kurzzeilen. — II. Der einfluss des endreims auf die
rhythmik des verses. — III. Zu 'The Awntyrs of Arthure7.
E.Flügel: Ein brief Emerson's 454
W.Sattler: Englische kollektaueen 4(10
III. Reise: journey, voyage, travel(s).
R. Wiilker: Zu Anglia XII, 375 ff. 464
BUcherauzeigen: 465
Müllenhoff, Beovulf. — Engl. Stud. XII, 3. lieft; XIII, 1. u.
2. heft. — tenBrink, Gesch. d. engl. Lit. — Balg, A Compa-
rative Glossary. — Skeat, The Legend of Good Women. —
Külbing, Ipomedon. — Schmidt, jElfred's Bedaübersetzg. —
Dewitz, Alfred's Uebers. d. Cura past. — Sommer, Le Morte
d'Arthur. — Tiete, Gower's Confessio Amantis. — Günther,
Engl. Leben im 14. Jh. — Cossack, Die altengl. metrische Be-
arbeitung von Boethius. — Schleich, Ywain und Gawain. —
Landshoff, Kindheit Jesu. — Dritter allgem. deutscher Ncu-
philologentag. — Jusserand, English Wayfaring Life. — Cor-
son, Robert Browning's Poetry. — George, The Prelude. —
Kent, Leigh Hunt. — Hcinze, Zur altengl. Genesis. — Regel
u. Schuler, Einführung in d. heutige Englisch. — Regel 11.
Schuler, Materialien f. d. neuengl. Seminar. — Jacobi, Physio-
logical Notes. — Trent, Engl Culture in Virginia. — Eggle-
ston, The Household History. — Eggleston, The H. History
(School Edition). — Higginson, Atlantic Essays. — Higgin-
son, Army Life. — Higginson, Travellers and Outlaws.
II. Loge man: Anglo-Saxonica Minora 497
F. Holthausen: Die quelle von Ben Jonson's Volpone 519
F. Holthausen: Zu Middleton's 'No wit, no help like a woman's' 526
H.Logeman: Stray Gleanings 52s
1. O.E. c/im in Corpus Gl. 427. — 2. Haupt's Zeitschrift IX,
503 b. — 3. Englische Studien VIII, 474. — 4. Wright-Wülker
p. 100, 1. 44.
A.Graef: Die präsentischen tempora bei Chaucer 532
I. teil. Das praesens.
W.Heuser: Zu Fischer, Sprache und autorscbaft der mittelengl.
legenden St. Editha und St. Etheldreda 578
E.Flügel: Liedersammlungen des XVI. Jahrhunderts, besondersaus
der zeit Heinrich 's VIII. (fortsetzung) 585
J. Lawrence: On Codex Junius XI (p. 143 to 212) 598
1. Stoddard B. C. D. — 2. Additions to Siever's Collation. —
2. Grein's Variations. — - 4. Kluge's Variations.
VIII BAND-INHALT.
Seite
F. Holthausen: Zu Anglia XII, 530, 2 606
R. Wülker: Zu Partanope of Blois 607
Bticheranzeigen: 621
Whitney, The Century Dictionary. — Ges. Abhandlungen v. Dr.
Alex. Schmidt. — Fiske, Critical Period of Americ. History. —
The Ideals of the Republic etc. — Markham, 'The Fighting
Veres'. — Poet-Lore (Jan.-Okt.). — Engl. Stiid. XII, 3. heft. —
Saunders, Chaucer's Canterbury Tales. — Kent, Library of
Anglo-Saxon Poetry.
ÜBER JAMES SHERIDAN KNOWLES'
WILLIAM TELL.
L. Hasberg bemerkt auf seite 66 seiner doktordissertation
über ' James Sheridan Knowles' Leben und dramatische Werke1
(Lingen 1883), dass er bei den ihm zu geböte stehenden hilfs-
mitteln nicht im stände gewesen sei festzustellen, aus welcher
quelle Knowles den stoff zu seinem drama William Teil1 ge-
schöpft habe. Es ist mir nun sehr wahrscheinlich, dass in
den teilen seines Schauspieles, in welchen Teil die hauptperson
ist, der englische dichter von der erzählung des Franzosen
J. P. Claris de Florian 46uillaume Teil ou la Suisse
libre'2 stark beeinflusst wurde. Diese während der wildesten
zeit der französischen revolution in der gefangenschaft nieder-
geschriebene erzählung, die nach des Verfassers eigenem aus-
sprach in den gemütern der jungen Franzosen liebe zur republik
und achtung fttr reine sitten erwecken sollte 3, war früher sehr
beliebt und weit verbreitet
Der beweis nun, dass Knowles bei der ausarbeitung seines
Schauspieles ' William Teil' dieser französischen novelle, die man
beinahe eine idylle nennen möchte, folgte, ist leicht zu leisten.
Bevor wir jedoch an eine vergleichung der beiden dichtungen
gehen, seien noch ein paar worte über einige der personen-
namen im englischen drama, bei deren Verleihung Knowles
teilweise von Florian abgewichen ist, gesagt.
Florian nennt Tell's gattin Edmee, Knowles Emma. Der
name Edmie mochte dem Engländer etwas fremdartig geklungen
1 Das stück wurde 1825 zum ersten male aufgeführt.
* Die erzählung liegt mir vor in den ( Oeuvres de Florian' Tom. I
(Paris, an IX), p.95ff.; das drama von Knowles in 'The Dramatic Works
of James Sheridan Knowles' (London, George Routledge & Sons) Vol. I,
p. 113 ff.
8 Oeuvres Tom. I, p. 62.
AnglU, XII. band. 1
2 SCHIRMRR,
haben, er ersetzte ihn daher durch den annähernd gleichlau-
tenden, aber .viel geläufigeren Emma. Ebenso hat Knowles
den knaben des Teil Albert genannt und so wider einen recht
gebräuchlichen namen eingeführt an stelle des Florian'schen
Gemmi. Dies die unbedeutenden abweichungen in den per-
sonenbezeichnungen. Gleich sind die namen Vertier für den
repräsentanten des landes Schwiz, Fürst für den Vertreter der
Urner; aus Unterwaiden sind der alte und der junge Melchtal
(bei Florian Melctal). Während nun aber Florian den vater
Henri und den söhn einfach Melctal nennt, so weiss Knowles,
dass der Jüngling Erni hiess. Erni ist ja bekanntlich die volks-
tümliche abkürzung für Arnold und seit Aegidius Tschudi * und
Johannes von Müller2 die gang und gäbe benennung für den
jungen Unterwaldner. Der österreichische landvogt heisst bei
beiden dichtem Gesler, sein offizier Sarnem. Dieser name, der,
so viel ich weiss, in der schweizerischen befreiungssage nicht
vorkommt, lehnt sich gewiss an den Ortsnamen Samen an. In
Sarnen, dem jetzigen hauptorte von Obwalden, soll ja bekannt-
lich der landvogt Beringer von Landenberg seine bürg gehabt
haben. — Dieselbe autorität, welche dem Irländer sagte, der
junge mann aus dem Melchtale habe Erni geheissen, wird ihn
auch darüber belehrt haben, dass der platz, auf dem die eid-
genossen sich nächtlicher weile zum schwüre zusammentaten,
'the Field of Grulli' (Will. Teil, akt I, scene 2) und nicht wie
Florian an mehreren stellen sagt 'Grutti' (z. b. s. 213) oder gar
7a caverne de Grutti* (s. 147, 169) gewesen sei. — Da hier
gerade von den namen die rede ist, so mag noch auf die be-
zeichnungen der personen hingewiesen werden, welche im eng-
lischen Schauspiele in den mehr komisch gehaltenen, mit der
eigentlichen haupthandlung in bedenklich losem Zusammenhang
stehenden liebesscenen von bedeutung sind. Für diese teile
des dramas bot Florian Knowles keinerlei anhaltspunkte, die
Teilsage ebenfalls nicht und die Vermutung liegt daher nicht
allzufern, dass der geschickte dramatiker und Schauspieler
Knowles diese heiteren, auf der bühne gewiss recht wirksamen
liebesabenteuer frei erfunden habe. Die hauptpersonen dieser
1 ChroDicon Helveticum, herausgegeben von J. Rud. Iselin, erster teil
(Basel 1734) s. 234, 236.
* Der Geschichten schweizerischer Eidgenossenschaft erster Teil
(Leipzig 1M)6) s. 642.
KNOWLES* TELL. 3
nebenhandlung sind die beiden jungen Altbrfer Michael Wald-
man und Jaghell, sowie die zwei mädchen Anneli und Agnes.
Erstere ist die Stieftochter von Gessler's seneschal Struth, Agnes
ihre base. Ueber diese beiden mädchennamen ist nicht viel
zu sagen; beide, namentlich Anneli^ sind in der Schweiz häufig.
Ohne weitere konsequenzen für den namen Agnes bei Knowles
ziehen zu wollen, will ich hier nebenbei doch bemerken, dass
eine Agnes ja allerdings in Verbindung mit der befreiung der
drei waldstätte gebracht wird, nämlich die tochter könig Alb-
rech t's, die grausame Agnes von Ungarn1, und dass in dem
vaterländischen Originalschauspiel 'Der Drey-Bund' (1791) Stauf-
facher's frau Agnes heisst. Struth ist dem kenner der Schweizer-
geschichte ein geläufiger name, weil der held von Sempach ein
ritter Arnold Strutthan von Winkelried gewesen sein soll2 und
sein allerdings weniger bekannter vorfahre, der drachentöte r
von Wilen3, auch Struth von Winkelried hiess.4 Den namen
Waldman wählte Knowles wol für den jugendlichen helden der
liebesepisoden, weil er in dem gewiss über die grenzen seines
Vaterlandes berühmten Züricher btirgermeister Hans Waldmann
einen Schweizer dieses namens kennen gelernt. Sollte endlich
Jagheli eine deminutivform sein wie Anneli? Sie würde dann auf-
fallend zu dem in der Schweiz recht häufigen namen Schaggeli
(d. i. das deminutiv zu dem französischen Jacques) oder vielleicht
noch eher zu Joggeli (der koseform von Jacob 5) stimmen. Knowles
allerdings dachte sich den namen wol Jaghili betont, wie fol-
gende verse zeigen:
(s.117) 'The Seneschal
Has a fair daughter! Friend Jagheli, mind' —
(s. 121) 'Jagheli) thou must play tbe leechP
oder s. 166: * Welcome, Jaghelil Father, my chief man . . .'
(s. 167) 'Ha! there's the light — Jagheli, that's the casementl'
Indem wir uns nun zur vergleichung des englischen dramas
mit der französischen erzählung wenden, werden wir sehen,
dass, nachdem wir in der ersten scene des ersten aufzuges
durch den alten Waldman, seinen söhn Michael und Teil mit
1 Vgl. z. b. Müller II, s. 16; auch Schiller's Wilhelm Teil, aufz. V, sc. 1.
8 Müller II, s. 471.
8 Dörfchen in der nähe von Stans.
4 Tschudi I, s. 146. Auch in Schiller's Teil kommt ja ein Struth von
'Winkelried vor.
6 Vgl. über die namen Jagheli und Anneli die bemerkung auf s. 9.
1*
4 SCHTKMtR,
dem bedauernswerten zustande der Schweiz bekannt gemacht
worden, in der zweiten scene ans kurz der Grütlischwur vor-
geführt and in der dritten scene ans erzählt wurde, wie der
als arzt verkleidete junge Schweizer Jagheli zu seiner geliebten,
dem angeblich kranken Anneli, der tochter von Gessler's sene-
schal Struth gelangt, vom zweiten akte an Knowles in ab-
hängigkeit zu Florian tritt Die scene spielt vor Tell's htttte.
Schon die btthnenanweisung zu diesem zweiten aufzuge zeigt
eine anlehnung an Florian. Letzterer schildert nämlich Tell's
wohnung als lune pauvre chaumiäre, environnäe d'un modique
champ, (Tun plant de vignes' (s. 100); bei Knowles heisst es:
* Tell's Cottage on the right of a Mountain on one side a
Vmeyard'. Dass zwei dichter unabhängig von einander dazu
kommen sollten, in das rauhe Urnerland einen weinberg zu
verlegen, ist wenig glaublich. Viel wichtiger aber ist natürlich,
dass die ganze den zweiten akt ausfüllende scene zwischen
Teil und seiner gattin sich auch bei Florian findet (s. 122 ff.):
Teil schüttet sein von gram und erbitterung über die öster-
reichische tyrannei erfülltes herz vor seiner treuen gattin aus.
Nichts kann man mehr sein eigen nennen.
(Ma terre, ma femme, raon fils, jusqu'au toinbeau de mon pere, rien
ii'est ä moi, tout est au tyran',
ruft Teil verzweifelt in der französischen fassung (s. 125) aus.
'What is this boy to me?
What art thou, Emma, to me — when a breath
Of Gesler1s can take all!'
lautet bei Knowles des dem fröhlichen spiele seines sohnes zu-
schauenden vaters sorgenvolle klage. Wie Teil dann auf dem
punkte ist, seiner gemahlin die plane zur befreiung des Vater-
landes, welche er in seiner brüst hegt, zu enthüllen, kommt der
durch Gessler geblendete alte Melchtal herein und erzählt, wie
des landvogts knechte ihm und seinem söhne die ochsen vom
erntewagen wegnehmen wollten, wie der junge Melchtal diese
frechheit nicht dulden konnte, dann aber auf des vaters rat hin
floh, wie der alte statt des jungen gefangen vor Gessler geführt
und als er das versteck seines sohnes nicht verraten wollte,
geblendet wurde. Nach dieser herzzerreißenden erzählung des
greises steht Tell's entschluss fest:
4 Mon pere, tu seras vengeT (Fl. s. 137),
'Father, thou shalt be reveugedl' (Kn. s. HO)
KNOWLES' TELL. 5
ruft Teil dem blinden zu. Mit einem dolch als erkennungs-
zeichen schickt Teil seinen söhn nach dem verstecke des
jungen Melchtal am Faig eiber ge im lande Unterwaiden. Es ist
nun gerade recht bezeichnend für die abhängigkeit des eng-
lischen dichters von Florian, dass er auch des letzteren mon-
tagne de Faxgel als Mount Faigel übernommen hat; denn ein
Faigelberg kommt, so viel ich wenigstens weiss, in keiner be-
arbeitung der Teilsage vor und auch der schweizerischen geo-
graphie ist diese örtlichkeit sehr unbekannt. Knowles konnte
also doch wol nur durch Florian auf diesen wunderbaren Mount
Faigel kommen.1 — Im weiteren musste nun allerdings der die
btthne berücksichtigende dramatiker darauf verzichten, seinem
vorbilde in der Schilderung der reise Gemmi's und Claire's2,
sowie in der beschreibung des besuches der beiden bei dem
jungen Melchtal zu folgen, er lehnt sich erst wider an Florian
an, wo dieser den söhn des Teil auf dem wege nach Altorf
mit dem unbekannten, verirrten Jägersmann zusammenbringt
(FL s. 154 ff., Kn. akt III, sc. 1). Auch hier, wie tiberall übrigens,
ist aber die Situation bei Knowles viel kräftiger und männlicher
gezeichnet als bei dem weichen und empfindsamen Florian,
dem Verfasser des schäferromans 'Estelle'. Auf rauhem, ge-
fährlichem bergpfade, umgeben von nebel, regenschauern, blitz
und donner, trifft Albert den ermatteten, zusammensinkenden
Gessler, denn er ist der verirrte waidmann.3 Der jüngling ge-
leitet den landvogt nach Altorf. Aus der Unterredung mit dem
knaben ersieht Gessler wes geistes kind des Jünglings vater
sein muss und er verlangt von dem söhne daher den namen
der vaters. Albert bei Knowles, Gemmi bei Florian weigern
sich vorsichtiger weise des unbekannten frage zu beantworten
und Gessler lässt deshalb den knaben, sobald sie Altorf erreicht,
festnehmen mit den w orten:
1 Ein einigermassen gleichlautender Ortsname ist allenfalls 'Figler-
flueh' bei Morgarten, kanton Schwiz. Die bezeichnung ist abgeleitet von
dem worte Figler und darunter versteht man ein ' schutzhilttchen fiir die
schaf- und ziegenhirten auf hohen, abgelegenen alpen, nur ans einer Stein-
platte oder rohen steinen, seltener aus holz erstellt'. Schweiz. Idiot. I,
sp. 689.
* So nennt Florian die tochter des alten Melchtal. Knowles hat das
mädchen ia ganz weggelassen und es soll daher auch von uns nicht weiter
berücksichtigt werden.
3 Vergleiche die ähnliche erzählung in Schiller's Wilhelm Teil, akt III,
scene 1.
6 SCHIRMER,
'qu'on ait soin de m'amener les premiers habitans d'Altorff qui se
präsenteront pour les1 reclamer' (Fl. 3. 158);
bei Knowles:
4 Send partie8
Into the mountains, to explore them far
And wide ; and if they chance to light upon
A father, who expects his child, command them
To drag him straight before us\
(Kn. akt III, sc. S).
Von beiden Schriftstellern wird dem Gessler ein Selbstgespräch
in den mnnd gelegt, durch das der landvogt seine furcht äussert
vor dem geiste der Unabhängigkeit und des Widerstandes, den
er in dem knaben, welchen er getroffen, bemerkt habe und
welcher sicherlich das ganze volk der Schweizer erfülle. Deren
Unterwürfigkeit will er prüfen: Sarnem soll eine Stange mit
Gessler's hut auf dem marktplatze von Altorf aufrichten und
befehlen, dass jeder an. der stange vorübergehende dem hüte
seine reverenz erzeige (Fl. s. 162; Kn. akt III, sc. 3 am schluss).
Während nun aber bei Knowles die ereignisse sich zur ent-
scheidung hin drängen, lässt Florian sich noch zeit: er schil-
dert am Schlüsse des zweiten buches die angst der gemahlin
Tell's über das lange ausbleiben ihres sohnes. Teil selbst
aber, der seine hütte kurz nach Gemmi verlassen hat, geht
nach Schwiz zu Verner, bespricht sich mit diesem über die
läge des Vaterlandes und beide machen sich dann auf 'pour
la caverne de Grutti' (Fl. s. 169), woselbst sie auch den jungen
Melchtal treffen. Des langen und breiten wird dann von
diesen dreien über die zu wagende befreiung des Vaterlandes
gesprochen. Knowles hat ja diesen Grütlibund ebenfalls, aber
an anderer stelle, nämlich akt I, sc. 2. Der landläufigen Über-
lieferung zu folge lässt er an der beratung, die übrigens sehr
kurz ist und, wie die ganze scene, nicht an Florian erinnert,
auch Fürst (Fürst bei Florian und Knowles) teilnehmen. Da-
gegen schliesst sich der dramatiker wider an Florian in der
scene an, welche sich um den hut auf der stange gruppiert
(Fl. 8. 182 ff., Kn. akt III, sc. 4). Allerdings ist ja der eingang
dieser scene in beiden dichtungen etwas verschieden. Bei
Florian kommt Teil vom Grütli her nach Altorf und sieht die
von wachen umgebene stange mit dem aufgesteckten hüte.
1 sc. Gemmi et Ciaire.
KNOWLES' TELL. 7
In dem englischen Schauspiele wird, als Teil, Verner und ver-
schiedenes volk schon auf der bühne sind, um dem anftritte
mehr leben zn geben, die stange unter Verkündigung des land-
vogÜichen befehls durch Sarnem aufgerichtet. Wider mehr an
Florian erinnert es, wenn Teil über den servilismus der sich
untertänig vor Gessler's hut beugenden leute tief entrüstet in
die worte ausbricht:
'They do it1, Verner!
They do it! — Look! — Ne'er call me man again!
111 herd with baser animals! They keep
Their stations. Still the dog's a dog — The reptile
Doth know bis proper rank, and sinks not to
The uses of the grade below him. — Man!
Man! that exalts his head above them all,
Doth ape them all! He's man, and he's the reptile!
Look! — Look! Have I the outline of that caitiff,
Who to the tyrant's feather bends his crown,
The while he loathes the tyrant?' (Kn. s. 152/53),
während bei Florian Teil seine Verachtung in den worten
ausdrückt:
41 est justifi6a par la lächete de ce peuple. F excuse, j'approuve
Gesler ; il doit nous traiter en esclaves, il ne peut pas assez mäpriser
des hommes, assez bas pour se soumettre ä des caprices aussi d6-
gradans'. (Fl. s. 183/84).
Sonst verfährt ja Knowles in dieser scene recht selbständig.
Um den haupthelden der nebenhandlung und damit diese selbst,
welcher ausser den schon genannten scenen des ersten aufzuges
noch die zweite des dritten aktes gewidmet ist, mit der haupt-
handlung in Zusammenhang zu bringen, lässt Knowles den
Michael Waldman die sonst dem Teil zugeteilte rolle über-
nehmen: Michael verachtet des landvogts befehl, den hut zu
grüssen, wird von Sarnem daher gefangen genommen, durch
den herbeieilenden Teil aber wider befreit, der nun seinerseits
von der wache übermannt und gefesselt vor Gessler geführt
wird. Die Unterredungen zwischen dem ty rannen und dem
freiheitsstolzen Jäger (Fl. s. 185 ff., Kn. akt IV, sc. 1) gleichen
sich in beiden dichtungen insofern, als in beiden Teil dem
landvogt in beredten, trotzigen worten furchtlos den hass und
den rachedurst, der die Schweizer gegen ihre Unterdrücker er-
1 D. h. sich bücken vor dem hut.
2 D. h. *cet exces de tyraunie et de dämence' die leute einen hut
grüssen zu lassen.
8 SCHIRMER,
fülle, kund tut. Als Gessler erfährt, dass Teil verheiratet sei
und kinder habe, lägst er durch Sarnem den gefangen gehal-
tenen knaben herbeiführen. Auch hier hat Knowles wider
einen zag von Florian entlehnt: Der junge Teil, die seinem
vater drohende gefahr erkennend, verleugnet diesen. Knowles
führt dies nun weiter aus, indem er den alten Teil auf die
täuschung des knaben eingehen lässt, während bei Florian der
vater gleich ausruft:
'0 Gemmi! 6 mon fils! je peux l'embrasser encore! et dans quels
lieux pourquoi comment?'
und so den wahren Sachverhalt verrät Im englischen drama
kann Teil erst nach langer Selbstbeherrschung, als Gessler den
knaben zum tode führen lassen will, seinen väterlichen gefühlen
nicht mehr gewalt antun: seinen söhn umarmend ruft er aus:
'He is my child!'
Auf das bekenntniss TelFs enthüllt nun Gessler bei Florian und
Knowles seinen teuflischen plan:
'C'est toi dont l'adresse est si renommäe dans l'art de conduire une
barquel c'est toi dont les fleches toujours süres n'ont jamais man-
que le but!' (Fl. s. 189).
(What! he so famed 'bove all his countrymen
For guiding o'er the stormy lake the boat?
And such a master of his bow, 'tis said
His arrows never miss?' (Kn. 8. 163),
sagt Gessler zu Teil und befiehlt ihm auf das hin einen apfel
vom haupte seines kindes zu schiessen. Bei Florian wird Teil
gleich auf den platz geführt, wo der apfelschuss geschehen
soll. Knowles lässt noch eine pause eintreten: Teil schützt
die dunkelheit des einbrechenden abends vor, um den schuss
auf den folgenden tag zu verschieben. Gessler hört auf Tell's
einwände und vater und söhn werden in denselben kerker ge-
führt. Knowles brauchte diese Unterbrechung der haupthand-
lung, um im akt IV, sc. 2 dem Zuschauer vorzuführen, wie
Michael Waldman und seine genossen nächtlicher weile in
Gessler's schloss dringen. Bei dieser eroberung der feste zu
Altorf erinnerte sich Knowles sicherlich an die in der schweize-
rischen befreiungssage erzählte einnähme der bürg auf dem
Rotzberge:
' In der ersten Stunde des Jahres drey zehnhundert und acht wurde ein
Jüngling zu Unterwaiden aus der Zahl deren, welche die Befreyung
der Waldstätte verschworen, von einer Magd auf der Burg Rosberg
KNOWLES* TELL. 9
an einem Seil in ihre Kammer hinaufgezogen: sein warteten im Graben
der Burg zwanzig Freunde des Landes, die er mit eben diesem Seil
in die Burg hinauf zog. Die Jünglinge nahmen den Burgamtmann,
sein Gesinde und vier Knechte gefangen, bemeisterten sich des Thors
und waren still'.
So lautet die erzählung in Müller' 8 Schweizergeschichte buch II,
seite 1. In einer anmerkung zu diesen worten sagt Müller:
'Das ist was von Joggeli und Anneli das Unterwaldner Volkslied
singt'.
Es ist doch nun gewiss mehr als blosser zufall, dass in dem
englischen Schauspiele ein Jagheli und Anneli ebenfalls als ein-
ander liebend dargestellt werden, dass Jagheli ein junger
Schweizer, Anneli eine insassin von des landvogts schloss ist,
und dass endlich Jagheli auch auf einer Strickleiter in die
bürg gelangt Noch verwandter als Joggeli ist mit unserem
englischen Jagheli die namensform Jakeli, welche AL Businger
erwähnt in seiner schrift 'Der Kanton Unterwaiden ' (gemälde
der Schweiz 1836) auf s. 162, wo er vom Rotzberg sagt, man
sehe dort noch die reste der mauer, 'über die einst das schöne
Anneli den lieben Jakeli hinaufzog' und dann noch beifügt, ein
alter vers auf die einnähme der bürg Rotzberg laute:
'Rozberg mit sonderbarer List,
Eines Buhlers b'stiegen und g'schlissen ist'.1
Allerdings ist ja die hauptperson bei der ersteigung von Gessler's
schloss nicht Jagheli, sondern wider Michael. Er ist es, der
seine geliebte Agnes aus dem 'house of wolves', wie er die
bürg nennt, entführen will:
'No sentinel
Keeps watch beneath the casement where you sleep:
There could I hang, by aid of this kind night,
A ladder- — such a one as lovers find
Their way by to their mistress' arms, when doors
Are barr'd against them — ' (akt III, sc. 2).
Hit dieser tat der liebe will der junge Schweizer aber auch
eine patriotische tat verbinden. Nach Tell's gefangennähme
bei dem hüte verkündet Michael dem Verner seinen plan. Auf
Gessler's bürg zeigend sagt er zu seinem landsmann:
1 Diese mitteilung aus Businger verdanke ich der freundlichkeit des
heim Prof. Dr. Dierauer in St. Gallen. — Auf ein Volkslied über die erobe-
rung der bürg Rotzberg wird sogar angespielt in Murray's Handbook for
Travellers in Switzerland Part I, p. 62. Die einnähme des Schlosses wird
nach bekanntem vorbilde erzählt und dann au gefügt: 'The loves oiJägeli
and Anneli have, from that day forth, been celebrated in Swiss song .
10 SCHIRMER,
(Spy you a casement, too,
Just half-way np?
This night to me
That casement opens; and a cord, let down,
Takes up a hempen ladder, strong enoogh
For me to mount.
When I have won
The prize I venture for, and safe bestow'd
What hinders ten or twenty of my friends —
What hinders them, I say, to lodge with me
This night in yonder tulTet?,1 (akt III, sc. 4).
In der zweiten scene des vierten aufzuges wird dann die er-
Steigung des Schlosses durch Michael, Jagheli und andere junge
männer vorbereitet und, allerdings hinter der bühne, auch aus-
geführt.
In akt V, sc. 1 wird uns geschildert, was sich während
Tell's und Albert's abwesenheit in Tell's haus ereignet: Emma,
Tell's gattin, ist von sorgen gepeinigt über das lange ausbleiben
von gemahl und söhn; durch einen fremden erfährt sie die
gefangennähme ihrer beiden lieben, ebenso dass feuerzeichen
auf den bergen den anstoss zur empörung des landes geben
sollen. Auf diese nachricht hin wirft nun das mutige weib
mit eigener band den feuerbrand in ihre traute hlitte und sieht
mit begeisterung an den auf allen httgeln emporflammenden
Signalen, dass ihr zeichen anklang und verständniss gefunden.
Auch für diese prächtige scene bot dem dramatiker der fran-
zösische novellist eine geeignete vorläge. Bei Florian zündet
Tell's gattin, allerdings erst nach einem langatmigen gespräoh
mit dem alten Melchtal ihre hütte an, als sie von Ciaire über
die ereignisse in Altorf unterrichtet worden (Fl. s. 202 ff.).
Die wirksamste scene nun, die apfelschussscene, hat
Knowles an den schluss seines Schauspieles gestellt. Es ist
unverkennbar, dass auch bei ausarbeitnng dieses auftrittes
1 Bei dem auf Tschndi und Müller fassenden Schiller wird bekannt-
lich auch die erobemng der burg Rotzberg erwähnt; in der GrUtliscene
sagt Melchtal:
'Den rossberg übernehm' ich zu ersteigen.
Denn eine dirn' des Schlosses ist mir hold,
Und leicht betör' ich sie, zum nächtlichen
Besuch die schwanke leiter mir zu reichen;
Bin ich droben erst, zieh' ich die freunde nach'.
KNOWLES' TELL. 11
unserem englischen dichter die französische erzählnng vorge-
schwebt; aber ebenso begreiflich ist es, dass ein so tüchtiger
dramatiker wie Knowles bei der darstellung dieser wichtigen
begebenheit auch seiner eigenen phantasie gebührenden Spiel-
raum liess. Nur ein unbedeutendes, aber vielleicht gerade
darum um so charakteristischeres moment zeigt die abhängig-
keit des Engländers von dem Franzosen: Bei Florian heisst
es s. 196:
(On lui (a Teil) präsente son arc avec une seule fläche; apres en
avoir essaye la pointe, il la brise, la rejette et demande son carquois ;
on le lui applorte; il le vide ä ses pieds, cherche, choisit parmi tous
ses traits, demeure longtemps baiss6, saisit un instant favorable et
cache une fleche sous ses vetemens'.
Bei Knowles lautet die scene auf s. 174/75:
Teil: Let me see my quiver.
Gesler: Give him a Single arrow.
Teil: Do you shoot?
Lutold: 1 do.
Teil: Is 't so you pick an arrow, friend?
The point, you see, is blunt, the feather jagg'd;
That's all the use 'tis fit for. [ßreaks it.]
Gesler: Let him have
Another.
Teil: Why, 'tis better than the first,
But. yet not good enough for such an aim
As I'm to take. 'Tis heavy in the shaft:
I'll not shoot with it! [Throws il away.] Let me see my quiver.
Bring itl 'tis not one arrow in a dozen
I'd take to shoot with at a dove, much less
V A dove like that,? What is 't you fear? I' am but
A naked man! — A wretched naked man!
Your helpless thrall, alone in the midst of you,
With every one of you a weapon in
His hand. What can I do in such a strait
With all the arrows in that quiver? Come,
Will you give it me or not?
Gesler: It matters not.
Show him the quiver. You're resolved, I see,
Nothing shall please you.
[Teil kneels and picks out an arrow, which he hides under his vest,
and then selecls another.]
Sonst ist, wie gesagt, in dem Schauspiel wo durch reden aus-
gedrückt werden muss, was in der prosaerzählung episch ge-
schildert werden kann, keine anlehnung mehr an denFlorian-
schen Teil. Am bedeutendsten aber weicht der eine straffere
12 SCHIRMBR, KNOWLES* TBLL.
handlang bezweckende dramatiker von dem novellisten da-
durch ab, dass er Teil den auf die frage Gessler's:
*For what
Hid you that arrow in your breast? Speak, slavel'
entgegnenden worten:
'To kill thee, tyrant, had I slain my son!'
damit einen furchtbaren nachdrack verleihen lägst, dass Teil
auch wirklich mit dem pfeile sofort Gessler's brüst durchbohrt.
Wie sich die ihres fUhrers beraubten Oesterreicher in das feste
schloss zurückziehen wollen, erscheint Michael mit seinen ge-
nossen auf dessen wällen; mit dieser doppelten befreiungstat
findet denn auch das englische drama seinen würdigen ab-
schluss. Es sei noch bemerkt, dass bei Florian Geösler von
Teil an der Teilsplatte erschossen und die bürg zu Altorf
durch die Schweizer in offenem stürme erobert wird.
Diese andeutungen mögen genügen um zu beweisen, dass
Knowles der erzählung Florian's in der hauptsache bei der
ausarbeitung seines dramas gefolgt ist. Sicherlich hat aber
der dichter sich noch mit der befreiungssage der waldstätte
durch eine andere quelle bekannt gemacht; wenn als solche
Johannes von Mttller's Schweizergeschichte hingestellt wurde,
so geschah dies bloss, weil durch deren klassische, von patrio-
tischer wärme durchzogene darstellung die sagenhafte und
dichterisch ausgeschmückte geschichte von der begründung
der schweizerischen freiheit ein gemeingut aller gebildeten ge-
worden ist.
Leipzig. 6. Schirmer.
PYRAMYS AND TYSBE.
Der zweite anfsatz in Gädertz' buche 'Zur Kenntniss
der altenglischen Bühne' (1888) hat die frage nach einer von
Shakespeare benutzten, bis jetzt aber unbekannten neuen vor-
läge zum Zwischenspiel im Sommernachtstraum aufs neue an-
geregt, und obwol ich entschieden der meinung bin, dass das
von Warton (IV, 297) zuerst herbeigezogene 'Boke of Perymus
and Thesbye', welches 1562 die 'licenz' erhielt, höchst wahr-
scheinlich dem dichter bekannt war, denke ich doch wird
eine fassung des geschichtchens aus dem jähre 1521 1 nicht
unwillkommen sein, auch wenn sie stark von Boccaccio be-
einflusst ist. Diese fassung befindet sich in dem 'Boke of the
Cyte of Lady es', welches 15212 von Henry Pepwell verlegt
wurde, und über dessen Urheber Pepwell selbst in dem der
tabula folgendem prolog berichtet:
^1 Here after foloweth the Prologue of the prynter.
(8ig. Aa, IV r) The kyndly entente | of euery gentylman
18 the furtheraunce | of all gentylenesse.
And to procure | in all that euer he can.
For to renewe | all noble worthynesse.
This dayly is sene | at our eye expresse.
Of noble men | that do endyte and rede.
In bokes olde | theyr worthy uiyndes to fede.
^1 So nowe of late | came in my custodye.
This foresayd boke | by Bryan Anslay.
Yoman of the seller | with the eyght kynge Henry.
Of gentylwoinen | the excellence to say.
The whiche I lyked | but yet I made delay
1 Gädertz erwähnt s. 26 Hans Holbein's darstellun? der sage v. j. 1526.
* Das koiophon lautet: ^1 Here endeth (folgt der oben gegebene titel).
% Imprynted at London in Poules chyrchyarde at the sygne of the Trynyte
by Henry Pepwell. In y« yere of oure lorde .M.CCCCOXXI. The .XXVI.
day of öctober. And the .XH. yere of the reygne of oure souerayne
lorde kynge Henry the .VIII.
14 FLÜGEL,
It to impresse | for that it is the guyse.
Of people lewde | theyr prowesse to dyspyse.
^] But then I shewed | the foresayd boke
Unto my lorde | the gentyll Erle of Rente.
And hym requyred | theron to loke.
With his counsayle | to put it in to prente.
And he forthwith | as euer dylygente
Of ladyes (abrode) to sprede theyr royall fame.
Exhorted me | to prynte it in his name.
^] And I obeyenge gladly to his instaunce
Haue done my deuoyre | of it to make an ende
Prayenge his lordshyp | with others yl shall chaunce.
On it to rede | the fautes for to amende.
If any be | for I do fayne intende.
Gladly to please | And wylfully remytte.
This ordre mde | to thein that haue fresshe wytte.
f Thus endeth the prologue.
Ueber den inhalt des buches gibt uns der titel schon
einigen aufschluss: 11 Here bygynneth the boke of the Cyte
of Ladyes | the || whiche boke is deuyded in to .III. partes.
The fyrst par || te telleth howe and by whom the walle and
the cloyster || aboute the Cyte was made. The seconde parte
telleth || howe and by whom the cyte was buylded within and ||
peopled. The thyrde parte telleth howe and by whom || the
hyghe battylmentes of the towres were parfytely || made |
and what noble ladyes were ordeyned to dwell || in y® hyghe
dongeons. And ye fyrst || chapytre telleth how and by whom
and by what mouynge the sayd cyte was made. (folgt holz-
schnitt: zwei damen vor einer barg darstellend; auf der rück-
sei te des titeis holzschnitt: eine nonne predigt.
Ich behalte mir vor. an anderer stelle über den inhalt des
* «
buches ' nnd seine quellen (besonders auch über Henry Parker
Lord Morley's Übersetzung von Boccaccio's 'De Claris Mulieri-
bns') näheres anzugeben, nnd bringe hier nur aus dem 2. buche
das 56. kapitei zum abdruck.
U Of Tysbe the mayden. ca. LVI.
Ouyde telleth in his booke of Methamorphoseos that in the cyte
of Babylone were .II. noble and ryche cytezynes ryght nyghe neygh-
1 Warton und nach ihm George Ellis (Speciinens II, 20) halten das
buch für ein gedieht! Anslay's werk ist bearbeitung des Tresor de U
cite des Dames der Christine de Pizan (wie schon Ellis vermutet); nichts
über Anslay in Fr. Koch's Leben und Werke der Christina (1885).
PYRAMYS AND TYSBE. 15
boures y* y« walles of theyr houses y* they dwelled in joyned togyder.
The .IL men had .II. chyldren fayre aboue all others \ yl one a sone
y* was named Pyramys | and ye other a doughter whiche was named
Tysbe. These .II. chyldren whiche yet were without malyce | as of ye
age of .VII. yeres loued so parfytely togyder y* they myght not abyde
one from another. And it was theyr guyse alwaye euery day to ryse
in y« mornynge[,] togyder to take theyr refeccyon[J of theyr faders for
to go to play wth other chyldren of theyr age to y6 entente y* they
myght be alway togyder | & at al theyr playes one myght so them to-
gyder | & thus endure tyll they were waxe grete | & as they grewe in
age so encreased ye flames of theyr loue | so moche yt by theyr haunt-
ynge they were perceyued | & so some had suspeccyon[.] by [rückseite]
the whiche it was reported to the moder of Tysbe. The whiche toke
suche wrathe of this thynge y* she shytte her faste in her chambres | and
sayd that she wolde kepe her well ynoughe fro the hauntynge of Pyramus.
Of this pryson were ryght sorowfull these two louers that theyr wepynges
& complayntes were ryght pyteous. And so was this sorowe to them
ryght harde for that none of thtym myght se other. This dy stresse
endured passynge longe | the whiche made not lesse theyr loue | ne made
them nothynge ye slower[.] for so moche as they sawe not eche other
but alway encreased the hete of theyr age | so moche that they were
come to the age of .XV. yeres. It happened on a daye so as fortune
wolde that Tysbe that thought alwaye in her loue all wepynge in her
chambre beholdynge the walle that was bytwene ye .II. houses in sayenge
pyteously. 0 thou walle of harde stone whiche makest the departynge
bytwene my loue and me | yf there were any pyte in the[,] thou woldest
cleue in sondre to the entente that I myght se hym that I haue desyred
so moche. And as she sayd these wordes | she sawe by aduenture in a
corner y« walle cleued by the whiche she perceyued the lyght of that
other parte | and then she dygged in the clefte with a pendant of her
gyrdell | for other toole had she none | ye hole encreased so moche y* she
put thrughe the pendant | to the entente that Pyramus sholde perceyue it.
The whiche thynge happened as by this token these .II. louers often tymes
assembled [neue seite: Ol] to speke togyder in the foresayd hole where
they made theyr pyteous complayntes. And at last constrayned by grete
loue they toke coücayle that they wolde stele awaye by nyght fro theyr
faders and moders. And that eche of them sholde fynde other at a welle
vnder a whyte mulbery tre where they were wonte to playe in theyr
youthe. And as Tysbe whiche loued more was the fyrst come to the
welle abydynge her loue | she beynge aferde of a lyon that she herde
comynge to drynke at the well she fled to hyde her in a busshe there by.
And in goyngef,] she let fall a whyte couerchefe the whiche the lyon
fonnde | and caste vpon the entrayles of beestes that he had devoured |
Pyramus came or yl Tysbe durste come out of the busshe. And for that
he found the couerchefe of Tysbe whiche, he perceyued by the moon
lyght charged with the entraylles | trowed verely that his loue was de-
nonred. So be had so grete sorowe that he slewe hymselfe with his
■werde. And as he was in dyenge Tysbe came whiche founde hym in
b
«^i-NÄh-ii L. > . .-••
16 FLÜGEL,
that poynt and by the token of couerchefe yt she wolde lyue no longer.
And when she sawe that the spyryte of her loue was out of his body
after many grete lamentacyons that she made she slewe herseife with
the same swerde.
Diesem kapitel folgt eins (ca. LVII): Of the good woman
Hero, in welchem der held als Ilander figuriert, während Bottom
und Flute (M.N. Dr. V, 1, 192. 193) das liebespaar zu Limander
und Helen machen.
Noch älter als die obige englische bearbeitung der Pyra-
muserzählung (welche seit Chaucer zu den lieblingsgeschich-
ten des englischen volkes gehört zu haben scheint) ist eine
metrische fassung in einem ms. des Balliol College zu Oxford
(no. 354). Dies ms. ist ein sammelband von legenden, liedern
u. s. w., der hauptsache nach von Joh. Hyde zusammengestellt
und in die letzten jähre des 15.#oder die ersten des 16. Jahr-
hunderts zu setzen. Als dichtnng beansprucht die fassung frei-
lich keinen wert. Sie lautet:
[fol. 93 a]
The tale of pyram9 & thesbee which slew
the seif vp a swerde.
1 rede a tale & tellith this
The cite whiche Symyramys
Enclosed hath with wall abowt
of worthy folke with many a rowt
was Inhabited here & ther
ainonge the which two ther were
above all other noble & gret
dwellyng thar wl in on stret
So nygh to geder as it was sene
yt ther was no thyng them be twene
But hows to hows & wall to wall
This o[ne] lord had in esspecyall
a sone a lusty bachelore
In all the towne was non his pere
that other had a dowght* eke
In all the londe ffor to seke[.]
Men knew non so fayre as she
& [so it] ffell as it should be
This ffayre dowght«" nygh this son
As they to gether than wonne
Cupide hath so thyngs shape
That they myght not his hond9 escape
Bat he his ffyre on them he caste
That he ther hart9 hath over cast
FYRAMYS AND TYSBE. 17
To folow that lernynge & sewe
Which never man myght yet eschewe
& it was love as it is happid
Which hath ther hart9 so be trappid •
& they by all weyes seche
howe that they myght com to speche
Ther wofull payn | for to lesse
Who loveth well hit may not mysse
And namely | whan ther be two
Of on accord how so it go
But yf that they som way fynd
ffor love ys ever of suche a kynde
& hath his ffolk9 so well affeyted
that how so eur hit be awayted
Ther may no man ye purpose lett
& thus betwen them two they sett
An hole thorow a wall to make
Thorow which they haue yr cownsaill take
At all tymes whan they myght
This ffayre mayde thesbee hight
& he whom that she loved hote
was pyram9 by name hote
So lönge ther (lesson) they recorde
Till at the last they accorde
by nyght9 tyme for to wende
alon owt of the townes. ende
[fol. 93 h] Wher was a well vnder a tree
& who cam first oyr she or he
Shuld still ther abide
So it befell by nyght9 tide
This mayd which disgised was
All pTiuyly a softe paas
Goth thorow the large town vnknowe
Tyll that she cam w* in a throwe
Where that she lyketh for to dwell
At that vnhappy fresshe well
Which was also the forest nygh
Wher she cömyng a lyon sigh
In to the feld to take his pray
In hast this mayd went a way
So as fortune shuld ffall
ffor fere & lete her wymple fall
Nygh to ye well vpon the creage(?)
This lyon in his wilde Rage
A beste which that he fonde owt
hath slayn & w* his blody snowt
Whan he had eten what he wold
To drynke of the stremes cold
Angli», XII. band, 0
18 FLÜGEL,
Com to the well wh$r he fbnde
The wymple which owt of he[r] honde
was ffall | & he it hath to drawe
& with his blody mowth to gnawe
And than he went for to drynk
Vpon the fresshe welles brynk
And after that owt of the playn
he tornethe to the woode a gayn
& thesbee durst not remeve
But as a byrde which was in mewe
with in a busshe she kept her close
So still that she nowght a rose
vnto her seif she playneth aye
& it feil while that she ther laye
This pyram9 cam after sone
vnto the well | & by the mone
he fonde her wymple blody ther[.]
Cam neveryet to mann9 ere
Tydyng | ne to mann9 sight
Marvayll | which so sore a fright
Made any mann9 hart | as it tho dide
hym | which in that same stede
With many a woffull cöplaynyng
he begon his hand9 for to wrynge
As he which deineth sykerly
That she is dede & sodeynly
his sword all naked owt he brayd
In his fole hast | & thus he sayd
I am cawse of this felonye
So it is Reason that I dye
& she is dede by cawse me
And w* y* word vpon his knee
he ffel & to the god9 all
vnto them he gan call
he prtyed sithen hit was soo
That he may not his love as thoo
[fol. IM»] Haue In this worlde | y* of yr grace
he myght her haue in other place
ffor her wold he not a bidc
he seyth | but as it shall be tide
The pomell of his sword he grownd
he sett & thorow his hart a wownd
he made vp to the bare hilt
In this wyse hym seif he spilt
With his fole hast | & deth he nam[.]
w* in a while this mayd forth cam
Where he lay ded vpon his knyff
So woffull yet was never lyff
PYRAMYS AND TYSBE. 19
as thesbee was whä she hym sigh
She myght not on word on high
spoke owt | for her hert was so shett
That of her lyff no pryse she sett
But dede swounyng | down she ffell
Till äff whan it so beffell
That she owt of her trance awoke
With many a wofull pytyowous loke
her eye alway ainonge she caste
Vpon her love & at the laste
She cawght breth & said thus
0 thow which called art venus
Goddes of love & thow cnpide
Which loves cawse hast for to gide
1 know now well that ye be blynde
Bv this vnhappe | which I now fynde
Only betwen my love & me
This pyram9 which I nowe see
Bledyng | what hath he desemed
ifor he yo* heste hath kept & serued
& was yonge & I bothe also
Aias why do you with us so
ye sett owrhart9 both on ffyre
And made vs such thyng desyre
Wher of that we no skyll cowthe
But thus owr fresshe lusty yowthe
With owt Joye is all dyspendid
Whiche thyng may never be amendid
ifor as for me thus will I say
That me is lever for to dye
Than leve aftr this sorowfull day
& with this word9 ther as she lay
Her love in armes she Inbraseth
Her own deth | & so purchaseth[,]
That now she wept | & now she kyst
Tyll at the last or she it wyste
So gret a sorowe is to her ffall
which over goth her witt9 all
& she which myght it not asterte
The sword9 poynt agayn her harte
She sett & feil down ther vpon
Wher of that she was dede anon
& thus vpon on sword bledyng
They were both fownd dede lying[.]
Now thow my son haste hard this tale
[fol. 94 b] Beware that of thyn own bale
Thow be not cawse In thy fole haste
& kepe that y* thy wit not waste
2*
20 FLÜGEL, PYRAMYS AND TYSBE.
vpon thy thowght in a venture
Wher of thy lyves forfeyture
May ffall | & yf thow haue so thowght
amend it or elles doste thow nowght
Nor hast not thyn own sorowe
Rather a bide tyll to morowe
My son take this in thy Reason
he hath not leste y( bydeth a good season
By ensample that ffell thus
Thow myght well take of pyram9
Whan he in hast his sword owt drowgh
& on ye poynt hyself he slowgh
ffor love of thesbee pytyowsly
ffor he her wymple fowde blody
& wend a beste had her slayn
Wher as he owght to haue ben ffayn
ffor she was ther all Ȋff be side
but for he wold not abide
This myscheff ffell for thy beware
My son as I the warne dare
Do no thyng in suche ffolishenesse
ffor sufferans ys the well of pesse
ffole haste doth non avauntage
But cawsith a man to fall in Rage.
In der Überschrift u. s. w. ist . . .9 für den Schnörkel,
dessen bedentnng ys, us, is n. s. f. ist, gesetzt; für zusammen-
gezogene buchstaben in ser.. n. äbnl. ist ser gesetzt; die rune
kommt im Balliol-ms. nicht vor, statt dessen stets y.
Eine dritte fassnng vom Pyramns findet sich etwa gleich-
zeitig mit Anslay in 'La conusance damours' (s. 5; a4), welche
ich gelegentlich einer besprecbung dieses gedichtes nachzu-
tragen gedenke.
Leipzig. Ewald FlügEl.
ÜBER DIE PARALLELSTELLEN IN DER
ANGELSÄCHSISCHEN POESIE.
Sarrazin hat in seinen Beowulfstudien zwischen Beowulf
einerseits und Cynewulfs echten und den ihm zugeschriebenen
dichtungen andererseits, ferner zwischen B.-Cynewulf einerseits
und der übrigen angelsächsischen poesie andererseits eine grosse
anzahl parallelstellen nachgewiesen. Nur in Ps., Hy., Met, Fse.
und Zaub. sollen sich keine Übereinstimmungen mit B.-Cynew.
finden. Es schien mir auffallend, dass die erwähnten gedichte
allein eine ausnähme bilden sollten. An das von Sarrazin ge-
sammelte material anschliessend, untersuchte ich: 1) Ob Ps., Hy.,
Met, F®., Zaub. nicht vielleicht doch anklänge an B.-Cynew.
enthielten. 2) Ob- parallelstellen nur zwischen Cynew. und der
übrigen poesie sich fänden, oder ob etwa auch nichtcynewul-
fische dichtungen untereinander gemeinsamkeit des ausdrucks
zeigten. Schliesslich, als diese Vermutungen sich bestätigten,
3) ob sich etwas über die herkunft und bewegung der parallel-
stellen ermitteln liesse. Im laufe der arbeit fanden sich noch
einige nachtrage zu Sarrazin kap. IV. Ich führe zunächst die
stellen an, behaupte aber keineswegs, unbedingte Vollständig-
keit erreicht zu haben, obwol ich dieselbe stets angestrebt
Im gegenteil, ich bin überzeugt, dass sich sowol zu Sarrazin's
als zu meinen belegstellen noch immer nachtrage finden werden.
Doch glaube ich, dass das jetzt vorhandene material hinreicht,
um daraus ein urteil über die bedeutung der parallelstellen
fällen zu können.
Bei den folgenden aufzählungen gehe ich von den nach
S. (s. 153) Cynewulfschen werken aus und vergleiche mit ihnen
die übrigen ags. dichtungen in der reihenfolge von Grein s
Bibliothek der ags. Poesie. Die verschlusse, auf deren Über-
einstimmung S. besonderes gewicht legt, bezeichne ich, wo sie
nicht ohnehin ersichtlich sind, durch einen senkrechten strich.
22
KA1L,
1. Nachtrag zu Sarrazin^ material.
B.8
weox under wolcnum
Gen. 1702
weox )>& under wolcnum
»9
aeghwilc {?ara ymbsittendra
„ 2488
anra gehwilcum ymbstan-
dendra
»10
ofer hronrade
„ 205
geond hronrade
„100
ottyaet an ongan
„ 30
J?e }>one unrsed ongan
»rest fremman
fyrene fremman
» 19
firena fremman
»119
sorge ne cufton |
» 18
Synna ne cufton |
„301
flota stille bad |
Exod.550 here stille bad |
„916
Hwilum fealwe strsete
„ 170 Hwilum of }>am werode
wlance ^egnas
mearum mseton
maston milpaöas meara
bogum
„93
swa wseter bebugeö
Dan. 321
swa heofonsteorran
bebugaÖ
„250
naefne him his wlite leoge
„ 416
nales me sefa leogeÖ |
„654
and }>aet word acwaeÖ |
„ 283
and }?a word acwaeo" |
„658
hafa nu and geheald
„ 198
habban ne healdan
„983
ofer heahne hrof
„ 442
on heahne hrof
„ 1082
)>tet he ne meahte on J?am
„ 145
ne meahte J>a seo menigeo
meftelstede
on ^am mettelstede
„1277
gifre and gealgmod
„ 230
grim and gealhmod
„ 1569
secg weorce gefeah |
„ 268
J?ara j?e \>y weorce gefegon |
„2320
ser dseges hwile |
„ 349
on dseges hwile |
„2696
swa him gecynde wass |
» 3
swa him gecynde wees |
„ 2805 heah hlifian
„ 603
heah hlifian
„3035
}>a wses endedseg |
„ 679
}?a wees endedseg |
„145
otyset idel stod
Wand. 86
i oÖf>aet . . .
husa seiest
eald enta geweorc idlu
stodon
»547
nipende niht
» 104
nipeÖ nahtscua
„ 2870
ower feor otfte neah findan
» 26
hwaer ic feor oÖÖe neah
meahte
findan meahte.
„547
nipende niht
Seef. 31
nap nahtscua
„955
awa to caldre
» 79
awa to ealdre
„ 1736 adl no yldo
» "0
adl olppo yldo
„99
Swa )?a drihtguman dreamum
Rui. 22
Beorht wa»ron burgreced,
lifdon
burnsele monige,
eadiglice oÖ}>yet an ongan
heah horngestreon , here-
fyrene fremman
weg micel
meodoheall nionig, man-
dreama füll,
o8}>aet paet onwende Wyrd
sco swiöe
„1024
Beowulf ge^ah
Wids. :*
oft he on flette ge|>eah
ful on flette
mynelicne maddum
PARALLELSTELLEN IN DER AGS. POESIE.
23
B.
n
n
n
n
n
n
n
n
n
n
n
n
n
1041 naefre on ore l»g
wi8cuoes wig )>onne . . .
343 Beowulf is min nama
656 siftftan ic hond and rond
hebban mihte |
658 hafa nu and geheald
675 gespreec gylpworda sum
2017 folcaflet eal geondhwearf
2030 lytle hwile |
754 forht on ferhöe; no \>y aer
fram meahte
1337 he «et wige gecrang |
1545 hyrc seax geteah
brad and brnnecg
1573 waepen hafenade
heard be hiltum Higelaces
J>egn
yrre and anraed
2524 Nelle ic beorges weard,
feond oferfleon fotes trem
2646 Nu is se daeg comen
2984 wselstowe wealden moston
1950 ofer fealone flod
464 ofer yfta gewealc
1861 ofer ganotes baeo"
14 }>one god sende
folce to frofre
n 1898 mearum and maftmum
n 2861 t>am }>e aer his eine forleas.
„ 471 ofer waeteres hrycg |
„ 730 his mod ahlog |
n 1622 )>as laenan gesceaft
£1. 109 byman sungon |
„ 731 ealne gehwyrft and uprador
n
n
n
n
n
n
n
n
530 sevde soocwiftum
924 goda geasne
983 ofer heahne holm
134 flugon on faesten and feore
borgon
88 faele frioowebba
239 ofer eargeblond
74 aer otföe siö"
292 waeron wuldorcyninge
drihtne dyre
By.
274
Sal.
185
*
367
By.
317
n
324
n
162
n
n
n
n
Wids.119 ful oft }>»r wig ne alaeg
J>onne . . .
Fi. 24 SigeferÖ is min nama
By. 235 )?a hwile J>e he waepen
maege |
habban and healdan, he-
ardne mece
gar and god swurd
gylpwordum spraec
land eal geondhwearf |
lytle hwile |
Ic eom frod feores; fram
ic ne wille
he on hilde gecranc |
braed bill of sceÖe
brad and brnnecg
42 bord hatenode
wand wacne aesc, wordum
maelde
yrre and anraed
247 J?aet ic heonan nelle
fleon fotes trymm
104 waes seo tid cnmen |
95 waelstowe wealdan mote |
Ae^elst. 36 on fealone flod
Eadg. 45 ofer yöa gewealc
Eadg. 46 ofer ganotes baeo"
Men. 228 faeder engla
his sunu sende
folcum to frofre
Gn. Ex. 88 mearum and maomum
„ „188 ]?8et he eine forleose
Sal. 19 on waeteres hricg |
„ 178 his ferhÖ ahlog |
„ 326 on {risse laenan gesceafte
Exod. 160 byman sungon | (Dan. 192)
„ 26 eoröan ymbhwyrft and up-
rodor
Dan. 446 sevton soifcwidum
Wal. 46 goda geasne
Wand. 82 ofer heahne holm
Wald. 15 on weal fleon, lice beorgan
Wids. 6 faelre friÖÖowebban
Ae|>elst. 26 ofer eargeblond
Men. 200 siÖ otföe aer
„ 192 waeron
dryhtne dyre
24
KAIL,
£1: 1189 be J?am se witga sang |
„ 470 asced t>ara scylda
Jul.417 bifolen in foldan
„ 564 )>8et fyr tosceaf |
„ 566 f>one lig towearp
„ 335 oÖÖe feor oÖÖe neah fundne
weoriten
„ 495 J>eah ic gesitte samorlangne
d«g
bugan from beaduwe
ic behlihhan ne f>earf |
ic to soöe wat
ea inflede
freonda feasceaft
]?aet hie ne murndon aefter
mandreame
j?onne gemet waere |
acol for }?y egesan
man on moldan
Hiht waes geniwad |
ofer yöa gej>ring |
hreftre behabban
ofer hwaeles eÖel
83t lides stefnan |
for frean egesan |
he wundra fela wordum
gecyÖoe
sweotuira and gesynra
ofer fisces baeÖ |
manfulra hloÖ |
scadu sweöredon
]>one grimman gryre
acol for J?am egesan
dygle stowe
hie gielpan ne J?orfton |
cuÖ is wiÖe
claene
womma lease
wide and side |
geond woruld innan
Ufdon leahtrum fa |
for fasder egesan |
geofum unhneawum |
us secgaft bec |
swa gewritu secgaÖ |
swa «er bcforan sungon
witgena word
Rä.81*4 gifrost and graedgost
n
385
n
526
n
547
An. 1506
n
1130
r»
37
n
1180
n
1268
n
14S6
n
1012
n
368
n
818
n
274
n
403
n
457
n
564
n
293
n
42
GÜ.1262
n
543
n
664
n
130
n
210
n
507
Cri.187
n
394
n
469
r>
830
n
1015
n
686
n
785
n
547
n
468
Men. 59 swa se witga sang |
Sal. 56 asceaoan of scyldum
Dan. 560 foldan befolen
„ 340 t>one lig tosceaf |
Kl. 37
By . 1 85
n
n
567
Kr. 148
Seh. 79
Seef. 60
n
n
Wand. 26 hwser ic feor oÖÖe neah
findan meahte
\>&r ic sittan mot sumor-
langne dseg
bugon fram beaduwe
Ae^elst. 47 hlihhan ne }>orftan |
Sal. 429 ic to soÖum wat
Gen. 232 ea inflede
„ 2699 freonda feasceaft
Dan. 571 }m ne gemyndgast aefter
mandreame
250, 492 f>onne gemet waere |
726 acol for }?am egesan
man on moldan
Hiht waes geniwad |
undet waetera ge^ring |
behabban on hreftre
ofer hwaeles edel (Eadg. 48)
7 öet nacan stefnan |
101 for godes egesan |
Men. 126 haefdon maenige «er wun-
dra geworhte
swutelra and gesynra
Run. 16 ofer fisces baeÖ |
Sal. 148 manfulra heap |
Gen. 133 sceado sweart swiÖrien
Dan. 439 of J?am grimman gryre
n 726 acol for }>am egesan
Pa. 37 dygle stowe
Ae^elst. 44 gylpan ne J?orfte |
Gn. Ex. 199 cuÖ waes wide
Dom. 93 claene
womma lease
wide and side |
geond worold innan
\>&t he biÖ leahtrum fah j
Seef. 101 for godes egesan |
Wids.139 geofum anhueawne |
Ae|>elst. 68 J>aes }>e us seegao* bec |
Eadg. 14 J?aes J?e gewritu seegaö |
Men. 59 swa se witga sang |
Seef. 62 gifre and gredig
n 10
Pa. 4
Wal. 66
PAKALLRLSTELLEN IN DER AGS. POESIE.
25
Rä. 53* hearde twegen |
„ 14* sweotol and gesyne
„ 826 a Menden ic lifige |
„ 629 red hwaet ic maene |
Ph.475 weorce to leane |
„ 674 brncan blaeddaga
„ 595 fah feond,gemah
„ 176 mine gefreege |
„ 496 men on moldan
n 385 and siÖÖan a
wunian in worulde weorca
to leane
„ 245 wiste wynsume
By. 80
Men. 128
Fä. 8
Sal. 236
Gen. 37
» 200
Wal. 39
Wids. 71
Eadg. 25
Men. 146
Leas. 22
modige twegen |
sweotolra and gesynra
a Menden ]>n lifige |
saga hwaet ic maene |
weorce to leane
brucaÖ blseddaga
flah feond gemah
mine gefraege | (Eadg. 9, 36,
Men. 27)
men on moldan
haefÖ nu lif wiö" p&n
mid wuldorfseder weorca
to leane
wynsume wist.
2. Parallelstellen zwischen den nach Sarrazin
Cynewulfischen dichtungen einerseits, und Ps., Hy.,
Met, Faed., Zaub. andererseits.
B. 801 sawle secean
„ 9 oft^set him aeghwilc }?ara
ymbsittendra ,
ofer hronrade hyran scolde
„ 80 he beot neh aleh
„ 259 wordhord. onleac |
„ 561 swa hit gedefe wses |
„ 576 ander heofenes hwealf
„ 687 swa him gemet J?ince |
„ 1119 wand to wolcnum
„ 2182 ginfaestan gife
n 1609 )H>nne forstes bend faeder
onlaeteÖ |
n 1622 \>as laenan gesceaft
. 1754 lichoma laene
„ 1224 Menden }>u lifige |
„ 407 Wes J?u Hro^gar hal
„ 471 ofer wacteres hrycg
El. 951 J>aer awa scealt
wiöerhycgende wergöu dre-
ogan
„ 239 ofer eargeblond
„ 1024 golde beweorcan and gim-
cynnum
Ps. 1415
Met. 9"
n
n
n
J89
6l
n
n
mine sawle secan wolde
eal J>aet Nerone nede o$Öe
lnstum
heaftorinca gehwilc heran
sceolde.
he J?aet eal aleag
wordhord onleac |
26w swa hit gedefe ne waes |
107 heofenes hwealfe
2943 swa him gemet }>raceÖ |
3118 windat5 ofer wolcnum
20M7 ginfsesta gifa
11" J>onne him sigora weard
his gewealdleÖer wille on-
laetan |
20 157 J?as laenan geßceaft |
„ 26118 lichoman lsenne
„ 26 l06 Isenes lichoman
Fae. 8 Menden }m lifge |
Zaub. I67 Hai wes Jm folde
„ 4** ofer saes hrycg
Ps. 68* on saes hricg
Hy. 457 forj^on hy longe sculan
werge wihte wraece }>ro-
wian
ofer eargeblond
golde geglengde and gim-
cynnum
n
Met. 830
15*
r>
26
KAIL,
n
n
Jul.112 heofon and eorftan and
holma begong
„ 168 ginfseste gife
„ 295 heafde beheawan
Cri.394 wide and side |
„ 785 us secgaÖ bec |
„ 204 leoman onlyhte
„ 382 earme eoröware
„ 667 singan and secgan
677 ofer sealtne saß
693 hsedre heofontungol
910 eadgnm and earmum
Rä. 359 blowan and growan |
„ 14* sweotol and gesyne
An. 1215 herd hyge f>inne, heortan
staoola
12S4 J?u wsest and const |
1558 feasceaft hseleft
61 grette gnmena brego geom-
ran stefhe
. . . and fms wordum cwseÖ
195 holma begang |
1628 mine gefrege |
Gu. 1059 mode and msegne (Ph. 471)
543 in }>one grimman gryre
761 haiig hyrde heofonrices
weard |
Gen. 1744 \>* se halga sprec heofon-
rices weard |
Ph. 117 sföftan wuldres gim
ofer geofones gong grund
gecineö
42 ealne middangeard
Met. 25«
ll30
n
n
»
n
n
n
20W7
n
1"
Ps.
56* ,s
Hy.
7*>
Met
. 2lM
n
457
n
217
n
19,a
n
22"
Zaub. 4"
Ps.
64»
Hy.
950
Ps.
7710
n
55"
Hy.
411t
Met
. lM
rt
ll80
rt
20*2'
r>
487
Zaub. 8S
M
1"
golde gegerede and gim-
cynnum
heofon and eoröan and
eal holma begong
ginfeesta gifa
heafde beheawan
wide and side |
^ses ]>q secgao* bec |
leoman onlihtan
earme eorÖwaran
secgan oÖÖe singan
on sealtne see
hador heofontungol
earmum and eadigum
blowaft and growao* |
swutele and gesyne
nsefdon heora heortan hige
gestaftelod
ic wat and can |
feasceaft haele
cleopode to drihtne
geomran stefhe
gyddode }ms
eal holma begong |
24* mine gefraege |
mode and msegne
w\]> }?ane grimman gryre
}>one haligan heofonrices
weard
n
Met. 22M }>onne swegles gim
hador heofontungol hlut-
rost scineÖ
Zaub. 54 geond ealne middangeard.
3. Parallelstellen zwischen
nie htcyne wulfischen
Gen. 346 wiÖ god winnan | Exod.
n 537 his word . . . wel healdan „
lsestan his lare
1 180 land and leodward
2737 he waes leof gode
2909 Here stille gebad |
75 susl {rowedon |
962 eard and eöel
1102 mid grimme gryre
n
n
n
n
Dan.
den nach Sarrazin
gedichten.
514 hie wiö" god wunnon |
560 gif ge gehealdaS haiige
lare
57 land and leod weard
12 He waes leof gode
300 mere still bad |
621 susl ^rowode |
612 eard and eöel
439 of )>am grimman gryre
PARALLELSTELLEN IN DER AGS. POESIE.
27
Gen. 1669
2332
n
n
n
n
n
n
n
1820
1970
1991
76
104
2005
2723
1332
1990
1999
n 2057
1, 2192
2772
17
125
134
375
418
962
1517
1696
2596
1051
2027
» 2723
Exod. 160
54G
.301
Y& foremeahtigan folces
raeswan
lufan and lisse
geseah Egypta
hornsele hwite and hea
byrig
beorhte blican
blachleor ides
Handum brngdon
haeleÖ of scaeÖum hring-
maeled sweord
ecgum dihtig
t>ystrum be^eahte
}>es wide grund
stod deop and dim drihtne
fremde
idel and unnyt
weold waelstowe
J>aer }?e leofost sie |
on lides bosme
waelgara wrixl
Gewiton feorh heora
fram ]>am folcstede fleame
nergan
heardan handplegan
ofer brad brimu
swa him cynde waeron
aeöelo fram yldrum
demdon drihtnes
swa se wyrhta bebead |
geond sidne grund |
ufan and neoÖone
windan on wolcne
eard and eöel
eoröe aelgrene
Jnirh his mihta sped
wunode wealdende leof
dsegrimes worn and his doh-
wineleas wrecca [tortwa
Aner and Manie Escol
^riddan |
J>aer }?e leofast sie
byman sungon |
duguft on dreame drihten
heriao*
Hofon herecyste hwite
linde
segnas on sande
n
Dan. 667 frod foremihtig folces
raeswa
„ 340 mid lufan and lisse
Jud. 136 J?aet hie sweotollice ge-
seon mihten
J?aere wlitegan byrig weal-
las blican
„ 128 blachleor ides
229 mundum brugdon
scealcas of sceaÖum scir-
mseled swyrd
ecgum gecoste
be^eahte mid ^ystre
Wand. 86 ot5}?aet burgwara breahtma
lease
eald enta geweorc idlu
stodon
waelstowe wealdan
)?aer him leofost waes |
AeJ?elst. 27 on lides bosme
51 waepengewrixles
36 on fealone flod feorh ge-
nerede
H(5. 55
By. 95
. 23
n
n
n
Ap. 10
25 heardes hondplegan
71 ofer brade brimu
7 swa him geaeöelo waes
fram cneomagum
deman drihtnes ae
Leas. 39 swa him god bebead |
Met. 20 m geond )risne sidan grund
„ 20m ufane and neooane
3118 windaC ofer wolcnum
2480 eard and eftel
eoröe aelgreno
[?urh )?inra meahta sped
}>aer Apollines
dohtor wunode daegrimes
wineleas wrecca [worn
heofonwaru and eoröwaru
helwaru }?ridde |
swa him leofust waes
byman sungon |
ofstum heredon
drihten on dreame
Leofsunu gemaeldo and
linde ahof
bord to gebeorge
n
n
n
n
2078
4»
2688
Hy. 490
7w
Ps. 80«
Dan. 192
257
n
By. 244
i
28
KAIL,
n
n
Exod. 481
129
80
346
327
198
223
442
n
Dan.
n
n
613
335
Jud. 205
Hü. 2
Dom. 68
Seel. 81
Mod. 14
Seef. 46
Bo. 13
Wids. 1
Fi. 29
By. 169
n 283
» 293
„ 23
„ 9&
„ 70
faege crungon |
fus on foroweg
wand ofer wolcnum
morgen mseretorht
hat and ceald
habban ne healdan
bitera deafc
on healme hrof lieofona
rices
for }>am gilpe
metndes miltse and his
mihta sped
}?aes se hlanca gefeah
wulf in walde and se
wanna hrefn
waelgilfre fugl . . .
earn «tes georn urig-
fettera
salowigpada . . .
hyrnednebba
gumena gemot |
no J^aes gilpan J?earf |
feldgangende feoh butan
snyttro
wlonce wigsmiftas
ymb yöa gewalc |
oferhwseles eoel
\>set }>u sinchroden sylf
gemunde
on gewitlocan wordbeo-
tunga
}>e git on aerdaguni ou
gespraecon
Menden git moston on
meodoburgnm
eard weardigan, an lond
bugan
freondscipe fremman
wordhord onleac |
celod bord
har hilderinc
clufon ccllod bord
on wielstowe wundum
sweltan
J>ter him leofost w«s
ofer scir waeter scildas
wegon
ne mihte . . . derian
A ekelst. 10 bettend crungon |
Men. 218 fus on forÖweg
Met. 311'2 windaft ofer wolcnum
n 1301 morgen meretorhtne
Dom. 106 hates and cealdes
By. 236 habban and healdan
Eadw. 26 deaft se bitera
Met. 24* ofer heane hrof heofones
Risses
„ eitil. 8 for* his gilpe
Sal. 492 metodes miltse and his
msega rad
Ae^elst. 61 salowigpadan )>one
sweartan hrefn
hyrnednebban and )n>ne
heasupadan
earn . . .
... and J>aet graege deor
wulf on wealde
Ae^elst. 50 gumena gemotes |
„ 44 gilpan ne }wfte |
Sal. 23 feldgangende feoh butan
gewitte
A ekelst. 72 wlance wigsmiöas
Eadg. 45 ofer yöa gewealc |
n 48 ofer hwaeles eoel
By. 212 Gemun f>a maela J>a we
oft 8et meodo spraecon
f>onne we on bence beot
ahofon
haeleÖ on healle ymbe
heard gewinn
n
Met. 61 wordhord onleaJll
By. 283 cellod bord
Ae^elst. 39 har hilderinc
5 bordweall clufon1
43 on wealstowe w
forgrunden
swa him leofust
eastan of Scioftia s
lsrddon
Zaub. 6" derian ne moste
Ps. s»"
Met. 1»
idutn
ridas
PARALLELSTELLEN IN DER AGS. POESIE,
29
fey. SO Aelfre and Marcos modige
twegen
„ 42 ByrhtnoÖ maöelode, bord
hafenode
wand wacne «sc, wordam
maelde
yrre and anrsed, ageaf
- him andsware
Ae)>e]st. 68 pxs pe ns secgaÖ bec
„ 13 siÖÖan sunne upp
on morgentid maere tungol
glad ofer grundas godes
candel beorht
6p \>xt seo segele gesceaft
sah to setle
AeJ?elst. 68 J>aes pe us secgaö bec
ealde uöwitan
„ 26 ofer eargeblond
„ 53 gewiton him )>a
ofer deop waeter Dyflin
secan
Eadg. 22 ceas him öfter leoht
wlitig and winsum
Men. 57
n 129
n 162
„ 87
n 88
n 59
Ap. 84
Leas. 2
Kr. 16
Gn. C 23
Ps. 64»
* 68»
Met. 5"
Zaub. 437
Wald. 43
mannum to frofre
swutelra and gesynra
betwux wife and were
wurde acenned
be faeder leafe
bringö" . . snmor to tune
wearme gewideru
swa se witega sang
ealle forhogodan |
manig and mislic
gegyred mid golde, gim-
mas hsefdon
steap and geap
blowaft and growaÖ |
on saes hricg
J^aet hit seo ece ne mot
innan geondscinan
sunne
Eadg. 14
Men. 109
Hy. 7*>
Met. 22M
n 8»
Sal. 203
Ap. 19
Hy. 733
n
950
787
Met. 1 1*7
• 1160
n l l
Zaub. I35
Ps. 77°»
Met. 253
n 25«
Sal. 413
Met. 20w
Zaub. 4M
Sal. 338
Fille and Finule, fela mih-
tigu twa
Waldere ma&elode wiga
ellenrof
hsefde him onhandahilde-
frofre
guftbilla gripe, gyddode
}>U8
l>aes pe gewritu secgao*
on ]>&m gim astihÖ
on heofones up hyhst on
geare
tungla torhtast and of tille
agrynt,
to sete sigeÖ
}>aes pe secgao* bec
psst us reahte gio
eald uowita
ofer eargeblond
gif p\\ gewitest on Wen-
delese
ofer Coferflod cyÖÖe secan
him ece geceas
langsumre lif, leoht un-
hwilen
mannum to frofre |
swutele and gesyne
pe fram wife and were
wurdon acenned
butan frean leafe
sumor of cymeÖ
wearm gewideru
swa se witega cw»Ö
eal forhogode |
manegum and mislicum
golde gegerede and gim-
cynnum
steap and geap
bloweö and groweÖ
ofer sses hrycg
ne mot seon sunne siöe
gesceafte
scire geondscinan
Aus dem vorgeführten material ergeben sieh für die von
Sarrazin entwickelte theorie folgende konseqaenzen:
1. Aus den anter 1 angegebenen stellen folgt , dass die
30 KAIL,
abhängigkeit der einzelnen dichter von Cynew. eine noch weit
grössere war, als S. sie darstellt.
2. Es müs8ten auch Ps., Hy., Met., F®., Zaub. von Cynew.
oder einem seiner nachahmer herrühren. Die ganze ags. poesie
wäre somit unter dem einflusse dieses einzigen dichtere ent-
standen.
3. Einige gedichte haben unter einander parallelstellen
gemein, welche im Cynew. nicht zu belegen sind (Mod. 14 :
Aep. 72, Seel. 81 : Sal. 23, Men. 90 : Met. 11« Met. 11" : Sal. 338,
Gen. 2596 : Met. 2633). Dieselben müssten also aus verloren ge-
gangenen werken Cynew.'s entlehnt sein, oder, wie S. (s. 187)
vermutet, aus anderen nicht erhaltenen mustern des epischen
Stiles stammen. Es gäbe dann keine spur eines selbständigen
ags. stiles, alles wäre unter fremdem einfluss entstanden.
Durch diese konsequenzen wird der ags. poesie eine ent-
wicklung zugeschrieben, wie sie in historischer zeit in keiner
literatur nachzuweisen ist. Es ist doch nicht wahrscheinlich,
dass sich in der ags. literatur allein erscheinungen finden, die
nirgends auch nur ein entferntes analogon haben.
Sarrazin gründet seine theorie auf die annähme, parallel-
stellen seien ein charakteristikon für einen bestimmten autor.
Diese hypothesc spielt in der Cynewulffrage eine grosse rolle.
Auf grundlage von Übereinstimmungen mit seinen echten werken
hat man Cynew. die verschiedensten ags. gedichte zugeschrieben.
Wenn etwas eigentümlichkeit eines gewissen dichtere sein soll,
so darf es auch nur bei ihm allein vorkommen. Zieht man
nun aber zu dem S.'schen material noch die verschiedenen
einzeluntersuchungen (namentlich Charitius, Fritzsche Anglia II,
Lefövre Anglia VI, Rieger Zs. f. d. Ph. I u. a.) und die hier ge-
gebenen belegstellen heran, so wird man zwischen irgend
welchen, auch nur einigermassen umfangreichen ags. gedichten
parallelstellen nachweisen können. Wenn nun letztere gemein-
gut der gesammten poesie sind, wie sollen sie für einen be-
stimmten dichter charakteristisch seinV Wenn es wirklieh
parallelstellen gäbe, welche als ein derartiges charakteristikon
gelten könnten, so würden sich solche wol am ehesten mit
hilfe der sicher Cynewulfischen dichtungen ermitteln lassen.
In den letzteren würde es vielleicht gewisse phasen geben,
welche sich vor denen der übrigen gedichte in irgend einer
weise auszeichnen. Es sind mir ausser den von Ramhorst,
PARALLELSTELLEN IN DER AGS. POESIE.
31
'Das altengl. Gedicht vom heil. Andreas' und von Hoflfmann,
' Reim formein im Westgermanischen' angeführten noch folgende
parallelstellen zwischen den echt Cynewulfischen dichtnngen
aufgefallen :
Elene.
371 gedwolan fylgdon |
859 ge^rowade Jnymines hyrde
979 J>aer hie hit for worulde wen-
dan meahton
1050 Criste gecweme
1129 egesan geaclod
1161 het )* gefetigan
427 faestlice ferhÖ staöelien
Elene.
18S to heofonum astag |
252 ald yöhofu oncrum faeste
279 on gemot cuman |
41 8 giedda gearusnottor
673 godes gastsunu
737 mid ^a leohtan gedryht
808 Nu ic )>urh soÖ hafh seolf ge-
cnawen
on heardum hyge, \>set \>u
haelend eart
565 . . . heo waeron stearce stane
heardran
1006 haeleft hwaetniode to J>aere
haligan byrg
1132 ]m waes wopes hring
1148 geornlice gastgerynum
Grist.
90 gehöum magnaä |
481 geond ealne yrmenne grund |
662 monigfealde modes snyttru
1219 folca gehwylcum
scyppend scinende scrifeÖ bi
gewyrhtum
eall aefter rihte
1580 Menden him lic and gaest
somodfaest seon
Juliane.
202 gedwolan fylgest |
448 ge^rowade J?rymmes ealdor
570 \>&t he hit for worulde wen-
dan meahte
259 Criste gecweme
268 egesan geaclad
60 het }>a gefetigan
270 faestlice ferhö staoelian
Crist.
737 to heofonum astag |.
864 ealde yömearas ancrum faeste
943 on gemot cuman |
713 giedda gearusnottor
660 godes gastsunu
515 mid J>as engla gedryht
1187 Leode ne cuoan
modblinde men meotud on-
cnawan
flintum heardran
461 haeleö mid hlaford, to )?«re
haligan byrg
537 J?aer waes wopes hring
440 geornlice gastgerynum
Juliane.
391 gehöu maenan |
10 ofer ealne yrmenne grund |
366 monigfealde modes gaelsan
726 seo Jnyness ymbsittende
in annesse aelda cynne
J?urh }>a sciran gesceaft scrifeÖ
bi gewyrhtum
meorde monna gehwam
714 ^endan gaest and lic geador
siöedan
Es mögen sich vielleicht hie und da noch einige anklänge
finden, aber jedenfalls werden sie nicht zahlreich und nur von
untergeordneter bedeutung sein. Cynewulf 's echte werke haben
mit anderen gedichten weit mehr parallelstellen gemein als unter-
32 KAIL,
einander. Hoflfmann macht ü. a. o. 8. 40 dieselbe bemerkung be-
züglich der reimformeln. Er findet deren eine grössere anzahl
zwischen GüÖlac und den Cynewulfischen dichtungen als die
letzteren untereinander ausweisen. Was die genanigkeit der
Übereinstimmung betrifft, so ist dieselbe nicht grösser als bei
parallelstellen anderer gediente. Es gibt also keinen unterschied
zwischen den Cynewulfischen und den übrigen phrasen.
Es ist wol das natürlichste, die parallelstellen als einen
gemeinsamen poetischen formelschatz zu betrachten, aus wel-
chem alle ags. dichter unabhängig von einander je nach bedarf
ihren ausdruck entnahmen. In diesem sinne mag man von
einem gemeinschaftlichen muster sprechen, nach welchem alle
ags. dichter arbeiteten oder ihren etil bildeten. Dieses muster
ist aber nicht in einer bestimmten dichtung zu suchen, sondern
dasselbe mttsste sich vielmehr mit hilfe der gesammten ags.
poesie wenigstens annäherungsweise rekonstruieren lassen.
Woher hatten die Angelsachsen diesen formelvorrat?
Ein teil desselben lässt sich auch in der altsächsischen
und althochdeutschen alliterationspoesie nachweisen. Sievers
hat in seiner schritt: 'Der Heliand und die ags. Genesis9 ge-
meinsamkeit des ausdrucks zwischen altsächsischer und angel-
sächsicher dichtung nachgewiesen und dann in seiner ausgäbe
des Heliand die den altsächsischen entsprechenden ags. bezeich-
nungen für einzelne begriffe zusammengestellt. Im folgenden
zähle ich weitere parallelstellen auf zwischen Heliand und den
ahd. alliterierenden dichtungen einerseits und der gesammten
ags. poesie andererseits. Die stellen sind nach der reihenfolge
im Heliand und in den ahd. dichtungen geordnet.
Heliand. Ags. poesie.
5 mid uuordun endi mid uuereun B. 1S3S wordum and weorcum
41 himil endi ertha endi al tbat Met. II80 heofon and eoröan and eal
sea behlidan egun holma begang
51 managon te helpun B. 1709 haeleöuin to helpe
Cri. 427 guinum to helpe
70 than lang hie geuuald ehta B. 1859 Menden ic wealde widan
Erodes thes ri^eas rices
559 sithor ik muosta thieses erlo
folcas
ginualdan theses uuidon rikeas
85 ne saca ne sundea Ph. 54 ne synu ne saen
B. 2472 synn and saca
854 ia Und ia liudi Edw. 25 Und and leode
PARALLELSTELLEN IN DER AGS. POESIE.
33
367 Thar gifran ik
415 uimdtm thuru thiu uuolkan
495 obar thesan middilgard
58S an thesan middilgard
554 Hueder ledeat gi uundan gold
te gethi huilicon guraono? te
hui gi sus an gange cumat
gifaran an fathie? Iluat, gi
nethnanan ferran sind
erlös fan ooron theodon. lk
gisiho that gi sind ediligi-
burdion
cunnies fan cnnosle guodon:
nio hier er sulica cumana
ni uurÖun
eri fan oÖron thiodon sithor ik
muosta thieses erlo folcas.
giuualdan theses uuidon rikeas.
Gi sculon mi te uuanin seg-
gian
far theson liudeo folca bihui gi
sin te theson lande cum an.
734 ni uuarth siÖ noh err
941 so mikilu is hie betera than ik
9C8 so nuarth im is hugi bliÖi
1293 is muo* antioc
1393 uuliti endi uunsam
1542 an thesaro lehnun uueroldi
1765 uuerthan te uuillien
1836 thea hie for thero menigi gi-
sprak |
2005 Uuerod blithoda
uuarun thar an luston liudi
atsamna
2009 uuas thar erlo drom |
2254 nis nu J&ng te thiu
2781 tho rf was lang te thiu
207 1 Thno nuarth that so uuido cuth
2076 Ne mag that gitelliean man
jreseggian to suothen
2603 'thar sculun sia gibundana
bittra logna
thraunerc tholon
Anglia, XII. band.
B. 2773 }>a ic . . gefraegn
Exod. 80 wand ofer wolcnum
B. 75 geond )>isne middangeard
(Wand. 75)
Kr. 104 on ]?ysne middangeard
B. 237 Hwaet syndon ge . . . )?e
\>U8 brontne ceol [mon
ofer lagustraetc laedan cwo-
hider ofer holmas hringed-
stefnan?
Ic wses endesaeta, seg-
wearde heold . . .
no her cuölicor cuman on-
gunnon
lindhaebbende . . . Nsefre
ic maran geseah
eorla ofer eor}?an Öonne is
eowcr sura,
secg on searwum : nis |?aet
seldguma
waepnum geweoröad, naefne
him his wlite leoge
senlic ansyn ! Nu ic eotver
sceal [is selost
frumcyn witan . . . ofost
to gecyÖanne , hwanan
eowre cyme syndon.
El. 240 ne siÖ ne asr |
B. 469 se waes betera Öonne ic |
Dan. 117 Naes him bliÖe hige
B. 259 wordhord onleac | (Wids. 1)
Eadg. 23 wlitig and winsum
Met. 908 geond J?as laenan worold
Ps. C 104 to }?inum willan weoröan
B. 1215 heo fore psew werede
spraec | (El. 332)
Jud. 161 Here waes on lustum
Exod. 564 After |>am wordum werod
waes on salum
B. 497 ]>2ds waes haeleöa dream |
B. 2591, 2S45 Naes )>a long to J?on
B. 2923 ac waes wide cuÖ
B. 50 Men ne cunnon
secgan to soöe
Cri. 1539 J^aer hi leahtrum fa lege
gebundne
swylt }>rowiaÖ
3
34
KAIL,
4430 Bithiu gi an hellia sculun
tholon an thiustre
2619 aldarlangan tir |
2729 so thar gitald habdun
fruoda folcuueros
2731 So uuas thero liudeo thau
2743 Uuas thes an luston landes
hirdi
2778 hie ni mohta is quidi liogan
2807 hobdu bihauuan
2819 antthat an aband seg
sunna to sedle
2852 That folc stillo bed,
sat gisithi mikil
3421 sumarlanges dages
3579 hren sia thuo mid is handon
3681 sagdun uualdande thanc
3614 mahtig drohtin
is selbes suno sendean uuelda
3683 Thuo gisah uualdand Crist
blican thena berges uual endi
bu Judeono.
4075 fuldu bifolhan
4241 so lioht ostana quam |
4278 Thuo thie rikeo sprak
her hebancuning, hordun thia
oöra
4299 huann thiu maria tid
giuuirthit an thesaro uueroldi
4342 ist sumer ginahid
uuaram endi uunsam endi
uueder sconi
4801 so hie err deda |
5060 irri endi enhard
5563 uuerco te lone
5729 Hie giuuet im thuo forth thanan
5914 uuas iro iamar inuod
Hildebrand.
1 Ik gihorta Sat seggen
7 er uuas hcroro man
ferahes frotoro
15 dat sage tun mi usere liuti
alte joh frote
An. 177
B. 607
B. 80
B. 301
Kl. 37
Met. 4,e
B. 722
B. 588 ]?aes Jm in helle scealt
werhöo" dreogan
A ekelst. 3 ealdorlangne tir |
Men. 17 swa hit getealdon geo
frode gesiöas
Swa is \>fBte menigeo )>eaw
|?a wses on salum sinces
brytta (El. 194)
He beot ne aleh
Met. 14S heafde beheawan
A ekelst. 16 oof'aet seo segele gesceaft
sah to setle
flota stille bad, [med scip
seomode on sole sidfoj?-
sumarlangne daeg (Jul. 495)
sum urlange dagas
sjÖÖan he hire folmum hran
An. 1471 s»gdeuictudeJ?anc(By.147)
Men. 226 faeder engla
his sunu sende
Jud. 136 )>&t hie sweotollice geseon
mihten [blican
J>«re wlitegan byrigweallas
Dan. 560 foldan befolen
Leoht eastan com |
]>& se eorl . . . [waeter
ougan ceallian j>a ofer cald
Byrhthelmes bearn, beor-
nas gehlyston
on J>am oftust cyinö
seo inaere tid mannum to
frofre
sumor Hefter cymeö
wearm gewiSeru
swa hie oft aer dydon |
yrre and anraed
weorca to leane
ic gewite . . . J>onan
waes him geomor sefa,
üHirnende mod.
B. 569
By. 91
Men. 56
Met. U60
B. 1238
By. 44
Ph. 386
Ph. 554
B. 50
Pa. 8
Rcbh. 1
By. 317
B. 415
We . . hyrda* • • secgan
Hyrde ic secgaW
Ic eoin frod feol"«»
t?a me |>et gelaerdon" leo<ie
mine \
J>a seleatan, snotere ce)orlfta
FARAIXELSTELLEN IN DER AGS. POESIE.
21
bam unwahsan
Gen. 2871
bearn unweaxen
24
friuntlaos man
Wand. 4E
i wineleaa guma (An. 1707
freonda leas, B. 1665
winigea leasum)
36
Hadubraht giinalta, Hiltibran-
B. 1383
Beowulf mabelode, bearn
Ecgbeowes
42
dat sage tun ml seolidante |
B. 377
bonne safgdon sseliScndo [
43
<iat inan wie furnam |
Wand. 80
, El. 131 suiue wig fornam |
47
herron gotan
Poor. 39
holdne hlaford
52
li an ii n ni gifaata
El. 477
dcati oBfastan
54
breton sinu b i 11 in
Exod. 199 billum abreotan
54
ti banin werdan |
B. 2203
to banan wurdon |
55
ibu dir diu eilen taoe |
An. 460
gif bis eilen deah | B. 573
|>onne h. e. d. |
57
rauba birahanen
Rä. 14'
reafe beroten e
60
niuse de motti
B. 1387
wyree se be nioto
64
"*n*° ""'"
Jud. 78
scearpne ineee
scDTum heardne
6G
staim bort chludnn,
Aebelst.
5 bordweall clufon
heiiwun harnilicco huittc seilt!
hcowan licooolinda hamora
untiiin irolintunliittilowiirtun
lafiiro
68
giwigan miti wambuuui
By. 120
wigan mid wtepnum
Muspilli.
14 dari is lip ano tod, lioht ano
aelida ano sorgun: dar nist
sinn neoman
18 pidin iat dürft mililiil daz ze
pidenchanne
20 daz er kotes uuillun kerno
kituoe
51 ho inprinnant die peiga, poum
ni kistentit
einic in crdn, aha gar artrnk-
nent
mnor varsunilhit sin, suilizot
longiu
der himil, mano pivallit, prin-
nit iniüilagart
70 das der man er enti aid upilos
kifrumita
81 Mal nianno güih fona dorn
Cri. 1653 bser is leofra lufu, lif buian
endedeaSe,
. . . hajlii butan sare
. . . dieg butan beostniin
. . . blis butan sorgtiw
Cri. 848 Is ns bearf micel
|>tet wo . . georne bibencen
Ps. ui2™ b«t bi hia willan wyreean
georne
Cri. 965 bonne eal breo on efen
ninteS won fyres wseltn
se swearta Kg: sa;s mid
byra fiscum
eorSan mid bire beorgum
and upheofon
torhtne mid his tunglum;
teonleg somod [on an
bryönm bterneS breo eal
Cri. 1053 bxt hi asr oSÖe siS
worbtun in worulde
Cri. 1080 Sceal bonne anragehwylc
fore Cristes cyme ewie
■rittn
leoönm onfon and llohoman
8*
36
KAIL,
90 so dar manno nohhein uuiht
pimidan ni mak
93 uuaz er untar man nun mordes
kifrumita.
102 augit er dio masun dio er in
menniski
dunih desse mancunnes minna
Wessobrunner Gebet.
1 Dat gafregin ih
Cri. 1048 ne raagon hord weras
heortan gef>ohtas
for waldende wihte be-
midan
Jud. 181 J>e us inonna maest moröra
gefremede
Cri. 1116 magon him sylfe geseon
)>onne
open orgete f>aet he for
aelda lufan . . .
Dan. 1
Gefraegn ic. Ph. 1 Haebbe
ic gefrugnen.
Die Übereinstimmung im ausdruck zwischen diesen dich-
tungen kann auf dreierlei weise herbeigeführt worden sein:
1) Es können formein mit den Angelsachsen vom kontinente
in die neue heimat gekommen sein. 2) Einige können nach
der angelsächsischen einwanderung übertragen worden sein.
3) Es können sich angelsächsische phrasen unabhängig von
den altsächsischen und althochdeutschen entwickelt haben.
Unter den ersten fall sind wol einige reimformeln einzu-
reihen, welche sich auf kämpf beziehen. Krieg war das hand-
werk der Germanen auf dem festlande gewesen und blieb es
in England. Dass mit der sache selbst die auf sie bezüglichen
ausdrücke herübergenommen wurde», ist begreiflich. Wenn
einige phrasen der Angelsachsen ererbt sind, so muss es schon
einen gewissen formelvorrat im Westgermanischen gegeben
haben. Beweis für das Vorhandensein eines solchen sind die
Übereinstimmungen zwischen altsächsischen und althochdeut-
schen dichtungen:
Wessob. G. 16 enti dinan uuilleon za
gauurchanne
Hildebr. 13 al irimndeot
„ 54 irao ti banin werdan |
„ 64 scarpen scuriui
Musp. 18 pidiu is dürft mihbil daz
ze pidenchanne
allero manno uuelihhemo
„ 23 heizzan laue
„ 35 dar scal er vora rihhe az
rahhu stantan
„ 89 dia dar ar resti nf arstent
Ilel. 1589 te giuuirkeanne thinan
uuilleon
„ 1773 al irminthiod
„ 644 im ti banen nuerthan |
n 5136 scarpon scuron
n 4375 For thiu scal allaro leodo
gihuilic gethenkean for
them thinge, thest is tharf
mikil manno gihuilicon
„ 2573 heta logna
„ 1894 Oft sculun gi thar for rikie
gibundana standan
„ 2201 upp astandan |
ariaan fan theru restun.
PARALLELSTELLEN IN DER AGS. POESIE. 37
Musp. 102 dio er in menniski Hei. 5504 hie it all githolodi thiodo
duruh desse mancunnes drohtin
minna mahtig thuru thia minnia
manno cunnies.
Wie kamen die Germanen zu ihrem phrasenvorrat?
1. Eine anzahl der formein sind einfach auf rechnung des
allgemein epischen Stiles zu setzen. Phrasen wie and pcet word
acwceö, ageaf him andsware, cefter pissum wordum u. ä. haben
ihre entsprechungen in den epischen dichtungen verschiedener
Völker. Es ist gar nicht auffallend, wenn wir sie bei den ger-
manischen stammen widerfinden.
2. Bei den Germanen speziell war für die ausbildung
stehender phrasen die alliteration ein wichtiges förderungs-
mittel. Besonders in der ersten hälfte der alliterierenden vers-
zeile, wo zwei gleiche stäbe verlangt werden, entstehen leicht
formelhafte Wendungen. Die entwicklung derselben begünstigen
namentlich:
a) Die Verbindung von synonymen und die antithetische
Zergliederung, z. b. eard and etiel, hord and Hamas, land and
leode, gifre and grcedig, habban and healdan, lebf and lab, earm
and tadig, innan and utan.
b) Die wortkomposition: frece andgrim wird der alliteration
wegen zu frece and fertigrim, fus on weg zu fus on foröweg.
Ebenso entstehen ausdrücke wie hcedre heofontungol, sunne swegh
torht, morgen mceretorht, eoröe and upheofon, rveroda rvuldor-
cyning, sigora so&cyning, heofena heahfrea, Ufes leohtfruma u. a.
c) Der gebrauch von präpositionalen Verbindungen wie
under rvolcnum, under roderum u. dergl. Die wähl des sub-
stantivums hängt von dem vorausgehenden ersten stab ab.
Daher die formein weras under rvolcnum, hceleb under heofenum,
haiig under hrusan, men on moldan, eorl on eorban, rice under
roderum, hus under hrofe, geseon under sruegle, feol to foldan,
lebrde under lyfte, murnan on mode, hycgan on heortan, forht on
ferhfte, hrinan mid handum.
In der zweiten halbzeile finden sich besonders häufig:
a) Die sogenannten flicksätze mit swa: swa him god bebead,
srva he oft (per) dyde, swa him gemet wcere.
b) Ausrufe, wie pcet wces god cyning, nces pcet herlic dced u. ä.
Auch eine reihe weitgehender Übereinstimmungen sind
durch den einfluss der alliteration zu erklären. Durch die ein-
38 KAIL,
Wirkung der letzteren können ganze Situationsschilderungen
ebenso phrasenhaft werden wie einfache reimformeln. Es ist
von vornherein zu erwarten, dass darstellungen gleicher Hand-
lungen und zustände wenigstens der hauptsache nach gleiche
ausdrücke enthalten. Letztere müssen als die dem sinne nach
wichtigsten Wörter den Stabreim tragen. Sind nun durch den-
selben einzelne teile des satzes in ein festes geftige gebracht,
so wird sich die ganze konstruktion nicht so leicht ändern.
Sie kann erstarren und formelhaft werden. Wenn dann einmal
eine bequeme phrase vorhanden ist, so wird nicht jeder dichter,
sobald dieselbe Situation widerkehrt, immer eine neue Schilde-
rung derselben beginnen. Und selbst wenn er dies tun wollte, so
würde ihm doch der Stabreim bei dem gleichen Stoffe auch wider
gleiche ausdrücke zuführen, die neue Schilderung würde sich von
der alten nur wenig, oft vielleicht gar nicht unterscheiden.
Die religiösen formein können nicht mit vom festlande
gekommen sein, da ja die Angelsachsen erst in England mit
dem christentume bekannt wurden. Sie müssen also zu jenen
phrasen gehören, welche eine spätere Übertragung oder eine
selbständige entwicklung auf englischem boden sind. Einige
Übereinstimmungen des ausdruckes mögen auf den gegen-
seitigen einfluss zwischen Angelsachsen und kontinentalen zu-
rückzuführen sein. Ob man aber stets mit Sicherheit feststellen
kann, welche phrasen die übertragenen sind, scheint zweifelhaft.
Man sagt allerdings, jene stellen seien entlehnt, welche bei
ganz unpassender gelegenheit angebracht werden, Widersprüche
zu früher gesagtem enthalten u. ä. Allein ich glaube, dass
der gebrauch der einzelnen Wendungen ein viel zu mecha-
nischer, formelhafter war, als dass man daraus sichere Schlüsse
ziehen dürfte. Von einem und demselben autor wird zuweilen
in einer dichtung derselbe ausdruck auf verschiedene dinge
bezogen. Glöde stellt Anglia IX, s. 308 dar, wie Cynewulf in
der Elene die kenning 'sigebeam' sowol für das kreuz Christi
als auch flir die kreuze der Schacher gebraucht. Ein weiteres
beispiel für unpassenden gebrauch einer formel führt Sarrazin
a. a. o. s. 119 an: Die phrase 'wlitig on wage* wird auf ein altes
schwert angewendet. Gewiss nicht passend.1 Aber dieser ge-
brauch erklärt sich leicht dadurch, dass dem dichter die dar-
1 Vgl. dagegen Anglia XI, 537. R. W.
PARALLELSTELLEN IN DER AGS. POESIE. 39
Stellung eines blinkenden Schwertes viel geläufiger ist als die
eines alten, ungebrauchten. Er überträgt ohne weiteres die
formel von jenem auf dieses und bildet sich nicht erst immer
neue phrasen.
Eine grosse anzahl Übereinstimmungen können ganz unab-
hängig von einander entstanden sein. Es gibt zwar einige
parallestellen, welche in der ganzen ags. poesie nur einmal vor-
kommen, dagegen in den kontinentalen dichtungen sich wider
finden, wie By. 89, Aep. 3, B. 237 ff. Wollte man aber hier
entlehungen annehmen, so müsste der gegenseitige einfluss von
ags. und kontinentaler dichtung ein ungemein grosser gewesen
sein. Der dichter des Hei. müsste B. gekannt haben, und die
dichter von By. und Ae)>. müssten widerum nach dem muster
des Heliand gearbeitet haben. Allein es ist nicht nötig, an
eine solche, Jahrhunderte lang dauernde wechselseitige ein-
wirkung zu denken. Wenn die einzelnen dialekte einen teil
des germanischen formelschatzes geerbt haben, so konnten sie
diesen später ganz selbständig weiter ausbilden. Dabei können
in verschiedenen dialekten oft ähnliche oder gleiche phrasen
produziert worden sein. Die Übereinstimmungen zwischen
B. 237 ff. und Hei. 554 ff. erklärt sich z. b. dadurch, dass in
beiden fällen ähnliche Situation vorliegt und diese bringt ähn-
lichen ausdruck mit sich. Herodes will gleich dem strandwart
von fremden ankömmlingen erfahren, woher sie kommen und
was der zweck ihrer reise sei. Ihre stattliche erscheinung
lässt ihn, wie den Wächter in B., vermuten, dass sie nicht von
geringer herkunft seien.
Es ist ferner ganz wol denkbar, dass gleiche lateinische
ausdrücke in den verschiedenen germanischen dialekten wider
gleiche Wendungen hervorrufen. Stellen wie: dinan uuilleon za
gauurchanne (Wessobr. 6. 16) und: te giuuirkeanne t hinan wilteon
(Hei. 1589); ferner: daz er kotes uuillun kerno tuoe (Musp. 20)
und: pcet hi his willan wyrcean georne (Ps.10220) können leicht
durch dieselbe lateinische formel entstanden sein. Ebenso
sind ohne zweifei die zahlreichen Übereinstimmungen zwischen
Muspilli und Crist durch verwandte lateinische Vorbilder ver-
anlasst worden.
Unter denjenigen parallelstellen, welche im Ags. oft, in
der ahd. und as. alliterationspoesie nur selten oder gar nicht
begegnen, sind besonders die zu nennen, welche sich auf see-
40 KAIL, PARALLBLSTELL^N IN DER AGS. POESIE.
fahrt beziehen. Derartige reimformeln und phrasen treffen wir
allenthalben in den ags. dichtungen, fast nie im Ahd. und As. —
Ferner kommen ausführliche Schilderungen von kampfscenen
im Ags. sehr häufig vor, während die auf krieg bezüglichen
phrasen der kontinentalen dichtungen meist bloss allgemeine
reimformeln sind. Die darstellung derartiger scenen ist geradezu
typisch. Das geschrei der schlachtraben wird immer in gleicher
weise erwähnt. Desgleichen wird die schmähliche flucht der
feigen stets mit gleichen oder ähnlichen worten dargestellt,
z. b. Gen. 1999, AeJ>. 36, El. 134, Wald. 15 u. ö. — Beim unter-
gang von beiden werden oft dieselben begleitenden neben-
umstände angeführt. So finden sich viele züge aus B. in By.
wider. By. wird von seinen genossen im suche gelassen wie B.
(By. 185, 193 f., B. 2598), nur wenige harren bei ihm aus, dar-
unter besonders ein heldenhafter Jüngling (210, vgl. B. 2626).
Es wird der von dem herrn empfangenen auszeichnung (By. 196,
B. 2606) gedacht, sowie der in der halle gegebenen versprechen
(By. 211 ff., B. 2631 ff.). Kurz vor seinem tode spricht der held
ein dankgebet (By. 173 f., B. 2794 f.).
Aus dem häufigen vorkommen solcher parallelstellen ist
weiter gar nichts zu schliessen, als dass sie, dem gewöhnlichen
leben der Angelsachsen entnommen, bei denselben allgemein
beliebt waren. Infolge ihres fortwährenden gebrauches werden
sie phrasenhaft und dann ebenso mitunter an unpassender stelle
angebracht wie die einfachen reimformeln. Sarrazin führt a. a.
o. s. 120 die rede des Wiglaf als beispiel an. Derartige fälle
finden sich auch sonst, dass personen durch erinnerung an
ihre früheren Versprechungen zum ausharren und zur ttichtig-
keit angeregt werden. Ausser B. 2663 und Gü. 144 noch in
B. 2632, Bo. 13, By. 212.
Was die ausbreitung des ags. phrasenschatzes betrifft, so
haben alle dichtungen an demselben anteil, jedoch nicht in
gleichem masse. Im allgemeinen weisen die heldenhaften epen
die grösste anzahl von parallelstellen aus, ihnen zunächst steht
die geistliche epik, schliesslich die didaktik. Im verhältniss
zu ihrer verszahl haben z. b. Wand., By. gegen 10%» AeJ>elst.
10%, die echt Cynewulfischen dichtungen, Exod., Dan., Sat.
etwa 4%, Seel., Seh., Dom., Cr», nur 1% parallelstellen.
Wien. J. Kail.
QUENTIN DURWARD.
I.
Einleitung.
1. Geschichtliche vorbetrachtung.
Bald nach dem zerfalle des fränkischen weitreiches hatte
sich im Südosten des heutigen Frankreich ein cisjuranisches
Burgunderreich gebildet, das auch nach seiner hauptstadt Arles
das arelatische hiess und sich im jähre 930 mit dem fast gleich-
zeitig entstandenen transuranischen oder hochburgundischen
reiche zu einem königreiche Arelat zusammenschloss. Dasselbe
war zwar Deutschland lehnspflichtig, aber die äusseren wie
inneren verknüpfenden bände waren so loser art, dass das
inzwischen geschwächte heilige römische reich deutscher nation
den zerfall in einzelne herrschaften nicht hindern konnte und
zusehen musste, wie schliesslich Frankreich dieselben nach und
nach an sich riss.
Neben dem Arelat nun wurde das eigentliche Burgund,
das herzogtum, im anfange des 10. Jahrhunderts von Richard
von Autun gestiftet Es erstreckte sich damals von Ghälons
sur Saöne bis nach Ghatillon sur Seine und kam bald durch
heirat an die Gapetinger, die es bis 1361 beherrschten, in wel-
chem jähre ihr geschlecht erlosch. Das land hätte nun durch
Vererbung an Frankreich fallen müssen, allein könig Johann
belehnte damit im jähre 1363 seinen jüngsten söhn Philipp
den kühnen von Valois. Dadurch wurde das herzogtum wider
selbständig; aber Johann's schritt war ein höchst bedenklicher,
denn sobald es zum bewusstsein seiner Selbständigkeit kam,
musste es bei den damaligen politischen Verhältnissen mit
Frankreich in Wettbewerb treten um die Vorherrschaft im west-
lichen Europa. Dass beider länder herrscherfamilien durch
engste blutsverwandtschaft einander verbunden waren, kann
42 MANN,
für jene zeit nicht in rechnung kommen, hat ja doch auch in
der folge der menchelmord zwischen ihnen eine grosse rolle
gespielt. Der kämpf, versteckt oder offen, sollte bald genng
beginnen; denn während in Frankreich unter schwachen oder
wahnsinnigen herrschern die macht des königtums im sinken
begriffen war, gelangte Burgund, von kräftiger band geleitet,
in kurzer zeit zu hoher blute. Die herzöge Philipp der kühne,
Johann der unerschrockene und Philipp der gute erweiterten
durch kauf, vertrag und Waffengewalt ihr gebiet in ausser-
ordentlicher weise, sodass es sich, die reichen niederländischen
provinzen und die durch den vertrag von Arras (1435) ge-
wonnenen städte an der Somme umfassend, nordwärts bis an
das deutsche meer erstreckte. Während nun in Frankreich
der volkswolstand durch die kriege mit England und durch
innere unruhen empfindlich geschädigt worden war, blühten in
Burgund, besonders aber in den flandrischen Städten, handel
und gewerbe, wodurch die herzöge nicht nur in den stand
gesetzt wurden, ihren hof mit einem glänze zu umgeben, wie
ihn damals kein zweites land kannte, sondern vor allen dingen
sich ein wolgeschultes Söldnerheer zu halten, das insbesondere
durch starkes geschütz der schrecken seiner feinde war. Zieht
man in betracht, dass die grossen französischen kronvasallen
sich nur widerwillig ihrem könige fügten, so darf man wol
behaupten, dass Burgund im 15. Jahrhundert ein Übergewicht
über Frankreich erlangt hatte.
Der erste herrscher, der die seinem lande von Burgund
drohende gefahr nicht nur in ihrem vollen umfange erkannte,
sondern ihr auch planmässig entgegenzuwirken beschloss, war
Ludwig XI.
Ludwig XL, von dem sich deV wideraufschwung Frank-
reichs herschreibt, war kein bedeutender, geschweige denn
genialer köpf; aber er besass einen scharfen und nüchternen
verstand, der zielbewusst nur das wirklich erreichbare ins äuge
fasste. Er war tatkräftig, zäh und ausdauernd im handeln, und
seine kaltblütigkeit verliess ihn selbst in augenblicken grösster
gefahr nicht. Von natur heimtückisch und grausam war ihm
in der Verfolgung seiner ziele jedes mittel recht, selbst der
meuchelmord an seinem eigenen bruder. Bande der dankbar-
keit, freundschaft und Verwandtschaft trat er mit fliesen; er
schwor die heiligsten eide und brach sie wider, je nachdem es
X
QUBNTIN DURWARD. 43
sein eigener vorteil rätlich erscheinen Hess. In fällen innerer
Unsicherheit gab ihm ein tiefeingewurzelter aberglaube den
nötigen halt
Sobald dieser mann auf den tron gelangt war, begann er,
offenem kämpfe abhold, sein ränkevolles spiel gegen Burgund;
zunächst, noch zurückhaltend, gegen Philipp den guten, der
ihn gastlich aufgenommen und jahrelang in seinem lande unter
königlichen ehren beherbergt hatte, als er als dauphin vor dem
gerechten zorne seines vaters flüchtend in die Verbannung gehen
musste; dann aber, nach dessen tode, um so rücksichtsloser
gegen seinen genossen aus den tagen der Verbannung, gegen
Karl den kühnen, dem er in geistiger beziehung durchaus
überlegen war.
Karl war so ziemlich in allem das gegenstück zu Ludwig.
Von natur gutmütig und offen, aber leicht aufbrausend, steigerte
sich ihm der zorn schnell zur wut, ja raserei; er war tapfer bis
zur tollkühnheit, ehrgeizig bis zum Wahnwitz, hartnäckig bis
zum Starrsinn; es fehlte ihm also an der nötigen einsieht und
Selbstbeherrschung, um diese leidenschaften im zäum zu halten.
An glänz gewöhnt und von den ehrgeizigsten planen für die
zukunft erfüllt, hasste er die schäbige art und den nüchternen
sinn des königs, und er hatte schon frühzeitig ihm misstraut,
ohne sich rechenschaft geben zu können,' warum.
Diese beiden so verschiedenartigen gewalten stiessen nun
feindlich aufeinander. Den hbhepunkt des konfliktes und zu-
gleich den mittelpunkt der handlung in Walter Scotts roman
Quentin Durward bildet die Zusammenkunft beider herrscher
in Peronne (1468). Ludwig hatte eben die herzöge von Bre-
tagne und von Berry, die verbündeten Karl's, bekriegt und mit
ihnen einen günstigen sondervertrag abgeschlossen, als Karl
mit einem starken heere gegen die Somme heranzog. Des
königs Unterhändler konnten den kriegerischen sinn des Her-
zogs nicht beschwichtigen; Ludwig beschloss, seine eigene Über-
redungskunst zu versuchen. Dieser schritt wurde für Ludwig
verhängnissvoll, denn ein von ihm angezettelter aufruhr der
Lütticher gegen Karl brach zu früh, noch während er des Her-
zogs gast war, aus, sodass ihn dieser gefangen setzte. Nur
unter demütigenden bedingungen konnte der könig, nachdem
er die ratgeber seines feindes bestochen hatte, seine freiheit
erkaufen. Der zug Karl's gegen die Lütticher, auf dem ihn
44 MANN,
Ludwig begleiten musste, bezeichnet den höhepunkt der bnr-
gundischen macht Der Zusammensturz folgte nur zu bald,
und er war wesentlich Ludwig's werk.
2. Entstehung des romanes.
Ueber das allmählige werden der dichtung sind wir hin-
reichend unterrichtet durch Lockhart.1 Für das jähr 1822
gibt er an, dass Scott 'was ftnishing Peveril of the Peak, and
projecting his inimitdble portraitures of Louis AI. and Charles
of Burgundry' (V, 229). Das erste zeugniss Scotfs selbst über
seine beschäftigung mit dem gegenstände unseres romanes findet
sich in einem briefe, den er von Abbotsford aus am 10. Nov.
1822 an Terry richtet. In demselben heisst es:
*. . . Peveril will, I fear, smell of the apoplexy. I propose a good
rally, however, and hopo it will be a powerful eflfect. My idea is,
entre nous, a Scolch archer in the French King's guard, tempore
Louis XL, the most picluresque of all times' (V, 237).
Obgleich kurz darauf der besuch des königs mit einem zahl-
reichen gefolge ihn von seinen literarischen arbeiten abhielt,
vollendete er doch noch in demselben jähre Peveril und kam
mit dem ersten bände von Quentin Durward vorwärts. In
einem briefe an Terry vom 9. Januar 1823 heisst es schliess-
lich (V, 245):
*. . . / think I have something nerv likely to be actually dramatical.
I will send it yon presently; but, on your lifo, show it no one, for
certain reasons. The very name is kept secret, and, stränge to teil,
it will be printed without one.'
Diese vorsieht wurde in der tat beim drucke des Werkes ge-
braucht, weil ein setzer Ballantyne's aushängebogen von Peveril
an einen amerikanischen Verleger verkauft hatte. Scott stiess
aber bei der abfassung von Quentin Durward auf nicht unbe-
deutende Schwierigkeiten, insbesondere machte ihm die Schilde-
rung der örtlichkeiten viel zu schaffen. Nach Lockhart (V, 253)
fand er eine wesentliche Unterstützung bei seinem freunde
Skene*, der gerade zu dieser zeit von einer Vergnügungsreise
nach Frankreich zurückkehrte und Scott sein tagebuch und
seine Zeichnungen zur Verfügung stellte. Aus einem abschnitte
1 Memoire of the life of Sir Walter Scott, Bart. VII vols. 1S37.
* Es ist das derselbe Skene. dem wir die 'Series of sketches of the
existing localities alluded to in the Waverlev Novels' verdanken (drawn
and etched by himself, with Descriptions. Edinburgh 1829, etc.).
QUENTIN DURWARD. 45
der aufeeichnungen Skene's habe Scott sogar den stoff zu der
ursprünglichen einleitung des romanes, einer kleinen geschichte,
die sich zu Hantlien an der Loire abspielt, genommen, was bei-
läufig von dem herausgeber der Centenary Edition der Waverley
Novels (Edinburgh 1871, t. XVI, p. 23, note) ohne angäbe von
gründen bestritten wird. Nach Lockhart's zeugniss war Scott
in dieser zeit ein häufiger besucher der Advocates' Library in
Edinburgh. Den besten einblick in die sorgen des dichters
gewährt uns sein brief an Archibald Constable vom 23. Januar
1823. Derselbe lautet (V, 254 f.):
'It is a vile place this vülage of Plessis les Tours that can
baffle both you and me. It is a place famous in history; and, more-
over, is, as your Gazetteer assures us, a village of 1000 inhabitants,
yet I have not found it in any map, provincial or general, which I
have consultcd. I think something must be found in Malte Brun's
Geographical Works. I have also suggested to Mr. Cadell that
Wraxall's History of France, or his Travels, may probably help
us. In (he mean time I am getting on\ and instead of description
holding the place of sense, I must try to make such sense as I can
find hold the place of description.
/ knorv Backwood 's story\ he was originally, I believe, a tailor
ii London, and became a noted leader of Condottieri in Italy.
/ shall be obliged to Mr. David (d.i. Constable's ältester söhn) to
get from the Advocates1 Library, and send me, the large copy of
Philip de Commmcs, in 4°. / returned it, inlending to bring mine
from Abbotsford, but left it in my hurry ; and the author is the very
key to my period'
Zu der anspielung auf Hackwood's story ist zu bemerken,
dass Constable geglaubt hatte, sie habe Scott angeregt zur
Schaffung der gestalt seines helden Quentin Durward. Hack-
wood war armer leute kind, hatte sich vom schneiderlehrling
zum soldatenftihrer erhoben und starb hochgeehrt 1393 in
Florenz. Es ist jedoch kaum glaublich, dass unser dichter in
seinem helden eine bestimmte persönlichkeit hätte idealisieren
wollen; denn es ist durchaus nichts ungewöhnliches, und am
allerwenigsten in England, dass junge leute in die fremde
ziehen,' dort ihr glück machen und sich eine glänzende lebens-
stellung erringen. Wir erinnern selbst an Dick Wittington,
der es vom bettelarmen Schiffsjungen bis zum Lordmayor von
London gebracht hatte.1
1 Seine geschiente ist volksbekannt. Sie bildete 1884/5 den gegen-
ständ einer Christmas pantomime im Drury Lane.
4* MANN,
Utas Scott um das gelingen seines romans ausserordent-
fc* besorgt war, erhellt aus einem briefe, den er am 14. Febr.
IÄJ4 an D. Terry richtet. Es heisst darin am ende (Lock-
bart V, 266):
4I have no idea my present labours will be dramatic in Situation:
ms to character, that of Louis XI., the sagacious, perfidious, super -
stitious, jocular, and politic tyrant, would be, for a historical chronicle,
oontaining his life and death, one of the most powerful ever brought
on tbe stage.'
Am 19. oder 20. Juni 1823 wurde Qu entin Durward ausge-
geben und erregte bald in England und allerwärts grosses
aufsehen und bewundernng. Scott hatte also mit der wähl
des Stoffes einen glücklichen griff getan, und wenn der erfolg
eines werkes einen sicheren rückschluss gestattet auf seinen
künstlerischen wert, so hatte er auch in Quentin Durward ein
unsterbliches meisterwerk geschaffen.
3. Quellennachweis.
Da die historischen romane ihren stoff aus der geschichte
entlehnen, ja sogar ansprach erheben auf historische treue, so
wird man es nur erklärlich finden, dass die Verfasser selbst
auf ihre quellen verweisen oder gar ihre dichtungen mit einem
umfangreichen historischen und antiquarischen apparate ver-
sehen, wie es in unseren tagen z. b. Scheffel und Ebers getan
haben. Aehnlich verhält sich schon Scott. Wir müssen aber
wol unterscheiden zwischen Scott dem dichter und Scott dem
historiker.
Scott der dichter schreibt zu einer zeit, als er sich noch
nicht offen zur Verfasserschaft der 'Waverley Novels' bekannt
hatte, für Quentin Durward eine einleitung, in welcher er uns
darüber aufschluss gibt, wie er zu seinem Stoffe gekommen sei.
Diese einleitung ist selbst wider eine kleine erzählung für sich
und sie wäre sehr angenehm zu lesen, wenn Scott nicht immer,
um den schein eines tiefen und allseitigen wissens zu erwecken,
zu fernerliegendem abschweifte, das ihm gerade geläufig ist,
wenn er sich massigen könnte in der sucht, citate und fremd-
wörter anzubringen, und wenn er schliesslich nicht immer sein
liebes ich, den * Chevalier Scott', in den Vordergrund zu stellen
wüsste. Er berichtet uns nun, wie er — es mag ungefähr das
jähr 1820 sein — zur erholung im 'garten Frankreichs', in
QÜENTIN DURWARD. 47
einem dorfe an den ufern der Loire, einen sommeraufenthalt
genommen hat, also gerade in der gegend, in welcher die
anfange seines romanes spielen. Hier, auf diesem herrlichen
flecken erde, ergreift ihn eine tiefe Sehnsucht, aber nicht nach
den bergen und seen seines heimatlandes, sondern nach einem
'genuine steak' und einem 'double straick of John Barleycorn'
In dem kaffeehause des dorfes sucht er die bekanntschaft des
marquis de Hautlieu, eines alten treuen anhängers des unglück-
lichen Ludwig, der in den stürmen der revolution weib und
kind und vermögen verloren hat und nun einsam auf seinem
halbzerstörten schlösse Hautlieu haust und ein standesgemässes
auftreten, soweit es seine mittel ermöglichen, zu wahren sucht,
was Scott sehr ergötzlich schildert. Anfangs verhält er sich
kühl gegen den fremden, als er aber zufällig entdeckt, dass
derselbe ein Schotte ist, gestaltet sich der verkehr weit wärmer,
weil der marquis selbst beziehungen verwandtschaftlicher art
zu * Hanguisse ' (Angus) hat. Scott wird eines tages eingeladen,
mit dem cur£ zusammen auf dem schlösse zu speisen. Bei
tische kommt man auf die geschichte des Schlosses zu sprechen
und der curä erwähnt dabei, dass sich noch in einem türme
der rest einer überaus reichen bücherei befinde, welche von
den nächsten vorfahren des marquis unter anwendung bedeu-
tender mittel zusammengetragen worden sei. 1790 sei sie bei
der Zerstörung des Schlosses durch die schwarze bände zer-
streut worden, aber er, der cur6, hätte durch geld und gute
worte einen geringen aber wertvollen teil für den marquis
noch retten können, welcher sogar die bewunderung des grossen
bibliomanen Dibdin erregt hätte.1 Scott erhält zutritt zu diesen
schätzen und findet in den familienaufzeichnungen alte be-
ziehungen der Hautlieu's zu Schottland, zu Quentin Durward,
also, während ihm handschriften und alte drucke den weiteren
stoff zu seinem romane geben. Daher nennt er ihn nach art
der romantiker eine wahrhaftige geschichte und gibt uns im
Xu. kapitel den folgenden genauen aufschluss (s. 180 f.):
'In this place, the Memoire, which we have chiefly foliowed in
compiling this true history, were unhappily defective; for, founded
chiefly on information suppUed by Quentin, they do not convey the
1 Damit wird angespielt auf eine reise Dibdin's, deren ergebnisse er
afedezgelegt hat in dem werke: Biblioffraphical, Antiquarian and Picturesque
Tour m France and Germany. 3 vols. London 1821.
48 ' MANN,
purport of the dialogue which, in bis absence, took place between
tbe King and his secret counsellor. Fortunately, the Library of Haut-
Heu contains a manu Script copy of the Chronique Scandaleuse of
Jean de Troyes, muck more füll than that which has been printed;
to which are added several curious memoranda, which we incline to
think must have been written down by Oliver bimself after the death
of bis master, and before be had the happiness to be rewarded with
the halter which he had so long merited. From this we have been
able to extract a very füll account of the obscure favourite's con-
versation with Louis upon the present occasion, which throws a light
upon the policy of that Prince, which we might otherwise have sought
in vain for.'
Daher sagt der dichter auch von der gräfin Haraeline von Croye
(XV, 221^):
4 the good Countess was at least thirty-five, if the records of that
noble house speak the truth',
und was er über Ludwig's tun und treiben berichtet in der
ersten nacht, da dieser als gefangener im schlösse zu Peronne
sass, will er gleichfalls in einer alten handschrift gefunden
haben (vgl note S, s. 508).
Ganz anders nun Scott der historiker. Wiegte uns die
einleitung in den schönen wahn, dass jenes prächtige land-
schaftsgemälde von den ufern der Loire und die Zeichnung der
ehrwürdigen greisengestalt des marquis de Hautlieu, des letzten
sprösslings eines glanzvollen geschlechtes, der Wirklichkeit ab-
gelauscht wäre, so zerstört uns diesen wahn die trockene an-
merkung zur nachschrift der einleitung (s. 11):
'It is scarcely necessary to say that all that follows is imaginär}'.'
Ja selbst in bezug auf die grätin Hameline, der wir sonst wenig
Zuneigung entgegenbringen können, wird uns ausdrücklich ver-
sichert (XXXVI, 474 anm.):
'It is aluiost unneccssary to add, that the " marriage of William de la
Marck with the Lady Hameline, is as apocryphal as the lady herseif.'
Es gibt also kein schloss Hautlieu, der dichter kennt den
schausplatz der handlung seines romancs nicht ans eigener
anschauung und, was vor allem wichtig ist, er hat seine ge-
schichte nicht aufgezeichnet gefunden in den handschriften der
gräflichen bücherei. Welches waren also seine quellen?
Im texte selbst verweist Scott auf:
Philip des Comines, (2.) Introduction to Qucntin Durward, s. 7;
XXX, 405.
1 Die römischen Ziffern bezeichnen die kapitel, die arabischen die
Seiten der ausgäbe in der Tauchnitz edition.
QUENTIN DURWARD. 49
Jean de Troyes, Chronique Scandaleuse, XII, 180.
Brantome, XXVII, 367.
Janus Pannonius, XIII, 194.
Beiläufig werden noch in den einleitungen erwähnt:
Borke (einl. v. 1831, s. 4) und Bayes (s. 33),
ferner s. 26:
An Itinerary of Provence and the Rhone, made during the year
1819; by John Hughes, A. M., of Oriel College, Oxford.
In den wenigen anmerkungen unter dem texte wird nur auf:
Varillas (History of Louis XL), XXVIII, 391
verwiesen.
Die meisten hindeutungen und belege hat jedoch Scott in
einem besonderen anhange, Notes to Qüentin Durward, gegeben.
Dort führt er an:
Philip des Comines, note 0, s. 507; note P, s. 507; note Q, s. 507
u. f.; note U, s. 511; note X, s. 512; note Y, s. 514.
Jean de Troyes, note E, s. 503; note H, s. 504; note N, s. 506.
Brantome, note S, s. 508.
Olivier de la Marche, note N, s. 506.
Matthieu d'Arvas, note N, s. 506.
Ronsard, note U, s. 511.
Bayle, note T, s. 510.
Tacitus, Annalen, note T, s. 509.
Pasquier, note D, s. 501.
Ausserdem bezieht er sich in der note D (s. 500) auf sein
eigenes werk Guy Mannering \ ferner auf
Wraxall, History of France, vol. I, s. 143 note, in der note G,
s. 503.
Sleidan (the historian), note N, s. 506.
Fyne Morrison, Itinerary, Edition 1617, s.165, in der note M, s.506.
Ferne, Blazen of Gentry, 1586, s. 161, in der note X, s. 512.
Unter dieser langen reihe von quellenschriften nehmen die
erste stelle Comines' meraoiren ein, denn dieser scharfdenkende
und gerechte geschichtsschreiber stellt am ausführlichsten und
getreuesten die ereignisse dar, die auch in Quentin Durward
zur Verknüpfung der handlung dienen. Scott kannte Comines'
werk, wie aus der note N (s.506) hervorgeht, in der ausgäbe
von Petitot1, in dessen trefflichem memoirensammelwerke es
die bände 11—13 einnimmt. Hieraus erklärt sich, dass manche
stelle im nachtrage, wie wir noch erweisen werden, auf eine
anmerkung Petitors sich gründet. Da aber Comines in der
1 Petitot, Collection Complete des Memoires Relatifs a l'Histoire de
France. 1'« Serie. Paris 1826.
Anglia, XII. band. 4
50 MANN,
ausgäbe Petitot'g erst im jähre 1826 erschien, während Quentin
Dtirward 1823 entstanden ist, so ergibt sich einmal, dass Scott
bei abfassnng dieses romanes eine andere ausgäbe Comines'
zu rate gezogen hat, dann aber, dass die * Notes to Quentin
Durward * erst später, frühestens aber 1826, hinzugefügt worden
sind. Welche andere ausgäbe Comines' der dichter ursprüng-
lich gebraucht hat, lässt sich mit völliger Sicherheit nicht fest-
stellen. Aus dem oben angeführten briefe an Archibald Con-
stable vom 23. Januar 1823 geht hervor, dass er aus der Ad-
vocates' Library eine quartoausgabe benutzt hat, also wahr-
scheinlich schon 1822, und wider benutzen will. Es kann dies,
wenn sich auch, wie mir herr J. T. Clark, der keeper der biblio-
thek, mitteilt, kein eintrag im receipt book findet, keine andere
sein als die folgende: Mämoires de Philippe de Commines.
Nouvelle Edition par Messieurs Godefroy augmentee par M.
TAbb6 Lenglet du Fresnoy. A Londres et k Paris 1747. 4 vols.
Eines steht freilich dieser annähme entgegen; aus den worten:
'/ returned it intending to bring mine from Abbotsford' ergibt
sich, dass er dieselbe ausgäbe besass; aber in dem kataloge
der Abbotsfordbibliothek wird keine vierbändige quartoausgabe
aufgeführt.
Von den von Scott selbst citierten quellenschriften hatte
er folgende in seiner eigenen bibliothek:
1. Commines, in der Petitot'schen Sammlung.
2. Commines, Memoires sur les faicts et gestes de Loya XI. et
Charles VIII. 8vo. Paris 1566.
3. Jean de Troyes, Cbronique Scandaleuse, in der sammlang von
Petitot. Also muss er für den roman selbst eine frühere ausgäbe
geliehen haben.
4. Brantome, Oeuvres. 8 t. 8vo. Paris 1787.
5. Fendlon, Contes et Fables. Bd. 18 der Collection chosie des Contes
des Fees, et autres Contes Merveilleux, par Mayer. 41 t 8vo.
Amsterdam 1785—6.
6. John Hughes, Itinerary of Provence and the Rhone in 1819.
Svo. London 1822.
7. Edmund ßurke, Maxims, Opinions, and Characters, Moral, Poli-
tical, and Economical. Selected from his Works. 2«d edition.
2 vols. London 1811.
8. Olivier de la Marche, Memoires. Bd. 9 u. 10 der Sammlung Petitot.
9. Pierre Bayle, Dictionnaire Historique et Critique. 4m« Mit revne
etc. par M. des Maizeaux. 4 t. Fol. Amsterdam 1 730.
10. Sir N. W. Wraxall, History of France under the Kings of the
Race of Valois. 3»"d edition. 2 vols. 8vo. London 1807.
QUENTIN DUR WARD. 5l
11. Sleidane, Commentaries etc. Translated by John Davis. Fol.
London 1560.
12. Fynes Moryson, Itinerary etc. Containing his Ten Yeeres Travell
through the twelve Dominions of Germany, Bohmerland, Sweitzer-
land, Netherland, Denmarke, Poland, Italy, Tarkey, France, Eng-
land, Scotland, and Ireland. In 3 parts. Fol. London 1617.
13. John Ferne, Blazon of Gentrie. sm. 4to. London 1586.
Die Schriften von Skene und Dibdin sind schon genannt
worden. Die werke von Varillas, Pasquier und Matthieu d'Arvas
sind, da sie Scott's bibliothek nicht aufweist, wahrscheinlich
durch die Advocates* Library geliefert worden, während die
autoren Tacitus, Janus Pannonius und Ronsard auf grund der
an den betreffenden stellen benutzten bücher angeführt werden
wie ich gelegentlich zeigen will.
Damit sind jedoch des dichters hilfsmittel noch nicht er-
schöpft. Seine ungeheuere belesenheit gab ihm viele ztige ein,
die er wahrscheinlich selbst nicht sogleich auf eine bestimmte
quelle hätte zurückführen können. Man bedenke nur, wie reich
die gebiete: Chivalry and Romance, Divination, Astrology, Pre-
dictions, Magic, Witchcraft, Demonology und andere in seiner
bibliothek vertreten sind!. Neuere werke über die geschichte
Ludwig's XL, wie das von Duclos, hat er gewiss für Quentin
Durward studiert, und schliesslich werde ich weiter unten
den beweis erbringen, dass seiner darstellung Schriften zu
gründe gelegen haben, die namhaft zu machen er nicht für
nötig hält.
Ueber die art, wie Scott im allgemeinen seine quellen be-
nutzt hat, gibt er uns selbst eine andeutung in einer zweiten
einleitung, datiert Abbotsford, den 1. Dezember 1831, welche
er vielleicht zur selben zeit, als er die Notes hinzufügte, dem
ganzen werke voranstellte. Hier (s. 9) sagt er uns:
(Amidst so great an abundance of materials, it was difficult to
select such as should be most intelligible and interesting to the reader;
and the author had to regret, that though he made liberal use of the
power of departing from the reality of history, he feit by no means
confident of having brought his story into a pleasing, compact, and
sufficiently intelligible form. The mainspring of the plot is that which
all who know the least of the feudal System can easily understand,
though the facts are absolutely fictitious.'
Sehen wir nun im einzelnen zu, wie weit der dichter seinen
quellen folgt.
4*
52 MANN,
IL
Quellen.
1. Einleitung von 1831.
Die ' Introduction to Quentin Durward'1, welche sich in der
Tauchnitz edition auf s. 1 — 10 findet, stammt aus dem jähre
1831, ist also erst einer späteren aufläge zugefügt worden. Sie
scheint mir ihren Ursprung den zahlreichen beurteilungen zu
verdanken, welche Scott's roman gleich nach seinem erscheinen
erfahren hat, und hat sicherlich nur den zweck, das bild der
beiden hauptpersonen und manches andere, was in der erzäh-
lung nicht sehr hervorgetreten war oder sich ins anekdoten-
hafte verzog, mit schärferen strichen zu zeichnen. Man darf
nicht vergessen, dass die beurteilungen von seiten der kritik
nicht alle sich in lob ergingen, sondern, zum weitaus kleineren
teile allerdings, in recht scharfen Verurteilungen durch hervor-
ragende männer bestanden. Ich sehe einen beweis für die
erste behauptung darin, dass Scott, der anfangs nicht wenig
stolz auf seinen helden war, nunmehr (s. 8) etwas kleinlaut von
der 'little love intrigue of Quentin' spricht und dass er sich nicht
sicher fühlt 'of having brought his story into a pleasing, compact,
and sufficiently int ellig ible form'. Und der zweck dieser ein-
leitung ist Vervollständigung, denn Scott hat für sie ein reiches
quellenmaterial herbeigezogen. Suchen wir dasselbe auf.
Keiner der alten Chronisten kann Ludwig's aberglauben
unerwähnt lassen. So berichtet Matthieu2 (XI, 618):
'Iamais houiuie ne fut plus plus bigot & superstitieux quo luy,
il faisoit des choses qui estoient bonnes en apparence, mais a mau-
uaise intention, & par sa bigotterie H pensoit tromper Dieu & le
monde. Les superstitieux & bigots ne craignent pas de faire mal,
pour l'opinion qu'ils ont d'auoir leur absolution par les actes de leur
bigotterie & superstition.'
Und vorher (XI, 617):
'. . . les pelerinages ä pied & ä cheual, & les deuotions plus ardentea
de ce Prince ont souuent couuert des desseins qui repugnoiöt i la
1 Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass sich in dem buche * Notice«
and Anecdotes illustrative of the ineidents, characters, and scenery de-
scribed in the Novels and Romances of Sir Walter Scott, Bart., with a
complete glossary for all his works. Paris 1833' (ohne verfasserangabe)
auf s. 340 — 347 ein artikel * Quentin Durward' befindet, welcher in einigen
wenigen stellen Scott's quelle nachweist.
8 De Matthieu, Histoire de Lovys XI. Paris 1620. 4°. (Die ausgäbe
von 1628 weicht um weniges in der paginierung ab.) Die römische ilffer
gibt das kapitel an, die arabische die seite der benutzten ausgäbe.
QUENTIN DÜRWARD. 53
piete" & a la iustice. II y attrapoit tousiours quelqu'vn, . . . . on dit
qu'il accommodoit sa religion ä ses desseins, plustost que ses desseins
ä sa religion.'
Varillas (X, 61) * spricht von seinem Marienkultus:
( La devotion particuliere de Louis pour la sainte Vierge, ne con-
sista pas seulement dans l'Image qu'il en portoit ä son chapeau : mais
encore dans l'ordonnance qu'il fit qu'ä l'avenir on sonneroit dans chaque
Eglise une cloche a l'heure de midy, pour avertir les Peuples de reciter
l'Ave Maria.'
Derselbe Schriftsteller berichtet uns (X, 50 f.), dass er wenig auf
den glänz des königtums gab und die diener seines Staates aus
den unteren klassen des volkes entnahm (vgl. Q. D. s. 5):
' Mais on ne scauroit disconvenir qu'il avoit une antipathie naturelle
& un secret mäpris pour les marques de la Royautä qui sont les plus
eclatantes & qui contribuent da van tage a conserver, & memes ä aug-
menter le respect des Sujets pour leurs Souverains. Qu'aprez avoir
chasse de sa Maison presque tous les hommes de merite & de qua-
lite, il se servit de son Tailleur pour Heraut d'annes, de son Barbier
pour Ambassadeur, & de son Medecin pour Cbancelier. Et de fait
il s'abaissa quelquefois jusqu'ä s'entretenir avec ses Marmitons; & a
recevoir a sa table des gens, que ses valets auroient eu peine d'in-
viter ä la leur.'
Von Ludwig's hang zur Sinnlichkeit, zur gemeinheit, und von
seiner geringschätzung des schönen geschlechts spricht Bran-
töme (VII, 528 f.):2
(. . . Loüis XI, ce bon rompu, duquel on, dit que la pluspart du
du temps il mangeoit en commun, ä pleine sale, avec force gentils-
hommes de ses plus privez, et autres et tout; et celuy qui luy faisoit
le meilleur et plus laseif conte des dames de joye, il estoit le mieux
venu et festoye; et luy-mesme ne s'espargnoit a en faire, car il
s'enqueroit fort, et en vouloit souvent seavoir, et puis en faisoit part
auz autres, et publiquement ... II avoit tres-mauvaise opinion des
femmes.'
Varillas (X, 44) kennt sogar die namen einer anzahl maitressen,
welche der könig auf seinen zttgen mit sich führte, und es
sind uns auch die kontrakte über die heiraten dreier natür-
licher töchter erhalten.
In dem aus aberglauben und verkennung der religion
hervorgegangenem streben, dieselbe seinen wünschen anzu-
passen, bildete sich Ludwig eine Stufenleiter von eiden, sodass
1 Varillas, Histoire de Louis Onze. 2 bde. Paris 1689. Kap. 5— 11
bilden den 2. band. Kap. X und XI haben besondere paginierung: Hist.
de Louis onze . ou les aneedotes de ce prince.
8 Oeuvres completes du Seigneur de Brantöme. Paris 1822. 8 bde.
54 MANN,
ihm ein eid bei der heiligen Jungfrau von Embrun höher stand
als einer bei der heiligen Jungfrau von Paris. Nichtsdesto-
weniger machte er sich nicht das geringste gewissen daraus,
dieselben in schamlosester weise zu brechen. Auf das kreuz
Sainct-Lou d'Angers schwur er freilich nicht ohne not, ein
solcher schwur stand ihm am höchsten. Als er einst den durch
seine treulosigkeit berüchtigten connetable von Saint-Paul auf-
forderte, zu ihm zu kommen, antwortete ihm dieser, er würde
der aufforderung folgen, wenn Ludwig ihm seine persönliche
Sicherheit bei jenem kreuze gewährleiste:
'et a cela luy respondit le Roy que jamais ne feroit ce serment &
homuie; mais que tout autre serment que ledit connestable luy vou-
droit demander, qu'il estoit content de le faire' (Comines IV, VI;
P. XII, 129; vgl. Q. D. s. 5).1
Nicht die Vergebung seiner Sünden lag ihm am herzen, sondern
die Verlängerung seines lebens:
4 II estoit neantmoings aumosnier, & faisoit de grands biens aux
Eglises, non pas tant seulement au Royaume, mais en plusieurs autres
cartiers, oü il mettoit sa deuotion & fantasie. Mais ce n'estoit que
pour cuider prolonger sa vie. Ce quo Ton apperceuoit assez, par ce
qu'il ne demandoit iamais aux gens d'Eglise, ausqnels il faisoit ces
dons, qu'ils priassent pour la remission de ses pechez: mais tant seule-
ment pour sa prosperite, sante, & longue vie. Tellement que faisant
vne fois reciter par vn Prestre l'Oraison que Ton faisoit en l'EgUse
ä Sainct Eutrope, auquel il s'estoit vott6 & recommande, Et voyant
qu'elle contenoit & requeroit pour auoir sante de Tarne, & du corps,
commanda que Ton ostast ce mot Farne, dlsant que cf estoit assez,
que le dict Sainct luy feist auoir sante du corps, sans Timportuner
de tant de choses' (Soyssel2 i)\ f.; vgl. Q. D. s. 6 f.).
Das misstrauen, mit welchem Ludwig jedermann begeg-
nete, steigerte sich in seinen letzten stunden bis zu völliger
menschenscheu:
'Quelques cinq ou six mois devant cette mort, il avoit suspicion
de tous ho mm es, et spccialeincnt de tous eeux qui estoient dignes
d'avoir authorite. II avoit crainte de son fils:l, et le faisoit estruitc-
inent garder; ne nul hoinme ne le voyoit, ue parloit a luy, sinon par
son counuandeiuent. 11 avoit doute ä la fin de sa rille et de son
gendre, ;i present duc de Bourbon, et vouloit sc,avoir quelles gens
entroyent aux Plessis quand et eux; et ä la tin rompit un conseil
1 .Jedes citat aus Comines gebe ich nach der cinteilung des Werkes
und zugleich nach Petitot.
* Claude de Seyssel? Histoiro de Lovys XII. Paris 1015. 4°.
3 Es sind uns briete des königs au Pressuiro erhalten, in welchen
er diesem ausdrücklich aufträgt, den dauphiu zu überwachen (vgl. z. b.
Brantome 11, 37).
QÜENTIN DÜRWARD. 55
que le duc de Bourbon son gendre tenoit leans par son Commande-
rn ent' (Comines VI, XII; P. XII, 400).
'Oncqnes homme ne craignit plus la mort,' et ne fit tant de
choses pour y cuider mettre remede, comme luy' (P. XII, 398).
'Tousjours avoit esperance en ce bon hermite qui estoit au
Plessis, dont j'ay parte, quHl avoit fait venir de Calabrej et inces-
samment envoyoit devers luy, disant que s'il vouloit il luy allonge-
roit bien sa vie' (P. XII, 396 f.; vgl. Q. D. 6 f.).
So gross waren die quälen, welche Ludwig auf seinem toten-
bette erduldete, dass Comines sie in einem besonderen kapitel
mit den leiden vergleicht, welche der tyrann anderen ver-
ursacht hatte:
* Comparaison des maux et douleurs que souffrit le roy Louys, a
ceux qu'il avoit fait souffrir a plusieurs personnes; avec continuation
de ce qu'il fit et fut fait envers luy jusques ä sa mort' (VI, XII; P.
XII, 396 ff.).
Auch F6n61on gibt uns im Pygmalion ein bild dieses tyrannen.1
Doch fehlen in seinem Charakter nicht auch die lichtseiten.
'II estoit pourtant au surplus mult saige & clair voyant en ses
affaires, & soubdain ä executer ses entreprinses , hardy de sa per-
sonne, & plus ais6 a deceuoir autruy, que a se laisser tromper. Car
il auoit vn entendement aigu, & cauteleux„& vn parier artificieux &
captieux, prompt ä gaudisserie, & cauillation ' (Seyssel 93).
'Et par effect, il teint de son temps par son sens, & par sa
puissance, son Royaume en grande obeYssance, seuretß, & reputation.
Et ses subiects, et aussi ses voisins, en grand craincte, & soupcon'
(Seyssel 94).
Man möchte beinahe sagen, dass so und nicht anders der
Charakter desjenigen beschaffen sein musste, der das staats-
schiff Frankreichs sicher durch stürm und wetter leiten sollte.
Die zeiten waren unruhevoll, mächtige feinde der königsgewalt
erhoben sich im innern, mächtige gegner lauerten an den
grenzen, um bei jeder günstigen gelegenheit mit den grossen
des landes gemeinsame sache zu machen gegen die wachsende
königsmacht. Wahrlich, es bedurfte eines willensstarken und
rücksichtslosen herrschers, wenn Frankreich als grossmacht
gerettet werden sollte, einer scharfen faust, und Ludwig XI.
war eine 'tight-ftsted hand at the grmdstone'.
2. Ereignisse in Plessis-les-Tours.
Das erste kapitel, welches in trefflicher Charakteristik die
beiden hauptcharaktere Ludwig und Karl von Burgund gegen-
1 Fänelon, Les Avantures de Telemaque. Paris 1753, 1. III, p. 47 — 49.
56 MANN,
überstellt, beginnt mit einer einleitenden betrachttmg über die
politischen Zeitverhältnisse, über den kämpf der grossen gegen
das königtum, wie sie Scott auf grund einer allgemeinen Welt-
geschichte oder einer speziellen geschiente Ludwig's geben
konnte.1 Auch durch Seyssel scheint er hierin beeinfiusst zu
sein, wenigstens ist beiden ein und dieselbe wendnng gemein:
Scott: 'He (Louis) . . . showed so much dexterity in sowing jea-
lousies among those great powere, that their alliance "for the public
weal", as they termed it, but in reality, for the overthrow of all but
the external appearance of the French monarchy . . .' (s. 40).
Seyssel: '. . . les Princes & grands Seigneurs du Royaume. . . .
se meirent en armes contre luy; soubs ombre toutesfois du bien pu-
blicque, mais a la verit6 pour luy faire perdre le Royaume, ensemble
la vie' (8. 61).
Von den hauptztigen seines wesens schildert Scott (s. 38) zu-
nächst seinen aberglauben, sicherlich wider in anlehnung an
Seyssel (s. 93):
'Et veritablement sa deuotion sembloit plus superstitieuse, que
religieuse. Car a quelque i inaige, ou Egliso de Dieu, & des Saincto,
& lnesmement de nostre Dame, qu'il entendist que le peuple eust
deuotion, & oü se feist quelques miracles, il y alloit faire ses offrandes,
ou y envoyoit hörne expres. II auoit au surplus son chappeau, tout
plein d'imaiges, la plus part de plöb, ou d'estain. Lesquelles a
tous propos, quand il luy venoit quelques nouuelles bonnes, ou mau-
uaises, ou que sa fantaisie luy prenoit, il baisoit, se ruant a genoüils
quelque part qu'il se trouuast, si soubdainement, quelques foia, qu'il
sembloit plus blesse d'entendement, que saige homme. Et s'il scauoit
quelque homme que Ton estimast de sainete vie, il taschoit l'auoir
en quelque pays qu'il fenst, & quoy qu'il luy coustast, Ainsi qu'il
feit de frere Francisque de Paule, qui depuis fonda l'ordre des Mini-
mes. Lequei ä grando diffieult^, il feit amener de Calabre, esperant
par ses prieres, & merites, obtenir sante, & gucrison.'
Man hat sich nun die benutznng der quellenschriften von
Seiten Scott's so zu denken, dass er aas den vielen büchern,
die er, um material Air seinen roman zu sammeln, studierte,
die hauptstellen sich anmerkte, während er die vielen einzelnen
charakterzüge Ludwig's, die er hier und dort verstreut fand,
sich herausschrieb, um sie dann zu einem zusammenhängenden
bilde zu verarbeiten. Wenigstens so erklärt sich das Charakter-
bild, welches er s. 36 ff. von Ludwig entwirft, und dessen einzel-
1 Vgl. Duclos, Histoire de Louis XI. :t bände. Amsterdam 1746.
Vgl. z. b. fllr s. 30 Dudos 1, K
QÜENTIN PURWARD. 57
heiten zum teile wörtlich mit den folgenden stellen tiberein-
stimmen:
'. . . il estimoit la dissimulation la premiere des Royales vertus*
(Matthieu VI, 291; vgl. Q. D. s. 37).
'Et considerant que les secret estoit Tarne & l'esprit de toutes
sortes de desseins, il disoit quelquefois, *' Ie bruslerois mon chappeau
s'il scauoit ce qui est en ma teste' (Matthieu XI, 726; Q. D. s. 37).
Von seiner rachsucht und grausamkeit (Q. D. s. 37) spricht
Matthieu widerholt. Er nennt ihn einen 'Prince plein de ven-
geance fy de desdain' und fügt hinzu (VI, 290): 'contre le naturel
de Cesar il n'oublioit iamais les injures'. Später (XI, 663) heisst
es von ihm:
'Les offences n'enuieillissent pas en sa memoire, & les coups
sourds que sa conscience luy donnoit au reproche de tant de gens
qui auoient est£ battus & abbattus du foudre de sa Iustice, ne le
redoient pas plus facile au pardon.'
In solcher gesinnung hat er z. b. drei grosse Würdenträger des
Parlaments von Grenoble, welche sich zur zeit seiner erhebung
gegen den eigenen vater für den vater erklärt hatten, nie aus
den äugen verloren, und als er den tron bestiegen hatte, liess
er die pflichtgetreuen der 'felonnie, ingratitude fy leze Majeste*
überführen, beraubte sie aller rechte und besitztümer und ver-
bannte sie noch obendrein:
'. . . son naturel estoit plus prompt ä la vengeance de l'offence
qu'ä la recognoissance du bien-faict, & plus facile ä hayr qu'ä aymer'
(Matthieu XI, 664).
Sein Strafverfahren war eigenmächtig, kurz und bündig, nicht
die gerechtigkeit leitete ihn, sondern sein eigener vorteil:
'II auoit est6 nourry en vn siecle de tant de licence, quo comme
il auoit este contraint de voir & de souffrir plusieurs iniustices, il
ne se soucia que de faire la iustice soy-mesme selon les loix de sa
volonte, estimant que son denoir estoit dans les limites de son plaisir,
& la raison en celles de sa volonte7 (Matthieu XI, 666).
An anderer stelle (XI, 678) fügt Matthieu ergänzend hinzu:
'. . . en plusieurs procedures il vouloit que la iustice se fit ä son
gre, & ne s'en fioit pas a ceux qui en auoient la charge. On monstre
encore au Plessis lez Tours, l'endroit oü il se tenoit pour voir sans
estre veu son Preuost quand il examinoit les prisonniers.'
Von seinem hang zu sinnlichen ausschweifungen weiss
die geschichte genug zu melden. Matthieu (XI, 736) berichtet,
dass er zwei natürliche töchter hatte, welche er offiziell als
solche anerkannte und an hohe herren verheiratete. Man weiss
ferner, und es findet sich urkundlich aufgezeichnet, dass er
58 MANN,
einst eine summe von etwas mehr als 300 Uvres von einem
Beiner diener entlieh, am sie auf seine weise zu verwenden,
'pour femployer a ses plaisirs et a ses voluptez'. Solche and
ähnliche züge, die alle dazu angetan sind, sein lockeres Privat-
leben blosszulegen , Hessen sich aus den Chronisten in grosser
zahl beibringen. Zur zeit, als er sich in Flandern aufhielt,
mag er sich besonders stark der Völlerei hingegeben haben.
ComineB berichtet hierüber gelegentlich:
'Les despenses et liabilleraeas d'homniea et de fernmes grands
et auperflua. Les convits et b&nqueta plus grands et plus prodlgaea
qu'en nul autie Heu doot j'ay eu coguoissance : Ics baignoirea et
autres festoyemena avec femmes granda et desordonnea et a peu
de honte'.
Matthieu (XI, 738) kennt an ihm 'des voluptez peu communes <y
connues aux Ryis de France ses predecesseurs'. Hand in hand
damit geht seine Vorliebe für schlüpfrigen witz, und wenn ihn
auch Scott mit unrecht als den geistigen urheber der anekdoten-
sammlung der Cent Nouvelles Nouvelles ansieht1, so wissen
doch seine Zeitgenossen auch von dieser richtung seines geistea
genug zu erzählen.
Ebenso eifrig wie den damen war er auch der jagd er-
geben: 'de ses exercices la chasse fut le plus ardant' (Matthieu
XI, 743). Ausserdem aber verkehrte er gern mit dem volke:
'Le Roy ae famlliariaant fort auec les gea [de ceste sorte], lea faiaolt
manger ä sa table pour cauaer plus libreuieut' (Matthieu XL 742).
Daher kam es auch, dass er sich aus dem volke beamte und
vertraute ratgeber wählte:
M soußroit an labinut pluaieurs petita cowpagiiös qui ne ae pou-
uoieut aouvenir de la condition de leurs ayeulx sans rougir ou sans
lea dcsadiioller' (Matt bleu XI, 744).
l.'eber Karl den kühnen gibt uns Comines, der ja lange
im vertrauten umgange mit ihm lebte, gelegentlieh in seinem
werke anziehende Schilderungen:
'Dem chosea (plus) je dtray de luy: l'une est quo Jamals nul
bouiiuu peust porter plus de travail que luy en tous endroits oü fl
taut exerciter la personne: l'autre, qit'ä mon advia je ne conna
oneques huiunic plus bardy. Je ne luy ouy oneques dire qu'U fust
las, ny ne luy vey janiais faire aemblant d'avoir pour, et si ay estö
1 Scott ritiert selbst auf grund von De Bure, 'Bibliographie Instrao-
tive, ou Trtitii de la connoiasance des Livres rares et singullere' eine von
Antoine Yerard in Paria gedruckte ausgäbe. In seiner eigenen blbllothek
hatte er eine vielbändige in Köln lTStt verilffentlicbte widergabe.
QÜENTIN DURWARD. 59
7 annees de rang en la guerre avec luy, Feste1 pour le moins, et en
aucunes l'hyver et l'est6. Ses pens6es et conclusions estoient grandes ;
mais nul homme ne les scavoit mettre a fin, si Dieu n'y eust adjoutä
de sa puissance' (C. I, IV; P. XI, 373).
*. . . il taschoit ä tant de choses grandes, qu'il n'avoit point le
temps a vivre pour les mettre a fin; et estoient choses quasi impos-
sibles, car la moittä d'Europe ne l'eust sceu contenter. II avoit assez
hardement pour entreprendre toutes choses, sa- personne pouvoit
'assez porter le travail qui luy estoit necessaire. U estoit assez puis-
sant de gens et d'argent; mais il n'avoit point assez de sens ne de
malice pour conduire ses entreprises: car avec les autres choses pro-
pices a faire conquestes, si le tr&s-grand sens n'y est, tont le de-
meurant n'est rien ; et croyez qu'il faut que cela vienne de Dieu. Qui
eust pü prendre partie des conditions du Roy nostre maistre et partie
des siennes, en eust bien fait un prince parfait; car sans nulle doute
le Roy en sens le passoit de trop: et la fin l'a monsträ par ses oeuvres'
(C. HI, III; P. xn, 21 f.).
'. . . ä la verite, il avoit de bonnes et de vertueuses parties en
luy. Nul prince ne le passa jaraais de desirer nourrir grandes gens,
et les tenir bien reglez. Ses bienfaits n'estoient point fort grands
pour ce qu'il vouloit que chacun s'en ressentit: jamais nul plus libe-
rale ment ne donna audience a ses serviteurs et sujets. Pour le temps
que je Tay connu, il n'estoit point cruel; mais le devint peu avant
sa inort qui estoit mauvais signe de longue dure*e. II estoit fort pom-
peux en habillemens, et en toutes autres choses^ un peu trop. II
portoit fort grand honneur aux ambassadeurs et gens estrangers, ils
estoient fort bien festoyez et recueillis chez luy. 11 desiroit grande
gloire, qui estoit ce qui plus le mettoit en ses guerres que nulle autre
chose; et eut bien voulu ressembler ä ces anciens princes dont il a
est6 tant parle apres leur mort; et estoit autant hardy qu'homme qui
ait regne de son temps' (C. V, IX; P. XII, 238).
'Toutesfois je n'ay connu nulle seigneurie ne pays, tant pour
tant, ny de beaucoup plus grande estenduc encores, qui fast si aoon-
dant en richesses, en meubles et en edifices, et aussi en toutes pro-
digalitez, despenses, festoyemens, cheres, comme je les ay veus, pour
le temps que j'y estois' (P. XII, 240).
4 La gloire luy monta au coeur, et l'esmeut de conquerir tout ce
qui luy estoit bien seant. Tous les estez tenoit les champs, en grand
peril de sa personne, et prenoit tout le soin et la eure de l'ost, et
n'en avoit pas encore assez a son gre. II se levoit le lier et so
couchoit le demier, tout vestu, comme le plus pauvre de son ost'
(C. VI, XIII; P. XII, 412).
So erscheint Karl im urteile seines einstigen ratgebers. Dass
dieses urteil nicht ungerecht ist, ergibt sich aus den auf-
Zeichnungen Olivier's de la Marche, der dem hofstaate Karl's
angehörte und seinem herrn bis zum tode treu diente. Er
schreibt:
60 MANN,
(Ce duc Charles se trouva du vivant de son pfre et märe, bomme
faict, sage, et de grand entendement, puissant de corps et d'amis,
aime et quis de ses sujets. II estoit puissant jousteur, puissant archer,
et. puissant joueur de barres. II estoit pompeux d'habillements et
curieux d'estre accompaigne, et tenoit grand estat et grande noblesse
en sa maison. II aimoit la chasse sur toutes choses, et volontiere
combatoit le sanglier et en tua plusieurs. II aimoit le vol du heron.
II aimoit la musique, combien qu'il eust mauvais voix: mais toutes-
fois il avoit Part et fit le chant de plusieurs chansons, bien faites et
bien notäes.'
41 estoit large et donnoit volontiere, et vouloit scavoir oü et a
qui. Tout jeune, il vouloit cognoistre ses affaires. II servoit Dieu
et fut grand aumonier. II aimoit la guerre et n'cust point voulu ne
souffert estre foulß de ses voisins. . . . Vices apparens de luy ne
viendrent oncques a ma cognoissance: et si faute y a qu'il fale que
je cognoisse, ce fut de trop valoir et de trop entreprendre. A qnoy
vous, monsieur, devez avoir exemple et regard : car en toutes choses
ou trop y a, il passe la raison : et oü raison n'est, commundment per-
dition est preste' (Olivier de la Marche, chap. V; Petitot IX, 179).
Das zweite kapitel führt den jungen Schotten Quentin Dar-
ward ein, den letzten spross eines edlen geschlechtes, der stolz
auf fünfzehn ahnen zurückblickt und in der fremde kriegs-
dienst sucht. Auf seinem wege nach Plessis-les-Tours, dem
festen schlösse des königs, trifft er mit zwei bürgerlich geklei-
deten männern am Cher zusammen, von denen er den einen für
einen kaufmann, den anderen für einen schiächte r hält Es
sind der könig und sein berüchtigter profoss Tristan l'Hermite.
Scott's beschreibung der persönlichkeit Ludwig's geht einmal
zurück auf bildliche dar Stellung, dann aber auf die berichte,
welche die alten Chronisten übereinstimmend von dem ärmlichen
äusseren des herrschers von Frankreich geben. Für dieses kapitel
dürfte Seyssel den dichter wesentlich beeinflusst haben:
'. . . (II) n'vsoit iamais guieres d'habillcmens riches, & mesme-
ment de soye, ne aussi de fourreures precieuses' (93 f.).
'. . . il sembloit bien souuent mieulx vninarchand, ou hörne de
basse condition, que vn Roy' (111; vgl. auch Varillas XI, 103).
Wir vervollständigen dieses bild durch Varillas (III, 207:)
4 Lotus etoit grand & bien-fait: mais si mal vetu, qu'a le volr
soul on Pauroit pris pour un bomme de mediocrc fortune. 11 n'etoit
distingue du commun que par une Nötre-Dame de plomb qu'il por-
toit a son bonnct, & qu'il avoit accoütume de baiser en donnant
quclque ordre severe.'
Durch eine merkwürdige Verkettung von umständen fühlt
sich der könig bewogen, sich näher mit Quentin einzulassen.
QÜKNTIN DURWARD. 61
Seine beteuerungen: Pasques-dieu, Mort-dieu, und die anrede
'gossip' an Tristan sind historisch.1 Im laufe des gespräches
(s. 51) wird auch das strenge Jagdgesetz berührt, welches der
könig mit allen mittein durchführte:
'Avssi feit-il les defenses des chasses, dont il se delectoit grande-
ment, si aspres, & si rigoureuses, qu'il estoit plus remissible de tner
vn homme, que vn cerf, ou vn sanglier' (Seyssel 81).
Quentin begleitet schliesslich den könig zu einer morgenandacht
in die kapeile des heiligen Hubertus, welche im schlossparke
stand, und von da zu dem unweit des Schlosses gelegenen
gasthaus zur lilie, wo der könig durch Tristan ein frühstück
für Quentin hatte vorausbestellen lassen. Auf dem wege dahin
kommen sie an Plessis-les-Tours vorbei. Hier stand früher
die bürg Montily-les-Tours des Audouin Touchard de Maille,
welche Ludwig im jähre 1465 kaufte und niederreissen Hess.
An ihre stelle baute er das feste schloss Plessis-les-Tours,
welches von seinen nachfolgern verlassen, mannigfache Schick-
sale im laufe der zeiten erlitt und heute nur noch als ruine
dasteht In der beschreibung dieses Schlosses stützt sich Scott
durchaus auf Comines:
(£n premieur lieu il n'entroit gueres de gens dedans le Plessis-
du-Parc (qui estoit le lieu oü il se tenoit), exceptä gens domestiques,
et les archers, dont il en avoit quatre cens, qui en bon nombre fai-
soient chacun jour le guet, et se pourmenoient par la place, et gar-
doient la porte. Nul seigneur ne grand personnage ne logeoit dedans,
ne n'y entroit gueres compagnie de grands seigneurs. . . . Tout ä
l'environ de la place dudit Plessis il fit faire un treillis de gros
barreaux de fer, et planter dedans la muraille des broches de fer
ayans plusieurs pointes, comme ä l'entree, par oü Ton eut peu entrer
anx fossez dudit Plessis. Aussi fit faire quatre moyneaux tous de
fer bien espais, en lieu par oü Ton pouvoit bien tirer ä son aise, et
estoit chose bien triomphante et cousta plus de vingt mille francs:
et ä la fin y mit quarante arbalestriers , qui jour et nuict estoient en
ces fossez avec comtnission de tirer ä tout homme qui en approche-
roit de nuict, jusques a ce que la porte fut ouverte le matin . . .
Pour compagnie tenoit leans un homme ou deux aapres de luy,
gens de petite condition et assez mal renommez ' (C. VI, VII ; P. XII,
374 f.).
'La porte du Plessis ne s'ouvroit qu'il ne fut huict heures du
matin, ny ne baissoit on le pont jusques ä ladite heure: et lors y
entroient les officiers, et les capitaines des gardes mettoient les por-
1 Päques-Dieu: Varillas X, 81; Matthieu XI, 713. Tristan son com-
pere: Matthieu XI, 662.
62 MANN,
tiers ordinaires, et puis ordonnoient leur gnet d'archers tant a la porte
qne parmy la cour, comme en une place frontiere estroitement gard6e,
et n'y entroit nul que par le guichet, et que ce ne fut du sceu du
Roy . . ;' (C. VI, XII; P. XII, 404).
Auf den freien söhn der berge kann ein solches gebäude,
welches eher einem gefängnisse, als einem schlösse gleicht,
nur einen unheimlichen eindruck machen. Aber noch anderes
missfällt ihm: an den ästen der bäume hängen die opfer
königlicher Justiz. Claude de Seyssel ist hier Scott's quelle
gewesen; er charakterisiert in wenigen, aber treffenden Worten
des künigs bündiges verfahren und sein nur zu gefügiges
Werkzeug Tristan (s. 91):
'Car pour l'imagination qu'il auoit contre eulx, il entroit facile-
ment en soup^on de plusieurs gens, & croyoit legerenient aux rap-
porteurs. De sorte que bien souuent, sans grands indices, il faisoit
prendre & gehenner plusieurs gens, & tat nobles, que autres, &
& quelques fois comme Ton dict, mourir. Dont puis apres estant
aduerty de leur innocence, se repentoit, & taschoit Tarnender en
quelque facö. Et s'il le commandoit chauldement, il auoit Tristan
l'Hennite, son Preuost de Mareschaux, hörne sans pitie, qui l'exe-
cutoit aussi promptement, Et n'y auoit de luy aucun appel. Telle-
ment que l'on voyoit autour des lieux, ou le dict Roy se tenoit,
grand nombrc de gens pendus aux arbres, & les prisons, & autres
maisons circonuoisines, pleines de prisonniers, Lesquels on oyoit bien
souuent de iour, & de nuict, crier pour les tourmens qu'on leur fai-
soit. Sans ceulx, qui estoient secretement iettez en la riviere.' —
Während der könig im wirtshause (kap. IV) den hnnger
des jungen Schotten stillt, hat er gelegenheit genug, sich an
den frischen antworten seines Schützlings zu ergötzen: '77 se
plaisoit aux responsee promptes <jr vives, et qui se fönt sans y
songer' (Matthieu 726 f.). Nach beendetem mahle spricht Ludwig
mit Quentin über die grossen, in deren dienst dieser wol treten
könnte, über sich selbst, über Karl von Burgund, über Wilhelm
von der Mark, über den herzog von Geldern und den conne-
table von Saint- Paul. In Karl's dienste kann Quentin nicht,
weil er einen bnrgundischen Jäger übel behandelt hat, und
bei den anderen missfällt ihm die art ihres wesens, so bei
Ludwig besonders die kindliche untreue, welche er seinem
vater erwiesen hat. Wir verstehen, warum der könig sich an-
behaglich fühlt bei Qnentin's scharfem urteile. — Dass Ludwig
den connetable als Städtebrenner hinstellt, ist ein anachronis-
mus, derselbe machte sich erst 1469 als solcher einen namen.
Sehlieulich führt der dichter noch ein junges mädehen ein,
QUENTIN DUR WARD. 63
welches den könig bedient. Es ist die jüngere der beiden
gräfinnen Croy, die incognito als gaste Ludwig's im wirtshause
weilen. Von ihnen wird noch zu sprechen sein. Hier jedoch
muss hervorgehoben werden, dass der könig, dessen geringe
meinung von der frau und dessen hang zu Schlüpfrigkeiten
wir schon kennen gelernt haben, den damen zu ihrer Verklei-
dung die namen Jacqueline und Perette gegeben hat, das sind
die namen zweier hetären, die zu einer zeit häufig mit ihm
waren (vgl Jean de Troyes bei Petitot XIII, 326 u. 364).
Das fttnfte kapitel schildert uns das zusammentreffen Quen-
tin's mit seinem onkel Ludovic Lesly, mit dem beinamen Le
Balafre, einem ritter aus der berühmten schottischen garde. Es
ist reich an anspielungen auf Ludwig's Charakter, seine diener,
seine politik.1 Nach dem gespräch mit Balafr£ geht Quentin
am ufer des Cher spazieren und unbekannt mit den gebrauchen
des landes lässt er sich durch seine Menschenliebe verleiten,
einen eben aufgeknüpften zigeuner abzuschneiden. Er vergeht
sich dadurch gegen das königliche verbot, sich an den ver-
urteilten zu vergreifen, und wäre dem hinzugekommenen Tristan
FHermite und seinen henkersknechten Trois-Echelles und Petit-
Andrö verfallen gewesen, wenn nicht der zufall Ludovic Lesly
und eine anzahl Schotten aus des königs garde des weges
dahergefbhrt hätte. Aber Tristan, den Schlauheit, grausamkeit
und geschick im handwerk zum urbild eines henkerknechtes
machen, lässt so leicht die einmal erfasste beute nicht fahren,
und nur durch die Vorspiegelung, 'dass Quentin schon für
die schottische leibwache ausgehoben' sei, kann der profoss
bewogen werden, ihn wider freizugeben. Denn er kennt die
Vorliebe seines 'compere' Ludwig für diese mietlinge. Freilich
ist dadurch auch über Quentin's nächste laufbahn entschie-
den: will er allen Unannehmlichkeiten aus dem wege gehen,
so muss er sich wol oder Übel doch noch in die waffen-
1 Da Ludovic sich im gespräche rühmt, seine goldene kette für seine
bei der erstünnung eines festen Schlosses bewiesene tapferkeit erhalten
zu haben, so scheint es mir nicht, unmöglich, dass Scott aie gestalt dieses
gutmütigen und tapferen Söldners auf grund einer von Matthieu (XI, 721)
erzählten episode geschaffen hat. Bei der erstürmung einer Stadt hatte
sich ein junger edelmann, Raoul de Launoy, so ausgezeichnet, dass der
könig ihm zur belohnung eine goldene kette gab, indem er sagte: 'Pasque
Dieu mon amy vous estes trop furieux en vn combat, il vous faut en-
chaisner pour moderer vostre ardeur, car ie ne vous veux pqint perdre,
desirant me seruir de vous plus que d'vne fois\
64 MANN,
genossenschaft seiner landsleute aufnehmen zu lassen. Scotts
darstellnng ist durch Matthieu gerechtfertigt:
* Tristan son grand Preuost qui meritoit aussi iustement que
Maximien pour ses fa^ons barbares & seueres, le nom de Triste,
estoit si prompt a l'execution de ses rigoureux commandemens qu*Q
a quelquefois faict perdre Finnocent pour le coulpable, a tousiours
disposä ce Prince a se seruir plustost de l'espee pour punir les fmu-
tes, que de la bride pour empescher de broncher' (XI, 655).
Da es keine zeit zu verlieren galt, reiten sie stracks zum
schlösse, um ihrem alten ftihrer, lord Crawford \ die angelegen-
heit vorzutragen. Sie treffen ihn gerade auf seinem zimmer
mit der durchsieht des Rosier de la Guerre2 beschäftigt and
berichten ihm von dem zusammentreffen. Der edle lord zeigt
sich zwar zunächst höchst ungehalten über das eingreifen seiner
leute, weil ähnliche Vorkommnisse schon widerholt sich ereignet
hatten (vgl. note E) und nur dazu dienen konnten, ihnen die
gunst des königs zu entziehen, denn der zu allem bereite Tri-
stan war bei Ludwig persona gratissima. Ausserdem hatten
sie als bevorzugte und vielbeneidete fremdlinge allen grand,
sich vor handlangen zu hüten, die zu klagen führen konnten.
Quentin's fall ist jedoch so absonderlich, und er weiss durch
geschickte antworten sich des lords gunst so sehr zu gewinnen,
dass derselbe ihn schliesslich in die 4 namenrolle ' aufnimmt
Der eintritt eines neuen mitgliedes in ihr corps unter so ausser-
ordentlichen umständen wurde am abend von Ludovic's freunden
durch ein grosses trinkgelage gefeiert, dem auch Crawford bei-
wohnte. Aus ihren gesprächen erfahren wir mancherlei, was
kommende ereignisse vorbereitet, und wir lernen dabei die
Schotten als tapfere zecher kennen, die hoffentlich ebenso tapfer
im schlachtgewühle sich erweisen, als harmlos fröhliche men-
schen, die die feste feiern wie sie fallen, und niemandem ein
härchen krümmen. Scott ist hier bewusst oder unbewusst
Schönfärber gewesen. So harmlos, wie wir nach seiner dar-
stellung glauben sollten, waren die Schotten keinesfalls; im
gegenteil erlaubten sie sich im bewusstsein ihrer bevorzugten
Stellung häufig recht grobe ausschreitungen, insbesondere auch
1 Die gestalt dieses ehrlichen alten haudegens ist eine freie erfindung
des diohters. Sie erscheint bei Delavigne wider.
1 Nach Scott (8. 112) von Ludwig XI. selbst. Aber schon Naudä,
Addition ä l'histoire de Louvs XI. Paris 1630, bestreitet Ludwig's Autor-
schaft (liv. III, p. 71— 73). Eine kurze notiz und die einleitung findet sich
bei Duclos III, 3S1 f.
QUENTIN DURWARD. 65
gegen die weibliche bevölkerung, und Delavigne trifft mit seiner
darstellung in Louis XI. (III, 1) zweifellos das richtige.
Am morgen nach dem gelage (kap. VIII) versammeln sich
der könig und sein gefolge zu einer grossen jagd im schlösse.
Da Quentin seinem onkel zugeteilt war, welcher gerade im
dienst ist, so hat er gleich am ersten tage gelegenheit, den
könig und seinen hofstaat kennen zu lernen. Der junge Schotte
hat eine hohe Vorstellung von dem glänze eines königshofes,
und seine erwartungen werden noch gesteigert, als er mit seinem
verwandten über den schlosshof schreitet und die prächtigen
rttden Ludwig's bewundern kann. Wer so edle tiere hält, wird
auch in seinem auftreten königlichen glänz entwickeln. Er
sollte -sich freilich in seiner annähme getäuscht sehen. Wol
war der saal gefüllt mit höheren beamten und Offizieren, aber
jene waren aus niederem stände, diese waren Söldlinge; es
fehlte der adel des landes, der mit äusserem prunke auch
feinere Umgangsformen verbindet und so einen königshof zu
einem anziehenden bilde macht. Warum sich die adligen fern
hielten, ist aus den bürgerkriegen nur zu verständlich, und
Ludwig's grundsatz war es ja 'd'employer de petites gern aiix
grandes affaires, fy manier de grandes machines par de petits
engins' (Matthieu VIII, 430 f.). Die kosten seiner hofhaltung
hielten sich in den bescheidensten grenzen (vgl. Matthieu XI,
646 ff.) und er betätigte an sich selbst sein Sparsamkeitssystem.
Wie erschrak daher Quentin, als er in dem könig seine be-
kanntschaft vom vergangenen tage erkannte. Und er würde
ihn auch heute nicht als solchen angesehen haben, wenn ihm
nicht die ehrenerweisungen eines königs gezollt worden wären.
Denn seine kleidung unterschied sich nur wenig von der, die
wir bereits an ihm kennen:
'Louis XI. s'en soucioit si peu qu'ä voir ses habits, on eut dit
qu'il vouloit viure pauure pour mourir riche. II s'habilloit simple-
ment de drap de petit prix, & ne prenoit plaisir de voir les habits
somptueux' (Matthieu XI, 64G).1
Wenden wir uns nun zur betrachtung der einzelnen hervor-
ragenden persönlichkeiten, so fällt uns auf, dass darunter die
königin fehlt. Sie lebte, nachdem sie dem reiche einen erben
gegeben hatte, in der regel getrennt von ihrem gatten, mehr
1 Bodin: vn chappeau gras & du plus meschant drap (Matthieu
XI, 647).
AnglU, XII. band. 5
66 MANN,
als gefangene denn als königin bald auf diesem, bald auf jenem
schlösse und wurde gegen das ende seiner tage nach der Dau-
phinä geschickt unter dem ausdrücklichen verbot, bei ihrem
söhne zu bleiben, wenn er könig sein würde. Dieses und noch
mehr erzählt uns in seiner naiven weise Claude de Seyssel.
Aber auch der kronprinz durfte nicht in der nähe seines vaters
weilen. Ludwig wusste, dass er selbst ein ungetreuer und auf-
rührischer söhn gewesen war, und misstrauisch, wie er bis zum
letzten atemzuge war, fürchtete er, dass nun auch in seinem
eigenen sprösslinge durch fremde einwirkung vorzeitig gelüste
nach dem trone erweckt werden könnten (Matthieu XI, 630).
Er hielt ihn darum fern vom hofe in der einsamkeit und Hess
ihm nur den allernotwendigsten Unterricht zu teil werden,
damit er dem einflusse der grossen entzogen sei und als '(um
her' gar nicht darauf kommen könne, ehrgeizige bestrebungen
zu hegen. Sonst war die meinung der zeit:
'L'estude des sciences rabat les courages' (Matthieu XI, 630).
Er wird des öfteren als 'mal ne et pirement esleui' bezeichnet
Matthieu (X, 607) sagt von ihm :
'Les histoires de ce temps la parlent bien de la grandeur de son
courage & de la foiblesse de son esprit. Elles sont toutes d'accord
qu'il n'estoit ny de grand eptendement, ny de grande prudence.'
Des königs bruder Karl wurde zeit seines lebens nicht froh,
denn überall waren ihm fallen gestellt und sein tod, der unter
eigentümlichen umständen erfolgte, wird dem könig zur last
gelegt: die Chronisten Ludwig's vermuten ziemlich allgemein,
dass ihm auf des königs befehl oder wünsch gift gereicht
worden war (vgl. Matthieu V, 255 ff.). Unser dichter hat sich
also an tatsächliche Verhältnisse gehalten, wenn er die eben-
besprochenen persönlichkeiten in seinem romane nicht auf-
treten lässt.
Von den prinzen königlichen geblütes, die, vom dauphin
abgesehen, dem trone am nächsten standen, bleibt dann nur
noch der junge herzog von Orleans übrig, der söhn eines
jüngeren bruders des königs. Diesen überwachte der könig
selbst, indem er ihn beständig in seinem gefolge behielt, damit
er ja nichts gegen ihn oder den dauphin unternehme, dessen
schwache gesundheit kein geheim niss war und hoffnungen er-
weeken konnte. Aber das genügte dem alten tyrannen noch
keineswegs. Um solchen hoffnungen oder gedanken jegliche
QUENTIN DURWARD. 67
aussieht auf erfolg zu rauben und den tronerben von dieser
seite vor verwandten zu bewahren, die sich ihm möglicher-
weise feindlich zeigen könnten, bestimmte er dem jungen,
lebensfrischen herzog seine zweite tochter Johanna zur frau,
ein armes, verkrüppeltes, unglückliches wesen, von dem mit
Sicherheit keine nachkommenschaft zu erwarten war. Lud-
wig's Charakter enthüllt -uns viele dunkle Seiten des mensch-
tums, vor solchem cynismus der gesinnung aber, wie er sich in
dieser handlungsweise offenbart, wendet man sieh mit ekel und
grausen ab. Die ehe wurde in der tat geschlossen, weil der
könig jeden widersprach niederzwang:
'. . . II faisoit de la France comme d'vn grand verger, duquel il
coupoit, arrachoit, & transplan toit les arbres comme il luy plaisoit'
(Matthieu XI, 635).
Aber es ist, als wenn die Vorsehung sich habe rächen wollen
für solch' frevelhaften eingriff in ihr heiliges bestimmungsrecht:
Ludwig von Orleans kam nach Karl's kurzer regierung wirk-
lich als Ludwig XII. auf den tron und eine seiner ersten hand-
langen war, einen scheidungsprozess gegen die ihm aufge-
zwungene gattin anzustrengen:
'La cause de lenr diuorce fut la sterilite et le deffaut du con-
sentement au manage ' (Matthieu X, G06).
So sehr das Schicksal der unglücklichen ftirstin zu beklagen
war, so kann man doch Ludwig XIL für sein vorgehen nicht
tadeln; an den prozess knüpft sich freilich eine recht un-
saubere und indecente beweisaufnahme (vergleiche den bericht
bei Duclos II, 101 ff.). In bezug auf des königs beweggründe
heisst es bei Matthieu (XI, 634):
'Louys Duc d'Orleans succeda ä ce mauuais traictement, & afin
que ce mespris fut vn contrepoids a la grädeur de son courage, il
voulut que sa nourriture fut moins exquise que la generosite de son
naturel ne le permettoit, & le contraignit par force d'espouser sa
fille impuissante & contrefaicte , luy donnant a ronger plus de vingt
ans vn os d'ennuy & de regret'.
Von des königs töchtern tritt diese Johanna im romane wegen
ihrer Verbindung mit dem herzöge ziemlich hervor und ist mit
ihrem verlobten oft die Zielscheibe des spottes. Scott. war zu
seiner darstellung durch Matthieu (XI, 606) berechtigt:
'Son pere ne l'aymoit point, par ce que la nature luy auoit
donne occasion de se plaindre de sa difformitä, & de n'auoir imprimö
aueune marque de ses faueurs, ny sur son visage, ny stir sa taille.
5*
68 MANN,
Gar eile estoit noire, petite, & voustee. Le Seigneur de Lesguiere
son Gouuerneur la cachoit souuent sous sa robbe longue qnand le
Roy la rencontroit, affin qu'il ne s'affligeast de sa veue.'
In ihrem gebrechlichen körper wohnte ein gutes herz, das in
trener sorge für den gatten schlug; als sie später geschieden
wurde, gründete sie 1501 mit erlaubniss des papstes Alexan-
der VI. in Bourges einen nonnenorden und ein kloster und
starb daselbst.
Ihre ältere Schwester Anna wird vom dichter (s. 129) nur
beiläufig erwähnt. Auch Matthieu berichtet nur, dass sie an
den herzog Pierre de Bourbon verheiratet war (XI, 606). Selt-
samerweise war dieser Pierre, der unter dem namen eines
Sieur de Beaujeu bekannt ist, der einzige unter den grossen
des reiches und zugleich unter seinen verwandten, dem Ludwig
unbedingtes vertrauen schenkte:
4 II luy remettoit tont le soing des affaires lors que le plaisir de
la chasse l'entretenoit par les forests non des iours, mais des moys
entiers' (Matthieu X, 5G5).
Im romane wird seiner nie gedacht.
Von den personen aus des königs Umgebung führt Scott
(s. 123) zunächst den grafen Dunois ein, einen söhn des be-
kannten bastards von Orleans. Obwol von ihm wenig mehr
zu sagen ist, als dass er eine scharfe lanze führt und wuch-
tige hiebe schlägt, da er sonst im romane keine bedeutende
rolle spielt, schildert Scott ihn doch in seiner weise ziemlich
genau vom scheitel bis zur sohle und schreibt ihm sogar ein
paar krummer beine zu, die ich freilich bei meinem Chronisten
nicht bestätigt gefunden habe.
Es folgen nun die edlen helfershelfer Ludwig's, zunächst
der berüchtigte kardinal Balue. Aus dem volke hervorgegangen
war er allmählig bis zum vertrauten ratgeber des königs empor-
gestiegen und mit ehren und gutem überhäuft worden. Aber
er war ein ränkesüchtiger mann. Matthieu nennt ihn einen
'esprit remuant, desireux d'embroüiller les affaires, fr ffexceller
plustost par auctorite que par merite' (II, 84 f.), 'coeur double,
esprit turbulent fr passionne' (V, 225). Zur zeit, da unser roman
spielt, war er dem köuig schon verdächtig, dass er Verbindungen
mit seinen feinden unterhielte. Nichtsdestoweniger Hess sich
wesentlich durch ihn Ludwig noch bestimmen, nach Peronne
zu gehen. Man weiss, welch1 schlimmen ausgang für den *
könig diese reise nahm. Als daher zur selben zeit briefe des
QUENTIN DURWARD. 69
kardinale an den herzog von Berry abgefangen worden, welche
unzweideutig seine schuld erwiesen, da kannte des königs wut
keine grenzen und er schickte den hohen kirchenfürsten nach
Loches in jene eisenkäfige, die von Balue selbst zur grösseren
quäl der gefangenen erfunden sein sollen. Erst kurz vor seinem
eigenen tode wurde Ludwig milder gestimmt durch römischen
einfluss und liess ihn frei (Matthieu X, 524 f.). Balue starb als
bischof von Preneste. Zur zeit als er bei Ludwig in höchster
gunst stand, nannte ihn dieser häufig, um seine anerkennung
auszusprechen, einen 'didble d'evesque'.
Nicht minder eingeteufelt war aber der edle barbier Olivier,
der des königs vertrauen dermassen genoss, dass hoch und
niedrig um dieses arglistigen menschen gunst buhlte. Mit recht
sagt Matthieu (VUI, 431) von ihm:
' (II) auoit tant d'authoritä sur les esprits mesmes du Roy qu'on
pouuoit demander aux Francis allans du Royaume entre autre nou-
uelles de la Cour, & par moquerie, si Loya estoit tousiours bien
auec (Miiiier.'
Er war vlämischer abkunft, aus Thielt, 'vili pago ac loco juxta
Gandarum natus', und scheint in seiner heimat den zunamen
'teufer geführt zu haben, weshalb man ihn in Frankreich
'Olivier le Mauvais' nannte. Als aber Ludwig seinen 'teuren und
vielgeliebten' kammerdiener im jähre 1474 wegen seiner 'bons,
grands, continuels et recommandables Services' in den adelstand
erhob, verlieh er ihm den namen 'Olivier le Daim' und verbot
den gebrauch des alten ausdrücklich jedermann. So schmäh-
lich wie Olivier's handlungsweise sein ganzes leben lang ge-
wesen war, so schmählich war seine letzte tat und sein ende.
Als sein gönner schon verschieden war, hatte ein edelmann
einst ein verbrechen begangen, wofür ihm die todesstrafe in
aussieht stand. Seine gattin wendet sich in der meinung, dass
Olivier noch den alten einfluss besitze, mit der bitte um hilfe
an ihn, um die freilassung ihres mannes zu erwirken. Olivier
verspricht ihr seinen beistand unter der bedingung, dass sie
sich ihm zu willen gebe. In ihrer bedrängniss sieht die un-
glückliche frau keinen anderen ausweg, als die schände ihres
gatten mit ihrer eigenen zu erkaufen, und sie willigt ein.
Olivier aber kann seine gegenleistung nicht einhalten, weil
seine macht nicht mehr ausreicht und um wenigstens den edel-
mann vor der schmach einer hinrichtung zu erretten, lässt er
70 MANN,
ihn im gefängniss ermorden und den leichnam in die Seine
werfen. Dort wird er gefanden; die gattin klagt Olivier an,
auf der folter gesteht der einst allmächtige seine Schandtat
ein und wird dafür gehenkt. Das geschah im jähre 1484. l —
Nach diesen bemerkungen wird man Scott die berechtigung zu
seiner Charakterisierung des barbiers nicht absprechen können,
der dichter hält sich durchaus innerhalb der grenzen geschicht-
licher Wahrheit, und was er ihm andichtet, z. b. das streben
nach der hand der jungen gräfin Croy, passt psychologisch
völlig zu seinen sonstigen verbürgten taten.
Als dritter im kleeblatt bliebe nun noch der grossprofoas
Tristan FErmite übrig. Von ihm ist schon öfters gesprochen
worden. Jean de Troyes (P. XIII, 364) nennt ihn:
4 Messire Tristan TErmite, preyost des marchaulx de Tostel du Roy.'
Er ist im romane nur nebenfigur. Bei Matthieu (XI, 751)
heisst es:
4 Tristan l'Hermite, que la rigueur de ce regne a rendu si renomme'
pour la soudainete de ses executions, fut grand Preuost. Le Roy
Charles VII. le fit Cheualier apres le siege de Fronsac.'
Dies waren die hauptpersonen der Jagdgesellschaft. Der
aufbrach wird jedoch noch verschoben durch die ankunft eines
burgundischen gesandten, des grafen Philipp von Crövecoeur,
der seiner Stellung entsprechend mit dem ganzen prunke auf-
trat, der am burgundischen hofe üblich war, und die ausliefe-
rung der gräfinnen Croy, die entschädigung für verschiedene
grenzverletzungen und die Zurückziehung der geheimen ge-
sandten aus den burgundischen Städten Gent, Lüttich und
Mecheln forderte. Als Ludwig ausweichende antworten gibt,
erklärt der gesandte im namen seines herrn das lehnsver-
hältniss zwischen Burgund und Frankreich durch des königs
treulosigkeit für gelöst, wirft dem könig den fchdehandschuh
vor die füsse und verlässt eilends den saal. Ludwig schickt
jedoch den kardinal Balue nach, um den grafen zu besänftigen
und einen aufschub von 24 stunden zu erlangen, was ihm auch
gelingt. Die persönlichkeit des gesandten ist geschichtlich, er
war einer der hervorragendsten anhänger des herzogs Karl;
seine Sendung jedoch ist erfunden, wenngleich die forderungen
1 Le Baron de Reitfenberg, Notice sur Olivier le Diablo ou le Daim,
barbier et confidcnt de Louis XI. In: Nouv. Mein, de PAcad. Roy. des
Sciences et Belics-Lettres de Bruxelles. 1S29. t. V,
QUENTIN DURWARD. 71
•
in betreff der grenzstreitigkeiten und der belgischen Städte an
wirkliche Vorkommnisse anknüpfen. Und eine freie erfindung
des dichters sind auch die gestalten der älteren und jüngeren
gräfin Croy. Nach Scott flüchtet sich die jüngere gräfin, ein
ebenso reiches wie schönes elternloses mädchen zu Ludwig,
weil sie Karl der kühne zwingen will, den ihr verhassten
grafen Campobasso zu heiraten. Ihre anverwandte, die gräfin
Hameline, hatte sie im widerstände bestärkt und auf der flucht
begleitet. Ludwig nimmt sie bereitwillig auf, weil er hofft, sie
an einen seiner günstlinge verheiraten und durch ihre ausge-
dehnten besitzungen in Burgund erhöhten einfluss gewinnen
zu können. Hieran ist weiter nichts historisch, als die namen
Croy und Campobasso. Das geschlecht derer von Croy blüht
noch heute, bis 1464 waren sie die mächtigsten Vasallen Bur-
gunds; aber sie handelten treulos gegen Karl, sodass er sie
des landes verwies und ihre guter einzog (C. 1,1; P. XI, 340. —
Olivier de la Marche XXXIII; Petitot IX, 222). Dies mag der
dichter verknüpft haben mit der tatsache, dass Ludwig einst
(1476) Madame de Savoie heimlich acht tage lang in Plessis
beherbergte und schliesslich unter dem gelöbniss der freund-
schaft heimgeleiten Hess. Und Campobasso ist jener doppel-
züngige Italiener, der im heere Karl's mit auszeichnung diente
und schliesslich seinen ihm so gewogenen herrn vor Nancy
verriet.
Wahrheitsgetreu ist in diesem kapitel die Schilderung des
hofes Ludwig's. Auch lernen wir Ludwig's sarkastischen witz
wider kennen und seinen grundsatz, mehr durch Unterhand-
lungen als durch kriege vorteile zu erwirken. Comines (I, IX;
P. XI, 399) sagt in dieser beziehung:
'Mais son intention estoit de traiter paix et departir la compagnie,
sans mettre son Estat en peril de chose si incertaine qu'une bataille.'
Daher beschwichtigt er den kriegerischen mut der seinigen,
den er mit dem hinweis auf das banner der Oriflamm© und
den kriegsruf JXennis Montjoie eben angefacht hat, sofort wider,
und darum schickt er dem in feindschaft enteilenden Cr6ve-
coeur den kardinal Balue nach, um ihn zu besänftigen und
einen aufschub der kriegserklärung zu erlangen. Auch dass
er sich so liebenswürdig und gewinnend gegen diesen tüch-
tigen kämpen zeigt, ist ein zug, den Scott der geschichte ab-
gelauscht hat;
72 MANN,
'Outre l'exacte intelligence de ses affaires, il auoit le iugement
grand au choix des hommes, & la prudence admirable pour les retenir
& coDserner. II en faisoit conte, les obligeoit, ne les laissoit vieillir
en quelque mescontentement , ny en l'attente du fruict de leurs ser-
uices . . . Quand il rencontroit quelque esprit ferme qui reiettoit s&
recherche & refusoit ses öftres, il ne laissoit reffroidir pour cela ss
poursuite, estimant que Ton ne pouuoit trop employer de temps k
gagner vn homme qui pouuoit nuire ou seruir' (Matthieu XI, 685 f.).
Im neunten kapitel schildert uns Scott den verlauf der
eberjagd, welche nach dem empfange des burgundischen ge-
sandten noch stattfindet. Er nimmt hierbei gelegenheit, uns
weiteren aufschluss über den Charakter des kardinals zu geben
und zeigt uns den könig wider als ebenso grausamen spötter
wie waidgerechten Jäger. Des königs leidenschaft für die jagd
ist schon widerholt gedacht worden. Es sei hier als weiterer
zeuge noch Matthieu angeführt:
'De ses exercices la chasse fut le plus ardant, & aussi est-ce
le plus royal & le plus necessaire . . . mais il ne vouloit pas que c£t
exercice fut commun, encore qu'il appartienne iustement a la No-
blesse au temps qu'elle est dispensde du seruice de son espee. II
deffendit la chasse tont au commencement de son regne, & adiousta
a la deffence des peines odieuses. C'estoit vn cas pendable a vn
Gentil-hoinme de fuir Foysiuete, on le punissoit aussi rigoureusement
pour auoir tu6 vne beste sauuage qu'vn homme' (XI, 743).
Auf der jagd hat Quentin dem könige wichtige dienste
geleistet, denn er hat ihn vor den zahnen eines riesigen ebers
gerettet und hat ihm berichten können, dass Balue in beglei-
tung des burgundischen gesandten den wald vorzeitig verlassen
habe. In anerkennung dessen wird Quentin vom könige dazu
ausersehen, im innern des Schlosses schildwache zu stehen,
eine ehre, die sonst nur alten, bewährten mitgliedern der
schottischen garde zu teil wurde. So hält er denn zunächst
in der Rolandsgallerie l längere zeit wache; man sieht nicht
recht ein, zu welchem zwecke, wenn man nicht annimmt, dass
der könig ihn auf seine Wachsamkeit hin habe prüfen wollen;
wenigstens ertappt ihn nachher der könig auf einer Unauf-
merksamkeit, da er sich unbemerkt heranschleichen konnte.
Ludwig nimmt ihn dann mit in ein nahes gemach und macht
ihn mit seiner neuen aufgäbe bekannt. Er soll dort, während
1 Dass eine solche in Plessis wirklich vorhanden gewesen sei, habe
ich nirgends gefundeu. Dass abert wie Scott s. 157 auui. sagt, Ludwig
Karl dem grossen besondere ehre erwies, bestätigt sich durch Matthieu
XI, 620 ff.
QÜBNTIN DURWARD. 73
der könig, Balue und Crävecour von Olivier bedient speisen,
hinter einer spanischen wand verborgen wache halten und
sobald der könig ruft: 'Ecossc en avant* den burgundischen ge-
sandten mit seiner büchse unverzüglich niederschiessen. Der
könig wittert überall verrat und er erwähnt ja Quentin gegen-
über aus der geschichte (vgl. Q. D. s. 161) genügend viel bei-
spiele, die zur vorsieht mahnen könnten, aber so viel vorsieht,
wie er anwendet, bezeugt ein fast an verfolgungswahnsinn
grenzendes misstrauen. Der dichter schildert uns aber Ludwig
nicht bloss von neuem als misstrauischen ty rannen, sondern
auch als fröhlichen tafelgenossen, der sich auf scherz versteht
und selbst manches derbe Scherzwort äussert, und als einen
Politiker, der zu bestechen weiss:
'Ses plus confidents seruiteurs estoient d'ordinaire ä sa table, &
les faisoit causer sur dinerses recontres. II ne vouloit point que Ton
eut Fesprit aux nues pendant que le corps estoit ä table.'
Ludwig besass eine 'fapon populaire' und eine 'popidaire faci-
lite', die ihm die herzen des Volkes gewann:
'Le Seigneur du Haillant dit, Qu'estant arriu6 ä Paris il alloit
de nie en nie, de maison en maison, diener & souper chez l'vn &
chez l'autre, parlant priu£ment ä chaeun pour se rendre agreable au
peuple & l'irriter contre ses ennemis . . .' (Matthieu XI, 741; vgl. Q. D.
s. 167).
So weiss er auch durch leutseligkeit und durch wertvolles ge-
schenk auf Crävecoeur einzuwirken, sodass dieser biedermann
sicherlich mit keinem ungünstigen eindrucke vom hofe schied.
Und nach Karl's untergange trat der ' Seigneur d'Esquerdes'
wirklich in französische dienste und erlangte die marschalls-
würde (Matthieu XI, 750 f.).
Nachdem das mahl ohne Zwischenfall vorübergegangen ist,
hat Quentin noch in der Rolandshalle wache zu stehen, wo die
gräfinnen Croy mit der prinzessin Johanna zusammenkommen.
Später leistet den damen Ludwig von Orleans noch gesell-
schaft, der zum grossen missvergnügen Quentin's der jüngeren
gräfin mehr aufmerksamkeit erweist, als ihm als bräutigam
und noch dazu im beisein seiner braut erlaubt ist. Ihre Unter-
haltung wird unterbrochen durch einen ohnmachtsanfall der
prinzessin und durch das eintreten des königs.
Die anwesenheit der burgundischen gaste war ihm mittler-
weile unbequem geworden, weil sein zukünftiger Schwiegersohn
eine neigung für Isabella zeigte, und mehr noch, weil Karl der
74 MANN,
kühne mit guten gründen den verdacht hegte, dass sie wirk-
lich bei Ludwig eine Zuflucht gefunden hätten. Um Karl nicht
zur unzeit weiter aufzureitzen, beschließet er, sie wider zur ab-
reise zu veranlassen. Eine Unterredung mit Olivier gibt uns
(kap. XI) über seine wahren beweggründe aufschluss, und er
kommt endlich mit seinem kammerdiener dahin überein, dass
es das beste für ihn ist, wenn die damen sich in den schätz
des bischofs von Lüttich begeben. Quentin wird zu ihrem be-
gleiter ausersehen, und der könig weiss sie zu der reise nach
Lüttich zu bestimmen, nachdem er ihnen die Unmöglichkeit
dargetan hat, länger in Plessis zu bleiben. — Dieses kapitel
enthält eine meisterliche Zeichnung der Charaktere Ludwig's
und Olivier's und birgt zugleich die kommenden ereignisse im
keime, während es zum verständniss des vorhergehenden den
Schlüssel bietet. Meisterlich ist insbesondere auch die Schil-
derung der bigotterie Ludwig's, uud unser dichter begeht darin
keine Übertreibung. Wir brauchen uns da nur der oben an-
geführten worte Seyssel's zu erinnern oder den Seigneur du
Haillant zu hören:
'Iamais homme ne fut plus bigot & superstitieux que luy, il fai-
soit des choses qui estoient bonnes en apparence, inais ä mauuaise
intentioD, & par sa bigotterie il pensoit troinper Dien & le monde.
• Les superstitieux & bigots ne craignent pas de iaire mal, pour l'opinion
qu'ils out d'auoir leur absolntion par les actes de leur bigotterie &
superstition' (Matthieu XI, 6 IS).
Seine religion war eben ein beständiger tausch handel mit dem
himmel, der auf dem prinzipe beruhte: Do ut des. — Auf die
anspielungen auf Adolf von Geldern, Wilhelm von der Mark
und Ludwig, den bischof von Lüttich, werde ich weiter unten
zurückkommen. — Sein aberglaube wurde genährt durch den
blinden glauben, den er seinen astrologen entgegenbrachte:
'Durant le teiups qu'il fut en Flandres il consultait tousjoure les
Astrologues sur l'aduenir' (Matthieu XI, 72S; Q. D. s. 1S9),
und er hat solcher eine menge bis zu seinem letzten äugen-
blicke an seinen hof gezogen und teuer bezahlt.
Als daher (kap. XIII) Quentin mit den nötigen Instruktionen
für die reise versehen war, besucht der könig mit ihm seinen
astrologen Galeotti, der in einem besonderen türme des Schlosses
wohnte, um von demselben etwas zu erfahren über den verlauf
der geplanten reise und über das weitere Schicksal des jungen
Schotten. Dieser Galeotti hat wirklich existiert, und es ist sehr
QUENTIN DÜRWARD. 75
bezeichnend für Scott's art und weise, die quellen zu benutzen,
dass er die lebensbeschreibung dieses mannes aus Naud6 fast
wörtlich entlehnt, ohne dieses Schriftstellers auch nur mit einem
worte zu gedenken. Man vergleiche mit Q. D. s. 197 ff. das
folgende aus Naudä:
'Quant a Galeotus Martius1 qui estoit natif de la ville de Narny
en Italie, c'estoit vn honime consonime* dans les bonnes lettres, grand
Critique, Philosophe, Medecin, Astrologue, Humaniste & Orateur,
cfime en fönt foy ses liures, de doctrina promiscua, de ßotnine, de
dictis Matthie Regis, de censura operü Philelphi, Sf de vulgo inco-
gniiis, desquels combien que ie n'en aye veu que les trois premiers
imprimez, il faut neantmoins croire que le quatriesme la aussi est6 . . .
Outre ce il estoit encore fort addroit au maniement de toutes sortes
d 'arm es, & quoy qu'il fust de corpulence assez grosse, pesante & in-
coinmode, il surmonta neantmoins en vn deffy solemnel & par com-
bat regl6 le plus habile Luicteur de son temps, comme Ianus Panno-
nius Euesque de cinq Eglises a remarque" en cet Epigramme . . . C'est
pourquoy Louys XL ayant entendu parier d'vn tel prodige de s$a-
' uoir, deuint comme enuieux de Matthias Coruinus qui l'auoit choisi
pour maistre & cöpagnon de ses estudes, & par vne honneste eniu-
lation luy fit proposer de si grand s aduantages, qu'il se delibera en
fin de quitter la Hongrie pour mieux & plus plainement sauourer
l'honneur & la reputation qu'il s'estoit acquis par ses merites, & re-
spirer auec toute commodit6 Fair de la France, soubs la faueur &
liberalitä d'vn si puissant Roy. Mais, ö malheur estrange! comme il
fut arriu6 ä Lyon oü le Roy estoit Fan 1476. il se trouua si surpris
la par la soudaine rencontre qu'il en fit, que se precipitant de mettre
pied a terre pour le saluer, il tomba de dessus son cheual auec teile
violence, qu'il se rompit le col, & mourut sur la place' (Naude V,
126—129).
3. Ereignisse in Lüttich.
Mitten in der nacht brechen die beiden gräfinnen Croy
mit ihrem kammermädchen auf unter dem schütze Quentiu
Durward's und seiner kleinen schaar. Bei tagesgrauen, als sie
schon Tours weit hinter sich gelassen haben, werden sie von
zwei vollbewaffneten rittern eingeholt, welche von dem jungen
Schotten die Übergabe der beiden damen verlangen. Quentin
setzt sich zur wehr, wirft den einen durch einen geschickten
lanzenstoss vom pferde, während der schwertkampf mit dem
anderen Quentin in der waffenfUhrung überlegenen noch an-
1 Nande* stützt sich auf Mouius in elogiis' (randbemerkung) und Scott
(s. 194) nimmt dieses citat auf!
76 MANN,
dauert, als zu seinem glück (kap. XV) lord Crawford and Tri-
stan l'Hermite auf dem schauplatze erscheinen. Lord Crawford
verhaftet die beiden ritter, es sind Dunois und Ludwig von
Orleans. Dieser hatte, wie wir wissen, ein lebhaftes Inter-
esse an der schönen gräfin Isabella gewonnen und hatte den
tapferen grafen Dunois vermocht, mit ihm den damen nach-
zusetzen. Das abenteuer sollte ein schlechtes ende nehmen;
denn Ludwig, der erste prinz Frankreichs, wurde nicht nur
von Quentin im Zweikampfe besiegt, er musste sogar mit Du-
nois seinen leichtsinn im gefängniss zu Loches büssen. Diese
erzählnng ist des dichters freie erfindung, aber historisch ist
die beschreibung jenes gefangnisses, welche er uns bei dieser
gelegenheit gibt (XV, 218).» Comines berichtet (VI, XIII; Pe-
titot XII, 402):
'II est vray que le Roy nostre maistre avoit fait de rigoureuses
prisoDS, comme cages de fer et autrcs de bois, couvertes de plaque»
de fer par le dehors et par le dedans, avec terribles ferrures, de
quelques huict pieds de large, et de la bauteur d'un homme, et an
pied plus. Le preinier qui les de vis» fat l'evesque de Verdun, qui
en la premiere qui fut faite fut mis incontinent et a couche quatorze
ans. Plusieurs depuis Tont maudit, et raoi aussi, qui en ay tastö,
sous le Roy de präsent, 1'espace de huict mois. Autrefois avoit fait
faire ä des Allemans des fers tres-pesans et terribles, pour mettre
aux pieds; et y estoit un anneau pour mettre au pied fort malaise &
couvrir, comme a un carquan; la chaine grosse et pesante, et une
grosse boule de fer au bout, beaueoup plus pesante que n' estoit de
raison, et les appeloit-1'on les fillettes du Roy.'
Nicht lange nach dem blutigen zusammenstosse mit Lud-
wig von Orleans und Dunois schliesst sich Quentin der zigeuner
Hayraddin Maugrabin an, welcher von Louis XI. den auftrag
hat, den gräfinnen Croy als führer bis nach LUttich zu dienen.
Scott liebt es, in seinen romanen zigeuner auftreten zu lassen.
Er mag die Vorliebe Air dieses merkwürdige, oft besungene
wandervolk in seinem heimatlande gewonnen haben, das noch
heute von einzelnen abteilungen durchzogen wird; auch mögen
seine Studien über den aberglauben ihn auf sie besonders hin-
gewiesen haben. Er versäumt darum nicht, uns (kap. XVI)
durch den mund Ilayraddin's, der von Quentin befragt wird,
1 Nach Scott sind diese cages eine erfindung Balue's. Er wäre dann
allerdings auch gehörig ge«traft: '11 y avoit nuatorze ans que le Cardinal
BalUe etoit enferuie uans une cage de fer' (Varillas X, 35 = Scott XV,
218 anm.).
QUENTIN DURWARD. 77
über ihr wesen auskunft zu geben, und fügt im anbang über
sie noch zwei noten (D und K) hinzu, auf welche wir noch
zurückkommen werden. Unter gesprächen mit dem zigeuner
oder den gräfinnen setzt Quentin seine reise fort. Am zwölften
tage ungefähr übernachtet er in der nähe von Namur in einem
Franziskanerkloster. Von dem würdigen abte desselben erfährt
er, dass der berüchtigte graf Guillaume de la Marck die gegend
brandschatze, und dass die Lütticher einen aufstand vorberei-
teten gegen ihr geistliches Oberhaupt, den bischof Louis de
Bourbon, und damit zugleich auch gegen ihren weltlichen herrn,
Karl von Burgund. Trotz drohender gefahren (kap. XVII) ge-
leitet jedoch Quentin seine damen unangefochten zum bischof
Louis, der in seinem schlösse Schönwald unweit Lüttich resi-
diert, weil er sich in der Stadt selbst nicht sicher genug fühlt.
Damit berührt Scott wider die geschichte.
Louis de Bourbon, der jüngste von drei brüdern aus dem
älteren zweige des hauses Bourbon, 'possedait de helles quali-
tez pour le monde', aber durch seinen onkel, Philipp den guten,
zum bischof von Lüttich gemacht, war er den stolzen Lüttichern
im laufe der zeit missliebig geworden.1 Varillas (IV, 335 f.) gibt
uns die gründe an:
'Lotiis de Bourbon Eveque de Liege avoit et6 61eve dez le ber-
ceau ä la Cour de Bourgogne. II ne connoissoit personne dans celle
de France. II avoit de Fesprit, & se trouvoit sensible ä la reconnois-
sance. Ces quatre dispusitions le porterent ä composer son Conseil
de Bourgnignons ; & ä confier ä cette Nation les principales Charges
de son Etat, & rentiere direction de ses affaires. II rendit depuis ä ses
Gonfidens deux raisons d'une si bizarre conduite. L'une que les Etats
se conservoient par les meines voyes qu'ils avoient 6t6 acquis, &
qu'il prätendoit engager la Maison de Bourgogne a le maintenir dans
Liege, puisqu'U en abandonnoit le Gouvernement aux Serviteurs les
plus devoüez ä cette Maison. L'autre qu'ayant dessein de vivre d'une
maniere encore plus licencieuse que n'avoit ete celle de son Prede-
cesseur, & preVoyant qu'il y trouveroit aussi de plus grands obstacles,
il cherchoit ä s'appuyer des Bourguignons'.
Die Lütticher nun,
'jaloux de voir passer rentiere administration de leur Etat en des mains
ätrangeres, & scandalisez de l'impudicitä publique de leur Prälat',
suchten beim papste um enthebung Ludwig's von seinem amte
1 Vgl. Doc. relatifs aux troubles du pays de Liege, sous les princes-
äveques Louis de Bourbon et Jean de Hörne, publtäs par P.-F.-H. de Ram.
Bruxelles, 1844, in-4° = bd. XVI der Coli, de Chroniques Beiges Inedites
publiec par ordre du gouv.
78 MANN,
nach und griffen, als diese nicht gewährt wurde, zu den
waifen.
Man wird durch diese stelle bei Varillas lebhaft an das
bild erinnert, welches im 20. kapitel des romanes (s. 273) der
kaplan von dem vorleben des bischofs Quentin Durward gegen-
über entwirft. Comines berichtet gelegentlich (II, IV; P. XI, 461):
'Or estoient ces Liegeois, desquels avons parle ci-dessus, ex-
communiez cinq ans avoit, pour le differend de leur evesque; dont
ne faisoient nulle estime, mais continuoient en leur folle etmauvaise
opinion, sans qu'ils eussent sceu dire qui les mouvoit, fors trop de
bicn et grand orgueil.'
Im jähre 1467 hatte Karl widerholt gegen sie zu kämpfen ge-
habt, sein vater, Philipp der gute, war über diesen kämpfen
gestorben. Endlich schlug sie Karl bei Saint Tron, eroberte
ihre Stadt und hielt, nachdem er sie ihrer Privilegien beraubt
hatte, seinen einzug in die schwer gedemütigte Stadt:
'Le lendemain qne les partes curent este baillces entra le duc
en la cite de Liege en grand triomphe, et luy fut abbatu vingt brassen
de mur, et uny le fosse du long de la grande breche. A l'environ
de luy entrerent a pied bien deux mille hommes d'armes armes de
tontes pieces, et dix mille archers: et si demeura largement gens en
Tost. Luy estant a cheval, entra avec les gens de sa maison, et les
plus grands de l'ost, les mieux parez et mieux accoustrez que pour-
roient estre' (Comines II, VI; P. XI, 456 f.; vgl. Scott XIX, 271 ff.).
Aber das reiche Lüttich erholte sich bald;.
( en ce temps-la Liege estoit une des plus puissantes cite* de la con-
trße, et des plus peuplfos.'
Schon nach kurzer zeit, nach weniger denn einem jähre, sehen
wir es wider im aufruhr begriffen. Die treibende Ursache, ihr
böser geist, war Louis XI. Ludwig kämpfte gerade gegen die
herzöge von Berry und von der Bretagne, deren verbündeter
Karl war. Er, der sich schon oft als meister in der kunst
erwiesen hatte, verbündete feinde zu trennen1, richtete auch
jetzt sein hauptaugenmerk darauf, Karl durch innere Unruhen
in seinem lande von sich fern zu halten. Die Lütticher schienen
ihm die besten helfershelfer zu sein. Er sandte darum boten
an sie, um sie in ihrer widerspänstigkeit gegen ihren herrn zu
bestärken. Als dann später Ludwig sich nach Peronne begibt,
1 '. . . le roy Louis nostre maistre a mieux sceu entendre cet art
de separer les gens, que nul autre prince que j'aye janiais veu ny connu;
et n'espargnoit l'argent, ny ses biena, ny sa peine, non point seulement
envers les maistres, mais aussi bien envers les serviteurs' (Comines II, I;
P. XI, 435).
QÜENTIN DÜRWARD. 79
um persönlich mit Karl zu unterhandeln, hatte er an diese
boten nicht mehr gedacht:
'Le Roy, en venant a Peronne, ne s'estoit point advise qu'il
avoit envoye deux ambassadeurs a Liege pour les solliciter contre
ledit duc; et neantmoins lesdits ambassadeurs avoient si bien diligente,
qu'ils avoient ja fait un grand amas' (Comines II, VII; P. XI, 474).
Wenn also Quentin bei seinem besnche der Stadt wegen
seines äusseren — er ging in der tracht der schottischen garde —
ftir einen der erwarteten abgesandten Ludwig's gehalten wird
und dadurch, ohne es zu wollen, den anstoss gibt zur be-
schleunigung des angriffs auf schloss Schönwald, so ist deut-
lich zu sehen, wie weit hier Scott Wahrheit und dichtung ver-
mengt hat.
Ein kämpf gegen den bischof fand nun allerdings im jähre
1468 statt; derselbe brach jedoch erst aus, als Ludwig schon
in Peronne war, und Quentin Durward ist dort der verkünder
der schlimmen botschaft von seinem ausgange.
Aber der dichter begeht hier einen doppelten anachronis-
mus. Louis de Bourbon wird nicht in diesem jähre ermordet,
ebenso wenig wie Guillaume de la Marck dieses mal beteiligt
gewesen ist. Allerdings war nach den ersten nachrichten aus
Lüttich der bischof unter den getöteten, und Scott mag sich
hierdurch nur bestärkt gefühlt haben, zum grossen vorteil für
seine dichtung zwei um viele jähre auseinanderliegende ereig-
nisse zu verknüpfen.
Den aufruhr von 1468 stellt Comines folgendermassen dar
(II, VII; P. XI, 474 f.):
'Et vinrent d'emblße les Liegeois prendre la ville de Tongres
(= Schönwald bei Scott), oü estoit PeVesque de Liege, et le seigneur
d'Hymbercourt bien accoinpagne, jusques a deux mille hoinmes et
plus, et prirent ledit ßvesque et ledit d'Hymbercourt, tuerent peu de
gens, et n'en prirent nuls que ces deux, et aucuns particuliers de
l'ßvesque. Les autres s'enfuyrent, laissans tout ce qu'ils avoient,
comme gens desconfits. Apres cela les dits Liegois se mirent en
chemin vers la cite de Liege, assise assez pres de ladite ville de
Tongres Ce peuple estoit fort joyeux de la prise de leur
evesque, le seigneur de Liege. Ils avoient en baine plusieurs cha-
noines qu'ils avoient pris ce jour, et a la premiere repue en tuerent
cinq ou six . . . . Ils tuerent ledit maistre Robert, present ledit
evesque, et en firent plusieurs pieces qu'ils se jettoient ä la teste
Fun de l'autre, par grande derision.
Avant qu'ils eussent fait sept on huit Heues qu'ils avoient ä
faire, ils tuerent jusques ä seize personnes, chanoines, ou autres gens
80 MANN,
de bien, quasi tous serviteurs dudit 6vesque. Faisans ces oeuvres,
lascberent aucuns Bourguignons ; car ja sentoient le traitä de paix
encoinmencä , et eussent este contraints de dire que ce n' estoit que
contre leur evesque lequel ils menerent prisonnier en leur cite. Les
fuyans dont j'ay parle effroyaient fort tout le quartier par oü ils pas-
soient, et vinrent tost ces nouvelles au duc. Les uns disoient que
tout estoit mort, les autres le contraire. De telles matieres ne vient
point volontiere un messager seul ; mais en vinrent aucuns qui avoient
veu habiller ces chanoines, que cuidoient que ledit evesque fast de
ce nombre, et ledit seigneur d'Hymbercourt, et que tout le demen-
rant fut mort et certifioient avoir veu les ambassadeurs du Roy en
ceste compagnie et les nommoient.'
Auch bei Varillas finden sich ztige, welche Scott benatzt hat
So gründet sich vor allem seine grausig-schöne Schilderung des
nächtlichen Überfalles auf folgende stelle bei Varillas (IV, 368):
'L'Eveque de Liege, & Imbercourt y etaient entrez avec deux
mille soldats choisis des Troupes du Duc de Bourgogne: mais on y
faisoit si mauvaise garde, que la Place fut surprise la nuit; & tout
ce qu'il y avoit dedans fut fait prisonnier, sans qu'il en coutat aux
Liegeois une goute de sang.'
Scott lässt allerdings den tapferen Imbercourt nicht mit
am kämpfe teilnehmen, weil er die besatzung des schlösse«
möglichst schwach darstellen wollte. Wol aber sind die wol-
habenden Lütticher bürger Pavillon und Rouslaer historische
persönlichkeiten, wiewol sie erst 1482 im bunde mit Olivier de
Marck, dem eber der Ardennen, an dem aufstände gegen den
bischof sich hervortun.
Ueber diesen berüchtigten Olivier sagt zunächst Comines
(V, XVI; Petitot XII, 280):
•Peil connoissant ce qui luy estoit bon ou contraire [Louis de
Bourbon] retira ä luy messire GuUlaume de la Marck, un beau Che-
valier et vaillant, tr£s-cruel et mal conditionnä, qui tousjours avoit
este son ennemy, et de la maison de Bourgogne aussi, en faveur
des Liegeois.'
Hierauf erwähnt Comines ganz kurz den Untergang Ludwig's.
Scott' s hauptquelle aber für die darstellung der eroberung von
Schönwald ist jedoch, ohne dass sie der dichter freilieh nennt,
der chronist Jean de Troyes. Was derselbe von den ereig-
nissen, welche den tod des bischofs im gefolge hatten, berichtet,
lässt sich zum grössten teil in der lebendigen, von der phan-
tasie ausgeschmückten Schilderung Scott's widererkennen. Es
heisst bei Jean de Troyes (Petitot XIV, 105 f.):
'En ladicte annee (1482), 6s mois d'aoust et septembre, un Che-
valier du pays de Liege, nomuie messire GuUlaume de la lUrehe,
QüENTIN DURWARD. 81
dit le Sanglier d'Aniainc, fist et conapira guerre ni ort eile aleccontre
de tres-noble et tres-reverend pere en Dien monaeigneur Loys de
Bourbon, evesque de ladicte cite de Liege; qui avoit panvant nourry
ledit Sanglier d'Ardaine, pour le tuer et meurdrir; et apres ce fait,
de mettre et faire evesque dudit Liege le frcre dudit Sanglier. Et
pour faire par icelluy Sanglier aa dampnee entreprise, le Roy luy fist
delivrcr argent et gens de guerre en grant nombre, au moyen dea-
qiiels, et ansai de certain nombre de maiivais gar^ons, larrons et
pipeurs, et pillars, qu'il print et assembla tant on ta Tille de Paris
que en aucuns des villaiges voiains d'icelle ville, jusques au nombre
de II i III mil, lesquels il fist vestir et babiller de robes rongea, et
ä chascunö desdites robea desaua la manche seneatre y fist mettre
ii ue bore de sanglier. Et eatoient lesdits inauvais gargona legiere-
raent armez: et ainsi ledit Sanglier les mena jusques audit pays du
Liege. Et luy illec arrive, trouva fac,on et moyen d'avoir iutelligence
avecques aucuns traistres Liegeois de ladicte ville alencontro de leur
seigneur, de deehaaaer, tuer et meurdrir leurdit evesque, et le mettre
horB de la cite, avecques ce qu'il avoit de gens: ce que firent leadicts
Liegois; et, soubs umbre d'une amitif, fainte qu'ila disoient avoir i\
leurdit evesque, luy dirent que force estoit qu'il alaat asaaillir sondit
eonemy, et que sesdits habitans le suivroient cn armes, et vivroient
et mourroient pour luy, et qu'il n'y auroit point de faulte que ledit
Sanglier et aa compaignie demoureroient desconfita et destruita. I.e-
quel monaeigneur du Liege, taclinant ä leur requeste, saillit de ladicte
cite du Liege, et ala avecques eulx ans champa tout droit ou estoit
ledit de la Harche lequel quaut il vit ledit evesque, ae descouvrit
de l'embucbe oi'i il estoit, et s'eu vint tout droit audit monaeigneur
l'evesque. Et quant lesdits traistres habitans du Liege virent leurdit
evesque es maiua dudit de La Harche aon ennemy, lui tournerent le
dos, et aans coup ferir s'en retouruerent en ladicte cite de Liege.
Et Incontinent ledit monaeigneur de Liege, qui n'avoit ayde ne se-
coura que de sea aerviteurs et familiers, ae trouva fort esbahy: ear
ledit de La Harche qui estoit sailly de sadite embusche, s'en vint a
luy, et uns aultre choae dire luy bailla d'une taille aur le visage et
puis luy inesme le tu» de aa propre main: et apres ce fait, iceluy de
La Harche fist mener et getter ledit evesque, et estendre tout nud en
la grant place devant l'eglise Sainct Lambert, maistresse egliae de
ladicte cite de Liege, ou illec fut manifestem ent monsträ tout mort
■nx habitans de ladicte ville, et a un enasenn qui le vouloit veoir.'
Nor wenig von Jeat de Troyes abweichend erzählt anefi
Varillas diese blutigen Vorgänge. Seine darsteilung ist aber des-
halb für uns so> wichtig, weil er nns ausserdem eine charakter-
zuiuhnnog Olivier'e gibt, die das bisher ans der geschichte ge-
wonnene bild wesentlich vervollständigt. Hag Scott anch mit
diehterim:ber frei hei t das bild dieses nnmenschen zu sehr in's
Übertrieben haben, er hat doch
82 MANN,
alle hauptmomente seiner darstellung aus dem wahrheitsgetreuen
Varillas geschöpft. Es heisst da (VIII, 255 f.):
cL'Ev£que de Liege avoit ete sujet ä Finconvenient des Souve-
räns, qui pretendent mener une vie voluptueuse; puisqu'il avoit ab-
solument laisse le soin de ses affaires tant politiques que domestiquea
a Guillaume de la Mark son Favory. La Mark etait de taille de
geant; & si robuste, que les hommes les plus vigoureux n'osofent
I117 preter le colet. Sa grandeur & sa grosseur dtjmesurees ne Pem-
barassoient point, parce qu'il etoit extraordinairement souple. II
reiississoit en toutes sortes d'exercices de la guerre ; & pour achever
de former son caractere, il suffit de dire qu'il sembloit que l'Empe-
reur Maximin fftt ressuscite en luv; puisqu'il en avoit non seulement
toutes les bonnes qualitez, mais encore toutes les mauvaises. II l'6ga-
loit en brutalite, & s'il ne surmontoit en inconstance, en cruautä, et
en perfidie, ce n'etoit pas qu'il n'y föt assez porte : mais c'etoit taute
d'occasion.'
Diese ereignisse benutzt nun Scott folgendermassen: Nach-
dem Quentin Durward seine damen unter dem schütze des
bischofs weiss, begibt er sich, um sich zu zerstreuen, in die
nahegelegene Stadt Luttich. Hier erregt seine erscheinung bald
grosses aufsehen und er wird von neugierigen umlagert, weil
man ihn wegen seines mit der lilie geschmückten helmes für
einen der erwarteten abgesandten Ludwig's hält. Nur durch
eine list entzieht er sich so lästiger Umgebung und gelangt
wider nach dem schlösse (kap. XIX). Dort ruft sein bericht
von dem aufrührerischen gebahren der Ltitticher, das er eben
kennen gelernt hat, grosse niedergeschlagen hei t, ja sogar furcht
hervor. Sie war nur zu begründet, denn in eben dieser nacht
machten die Ltitticher ihren angriff auf das schloss. Quentin
wird durch den zigeuner geweckt, der die rettung der damen
schon vorbereitet hat. Und schon glaubt auch Quentin sie
ausser aller gefahr, da entdeckt er, dass die nicht dabei ist,
ftir die sein herz sich entzündet hat; und er eilt zurück nnd
bahnt sich durch das kampfgewühl einen weg zu ihr, nm sie
zu retten (kap. XX). Wol findet er sie noch unversehrt in
einem versteck ihrer wohnnng vor; aber da Wilhelm von der
Mark die tore hat schliessen lassen, um die reichen gräfinnen
von Croy, von denen das gerücht ging, dass sie im schlösse
wären, nicht entkommen zu lassen, gilt es zur list seine Zuflucht
zu nehmen. Glücklicherweise verbindet sich Quentin durch
hilfeleistung den reichen und angesehenen Lütticher bttrger
Pavillon, der nun die gräfin für seine tochter aaszugeben ver-
QUENTIN DURWARD. 83
spricht (kap. XXI). Von einer sckaar Lütticher begleitet ziehen
sie, um ungehinderten abzog zu erlangen, in die grosse halle
des Schlosses, wo der wilde eber mit seinen wilden genossen
ein wüstes siegesfest feiert Wie gefährlich ihr unternehmen
ist, wie viel list und ktihnheit es erfordert, und welch gräss-
lichen scenen sie hierbei ausgesetzt sind, wird uns in kap. XXII
geschildert Quentin zeigt sich wider als der helfer in der not
und als ein wahres wunder von unerschrockenheit. Nachdem
sie auch noch den tod des bischofs mit haben ansehen müssen,
dürfen sie endlich abziehen, und so kommt Quentin mit der
jungen gräfin in das gastliche haus Pavillon's. Aber auch hier
ist ihres bleibens nicht lange, da ihre an Wesenheit verdacht
erregen und dem biederen Syndikus arge Verlegenheit bereiten
musste. Da die gräfin Isabella sich keinen rat mehr weiss,
beschliesst sie in ihrer not, an den burgundischen hof zurück-
zukehren und ihren lehnsherrn um gnade anzuflehen. Quentin
begleitet sie. Mit der Unterstützung Pavillon's verkleiden sie
sich und gelangen unbehelligt aus der stadt. Unterwegs jedoch
werden sie von einer abteilung jener berüchtigten schwarzreiter
verfolgt; sie suchen ihr heil in der flucht und fallen dabei einem
häufen burgundischer reisiger in die bände, welcher^ unter dem
befehle des grafen von Crövecoeur steht (kap. XXIII). Dieser
übergibt seine trappe seinem neffen und schickt sich an, die
gräfin selbst nach Peronne, wo sich der herzog aufhielt, zu
geleiten. Quentin muss ihm folgen. Als er jedoch durch den
Schotten vernimmt, was sich in Lüttich zugetragen, lässt er
die gräfin in Charleroi in einem kloster zurück und sucht so
schnell als möglich mit Quentin nach Peronne zu gelangen,
um dem herzog als erster die unheilvolle künde zu überbringen
(kap. XXIV) und ihm beratend und helfend zur seite zu stehen.
Ungefähr zwei meilen von der Stadt trifft er auf zwei herren
von hohem rang, welche der falkenjagd obliegen (kap. XXV).
Der eine ist der tapfere ritter Hymbercourt, der später seine
treue anhänglichkeit an das haus Burgund mit seinem blute
besiegelte (Matthieu VIII, 437 f.). Er stammte aus der um-
gegend von Amiens (Petitot XI, 443) und wurde im jähre 1477
von den aufrührerischen bewohnern der Stadt Gent fast unter
den äugen seiner ftirstin Maria trotz deren flehentlicher fürbitte
hingerichtet (C. V, XVII; P. XII, 281). Im romane spielt er eine
ganz untergeordnete rolle. Comines (II, II; P. XI, 443) nennt ihn
6*
84 MANN,
(un des plus sages Chevaliers et des plus cntendus que je connus
jamais ',
und an anderer stelle (V, XV; P. XII, 268) sagt er von ihm:
'et n'ay point souvenance d'avoir veu un plus sage gentilhomme, ne
mieux adextre pour conduire grandes matteres.'
Alle zengnisse stimmen darin ttberein, dass er eine durchaus
gerade und ehrliche natur war, eine cigenschaft, die in dieser
zeit des lugs und trugs an einem manne seiner Stellung beson-
ders hoch zu schätzen ist. Sein begleiter nun auf der falken-
jagd ist der grosse geschichtsschreiber Ludwig's XI., Philippe
des Comines. Kaum sind die beiden Jäger des streitbaren
Crßvceoeur ansichtig geworden, als sie ihn mit der nachricht
überraschen, dass könig Ludwig in Peronne sei. So unglaub-
lich klingt die künde, dass es geraumer zeit bedarf, ehe der
graf sich von seinem staunen erholt und nach gründen sucht,
die das wagehalsige unternehmen des königs erklären könnten.
Sie berichten ihm dann weiter: Karl der kühne, der ewigen
Umtriebe seines königlichen vetters müde, habe eben seinen
herold Toison d'Or satteln heissen, um dem bösen nachbar
fehde anzusagen, da sei dessen herold Montjoie in's lager ge-
ritten und habe die ankunft seines herrn vermeldet Dieser
sei denn auch zur Verwunderung aller bald darauf in seinem
gewohnten ärmlichen aufzuge und unter ganz geringer be-
deckung eingezogen. Unter seinem gefolge befunden sich Or-
leans und Dunois und seine wenigen vertrauten: der kardinal
Balue, der barbier Olivier, der astrolog Galeotti und der pro-
foss Tristan. Der herzog habe Ludwig zu seiner Sicherheit
die besetzung eines tores und einer brücke über die Somme
durch die schottische garde angeboten und bequeme wohnung
in einem anliegenden hause, aber der könig habe im lager
Karl's die banner so vieler von ihm geächteter französischer
ritter gesehen, dass er, deren räche fürchtend, sich das feste
schloss der stadt selbst zum anfenthaltsort auserbeten habe.
Dort wohne er nun tatsächlich, sicher zwar vor einem Überfall
jener herren, aber um so sicherer auch in den händen seines
gegners. Deshalb habe man auch Karl geraten, diese günstige
gelegenheit auszunutzen, er aber habe seinen willen dahin kund
gegeben, dass er sich, so lange ihm Ludwig die treue halte,
nicht an ihm vergreifen werde; auch gedenke er, dass nach
der schlacht von Montl'hery der zufall ihn in des königs band
QUENTIN DURWARD. 85
gegeben, und doch habe Ludwig ihn ungekränkt ziehen lassen.
Dies sind in kürze die ereignisse, welche Hymbercourt und
Comines dem grafen berichten. Sie wenden sich nun alle zur
heimkehr, während welcher Crövecoeur seinerseits die neuig-
keiten erzählt, die er von Quentin erfahren hat. Gestreckten
laufes erreichen sie die Stadt der denkwürdigen Zusammenkunft.
4. Die Zusammenkunft.
Hatte Crßvecoeur die nachricht von des königs anwesen-
heit in Peronne zunächst nicht anders sich erklären können,
als dass Ludwig diese Stadt belagere, oder dass Eduard von
England, der verbündete Karl's, plötzlich herübergekommen sei,
ein zweites Poitiers erfochten habe und nun Ludwig gefangen
halte, so kommt ihm schliesslich, nachdem ihm die tatsäch-
lichen Verhältnisse auseinandergesetzt sind, fast blitzartig der
gedanke, dass Ludwig den verhängnissvollen schritt auf ein-
gebung des kardinals Balue getan habe. Nun ist zwar das
zusammentreffen der drei burgundischen Würdenträger vor der
stadt eine freie, aber ausserordentlich glückliche erfindung des
dichtere, in der angedeuteten Vermutung jedoch, welche er
Crövecoeur aussprechen lässt, wie überhaupt in den reden, die
er allen dreien in den mund legt, hält sich Scott durchaus
innerhalb der geschichtlichen Wahrheit
Es kann keinem zweifei unterliegen, dass der ränkesüch-
tige ratgeber seinen ränkesüchtigen herrn in eine falle ge-
lockt hat. Jean de Troyes (Petitot XIII, 388 f.) spricht es rück-
haltslos aus:
'Au mois d'avril ensuivant 1469, maistre Jehan Ballue, cardinal
d'Angiers, qui en peu de temps avoit eu de moult grans biens du
Roy et du Pape par le moyen du Roy, qui pour Pavancer et faire si
grand comme de cardinal, et auquel cardinal le Roy se fioit moult
fort, et faisoit plus pour luy que pour prince de son sang et lignaige,
et icelluy cardinal non ayant Dieu en memoire, ne l'lionneur et prouffit
du Roy, ne du royaulme devant ses yeux, mena le Roy jusques a
Peronne, auquel Heu il le fist joindre avec icelluy duc de Bourgogne,
et leur fit faire une teile quelle paix, laquelle fut juree et promise
entre les mains dudit cardinal.'
Balue war es auch gewesen, welcher im verein mit Tanne-
guy du Chastel in Peronne die Verhandlungen führte, die dem
besuche des königs voraufgingen. Denn überraschend und un-
erwartet, wie der dichter es darstellt, kam Ludwig nicht nach
86 MANN,
Peronne, ja es bedurfte sogar der Überredungskunst seiner ab-
gesandten, um Karl überhaupt für eine Zusammenkunft geneigt
zu machen, da dem herzog der aufstand der Ltitticher drohte
und er hinter der absieht des königs nur unheil für sich ver-
mutete. Ludwig seinerseits war klug genug, sich für sich und
seine begleiter Sicherheit der person und freies geleit für die
hin- und rtickreise gewährleisten zu lassen (C. II, V; P. XI, 465).
Man sieht, eine fürstenzusammenkunft war schon damals ein
ereigniss, das die kabinete vorher bewegte. Der geleitsbrief
Karls, gewissermassen ein offizielles einladungsschreiben, möge
hier folgen:
' Monseigneur,
trcs-humblement en vostre bonne gräce me recommande. Mon-
seigneur, se vostre plaisir est venir en cette ville de Peronne pour
nous entrevoir, je vous jure et promets, par ma foy et sur mon
honneur, que vous y pouvez venir, demourer et sejourner, et vous
en re tourner seurement äs lieux de Cbauny et de Noyon, ä vostre
bon plaisir, toutes les fois qu'il vous plaira, franchement et quitte-
ment, sans ce qu'aucun empeschement de ce faire soit donne ä vous,
ny nuls de vos gens, par moy ne par autre, pour quelque cas qni
soit ou puisse advenir. En tesmoin de ce, j'uy escrit et signe cette
cedule de ma main en la ville de Peronne, le huictiesme jour d'oe-
tobre Tan 146S.
Vostre tres-humble et tr£s-obeissant subjet,
Charles.'
Für die Unterhaltung der drei burgundischen grossen hat
sich nun Scott folgendes aus Comines (II, V; Petitot XI, 467 ff.)
entnommen:
'Vous avez entendu par quelle maniere avoit este conclu que
le Roy viendroit ä Peronne. Ainsi le fit, et n'ainena nulle garde;
mais voulut venir de tous poinets a la garde et seurete dudit duc,
et voulut que monseigneur des Cordes iuy vint au devant avec Us
archers dudit duc pour le conduire. Ainsi fut fait. Peu de gemi
vinrent avec luy: toutesfois il y vint de grands personnages
Aussi y vint le cardinal Ballue Comrae le Roy approcha de
la ville de Peronne, ledit duc luy alla au devant bien fort aecompagne,
et le mena en la ville et le logea chez le receveur (qui avoit belle
maison, et pre's du chausteau), car le logis du chasteau ne valoit
rien, et y en avoit peu.J
'Le duc de Bourgogne avoit mandc Tarniee de Bourgogne, oü
pour ce tenips-lii avoit grand' noblessc; et avec eux venoient mon-
seigneur de Bresse (= Philippe de Savoie), l'evesque de Geneve
(= Francis de Savoic), le couitc de Romont (= Jacques de Savoie),
tous freres, enfans de la maison de Savoye .... Or faut entendre
que le Roy avoit autrefois tenu ledit seigneur de Bresse en prison,
QÜENTIN DURWARD. 87
a cause de deux Chevaliers qu'il avolt fait tner en Savoye: par quoy
n'y avoit pas grand amour entre eux deux.
En cette compagnie estoit encore monseigneur Du Lau (que le
Roy semblablement avoit long temps tenu prisonnier . . .) et messire
Poncet de Riviere, et le seigneur d'Urf6 .... et entra ledit de Bresse
et les trois dont j'ay parte, en la ville de Peronne, portans la croix
Sainct-Andr6 . . . .'
Tost fut le Roy adverty de l'arrivee de tous ces gens dessus
nomniez, et des babillemens en quoy estoient arrivez: si entra en
grande peur, et envoya prier au duc de Bourgogne qu'il püt loger
au chasteau, et que tous ceux la qui estoient venus estoient ses mal-
veillans. Ledit duc en fut träs joyeux, et luy fit faire son logis, et
l'asseura fort de n'avoir nul doute.'
Man wird hierzu die entsprechenden stellen des 25. kapitels
im romane leicht auffinden. Nicht unwichtig scheint mir noch
hervorzuheben, dass Ludwig gerade Crövecoeur — Crövecoeur
und des Cordes ist ein und dieselbe persönlichkeit — zum ge-
leitsmann sich auserbeten hat. Wir erinnern uns, dass Cröve-
coeur als burgundischer abgesandter in Plessis vom könig mit
besonderer auszeichnung empfangen wurde. In dieser darstellung
fosste Scott gewiss auf der angegebenen tatsache. Comines führt
noch als hervorragende begleiter Ludwig's die herzöge Charles
und Jean de Bourbon und den grafen von Saint-Paul an; die-
selben treten aber bei Scott nicht handelnd auf.
Die grundlage für die kapitel XXVI und XXVII bildet
widerum Comines. Er erzählt (II, VII; Petitot XI, 473 ff.):
'Or vous avez ouy de l'arriväe de cette arm6e de Bourgogne,
laquelle fut a Peronne presque aussi tost que le Roy, car ledit duc
ne les eust sceu contraindre ny contremander a temps; car ja bien
avant estoient en campagne quand la venue du Roy se traitoit, et
troublerent assez la feste par les syspicions qui advinrent apres.
Toutesfois ces deux princes cominirent de leurs gens a estre en-
semble, et traiter de leurs affaires le plus amiablement que faire se
pourroit : et comrae ils estoient bien avant en besogne, et ja y avoient
est6 par trois ou quatre jours, survinrent de tr6s-grandes nouvelles et
affaires de Liege, que je vous diray.
Le Roy, en venant ä Peronne, ne s'estoit point advisä qu'il
avoit envoye deux ambassadeurs a Liege pour les solliciter contre
ledit duc; et neantinoins lesdits ambassadeurs avoient si bien dili-
gentia, qu'il avoient ja fait grand amas.1 ... et vinrent tost ces nou-
velles au duc .... aucuns .... certifioient avoir ven les ambassa-
deurs du Roy en cette compagnie, et les nommoient. Et fut contä
1 Hier folgen die ' einzelbeiten des kampfes , die wir oben schon
anführten.
88 MANN,
tout cecy audit duc, qui sondainement y adjousta foy, et entra en
une grande colere, disant que le Roy estoit venu la pour le tromper:
et soudainement envoya fermer les portes de la ville et da ch&steaa . . .
Le Roy qui se vid enferme en ce chasteau (qui estoit petit), otforoe
arehers a la porte, n'estoit point sans doute, et se voyoit löge rasibus
d'une grosse tour, oü un comte de Yermandois1 fit mourir un sien
predecesseur roy de France. Pour- lors estoye encor aveo ledit duc,
et le servoye de chambellan, et couchoye en sa chambre quand je
vouloys; car tel estoit l'usance de cette maison.
Ledit duc, quand il vid ses portes formees, fit saillir les gens
de sa chambre, et dit, a aucuns que nous estions, que le Roy estoit
venu lä pour le trahir, et qu'il avoit dissimule ladite venue de tonte
sa puissance, et qu'elle s'cstoit faite contre son vouloir: et va conter
ces nouvelles de Liege, et comme le Roy l'avoit fait conduire par
ses ambassadeurs, et comme tous ses gens avoient estö tuez: et estoit
terriblement esmeu contre le Roy, et le menacoit fort: et croy veri-
tablement que si ä cette heure-la il eut trouve ceux ä qui il s'adres-
soit prests a le conforter ou conseiller de faire an Roy une mauvaiae
compagnie, il eust este ainsi fait, et pour le moins eust este mis en
cette grosse tour. Avec moi n'y avoit ä ces paroles que deux va-
lets-de-chambre, Fun appellc Charles de Visen, natif de Dijon, homme
honneste, et qui avoit grand credit avec son maistre. Nous n'aigrismes
rien, nous audoucismes a notre pouvoir. Tost apres tint aucunes de
ces paroles ä plusieurs, et coururent par toute la ville, jusques en la
chambre oü estoit le Roy, lequel tut fort effraye: et si estoit geme-
ralement chacun, voyant grande apparence de mal, et regardant quantes
choses y a a considerer pour pacefier un differend, quand il est com-
mence entre si grands princes, et les erreurs qu'ils firent tous deux
de n'advertir leurs serviteurs qui estoient loin d'eux, empesches pour
leurs affaires, et ce qui soudainement en cuida advenir.
J'ay beaucoup mis, avant que retourner ä mon propos de rarrest,
en quoy estimoit le Roy estre a Peronne, dont j'ay parl6 cy-devant:
et en suis sailly pour dire mon advis aux princes de telles assem-
blees. Ces portes ainsi fermees, et gard^es par ceux qui y estoient
commis, furent ainsi II ou III jours: et cependant ledit duc de Bour-
gogne ne vit point le Roy, ny n'entroit des gens du Roy au chasteau
que peu, et par le guichet de la porte. Nuls des gens dudit seigneur
ne furent ostez d'aupres de luy; mais peu ou nuls de ceux du due
alloient parier ;\ luy ny en sa chambre, au moins de ceux qui avoient
aucune authorite avec luy. Le premier jour, ce fut tout effroy et
murmure par la ville. Le second jour, ledit duc fut un peu refroidy:
il tint conseil la pliispart du jour, et partie de la nuict. Le Roy fai-
soit parier a tous ceux qu'il pouvoit penser <|ui luy ]>ourroient ayder,
et ne failloit pas a promettre, et ordonna distribuer quinze mille escus
1 üerbert de Yermandois. Man machte den künig darauf aufmerk-
sam mit den worten: 'C'est k*i (ju'est mort un roi de France \ Petitot
XI, 27 G, anm. 3. Scott benutzte diese anmerkung.
QÜENTIN DÜRWARD. 89
d'or: mala celuy qui en eut la Charge en retint une partie, et s'en
acquita mal, comme le Roy sceut depuis. Le Roy craignoit fort ceux
qui autresfois l'avoient servy, lesquels estoient venus avec cette
armee de Bourgogne dont j'ay parl6, qui ja se disoient au duc de
Normandie son frere. A ce conseil dont j'ay parle, y eut plusieurs
opinions: la pluspart disoient que la seuretä qu'avoit le Roy, luy fust
gardäe, veu qu'il accordoit assez la paix en la forme qu'elle avoit
est6 couch6e par escript. Autres vouloient sa prise rondement, sans
ceremonie. Aucuns autres disoient qu'ä diligence on fist venir mon-
seigneur de Normandie son frere, et qu'on fist une paix bien avanta-
geuse pour tous les princes de France. Et sembloit bien a ceux qui
faisoient cette ouverture que si eile s'accordoit, le Roy seroit restrainct,
et qu'on luy bailleroit gardes; et qu'un si grand seigneur pris ne se
delivre jamais ou ä peine, quand on luy a fait si grande offence. Et
füren t les cboses si pr6s, que je vis un bomme house et prest ä partir,
qui ja avoit plusieurs lettres addressantes ä monseigneur de Normandie
estant en Bretagne, et n'attendoit que les lettres du duc: toutesfois
cecy fut rompu. Le Roy fit faire des ouvertures, et offrir de bailler
en ostage le duc de Bourbon et le cardinal son frere, le connestable,
et plusieurs autres, et qu'apräs la paix conclue il pust retourner jus-
ques a'Compiegne; et qü'incontinent il feroit que les Liegeois repare-
roient tout, ou se declareroient contr'eux. Ceux que le Roy nommoit
pour estre ostages, s'offroient fort, au moins en public. Je ne scay
s'ils disoient ainsi a part; je me doute que non. Et, ä la veritä, je
croy qu'il les y eust laissez, et qu'il ne fust pas revenu.
Ceste nuict, qui fut la tierce, ledit duc ne se dßpoüilla oncques :
seulement se coucba par deux ou trois fois sur son lit, et puis se
pourmenoit; car teile estoit sa facon quand il estoit troublä. Je
couchay cette nuict en sa chambre, et me pourmenay avec luy par
plusieurs fois. Sur le matin se trouva en plus grande colere que jamais,
en usant de menaces, et prest ä executer grand' cbose: toutesfois il
se reduisit en sorte que si le Roy juroit la paix et vouloit aller avec
luy a Liege pour luy aider ä venger monseigneur de Liege qui estoit
son procbe parent, il se contenteroit: et soudainement partit pour
aller en la cbambre du Roy, et lui porter ses paroles. Le Roy eut
quelque ami qui Ten advertit, l'asseurant de n'avoir nul mal s'il accor-
doit ses deux poincts; mais que, en faisant le contraire, il se mettoit
en si grand peril, que nul plus grand ne luy pourroit advenir.
Comme le duc arriva en sa presence, la voix lui trembloit, tant
il estoit esmü, et prest de se courroucer. II fit humble contenance
de corps, mais sa geste et parole estoit aspre, demandant au Roy,
s'il vouloit tenir le traite de paix qui avoit este escript et accordö
et si ainsi le vouloit jurer: et le Roy lui respondit que ouy. A la
verite il n'y avoit rien este renouvelle de ce qui avoit est£ fait de-
vant Paris toucbant le duc de Bourgogne, ou peu du moins: et tou-
chant le duc de Normandie, luy estoit amande beaucoup, car il estoit
dit qu'il renonceroit ä la duche de Normandie; et auroit Champagne
et Brie, et autres pieces voisines, pour son partage. Aprßs luy de-
90 MANN,
manda ledit dnc s'il ne vouloit point venir avec luy a Liege, pour
aider ä revancher la trahison que les Liegeois luy avoient firito k
cause de luy et de sa venue: et aussi il luy dit la prochainete du
lignage qui estoit entre le Roy et FeVesque de Liege, car il estoit
de la maison de Bourbon. A ces paroles le Roy respondit que ony,
mais que la paix fust jur6e; qu'il estoit content d'aller avec luy £
Liege, et d'y mener des gens en si petit ou si grand nombre que
bon hü sembleroit. Ces paroles ejoüirent fort ledit duc, et incon-
tinent fut apport6 ledit traittä de paix et tut tiree des coffres du Roy
la vraye croix que sainct Charlemagne portoit, qui s'appelle la croix
de victoire, et jurerent la paix, et tan tost furent sonn£es les clocbes
par la ville, et tont le monde fut fort ejotiy. Autrefois a pln au Roy
nie faire cet honneur de dire que j'avoys bien servy a cette pacifi-
cation. Incontinent escrivit ledit duc en Bretagne ces nou volles, et
envoya le double du traitte par lequel ne se dejoignoit ny se delioit
d'eux: et si avoit ledit inonseigneur Charles partage bon, veu le traittö
qu'ils avoient fait peu avant en Bretagne, par lequel ne luy demeuroit
qu'une pension, conime avez ouy dire.'
Nehmeu wir nun den faden der erzählung wider auf.
Nachdem wir im 25. kapitel durch die gespräche Hymber-
court's, Gomines' und Crßvecoeur's auf die Zusammenkunft hin-
reichend vorbereitet sind, kann uns der dichter nun mitten
in den ström der ereignisse führen. So finden wir denn im
folgenden kapitel Ludwig und Karl nach den förmlichkeiten
des empfanges in lebhafter Unterhaltung. Ludwig ist sichtlich
bemüht, das misstrauen, welches ihm Karl entgegenbringt, zu
verscheuchen und ihn in gute laune zu versetzen. Er knüpft
deshalb an die verwandtschaftlichen beziehungen an, in denen
sein haus und das burgundische zu einander stehen, gedenkt
mit erheuchelter dankbarkeit und wemut der tage seiner Ver-
bannung \ die er unter dem schütze des gUtigen herzogs Philipp
in Genappe im trauten verkehr mit Karl verlebt habe. Diese
Sanftmut behält er den ganzen tag bei. Je aufgeregter und
störrischer Karl sich zeigt, desto ruhiger, geschmeidiger und
gefUgiger stellt sich Ludwig. Und als Karl durch einen hin-
weis auf den connetahle von Saint-Paul in den grössten zorn
gerät, weiss er ihn schnell zu beruhigen, indem er ihm nnter
scherzen das haupt des grafen zugesteht, da ihm wolbekannt
1 Ueber dieselben hat gehandelt: Baron de Reiftenberg, Memoires
sur le sejour que Louis, Dauphin de Viennuis, dejmis Koi sous le nom
de Louis XI, tit aux Pays-Kas, de Tan 1450 ä ran 1401. In: Nouv.
Mem. de l'Acadcinic Koyale des Sciences et Beiles- Lettres de Bruxelles.
t. V. 1829.
QUENTIN DURWARD. 91
war, dass auch Karl denselben jetzt hasste.1 Aber es ist eine
mühevolle aufgäbe für den könig, den wilden sinn des herzogs
zu meistern, und als er sich endlich zur nachtruhe in's schloss
zurückziehen darf, da fühlt er sich doch müde, abgespannt und
niedergeschlagen. Die unheimlichkeit seiner neuen wohnung,
auf die er, wie auch Comines berichtet, ausdrücklich aufmerksam
gemacht wird, ist nicht geeignet, seine Stimmung zu erhöhen,
und erst als er nachricht erhalten, dass Quentin Durward glück-
lich nach Lüttich gekommen sei und als er sich mit seinen ge-
treuen besprochen hat, kehrt sein lebensmut zurück.
Doch der neue tag bringt neue sorgen (kap. XXVII). Zu
ehren des hohen gastes findet zunächst eine truppenschau statt;
aber wenn auch Ludwig eine gleichgiltige miene anzunehmen
weiss, so beunruhigt ihn doch die stattlichkeit des burgun-
dischen heeres und nicht minder auch der umstand, dass so
viele französische grosse in demselben dienen. Er richtet des-
halb sein hauptaugenmerk darauf, diese wider an sich zu
ziehen und benutzt vor allem eine im laufe des tages statt-
findende eberjagd dazu, die einflussreichen persönlichkeiten
des burgundischen hofes durch leutselige rede und geschenk
zu gewinnen. Dieser zug ist durchaus historisch:
'II auoit des amys dans le conseil du Duc', sagt Matthieu (IV, 192),
'& faisant ietter parmy eux douze ou quinze mille escus, il fut par ce
moyen aduerty des resolutions que Ton y faisoit, dont les plus douces
(et) & moderees ne luy estoient pas agreables.'
Am abend dieses zweiten tages ist ein grosses gastmahl, wel-
ches unterbrochen wird durch die ankunft Hymbercourt's und
Comines', die mit trüben gesichtern von der falkenjagd heim-
kehren und nach dem gründe ihrer Verstimmung gefragt auf
die nachricht verweisen, die Crövecoeur dem herzog in beson-
derer audienz mitteilen werde. Er muss jedoch sofort erscheinen,
und so fällt mitten in das festgelage wie eine bombe die nach-
richt von den ereignissen in Lüttich, die Ludwig's verrat offen-
kundig machen. Karl's zorn kennt keine grenzen, die Ver-
sammlung endet in einem tumult, und es wäre vielleicht um
den könig geschehen gewesen, wenn nicht auf beiden Seiten
1 Wie wir gesehen haben, begleitete der connetable den könig nach
Pe rönne. Scott lässt ihn abwesend sein, deutet aber sein späteres Schicksal
im obigen an. Comines (II, V) berichtet: *. . . pour lors le coeur luy estoit
creu, et ne se trouvoit pas huinble envers ledit duc comme autretbis: et
pour cette cause n'y avoit nul ainour entre les deux' (P. XI, 488).
92 MANN,
massgebende stimmen zur Überlegung gemahnt hätten: so wird
er schliesslich als gefangener unter entsprechendem geleit in's
schloss gebracht.
So anschaulich der dichter diese Vorgänge zu schildern
weiss, zum teil eben weil er von der geschichte abweicht, so
können wir ihm doch einen Vorwurf nicht ersparen. Das recht,
geschehenes umzugestalten, ist gewiss in der freiheit des dichr
ters begründet, aber er darf dabei den boden der Wahrschein-
lichkeit nicht verlassen. Durchaus unwahrscheinlich ist es nnn,
dass Comines, der ratgeber, und Hymbercourt, der soldat, am
zweiten tage der Zusammenkunft, der durch seine Veranstal-
tungen der haupttag war, ihrem eigenen vergnügen, einer tol-
kenjagd, hätten nachgehen können, um so unwahrscheinlicher
deshalb, weil ja Karl schon eine jagd angesetzt hat Nicht
minder unwahrscheinlich ist es, dass sie sich zum bankett
verspäten dürfen, da das ceremoniell des burgnndischen hofes
durch spanischen einfluss ausserordentlich streng war. Sie
werden also als den ganzen tag über abwesend gedacht, und
doch begeht Scott zwischendurch die gedankenlosigkeit, sie an
der eberjagd teilnehmen zu lassen:
'During a boar-hunt in the forest . . . Louis . . . sought and
found the means of speaking secretly and separately to many of
tbose who where reported to have most interest with Charles, among
whom D' Hymbercourt and Comines tvere not forgotten.' —
So kehrt denn Ludwig als gefangener in das schloss
zurück, das er am morgen als gebietender herr verlassen und
die erinnernng an die blutigen Vorgänge, die sich in dessen
unfreundlichen räumen zugetragen haben, vermehrt nur noch
seine düstere Stimmung. Welche gedanken in jener nacht auf
ihn eingestürmt sind, weiss die geschichte nicht. Hier tritt der
dichter in sein recht. Nachdem Ludwig sich vom grafen CWve-
coeur in gewinnender weise verabschiedet und sein ehrenwertes
gefolge entlassen hat, kostet er zunächst die ganze quäl seiner
läge durch, bis das gefllhl der Ohnmacht sich löst in vorwürfe
gegen sich selbst und endlich ganz aufgeht in dem gedanken,
räche zu nehmen an denen, die ihn zu dem verhängnissvollen
schritte verleitet haben, Balue durch seinen rat und Galeotti
durch seine günstigen deutungen aus den Sternen. Balue ist
in der Stadt, so kehrt sich denn seine wut gegen den astro-
logen. Doch zuvor sucht er trost im gebet zur heiligen jung-
QUENTIN DURWARD. 93
frau von Clery, deren schütz er durch das versprechen be-
stimmter weihgeschenke zu erlangen hofft. Die eigentümliche
fassung desselben ist eine nachbildung jenes für Ludwig's
aberglauben so bezeichnenden gebetes, das er einst zur selben
Jungfrau gesprochen. Dasselbe ist uns mit den näheren um-
ständen von Brantöme1 überliefert:
'Entre plusieurs bons tours de dissimulation, faintes, finesses et
galanteries que fit ce bon roy en son temps, ce fut celuy, lors que
par gentiile industrie il fit mourir son frere le duc de Guyenne, quand
il pensoit le moins, et luy faisoit le plus beau semblant de l'aiiner
luy vivant et le regretter apres sa mort; si bien que personne ne s'en
aperceut qu'il eust fait faire le coup, si-non par le moyen de son fol,
qui avoit este au-dit duc son frere, et il l'avoit retire avec luy apres
sa mort, car il estoit plaisant. Estant donc un jour en ses bonnes
prieres et oraisons ä Clery, devant Nostre Dame, qu'il appeloit sa
bonne patronne, au grand autel, et n'ayant personne pres de luy,
sinon ce fol, qui en estoit un peu eloignß, et auqnel il ne se doutoit
qu'il fust si fol, fat, sot qu'il ne peust rien rapporter, il l'entendit
comme il disoit:
'Ah! ma bonne Dame, ma petile maistresse, ma grande amie,
en qui fay eu tousjours mon reconfort, je le prie de supplier Dieu
pour moy et estre mon advocat envers luy, quil me pardonne la
mort de mon frere, que fay fait empoisonner par ce meschant abbe
de Saint- Je an. Je m'en confesse ä toy, comme ä ma bonne patronne
et maistresse. Mais aussi qu'eusse~je sceu faire? II ne me faisoit
que troubler mon royaume. Fay-moi doncques pardonner, ma bonne
Dame, et je scay ce que je te donneray.1
Wem die Vergebung der Sünden ein tauschgeschäft mit
dem himmel ist, der darf vom gebet sofort zum meuchelmord
übergehen. Der könig entbietet den Sterndeuter zu einer Unter-
redung, nachdem er vorher seine henkersknechte dahin ver-
ständigt hat, dass sie auf ein gewisses von ihm gesprochenes
wort über ihn herfallen, auf ein anderes aber ihn ungehindert
gehen lassen sollen. Galeotti erscheint. Die heftigen vorwürfe
des königs bestärken ihn in dem verdachte, dass gefahr im
anzuge ist. Aber seine geschickten antworten besänftigen den
könig keineswegs. Schon hat Ludwig widerholt das verhäng-
nissvolle wort unauffällig in seine zornige rede eingeflochten,
da fragt er sein opfer, wann es sterben werde, und der schlaue
Italiener rettet durch seine kühne antwort: Genau 24 stunden
vor ew. majestät, sich selbst nicht nur das leben, sondern die
1 Oeuvres completes du seigneur Brantöme. Paris 1822. T. II, Di-
gression sur Louis XI, p. 23.
94 MANN,
gunst die königs, der nun um die erhaltung seines astrologen
ängstlich besorgt ist.
Ohne zweifei erinnerte sich hierbei Scott daran, dass einst
ein mordanschlag auf Lorenz von Medici in der kirche aasge-
führt werden sollte, sobald in der grossen messe das sanctus
erklänge (C. VI, V; P. XII, 350) und er übertrug auf Galeotti
in etwas veränderter form die an t wort, die einst in ähnlicher
läge ein anderer astrolog dem könig gab, nämlich die, er werde
genau 8 tage vor seiner majestät sterben (s. anhang, note T).
Im XXX. kapitel gibt uns der dichter auf grund von Co-
mincs aufschluss darüber, wie es Karl in der Zwischenzeit er-
gangen ist. Nachdem er zwei tage und zwei nachte in toller
aufregung verbracht hat, gelingt es seinen ratgebern endlich,
ihn ruhiger zu stimmen, und er entschliesst sich, den könig
aufzusuchen, um seine bedingungen mitzuteilen. Comines aber
eilt ihm voraus, um den könig vorzubereiten und ihm vor-
läufig wenigstens völlige nachgiebigkeit anzuempfehlen. Der
dichter steht hiermit durchaus auf dem boden geschichtlicher
Wahrheit, denn es unterliegt gar keinem zweifei, dass Co-
mines' eigene worte: 'Le Roy eut quelque ami qui Ven advertit9
u. s. w. (s. oben) sich eben nur auf ihn selbst beziehen. Nimmt
man hinzu sein späteres geständniss:
'Autrefois a plü au Roy me faire cet honneur de dire que j'avoys
bien servy ä cette paeification',
so erhellt daraus zur gewissheit, dass seine handlungsweise
eine höchst zweideutige war, die einem verrate gleich kommt
Wir dürfen also dem dichter die innere berechtigung nicht ab-
sprechen, dass er während ihres Zusammenseins den könig die
ersten wirksamen versuche machen lässt, den grossen Staats-
mann auf seine scite zu ziehen, wenngleich wir mit den mittein
nicht ganz einverstanden sind. Die berechtigung verliert nicht
an Wahrscheinlichkeit dadurch, dass Comines förmlich erst 1472
in französische dienste trat.
Nachdem der könig mit verhaltungsmassregcln versehen
ist, werden noch Quentin Durward und die gräfin Croy, die
unterdess nach Peronne gebracht worden ist, dahin verständigt,
dass sie nichts Ludwig belastendes aussagen sollen (kap. XXXI).
Als daher Karl seinen lehnsherrn im schloss aufgesucht und
dann zur teilnähme an einer beratung gezwungen hat, hat der
könig bei seiner überlegenen beredtsamkeit und diplomatischen
QÜENTIN DÜRWARD. 95
/
Gewandtheit verhältnissmässig leichtes spiel, die anklagen
KaiTs zu entkräften, zumal da die obengenannten zeugen in
sophistischer weise mit der Wahrheit hinter dem berge halten.
Zwar erscheint ein anderer zeuge, der zigeuner Maugrabin, als
abgesandter des wilden ebers in heroldskleidung, aber als er
entlarvt und seine gefährlichkeit erkannt ist, sorgen des königs
henkersknechte dafür, dass sein mund für immer stumm sei.
In einem Wäldchen nahe der Stadt soll er aufgeknüpft werden,
doch vor der hinrichtung vermacht er dem unter den Zuschauern
herbeigekommenen Quentin sein pferd, verrät ihm den kriegs-
plan des grafen von der Mark und übergibt ihm einen brief
der gräfin Hameline an ihre nichte (kap. XXXII— XXXIV).
Diese soll, das war eine von Karl's bedingungen, mit dem
herzog von Orleans verlobt werden (kap. XXXV). Diese be-
dingung, die auch in den vorhergehenden kapiteln schon eine
rolle spielt, ist entschieden vom dichter nicht glücklich erfunden,
geschweige denn irgend wie begründet worden. KarFs plan
scheitert jedoch an der hartnäckigen Weigerung der gräfin, so
dass er sie schliesslich in seinem zorn demjenigen als gemahl
verspricht, der ihm aus dem bevorstehenden kämpfe den köpf
des ebers bringen werde. Nun hat aber die gräfin Hameline
in ihrem briefe gesagt, dass ihr gatte zu seiner Sicherheit nicht
seinen gewöhnlichen waffenrock, sondern einen mit dem wappen
der Dunois gezierten tragen werde. Quentin erfährt das durch
die, die er liebt; der ausgang der liebesgeschichte ist also nicht
mehr zweifelhaft: Quentin Durward niuss den preis erringen
und erringt ihn auch. Mit der eroberung Lttttich's, welche
Scott im engsten anschluss an Comines schildert, ist die er-
zählung zum ende gelangt. Die glückliche lösung der liebes-
geschichte soll den etwas plötzlichen abbruch der haupthand-
lung verdecken. Aber ihre lösung ist prädestiniert, gewalt-
sam, und die ästhetische Wirkung wird dadurch wesentlich
beeinträchtigt.
in.
Scott' s 'Notes to Quentin Dur ward'.
Wie im eingange dieser arbeit hervorgehoben wurde, hat Scott einer
späteren aufläge unseres romanes die Notes to Quentin Durward hinzu-
gefügt, das sind anmerkungen historischen und antiquarischen inhalts,
und zwar 25 an der zahl, welche deshalb mit den buchstaben des alpha-
96 MANN,
bets bezeichnet werden. Ausserdem trägt jede eine auf ihren inhalt be-
zügliche Überschrift, und im texte wird an den einschlägigen stellen auf
sie verwiesen. Im folgenden gebe ich der reihe nach zu jeder einzelnen,
soweit es überhaupt möglich ist, die quelle an, aus der Scott bei ihrer
abfassnng geschöpft hat.
Note A, p. 52. Saint Hubert.
Das matcrial zu dieser anmerkung konnte Scott aus jeder beliebigen
encyklopädie entnehmen.
Note B, p. 66. Duke of Gueldres.
Scott entlehnt hier ohne Quellenangabe seinen stoff aus Comines,
der die Schicksale dieses ruchlosen menschen ausführlich erzählt
Vgl. Comines IV, I; P. XII, 95 ff. Vgl. auch Matthieu VIII, 438 ff.
Note C, p. 67. Constable Saint Paul.
Scott fusst ohne Quellenangabe auf Comines.
Vgl. Comines III, XI; P. XII, 80. — IV, IV; P. XII, 119. — IV, VI;
P. XII, 128. — IV, VIII; P. XII, 139. — IV, XI; P. XII, 161. — IV, XII;
P. XII, 170. — Vgl. auch Matthieu VII, 339—354.
Der connetable war ein ränkesüchtiger Parteigänger, der seinen vor-
teil bald in diesem bald in jenem bündniss suchte und eben deshalb sieh
mit allen verfeindete und um so sicherer dem untergange entgegen ging.
Schon die Überschriften der aus Comines angezogenen kapitel lassen sein
spiel deutlich erkennen. Die des letzteitierten lautet sehr bezeichnend:
'Conmient la mort du connestable fut jur6e entre le Roy et le duo de
Hourgognc; et comment, s'estant retire du pays du duc, fut par le com-
mandement d'iceluy livre au Roy, qui le fit mourir par justice.'
Note D, p. 100. Gipsies or Bohemians.
Es ist widerholt schon darauf aufmerksam gemacht worden, dass
Scott in seinen werken eine besondere Vorliebe für zigeuner zeigt. Der
sagenhafte Ursprung dieses leichtlebigen volkes, der poetische haueh, der
ihr zielloses wandern umgibt, und ihr eigentümliches wesen haben von
jeher die dichter angezogen. Scott aber mögen ausserdem noch die be-
sonderen Verhältnisse seines heimatlandes, wie seine arbeiten 'on saper-
stition' beeinflusst haben. Er verweist in unserer anmerkung selbst zu-
nächst auf eine anmerkung zu Guy Mannering (vgl. Tauchnitz edition,
notes) und gibt dann (s. 501 f.) einen bericht über ihr erstes erscheinen
in Frankreich. Derselbe gründet sich wörtlich auf:
Pasquier, Les recherches de la France. Paris 1665. Vgl. 1. IV,
eh. XIX, p. 359 — 361. — *Vers quel temps vu tas de gen* vaga-
bonds, que les aueuns nomment Aegyptiens, les autres Bohewäens,
commencerent de roder en France.'
Vergleiche ferner:
Bibliotheque de l'Ecole des Chart es. Ire serie. t. V. De l'appa-
rition et de la dispersion des Bohemiens en Europe, par M. Pfcttl
Bataillard.
QÜENTIN DÜRWARD. 97
Ib. 3« sene. 1. 1. Nouvelles recherches . . . en Europe et sur l'origine
de ce peuple, par M. Paul Bataillard.
Leland, The English Gipsies and their language. 1873.
J. de Goeje, Bydrage tot de Geschiedenis der Zigeuners. 1875.
Note E, p. 113. Scottish Archers.
Vgl. Jean de Troyes , Histoire de Louys Unziesme in der ausgäbe
Petitot XIII, s. 455 f.
Note F, p. 134. Card-Playing.
Scott gibt auf grund von Dr. Dryasdust eine ganz kurze notiz Über
die erfindung der Spielkarten und schliesst daran eine anekdote.
Vgl. Bullet, Eclaircissements sur Finvention des cartes a jouer =
t. X der Coli, des meilleurs diss., not. et traites particuliers relatifs a l'hist.
de France publ. par C. Leber, Paris 1838 etc., in-8°.
Note G, p. 144. A Peaceful and Quiet Household, eto.
Der in halt dieser anmerkung ist schon oben berührt worden, wie sie
überhaupt im wesentlichen nichts neues bietet. Neu ist nur eine stelle
aus einem briefe Ludwig's an den grafen von Dammartin, in welcher er
sich in seiner kaustischen weise über die Verbindung seiner tochter Jo-
hanna mit Ludwig von Orleans ausspricht. Scott citiert diese stelle, wie
er selbst angibt, auf grund von WraxalTs History of France, vol. I, p. 143
note. Der vollständige titel dieses werkes ist: The History of France
under the Kings of the race of Valois. The 2n<* edition. By Nath\ William
Wraxall. London 1785. Ludwig XI. wird darin s. 66— 109 behandelt. Es
mag dieser abschnitt unserem dichter einen guten überblick verschafft
haben über die geschichte jener zeit, eine direkte entlehnung aus Wraxall
haben wir nur in der anmerkung G feststellen können. Eben jener herzens-
erguss Ludwig's findet sich auch bei Matthieu XI, 748.
Note H, p. 146. The Cardinal Balue.
Der inhalt dieser anmerkung setzt sich aus zwei aufzeichnungen von
Jean de Troyes zusammen. Die erste lautet:
'Et le lundy second jour de jurllet audit an [1465] maistre Jehan
Balue, evesque d'Evreux, fist le guet de nuit parmi ladicte yille, et
mena avecques luy la compagnie dudit Jouachain Rouault avecques
clairons, trompettes et autres instrumens sonans par les nies et sur
les niurs, qui n'estoit pas aecoustumä de faire a gens faisans guet.'
• Vgl. Petitot XIII, 275.
Die andere aufzeichnung berichtet ein abenteuer des kardinals:
(Et cedit jour au soir, environ deux heures de nuit, monsei-
gneur l'evesque d'Evreux Balue fut guette et accueilly par aueuns ses
ennemis en la rue de la Barre du Bec, ä Penviron de la porte de
derriere de feu maistre Bureau Boucher, lesquels chargerent sus luy,
et de premiere arrivee vindrent oster et souffler deux torches que on
portoit devant luy, et apres vindrent audit Balue qui estoit monte
sur une bonne mule, qui le sauva et gaigna a fuyr, car tous ses gens
Anglia, XII. band. 1
98 MANN,
a l'effroy l'abandonncrent pour paonr des horions; et emporta Udicte
mulo son dit maistre Balue jusques au cloistre Nostre Dame en son
hoste), dont eile estoit partie.' Vgl. Petitot XIII, 313.
Note I, p. 201. Galeotti.
Scott hat den Stoff zu dieser anmerkung ans Naude (V, 1 26 ff.) ge-
nommen, wie schon oben angegeben wurde. Ausführlich handelt auch
von diesem astrologen Varillas IX, 344 ff.
Note K, p. 224. Religion of the Bohemians.
Die anmerkung bietet nur eigene gedanken von Scott. Die ein-
schlägige litcratur haben wir schon citiert.
Note L, p. 303. Murder of the Bishop of Liege.
Was Scott in dieser anmerkung berichtet, gründet sich auf die oben
angegebenen stellen aus seinen quellenschriften , auf die ich hiermit aus-
drücklich verweise.
Note M, p. 323. Schwarz-Reiters.
Der dichter gibt seine quelle selbst genau an: Fynes Morrison's
Itinerary. Edition 1(>17, p. 1G5. Man vergleiche ausserdem: De la milice
des reistres et lanskenets du Rhingrave = t. XX des in note F citierten
Sammelwerkes.
Note N, p. 340. Philip des Comines.
Von Comines handelt Matthieu d'Arvas, auf den Scott verweist, im
X. buche, s. 751 ff. der von uns benutzten ausgäbe. Die stellen aus Jean
de Troyes und Olivier de la Marche gibt der dichter selbst genau an, und
zwar hat er dazu die ausgäbe von Petitot benutzt.
Note O, p. 342. Meeting of Louis and Charles after the
Battle of MontThery.
Die quelle hierzu ist Comines I, XIII; Petitot XI, 419 f.
Note P, p. 349. Castle of Peronne.
Die quelle ist schon oben angegeben worden. Uebereinstimmend
berichtet Matthieu IV, 190 f.:
'Incontinent apres arriuerent TEuesque de Geneue, le Comte de
Bresse, lo Cöte de Roinot, trois freres du Duc de Sauoye, le Mare-
schal de Bourgongne, le Seigneur du Lau, Poncet de Riuiere, le sei-
gneur d'Yrft, tous portans la croix sainet Andre. & au coeur quelque
ressentiment d'offenee. Quand le Roy en fu aduerty il entra en ex-
treme defiiance, & trouua ses peusees toutes eonfuses & enueloppes
dans le repentir de n'auoir mieux pense ä son voyage. II enuoym
prier le Duc de faire loger au Chasteau parce que tous ces Seigneurs
qui estoient arriuez ne celoient pas qiuls ne fussent ses malueülans.
Le Duc tut bien aise que le Roy choisit le logis qu'il ne luy eust
ose donner & le pria de n'estre en doute d'aucune chose.'
QÜENTIN DURWARD. 99
Hierbei passiert Scott, weil er die anm. 2 zu Petitot XI, 469 zu flüchtig
überlas, das unglück, dass er den mitaufgeführten Seigneur d'Urfe ver-
wechselt mit dem späteren Honorä d'Urfö, welcher sich 1% Jahrhundert
darnach durch seine schäferromane bekannt gemacht hat.
Note Q, p. 378.
Der verlauf der denkwürdigen Zusammenkunft in Peronne wird von
Comines ausführlich geschildert. Vgl. II, IX; P. XI, 484 ff.
Note R, p. 385. Balue.
Ueber die einzelheiten der gefangenschaft des kardinals und seiner
endlichen befreiung vergleiche man Matthieu X, 544 ff. '
Note S, p. 387. Prayer of Louis XI.
Der inhalt dieser anmerkung gründet sich auf Brantöme, wie schon
oben dargelegt wurde.
Note T, p. 339. Martius- Galeotti.
Was Scott von den umständen berichtet, unter welchen dieser astrolog
verstarb, ist oben schon auf seine quelle zurückgeführt worden. Es findet
sich bei Naud6 im V. buche, s. 128 f. der von uns citierten ausgäbe.
Der dichter schliesst hieran einige anekdoten von Wahrsagern und
fus8t dabei auf dem Dictionnaire Historique et Critique par Mr. Pierre
Bayle. V* 6dition. 1740.
Derselbe berichtet auf s. 175 von Ludwig's 'credulile pour V Astro-
logie ' und fügt die anekdoten bei, die auch unsere anmerkung T enthält.
Aber wir sehen daraus, dass Scott, der ihn wort für wort ausnutzt, die
reihenfolge verändert hat. Er -stellt die anekdote von Tiberius und Thra-
sullu8 voran und beruft .sich höchst gewissenhaft auf Tacitus, Annalen,
lib. VI, cap. 22. Hierauf lässt er eine zweite ohne quellenangabe folgen,
dann eine dritte, die, so sagt er, von Bayle berichtet werde. Jedoch nicht
nur diese letzte, sondern eben alle drei sind buchstäblich aus Bayle ent-
nommen, nicht zu vergessen das gelehrte citat aus Tacitus. Das heisst
dem leser sand in die äugen streuen. Doch nicht genug damit. Bayle
verweist gegen ende hin auf Matthieu, und Scott benutzt diesen wink
um nun in dem letzten abschnitt seiner anmerkung auch die angedeuteten
stellen aus diesem Chronisten zu verwenden.
Derselbe berichtet VII, 392 und widerholt es XI, 729, dass Angelo
Cattho den tod des herzogs von Burgund vorausgesagt habe. Weiter
heisst es bei ihm X, 593 von Ludwig XL:
*I1 . . . dependoit de la nidesse de Jean Cottier son Medecin,
auquel il donnoit tous les mois dix mille escus, ne luy osoit rie
refuser, & luy promettoit tout ce qu'il desiroit, pourueu qu'il chassast
le Phantosme espouuantable de la mort, au nom de laquelle il se cou-
loit entre ses draps. Ce Medecin luy disoit quelquesfois par brauade,
le scay bien qu'vn matin vous me chasserez aussi bien que les autres,
niais ie iure Dieu vous ne viurez pas huict jours apres.' Vgl. auch
C. VI, XII; P. XII, 401).
7*
100 MANN,
Note TT, p. 422. Philip des Comines.
Diese aninerkung gibt in gekürzter fassung ohne quellencitat den
inlialt der 'Notiee sur Philippe de Comines' wider, welche Petitot im XI.
bände seines oft genannten Werkes der ausgäbe Comines' voranstellt. Auch
Scott's berufting auf ein gedieht Ronsard's geschieht nur auf grund von
Petitot (vgl. hierzu Petitot XI, 139, anm. 4).
Dass Comines, der 1472 formlich in Ludwig's dienste übertrat, an
seinem ersten herrn zum Verräter geworden, geht zur genüge aus der
Schenkungsurkunde über ländereien hervor, die der könig ihm noch im
selben jähre überschrieb. Darin heisst es nicht nur, dass er sich seit
seinen jungen jähren dem könig gefällig erwiesen habe, sondern es wird
unverblümt ausgesprochen :
'Nostredit conseiller et chambellan, sans crainte de danger, qui
lui en pouvoit lors venir, nous advertit de tout ce qn'il pouvoit pour
nostre bien, et tellement s'employa que par son moyen et aide nous
saillimcs des mains de nos rebelies et desobeissants.'
Der dichter brauchte also dem könig Comines gegenüber die übrigens
nicht einmal erwiesene geschichte, dass Comines einst von Karl mit einem
stiefel gröblich behandelt worden sei (tele boltee, P. XI, s. 1 27), nicht in
den mund zu legen, um dessen übertritt glaubhaft zu machen.
Note X, p. 452. Disguised Herald.
Dass Ludwig einst einen einfachen kammerdiener in heroldsgewand
kleidete und in offizieller eigenschaft absandte, erzählt uns Comines IV,
VII; Petitot XII, 135 ff.
Der übrige teil dieser aninerkung geht, wie Scott selbst angibt, auf
Fernem Blazon of Gentry zurück.
Note Y, p. 482. Attack upon Liege.
Scott folgt hier wie im roman genau seiner quelle: Comines II,
X-XIH; Petitot XI, 4S9 ff.
Man vergleiche ferner: Documents relatifs aux troubles du pays de
Liege, sous les princes-eveques Louis de ßourbon et Jean de Hörne,
publies par P.-F.-H. de Ram. Bruxelles 1 844, in-4°.
Note Z, p. 404. Count of La Marck.
Den Untergang des ebers berichtet Comines V, XVII; P. XII, 280.
Jean de Troyes (Petitot XIV, 105) nennt ihn Guillaumc de la Marche,
dit le Sanglier d'Ardaine. Aus seinem berichte, der sich im übrigen mit
denen der anderen Chronisten deckt, sei die stelle hervorgehoben, die für
Ludwig und seinen wüsten bundesgenossen sehr bezeichnend ist:
'. . . Et pour faire par icelluy Sanglier sa dampnee entreprise,
le Roy luv fist delivrer argent et gens de guerre en grant nombre,
au moyen desquels, et aussi de certaiu nombre de mauvais gar^ons,
larrons et pipeurs, et pillars, qu'il print et assembla tant en la ville
de Paris que en aueuns des villaiges voisines d'icelle ville, jusquee
au nombre de II a III mil, lesquels il fist vestir et habiller de robee
QUENTIN DÜRWARD. 101
rouges, et ä chascune desdites robes dessus la manche senestre y fist
mettre une hure de sanglier . . .'
In dem darauf folgenden kämpfe tötete Wilhelm mit eigener hand den
bischof und Hess dessen leiche nackt auf dem platze vor der Lamberts-
kirche in LUttich öffentlich ausstellen. Erst drei jähre später, 1485, ereilte
ihn die strafe für seine freveltat: er wurde auf kaiser Maximilian^ befebl
enthauptet.
Schluss.
Am Schlüsse meiner Untersuchung angelangt, fasse ich die
ergebnisse derselben in folgende sätze zusammen: Walter Scott
benatzte für seinen roman Quentin Durward als hauptquelle,
wie er ja auch selbst angibt, die memoiren Philipp's von Co-
mines. Daneben leisteten ihm in zweiter linie die Chroniken
des Jean de Troyes und Olivier de la Marche, sowie die ge-
schichtlichen Schriften eines Claude de Seyssel, eines Pierre
Matthieu d'Arvas, eines Gabriel Naud6 und eines Varillas über
Ludwig XL ausgezeichnete dienste. In allen diesen Schriften be-
kundet der dichter eine ausserordentliche belesenheit. Weiterhin
macht er sich zu nutze werke geographischen und encyklopä-
dischen inhalts und für einzelne züge, die er hier und da ein-
flicht, eine anzahl von büchern aus den verschiedensten ge-
bieten der literatur. Da er selbst von den angeführten quellen
nicht alle namhaft macht, ist die benutzung weiterer werke
nicht ausgeschlossen, ja sogar wahrscheinlich, weil der dichter
ausgebreitete antiquarische kenntnisse besass. Andrerseits frei-
lich liebt er es, mit citaten zu glänzen, und versäumt darum
nie, nicht nur die citate seiner quellenschriften gewissen-
haft aufzunehmen, sondern erweckt stellenweise sogar den
schein, als wenn er sie aus seinem eigenen wissensschatz ge-
schöpft hätte.
Die fassung des romanes anlangend, sind dem dichter
einige sachliche fehler, flüchtigkeiten und unwahrscheinlich-
keiten unterlaufen, die bei seiner art zu arbeiten erklärlich sind.
Es ist bekannt, dass allen seinen ungereimten Schöpfungen die
letzte feile fehlt. Dieser tadel soll keineswegs den roman in
seinem wert als künstlerisches ganze herabsetzen. Im gegenteil,
gerade indem ich dem dichter auf schritt und tritt auf seinen
Streifzügen ins mittelalter folgte, bin ich von um so grösserer
hochschätzung für sein werk erfüllt worden, denn es ist be-
102 MANN, QUENTIN DUR WARD.
wunderungswtirdig, wie er es verstanden hat, ans einer menge
unzusammenhängender einzelzüge ein packendes und dabei ge-
treues gemälde einer bewegten zeit zu schaffen. Und getreu
ist dasselbe in der gesammtstimmung sowol wie in der ein-
zelnen ausführung, besonders aber in der Zeichnung der haupt-
charaktere. Das einzige, worin der dichter wesentlich von der
geschichte abweicht, ist, dass er ereignisse, die auseinander
liegen und nichts gemein haben, in innere und zeitliche Ver-
bindung bringt. Heisst der historische roman historisch, nicht
weil er geschichte sein will, sondern nur, weil er seine an-
regung aus der geschichte empfängt, so wird man aus solchen
anachronismen dem dichter keinen Vorwurf machen dürfen.
Die lösung der frage, welche quellen Walter Scott für
Quentin Durward benutzt hat, hat mir hohen genuss gewährt,
denn ich sah den roman vor meinen inneren äugen wider ent-
stehen. Nicht minder anziehend ist die frage, wie der dichter
seine quellen benutzt, warum er in einzelnen fällen von der ge-
schichte abweicht. Die besprechung derselben soll einer ästhe-
tischen betrachtung seiner hauptromane vorbehalten bleiben,
die ich, soweit das möglich ist, auf grundlage der quellen an-
zustellen gedenke.
Dresden. Max Friedrich Mann.
DIE ENGLISCHEN TASSO-ÜBERSETZUNGEN
DES 16. JAHRHUNDERTS.
C. Edward Fairefax' Godfrey of Bulloigne.
'And tvhich of the Golden Rivers fiorveth mbre currently, then
(he silver streame of the English Ariosto? Oh that we had such
an English Tasso!' ruft im jähre 1593 Gabriel Harvey aus, in
einer lobrede auf die englischen schriftsteiler seiner zeit.1 Er
sollte die erftillung dieses Wunsches erleben: auf der wende
des Jahrhunderts erschien eine Übersetzung der Gerusalemme
Liberata, welche den silberstrom des englischen Ariost an wert
und glänz noch weit übertraf:
Godfrey of Bulloigne, or the Recoverie of Jerusalem. Done into Eng-
lish Heroicall verse, by Edward Fairefax Gent. Imprinted at London
by Ar. Hatfield, for J. Jaggard and M. Lownes. 1600. fol.
Gewidmet ist diese Übersetzung der königin Elisabeth, wel-
cher Fairefax die grössten Schmeicheleien sagt, und die er in
ihren alten tagen noch als Towre of goodnes, vertue, bewtie
bezeichnet
Von dem leben des Edward Fairefax wissen wir sehr wenig
nicht einmal sein geburtsjahr konnte bis. jetzt festgestellt werden.
Es war ein — fraglich, ob legitimer oder illegitimer — spross
des hauses, welches im 17. Jahrhundert durch die person des
Thomas, lord Fairfax, CromwelTs freund und kriegsgenosse, be-
rühmt wurde; er lebte still und zurückgezogen auf seiner be-
sitzung New Hall in dem dorfe Fuystone in Yorkshire, seiner
familie und seinen Studien gewidmet, und genoss den ruf und
das ansehen eines gelehrten mannes. Sein tod wird in das jähr
1632, jedenfalls nach 1631, gesetzt Ausser seiner berühmten
Tasso-tibersetzung soll er geschrieben haben: eine 'History of
Edward the Black Prince', welche nie gedruckt wurde2, und
zwölf 'Eclogues', von welchen nur eine, die vierte, gedruckt
104 KOEPPEL,
worden zu sein scheint3; ferner besitzen wir von ihm eine
kulturhistorisch und biographisch gleich beachtenswerte prosa-
schrift, einen ausführlichen bericht über die Verfolgungen,
welche seine töchter von hexen zu erdulden hatten, und über
den verlauf des von ihm gegen diese hexen angestrengten
prozesses.4
Die erste frage, welche wir uns dem Übersetzer Fairefax
gegenüber aufzuwerfen haben, ist : Wie stellt er sich zu seinen
Vorgängern Spenser und Carew?
Was das Carew'sche fragment betrifft — um den weniger
wichtigen teil dieser doppelfrage zuerst zu erledigen — , so ist
von vornherein anzunehmen, dass Fairefax dasselbe kannte.
Hin und wider glaubt man auch den unmittelbaren einflnss
Carew's zu erkennen, wie z. b. an folgenden stellen:
I, 1 Car. Much in his glorious conquest suffred heo.
Fair. Much in that glorious conquest suffred hee.5
I, 50 Car. Readie t' assayle aud to retire at will,
Disordred, scattred, fled, yet fight they still.
Fair. Readie to charge and to retire at will,
Though broken, scattred, fled, they skirmish still.
Auch der bei Carew gertigte fehler betreffs Clotareo (I, 37, vgl.
Anglia XI, s. 337) findet sich, verschieden ausgedrückt, bei
Fairefax; aber doch ist gerade aus den Übersetzungsfehlern
des Fairefax, von, man kann ohne Übertreibung sagen, tausend
anderen Verschiedenheiten abgesehen, mit vollster Sicherheit zu
schliessen, dass er die gewissenhafte, genaue arbeit Carew's)
nicht stets vor äugen hatte. Fairefax hat sich in den 5 ersten
gesängen mehrere, grosse und kleine, versehen zu schulden
kommen lassen, welche bei Carew, mit ausnähme des oben-
erwähnten missverständuisses, vermieden sind. Und dabei
handelt es sich nicht etwa um einfache siiines Varianten, nein,
Fairefax steht dem italienischen text manchmal so gänzlich
verständnisslos gegenüber, ist bei seiner Übersetzung so sehr
auf abwege geraten, dass er Carew's version unmöglich vor sieh
liegen gehabt haben kann; ein blick in dieselbe würde ihn Über
seinen irrtuin aufgeklärt haben. Kiue probe wird den nötigen
beweis liefern. Bei Tasso lesen wir von Clorinda (II, 40):
Sequi le gnerre; e in esse, e fra le sclve,
Fem iigli uoniini parve, uomo alle bclve,
was Carew hart genug, aber richtig verdollmetscht mit:
ENGLISCHE TASSO-ÜBEKSETZUNGEN. 105
She warre ensewes, in whicb, and in forreasts,
Men savage her, man her deeme savage beasts,
während sich Fairefax folgende phantasie leistet:
The Satyres rough, the Fawnes and Fairies wilde,
She chased oft, oft tooke and oft beguilde. *
Von einem einflusse Carew's auf Fairefax — von wenigen
wörtlichen, vielleicht zufälligen Übereinstimmungen abgesehen —
kann somit nicht die rede sein; beide männer fassen ihre auf-
gäbe so verschieden als nur möglich auf. Eine ganz andere
bedeutung hat Spenser für unseren dichter. Dass er sich in
seiner widergabe des 15. und 16. gesanges mehrfach an Spenser's
Übersetzung angeschlossen hat, ist schon öfters betont worden.6
Wir werden erstens häufig an Spenser's Wortlaut erinnert:
XV, 60,3 Or as the Queene of love, new borne and bred
Of th'Oceans fruitfull froth, did first arise.
(= F. Q. II, 12,65)7
61, 1 And her faire locke s, that on a knot were tide,
High on her crowne, she gan at large unfold; •
Which falling long and thicke, and spreading wide,
The ivorie soft and white, inantied in gold.
(= F.Q. II, 12,67)
62,1 With all she sniiled, and she blusht withall.
(=± F. Q. II, 12, 68)
XVI, 9,8 No where appeard the arte whiche all this wrought.
(= F. Q. II, 1 2, 58)
12,1 The joyous birds, hid under greenewood shade,
Sung merrie notes. (= F. Q. II, 12, 71);
zweitens — und das ist der schlagende beweis seiner benutzung
Spenser's — hat Fairefax ein detail, welches Tasso nicht hat,
aus Spenser in seine verse aufgenommen. Tasso's vogel singt
von der verwelkten rose:
Quella non par, che desiata avanti
Fu da mille donzelle e mille amanti (XVI, 14);
Spenser fügt bei, wozu die rose begehrt wurde:
That earst was sought so deck both bed and bowre
Of many a lady, and many a Paramowre
(F.Q. II, 12,75).
und ebenso Fairefax:
Nor seemes the same, that decked bed and bonre
Of many a ladio late, and paramoure. .
Mit der erwähnung dieser unwesentlichen anleihen bei
Spenser wird man jedoch der Wirkung des gefeierten dichters
auf' Fairefax keineswegs gerecht. Dieser ist vielmehr, im
%
106 KOEPPEL,
i
vollsten sinne des Wortes, ein schttler Spenser's, wie der möneh
von Bury der schttler Chaucer's war. Wir finden die sparen
seiner gründlichen kenntniss, seines Studiums der Spenser'schen
dichtungen in seinem Wortschatz, in seiner metrik, in seinen
dichterischen formein und bildern. Der beweis für den einfliiss
Spenser's auf Fairefax' Wortschatz lässt sich freilich insofern
nicht mit unanfechtbarer Sicherheit führen, als die meisten der
uns an Spenser erinnernden veralteten Wörter8 auch noch von
anderen zeitgenössischen dichtem hin und wider gebraucht
werden; besondere beachtung verdient jedoch, dass das seltene
wort yond, wie bei Spenser (F. Q. II, 8, 40; III, 7, 26), auch bei
Fairefax erscheint:
Nor those three brethren, Lombards fierce and yond (I, 55).
N ^s Deutlicher tritt uns die nachahmung Spenser'scher eigen-
\ • ttimlichkeiten auf dem gebiete der metrik entgegen. Fairefax
hat seinem vorbilde manche der archaisierenden metrischen
licenzen abgesehen:
a) im versinnern
1. das silbenbildende -en als endung des plur. ind. praes.9
und des inf.10,
2. das präfix y- des pari praet.11;
b) im reime
1. plur. ind. praes. auf -nen und inf. auf -we18,
2. schwache substantiv-plurale auf -neu.
Wie in dieser auf wort und vers ruhenden archaistischen
färbung, wird uns auch in dem überreichen schmucke, mit
welchem Fairefax das italienische original bedacht hat, in
den von dem Übersetzer eingefügten bildern, gleichnissen und
anderen einzelheiten das walten des Spenser'schen geistes nicht
selten fühlbar. Natürlich ist auch hier allgemeines, den dich-
tem der ganzen periode gemeinsames, auszuscheiden. Wenn
wir finden, dass Fairefax seine verse bis zum überdruss mit
den typen der klassischen mythologie füllt, dass ihm die sonne
stets Titan, Phoebus oder Hyperion, der mond Ginthia oder
Phoebe, der ozean Neptun oder Thetis ist, dass er nicht vom
kriege ohne Mars, Bellona, nicht von liebe ohne Cupid sprechen
kann, so erkennen wir hierin allerdings eine eigensehaft der
Spenser'schen werke, zugleich aber auch eines der aufdring-
lichsten merkmale der renaissancedichtung überhaupt Doch
werden wir uns selbst bei diesem herkömmlichen mytho-
ENGLISCHE TASSO-ÜBERSETZUNGEN. 107
logischen zierrat hin nnd wider der nähe Spenser's bewusst.
Dieser liebt es, bei tagesanbruch die rosenfingrige Aurora er-
rötend dem lager des greisen Tithonus entsteigen zu lassen15;
Tasso benutzt diese formel an keiner stelle und doch lesen
wir bei Fairefax:
I rose and journayd on my way direct,
When blushing morne from Tithons bed foorth came (XII, 37)
The rosie fingred morne with gladsome ray,
Rose to her taske from old Tithonus lap (XV, 1).
Ausser der heidnischen götterlehre entlehnen Spenser und Faire-
fax auch der bibel manche illustration, wobei sich wider eine
Übereinstimmung zwischen meister und schüler ergibt. Spenser
vergleicht, in erinnerung der worte des psalmisten (ps. 19, 6),
die aus den toren des himmels tretende sonne einem bräutigam
(F. Q. I, 5,2); — ähnlich sagt Fairefax, durchaus verschieden
von Tasso:
Aurora bright her cristal gates unbard
And bride-groome-like forth stept the glorious sunne (I, 71).
Auch für den sonstigen, profanen bilderschmuck seiner be-
arbeitung der Gerusalemme scheint Fairefax noch des öfteren
aus der gleichnissfülle der F.Q. geschöpft zu haben. Bei Spenser
leuchten die äugen sowol des drachen, den der Rederosse knight
bekämpft (1, 11, 14), als auch des einen peinigers der Mirabella
(VI, 7, 42) wie die waraungsfeuer (beacons), welche die männer
zu den waffen rufen. Fairefax verwendet dieses bild für die
äugen des höllenfürsten:
His eyes, that füll of rage and venome swell, •■
Two beacons seeme, that men to armes assemble (IV, 7),
während Tasso denselben den glänz eines unheilverkündenden
kometen verleiht. Spenser bedient sich zweimal (II, 4, 11; III,
7, 34) — an beiden stellen meines erachtens nicht mit gewohn-
tem glück und gesc&ick — des bildeö'-der gehemmten, die ufer
überschwemmenden flut; Fairefax vergleicht ihr die wut des
Rinaldo: k
• His bridled furie grew thereby more feil,
So rivers stopt, above their banks doe swell (III, 53),
und des Argante:
These worthies strove to stop him, but iu vaine,
With these strong lets increased still his ire,
Like rivers stopt, or closely smouldred fire (VII, 108).
108 KOEPPEL,
Ausserdem begegnen sich die beiden dichter noch in folgenden
bildern: ein geränsch erinnert sie an das summen der schwär-
menden bienen16; der besiegte held stürzt zu boden, wie ein
zerschmetterter türm17; ein blutbad wird dem hinschlachten
von schafen verglichen18; die feinde erschrecken beim anblick
des helden, wie tauben beim nahen eines raubvogels10; der
gegner wird vom schwert zerstückt, wie der bäum vom messer
des gärtners20; sorglose menschen ähneln den fliegen, welche
der kälte des winters nicht gedenken.21 Auch einer geschmack-
losigkeit des Fairefax lässt sich aus den werken des grösseren
dichtere ein gegenstück zur seite stellen: wenn jener die schöne
Sofronia als einen mit reichem, aber nicht zum verkaufe aus-
gelegtem stoif gefüllten laden bezeichnet22, so ist das nicht
schlimmer, als wenn Spenser in die Übersetzung eines Tasso-
schen sonetts zwei zeilen einschiebt, des inhalts, dass der
busen der geliebte einer mit kostbarem gut beladenen barke
gleiche.23
. Bei mancher unwesentlichen einzclheit, durch welche sich
Fairefax von Tasso unterscheidet, scheint er ebenfalls auf den
spuren Spenser's zu wandeln. So erwähnt er, gänzlich un-
motiviert, das kaspische meer, was uns verständlich wird, wenn
wir berücksichtigen, dass auch Spenser widerholt dieses meeres
gedenkt24; Spenser nennt in der Schilderung der grotte des
mammon die harpye Celeno, Fairfax bezeichnet die harpyen
als Cilenos rout2b; der körper ist ihm, wie Spenser, der käfig
der seele26; wenn er, unpassend genug, die erschlagenen
Christen mit bleiernen sargen bedenkt, fällt uns Spenser's
häufiges 'tvrapt in lead' ein27; Spenser lässt bei Turtnagant
und Mahound schwören, und auch bei Fairefax erscheinen die
beiden götzen in einer zeile2*, in welcher der italienische text
nur Macometto bietet; das ungeheuer, auf welchem Spenser's
Duessa reitet, reisst mit seinem schweife die gestirne vom
himrael — das gleiche berichtet Fairefax von den geistern
der hölle.-«»
Schliesslich ist noch zu betonen, dass sich Fairefax für
seine ganze dichterische tätigkeit Spenser's schaffen zum muster
genommen hat. Spenser hat die englische literatur um ein in
seiner art einziges epos bereichert — Fairefax tat, nach dem
masse seiner kräfte, sein möglichstes, indem er seinem volke die
kenntniss eines hochberühmten fremdländischen epos erschloss.
ENGLISCHE TASSO-ÜBBRSETZUN6EN. 109
Spenser hat in dem Shep. Cal. einen cyklus von zwölf eklogen,
nicht nur erotischen, sondern auch satyrisch-didaktischen inhalts
geliefert — von Fairefax hören wir, dass er seine anschauung
und beurteilung seiner zeit ebenfalls in zwölf eklogen nieder-
gelegt habe. Noch mehr — Spenser erzählt in der Mai-ekloge
die traurige mähre von dem leichtsinnigen zicklein, das sich
von dem schlauen fuchs betören lässt und ihm zum opfer fällt;
der kommentator "E. K. bemerkt, dass diese fabel als eine
warnung für gute, schlichte Christen gemeint sei, sich ja nicht
mit den falschen und treulosen papisten einzulassen. Fairefax
berichtet in der einzigen gedruckten ekloge, der vierten, die
leidensgeschichte eines . lammes, das, von dem heimtückischen
fuchs verführt, von einer tötlichen krankheit befallen wird,
welche nur durch das blut des heiligen lammes geheilt werden
kann. Dass Fairefax ein strenggläubiger Protestant war, wissen
wir aus seinem eigenen munde30: die beiden allegorien stehen
sich somit, wenn auch verschieden ausgeführt, dem religiösen
Grundgedanken und der einkleidung nach sehr nahe.
Wenn wir nun, nachdem wir Fairefax, verhältniss zu seinen
Vorgängern erörtert haben, daran gehen, seine Stellung zu Tasso
zu beleuchten, so ist vor allen dingen zu rühmen, dass er das
metrum des Originals, die ottava rima, beibehalten und im ganzen
mit grossem geschick gehandhabt hat Von dem plane des ge-
dichtes ist er nicht abgewichen, er hat sich keine kürzungen
und erweiterungen desselben erlaubt, und seine eigenmächtigste
handlang in dieser hinsieht ist, dass er sich in der widmungs-
und huldigungsstrophe (1, 4) statt mit Tasso an den magnanimo
Alfonso, an die noble Princes im allgemeinen wendet. Aber
diese seine treue im grossen bewährt sich im kleinen nicht;
schon aus dem bisher gesagten ist hervorgegangen, dass Faire-
fax im detail nichts weniger als ein sorgfältiger, getreuer Über-
setzer war* In der tat fehlt ihm für diese rolle die conditio
sine qua non — eine gründliche kenntniss der italienischen
spräche. Die hilfsmittel für die erlernung des fremden idioms
— deren es damals in England schon eine ziemliche anzahl
gab31 — waren ihm entweder in seiner ländlichen abgeschieden-
heit nicht zur hand, oder er hat sie nicht genügend benutzt —
gewiss ist, dass ihn die geringste sprachliche Schwierigkeit
zu fall bringt, und dass er sich fehler jeder art zu schulden
kommen lässt. Manchmal genügt schon ein wort, um seine
110 KOEPPEL,
rege phantasie auf eine falsche fährte zu leiten. Vergleichen
wir folgende stelle in original und Übersetzung (III, 32):
Tal gran tauro talor neu' ampio agone,
Se volge il corno ai cani, ond' e seguito,
S' arretran essi
As the swift Ure by Volgacs rolling flood
Chas'd through the plaines the mastive curres toforne,
Flies to the succour of some neighbor wood . . .
so wird sich der Zusammenhang zwischen Tasso's volge und des
Engländers überraschender Volga schwerlich in abrede stellen
lassen. An vielen stellen ist ihm der sinn dunkel geblieben
und er hat sich in folge dessen auf's raten verlegt. Bei Tasso
entdeckt die verliebte Erminia dem himmel ihre flammen, bei
Fairefax wirft sie durch den glänz ihrer Schönheit leuchtende
strahlen (VI, 103); der italienische Orcano sagt, dass Argante
mit tod drohe und die Wahrheit nicht hören wolle, der eng-
lische, dass der ritter entrüstet sei, mit nahem tode bedroht zu
werden (X, 46); Tasso lässt im schlösse der Armida Schlummer
regnen, Fairefax blätter (X, 63); jener bezeichnet den Rinaldo
als einsamen liebenden, dieser gesellt ihm einen falschen ere-
miten, namens liebe (XVI, 26) u. s. w. Sehr häufig — man
möchte fast sagen, mit einer gewissen hartnäckigkeit — spricht
Fairefax in solchen fällen gerade das gegenteil von dem aus,
was Tasso meint. Tasso's grimmiger Thracier, dem die beute
abzujagen ist, verwandelt sich bei ihm in das leidvolle Thra-
cien, welches den Ismaeliten abgenommen werden muss (I, 5);
wird im Italienischen Erminia auch schlafend von ihrer liebe
gepeinigt, so lässt Fairefax im gegenteil den Schlummer der
schönen von dem liebesgott, seiner mutter und den grazien be-
wachen und schützen (VII, 4); im original lesen wir, dass die
Araber das christliche beer von der meeresküste abschneiden —
in der Übersetzung, dass dieses jenen den weg versperrt (IX, 7);
betont Tasso, dass Lesbin's kiun noch ohne flaum war, so
stattet Fairefax den liebling des sultans mit einem bärtchen
aus (IX, 81); die italienische Armida erklärt, sie wolle zu dem
könig von Egypten eilen, bevor er aufgebrochen sei — die
englische, sie wolle nicht gehen, bis er sich in bewegung ge-
setzt habe (XVI, 72); Rinaldo wird, zum unterschied von den
anderen rittern, im zauberwalde nicht von donner, sondern von
gesang begrüsst, bei Fairefax bekommt er einen bäume er-
schütternden donnersehlag zu hören (XVIII, 19) u. s. w.3*
ENGLISCHE TASSO-ÜBBRSETZUNGRN. 111
Selbst die mühe des ratens, des angelns nach dem mög-
liehen sinne des italienischen textes hat sich unser freund nicht
immer gegeben. Statt sich über eine schwierige stelle den
köpf zn zerbrechen, zieht er es vor, Tasso's verse ganz bei
seite zu lassen und die atrophe mit seinen eigenen gedanken
und worten zu, füllen. Man vergleiche:
II, 55 Dura division! scaccia sol quelli
Di forte corpo e di feroce ingegno;
. Ma'l mansueto sesso, e gli anni imbelli
Seco ritien, siccome ostaggi in pegno.
A hard division, when the harmlesse sheepe
Must leaye their lambes to hungrie wolves in Charge,
But labour's vertues watching, ease her sleepe,
Trouble best winde that drives salvations bärge.
XVIII, 13 Ha il suo gran carro il di; le anrate stelle
Spiega la notte e 1' argen tata luna:
Ma non e chi vagheggi o questa o quelle;
£ miriam noi torbida luce e bruna,
Che un girar d' occhi, un balenar di riso
Scopre in breve confin di fragil viso.
Day hath his golden sun, her moon the night,
Her fixt and wandring stars the azure skie,
So framed all by their creators might,
That still they live and sinne, and never shall die,
Till (in a moment) with the last daies brand
They burne, and with them burnes sea, aire and lande.
Beispiele dieser art Hessen sich häufen33, aber das mitgeteilte
genügt,' uns zu beweisen, dass sich Fairefax seine sache leicht
gemacht hat, und dass wir, falls wir nur der stimme des philo-
logischen gewissens lauschen wollten, des bedenklichen kopf-
schüttelns kein ende finden könnten.
Aber auch ohne dass wir an unübersteigliohe sprachliche
hindernisse und Übersetzungsfehler zu denken haben, sehen
wir Fairefax oft genug auf nach eigenem belieben gewählten,
einem gewissenhaften interpreten verbotenen wegen wandeln.
Folgen wir ihm auf denselben, so fällt uns vor allen dingen
seine neigung auf, das von Tasso gebotene noch in die höhe zu
schrauben, seine vorläge in noch kräftigeren, dickeren strichen
widerzugeben. Diesem hange fröhnt er im kleinen und grossen:
von der harmlosen Steigerung der zahl der vor dem Marienbild
brennenden lichter — Tasso spricht von einer fackel, Fairefax
von hundert lampen (II, 5) — bis zu der unsinnigen hyperbel,
112 KOEPPEL,
dass, nach der erstürmung der mauern Jerusalems, die fluten
vor freude in die bände klatschen und die bäume auf den
bergen tanzen.34 Tasso's Aladin entbrennt in grimmem zorn
gegen den Wächter, der ihm das verschwinden des heiligen-
bildes meldet — bei Fairefax tötet er ihn (II, 8); der Schilde-
rung der höllischen ungeheuer fügt er noch bei, dass die einen
die um ihre schultern hängenden schlangen zernagen 3&, andere
dem himmel mit ihren zackigen schweifen seine sterne ent-
reissen; tut Tasso sein möglichstes, indem er Rinaldo dem
kampfbereiten kriegsgott vergleicht, so tibertrumpft ihn der
Engländer noch mit der bemerkung, dass die blickte des beiden
dem grossen Mars selbst furcht eingeflösst haben würden (V, 44);
Vafrin, der schon bei Tasso ziemlich ketzerische ansichten über
die frauen hegt, findet bei Fairefax in ihren Worten den tod, in
ihrem lächeln die hölle (XIX, 84). Im allgemeinen ist Faire-
fax jedoch höflich gegen das zarte geschlecht, und wenn von
schönen frauen die rede ist, erklingt sein lob so Überschwang-
lieh, dass er sich auch hier, nicht zu seinem vorteil, über sein
vorbild erhebt und noch süsslicher, noch gezierter wird als
Tasso, obwol dessen erotische stellen reichlich genug mit con-
cetti beflittert sind. Ich will nur Fairefax' zutaten zu der schon
bei Tasso stark gewürzten Schilderung der reize Ännidens in
kürze berühren. Er vergleicht sie der marmorstatue der Venus
zu Cnidos (IV, 29); ihre errötenden lippen küssen sich, so oft
sie sich schliessen (IV, 30); ihre tränen sind Hektar, der aus
dem destillirhelm ihrer diamantenen äugen flieset, in jedem
tropfen badet sich eine unsichtbare grazie36; ausserdem ist die
weinende schöne umflogen von sechzig amoretten, welche den
saft auffangen, und aus jedem tropfen entweder einen neuen
pfeil schmieden, oder den krystallenen ball als wildfeuer gegen
rebellische herzen schleudern37; ihre blicke sind die pfeile des
liebesgottes, ihre äugen seine köcher (V, 61). Ein gewisses
gegengewicht dieser anhäufung von süsslichkeiten bietet Faire-
fax, indem er sich an den galanten stellen etwas derber und
deutlicher ausdrückt als Tasso.38
Eine weitere Verschiedenheit zwischen original und Über-
setzung ergibt sich dadurch, dass Fairefax mit dem italienischen
text nicht haus zu halten versteht, dass er unzählige male den
silhen- und Zeilenbedarf seiner verse und Strophen nicht mit
ihm zu decken vermag. Er hilft sich dann auf mehrfache weise.
ENGLISCHE TASSO-ÜBERSETZÜNGEN. 113
Als einfachstes auskunftsmittel boten sich ihm natürlich epitheta
ornantia, welche er mit Vorliebe39 und zum teil sehr glücklich
verwendet. In den folgenden zeilen möchte wol niemand die
in Wahrheit schmückenden beiwörter missen:
I, 33 This done, report displaies her teltale wings,
And to each eare the newes and tidings brings.
IX, 66 And towards hell their lazie wings display.
Weder ftlr die schwingen der geschwätzigen fama, noch
der widerwillig zur hölle entweichenden geister konnten sich
passendere epitheta finden lassen. Genügen einzelne Wörter
nicht, so führt er eine andeutung Tasso's weiter aus und er-
gänzt dessen knappe striche zu kleinen, teilweise reiz- und
lebensvollen bildern. Während Tässo Clorinda mit ziemlich
nüchternen Worten zu der verhängnissvollen waldquelle führt,
zeigt sie uns Fairefax, wie sie den kühlen hauch des windes
mit dem netz ihrer gelösten haare auffängt (1, 47); die meidung,
dass sich die Christen waffnen, belebt er, indem er die masse
in mehrere gruppen mit verschiedener ausrüstung gliedert40;
vergleicht Tasso die Clorinda der pfeilsendenden Jungfrau von
Delos, so bringt uns Fairefax die tochter der Latona vor äugen,
wie sie Niobe und deren kinder tötet41; ist von dem zauber-
wagen der Armida die rede, so versäumt er nie, das drachen-
gespann desselben zu erwähnen (XIV, 68; XVI, 69).42 In viel
reicheren färben als Tasso pflegt der Engländer das anbrechen
des tages zu malen. Die goldene sonne entsteigt der silbernen
welle43; spricht schon Tasso von der rosenstirne und den gol-
denen füssen des morgens, so wirft ihm Fairefax noch einen
silbermantel um44; auf seiner silberkrone trägt der morgen der
sonne goldstrahl.4* Wunderschön sagt Fairefax:
with purple wings upflew
In golden weed the mornings lustie queene (XVIII, 15);
dagegen steigert sich diese pracht der färben zu geschmack-
loser Verschwendung, wenn er den purpurnen morgen dem
hochroten lager entsteigen und die zinnoberroten gewänder
umnehmen lässt.46
Leider ist es dem Übersetzer jedoch nicht immer gelungen,
seine verse mit schmückenden beiwörtern und miniaturen zu
füllen. Er greift nur zu oft zu dem rein mechanischem hilfs-
mittel, Synonyma und andere Wörter — substantiva, adjectiva,
verba — aneinander zu reihen, bis er den vers auf die richtige
Anglift, XU. band 8
114 KOEPPEL,
silbenzabl gebracht hat. Die zahl dieser plumpen häufungen
ist legion; ich gebe im nachstehenden stets nur ein beispiel
von jeder Wortklasse. Am mildesten tritt diese krank hei t in
der erscheinungsform auf, welche uns aus den reden des auf-
geblasenen Sir Robert Hazlewood in Walter Scotts 'Guy Man-
nering ' bekannt ist — als triadensucht:
Blood, murder, death, each streete, house, church de-
filde (XIX, 30)«
Untill at last im markt, unview'd, unseene . . .
Within bis side he sheath'd his weapon kccne (IIT, 45)48
Hierusalem (behold) appeer'd in sight,
Ilierusalem they view, they see, they spie (III, 3) 4Ö
Nicht minder beliebt ist bei Fairefax die vierzahl:
Your disobedience
liefer I justly to a further spring,
Spring of sedition, strife, oppression, tort,
I meane cominanding powre to sundry given,
In thought, opinion, wortb, estate, uneven (I, 30)50
His robes were such as best beseenien might
A king so great, so grave, so rieb, so old (XVII, 10)M
On ereric liart tlius sbone this lustfull sonne
All strove to serve, to please, to wowe, to love her
(IV, 88) "
Auch fUnfgliedrige wortreihen gehören nicht zu den Seltenheiten :
Egypt tbe beadland is, where lieaped lies
Tby fame, wortb, justice, wisedome, victories (II, 62)M
It was a cave high, wide, large, ainple, plaine,
With goodly rooines, halles, Chambers, galleries (XIV, 48) M
It fild bis hart with malice, strife and hate,
It made him rage, blaspheme, sweare, curse and ban
(V, 18)65.
Mit sechs gliedern, wie z. b.:
And sweet breath'd Zephire on bis spreading wings
Slcepe, ease, repose, rest, peaceand quiet brings(XIV,l)M
Amas'd, asham'd, disgras'd, sad, silent, trist,
Alone he would all day in darknes sit (XIII, 20)
Ismen dead* bones laid in cold graves that warmes
And inakes them speake, smell, taste, touch, see and
beere (II, 1)
hat dieses flicksystem für adjeetivum und verbum seinen höhe-
punkt erreicht, während es Fairefax auf dem gebiete der sub-
stantiva glücklich so weit gebracht hat, sieben, acht, ja neun
Wörter in eine zeile zu pressen:
ENGLISCHE TASSO-ÜBERSETZUNGEN. 115
And thence to raoisteu all the earth, he brings
Seas, rivers, flouds, lakes, fountaines, weis and
Springs (XIV, 37)
Then bend thine eies on yonder earth and mould,
All in that masse, that globe, and compasse see,
Land, sea, spring, fountainc, man, beast, grasse and
tree (XIV, 9)
To know all things that God had fram'd or wrought,
Fire, aire, sea, earth, man, beast, sprite, place and
time (XIV, 45)
Die nachteile dieses Verfahrens liegen auf der band: der Über-
setzer wird zu unerträglichen tautologien veranlasst, und der
leser wird allzu oft an die mühe des verseschmiedes erinnert.
Dass der hauptgrund dieser häufungen in der tat in einer ge-
wissen ermattung und hilflosigkeit des dichtere zu suchen ist
— wenn auch nicht zu leugnen ist, dass sein ohr an verschie-
denen derselben, vor allem an dem dreiklang, gefallen fand57 — ,
wird dadurch bewiesen, dass ihre zahl gegen das ende der
arbeit mehr und mehr wächst, so dass wir sie im 20. gesang
als einen hässlichen makel der Übersetzung empfinden. Wäh-
rend es in den früheren gesängen eine Seltenheit ist, wenn sich
in einer strophe zwei derartige wortreihen finden, stossen wir
im letzten gesang auf Strophen mit zwei, drei, ja vier zeilen
solch unkünstlerischen Stückwerks:
Rinaldo came, whose furie, haste, and ire,
Seem'd earthquake, thunder, tempcst, storme and fire
(XX, 57)
Their captaine, clad in purple, and in guuld,
That seemes so fierce, so hardy, stout and strong . . .
What can he do, (though wise, though sage, thoughbould)
In that confusion, trouble, thrust and throng? (ib. 17)
With horrour, feare, amazednesse and dreed,
Cold were the harts of all that saw the fray,
And Soliman (that view'd that noble deed)
Trembled, his palenesse did his feare bewray;
For in that stroake he did his ende arreed,
He wist not what to thinke, to doe, to say,
A thing in him unnsed, rare and stränge,
Bat so doth heav'n mens harts turne, alter, change
(ib. 104)58.
Die bisher besprochenen eigentümlichkeiten der Fairefax-
schen version haben den leser gewiss bereits erkennen lassen,
welch verändertes aussehen Tasso im englischen gewande hat.
8*
116 KOEPPBL,
Gleichwol haben wir der bedeutsamsten Verschiedenheit zwischen
original und Übersetzung ej*st noch zu gedenken: der grösseren
bildlichkeit im Englischen und der fülle von Sprichwörtern,
vergleichen und gleichnissen, welche Fairefax, nach dem ge-
schmacke seiner zeit und seines Volkes, eingestreut hat In der
Verwendung des volkstümlichen elementes werden wir häufig
an Chaucer's widergabe von Boccaccio's Filostrato erinnert. Es
ist sehr ergötzlich zu beobachten, wie sich in den glatten und
sorgfältig über das gewöhnliche erhobenen werken der Italiener
der derbere englische geist geltung verschafft hat. Stellen wir
uns auf diesen historischen Standpunkt, so sind wir gar nicht
entrüstet, wenn die bereitwilligkeit Aladin's, die Christen zu
strafen, mit
A staffle to beate that dog he long had sought (II, 11),
die freude des Artemidoro über das loos, welches ihn zum
kämpen Armidens bestimmt, mit
Doubtlesse the Countie thought his bread well baken (V, 73),
die Verzweiflung der letzteren nach der verlorenen schlacht mit
[The dame] Thought, now her field lay wast, her hedge lay downe
(XX, 116)
ausgedrückt wird 59 — Wendungen, welche Fairefax von späteren,
verfeinerten kritikern schwer verübelt wurden. Das übermass
des bildlichen ausdruckes aber wirkt wol auf jeden ermüdend:
es ist dem dichter fast unmöglich, die dinge schlecht und recht
bei ihren namen zu nennen, und seine rege phantasie lässt ihn
um tropen aller art nie verlegen sein. So sind ihm die Sterne
die kleinen kerzen des himmels (IX, 10), die funkelnden, zum ver-
kauf ausgeschütteten diamanten der nacht (IX, 14), die lampen
in Jupiter's palast (XVIII, 12) 60; das meer ist ihm der Spiegel
des himmels (XV, 9), Jerusalem Israel's schönste tochter (1, 81).
Flösst Tasso's Soliman seinen Soldaten mut ein, indem er ihnen
sagt, dass der grössere teil des christlichen heeres zu gründe
gegangen sei, so spricht er bei Fairefax von hefe und ausge-
laufenem wein (IX, 18); Aladin's befehl, alle Christen zu töten,
damit der schuldige nicht entrinne, ergeht bei Tasso in scharfen,
klaren Worten, in der Übersetzung ist von dem ausschütten ver-
gifteten weines, dem ausrotten eines mit unkraut bedeckten
feldes und von einem mit dornen überwucherten weinberg die
rede61; in gänzlicher ab weichung von Tasso lässt Fairefax
seinen Oodfrey klagen, dass mit dem von Argante erschlagenen
ENGLISCHE TASSO-ÜBERSETZUNGEN. 117
Düdone ihr schiff den mast, ihr wagen die räder, ihre Speere
die spitzen, und der siegesvogel seine hauptfeder verloren hätten
(III, 69); Aletes fordert den föhrer der Christen auf, mit seiner
unbesiegten hand den kostbaren henkel des bechers der liebe
zu ergreifen.62 Die ganze rede des Aletes ist sehr beachtens-
wert, sie strotzt von tropen, bildern und gleichnissen; Fairefax
hat mit ihr sichtlich ein prachtstück seiner redekunst liefern
wollen. Die fülle des gebotenen, der reichtum seiner phantasie
ist gewiss erstaunlich, wenn auch nicht immer bewundernswert,
da er hin und wider in der wähl seiner Illustrationen fehlgreift.
So ist es z. b. wenig geschmackvoll, wenn er betreffs des helm-
schmuckes der Clorinda, einer tigerin, bemerkt, dass man an
diesem zeichen das schöne Wirtshaus zu erkennen pflegte:
By which bright signe well knowne was that faire Inne (11,38).
Betreffs der vergleiche und gleichnisse der Übersetzung ist
vor allem noch zu betonen, dass sich Fairefax dem guten und
schönen gegenüber, welches ihm das original in dieser hinsieht
bot, sehr kritisch und ablehnend verhält. Nicht selten ändert
er Tasso's bilder, verbessert sie, nach seiner ansieht — eine
ansieht, die wir freilich nicht teilen können. Erscheint uns
schon bei einem blick auf folgende zeilen:
IV, 72 Se non mi vedi ancor del regno priva,
Qual vittima al coltello andar cattiva;
My kingdome lost, and lastly restetb now,
Downe with the tree, sith broke is every bow,
Tasso's vergleich als der schönere und in Armidens mund
passendere, so können wir uns vollends gar nicht freuen, wenn
Fairefax Tasso's schlichtes und treffendes bild, dass sich die
singenden Christen um die lärmenden heiden nicht mehr küm-
merten, als um eine geschwätzige vogelschaar, aufgibt und
dafür schwülstig sagt:
' So with Apolloes harpfe Pan tunes his reed,
So adders hisse, where Philomela sings (XI, 13).
Er scheint entschieden der meinung zu sein, dass der Italiener
diesen schmuck nicht in richtiger weise63 und viel zu spar-
sam verwendet. Deshalb hat er sich auch nicht mit einigen
Umformungen des vorhandenen begnügt, sondern hat noch
eine anzahl von gleichnissen eigener oder doch englischer
mache eingeflochten. Ein gemeinsames merkmal derselben ist
— von den landläufigen kurzen vergleichen wie like velvet soft
118 KOEPPBL,
ß
(XIII, 38); fierce (XVII, 28), hot (ib. 52), as fire; swifl as winde
(XVII, 28), as thought (XX, 93); bright as sunne (XVIH, 5), as
shining glas (ib. 64) etc. ganz abgesehen — ein gemeinsames
merkmal dieser gleicbnisse ist ihre knappe, gedrängte fassung.
Einmal erlaubt sich Fairefax vier zeilen, indem er Erminia,
die ihren kummer nicht ihrer liebe, sondern anderen gründen
zuschreibt, dem vogel vergleicht, der, um die suchenden irre
zu führen, fern von seinem neste schreit64; in den meisten fällen
jedoch räumt er seinen Zusätzen nur eine, mit besonderer Vor-
liebe die letzte zeile der Strophe ein, der er stets grössere Sorg-
falt zuwendet, um einen wirkungsvollen schluss zu erzielen.65
Er bleibt übrigens nicht während der dauer der ganzen Über-
setzung in solch angeregter, schaffensfreudiger Stimmung, welche
ihn zwingt, dem fremden werke seine gedanken aufzudrängen;
die zweite hälfte seiner arbeit unterscheidet sich in dieser hin-
sieht merklich von der ersten. Die anfangs so reichlich spru-
delnde quelle versiegt allmählig, so dass wir in mehreren der
letzten gesänge gar keiner derartigen zugäbe des Engländers
begegnen.
Den stoff seiner vergleiche und gleichnisse entlehnte Faire-
fax der bibel, dem griechisch-römischen altertum, besonders der
antiken götter- und heldensage, und der natur, mit bevorzugung
der tier- und pflanzenweit. Die heilige schrift ist nicht stark
benutzt: Ismen, der zauberer, tritt dem heidenkönig als berater
zur seite, wie Achitophel dem Absalon (II, 2); ein fluss teilt
sich, wie einst das rote meer und der Jordan (XIV, 36).66 Weit
anspruchsvoller tritt uns das mythologische element entgegen,
aufdringlicher als bei Tasso, der auch hier mass zu halten
versteht. Fairefax vergleicht seine beiden dem zornigen Mars
(III, 33), dem söhne des Peleus (ib. 37); den Rinaldo, nach Virgil,
dem die winde scheltenden und bändigenden Neptun (ib. 52);
auf den mauern Jerusalems erglänzt Clorinda in silberner
rüstung wie Cinthia (XI, 27); die liebe besitzt die verwundende
und heilende kraft der lanze des Achilles (IV, 92).67 Auch
seine kenntniss der topographie des altertums ist verwertet:
den lüsternen gedanken, der sich die verhüllten reize der Ar-
mida ausmalt, vergleicht er dem Sonnenstrahl, der durch die
wellen des Tagus zur goldkammer des flusses dringen will
(IV, 32); die riesengestalt Soliman's ragt empor, wie zu Rhodus
der koloss der sonne (XI, 27); der sturmbock zerschmettert die
ENGLISCHE TASSO-ÜBER SETZUNGEN. 119
t
mauern, wie einst der fall des berges Taigetus die stadt Sparta
(XI, 38).68 Am zahlreichsten sind die der tier- und pflanzen-
weit entnommenen vergleiche, doch sind dieselben vollkommen
frei von den absurditäten des euphuismus, der für Fairefax ein
überwundener Standpunkt ist. Ein einziges mal streift er die
zoologische fabel: Armida verhält sich den vorschlagen ihres
oheims gegenüber wie die natter, welche sich die ohren ver-
stopft, um die Zaubersprüche nicht zu hören (IV, 47). Im
übrigen operiert er einfach mit löwen, wölfen und schafen,
mit adlern, tauben, weihen, habichten und krähen, mit bienen
und fliegen, mit cedern, ulme und rebe u. s. w.69 Einige seiner
bilder lassen ein aufmerksames beachten der erscheinungen
der unbelebten natur erkennen: die himmlischen heerschaaren
dehnen sich in kreisen aus, wie von einem stein bewegtes,
stilles wasser (XVIII, 96); Erminiens hoffnung gleicht einem
von der sonne ausgetrockneten graben, ihre liebe einem berg,
der von der erinnerung an Tancred's wert und rühm be-
schienen wird.70 In das Wunderland des Ostens, nach Indien,
blickt er, indem er griechische treue dem halbdurchsägten
bäume vergleicht, der zum fang der elephanten dient (ü, 72);
die moderne kriegskunst leiht ihm das bild von zwei aus einer
kanone fliegenden kettenkugeln — Argante und Clorinda, die
vereint auf die Christen losstürmen (IX, 54); echt englisch ist
es, wenn er das abgeschlagene haupt des Alarco wie einen
fussball über das gras rollen Jässt.71
Im allgemeinen können wir der gewandtheit, mit welcher
Fairefax seine gleichnisse in das original einfügt, unsere an-
erkennung nicht versagen. Hin und wider lässt er sich aber
doch von seiner Vorliebe für diese art des redeschmucks über
die grenzen des passenden und sinnfälligen locken. So wirkt
es unwiderstehlich komisch, wenn er den Egypter Aletes, der
geringer leute kind, zu hohen würden emporstieg, einer dem
dornbusch entsprossenen rose vergleicht, und diese rose in den
nächsten zeilen mit den ehrentiteln Schmeichler, fuchsschwänzer
lügner belegt72 Einer groben widersinnigkeit macht er sich
schuldig, indem er den eintritt des Soliman in eine enge und
niedrige höhle mit der bemerkung begleitet:
So creepes a cameil througb a needies eye (X, 33).
Der sinn des bekannten bibelwortes, welches Fairefax vor-
schwebte, ist natürlich, dass ein kameel eben nicht durch ein
120 KOEPPEL,
nadelöhr passieren kann, während der sultan ganz ungehindert
die höhle betritt und durchschreitet.
So verlieren wir, unter Fairefax* ftihrung, Tasso's text sehr
oft gänzlich aus den äugen. Selten werden wir durch die wähl
der Wörter an die italienische vorläge erinnert; Fairefax hat
sich nicht, wie so viele seiner Zeitgenossen, durch die fremde
spräche zu gewagten neubildungen verleiten lassen. Die Wörter,
mit welchen er sich dem italienischen texte eng anschliesst, sind
den Schriftstellern der zeit geläufig (vgl. z. b. eierno : eterne IX, 99,
mostro : monsier XII, 76, signoreggiano : signories XIII, 53); aufge-
fallen ist mir die annähme des italienischen Wortes nur in:
XX, 20 Parve che nel fornir di tai parole
Scendesse im lampo lucido e sereno,
Upon the captaine (when bis speech was donne),
It seem'd a lampe and golden light downe came,
weil das englische wort das italienische begrifflich nicht deckt.
Dass sich Fairefax auch mit der spanischen spräche beschäf-
tigte, läset sich daraus schliessen, dass er an zwei stellen nach
dem bedürfniss des verses spanische wort formen verwendet hat:
yX^*// The Princesse dond a poore pastoraes geare (VII, 17)
\~" / But ever (as the Scythian Hör das stray)
From place to place their wandring cities gad (XVII, 21).
Fairefax' Englisch zeigt einige dialektische eigentümlich-
keiten, welche uns daran erinnern, dass der dichter fern der
hauptstadt, in Yorkshire, lebte. Er gebraucht widerholt die
zweite person sing. ind. praes. in der den nördlichen dialekten
eigenen form:
By that right hand, and by those temples pure,
Thou seekes to free from Macons lore, I crave
Helpe for this sicknes (IV, 02)
0 gather then the rose, while time thou has
(: the gras : doth pas) (XVI, 15);
ferner begegnen wir bei ihm sehr vielen a:ai-reimen73; zu to
Ixe : liegen bildet er mit Vorliebe das praeteritum laid:
At last, therc downe she light, and downe she laid (VII, 3)
Panting he laid, and gath'red fresher aire (XIII, 63) 7I,
und im reim erscheinen ausserdem folgende, teils veraltete, teils
dialektische, von der Schriftsprache nicht sanktionierte verbal-
formen: hing praes."5, rave praet.76, rove praet.77, see praet.78,
inthrong praet.79 Auch im Wortschatz weisen Wörter wi§
/•-
e
ENGLISCHE TASSO-ÜBERSETZÜNGEN. " 121
beild*0, buskt*1, forenenst*2 nach dem norden. Doch fordert
die dialektfrage eine gründlichere erörterung, als ich ihr hier
zu teil werden lassen kann.
Den nicht geringen reimansprüchen der ottava rima genügt
Fairefax im ganzen mit grosser gewandtheit; dass er sich alle
damaligen und zum teil noch jetzt üblichen reimlicenzen der
englischen metrik zu nutzen macht, ist selbstverständlich.83
Auf besondere künsteleien, reimspielereien, lässt er sich nicht
ein; eine einzige Strophe findet sich, welche in den 6 ersten
zeilen künstliche weibliche reime zeigt, deren letzte silbe ein
selbständiges wort ist.84 Mit dem schmucke des Stabreimes,
welcher in Spenser's stanzen so üppig wuchert, geht Fairefax
spärlicher um. Selten verteilt er ihn über einen ganzen vers85;
hin und widor verwendet er ihn zur betonung seiner triaden86;
im allgemeinen beschränkt er sich auf kurze alliterierende
formein, deren seine verse eine erhebliche anzahl aufzuweisen
haben.87
Werfen wir schliesslich noch einen blick auf den inneren
bau, auf das Satzgefüge der Strophen des englischen Tasso, so
wird uns vor allen dingen die überreichliche Verwendung des
hilfszeitwortes to do auffallen und nicht erfreuen. Eine beson-
ders unangenehme Wirkung erzielt Fairefax, wenn er eine seiner
beliebten häufungen sinnverwandter verba noch durch dieses
füll wort verschlimmert:
They sighing left the lands, his silver sheepe
Where Hesperus dothlead, dothfeod, dothkeepe (IX, 65)
Through fire and sword. through blood and death (Vafrine)
Which all my friends did burne, did kill, did chace
(XIX, 93)
By you this campe doth live, doth winnc, doth raine
(ib. 129).
Allerdings folgt Fairefax auch in diesem falle dem beispiele
seines meisters: Spenser bedient sich ebenfalls allzu häufig
dieses bequemen mittels, seine verse zu strecken.88
Nicht zu loben ist ferner eine von Fairefax oft gebrauchte
art der prolepsis. Er liebt es, teile der relativsätze — meistens
das objekt — vor das relativum zu setzen, wodurch das ver-
ständniss des ganzen Satzes erschwert wird:
Ismen dead bones laid in cold graves that warmes (II, 1)
And Atlas tops, the cloud in height that passe (IV, 6)
Furies my guiltie conscience that torment (XII, 77)
122 KOEPPEL,
Tigranes, Kapold Sterne, the men that fare
By sea, that robbed in each creeke and port (XVII, 30). "
Auch sonst kranken seine sätze hin und wider an allzu kühnen
inversionen; man vergleiche:
IX, 13 jfts<cia Toste veloce, anzi si corre,
Che^ella fama il volo anco precorre.
Tbus on thejtmarched, and thus on they wont,
Of their approa^ their speed the news prevent.00
ib. 71 Ma far provaSi^lor non e lor dato;
Ch'a nemico maggjor le serba il fato.
Yet fortune [n]ould they should the battailo trie,
Of mightier foes for both were framed to die.01
X, 46 Veggio portar da inevitabil sorta
II nemico fatale a certi segni.
Yet to this State of losse and danger great
From this strong foe I see the tokens plaine. x
Diese unschönen Umstellungen mögen zum teil durch den zwang
des reimes oder die hast des Übersetzers veranlasst sein; aber
mit vollem bewusstsein sündigt Fairefax gegen die gesetze des
satzbaues, indem er Sidney's dreifach verschränkte gedichte
nachahmt:
Olindo, blessed be this act of thine,
True witnes of thy great and heav'nly minde,
1 2 3 12 3
Where sunne, moone, stars, of love, faith, vertue, shine (II, 53);
von dem Schwerte, welches Godfrey dem Argantes schenkt,
sagt er:
There curious art exceld the substance much:
1 ,2 3 1 2 3
Thus faire, rieh, sharpe, to see, to have, to feele,
Glad was the Painim to enjoy it such (ib. 93).
Von diesen kleinen mangeln, welche uns aus der masse
der dichtung keineswegs störend in's äuge springen, abgesehen,
ist rückhaltslos anzuerkennen, dass sich Fairefax' verse glatt
und flüssig lesen lassen, und auch dem modernen leser, wenn
er sich einmal mit der archaistischen hülle vertraut gemacht
hat, keinerlei Schwierigkeiten bieten. Seine Strophen sind zum
teil von grossem wollaut, namentlich im schlusscouplet lässt
sich oft die sorgfältige feile des dichters erkennen. Von dem-
selben bestreben erfüllt, welches, auf einem weiteren felde, die
englischen dramatiker veranlasste, ihre scenen in reimen aus-
klingen zu lassen, ist auch Fairefax bemüht, in den letzten
Zeilen seiner Strophen einen vollen ton anzuschlagen. Ich habe
ENGLISCHE TASSO-ÜBERSETZÜNGEN. 123
bereits erwähnt, dass er das schlusscouplet häufig mit einem
bilde verziert, aber auch ohne diesen schmuck versteht er es,
dasselbe epigrammatisch zuzuspitzen, in einer weise, welche
uns an den späteren meister des Couplets, an Pope, erinnert.
Wenige beispiele müssen gentigen:
For chance assisteth oft th'ignobler part,
We lost the field, yet lost we not our hart (IV, 15)
Thus he appear'd, and thus he gan them teach
In shape an angell, and a God in speach (VIII, 78)
A wortbie end, fit for a man of fame,
That dying, slew, and conqu'red, overcame (IX, 39)
A cunning leader and a souldiour bold,
For strength and courage, yoong; for wisedome, old (XVII, 32).
•
Wir wollen uns nun noch in kürze die hauptsächlichsten
späteren ausgaben des Fairefax'schen Tasso und das urteil der
mit- und nachweit über denselben vor äugen bringen.
17. Jahrhundert. — 1624 erlebte der dichter die freude,
dass seine Übersetzung neu gedruckt wurde — von John Bill,
fol. — und zwar auf besonderen wünsch des königs Jakob I.
Diese zweite aufläge ist von dem drucker dem kronprinzen
Charles, Prince of Wales, gewidmet. Hoffentlich ist mit dieser
anerkennung von höchster seite ein lichtstrahl in das leben
unseres dichters gefallen, welches in den vorhergehenden jähren
von der nacht des unheilvollsten aberglaubens, der hexenfurcht,
verdüstert gewesen war.
1687:
Godfrey of Bulloigne : or the Recovery of Jerusalem. Done into Eng-
lish Heroical Verse, by Edward Fairfax, Gent. Together with the
Life of the said Godfrey. Licensed to be Reprinted. Sept. 18, 1686.
Ro. L'Estrange. London. 8°.
Diesem neudrucke ist ein gedieht von Robert Gould voran-
gestellt, welches, ausser dem lobe des Übersetzers und einer
abfälligen kritik der zeitgenössischen Übersetzungskunst, bereits
eine anspielung auf die archaismen des Fairefax enthält.92
Dass seine Übersetzung am hofe der Stuart's gelesen und
geschätzt wurde, wird durch die veranlassung und Widmung
der zweiten aufläge bewiesen. So ist denn auch die Über-
lieferung, dass der englische Tasso zu den büchern gehörte,
mit welchen sich der unglückliche Karl I. die müsse seiner
gefangenschaft kürzte, durchaus glaubwürdig.93 Aber nicht nur
gekrönte häupter fanden gefallen an dem eigenartigen werke — >
124 KOEPPEL,
sein lob wurde von noch weit massgebenderen stimmen ver-
kündet, von den stimmen der dichterfürsten des Jahrhunderts.
Edmund Waller gestand Dryden gegenüber, dass er den fluss
seiner verse, the harmony of his numbers, dem Studium des God-
frey verdanke94; ein späterer herausgeber der werke Waller's
hat denn auch verschiedene, allerdings wenig belangreiche, Über-
einstimmungen zwischen diesem und Fairefax hervorgehoben.95
Dryden, der die kunst und die Schwierigkeit des Übersetzens
aus langjähriger eigener erfahrung kannte, feierte in der vor-
rede seiner letzten grossen publikation, der fabeln (1700), Spenser
und Fairefax als great masters in öur language.** Milton scheint
sich nicht Über Fairefax geäussert zu haben; dass er aber sein
werk genau kannte, ist daraus geschlossen worden, dass sich in
Milton's Schilderung des erzengels Raphael ein leiser anklang an
Fairefax' beschreibung des himmlischen boten erkennen lässt:
Fairefax I, 14:
On Libanon at first his foote he set,
And shooke his wings with roarie May-dewes wet,
Milton, P. L. V, v. 285 sq.:
Like Maia's son he stood,
And shook his plumes, that' heav'uly fragrance fill'd
The circuit wide.97
Gewiss ist, dass ein dem blinden sänger durch bände des blutes
und der freundschaft nahe stehender mann sehr anerkennend
von Fairefax gesprochen hat: Edward Phillips, der kompilator
des 'Theatrum Poetarum, or a Compleat Collection of the Poets,
especially the most Eminent, of all Ages' (London 1675). Dass
Phillips die exactness der Übersetzung betont98, beweist jeden-
falls, dass er sich nicht die mühe einer vergleichung mit dem
original genommen hat. Aus dem vielbenutzten Phillips'sohen
Sammelwerke ging das lob unseres dichters in ein anderes
Schriftstellerlexikon der zeit über, dessen Verfasser Phillips in
schäm loser weise ausschreibt — in William Winstanley's 'Lives
of the most Famous English Poets'.99
Diesen lobenden stimmen des Jahrhunderts steht aber auch
ein scharfer tadel gegenüber. Im Januar 1619 sagte Ben Jon-
son zu William Drummond von Hawthornden: That Silvester" s
translation of Du Bar tos was not well done; and that he wrote
his verses before it, ere he understood to conferr: Nor that of
Fair fax his. Fairefax selbst hat wol nie etwas von diesem
ungünstigen urteil des galligen poet laureate gehört, und seine
ENGLISCHE TASSO-ÜBERSETZUNGEN. 125
freunde und be wunderer müssen sich damit trösten, dass es an
demselben tage gefällt worden zu sein scheint, an welchem sich
Jonson u. a. auch dahin äusserte, dass Spenser's stanzaes pleased
htm not, nor his matter; und That Shakspeer rvanted arte.100
18. Jahrhundert. — 1726 erschien in Dublin ein nach-
druck der dritten aufläge.
1749:
Tasso's Jerusalem Delivered: or Godfrey of Bulloign. An Heroic
Poem. Done into English, in the Reign of Queen Elizabeth, by
Edward Fairfax, Gent. The fourth Edition, with a Glossary, and
Index. London. 8°.
Am Schlüsse seiner vorrede sagt der anonyme her ausgeben '//
now only remains to be observed, that, in the present edition,
some ferv Alterations have been made in such Stanzas, as seemed
necessarily to require them: but, it is hoped, as this Liberty hath
been used with Cautiony that the Reader will find no just Cause
of Complaint'. Diese hoffnung des herausgebers hat sich nicht
erfüllt; die leser und kritiker haben sich im gegenteil oft und
laut — und mit recht — beklagt über seine some few Altera-
lions, welche sehr zahlreich sind. Historisch betrachtet sind
seine änderungen nicht ohne interesse, weil sie uns den Um-
schwung des ästhetischen geschmackes erkennen lassen — wir
werden fortwährend daran erinnert, dass Pope gelebt und ge-
wirkt und eine dichterschule erzeugt hatte, der es vor allen
dingen auf form und decorum ankam, und der das freie ge-
bahren der elisabethanischen muse ein gräuel war. Viele der
naiven ausdrücke, ja ganze verszeilen des Fairefax sind aus-
gemerzt und durch gespreizte und doch matte redensarten er-
setzt, z. b.:
1600: A stafife to beate that dog he long had sought
1749: For long the faithfuli to molest he sought (II, 12)
1600: Onely that voice heavn's rolliug circles kest,
Sung lullabie, to bring the world to rest.
1749: Sooth'd mortal Cares, and lull'd the World to Rest (II, 96)
1600: As one that forst not all their strength a pin.
1749: As one who wish'd the Combat to begin (IX, 76).
Wie sehr die eigenart der Übersetzung unter dieser schneidigen
besserungsmethode litt, ist augenscheinlich.
Aber diese im gründe doch gut gemeinte ausgäbe ist nicht
die einzige, nicht die grösste sünde des Jahrhunderts gegen
unseren dichter. Bevor wir uns jedoch seinem niedergange
126 KOEPPEL,
zuwenden, sind noch einige ihm günstige urteile zu berühren.
Die herausgeberin der bereits erwähnten gedieh tsammlung * The
Muses Library' (1737), Mrs. Cooper, widmet ihm einen längeren
abschnitt (s. 342 ff.), spendet ihm reiches lob und druckt, ausser
der vierten ekloge, auch eine probe aus seinem Godfrey ab
(s. 345 ff, canto XVI, st. 23— 70). Der unglückliche William
Collins sagt, in seiner 'Ode on the Populär Superstitions of the
Highlands of Scotland', gedichtet 1749, gedruckt 1788, mit wel-
chem entzücken er den tönen lauschte, die Fairefax der harfe
Tasso's entlockte.101 Auch David Hume findet in seiner 'History
of England' (1754 — 62) noch einige anerkennende worte für
Fairefax; sehr vertraut kann er jedoch mit dessen werk nicht
gewesen sein, sonst hätte er nicht mit solcher bestimmtheit be-
haupten können, dass sich die Übersetzung zeile für zeile mit
dem original decke.102 1762 endlich lässt der anonyme Verfasser
eines gespräches zwischen Milton und Tasso jenen zu diesem
sagen: 'You are reaily obliged to Fairfax for the elegant dress
in rvhich he hos exhibited you to my countrymen'.m
Dem herrschenden geschmacke der zeit genügte jedoch
Fairefax' leistung nicht mehr. Der deutlichste beweis dafür ist,
dass schon in der ersten hälfte des Jahrhunderts verschiedene
versuche gemacht wurden, dieselbe durch eine neue Übersetzung
zu verdrängen. Zuerst blieb es bei fragmenten. Mrs. Elizabeth
Rowe gab verschiedene proben aus der Gerusalemme104; der
dichter der kirchhofselegie, Thomas Gray, plante eine Über-
setzung, von welcher aber nur 8 Strophen auf uns gekommen
sind105; Thomas Hooke (1738) übersetzte den ersten gesang10*,
Henry Brooke (1738) die ersten drei gpsänge107, Layng (1748)
den 15. und 16. gesang.10* Eine vollständige neue Übersetzung
der Gerusalemme Liberata brachte erst das jähr 1761, von Philip
Doyne, in blank verse. Dieser dichter rügt zwar, in dem ein-
leitenden essay, die übergrosse freiheit und einige der fehler
des Fairefax, gesteht aber doch, dass er ihm hin und wider
eine zeile entlehnt habe, weil er manchmal dem original
mindestens ebenbürtig sei. Doyne hatte auch alle Ursache,
seinen Vorgänger zu schonen, denn er hat nicht nur einzelne,
zeilen, sondern längere stellen aus ihm abgeschrieben, indem
er sich einfach damit begnügte, den reim zu beseitigen.109
Uebrigens scheint seine arbeit nur wenig beachtung gefunden
zu haben.
ENGLISCHE TASSO-ÜBERSETZÜNGEN. 127
Zwei jähre später, 1763, wurde die Übersetzung des ita-
lienischen epos veröffentlicht, welche für Jahrzehnte die mass-
gebende bleiben und Fairefax. gänzlich in den schatten" stellen
sollte. Sie floss aus der feder eines beamten des India House,
namens John Hoole110, eines fleissigen — er hat ausser der
Gerusalemme u. a. noch Tasso's 'Rinaldo' (1792) und den 'Or-
lando Furioso' (1783) übersetzt — , aber sehr bescheiden be-
gabten verseschmiedes, dessen werk sich an poetischem reiz mit
dem unseres dichters nicht messen kann. Hoole war aber so
glücklich, die freundschaft des mannes zu besitzen, dessen urteil
die literarischen kreise der zeit beherrschte — des Dr. Samuel
Johnson. Dieser schrieb ihm die seiner Tasso-Übersetzung vor-
gestellte Widmung an die königin und Hoole durfte sich in
seiner vorrede auf eine äusserung des doktors berufen, dass
eine moderne englische Version der Gerusalemme allen anspruch
auf die beachtung der leserweit habe. Johnson förderte die
sache seines freundes noch, indem er in seinen 'Lives of the
English Poets' (1779—81) am Schlüsse von Waller's leben, der
sich als schüler des Fairefax bekannte, einige Strophen der
älteren Übersetzung (canto VII, st. 1 — 18) citierte, mit der be-
merkung, dieselbe werde ja doch vermutlich nach Mr. Hoole's
Publikation sobald nicht widär gedruckt werden. In einem
postskript zu seiner Übersetzung des Orlando Furioso nennt
Hoole Johnson nochmals mit besonderem nachdruck unter seinen
gönnern und dankt ihm mit warmen Worten für seine freund-
schaft. Zweifelsohne verfehlte das günstige urteil des hoch-
angesehenen und gefürchteten kritikers seine Wirkung auf das
publikum nicht. Hoole's Übersetzung erlebte bald neue auf-
lagen111, und so wurde Fairefax mehr und mehr aus dem ge-
sichtskreiße der nation gedrängt. Wir wissen von mehreren be-
rühmten männern, deren Jugend in das ende des 18. Jahrhunderts
fällt — so z. b. von Walter Scott, Southey und de Quincey m — ,
dass sie das befreite Jerusalem zuerst in Hoole's Übersetzung
kennen lernten.113
19. Jahrhundert. — Hoole's herrschaft war jedoch nicht
von langer dauer. Das aufblühen einer neuen dichtergeneration,
welche anderen Schönheitsidealen huldigte, als die poeten des
18. Jahrhunderts, bewirkte bald einen Umschwung der Verhält-
nisse, eine Wandlung des geschmacks, durch welche auch Faire-
fax wider zu ehren kam. Es war nur natürlich, dass männer,
128 KOEPPEL,
welche sich der Üppigkeit der Spenser'schen dichtung freuten
und die zeit der Elisabeth gegenüber dem nüchternen treiben
des vergangenem Jahrhunderts verherrlichten, an der kalten,
poesielosen Übersetzung Hoole's keinen gefallen fanden und mit
begierde auf das ältere werk, auf das werk eines Zeitgenossen
Spenser's, zurückgriffen. Der buchhandel benutzte sofort diesen
Umschlag der öffentlichen meinung: 1817 erschienen, unmittel-
bar nach einander, zwei ausgaben des Fairefax'schen Tasso —
die eine besorgt von Charles Enight (The fifth edition, reprinted
from the Original Folio of 1600), die andere von S. W. Singer,
dem dichter Samuel Rogers gewidmet. Zu einer alleinherr-
schaft konnte es Fairefax in unserem Jahrhundert freilich nicht
mehr bringen; es erwuchsen ihm, nachdem Hoole aus dem felde
geschlagen war, viele neue rivalen. Das jähr 1818 brachte
die erste Übersetzung der Gerusalemme Liberata in unserem
Jahrhundert, von J. A. Hunt, welcher die Übersetzungen von
J. H. Wiffen (1821—25), J. R. Broadhead (1837), Ch. Lesingham
Smith (1851), Alex. Cuningham Robertson (1853), Hugh Bent
(1856), Henry A. Griffith (1863), John Kingston James (1865)
folgten.114 Nichtsdestoweniger haben wir 1844 noch eine
weitere aufläge der Knight'schen ausgäbe des Eairefax'schen
Tasso und 1858 eine neue ausgäbe von Robert Aris Willmott
(in Routledge's British Poets) zu verzeichnen.116 Willmott be-
handelte den text nach dem für den philologen sehr unerfreu-
lichen grundsatze: 'Mere rust never enriches the medaV. Ein
sorgfältiger neudruck dieser reizvollen dichtung wäre daher
sehr wünschenswert. —
So hat es denn dem ältesten englischen Übersetzer des be-
freiten Jerusalems in unserem Jahrhundert nicht an anerkennung
gefehlt. Die Engländer haben auch alle Ursache, die eigen-
artige leißtung des Fairefax in ehren zu halten. Sie ist mit
allen ihren Vorzügen und absonderlichkeiten ein echt nationales,
durch und durch englisches werk. Fairefax' neigung zu bild-
licher darstellung, sein bestreben, durch diese art des schmuckes
seine leser zu fesseln, ist echt englisch : diese Vorliebe für bilder
und gleichnisse tritt uns noch heute, nicht nur in der poesie,
sondern auch in vielen populär-wissenschaftlichen werken und
in den oratorischen leistungen unserer englischen Zeitgenossen
auffällig entgegen. Wenn man sich des tages über im British
Museum an der bilderfülle des Fairefax ergötzt hat, und dann
ENGLISCHE TA SSO-ÜBER SETZUNGEN. 129
abends im City Temple einen prediger das stille walten der
göttlichen Vorsehung dem gebahren Rubinstein's beim Vortrag
einer seiner sonaten vergleichen hört — wie der maestro
scheinbar teilnahmslos am klavier sitzt, aber stets im richtigen
augenblick eingreift und mächtige accorde weckt, ebenso ver-
säumt auch die Vorsehung nie ihre zeit — , so spinnen sich un-
willkürlich gedankenfäden zwischen gegenwart und Vergangen-
heit Und was den gegen Fairefax erhobenen Vorwurf der
pietätlosen behandlung des Originals anlangt, so erkennen wir
in diesem rücksichtslosen aufprägen des nationalen stempeis
auf fremdes gut erst recht eine englische eigentümlichkeit.
Freilich hat sich der geschmack seit Fairefax gereinigt und
gebessert; die englischen übersetzungsannalen unseres Jahrhun-
derts verzeichnen die glänzende tat des Wallenstein von Cole-
ridge.116 Aber der moderne Engländer wird sich doch be-
sinnen, bevor er den ersten stein auf Fairefax wirft — er
wird sich der gewaltsamen Umformung einer deutschen dich-
tung erinnern, des sogenannten Lyceum's Faust, welcher in den
letztverflossenen jähren das publikum der metropolis für hun-
dert und aber hundert nachte in das Lyceum lockte und in
allen grösseren Städten Englands und Schottlands bewundert
und beklatscht wurde. Alle freiheiten, welche sich Fairefax
Tasso gegenüber erlaubte, alle seine ander ungen und Zusätze
sind verzeihlich im vergleich mit dieser groben ent Stellung
eines der meisterwerke der Weltliteratur.
Anmerkungen.
1 . In der schritt *A New Letter of Notable Contents ', vgl. The Works
of Gabriel Harvey. Ed. by A. B. Grosart (The Huth Library). In 3 vols.,
London 1884/85; vol. I, p. 266.
2. Vgl. Ritson's Bibliographie Poetica (London 1802) p. 202 f.
3. Vgl. The Muses Library; or a Series of English Poetry, froni the
Saxons, to the Reign of King Charles II; ed. by Mrs. Cooper, vol. I (London
1737) p. 342 ff. Die herausgeberin bemerkt (p. 344), dass die Eclogues noch
in manuskript seien, und dass sie nur durch die gute der familie in den
stand gesetzt sei, der weit eine probe ihrer Schönheiten zu schenken.
Ueber den inhalt der eklogen sagt sie: 'The Eclogues . . . are in Number
Twelve; all of them wrote after the Accession of King. James to the
Throne of England, on imporlant Subjects relating to the Manners,
Characlers, and Incidenls of the Times he lived in; They are pamted
tvith many fine Slrokes of Satire; dignify'd tvith tvholesome Lessons
Anglift, XII. band. ' 9
130 KORPPEL,
of Morality, and Policy, to those of the highest Rank; and some modest
Hints even to Maiesty itself . . . the Learning they contain, is so various,
and extensive, that, according to the Evidence of his Son ftvho has
tvritten large Annotations on each), No Man's Reading, beside his otvn,
was sufficient to expiain his References effectually* (p. 363); und p. 364 ff.
gibt sie den text der 4. ekloge (35 Strophen von je 6 heroischen verecn,
mit der reimordnung ababec; dass die 17. Strophe 5 zeilen zählt (ahacc),
ist wol nur ein versehen). Aus dem Sammelwerk der Mrs. Gooper ging
diese 4. ekloge in einige der zahlreichen neudrucke des Faire fax'schen
Tasso über, in die von S.W.Singer (London 1817, in 2 vols.; vol. I,
p. XXV sq.) und von Charles Knight (The seventh Edition reprinted frora
the original folio of 1600. In 2 vols., London 1844; vol. I, p. 47 sq.) be-
sorgten ausgaben.
4. Vgl. Miscellanies of the Philobiblon Society. Vol. V. London
1858/59 (100 copies). A Discourse of Witchcraft. As it was acted in
the family of Mr. Edward Fairfax of Fuystone in the County of York, in
the year 1621. From the Original Copy written with his own band. Sibi
parat mal um, qui alten parat. Communicated by R. M. Milnes. Ueber
Fairefax' leben und schaffen vergleiche ausserdem noch einen artikel der
ßibliographia Britannica vol. I, p. 644 ff. (London 1 793). Von seiner 1. c.
erwähnten kontroverse mit einem katholischen priester scheint kein lite-
rarischer rest auf uns gekommen zu sein.
5. So lautet diese zeile allerdings erst in der dritten und letzten
version dieser ersten Strophe, welche, ganz wie dem Tasso selbst, auch
dem Engländer viel zu schaffen gemacht hat. Er hat nicht weniger als
drei verschiedene bearbeitungen derselben geliefert: die ursprungliche,
1600 gedruckte — eine zweite, welche in verschiedenen exemplaren der
editio prineeps der ersten aufgeklebt ist, — und eine dritte, mir nicht
aus eigener anschauung bekannte, welche mit einer Umformung der argn-
ment-strophe verbunden und der zu ehren das ganze erste blatt neu-
gedruckt worden sein soll (vgl. Notes and Queries 1S50 no. 51, p. 325,
no. 52, p. 359 und no. 53, p. 377; Fairefax1 Tasso ed. by Robert Aris WiU-
mott, London 1S5S, p. IX f.; Collier's Bibliogr. and Grit. Account, London
1865, vol. I, p. 268 f.). Uebrigens wird man auch in der ersten form der
Strophe an Carew erinnert, besonders in der zweiten zeile:
Car. Who great sepulchre of our Lord did free.
r Fairef. That the great sepulcher of Crist did free.
v 6. Vgl. J. P. Collier's Preface zu Coleridgc's 'Scvcn Lectures on
Shakespeare and Milton' (London 1856) p. XXXIV f.; Collier's Bibliogr.
and Crit. Account vol. I, p. 267 und seine anmerkungen zu den betreffen-
den stellen der F. Q. in seiner Spenser- aus gäbe vol. II, p. 328 u. 330.
7. Vergleiche zu dieser stelle und den vier folgenden meine eitate
aus der F. Q. Anglia XI, s. 349 ff.
8. Wie z. b.: he abraid XIII, 50 (F. Q. III, 10, 50); algates III, 42
(ib. II, 1,2); toamate XI, 12 (ib. I, 1,51); to arreed XX, 104 (ib. I, 8,31);
ehevisance IV, 81 (ib. II, 9, 8); eame oheim IV, 49 (ib. II, 10, 47); eath
X, 42 (ib. II, 3, 40); eftsoones VI, 64 (ib. I, 3, 34); to embay XII, 62 (Ib.
II, 1, 40); flit adj. XVII, 85 (sonnet, vgl. Collier's ausgäbe vol. I, p. 160);
ENGLISCHE TASSO-ÜBERSETZUNGEN. 131
foole-hardice V, 23 (F. Q. II, 2, 17); to foreslowe I, 28 (ib. IV, 10, 15);
froarie aäj. II, 40 (ib. IH, 8, 35); to hend XII, 18 (ib. II, 2, 1); lay wiese
XV, 33 (ib. III, 10,23); leden spräche XVI, 13 (ib. IV, 9,19); mickle XI,
35 (ib. II, 1, 6); jmirksome XIII, 75 (ib. I, 5, 28); mister wight IV, 28 (ib.
' itMTL, 9, 23); most and least VIU, 72 (ib. IV, 11, 9); nar näher II, 88 (Sh. Cal.
July v. 97); nathlesse XIII, 32 (F. Q. I, 9, 54); / note (gedruckt / nolte)
= ne wote XVIII, 50 (ib. II, 4, 13); / nould = ne would V, 47 (ib. V, 5, 16);
to overren XV, 21 (ib. V, 2, 19); to raile fliessen III, 30 (ib. I, 6, 43); rem
reihe XVH, 75 (ib. III, 6, 17); sheene adj. XIV, 39 (ib. II, 1,10); somedeale
II, 26 (Sh. Cal., May v. 56); spring wald XIII, 31 (ib., June v. 53); Sterne
schweif XV, 50 (F. Q. I, 11, 28); siound XIX, 28 (ib! I, 7, 25); storvre I, 55
(ib. I, 2, 7); teene zorn X, 25 (ib. I, 12, 18); thorom präp. VIII, 64 (ib. I,
1,32); to tool blicken X, 56 (Sh. Cal., March v. 66); uneath IV, 59 (F. Q.
I, 9, 38); to weete V, 86 (ib. I, 3, 6); withouten präp. V, 77 (ib. T, 6, 27);
to tvonne IX, 28 (ib. I, 6, 39) etc. etc. — Ausserdem verwendet Fairefax
wie Spenser folgende archaistische präteritalformen: brast (: haste) II, 27
(F. Q. I, 8, 4); brüst (: just) XVIII, 44 (ib. HI, 1, 48); forlore (: rore) III, 76
(ib. II, 12, 52); fand (: land) IV, 55 (ib. II, 9, 60 fond)\ kest (: rest) II, 96
(ib. II, 11, 42); lad (: bad) IX, 89 (ib. V, 1, 22); sprad (: had) I, 64 (ib. V,
9,14); good{:flood) XIV, 33 (ib. I, 10,53). Die meisten dieser altertüm-
lichen Wörter und formen kehren bei Fairefax öfters wider.
9. Vgl. IV, 36: Above her merit you commenden soe.
10. Vgl. I, 33: To malten war both when and where he will; II, 57.
XI, 24. XII, 42. XIII, 51. XVII, 10.
11. Vgl. I, 37: And hardie knight isprong of princes blood; 1,83.
III, 71. IV, 6, 13, 28. VI, 10, 54. VIII, 45. X, 23, 25, 39, 40. XIII, 20. XIV, 72.
XVI, 56. XVIII, 56. XX, 81.
12. Vgl. beene: your bold defies | By your brave foes accepted
boldly beene VI, 20; IX, 21. Xu, 37 etc. saine: The field Elisian (as
fond heathen aaine) XV, 36 (F. Q. III, 9, 40 etc.).
13. Vgl. to gone: Doe thou permit the chosen ten to gone V, 7;
V, 70 (F. Q.: to doon II, 3, 15 etc.; to sayne III, 9,48). Vergleiche noch
long agone IV, 19 mit F. Q. Leg. of Constancie 7,2 long ygone.
14. Vgl. eyne VIII, 76. X, 73 etc.; föne VIII, 78. XVIII, 97 etc.;
treene HI, 75. VII, 1, 22. VIII, 51. XIV, 14. XVIII, 23. Beachtenswert
ist in Fairefax1 reimen noch die häufige Verwendung des prät. could =
konnte in bindungen mit Wörtern, deren / lautliche geltung hat (vgl. VIII, 32
: bould; X, 4 : ould; XIII, 39 : hould : bould; XVI, 52. XVII, 90. XX, 17).
Spenser verwendet das wort in gleicher weise (vgl. z. b. F. Q. IV, 10, 10.
V, 4, 30. 6, 2 etc.). In diesem falle haben wir es jedoch nicht mit einer
altertümelnden, sondern mit einer dem 16. Jahrhundert angehörigen reim-
gewohnheit zu tun, welche uns auch bei anderen dichtern vereinzelt be-
gegnet (so bei Sidney, vgl. Ellis, (On Early English Pronunciation' p. 874.
bei Cbapman, vgl. H. M. Regel, 'Ueber George Chapman's HomerUber-
setznng', Engl. Stud. V, 309).
15. Vgl. F. Q. I, 2,7. 11,51. III, 3,20; Epithal. v. 75.
16. Vgl. F. Q. I, 1,41 und Fair. III, 1.
17. Vgl. F. Q. I, 2, 20 und Fair. XX, 103.
9*
132 KOEPPEL,
18. Vgl. F. Q. I, 8, 35 und Fair. IX, 45.
19. Vgl. F. Q. III, 4,49. V, 12,5. VI, 8,49 und Fair. III, 52.
20. Vgl. F. Q. V, 11,11 und Fair. III, 43.
21. Vgl. Shep. Cal., Febr. v.39 und Fair. II, 68.
22. And foorth she went, a shop for merchandise
Füll of rieh stuffe, but none for sale exposed (II, 18).
Der menschliche kürper wird auch von Spenser einmal mit shop bezeichnet
(F.Q. II, 1,43).
23. Vgl. Amoretti son. 81 und Anglia XI, 345 und 361.
24. Vgl. F. Q. II, 7, 14. II, 11,26 und Fair. VI, 38:
Or as when clouds together crusht and brused,
Powre downe a tempest by the Caspian shore.
25. Vgl. F. Q. II, 7, 23 und Fair. IV, 5:
There were Cilenos foule and loathsome rout,
There Sphinghs, Centaures, there were Gorgons feil.
26. Vgl. F. Q. III, 11 , 1 2 und Fair. IX, 33. XIX, 95. Letztere stelle lautet:
Mine was the boflie, his the soule and minde,
He gave the cage, but kept the birde behinde.
27. Vgl. Shep. Cal., June v. 89; Oct. v. 63; Nov. v. 59 und Fair. X, 26:
And there with stately pompe by heapes they wend,
And Christians slaine rolle up in webs of lead.
28. Vgl. F. Q. VI, 7, 47 und Fair. I, 84:
The lesser part in Christ beleeved well,
On Termagant the more and on Mahowne.
29. Vgl. F. Q. I, 7, 18 und Fair. IV, 4:
And some their forked tailes Stretch forth on hie,
And teare the twinkling stars from trembling skie.
30. In der Preface to the Reader seines 'Discourse of WitchcrafV
legt er folgendes glaubcnsbekenntniss ab: '/ enlreat Ihee to be assured
that for myself I am in religion neither a fantastic Puritan, nor super-
stitious Papist, but so settled in conscience, that I have the sure
ground of God's word to Warrant all I believe, and the commendable
ordinances of our English Church to approve all I pr actis e; in rvhich
course I live a faithful Christian and an ob e dient subjeet, and so teaeh
my famiiy' (p. 6).
31. Vgl. Warton, H. E. P. (1871) vol. IV, p. 334 f.
32. Aehnliche, mehr oder minder grobe Übersetzungsfehler finden
sich noch: I, 34, 37. III, 60. V, 5, 57. VI, 60, 89. IX, 1, 57, 68, 96. XII, 90, 94.
XIII, 11. XVII, 46,70. XVIII, 30,79. XX, 124.
33. Beachte besonders noch: II, 40 (vgl. s. 104 f.), 62, 96. III, 36. IV,
46. V, 10. VI, 9. VII, 122. XV, 27. XVI, 24.
34. XVIII, 100:
Earth laughes for joy, the streames forbeare their hast,
Floods clap their hands, on mountaincs dance the pines,
And Sions towres and sacred temples smile,
For their dehVrance from that bondage vile.
35. IV, 4:
Some gnaw the snakes that on their Shoulders hing . . .
ENGLISCHE TASSO-ÜBERSBTZUNOEN. 133
Spenser's hexe Envy nagt auch an einer schlänge (F. Q. V, 12, 30). Ueber
einen weiteren Spenser- anklang dieser Strophe vgl. anm. 29.
36. IV, 75:
Her cheekes on which his Streaming Nectar feil,
StilPd through the limbecke of her diamond £ies,
The roses white and red resembled well,
Whereon the roarie May-deaw sprinkled lies,
When the faire morne first blusheth from her cell,
And breatheth balme from opened paradies;
Thus sigh'd, thus mourn'd, thus wept, this lovely queene,
And in each drop, bathed a grace unseene.
Zu limbecke vgl. u. a. Shakespeare, Son. CXIX; zu dem tränenbad 'The
Mourning Muse of ThestyhV v. 134 sq. (Collier's Spenser vol. V, p. 86).
37. IV, 76:
Thrice twenty Cupids unperceived flew
To gather up this licour, ere it fall,
And of each drop an arrow forged new,
Eise, as it came, snatcht up the christall ball,
And at rebellious harts for wilde fire threw.
Beachtenswerte conceits hat der Übersetzer ausserdem noch in den schluss-
couplets folgender Strophen angebracht: II, 43. III, 22. VI, 84. VIII, 34.
XII, 21. XX, 89,120.
38. Vgl. z. b.IV, 89:
On them, who durst with fingring bold assay
To touch the softnes of her tender skin,
She lookt as coy, as if she list not play,
And made as things of worth were hard to win;
und IV, 31,57. XVI, 18.
39. Vgl. z. b.:
I, 38 Two Bishops next their Standards proud upbare
CalPd reverend William, and good Ademare.
11,43 Few silver drops her vermile cheekes depaint.
40. I, 72:
Some Shirts of maile, some coates of plate put on,
Some dond a curace, some a corslet bright,
An hawberke some, and some a haberion,
So ev'rie one in armes was quickly dight.
41. XI, 28:
So fit to shoot Latonas daughter stood,
When Niobe she kill'd and all her brood.
Seine kenntniss der klassischen sage erscheint hier nicht in bestem licht.
42. Weitere beispiele dieser klein mal erei siehe I, 20 v. 3, 39 v. 1 f.;
Vü, 96 v. 8; IX, 15 v. 7; XIV, 44 v. 7; XV, 20 v. 6; XVIII, 24 v. 8.
43. I, 35:
The golden sunne rose from the silver wave.
44. VIII, 1:
The silver mantled morning fresh appeared,
With roses crown'd, and buskind high with gold.
134 KORPPEL,
45. XX, 5:
The merrie morning smil'd, and seemd to weare
Upon her silver crowne, suns golden ray.
46. III. 1:
The purple morning left her crimsen bed,
And dond her robes of pure vermilion hew.
47. Vgl. noch I, 59. IV, 54. V, 18. XII, 39. XIV, 46. XVII, 29,31, 66.
XVIII, 30,44,54. XIX, 93,94,96,104,108,111,114,117,126 etc.
48. Vgl. VIII, 66. X, 3. XII, 43. XVIII, 103. XIX, 59, 70, 91, 102, 104,
107, 125, 131 etc.
49. Vgl. III, 46. IX, 57, 65, 95. XII, 28. XIV, 29. XV, 5. XVII, 95.
XIX, 68,93,113,114,116,127,129 etc.
50. Vgl. I, 43, 45, 81. IV. 18, 19. VIII, 41. IX, 24, 56, 57. X, 9, 45. XII,
22,54. XIII, 32,58. XIV, 48. XVIII, 10,57,68,91. XIX, 92,93,120,121 etc.
51. Vgl. VI, 86, 87, 99. VIII, 28. IX, 73. XI, 83. XIII, 14, 80. XVII, 87.
XVIII, 47,57,96,101. XIX, 57 etc.
52. Vgl. XII, 37. XIII, 45. XIV, 14. XVIII, 8. XIX, 55. XX, 130 etc.
53. Vgl. I, 7. XII, 29. XIII, 40, 57, 78. XIV, 23, 44, 63. XVII, 31.
54. Vgl. VI, 64. XVII, 42.
55. Vgl. IX, 90. XII, 23. XIX, 16.
56. Vgl. Vin, 72. IX, 93. XI, 34. XIII, 74.
57. Auch in dem widmnngsgedichte an die königin, in dem er seine
verse ganz nach belieben bauen konnte, ordnen sich seine worte wie von
selbst in triaden:
Towre of goodnes, vertue, bewtie:
Forgive me, that presume to lay
My labours in your cleere eies ray:
This boldnes Springs from faith, zeal, dewtie.
Her hand, her lap, her vestures hem,
Muse touch not for polluting them,
All that is hers, is pure, cleere, holie ....
58. Vgl. noch XX, 3, 16, 18, 27, 29, 52, 64, 72, 73, 82, 96, 101, 107, 108,
135, 143.
59. Von Sprichwörtern vergleiche noch:
II, 65 Things done in haste at leasure be repented
II, 77 For steed once stolne, we shut the doore too lato
II, 79 Better sit still (men say) than rise to fall
IV, 86 She thought to strike the iron that was hot.
Redensarten der Umgangssprache finden sich IV, 95. V, 21. VI, 78, 93. IX,
17, 76. XVII, 84. XIX, 56. Zu XVI, 19:
the armed pare
These follics all beheld, and this hot farc
vgl. Chaucer's Troylus and Cryseyde b. V, st. 73.
60. Sehr gesucht vergleicht er in seiner ekloge die Sterne silber-
stäubchen, welche der tag mit seinem morgenbesen von dem stahlboden
des himmels kehrt (Muses' Library p. 372):
ENGLISCHE TASSO-ÜBERSETZÜNGEN. 135
Till timely Day-spring with her Morning-Broom
Had swept the Silver-Motes from Heav'ns Steel-Flore.
61. H, 12:
To spül the wine with poison mixt who spares?
Slay then the righteous, with the faultie one,
Destroy this field, that yeeldeth nought but tares,
With thornes this vineyard all is overgone.
62. 11,64:
Receive therefore in that unconquered hand
The pretious handle of this cup of love.
Für besonders auffällige beispiele dieser rede weise, welche fast in jeder
Strophe bemerkbar ist, verweise ich noch auf I, 58. II, 3, 14, 18, 28, 62,63,
68, 71. IV, 16, 34, 42, 92, 93. V, 7, 61. VI, 71. XI, 57. XI, 57. XII, 33. XIX,
131. XX, 25.
63. Wechsel des bildes hat Fairefax ausserdem beliebt in IV, 3, 7, 34.
IX, 48, 85. XI, 36, 48.
64. VI, 80:
To other cause her sorrow she refard ....
Like as the bird that having close imbard
Her tender yong ones in the springing bent,
To draw the searcher further from her neast,
Cries and complaines most, where she needeth least.
Anspruch auf Originalität kann dieser schöne und hier sehr glückliche
vergleich freilich nicht erheben: er ist, in prosa und poesie, ein be-
kannter gemeinplatz der Elisabethaner, aus welchen er in unserer zeit
auch in Tennyson's 'Queen Mary' (III, 5) übergegangen ist. .
65. Solche bildergeschmückte Strophenausgänge finden wir I, 61, 62
77. II, 2, 32, 39, 63, 68, 71, 76, 94. III, 1, 21, 27, 33, 36, 37, 43, 52, 53, 57.
IV, 29, 47, 72, 92. VII, 108, 122. IX, 44, 54. XI, 27. XII, 24, 64. XIV, 36.
XVI, 3. XVIH, 96. XX, 33, 103.
66. Anklänge an die spräche und anspielungen auf ereignisse der
bibel bemerkt man ausserdem in I, 71 (vgl. s. 7). II, 13. X, 33 (vgl. s. 119).
XII, 92. XIII, 56, 75. XX, 114.
67. Vgl. noch I, 61. III, 76. IV, 29, 46, 49. VI, 8. VIII, 32. X, 17.
XIII, 55.
68. Vgl. noch VI, 40. XVI, 1.
69. Vgl. II, 26, 32, 39, 63, 68, 76, 89. III, 1, 17, 27, 52. IV, 7. VI, «0
(vgl. anm. 64). VII, 122. IX, 44, 45. XII, 24, 64. XVI, 3. XX, 25.
70. VI, 60:
The seelie maide in secret longing pined,
Her hope a mote drawne up by Phebus raies,
Her love a mountaine seein'd, whereon bright shined
Fresh memorie of Tancreds worth and praise.
71. XX, 33:
And then Alarcos head she swapt of cleene,
Which like a footbali tumbled on the greene.
Ausser den bereits im text und in den anmerkungen erwähnten, von
Fairefax eingefügten bildern und vergleichen beachte man noch: I, 62
136 KOEPPEL,
schnell schwindender mut = Strohfeuer; I, 77 treue fUhrer = Hesperus,
der die sonne leitet; III, 21 haare der Clorinda = Sonnenstrahlen auf
alabasterfelsen; III, 36 Tancred tötet die feinde, wie der donner hohe
bäume des Libanon zerschmettert; III, 49 die geschosse fallen dicht wie
die tropfen eines aprilregens; III, 57 Christus, in Bethlehem geboren,
gleicht einer in stahl gefassten perle, einem in kupfer gefassten diamanten;
VIII, 32 mondstrahl = Sternschnuppe; IX, 19 das Schwert mäht die feinde,
wie sicheln die kornfelder; XIV, 39 perlen und edelsteine leuchten wie
sterne oder bühnenlampen ; XX, 22 die flügel des heeres gleichen den
hörnern des neumondes.
72. II, 58:
The first Aletes, borne in lowly shed
Of parents base, a rose, sprong from a brier,
That now his branches over Egypt spred,
No plant in Pharaoes garden prospred hier,
With pleasing tales his Lords vaine ears he fed,
A ilatterer, a pickthanke, and a lier,
Curst be estate got with so many a crime,
Yet this is oft the staire by which men clime.
73. Vgl. hath: faith IV, 12,44. VIII, 7. XX, 55; thou masle : hast :
fast wüste IV, 26; saith : wraith zorn : haith V, 33; hath : sath : scalh
VI, 100; wrath : he sath VI, 108; faith : wraith : haith VII, 79; faith :
scaith : wraith VIII, 23; denai'th : faith : haith VIII, 29; wrath : scath :
sath VIII, 82; wraith : faith : prai'th X, 69 etc. Auch eine a : it-bindung
findet sich grave : reeave (i. e. reeeive) : gave XIX, 95.
74. Weitere beispiele siehe VI, 106. IX, 25. XI, 83. XII, 23. XIII, 72.
XIV, 57,66. XVI, 27. XVII, 80. XIX, 69, 103, 120. Auch in unserem Jahr-
hundert wird in prosa und poesie noch oft genug durch Vermischung der
beiden Zeitwörter gesündigt. Einige beispiele aus prosaikern citiert Storm,
Englische Philologie s. 285; dichterslinden dieser art finden sich u. a. bei
Byron (Ch. Har. IV, 180), Shelley (Rev. of Isl. III, 30. VII, 33; Passage of
the Apennines v. 9), Keats (End. IV).
75. IV, 4: Some gnaw the snakes that on their Shoulders hing
(: bring : king) und X, 77. XVII, 13.
76. XII, 66: His hart rolenting nigh insunder rave (: crave).
77. XII, 82: Through which my cruell blade this fiood-gatc rove
(: move : love).
78. XIII, 41: Out of the rift red streames he trickling see (: tree).
79. XIX, 37: His people like a flowing streame inthrong(: strong).
80. 11,84: This is our beild, the blustring windes to shun; und
XVI, 49.
81. VII, 37: And buskt him boldly to the dreadfull fight; IX, 20.
82. IX, 4: The lands forenenst the Greekish shore he held; XV,
15. XVII, 81. X VIII, 67.
*3. Beachtenswert ist, dass er rxear : näher in drei verschiedenen
bmdungen verwendet: nar : fitr : war II, 88 ; ire : nire : inspire VI, 39, 102;
to reare : neare VIII, 13.
ENGLISCHE TASSO-ÜBERSETZÜNGEN. 137
84. Annida spricht (IV, 72):
So both thy goodnes, and good hap, denaid me,
Griefe, sorrow, mischiefe, care, hath overthrowne me,
The star that rul'd my birth-day hath betraid me,
My Genius sees his Charge, but dares not owiie me,
Of Queen-like State, my flight hath disarraid me,
My father dide, ere he five yeeres had knowne me,
My kingdome lost, and lastly resteth now,
Downe with the tree, sith broke is every bow.
85. Vgl z. b.:
IX, 20 : And buskt them bold to bataile and to fight
XVI, 61 : To land he lookt, tili land unseene he left
VIII, 23: Stroken he strikes, still stronger more they strive
XV, 58 : Sometimes for Speed and skill in swimming strive.
Noch seltener lässt sich derselbe Stabreim in die zweite zeile verfolgen:
IV, 34: This was the foule that first feil in the snare,
He saw her faire, and hopte to finde her kinde.
86. Vgl. z. b.:
IX, 57 : He tosseth, tumbleth, turneth as he lust
XX, 5 : Bent downe, to see this field, this fray, this fight.
XX, 123: And yet displeas'd with lucke, with life, with love.
87. banke and bulwarke 111,42; a barke or böte XVI, 5; battailous
and bold I, 37; bed and boure XVI, 14; bend and bow XIV, 25; bide or
beare VI, 66; borne and bred XV, 60; branch and bow XVI, 12; broad and
bold XVI, 14; the bud and blossome XVI, 15; bush and bramble VIII, 51;
bush and brire VII, 2; [he] buskt him boldly VII, 37. — chance and change
XX, 73. — over dale and downe I, 73; death or danger I, 42; drops and
dewes XV, 33. — faint and few XIII, 14; she faints, she falles XX, 96;
faire and false V, 60; their fate, their fall XX, 101; what fault or fate
II, 43; feares and flies III, 52; fierce and fearlesse XIX, 42; fierce as fire
XVII, 28; their fights and fraies VIII, 65; fire and flame XVIII, 87; firme
or fast XX, 108; fleete and flöte XVI, 5; force and furie XVIII, 70; frost
and fier IV, 93; froth and fome XV, 33. — nor gold nor guerdon XIX, 64;
on grasse or ground III, 40. — haps and hazards VI, 69; their haste and heato
XX, 4; they have and hould XX, 4; over holts and hags VIII, 41; ore hoult
and heath VIII, 12; with hope and haste XVII, 82; hope and helpe XIX, 4;
hurt or härme IX, 23. — downe she light, and downe she laid VII, 3; lives and
lies XX, 7; lust and love XV, 58; a lustie lovely las XIX, 77. — doth make
. . . doth marre XII, 46; meeke and milde XII, 30; of mickle might XII, 52;
with might and maine IX, 78. — part and portion XIX, 110; the pompc
and powre IX, 57; pompe and pride XX, 3; to preach or prate V, 57;
prop and post XX, 137; pure and precious XVIII, 15. — he ranne and
road XX, 122; the ranks and ranges VII, 107; as red as rose XIX, 114;
nor rest nor reason XIX, 126; rieh and raire XVI, 24; roam and ränge
XVHI, 35; the rod and raine XVII, 85; rore and rave XV, 8; he rose and
reard himseife XX, 87. — sad and sable XV, 2; safe and sure XIX, 82;
in shew and shape 1, 13; shew and shine XX, 6; scite and seat XIX, 59;
not slow, nor slack XX, 53; nor slumbred nor slept XIX, 66; smilde and
138 KOKPPEL,
smeld XVIII, 20; I spend and spül XVIII, 99; he staid and stood VII, 31;
thc stay and staffe VIII, 6; stern and stout II, 39; stiffe and strong IX, 8;
neither stir nor start XII, 55; he stirr'd or stood XIX, 20; not stop nor
stay VIII, 2; stop and stay XVIII, 103; stopt and stood XIV, 33; strong
and sturdie VI, 32; strong and stout IX, 24; stufte and störe XVIII, 42;
in sturdie steele XV, 2. — thicke and thinne VII, 3; thrust and throng
(sub.) XX, 17; at tilt or tournay (sub) XVII, 91; to tilt and tournay (verb.)
II, 40; time and tide XIX, 85; from top to toe VIII, 22; townes and towres
VII, 8; towres and turrets VI, 41; in traine or trap II, 89; by treason or
by trayne I, 86; turne and twine XV, 61. — waies and wiles VII, 90; he
walkt and wandred XIX, 60; the wanton winde XVI, 18; waste and wilde
XIX, 86; watch and wake XII, 17; watch and warde (sub.) VII, 4; sore
watcht and wearie X, 7; weake and wearie X, 1; weake and woefull XII, 65;
wish or want XIX, 64. Viele dieser form ein kommen öfters vor.
88. Wir finden es bei ihm nicht selten flinfmal in einer Strophe
(I, 1,39. II, 2,24 etc.), ja sechsmal (I, 4,11). Auch einer der oben bei
Fairefax gerügten häufungen begegnen wir in der F. Q.:
IV, 2, 8 Therefore he her did court, did serve, did woo.
89. Vgl. noch IV, 9. IX, 65. XIX, 69.
90. I. e. prevented. Die berüchtigte ausgäbe von 1749, welche sich
mit dem texte allerlei freiheiten erlaubt, hat:
Speed doth the News of their Approach prevent.
91. Die editio princeps hat would und falsche interpunktion: komma
nach foes. 1749 liest:
Yet Fortune nould they should the Battle try,
For both were frain'd by mightier Foes to dye.
92. 'Tis true, some few exploded Words we find,
To which we 've Obligation to be kind;
For if the Truth is scann'd, we must allow
They're better than the New admitted now:
Our language is at best, and it will fail
As th' Inundation of French Words prevail.
Let Waller be our Standard, all beyond
Tho' spoke at Court, is foppery and fond.
93. Vgl. Biographia Borealis; or Lives of Distinguished Northenero
by Hartley Coleridge, London 1833, p. 176 anm.
94. Vgl. Dryden's Preface to the Fables: 'Mition was the poetical
son of Spenser, and Mr. Waller of Fairfax many besides myself
have heard our famous Waller own, that he derived the harmony of
his numbers from "Godfrey of Bulloigne" which was turned into Eng-
lish by Mr. Fair fax' (Works, ed. by Scott-Saintsbury, Edinburgh 1885,
vol. XI, p. 209 f.).
95. Vgl. The Works of Edmund Waller Esq. in verse and prose.
Publ. by Mr. Fenton. London 1729, 4°. Die bemerk ungen betreffs Faire-
fax finden sich am schluss , in Fenton's * Observations on some of Mr.
Waller's Poems' passira.
96. 1. c. p. 209: * Spenser and Fairfax both flourished in the reign
of Queen Elizabeth; great masters in our language, and who saw m%ich
ENGLISCHE TASSO-ÜBERSETZUNGEN. 139
further into the beauties of our numbers, than those who immediately
follorved than'.
97. Vgl. The Editor's Preface der Singer'schen Fairefax-ausgabe,
London 1817. Einen weiteren beleg für Milton's kenntniss des englischen
Tasso bietet ans meines erachtens P. L. II, v. 713 sq.:
such a frown
Each cast at th' other, as when two black clouds'
With HeavVs artill'ry fraught, come rattling on
Over the Caspian
David Masson (vol. III, p. 144) bemerkt zu Caspian: lThis sea is chosen
either merely for the sake of a name, or be cause it is " remarkably
tempestuous".1 Sollte Milton zu* der wähl dieses geographischen namens
nicht durch Fair. VI, 38:
Or as when clouds together crusht and brused,
Powre downe a tempest by the Caspian shore,
bestimmt worden sein? Spenser's Caspian-steUen sind ganz verschieden.
Auch bei dem genialsten, bilderreichsten dramatiker der nachshakespeare-
schen zeit, bei John Webster, werden wir öfters an Fairefax erinnert:
Fair. XX, 133:
Yet waies enough I know to stop this winde:
A thousand entries hath the house of fate.
Duch. of Malfi IV, 2:
I know death hath ten thousand several doors
For men to take their exits.
Fair. IX, 54:
Clorinda went the proud Circassian bie,
So from ti piece two chained bullets flie.
1. c: Your brother and yourself are worthy men :
You have a pair of hearts are hollow graves,
Rotten and rotting others; and your vengeance,
Like two chain'd bullets, still goes arm in arm.
98. ' Edmund [\] Fair fax, one ofthe most Judicious, Elegant and haply\
in his time, most approved of English Translatours , both for his choice
of so worthüy ExtolCd a Heroic Poet as Torquato Tasso; as for the
exactness of his Version, in which he is judg'd by some to have approved
himself no less a Poet than in tvhat he he hath tvritten of his orvn
Genius1 (p. 34).
99. The Lives of the most Famous English Poets, or the Hononr
of Parnassus etc. Written by William Winstanley, Author of the English
Worthies, London 1687, p. 201.
100. Vgl. Notes of Ben Jonson's Conversations with William Drum-
mond of Hawthornden. January, 1619. [Ed. by David Laing.] London:
printed for the Shakespeare Society, 1842; p. 2 f. Auf weniger Wider-
spruch dürfte Jonson's beurteilung des ersten Tasso-mterpreten Englands,
Abraham Fraunce, stossen: Abram Francis, in his English Hexameters,
was a foole (ib. p. 4).
140 KOEPPEL,
101. How have I sat, when pip'd the pensive wind,
To hear his barp by British Fairfax strung!
102. l Fairfax has translated Tasso rvilh an elegance and ease, and
at the same Urne rvith an exactness, which for (hat age are surprising.
Each tine in the original is faithfully r endered by a correspondent line
m the translation' (H. of E., London 1830, in 6 vols.; vol. IV, p. 389).
103. II Tasso. A Dialogue. The Speakers, John Milton, Torquato
Tasso. London 1762, p. 12.
104. Select Translations from Tasso's Jerusalem. Three Pastorais,
with some other pieces. By Mrs. Elizabeth Rowe. London 1738. Die
Übersetzungen aus Tasso sind : The Resolution of the Christian Princes
to free Jerusalem. Satan's Advice to prevent it. From the fourth Book.
First Printed, 1704; A Description of the Inchanted Palace and Garden
of Armida From the sixth Book. First Printed, 1704; The Story
of Erminia from the Seventh Book. First Printed, 1709. Vgl. ausserdem:
Friendship in Death: in twenty letters from the Dead to the Living. To
which are added, Letters Moral and Entertaining, in Prose and Verse.
In three parts. By Mrs. Elizabeth Rowe. London 1 740. Part II, Letter
XVI, p. 307 sq.: The Story of Olinda [!] and Sophronia (Translated from
Tasso's Jerusalem, Book II). Part III, Letter V, p. 368 sq.: The En-
chanted Forest (Taken from Tasso's Jerusalem, Book XVIII). Diese
Übersetzungen sind sehr frei und stark von dem anstandsgefiihl der dame
bceinflusst. Metrum: heroic verse.
105. C. XIV, st. 32—39 vgl. Works of Thomas Gray, ed. by Edmund
Gosse, London 1884, 4 vols.; vol. I, p. 148 sq. Heroic verse.
106. The Jerusalem of Torquato Tasso. Translated by Thomas Hooke.
London 1738, 4°. Diese, in heroic verse abgefasste Übersetzung, welche
voll hochtrabender, geschraubter ausdrücke ist, lässt gleichwol an vielen
stellen den einfluss der Fairefax'schen version erkennen. Vgl. z. b.:
I, 3 Fair. They drinke deceiv'd ; and so deceiv'd, they live.
Hooke. They drink deceiv'd, and thus deceiv'd they live.
I. 89 Fair. To other thqughts he bent his fierce desire
Hooke. And bends to other Thoughts his fierce desire.
107. Tasso's Jerusalem, an Epic Poem. Translated from the Italian.
By Henry Brooke, Esq. London 1738, 4°. In heroic verse. Ob Brooke
den italienischen text selbst vor äugen hatte, ist mir sehr zweifelhaft;
sein fragment macht den eindruck einer freien paraphrase der Fairefax-
schen Übersetzung. Faire fax bezeichnet z. b. Rinaldo als
A co m et, worthie each eies wondering (I, 58),
wovon Tasso kein wort sagt, und bei Brooke lesen wir:
Last in the Rear of that embattl'd Train
Shone the young Comet of the glittring Piain,
Rinaldo
Auch die Volga des Fairefax (vgl. s. HO) finden wir bei Brooke wider.
108. Several Pieces in Prose and Verse. By Mr. Layng. London:
printed for the Author . . . 1748, 4°; p. 77 sq. Metrum: heroic verse.
ENGLISCHE TASSO-ÜBERSETZUNGEN. 141
109. The Delivery of Jerusalem. An Heroick Poem. By Torquato
Tasso. In 20 Books. Translated into English Blank Verse by Philip
Doyne Esq.; To which is added The Life of Tasso, and an Essay on
the Gerusalemme Liberata. Vols. 2. Dublin 1761, 8°. Wie gründlich sich
Doyne die ältere Übersetzung zu nutze gemacht hat, mag ein beispiel
beweisen. Fair. XVI, 15:
So, in the passing of a day, doth pas
, The bud and blossome of the life of man,
Nor ere doth flourish more, but like the gras
Cut downe, becometh withred, pale and wan:
0 gather then the rose, while time thou has,
Short is the day, done when it scant began,
Gather the rose of love, while yet thou raast
Loving, be lov'd; embrasing, be erabrast.
Doyne XVI, v. 125 sq.:
So in the passing of a day, doth pass
The blossom, and the bud, of mortal life,
Nor ere doth flourish more; but like the herb
Cut down, becometh wither'd, wan and pale.
0! gather then the rose while in its prime:
Short is the day, ere we can think it come,
'Tis past; oh! gather then the rose of love,
While yet thou may'st. Oh! love and be belov'd.
Es ist übrigens nur gerecht zu betonen, dass Doyne viele der fehler und
conceits des Fairefax nicht aufgenommen hat, und dass er eine nicht zu
verachtende beherrschung des blank verse an den tag legt.
110. Jerusalem Delivered; An Heroick Poem: Translated from the
Italian of Torquato Tasso. By John Hoole. In 2 vols. London 1763, 8°.
Metrum: heroic verse.
111. 1783 erschien sie bereits in fünfter aufläge.
112. Vgl. Dowden's 'Southey', London 1879, p. 14; Masson's 'De
Quincey', London 1881, p. 18 (Morley's English Men of Letters). Die be-
treffende stelle aus Walter Scott's biographie citiert Allibone in seinem
(Critical Dictionary' bei John Hoole.
113. Vgl. für das 18. Jahrhundert ausserdem noch den s. 130, anm. 4
citierten artikel der Bibliographia Britannica, welcher, 1793 gedruckt, das
urteil des Jahrhunderts über Fairefax und Hoole zusammenfasst : Fairefax
wird zwar gegen die abfälligen bemerkungen Hoole's in schütz genommen,
die Überlegenheit des letzteren aber doch anerkannt. Der artikel bringt
einige weitere urteile über Fairefax und gibt eine längere probe seiner
Übersetzung (c. XII, st. 18 — 41) nach dem text der ausgäbe von 1687.
114. Ein fragment der Gerusalemme bietet Henry Gosse in seinen
'Poetical Translations ', London 1822. Jerusalem Delivered. Canto XVI,
p. 1 — 66. Metrum: heroic verse. Eine Übersetzung des befreiten Jeru-
salem von Miss Susan Watts, welche ich bei Wiffen (Jer. Del., Book the
Fourth, London 1821; Inlroduction p. 6) und in 'Hymns and Poems of the
142 KOEPPKL, ENGLISCHE TASSO-ÜBRRSBTZUNGKN.
late Mrs. Susanna Watts, with a few Recollections of her Life', Leicester
1842, p. 55, erwähnt fand, habe ich nicht entdecken können.
115. Allibone führt noch eine amerikanische ausgäbe von 1855, auf
grund des Knight'schen textes, an.
116. Alex. C. Robertson teilt in der vorrede seiner obenerwähnten,
1853 erschienenen Übersetzung der Gerusalemme ein gespräch mit Words-
worth mit, welchen er 1846 betreffs der von ihm geplanten Übersetzung
befragte. Wordsworth sagte u.a.: 'Wiffens Iranslaiion is a failurc;
Boote's is contemptible. Co! er läge's translation of " Wallenstein" is the
model translation of the English tanguage, it is in many place s better
than the original; the rneire is better \
München. E. Koeppel.
i^v *■ *
DIE ENTSTEHUNG DER HAMCET-TRAGÖDIE.
I.
Shakespeare'» Hamlet und Thomas Kyd.
Ueber den Verfasser des alten, verlorengegangenen Hamlet-
dramas, dessen existenz schon durch eine anspielung aus dem
jähre 1589(87?) bezeugt wird, sind die meinungen bekanntlich
geteilt. Elze nahm mit Knight an, dass der urhamlet ein jugend-
werk Shakespeare's gewesen, eine blut- und rachetragödie im
stile des Titus Andronicus (einleitung zu Elze's ausgäbe des
Hamlet s. XVII f.). Die nichterwähnung des Hamlet in Francis
Meres' Palladis Tamia (1598) bei der aufzählung von Shake-
speares stttcken ist allerdings kein gewichtiger gegengrund
gegen die annähme, obgleich es immerhin etwas auffällig wäre,
wenn Meres gerade ein so beliebtes und berühmtes drama aus-
gelassen hätte.
Allein mehrere andere gründe sprechen gegen Elze's hypo-
these. Läge in unserem Hamlet die Überarbeitung eines jugend-
werkes von Shakespeare vor, wie wir es bei jener Voraussetzung
doch annehmen müssten, so wäre zu erwarten, dass sich wenig-
stens an einigen stellen noch ein stil geltend machte, der an
die anderen Jugendtragödien: Titus Andronicus, Henry VI. deut-
lich erinnerte. Allein nach H. Isaac's Untersuchungen (Archiv
f. neuere Sprachen bd. 73 — 75) treten irgend welche bestimmtere
anklänge an diese nicht hervor, und der stil des Hamlet lässt
sich nur ganz im allgemeinen mit denselben vergleichen.
Die personennamen im Hamlet sind nicht ganz in Shake-
speare^ geschmack und weisen zum teil über ihn hinaus. Bei
aller Vorliebe für die italienische spräche hätte unser dichter
doch wol kaum aus eigenem antriebe den Dänen italienische
oder lateinische namen beigelegt: Bernardo, Francisco, Montana
(Beynaldo), Horalio, Claudius {Claudio), Marcellus; wenigstens hat
144 SARRAZIN,
er eine solche Störung des lokalkolorits in den anderen nor-
dischen dramen: Lear, Macbeth vermieden (in Cymbeline sind
die personen zum teil wirklich als Römer, Italiener gedacht).
Noch weniger ist anzunehmen, dass Shakespeare den ans einem
griechischen abstractum gebildeten namen Ophelia (= co<piXeia)x
. selbst erfunden.
Die Charaktere im Hamlet sind trotz aller feinheit und
kunst, mit welcher Shakespeare sie ausgeführt hat, doch zum
teil schablonenhaft;, feum teil unsicher in der Zeichnung, so dass
sie bekanntlich von den verschiedenen erklärern in der verschie-
densten weise aufgefasst worden sind. Dieser mangel würde
sich zwar zur not auch durch die Umarbeitung eines eigenen
Jugendwerkes erklären lassen, noch besser aber bei der an-
nähme, dass Shakespeare ein fremdes drama benutzt und
die von seinem Vorgänger skizzierten Charaktere nicht immer
dessen intentionen entsprechend, frei ausgeführt hätte. Die
figuren des Polonius, Laertes, der Gertrud, Ophelia scheinen
ausserdem auch aus weicherem holz geschnitzt zu sein, als bei
Shakespeare sonst üblich ist.
Auch die komposition des Stückes ist zum teil etwas un-
shakespearisch, als wenn der plan von einem anderen dichter
vorgezeichnet wäre. Scenen wie der schluss des ersten aktes,
der aufstand des Laertes, die beerdigung der Ophelia und die
rauferei zwischen Hamlet und Laertes, die fleuretmensur (sämmt-
lich in der alten sage nicht angedeutet), machen nicht den ein-
druck, als wenn sie von Shakespeare, selbst in seiner frühesten
jugend, erfunden sein könnten; dazu sind sie einerseits zu ge-
schickt auf den bühneneffekt berechnet, andererseits zu ober-
flächlich und psychologisch mangelhaft motiviert.
Wäre der urhamlet von Shakespeare selbst verfasst, so
müssten wir entweder annehmen, dass der junge dichter schon
die sage ganz frei und selbständig behandelte, während er doch
z. b. noch in Romeo und Julia sich in bezug auf den gang der
bandlung eng an seine vorläge hielt, oder dass er in späteren
jahren sein eigenes werk vollständig umarbeitete und zwar in
einer weise, die weder seiner frühesten, noch seiner späteren
1 Nach der alten sage (Saxo) steht das ungenannte mädchen, welches
der Ophelia des dramas entspricht, dem Anilethus bei und hilft ihm die
von seinem oheini gelegten schlingen vermeiden. Sollte etwa daher der
name, welcher 'beistand, hilfe' bedeutet, gewählt sein?
ENTSTEHUNG DER HAMLET-TRAGÖDIE. 145
kompositionsart entspricht. Beide annahmen sind unwahr-
scheinlich.
Ferner deutet die bei Shakespeare (trotz dem, was Macau-
lay, Gervinus und andere zur erklärung anführten) auffallende,
aussergewöhnlich starke katholische färbung unseres dramas
auf einen fremdartigen Ursprung, denn aus Saxo oder Belie-
ferest kann sie nicht entnommen sein. Auch die systematische
modernisierung des alten sagenstoifes stimmt nicht zu Shake-
speares behandlungsweise, der sonst das antike oder mittel-
alterliche kolorit wenigstens im allgemeinen wahrt, wenn er
sich auch manche anachronismen gestattet.
Endlich sprechen auch noch die abweichungen der Qu.A,
welche nach H. Isaac's Untersuchungen doch wol im wesent-
lichen auf einer früheren redaktion beruht, gegen die an-
nähme, dass der alte Hamlet von Shakespeare selbst herrühre,
denn, wie auch die herausgeber der Cambridge Edition hervor-
heben (Preface to Hamlet, Clarendon Press, s. XI), an einigen
stellen der Qu.A tritt deutlich der stil eines anderen, weniger
bedeutenden dichters hervor.
•
Diese erwägungen lassen Elze's hypothese als unannehm-
bar erscheinen und drängen zu der von den meisten eng-
lischen und deutschen gelehrten vertretenen annähme, dass
der alte Hamlet, auf welchem Shakespeare's drama doch ohne
zweifei beruht, von einem anderen dichter verfasst ist.
Der einzige vorshakespearische dramatiker, der als Ver-
fasser eines urhamlet in betracht kommen kann, ist Thomas
Ky d. Schon Malone vermutete, dass der alte Hamlet ein werk
Kyd's sei. In Lowndes' Bibliographer's Manual (new edit. by
Henry G. Bohn, London 1858, s. 935), einem sonst ganz zuver-
lässigen werke, ist von 'A'ydd's old play of Hamlet, published in
1589, 4*°* wie von einem wirklich vorhandenen buche die rede;
diese auffallende notiz muss schon in der ersten ausgäbe von
1834 stehen, da Elze in der vorrede zu seiner Hamletausgabe
von 1857 auf dieselbe bezug nimmt. Möglicherweise ist die
angäbe durch Malone's hypothese veranlasst, sie kann aber
auch aus alter tradition oder aus einer uns nicht mehr zugäng-
lichen quelle geschöpft sein.
Für die hypothese eines Kyd'schen urhamlet, als quelle
von Shakespeare^ drama, sprechen in der tat zahlreiche und
zum teil recht gewichtige innere gründe.
Anglift, XII. bftiid. 10
146 SARRAZIN.
Shakespeare's drama weist in der komposition, darstellungs-
weise, ja stellenweise sogar im stil eine gewisse familienähn-
lichkeit mit den erhaltenen Kyd'schen dramen auf.
Kyd's Spanische Tragödie besonders ist, wie bekannt,
in bezug auf dramatische motive, Charaktere, komposition ein
pendant zum Hamlet. Wie im Hamlet, ist auch in der Sp. Tr.
blutrache das leitmotiv der handlung; umgekehrt wie im Hamlet
hat hier ein vater seinen ermordeten söhn zu rächen; auch in
der Sp. Tr. schiebt der zur blutrache verpflichtete die ausfüh-
rung derselben hinaus, schilt sich selbst wegen seiner unent-
schlossenheit und wird von anderen deswegen gescholten; auch
dort stellt er sich schwachsinnig (Dodsley-Hazlitt, Collection of
Old Englisli Plays V, 124), verfällt aber dabei in eine wirkliche
geisteszerrüttung, die an irrsinn grenzt; wie im Hamlet heuchelt
er eine versöhnliche und sogar lustige Stimmung (a. a. o. s. 116);
der ironisch-sarkastische ton, in welchem er mit seinen feinden
spricht, ähnelt dem Hamlet's; wie im Hamlet ist der rächer
als ein gelehrter, büh neu verständiger, dramaturgisch gebil-
deter mann dargestellt und führt durch ein von ihm in scene
gesetztes Schauspiel die katastrophe herbei, freilich in ganz
anderer weise. Wie im Hamlet die tochter des ermordeten Po-
lonius, so wird in der Sp. Tr. die mutter des ermordeten Horatio
wahnsinnig und bringt sich um. Wie im Hamlet tritt in der
Sp. Tr. ein zur räche mahnender geist auf. Der Charakter des
Lorenzo, der den geliebten seiner Schwester ermordet, in der
Sp. Tr., entspricht ungefähr dem des Laertes.
Auch Kyd's drama Jeronimo1 (eine art Vorspiel zu der
Sp. Tr.) bietet parallelen. Der Charakter des alten marschalls
Jeronimo ist in diesem stücke ganz ähnlich gezeichnet wie der
des Polonius. Auch Jeronimo ist der langbewährte, in hoher
gunst stehende diener seines fttrsten, der 'hofbiedermamT; aber
auch er ist dabei etwas als komischer alter geschildert (Dodsley-
Hazlitt IV, 361 ff.); auch er rühmt sich seiner Schlauheit (s. 361)
und gibt seinem söhne und anderen gute lehren in bezug auf
diplomatische kunst und feines benehmen (s. 351, 367). Sein
söhn Horatio ist indessen in bezug auf den charakter nicht
etwa dem Laertes zu vergleichen, sondern der gleichnamigen
1 Die autorschaft Kvd's zeigt Markscheffel in seinem programm :
'Thomas Kyd'H Tragödien' IS86, I, s. 13 ff.
ENTSTEHUNG DER HAMLET-TRAGÖDIE. 147
person im Hamlet; er ist vertrauter and des helden (Andrea)
treuer freund, der sich nur mit rauhe zurückhalten lässt, ihm
in den tod zu folgen. /
Die erste scene des Schauspiels Jeronimo, in welcher der
könig von Spanien seinen getreuen marschall und dessen söhn
Horatio in huldvoller audienz empfängt, und einen gesandten,
der in Portugal ein Ultimatum stellen soll, entlässt, während
Lorenzo unzufrieden bei seite steht und seinem groll zuletzt in
einem monolog luft macht, ist im scenischen arrangement und
in der gruppierung der personen auffallend ähnlich der zwei-
ten scene des Hamlet Die zweite scene des Jeronimo widerum
bildet ein pendant zu der dritten des Hamlet; denn wie dort ein
bruder von seiner Schwester (Laertes von Ophelia), so nimmt
hier ein liebender von seiner geliebten (Andreas von Bellim-
peria) vor einer grösseren seereise zärtlichen abschied; und die
letzten worte klingen sogar merkwürdig ähnlich.1
Im allgemeinen ist noch zu bemerken, dass in diesen beiden
Kyd'schen dramen dieselbe atmosphäre sittlicher korruption zu
tage tritt, wie im Hamlet: meuchelmord, intrigue, heuchelei,
Verstellung, spionierwesen ist auch dort ganz allgemein im
schwänge.
Kyd hebt bei den helden seiner tragödien (Jeronimo, Ho-
ratio, Andrea) in auffallender weise die Universitätsbildung
hervor (Dodsley IV, 367,389; V, 123, 148), ganz ähnlich, wie es
bekanntlich im Hamlet (sonst aber in Shakespeare's tragödien
und historien nicht!) der fall ist.
In der bekannten stelle von Nash's epistel, die auf den
dichter des urhamlet anspielt, wird angedeutet, dass derselbe
die juristische laufbahn {trade of noverint) aufgegeben habe,
um buhnendichter zu werden. Dieser umstand würde auf Kyd
mindestens ebenso gut passen, wie auf Shakespeare; denn in
der Sp. Tr. kommen (s. 126) juristische kunstausdrücke vor, die
einige sachkenntniss verraten : action of baüery, ejectio firma.
1 Jeron. (Dodsley-Hazlitt IV, 356):
Bellimp. Faretvell, my lord:
Be mindful of my love and of your word.
And. T is fixed upon my heart
Haml. I, 3, 84:
Laer. Fareweü, Ophelia; and remember well
What I have said to you.
Oph. 9T is in my memory lock'd ....
10*
148 SARRAZIN,
Dass bei Kyd, ebenso wol wie im Hamlet, häufig klassisch-
mythologische anspielungeu sich finden, ist kaum erwähnens-
wert, weil im Zeitgeschmack begründet und allgemein üblich.
Doch scheint es mir, dass die neigung dazu im Hamlet sich
stärker äussert, als sonst bei Shakespeare (vgl. Delius, Abhand-
lungen zu Shakspere, n. f., s. 179 ff.).
In Kyd's dramen zeigt sich eine auffallende Vorliebe für
das waffenhandwerk. Ausführliche, von einer gewissen sach-
kenntniss zeugende schlacht- und gefechtsschilderungen kommen
sowol in der Sp. Tr., wie im Jeron. vor (IV, 387; V, 11 ff., 239 ff);
der soldatische beruf wird als besonders ehrenvoll hervorge-
hoben (IV, 385); seitsame, dem militärwesen entnommene ver-
gleiche finden sich, z. b. 'spleens big as a cannon-bullet' (IV, 382)
oder 'my heart grown hard gainst mischief's battery' (V, 24). Ist
Kyd etwa eine Zeitlang soldat gewesen, wie Ben Jonson?
Auch in Shakespeare's dramen im allgemeinen ist natür-
lich viel von schlachten und Zweikämpfen die rede; allein doch
meist nur im anschluss an die quelle und ohne dass ein leben-
digeres interesse des dichters für das kriegswesen sich zeigte,
wie etwa für jagd und falkenbeize. Der Hamlet nimmt auch
in dieser beziehung eine Sonderstellung unter Shakespeare's
dramen ein. Obwol hier die alte sage und die ganze anläge
des Stückes nur wenig veranlassung bot, militärische dinge zu
erwähnen, geschieht dies doch aussergewöhnlich häufig. Die
kriegsrüstungen in Dänemark, der Polenfeldzug des Fortin-
bras, das Seegefecht Hamlet's sind romanhafte, mit der eigent-
lichen handlung nur in geringem zusammenhange stehende aus-
schmückungen der fabel, mehr in Kyd's als in Shakespeare's
geschmack. In Übereinstimmung damit steht die schildwacht-
scene im eingang des Stückes und das militärische begräbniss
Hamlet's am schluss {Bear Hamlet, Uke a soldier, to the stage . .
The soldiers9 music and the rites of war Speak loudly for htm . .
Go, bid the soldiers shoot). Hamlet wird von Ophelia bezeich-
net als: 'The courtier's, soldier's, scholar's eye, tongue, sword*
(ni, 1), er selbst ermahnt seine freunde mit den Worten: 'as
you are friends, scholars and soldiers' (I, 5), ganz ähnlich wie
z. b. im Jeronimo (Dodsley IV, 385) die personen einander bei
der soldatenehre fassen. Auch der im Hamlet mehrfach vor-
kommende militärische lärm von trompeten, kesselpauken,
böllerschüssen und flintensalven (Hamlet I, 2; I, 4; V, 2) ist
ENTSTEHUNG DBR HAMLET-TRAGÖDIE. 149
weniger in Shakespeare^, als in Kyd's geschmack (vgl. z. b.
Dodsley IV, 362, 382, 383; V, 15, 171). Militärische vergleiche
und metaphern sind im Hamlet aussergewöhnlich häufig: I, 1,
31, 151; I, 3, 34; I, 4, 28; I, 5, 162; III, 4, 37, 120; III, 5, 207;
IV, 1,42; IV, 5,78,95.
Kyd's Cornelia kann bei der vergleich ung nicht sehr in
betracht kommen, da dies stück nur die Übersetzung eines
französischen Schauspiels von Garnier ist. Indessen ist eine
bemerkenswerte Übereinstimmung, dass in diesem drama viel
gesprochen wird von den leicht zu trocknenden tränen der
witwen; Cornelia macht sich vorwürfe wegen ihrer zweiten
heirat und erzählt, dass der geist ihres verstorbenen gemahls
ihr erschienen sei. Cicero tröstet sie beim tode ihres zweiten
gatten mit ganz ähnlichen gemeinplätzen, wie Claudius und
Gertrud den Hamlet in der zweiten scene des ersten aktes.1
Die erwägungen in der Cornelia, ob der Selbstmord eine
handlung der feigheit oder des höchsten mutes sei, erinnern
inhaltlich an Hamlet's berühmten monolog.2
Die tragödie 'Soliman and Perseda' (welche doch woi
höchstwahrscheinlich von Kyd herrührt, da Kyd sie dem in
der Sp. Tr. eingelegten Schauspiel zu gründe gelegt hat, und ,
der stil dem der anderen tragödien sehr ähnlich ist3) bietet
keine charakteristischen vergleichungspunkte, ausser darin,
dass die katastrophe auch hier durch ein duell und durch
1 Cornelia (Dodsley-Hazlitt V) s. 197:
Madam, you must not thus transpose yourself;
W e see your sorrow, but rvho sorrows not?
The grxef is common ....
All things are subject to death's tyranny,
Both clowns and kings one seifsame course must run,
And whatsoever lives, is sure to die.
Vgl. Hamlet I, 2,72:
Thou know'st'l is common; all that lives must die.
8 Dodsley-Hazlitt V, 201:
T is not for frailty or faint corvardice,
That men (to shun mischances) seek for dealh;
But rather he that seeks it shorvs himself
Of certain courage gainst uncerlain chance.
he that retires not at the threals of death,
Is not, as are the vulgär, slightly fray'd.
3 Markscheffel, a. a. o. II, s. 11. Ich führe noch den aiisdruck (Ely-
sian shades' Solim. (Dodsley-Hazlitt V) s. 334 an, der gerade bei Kyd be-
liebt ist, z. b. in der Cornelia (Dodsley-Hazlitt V) s. 200, 208; ferner den ähn-
lichen vergleich Solim. (a.a.O.) s. 371 : And boils, like Aetna, in my frying
guts — Sp. Tr. s. 100: }Vho burnt, like Aetna, for Andreas loss.
150 SARRAZIN,
Vergiftung herbeigeführt wird. Bemerkenswert ist ferner, dass
an einer anderen stelle dieses Stückes auf eine fleuretmensur
mit vergifteten degenspitzen angespielt wird, was doch jeden-
falls ein sehr ungewöhnliches vorkommniss war.1
Eine ganze anzahl dramatischer motive der Hamlettragödie,
und zwar gerade solche, die nicht der alten sage entnommen
sind, finden sich also in Kyd'schen dramen wider, und der
grundcharakter stimmt ziemlich überein. Diese tatsache an
sich ist schon beachtenswert. Sie wird aber noch bedeutsamer
durch den umstand, dass mehrfach im Hamlet stilähnlich-
keit, zum teil sogar in wörtlichen anklängen an Kyd's dra-
men hervortritt.
Es gibt einige stellen im Hamlet, die sich durch einen
etwas steifen, hölzernen, gespreizten stil deutlich von dem
übrigen drama abheben. Besonders das eingelegte Schauspiel
ist in dieser hinsieht bemerkenswert, in geringerem grade auch
z. b. die rede des geistes(l,5) und Hamlet1 8 Zwiegespräch mit
seiner mutter (III, 4). Gerade an solchen stellen nun finden
wir denselben puppenspielartigen ton, dieselbe Vorliebe für Sen-
tenzen und 'treffliche pragmatische maximen', dieselbe neigung
zu antithesen mit alliteration und zur widerholung gewisser
schlagworte, wir finden ganz ähnliche klassisch-mythologische
allegorien und metaphern wie bei Kyd. Und gerade in den-
selben partien kommen auch wörtliche anklänge an Kyd's dra-
men vor. So lässt sich in dem eingelegten Schauspiel (Hamlet
III, 2) vergleichen:
v. 169 Since love our hearls and Hymen did our hands
Unile commutual in most sacred bands
Vgl. Cornelia (Dodsley-IIazlitt V, 192):
Untie the bands (hat sacred Hymen knit
v. 181 Where love is great, the lilllest doubts are fear;
Where Utile fears gtu<w great, great love grows there.
Vgl. Com. (Dodsley V, 199)*:
Great losses greatly are to be deplord;
The loss is great that cannol be restor'd
1 Solim. (Dodsley-IIazlitt V) s. 264:
In Italy I put my knighthood ony
Where in my shirt but witli a sitigle rapier
I combated a Roman much renown'd,
His weapon's point empoison'd for my bane.
* A eh n lieh Solim. (Dodsley V, 284): great losses seldom are restofd.
ENTSTEHUNG DER HAMLET-TRAGÖDIE. 151
Sp. Tr. (Dodsley V, 50):
IUI conquer my misdoubt,
And in thy love and counsei drown my fear.
I fear no more: love is norv all my ihoughts.
(Die letztere stelle, welche wegen der widerholten antithese love-
fear verglichen ist, steht in der Sp. Tr. in ganz ähnlichem inhaltlichen
zusammenhange, wie die entsprechende des Hamlet. In beiden fällen ist
sie dem Zwiegespräch zweier liebenden (ehegatten) entnommen, welches
bei einem Schäferstündchen im garten stattfindet; in beiden fällen ist es
die liebende, welche spricht und mit diesen worten eine böse Vorahnung
und die besorgniss, dass dem geliebten etwas zustossen könnte, äussert;
in beiden fällen wird der geliebte (gemahl) wirklich bald darauf ermordet.)
v. 208 Where joy most revels, grief doth most lament;
Grief joys, joy grieves, on slender aeeident.
Vgl. Sp. Tr. (a. a. o. s. 59):
Then will I joy amidst my discontent.
Sp. Tr. (a. a. o. s. 124):
Thus therefore will I rest me in unrest
Dissembling quiet in unquietness.
Sp. Tr. (a. a. o. s. 26):
l'll turn ....
Their joys to pain, their bliss to misery.
v. 210 This world is not for aye, nor 't is not Strange,
That even our loves should with our forlunes c hange.
Vgl. Corn. (a. a. o. s. 194):
The wide world's aeeidents are apt to c hange.
v. 212 For 7 is a question left us yet to prove,
Whether love lead fortune, or eise fortune love.
Vgl. Solim. (a. a. o. s. 291):
But where fore slay we? let the sequel prove
Who is the greatest: Fortune, Death or Love.
v. 215 The poor advanced makes friends of enemies.
v. 218 And who in want a hollow friend doth try,
Directly seasons htm his enemy.
Vgl. Com. (a. a. o. s. 233):
A man may make his foe his friend, you know.
A man may easier make his friend his foe.
v. 223 Our thoughts are ours, their ends none of our own
Vgl. Corn. (a. a. o. s. 200):
Death' s always ready, and our Urne is known
To be at Heavens dispose, and not our own.
/
152 SARRAZIN,
v. 228 To desperation turn tny trust and hope
Vgl. Sp. Tr. (a. a. o. 8. 36):
77/ turn their hope into despair.
Diese parallelstellen werden genügen, um darzutun, dass
das eingelegte Schauspiel in einem dem Kyd'schen sehr ähn-
liehen stile gesehrieben ist.
Sonst finden sich im Hamlet nur sehr vereinzelte anklänge
an Kyd's dramen:
I, 1,42 Thou art a scholar; speak to it, Horatio!
Vgl. Jeron. (Dodsley-Hazlitt IV, 368):
Art thou a scholar, Don Horatio?
(Vielleicht zufällige Übereinstimmung.)
I, 4, 85 l'll make a ghost of htm that lets me.
Vgl. Jeron. (a. a. o. s. 360):
Let me aJone, 77/ turn him to a ghost.
(Charakteristische Übereinstimmung in euphemistischer ausdrucksweise.)
II, 2, 240
Haml. W hat's the nervs?
Rosencr. None, my lord, but that the World 's grorvn honest.
Haml. Then is doomsday near. But your nervs is not true.
Vgl. Jeron. (a. a. o. s. 360):
Jeron. Strange news:
Lorenzo is become an honest man.
Isab. 7s this your wondrous news?
Jeron. 75 it not wondrous
To have honesiy in hell?
Haml. II, 3, 15 wird das loos der künige verglichen mit:
. . a massy wheel,
Fix'd on the summit of the highest mount.
Aehnlich Sp. Tr. (Dodsley V, 61):
lnfortunate condition of kings,
. . we are plac'd upon extremest height,
. . but ever subject to the wheel of chance.
Haml. III, 4, 57
Hyperion's curls, the front of Jove himself
Vgl. Solim. (Dodsley V, 333):
Fair locks1, resemblmg Phoebus' radiant beains;
Smooth forehead, like the table of high Jove.
1 Ohne zweifei ist 'locks' zu lesen statt des 'looks' der ausgäbe,
was nur einen schiefen sinn gibt, zu dem epitheton 'fair' nicht passt,
und den Zusammenhang der Schilderung stört. Von den äugen ist erst
ENTSTEHUNG DER HAMLET-TRAGÖDIE. 153
Haml. V) 1, 239 ff. ist die bombastische redcweise in dem streite
zwischen Hamlet und Laertes vergleichbar mit dem Wortgefecht zwischen
Andrea und Balthazar im Jeron. (Dodsley IV, 364):
Bai. / teil thee, noble spiril,
I *d wade up to the knees in blood, I *d make
A bridge of Spanish carcasses, to Single thee
Out of the gasping army.
And. Wo ot thou, prince? ....
Bai. Tut, love nie, man, ruhen tve have drunk
Hot blood together ....
(der letzte ausdruck findet sich Hamlet III, 2,407: now could I drink
hot blood . . .).
Haml. V, 2,375:
0 proud death,
What feast is toward in thine eternal cell,
That thou so many princes at a shot
So bloodily hast slrucjc?
Aehnliches gleichniss Jeron. (Dodsley IV) s. 387:
Notv death doth heap his goods up all at once,
And crams his storehouse to the top rvith blood.
Vielleicht ist es nicht ohne bedeutung, dass stileigentlim-
liehkeiten, die, wenn auch nicht ausschliesslich, so doch vor-
wiegend Kyd angehören, sich gerade im Hamlet an einigen
stellen finden. So sind bei Kyd epitheta, die mit participien zu-
sammengesetzt sind, beliebt (Markscheffel a.a. o.I, s. 18). Aehn-
lich im Hamlet: seeming-virtuous I, 5, 47 (vgl. chastest-seeming
Dodsley IV, 359), heaven-kissing III, 4, 59, wonder-rvounded V,
1, 280, shrill'sounding I, 1, 151.
Paradoxa, kontraste, oxymora wendet Kyd mit Vorliebe an
(Markscheffel a. a. o. I, s. 18). Dazu vergleiche man Haml. I,
2, 10 with a defeated joy\ I, 2, 12 With mirth in funeral and
with dirge in marriage, und die schon angeführten stellen I, 2,
72; 111, 2, 208, 288; ferner III, 4, 178 / must be cruel, only to
be kind] III, 4, 161 That monsler custom . . of habits devil, is
atigel yet in this\ I, 2, 43 bent safety his in fear.
Eine eigenttimlichkeit, die Kyd mit anderen älteren dra-
m atikern, z. b. Mario we, gemein hat, welche aber von Shake-
speare sonst nur in geringem masse geteilt wird, ist, dass er
nachher die rede; die stelle gehört zu einer Schilderung der bestandteile
weiblicher Schönheit, welche genau von oben nach unten geht: locks,
forehead, eyebrorvs, eyes, Ups, cheeks, neck, breasts.
154 SARRAZIN,
seine figuren von sich selbst in der dritten person sprechen
lässt, z. b. Sp. Tr. (Dodsley V) s. 103, 131, 136, 155, 163, 165.
Ebenso redet im Hamlet der könig (I, 2,34; V, 2,82), die
königin (V, 2, 300), Fortinbras (IV, 4, 2), Hamlet (V, 2, 244) in
der dritten person von sich.
Ein Wortspiel wie Haml. 1, 2, 65: (A Uttle more than kin, and
less than kind' scheint mehr in Kyd's als in Shakespeare^ ge-
schmack; vgl. Corn. (Dodsley V) 8. 199: their death (pur dearth)
Haih hid them both emborvelVd in the earth. Doch soll auf die
letzteren Stilähnlichkeiten kein grosses gewicht gelegt werden.
So viel wird indessen durch die vergleich ung bewiesen sein,
dass ein bestimmter literarhistorischer Zusammenhang zwischen
dem Hamlet und Kyd's dramen bestehen muss. Man könnte
nun freilich immer noch diesen Zusammenhang so erklären,
dass Shakespeare Kyd's stil und kompositionsweise im Hamlet
nachgeahmt habe. Dass er Kyd's dramen kannte ist von vorn-
herein wahrscheinlich, und wenigstens für die Spanische Tra-
gödie durch die bekannte anspielung im Vorspiel zur Bezähmten
Widerspänstigen sicher.1 Es kann auch kaum einem zweifei
unterliegen, dass Shakespeare bisweilen, namentlich in seinen
Jugenddichtungen, Kyd's stil bewusst oder unbewusst nachge-
ahmt hat. So lässt sich vergleichen:
Sp. Tr. (Dodsley V, 21):
Then rest we here arvhUc in our unresl
Tit. Andron. IV, 2, 31:
Buhlet her rest in her unrest awhile
(Uhulich Richard III., IV, 4, 29).
Sp. Tr. (Dodsley V, 24): my heart grorvn hard gainst mischte fs
battery.
Venus and Adon. 426: for where a heart is hard, they (viz. your
feigned tears) make no battery.
Sp. Tr. (Dodsley V, II)):
So hares may pull dead lions by the bead
King John II, 1, 137:
You are the hare of rvhom the proverb goes,
Whose valour plucks dead lions by the heard.
Sp. Tr. (Dodsley V, G7):
0 lifel no life but iively form of dealh!
1 In King John I, 1, 244 kommt auch eine anspielung auf eine figur
aus Soliman und Perseda, Basilisco, vor.
ENTSTEHUNG DER HAMLET-TRAGÖDIE. 155
Rom. and Jul. IV, 5, 58:
0 love! 0 life! not life, but love in death!
Selbst noch bis in spätere tragödien Shakespeare's lässt
sich der einfluss von Kyd verfolgen. So scheint mir z. b. die
zweite scene des ersten aktes von Macbeth angeregt durch die
erste scene der Sp. Tr. In beiden fällen lässt sich ein könig
nach einer schlacht bericht erstatten über den verlauf dersel-
ben, in der Sp. Tr. durch einen general, in Macb. durch einen
verwundeten Offizier; die worte, in denen der könig seinen dank
und seine anerkennung ausspricht, klingen deutlich an:
Sp. Tr. (Dodsley-Hazlitt V, 15):
These words, these deeds become thy person well,
Macb. I, 2 :
So well thy words become thee as thy wounds.
Aehnliche anklänge und Übereinstimmungen mit Kyd, be-
sonders im metaphorischen ausdruck, liessen sich gewiss noch
mannigfach aus Shakespeare's dramen, besonders denen seiner
ersten periode, beibringen. Es scheint mir auch, dass Shake-
speare in der anwendung der stichomythie, der alliterierenden
antithese, der anaphora und anderer rhetorischer figuren von
Kyd's stil im allgemeinen wesentlich beeinflusst worden ist.
Allein zwischen derartigen reminiscenzen und nach-
ahmungen und den anklängen im Hamlet bestehen doch er-
hebliche unterschiede.
Zunächst fällt auf, dass sonstige reminiscenzen so weit ich
beobachten konnte, immer nur genauere bekanntschaft mit der
Sp. Tr. verraten, die bei den Kyd-anklängen im Hamlet gerade
verhältnissmässig schwach vertreten ist. Die Sp. Tr. war be-
kanntlich ein zugstück der elisabethanischen zeit, das sich
auch noch neben Shakespeare's dramen lange zeit auf dem
repertoir erhielt und von Ben Jonson neu bearbeitet wurde.
In der hauptrolle (Jeronimo) trat, nach einer anspielung im
Satiromastix, Shakespeare's freund Ben Jonson auf (Dodsley
IV, 361). Shakespeare wird vielleicht selbst oft darin mitge-
spielt, jedenfalls die Sp. Tr. häufig gehört haben. Es ist also
leicht erklärlich, dass gerade verse und Sätze dieses Stückes
in der erinnerung des grossen dichters haften blieben.
Kyd's schwächere dramen aber verschwanden wahrschein-
lich sehr bald von der bühne; die Cornelia, ein handlungs-
armes buchdrama, wurde gewiss überhaupt nicht aufgeführt,
156 SARRAZIN,
Es wäre unter diesen umständen sehr sonderbar, wenn Shake-
speare im Hamlet gerade diese unbedeutenden dramen nach-
geahmt hätte.
Ausserdem ist nicht zu verkennen, dass die Kyd-anklänge
im Hamlet einerseits häufiger sind, andererseits viel leichter
und ungezwungener erscheinen, als in anderen dramen Shake-
speare^, und dass sie eine viel intimere Vertrautheit mit dem
stil Kyd's voraussetzen. Einen einzelnen charakteristischen
vers oder satz, einen vergleich, ein gleichniss kann ein dichter
einem anderen leicht abborgen oder nachahmen; aber eine
längere partie eines Stückes oder gar ein ganzes stück kon-
sequent im stil eines anderen zu schreiben, dazu gehört eine
geistige Selbstverleugnung und eine fähigkeit des anempfin-
dens, die wol nur bei sehr wenig dichtem anzutreffen ist, am
wenigsten bei einem so originalen wie Shakespeare. Ganz
unwahrscheinlich aber ist es, dass Shakespeare auf der höhe
seines dichterischen Schaffens sich dazu bequemt haben sollte,
den stil eines älteren, viel unbedeutenderen, dichtere syste-
matisch nachzuahmen, wie wir es bei jener Voraussetzung für
den Hamlet (dessen erste abfassung wol mit recht in die jähre
1597 — 1602 gesetzt wird) annehmen mttssten.
Die einzig wahrscheinliche erklärung jener weitgehenden
Übereinstimmung in stil und darstellungsweise, komposition,
Charakterzeichnung und dramatischen motiven dürfte also in
der annähme liegen, dass Shakespeare's Hamlet die be-
arbeitung eines verlorenen Stückes von Kyd ist Und
zwar muss der grosse dichter sich seinem Vorgänger nicht
bloss in dem allgemeinen gange der handlung angeschlossen,
sondern an einigen stellen sogar den Wortlaut der original-
dichtung beibehalten haben. Die annähme eines solchen Ver-
fahrens ist mit dem, was wir sonst über Shakespeare's dich-
terisches schaffen wissen, sehr wol vereinbar. Die abhängig-
keit von seiner vorläge wäre z. b. nicht grösser als in Romeo
and Juliet.
Durch diese hypothese erklären sich ganz von selbst die
erwähnten unshakespearischen eigentümlichkeiten in der dra-
matischen behandlung des Stoffes: die Vorliebe für italienische
namen, die streng katholische färbung, die modernisierung und
civilisierung der alten sage; alle diese züge finden sich über-
einstimmend in Kyd's dramen.
ENTSTEHUNG DER HAMLET-TRAGÖDIE. 1 57
Es löst sich ferner die Schwierigkeit, welche bisher darin
bestand, dass man Shakespeare direkt aus Boisteau und Belle-
forest's Histoires Tragiques schöpfen Hess (Shakespeare's Hamlet,
herausgegeben von Elze, s. XV f.): ob Shakespeare so viel Fran-
zösisch verstand, um es geläufig lesen zu können, ist trotz
Elze's bemerkungen (William Shakespeare s. 441) sehr unge-
wiss; von Kyd aber, dem Übersetzer von Garnier's Cornelie,
können wir es mit Sicherheit annehmen.
Kiel. Gregor Sarrazin.
ÜBER
DIE ENTSTEHUNG DES ANGELSÄCHSISCHEN
GEDICHTES «DANIEL*.
Unter den ags. gedichten, welche in der Sammelhandschrift
Junius XI auf uns gekommen sind, nimmt der Daniel eine be-
sondere Stellung ein, denn nur von ihm findet sich ein bruch-
stück noch in einer zweiten handschrift, dem Exeterbuche,
wider. Bei Verteilung der werke des Junius-Caedmon an eine
bestimmte anzahl von dichtem benutzte Balg diese zweifache
Überlieferung als einen handgreiflichen beweis für seine an-
sieht Über die entstehung des Daniel. Die eigentümliche art
von Balg's abhandlung aber, die unzuverlässigkeit seiner an-
gaben, sowie andere beobachtungen , welche sich gelegentlich
der beschäftigung mit Dan. aufdrängten, veranlassten mich zu
folgender Untersuchung über die Verfasserschaft des Daniel.
I. Zum Inhalt und stil des Daniel.
Morley und nach ihm Balg machten schon auf eine wider-
holung in jenem teile unseres gedichtes aufmerksam, welcher
vom Schicksale der drei Jünglinge im feuerofen handelt. Nach-
dem dieselben gebunden und in die flammen hinabgestossen
waren, sandte ihnen Gott einen engel. Dieser trat zu ihnen in
den ofen und schützte sie vor jeder Verletzung durch das feuer:
v. 23s ff. engel in }>one ofn innan beewom, Jwr hie |>set agläc drugon,
freobearn fatfimiin be)>eahte under f>am fyrenan hröfe,
ne mthte |vah heora wlite je wem man.
Aus diesem gründe lobten sie freudig Gott:
v. 260 ff. Kliman gla?duiöde jod wuröedon
under paes faeönie |?e gefl^ined wearö
frecne f^res h&to: fröobearn wurdon
äl&ten llges gange; ne hie hiin \>&t liiÖ gedydon.
HOFER, DANIEL. 159
Und der könig selbst schaute bereits das im ofen geschehene
wunder, nämlich die drei Jünglinge, ihrer fesseln ledig und
unverletzt, dazu den engel bei ihnen (v. 269—274).
Ausserdem wird ausdrücklich gesagt:
v. 278 f. . . {?«t waes wuldres god
{?e hie jenerede wiÖ }>ara niöhete,
so dass des Azarias' gebet um Gottes beistand (v. 284 — 333), z. b.
v. 294 ff. nu we J>ec for Jreaura and for |>eo-nydum
and for eaömedum ärna biddaÖ
lige belegde ....
in der tat als ein anachronismus erscheint, indem seine erfüllung
schon eingetreten ist, ehe es überhaupt an Gott gerichtet wurde.
Und nach v. 336 ff. steigt abermals ein engel vom himmel
herab, um im feuerofen ein wunder zu tun, das durch einen
engel dort bereits geschehen. So berichten v. 336 b — 361 die
nämliche tatsache wie v. 233—279.
Dem gegenüber ist freilich bekannt, dass die altgerma-
nische poesie, namentlich auch die angelsächsische, im allge-
meinen eine abneigung besass gegen den ununterbrochenen
fortschritt in der erzählung von begebenheiten oder in der
Schilderung von zuständen und leidenschaften.1 Oft bricht der
dichter plötzlich seine geschichte ab. um ein anderes ereigniss
einzuführen, auf einen anderen zustand hinzudeuten, die er
ihrerseits widerum erst dann weiter ausspinnt, nachdem die
unterbrochene geschichte fortgesetzt und beendigt ist. Diese
neigung findet sich nun gerade an denjenigen stellen haupt-
sächlich, welche in dem betreffenden gedichte die grösste teil-
nähme erregen, wie hier die scene im feuerofen. Aber solche
eigentümliche Unterbrechungen, verschlingungen und wider-
holungen lassen sich nur bei berichten von dauernden hand-
langen oder zuständen anbringen, nicht dort, wo von dem ein-
tritt einer einmaligen handlung, wie in unserer Danielstelle,
erzählt wird. Eine Stileigentümlichkeit der angelsächsischen
dichtung kann den erwähnten anachronismus also nicht ent-
schuldigen.
Eine andere erklärung desselben gibt Heinzel:
' * Rieh. Heinzel, Ueber den Stil der altgermanischen Poesie. Strass-
burg und London 1875 (10. band der 'Quellen und Forschungen zur Sprach-
und Kulturgeschichte der germanischen Völker'. Hrsg. von B. ten Briuk,
W. Scherer, £. Steinmeyer), s. 9 f.
160 HOFER,
'Die biblischen Stoffe konnten flir die poetische technik (sc. der
Angelsachsen) nicht forderlich sein. Vor allem, weil man sich an das
unverständliche und widersprechende der biblischen erzählungen ge-
wöhnte .... Die geschiente der drei Jünglinge iin feuerofen ist in
zwei abweichenden fassungen erhalten, die in der Vulgata unmittelbar
aufeinanderfolgen . . . Nur selten wurden solche Unebenheiten be-
merkt und geglättet. In der regel nahm sie der angelsächsische Über-
setzer ehrfurchtsvoll oder gedankenlos in seine arbeit hinüber.'1
Aber Heinzers behauptung wird, soweit sie die feuerofen-
geschichte angeht, durch eine genaue prüfung der bezüglichen
bibelstellen keineswegs bekräftigt; denn von den 'zwei ab-
weichenden, unmittelbar aufeinanderfolgenden fassungen' lesen
wir die erste in Vulg. Dan. c. III, v. 19 — 23 und v. 91 — 100, und
die zweite ebenda v. 24 — 90, so dass in Wirklichkeit diese in
jene eingeschaltet erscheint. Dazu kommt noch, dass die ein-
geschaltete durchaus kein selbständiger bericht derselben ge-
schichte ist. Ihr unterscheidendes merkmal ist allein ihre apo-
kryphe natur. Sie wurde in den kanonischen bericht nur zu
dem zwecke einer mehr ins einzelne gehenden, geheimniss-
volleren ausschmückung desselben eingefügt. Beide, die kano-
nische mit der apokryphischen fassung, zusammengenommen
sind in Wirklichkeit nur eine erzählung. Nur im apokryphen
teile steigt der engel vom himmel herab in den ofen, wandeln
die Jünglinge in den flammen umher, ist die glut sommer-
lich mild.
Die bibel also bot keinen anlass dazu, dieselben ereignisse
zweimal zu erzählen.
Ten Brink seheint das auffällige in der fraglichen stelle
des Daniel durch die eigenartige darstellungsweise des dich-
ters begründen zu wollen:
'Die darstellung (sc. im Daniel) zeigt weniger gleichmässig epi-
schen gang, stärkere einmischung subjektiver empfindung als in der
Genesis. Während der dichter sich im ganzen ziemlich kurz fasst, von
der direkten rede wenig gebrauch macht, nicht gar viel episches detail
bringt, verweilt er mit besonderem nachdruck auf den hauptmomenten,
entwickelt dort, wie namentlich in der scene der drei männer im
feuerofen, den ganzen glänz und reichtum seiner spräche.7 a
Gewiss bilden die verse 280 — 409, besonders v. 363— 409, den
vorzüglichsten teil des ganzen gedichtes. Vermag aber diese
trefflichkeit das schwierige in der auffälligen wider holung, in
1 Rieh. Heinzel, a. a. o. s. 43.
* B. ten Brink, Gesch. d. engl. Litteratur. 1. bd. Berlin 1877. S. 58 f.
DANIEL. 161
dem störenden anachronismus zu mindern oder zu beseitigen?
Im gegenteil, je glänzender diese verse sind, um so weniger
kann die erwähnte Unebenheit in unserem gediehte entschuldigt
werden.
Zwei aufeinanderfolgende berichte desselben ereignisses
sind für die ursprüngliche gestalt des Daniel unmöglich; wir
haben uns entweder für den in v. 233 — 279, oder ftlr den in
v. 280—409 zu entscheiden. Nun steht der letztere, wenn man
den stil in dem übrigen teile unseres gedientes beachtet, in
offenkundigem gegensatze zu diesem, während v. 233 — 279 gar
wol demselben entsprechen.
Im vergleiche mit Beowulf, Elene, Exodus, Judith, die ich
zufällig heranzog, überrascht unser gedieht durch den häufigen
versanfang mit pä. Unter 635 versen (v. 280—409 sind aus-
genommen) führen sich 47 oder 7,4 % mit pä ein, dagegen
in B. 65 verse oder 2,04 °/0
„ El. 31 „ „ 2,35 „
» Ex. 13 „ „ 2,21 „
„ Jul. 9 „ „ 2,57 „
Rührender reim, den andere ags. dichter meiden1 (ausser
in feststehenden ausdrücken wie cyninga cyning, rvotulda rvoruld,
dryhtna dryhten, prymma prym etc.), findet sich 6 mal im Dan.:
v. 5 wearÖ wl j gifen w ige na msenieo
v. 204 guinan tö J>am gyldnan jylde
v. 206 haeftas hearan (= altiores, superiores) in {?isse he an byrij.
v. 265 ne se bryne beot nisecgiim Menden in }>am beote w&ron.
v. 266 ac |>aet fyr fyrscyde tö )>km
v. 551 ärcraeftig är tö }>am aeÖelinge.
Ausserdem widerholte der dichter 2 mal ein wort mit der
hebung des zweiten halbverses in der hebung des folgenden
ersten halbverses:
v. 33b rices {^oden : v. 34a unhold )?e öden
v. 36b metode d^rust : v. 3Ta dugoÖa dyrust.
Diese einförmigkeit2 zeigt sich ebenfalls in der widerholung
ganzer oder halber verse, wie in dem sehr ähnlichen bau von
ganz- und halbversen an verschiedenen stellen unseres gedichtes.
Einander gleich sind folgende verse:
1 Dr. Ferd. Vetter, Zum Muspilli und zur germanischen Alliterations-
poesie. Wien 1672. 8. 45.
* Vgl. Ebert: 'Der Wortschatz (sc. des Danieldichters) ist ein geringer,
dieselben ausdrücke kehren oft unmittelbar hintereinander mehrfach wider \
Allgein. Gesch. der Lit. des Mittelalters im Abendlande. III. bd., s. 24.
Anglia, XU. band. \\
162 HOPER,
v. 1 20 = v. 469 = v. 527 (ihnen ähnlich v. 79)
v. 127 == v. 134 (ihnen ähnlich v. 742)
v. 151 == v. 737; v. 705 — v. 749;
und die halbverse:
v. 30a = v. 115a; v. 32a = v. 745a; v. 504a = v. 515a; v. 600a =
v. 668a = v. 702a; v.612a = v.638a; v.621a = v.639a; v.674a = v.690a;
v. 27b = v. 132b ; v. 38b = v. 54b = v. 699b (ihnen ähnl. v. 206b, v. 666b);
v. 110b = v. 118b = v. 539; v. 250b = v. 492b; v. 660b = v. 724b =
v. 730b; v. 677b = v. 713b;
v. 100a = v. 161b == v. 529a; v. 104b = v. 209b = v. 229b = v. 488a;
v. 230b = v. 533a = v. 743a; v. 704b = v. 757a; v. 723b = v. 747a;
v. 729b = v. 733a.
Fast gleich (d. h. ihre abweichungen sind geringfügig) sind:
v. 12 v. 26; v. 204 v. 216; v. 561 v.582; v. 562 v.583; v.23b v. 187b
v. 28b v.578bp v.67b v.632b;'v. 120b v.469b v.649; v. 162b v. 541b
v. 255b v. 504b; v. 410b v. 758b; v. 517b v. 585b; v. 653b v. 760b
v. 465 b v. 533 a.
Einander ähnlich1 sind folgende verse:
v. 8 : v. 686; v. 27 : v. 142; v. 40— 41 : v. 43— 44; v. 49 : v.732; v. 53
v. 76; v. 99-100 : v. 449-450; v. 117 : v. 256; v. 119: v.625; v. 124
v. 726; v. 148 : v. 165; v. 150 : v. 548 : v.736; v. 154 : v. 199 : v.421
v. 163—165 : v. 455—456; v. 165—166 : v. 483; v. 173 : v. 449; v. 196
v. 433; v. 200 : v. 758; v. 203 : v. 540; v. 217 : v.432; v. 230 : v. 465
v. 234 : v. 241; v. 240 : v. 437; v. 269 : v. 416; v. 271 : v. 462; v. 411
v. 497; v. 438 : v. 466; v. 448 : v. 452; v. 471-472 : v. 653; v. 478
v. 762; v. 486 : v. 536; v. 516 : v. 559; v. 537 — 538 : v. 647 — 648
v. 542 : v. 741; v. 552 : v. 604 : v. 731; v. 564 : v.626; v. 605 : v. 615
v. 607 : v.644 : v.670; v.613 : v.636; v. 689 : v. 700; v. 695 : v. 714
v. 713 : v. 725; v. 752 : v. 755.
und diese halbverse:
v. 33a : v. 178a : v. 224a : v. 713a : v. 725a; v. 113a : v. 496 a
v. 1 16a : v. 524a; v. 182a : v. 208a; v. 183a : v. 186a; v. 214a : v. 228a
v. 234a : v. 262a : v. 466a; v. 229a : v. 519a; v. 235a : v. 237a
v. 459— 461a: v. 759— 760; v. 498a : v. 505a : v. 509a; v. 507a : v. 513a
v. 563a : v. 584; v. 706a : v. 751a;
v. 7b : v. 24b : v. 278b; v. 9b : v. IIb : v. 117b : v. 128b : v. 500b
v. 62b: v.684b: v.686b; v.93b: v.434b; v. 10Gb— 107 : v.489b— 490
v. 119b : v. 625b; v. 163b : v. 213b : v. 599b : v. 604b : v. 738b; v. 183b
v. 185b; v. 204b: v. 208b: v. 216b; v. 225b : v. 243b; v. 438b : v. 466b
v. 455 b : v. 456 b : v. 457b ; v. 466 b— 467 : v. 592 b— 593 ; v. 476 b : v. 479 b
v. 481b; v. 480b : v. 537b; v. 483b: v. 557b; v. 4*6b : v. 536b: v.595b
v.488b : v. 460 : v.631b; v.5S8b : v.592b; v.591b : v.645b; v.668b
v. 670b: v. 678b; v. 707b-708 : v. 710b— 711; v. 748b : v. 755bj
1 Nicht mitgerechnet sind diejenigen, welche ausser der gleichen
eingangspartikel, wie sititian, pä, nö, pcet u. s. w., nichts mit einander
gemein haben.
DANIEL. 163
v. 3a : v. 680b; v. 17a : v. 29 b, : v. 752 b ; v. 118a: v. 597b; v. 149b:
v. 640b : v. 736a; v. 490a : v. 551b : v. 638b; v. 528b — 529a:
v. 605b— 606a; v. 529b : v. 542b : v.545a : v. 729b.
Als besonders lehrreiches bei spiel sei angeführt:
v. 504 twigum and telgum J?&r he tö gesSah \
v. 515 twigum and telgum and {?eh tacen wesan /
f b. \>&t he tö starude
v 718 \
l a. him J?aet täcen wearÖ.
Diese beispiele von grösserer oder geringerer Überein-
stimmung ganzer wie halber verse sind so zahlreich und offen-
kundig, dass sie notwendig ihren Ursprung in der eigenart der
person des dichters haben müssen.
Untersucht man dagegen zu gleichem zwecke die verse
280 — 409, welche bei vorstehender aufzählung nicht mit ein-
gereiht wurden, so findet man, dass es innerhalb dieses Stückes
gewiss verse gibt, die einander sehr ähnlich sind. Gering aber
ist die zahl derjenigen fälle, wo ein vers des bezeichneten
Stückes an einen vers des übrigen, grösseren teiles unseres
gedichtes unverkennbar erinnerte. Als solche können nur die
folgenden in betracht kommen:
{v. 284 inetod alwihta! hwaet \>u eart mihtum swiö
v. 14 möd and mihte, metod alwihta
{v. 346 }?ä wses on }>am ofne \>&r se enjel becwom
v. 238a engel in }?one ofn innan becwom
| v. 299b burhsittende
I v. 660 b = v. 724 b = v. 730 b burhsittendum
i v. 306 b sehta gewealde
1 v. 757 b in his sehte jeweald ^
{v. 408 a heahcyning heofones 1
v. 626 a heofona hßahcyninj
v. 331 f. and ]>set }>u äna eart ece drihten
weroda waldend woruldg esceafta
v. 761 f. j?aet he w&re äna ealra gesceafta
drihten and waldend . . .
v.336bf. Da of roderum wsbs
enjel aelbeorht ufan onsended
j v. 509 f. J?set engel ufan of roderum
* sttgan cwöme.
Das sind nur sieben fälle, von denen widerum fünf, als
dem letzteren teile unseres gedichtes (v. 410 — schluss) ange-
hörig, weiter unten ihre erklärung finden sollen.2
1 Der singular von heofon findet sich nur hier, sonst stets plural
dieses Wortes in unserm gediente.
* S. s. 182, 3 dieser abhandlung.
11*
164 HOFKR,
Diese wenig zahlreichen aqklänge und Übereinstimmungen
sind aber um so minder als ursprüngliche erzeugnisse der eigen-
art des Danieldichters anzusehen, als sich im versbau und im
Wortschätze recht auffällige Verschiedenheiten zwischen vers
280—409 (Dan. B) und dem übrigen (Dan. A) vorfinden.
Während Dan. A die zweistäbige alliteration vorzieht, Überwiegt in
Dan. B diejenige mit drei Stäben bedeutend.
Von je 100 versen1 haben in Dan. A, in Dan. B
2 reimstäbe 54 37
3 reimstäbe 46 63.
Dan. B gebraucht and = et weit öfter als Dan. A, nämlich
im auftakt des l.halbverses Dan. A: 19 mal = 3°/0
Dan. B: 18mai = 14%;
im auftakt des 2. halbverses Dan. A: 19 mal = 3%
Dan. B: 19mal = 15%;
innerhalb des l.halbverses Dan. A: 26 mal = 4%
Dan. B: 14 mal = 11%;
innerhalb des 2. halbverses Dan. A: 3 mal = */*%
Dan. B: 5 mal = 4%.
Dan. B hat 7 mit tö- zusammengesetzte verben:
töwrecan v. 301; töhweorfan v. 302; toscüfan v. 340;
toswapan v. 342; töswendan v. 342; tödrtfan v. 353;
tudwaescan v. 353.
Es ist auffällig, dass sich derartige verben sonst nirgends
in unserem gedichte finden, und doch liebte der Danieldichter
widerholungen. Ganz überraschend jedoch ist der verschiedene
gebrauch von bezeichnungen für Gott in Dan. A und Dan. B.
Dan. A Dan. B
3 od v. 21, 24, S6, 154, 156, 219, 230, 237, 260, —
465, 471, 474, 489, 518, 526, 533, 549,592,
607,617, 630, 644, 651, 670, 714, 738, 743,
752, 755
aelmihtij . . v. 426 —
. . an öce v. 422 —
. . [öce] v. 658 —
. . mihtig — v. 373
. . frea v. 65 1 —
wuldres . . v. 278 —
drihten v. 32, 37, 87, 150, 258, 438, 445, 456, v. 282
466, 721, 736, 745
öce . . — v. 310, 331, 360, 382, 397
1 Nicht gezählt sind die verse 192, 207, 225, 240, 272, 282, 289, 293,
397, 407, 460, 477, 528, 591, 658, 704, 711 wegen zweifelhafter Überlieferung
und V. 59, 203—205, 226, 228, 233, 234, 236-239, 241 -246, 262—271, 436,
445, 448, 450, 452, 453, 455—458 als schwell verse.
DANIEL. 165
Dan. A
Dan. B
Israeia ece .. v. 717
—
ece . . selmihtig v. 477
—
hälig .. v. 12
v. 293, 405
witig .. —
v. 404
wereda . . v. 220
—
ealra gesceafta . . and waldend v. 761
—
heahcyning v. 198
—
. . heofones —
v. 408
heofona . . v. 626
—
wereda wuldorcyning — .
v. 309
witij . . worlde and heofona v. 427
—
bylywit faeder —
v 363
. . selmihtig —
v. 401
frSa —
v. 351
. . mihtig —
v. 378
. . folca gehwses —
v. 401
jod .. v. 651
—
liffirea —
v. 396
liffruma v. 643
—
llfes leohtfruma —
v. 409
metod v. 4, 20, 36, 56, 92, 119, 169, 174, 235
v. 335, 399, 4
538, 567, 590, 625, 631, 648, 659, 681
halig . .
v. 443
—
sööfaest ..
—
v. 333, 384
. . selmihtig
v. 494
—
. . alwihta
v. 14
v. 284
an . . reccend and rice
v. 579
—
^doden
—
v. 358
unhold . .
v. 34
—
rices . .
v. 33
—
jumena weard
v. 237
—
heofonrices . .
v. 1 2, 26
—
hälig heofonrices ..
v. 458
—
wuldres . .
v. 760
—
waldend
v. 241
—
mihta . .
v. 448
—
m&re mihta . .
v. 452
—
rodora . .
v. 457
v. 291
f>eoda ..
—
v. 361
wuldres . .
v. 13
—
weroda . . wuldorjesceafta
—
v. 332
ealra gesceafta drihten and .
. v. 761
—
hyrde göd
v. 11
—
gästa . .
v. 199
—
haeleÖa helpend
—
v. 403
nervend
—
v. 375
niöa ..
—-
v. 313
166 HOFBR,
Dan. A
Dan. B
säwla . .
—
v. 402
Ähta scyppend
—
v. 392
gästa . .
—
v. 292, 315
sijora settend
—
v. 333
löansellend
—
v. 396
aelmihtig
v. 274, 485
v. 368
häng gast
—
v. 403
äna ece . .
v. 627
—
Ergebniss: Dan. A erwähnt die person Gottes an 96 stellen
und gebraucht an 34 davon den ausdruck god; Dan.B hat dieses
wort nur an einer einzigen stelle unter 39.
weard und hyrde, welche in Dan. A mehrfach vorkommen,
fehlen in Dan. B ganz; dagegen hat der letztere fceder und
die nomina agentis scyppend, nervend, helpend, settend, die in
Dan. A nicht zu finden sind; frea erscheint 4 mal in Dan. B,
1 mal in Dan. A.
Bezeichnungen für die drei Jünglinge:
Dan. A Dan. B
weras Ebrea v. 97, 215 wer v. 283, 334
haiige v. 252, 267, 481 v. 281, 334, 352
]>Tf v. 93, 188, 272, 413 v. 358, 361.
Nur in Dan. A kommen vor:
Abrahame* bearn v. 193; freobearn v. 239,262; beornas v. 232,428;
cnihtas v. 83, 89, 196, 226, 267, 431, 472, 475; eorlas v. 210; . . Ebrea
v. 257; . . Israela v. 189; guman v. 204, 216, 260, 440; haeleÖ v. 434;
hyssas v. 217, 231, 252, 271, 432, 445, 462; haeftas bearan v.206;
hälige gästas v. 481; maecgas v. 265; godes spelbodan v. 230, 465
(vgl. v. 533, 743).
«Öele v. 89; &f«ste v. 89, 248, 272; w&rfseste v. 194; bltße v.256;
bliÖemödo v. 253; glacdmöde v. 260; gtöawroöde v. 440; jladc
v. 439; cynejöde v. 196, 433; freagleawe v. 88; jcongc, 311136,
jenge v.90, 102, 211, 232, 422, 434; hale v. 271; bearde v.94, 432;
hige^ancle v. 94; leofe v. 249; metodo jecorcnc v. 92 (vgl. v. 150,
736); göde in jods&de v. 90.
Allein in Dan.B finden sich:
d&dhwate v. 353; mödhwate v. 357; d&da ^eorn v. 282; womma
leas v. 283; mödum horsce v. 362.
Charakteristisch ftlr Dan. A sind die adjektivzusammen-
Setzungen auf -fmsle, -möde, für Dan. B die auf -hwate.
Bezeichnungen wie: cnihtas, beornas, eorlas, guman,
hyssas, geonge, die in Dan. A ziemlich oft begegnen, fehlen
in Dan. B.
Dan. A deutet mehrfach auf die freudige, heitere Stimmung
DANIEL. 167
der drei Jünglinge hin, welche in Dan. B nur als klug, tätig,
makellos erscheinen.
Die schürenden knechte werden genannt in Dan. A:
scealcas v.231, 253; esnas v.244; läöe inen v. 251; h&Öne v. 252;
h&Öene haeftas v. 267; werige v. 268; töonfulle v. 255;
in Dan. B:
feondas v. 345.
Bezeichnungen für das feuer im ofen:
Dan. A Dan. B
&led, älet v. 243, 254 —
b£l v. 414 —
b&lblyse v. 232 —
bryne v. 265, 455 —
fyres . . v. 461 —
. . bläcan fyres v. 246 —
fyr
fr§cne ..
hat . .
byrnende . .
byrnende f^res leoma
faeöm-fyres lij
fr£cne f^res h&to
frecne fyres lig
frecne fyres wylm
Itg
hat . .
läcende . . v. 476 —
liges leoma — v. 343
wylm )?8es waefran Hjes v. 241 —
wylm v. 464 —
Ergebniss: Von diesen ausdrücken sind eigentümlich dem
Dan. B: hat fj/r und hat Hg, dem Dan. A: feled, bcel, bryne, wylm,
vor allen aber die Verbindung frecne fyr [celed, bcel, bryne, gled
finden sich im Azarias wider).
Die hitze des ofen 8, welche sich den drei Jünglingen
gegenüber in eine milde wärme verwandelt, wird beschrieben
in Dan. A als:
sunnan sclma v. 264 ; )>onne sunne scineÖ v. 276 ; ]?onne deaw-drlas
weorÖeÖ winde jeondsäwen v. 277;
anders in Dan. B:
windig and wynsuin v. 347; |>onne sended weorÖeÖ dropena dröarung,
weannlic wolcna scür v. 348.
Als ergebniss geht aus vorstehenden vergleichenden be-
trachtungen über stil und Wortschatz von Dan. B hervor, dass
v. 266, 438,
463
v. 345, 351
v. 466
—
—
v. 341
—
v. 374
v. 414
—
v. 234
— •
v. 262
— -
v. 228
—
v. 214
—
v. 465
—
v. 249, 251,
263
v. 296, 340
—
v. 281, 352
168 HOFER,
dieser teil unseres gedichtes in offenbarem gegensatze zu Dan. A
steht; er kann nicht das ursprüngliche erzeugniss des Daniel-
dichters sein, sondern wurde in unser gedieht hineingearbeitet
Von wem, das werden wir späterhin erwägen.
II. Daniel B (v. 280-409).
In der dissertation: 'Der Dichter Csedmon und seine Werke'
sagt Balg:
'Wir sind der meinung, dass die verse 280—410 und 422—427
teile eines älteren, in den Daniel hineingearbeiteten gedichtes sind
(s. 27). Ihrem ganzen Charakter nach passen die verse 280—410 und
422—427 (Dan. B) nicht zu den vorhergehenden. So einfach und
schmucklos die verse 1 — 280 und 427—486 (Dan. A) sind, so reich
poetisch, kunstvoll und glänzend ist B. Gebraucht der dichter von
A in den ersten 280 versen im ganzen nur für 12 verse die direkte
rede1, so sind in B überhaupt nur 33 verse, in welchen die direkte
rede keine anwendung findet (s. 28). Die verse 422—427 scheiden
wir aus, und erhalten hierdurch von v. 427 — 486 ein einheitliches ge-
dieht. Durch diese ausscheidung lösen wir auch einen Widerspruch
im inhalt etc. (s. 29). Die hier aufgezählten sprachlichen Verschieden-
heiten werden wol genügen, um einen jeden zu überzeugen, . . . dass
der teil B zu einem grösseren, nicht mehr vorhandenen gediente ge-
hört, von dem eben nur noch die betreffenden verse 280 — 410 und
422—427 und das im Exeter Book vorhandene, bei Grein unter dem
titel "Azarias" abgedruckte bruchstück existieren1 (s. 32).
Zunächst kann man den Zahlenangaben Balg's den Vor-
wurf der ungenauigkeit2 nicht ersparen. Zweifellos nimmt er
die verse 280—409 und 421—427 einschl. für Dan. B in an-
spruch, denn v. 422 gingum icedelinge ist von v. 421 hwä pä
gyfe sealde als abhängiger dativ unmöglich zu trennen. Und
dann zähle ich sechzehn verse mit direkter rede: v. 130 — 133,
136—144, 206—208. Doch das sind kleinigkeiten. Was nun
v. 421—427 anbelangt, so haben wir keine veranlassung, die-
selben für hineingearbeitet zu halten, da sie weder eine wider-
1 Warum lässt Balg den übrigen Dan. A (v. 410—420 428—765) un-
berücksichtigt, wo sich mehr als 90 verse mit direkter rede finden?
* Auf die eigentümliche art dieser abhandlung hat schon profeasor
WUlker hingewiesen (Grundr. z. Gesch. d. ags. Litteratur s. 129). Betreffs
der glaubwürdigkeit der angaben Balg's bemerke ich, dass in der wort-
zusammenstellung (s. 34—30), von accentversehen und gegen 20 drnck-
fehlern abgesehen, sich über 20 Wörter aufgezählt finden, welche tatsäch-
lich in Gen. oder Rxod. oder in beiden vorkommen, darunter onewefian
6 mal, sil 4 mal, biter 3 mal, beodan 4 mal in Gen., 2 mal in Exod. Dafür
sind allerdings 9 andere Wörter, die sich nur im Dan. finden, von Balg
weggelassen worden.
DANIEL. 169
holung, Doeh einen widersprach im inhalte des gedichtes ver-
anlassen, wie professor Wülker nachgewiesen hat.1
Die frage nach dem ursprünglichen umfange von Dan. B
(v. 280 — 409) aber kann ich nicht anders beantworten als mit
der behauptung, dass weder am eingange, noch am ende dieses
Stückes etwas fehle. Es ist vollständig so, wie wir es im ms.
Jun. XI haben. Dagegen fehlen in seinem innern einige verse
an verschiedenen stellen: ein vers zwischen v. 378 und 379,
zwei verse zwischen v. 392 und 393, ein vers zwischen v. 393
und 394. Andererseits ist v. 397 erst später eingeschaltet wor-
den; ebenso vielleicht v. 289.2
Zum beweise dieser behauptungen vergleiche man die
quelle von Dan. B.
Dan. B setzt sich aus vier teilen zusammen:
1. (v. 280 — 283) einleitung, welche auf des Azarias befin-
den im ofen hindeutet und vorbereitet zum folgenden
2. gebet des Azarias um Gottes hilfe (v. 284—333),
3. erflillung des gebetes (v. 334—362),
4. lobgesang der drei Jünglinge im ofen (v. 363 — 409).
Das ist genau der inhalt der apokryphen interpolation im
3. kapitel des biblischen buches Daniel. Hieronymus grenzte
dieselbe in der Vulgata durch 'quce sequuntur, in Hebrceis volu-
minibus non reperi' nach v. 23 und 'hucusque in Hebrceo non
habetur: et quce posuimus, de Theodotionis editione translata
sunt' vor v. 91 ab.3
Es sind jedoch offenkundige anzeichen4 dafür vorhanden,
dass nicht die Vulgata als quelle für Dan. B diente, sondern
eine jener alten lateinischen Übersetzungen der Septuaginta5,
welche vor der Vulgata vorhanden und im gebrauch waren.
1 Grundr. s. 130, anm. 1.
2 Dieser vers zeigt, obwol er die mindestzahl von silben nicht ent-
hält, eine beabsichtigte zweifache allitcration und ist vielleicht von einem
Schreiber zugefügt worden.
3 'Dieses stück findet sich im cod. Alex, nach den psalmen gestellt
als hymnus IX und X. Diese handschrift steht in dieser beziehung keines-
wegs vereinzelt, vielmehr sind vielen psalterien diese und andere biblische
hymnen angefügt. Schon im Vet. Lat. scheinen die hymnen diese stelle
erhalten zu haben.' O. Fr. Fritzsche, Handbuch z. d. Apokryphen bd. I,
Leipzig 1851, s. 112.
4 Vgl. s. 193 f. dieser abhandlung.
•"' Das buch Daniel war in dieser griechischen Übersetzung des alten
testamentes, deren sich die alte christliche kirche bediente, zu frei und
willkürlich behandelt worden; man ersetzte dasselbe dämm in der LXX
durch die griechische genauere Übersetzung des Theodotion (vergleiche
170 HOFER,
In der Septuaginta folgt auf Dan. c. III, v. 23 die Über-
schrift: 'IlQooevxfj jiC,aQlov xal v/ivog xd>v xqicop'. Dieser ab-
schnitt, dessen verse von 1 anfangend gezählt werden, beginnt
mit dem verse: 'xal övoräg A^aQiaq XQoötjvgaxo ovxax; . xal
avolgaq xo özofia avxov Iv (teöcp xov jtvQÖq eljiev' (= Vulg.
Dan. c. 111, v. 25). Dem entspricht der erste teil von Dan. B
(v. 280—283).
Die in der LXX folgenden verse 2—21 = Vulg. Dan. c. III,
v. 26 — 45 enthalten das gebet des Azarias, welches der Angel-
sachse ziemlich frei in v. 284— 333 paraphrasiert hat.
LXX v. 22—24 = Vulg. Dan. c. III, v. 46—48 sind angel-
sächsisch nicht widergegeben.
LXX v. 25—26 = Vulg. Dan. c. III, v. 49 -50 finden ihre
paraphrase im ags. Dan. v. 334 — 353 a.
In v. 353b— 361a holte dann der Angelsachse nach, was
er am anfange der apokryphen interpolation der bibel (LXX
c. 111, v. 23 = Vulg. Dan. c. III, v. 24) bei seiner paraphrase,
offenbar absichtlich, ausgelassen hatte, zumal dieser vers zur
IlQoösvxi] Ä^aQiov nicht gehört
Welche veranlassung hätte der ags. dichter zu dieser Um-
stellung gehabt, wenn er seine dichtung nicht mit v. 280 be-
gonnen hätte?
LXX v. 27 = Vulg. Dan. c. III, v. 51 = ags. Dan. v. 361b— 362
enthält die ankündigung des lobgesanges der drei Jünglinge,
der in LXX v. 28—67 = Vulg. v. 52—90 folgt.
LXX v. 28 — 33 = Vulg. v. 52—56 sind ohne ags. paraphrase
geblieben, während ags. Dan. v. 400 — 409 nichts gleichwertiges
in der bibel auffinden lassen.
In ihrem lobgesange fordern die Jünglinge die geschöpfe
des himmels und der erde zum preise Gottes auf. Die Ord-
nung nun, nach der diese geschöpfe aufgezählt werden, weicht
in der LXX von derjenigen in der Vulgata beträchtlich ab.
C. v. Lengerke, Buch Daniel, Königsberg 1835, s. CVI f.; O. Fr. Fritzsche,
bd. I, s. 113 f.; Herzog's Keal-Encyklopädie für protestantische Theologie
und Kirche bd. I, Leipzig 1877, s. 283). Mit Septuaginta ist im folgenden
immer des Theodotion Daniclubcrsetzuug gemeint. Die stellen werden
angeführt nach:
Vctus Testamentuni CJraece juxta LXX interpretes ed. Constantinus
Tischendorf. Editio quarta. Tomus 11. Lipsia- 1869.
Biblia sacra veteris et vulgatse editionis iuxta exemplar Yaticanum
opera et impensa recusa presulis Jonannis Fortunati Zam-
boni. Ronise 1616.
DANIEL.
171
Der Angelsachse stimmt hierin zumeist mit jener überein, wie
aus folgender Zusammenstellung erhellt:
■1
Ags. Dan.
LXX
Vulg. Dan. c. III
v. 364 woruldcrefta
1 v. 34 navxa xa igya
v. 57 omnia opcra
wlite and weorca
■
jehwilc
1
v.365
heofonas
v. 35 ovgavoi
v. 59 csel!
<
englas
v. 36 ayysXoi
v.58 angeli
hluttor waBter
v. 37 vöaxa
v. 60 aquae omnes
v. 366 f. )?ä \>e on rode- \ v. 38 näoaiaidvvafxeiq v. 61 \ omnes virtutes
rum on rihtre ge- { \ Domini
sceaft wuniaÖ in
wnldre *
v. 369— 37 la sunne and v. 39 tjXioq xal oekrjvTj v. 62 sol et luna
nidna
v. 371b heofonsteorran
v. 372 deaw and deor
scür
v. 373 gästas
v. 374 byraendefyr and
beorht sumor
y. 375 niht and d%£
•v. 376 a landa gehwilc
v. 376 b leoht and Jjßos-
tro
v. 377 hat and ceald
v. 376 forstas and snä-
was
ii (1 vere fehlt im ms.)4
v. 40 aaxga xov ovga- v. 63 stell« cseli
vov
v. 41 naq ofxßgoq xal v. 64 omnisimberetros
ÖQoaoq
v. 42 ndvxa xa nvsv-
fxaxa
v. 42 nvQ xal xavfjia
v. 65 omnes Spiritus Dei
v. 66 ignis et aestus
v. 46 vvxteq xal rffii- v. 71 noctes et dies
yai*
v. 51 tj yfj9
v. 47 <pwq xal oxoxoq
v. 74 terra
v. 72 lux et tenebrae
v. 48 tpvxoq xal xav/ua v. 67 frigus et aestus
v. 49 na%vai xal%ioveq v. 70 glacies et nives
v. 68 rores et pruina
1 'Die mächtigen hiininelsbewohner, die himmelsmächte', vgl. Fritzsche,
Handb. z. d. Apokr. bd. I, s. 129.
2 Vor diesem verse finden sich in manchen handschriften noch zwei
andere, deren Wortlaut ebenso streitig ist wie ihre Stellung (Fritzsche,
Handb. z. d. Apokr. bd. I, s. 128). Dass diese beiden verse in der qnelle
des Angelsachsen fehlten, ist um so wahrscheinlicher, als die bei Sweet
(vgl unten s. 178} abgedruckte mercische interlinearversion des hymnus
trium puerorum für dieselben (s. 414, z. 7) auch nichts entsprechendes auf-
weist. Genannte interlinearversion folgt, was ausdrücklich erwähnt sei,
in der reihenfolge bei aufzählung der geschöpfe durchaus der LXX, nicht
der Vulgata.
3 Diese Umstellung im ags. gedieht wurde wol durch den Stabreim
auf / mit folgendem leoht verursacht.
4 Der inhalt des ausgefallenen ags. verses und des v. 379 a kann
ebenso gut eine von dem ags. dichter vorgenommene ausspinnung von
LXX v. 48 u. 49 wie eine widergabe von LXX v. 44 Qiyoq xal y>v%oq und
v. 45 öqoooi xal vupexoi sein; vgl. oben anm. 2.
172
HOFER,
Ags. Dan. LXX
v. 379 a winterbiter
weder
v. 379b — 381 wolccn- v. 50 dar q anal xal ve-
faru and lijetu (pekai
v.382 ealleorÖangrund1 J v. 58 ndvza xa <pvo-
) fieva iv xy yy2
v 383 liy Hasan dhrflsan v. 52 oqtj xal ßovvoi
and hea beor^as
v. 384— 385a sealtesaV
gastream
i
wffiias
v. 54 Üakacroa xal no-
xafxoi
Vulg. Dan. c. III
v. 69 gelu et frigus
v. 73 fulgura et nubes
v. 76 uni versa germi-
nantia in terra
v. 75 montes et colles
v. 78 maria et flumina
yöa
v. 385 b— 386 upcyme, v. 55 a\ nr\yai
w8Bter8prync wylla
v. 387a, v. 388b— 389a
hwalas; \>k \>e la- |
gostreamas waeter- |
scipe wecgaö* J
v. 387b— 388a heofon- v. 57
fugolas lyftlacende
v. 56 xr\xr\ xal navxa
xa xivovfteva iv
xoiq vöaoi
navxte xa nt-
xeiva xov ovga-
vov
v. 389b — 390 wildu deor v. 58 J navxa xa fhjQta
and ncata gehwilc
v. 391 manna bearn
v. 77 fontes
v. 79 i cete et omnia
quee moventur
in aquis
v. 80 I omne3 volncres
I ca3li
v.81 | omnes besti« et
) pecora
v. 82 filii hominum
v. 83 Israel
v. 84 sacerdotes Do-
mini
v. 85 servi Domini
v. 87 | sancti et humi-
| les corde
v. 86 I spiritus et ani-
\ mae jnstorum
jastas
v. 398—399 Annan ias, v. 65 Ävavia, k$aQia, v. 8S J Anania, Azaria,
Adzarias, Misael MioatjX \ Misael.
Diese Zusammenstellung beweist, dass die reihenfolge der
gescbüpfe, welche zum preise Gottes aufgefordert werden, im
Angelsächsischen der Septuaginta eng folgt, zur Vulgata da-
v.392 Israela
x2 l fehlen im ms.
x8 / Jun.XI
v. 393 heran \>im
v. 394 häligra heortan
craeftas8
v. 395 — 397 sööfsestra
gehwaes säwle and
| xal xa xxi\vr\
v. 59 v\ol xwv dv&gw-
nwv
v. 60 'laQat}X
v. 61 ifQelq
v. 62 öovXoi
v. 64 \ Öawi xal xansi-
\ vol xy xaQdiq
v. 63 / nvevfxaxa xal
) yvxal öixaiwv
1 eortian grund = ackerland; vgl. Wright-Wülker, Anglo-Saxon and
Old Enirlish Vocab. Part I (London ISS3), s. 154, z. 35 arrum = eortia.
* Die Umstellung dieses verscs im ags. gedieht war gewiss eine folge
derjenigen von v. 51; v. 53, welcher inhaltlich an v. 51 anklingt, sollte wol
die stelle dieses letzteren in der regelmässigen ordnung ausfüllen?
3 Für die Umstellung von LXX v. 63 u. 64 im Angelsächsischen ist
mir kein grund ersichtlich, es wäre denn der versbau. Vgl. s. 174 dieser
abbandlung.
DANIEL. 173
gegen im widerstreite steht. Nur für die Umstellung von LXX
y. 63 und 64 ist mir kein grund ersichtlich.
Für die ags. verse 400—409, welche das ende des lob-
gesanges der drei Jünglinge bilden, hat die bibel nicht den an-
lass bieten können; schon deswegen nicht, weil eine anrufung
der dreieinigkeit, wie im ags. gedichte, in einer alttestamentlichen
schriffc unmöglich war. Und doch ist diese anrufung durchaus
nicht von dem dichter eigenmächtig angefügt worden, da wir
ihr lateinisches urbild im Breviarium Romanum ' widerfinden.
v. 400 f. breostgebancum we }>ec bletsiaÖ, 1
Benedicamus Patrem
aö, 1
ihtis, /
Benedictus es, Domine, in
finuamento caeli: et lauda-
bilis, et gloriosus, et super-
cxaltatus in saecula.
frea folca gehwaes, faeder aelmihtig
v. 402 — 403 a söÖ sunu inetodes, säwla nergend, \
h*leÖa helpend i et i,lmm
v. 403 b and J>ec hälig gast cum sancto Spiritu;
v. 405— 406 a we j>ec herigaÖ, haiig drillten, ^ laudenius et superexalte-
and gebedum bremaÖ ( mus eum in saecula.
v. 406 b— 409 Jni jebletsad eart
gewurfcad ferhÖ ofer worulde
hröf,
heahcyning heofones, hälgum
mihtum,
lifes leohtfruma, ofer landa
gehwilc
Das nämliche Breviarium indessen gibt auch die erklä-
rung dafiir, dass LXX v. 28—33 = Vulg. Dan. c. 111, v. 52—56
als anfang des lobgesanges von dem Angelsachsen nicht para-
ph rasiert wurden; denn diese verse fehlen ebenfalls im Brevia-
rium, wo das 'Canticum trium puerorum' anhebt mit 'Benedi-
cile omnia opera Domini Domino'. Daraus ergibt sich: 1) dass
die ags. verse 363—409 nicht die bibel als unmittelbare quelle
benutzten, sondern eine paraphrase des 'Canticum trium pue-
rorum' aus dem Brev. Rom. sein sollten; 2) dass dieses Can-
ticum im Brev. Rom. nicht aus der Vulgata, sondern aus irgend
einer lateinischen Übersetzung der Septuaginta genommen wor-
den war.
Da nun der erste teil von Dan. B (v. 280 — 362), wie wir
sahen, sich auf die bibel stützt, so drängt sich aus dieser zwei-
fachen quellenbenntzung die frage auf, ob überhaupt Dan. B
nur einem Verfasser oder zweien zuzuweisen ist
1 Vgl. Breviarium Romanum ex decreto ss. concilii Tridentini resti-
tutum. Campoduni MDCCCLXXIX. Pars Hiemalis p. 21, Pars Venia p. 21,
Pars Aestiva p. 20, Pars Autumnalis p. 20.
174 HOFER,
Ueberliest man das ags. Canticum (v. 368 — 409) mit rttck-
sicht auf den versbau, so wird man eine überraschende Über-
einstimmung von versen in gewissen abständen finden:
v. 363 De gebletsige bylywit f&der1
v. 368 and }>ec »lmihtig ealle gesceafte
v. 378 and }>ec frea mihtig forstas and siiäwas
v. 392 and ]>ec Isräela &hta scyppend
v. 394 and J>ec h&li^ra heortan cr&ftas
v. 405 we J>ec herigaÖ(?) h&lig drihten.
Als von gleichem metrischen Schema können wir noch
hinzufügen:
v. 373 and J>ec god mihtig g&stas lofige
v. 400 we ]>ec bletsiaÖ breostge^ancum
v. 382 eall eoröan jrund ece drihten
v. 387 hwalas J>cc herigaöf?) and heofonfü^olas.
Dabei war allerdings vermutet, dass die Überlieferung der
handschrift in v. 373 und v. 400 unzuverlässig ist2, denn dort
war eine Umstellung von mihtig god — diese entspricht auch
dem gebrauche in der Stellung der reimstäbe — hier eine solche
der beiden halbverse notwendig; und v. 382 und v. 387 könnten
auch in anderer weise skandiert werden. — Ferner vergleiche
man die folgenden verse mit einander:
v. 367 wuniaÖ in wuldre \>h \>cc wurÖiaÖ
v. 372 deaw and deor scür \>k pec dornige
v. 381 bl&cc berhtmhwate }>a }>cc bletsige
v. 386 waetersprync wylla \>k \*ec wurÖiäÖ
v. 377 herije on hade somod hÄt and ceald
v. 409 llfes leohtfruma ofer landa gehwilc;
ebenso mit einander:
v. 391 and manna bearn m6dum lufiaft
v. 399 and Misae'l metod dö'mije.
v. 404 wuroaÖ in wuldre witij metod stimmt in seinem
ersten halbverse mit v. 367 etc., im zweiten mit v. 391 etc. Uberein.
Der abstand zwischen je zwei gleichen versen beträgt, mit
wenigen ausnahmefällen, fiinf verse:
v. 363. 368. 37:1. 378—382. 387. 392. — 394—400. 405.
v. 367. 372. 377 381. 386; 391—399. 404; 409.
Diese periodisch widerkehreude Übereinstimmung im vers-
bau kann nicht zufällig sein, sondern sie muss als hinweis
1 Die alliterierenden hebungen sind durch fetten druck, die übrigen
durch acute bezeichnet.
* Vgl. Sfevers in Paul und Braune's Beiträgen bd. X, s. 458: 'Die in
metrischer beziehung besonders schlechte handschrift Junius XI \
DANIEL. 175
auf eine vom dichter vorbedachte, künstliche anordnung des
ganzen ags. Canticnm angesehen werden. Dieses wurde bei
seiner entstehung vom Verfasser in strophenartige gruppen
von je fünf versen planmässig abgeteilt Das enjambement
von sinn nnd vers \ das gewöhnliche merkzeichen der dichtung
ohne strophische gliederung, findet sich am ende keiner ein-
zigen strophischen gruppe unseres Canticnm, deren jede als
ein in sich abgeschlossener teil des ganzen erscheint. Dass
Grein's interpunktion des textes in seiner Bibl. der ags. Poesie
dabei mehrfach zu ändern ist, kann nicht als beweis gegen
unsere meinung dienen. Uebrigens ist die Übereinstimmung
im bau nicht allein auf den eingangs- und endvers der ein-
zelnen gruppen beschränkt. Man vergleiche z. b. v. 364. 369.
374. 383; v. 365. 370. 379. 389; v. 384. 396. 402; v. 371. 380.
393 etc.
Möglicherweise würde diese zahl gleichgebauter verse noch
grösser sein, hätten wir die ursprüngliche gestalt des ags.
Canticnm vor uns. Zweifellos bestand dasselbe dort aus 50
(10 mal 5) versen. Unsere handschrift aber hat deren nur 47
überliefert; von diesen scheint v. 397 erst später eingefügt
worden zu sein, denn derselbe zeigt nicht die notwendige min-
destzahl der silben, ist für die Verbindung von v. 396 mit v. 398
wol entbehrlich und stört die sonst regelmässige strophenartige
gliederung. Somit sind vier verse von dem ursprünglichen Can-
ticnm verloren gegangen, was aus den lücken in zwei gruppen
(der 4. und 7.) ersichtlich ist. Diese lücken werden nicht nur
durch den mangel an Übereinstimmung im versbau mit den
übrigen vollständigen gruppen, sondern auch in obiger ver-
gleichung des angelsächsischen Canticnm mit dem lateinischen
angedeutet.
Vielleicht endigte der nach v. 393 ausgefallene vers mit
einer optativform eines ähnlichen verbums wie wurbian, db-
tnian, blelsian, lufian, herianl Die vor v. 393 fehlenden beiden
verse enthielten, höchstwahrscheinlich zwei, ags. ausdrücke für
lat sacerdotes, wie sacerdas, mee sseras (vgl. Az. v. 148. 149)..
Der in rede stehende teil unseres gedieh tes 'Daniel', das
ags. Canticnm, würde sich in seiner gliederung nach fünfzeiligen,
strophischen gruppen also ausnehmen:
1 Vgl. Vetter, Zum Muspüli s. 66.
176
HOPER,
I.
v. 303
v. :ie5
De gebletsige,
womldcraefta wlite
heofonas and englas
\>» pe on roderum
wuniaÖ in wuldre:
II.
v. 30S
v. 370
And f>ec, aelniihtig,
rodorbeorhtan tunglu
sunne and möna,
herige in häde,
deaw and deor scür:
III.
v. 373 And |>ec, god mihtig,
byrnende fyr
v. 375 nergend, hergao,
and ]>ec landa gehwilc,
herige on bade,
IV.
v. 378 And J>ec, frea mihtig,
* * *
winterbiter weder
v. 380 lofige on lyfte
blace berhtrali wate :
y.
v. 3S2 Kall eorftan grund, '
hyllas and hrftsan
sealte s&wsegas,
v. 385 eastream yöa
wtetersprync wylla:
VI.
v. 387 Hwalas J>ec herigaö
lyftläcende,
wseterscipe weegaÖ,
v. 390 and neata gehwilc
and manna bearn
VII.
v. 392 And J>ec Israela,
v. 394
v. 395
herigao in häde
* * *
And f>cc häligra
sööftestra geh w «es
lofiaS liffrean
VIII.
bylywit f«der,
and weorca gehwilc,
and hluttor waeter,
on rihtre gescoaft
)>a \>cc wurftiafi!
ealie gesccafte,
J>ä )>e ryne healdaö,
sundor änra gehwilc
and heofonsteorran,
J>ä \>ec dornige!
gfistas lofige,
and beorht sumor,
niht somod and dspg;
leoht and j>eostro
somod hat and ceald!
forstas and snäwas,
* * *
and wolcenfaru
and pec ligetu,
J>i Yec bletsige!
ece drihten,
and hea beorgas,
söftfaest inetod,
and upcyme,
J>a J>ec wur&iaft!
and heofonfugolas,
\>k \>e lagostreauias,
and wildu deor
naman bletsie,
mödum lufiao!
Ähta scyppend,
# * ♦
♦ * #
heran |»ine
* * ♦
heortan craftas,
sawle and gastas,
leansellende ;
DANIEL. 177
Ann auf as f>ec and Adzartas
and Mtsael, metod, döniige!
IX.
v. 400 We \>ec bletsiaö" breostje^ancwn,
frea folca jehwses, faeder aelmihtij,
söÖ sunu metodes, säwla nerjend,
haeleÖa helpend, and }>ec, hälij jäst,
wurÖaÖ in wuldre, witig drihten!
X.
v. 405 We \>ec herigaö, halij drihten,
and gebednm breraaÖ; \>u gebletsad eart,
gewuröad [wtde] ferhÖ ofer worulde hröf,
heahcyninj heofones, . hälgum mihtum,
lifes leohtfrnma, ofer landa gehwilc!
Ob dieser lobgesang der drei Jünglinge im feuerofen unab-
hängig von den übrigen versen (280 — 362) entstanden ist und für
sich bestanden hat, ist schwerlieh zu beweisen, ergibt sich aber
mit grosser Wahrscheinlichkeit aus folgenden beobachtungen:
1. Die erwähnte strophische gliederung findet sich nicht
im gebete des Azarias (v. 284 — 333).
2. Die quelle für v. 363—409 war das Brev. Romanum,
für v. 280—362 aber die bibel.
3. Die ags. paraphrase in v. 363 — 409 ist nicht so frei wie
in v. 280—362.
4. Die bezeichnungen für Gott deuten nicht auf ein und
denselben Verfasser hin. In v. 280 — 362 gibt es deren 16 ver-
schiedene an 19 stellen, in v. 363 — 409 deren 18 verschiedene
an 20 stellen; darunter finden sich nur 4 ausdrücke in beiden
abschnitten:
metod, haiig drihten, See drihten, söÖfaest metod,
von denen die beiden ersten auch in Daniel A vorkommen.
gästa scyppend zweimal, waldend dreimal in v. 280 — 362 fehlen
in v. 363 — 409, wo dagegen feeder zweimal begegnet, ohne in
v. 280— 362 zu begegnen.
5. Wenn die Orthographie unserer hs. irgend welches ge-
wicht fiir die entscheidung dieser frage besitzt, so sei erwähnt:
Adzarias v. 398 : Azarias v. 280, 356 (vgl. v. 91)
Annanias v. 398 : Ananfas v. 356.
6. Das 'Canticum trium puerorum' bildete einen wesent-
lichen teil der katholischen liturgie. Nach den beschlüssen des
konzils von Toledo (i. j. 633) war das ' Benedicite' , wie es von
seinem anfangsworte genannt ist, an jedem sonn- und feier-
Anglla, XII. band. 12
178 HOPER,
tage der märtyrer in den kirchen und klöstern bei strafe der
excommunication zu singen. Ans diesem gründe ist es anch
ins römische brevier aufgenommen worden, wo wir es noch
jetzt unter 'De Laudibus'1, 'De Psalmis'*, 'De Canticis'* erwähnt
finden.
Dass demgemäss auch die ags. Christen das ' Betiedicite'
gebrauchten, geht aus dem ags. Benedictiner-Officium 4 hervor,
in welchem auch eine alliterierende paraphrase des 'Gloria
Patri'h, des 'Pater noster'*, des 'Credo*1 steht.
Die psalmenhandschrift Vespasian A I enthält gegen ende
eine reihe von hymnen; unter diesen auch lHymnum trium pue-
rorum' mit ags. interlinearversion.8
Ausserdem wissen wir, dass der von Thorpe herausgegebene
ags. psalter in ags. kirchen in gebrauch gewesen ist.9
Liegt da nicht die Vermutung nahe, dass unser ags. Can-
ticum (Dan. v. 363 — 409) ursprünglich fttr kirchliche zwecke ge-
dichtet und gebraucht wurde, ehe noch Dan. v. 280 — 302 vor-
handen waren?
III. Von wem und warum wurde Dan. B in Dan. A
eingeschaltet?
Welches ziel steckte sich der dichter von Dan. A, als er
sein gedieht begann? Wollte er von anfang an eine paraphrase
des biblischen buches Daniel schreiben, wie wir dieselbe jetzt
haben? Eine paraphrase, welche
4 nicht eine einzelne begebenheit aus dem grösseren zusammenhange
herausgegriffen darstellt, sondern, dem gange der biblischen erzahlung
folgend, eine reihe von begebenheiten umfasst', wo 'der dichter seiner
quelle gegenüber sich mit grösserer freiheit bewegt, aus dem ihm
vorliegenden Stoffe eine planmässige aus wähl trifft. Sein plan aber
wird bestimmt dnreh die ideen, welche im buch Daniel vorzugsweise
1 Brev. Rom. Pars Hiem. s. XLV.
* Ebenda s. XLV1II.
3 Ebenda s. XLIX.
4 Bouterwek, Caedmon's bibl. Dichtungen bd.I, s.CXCIl u. CLXXXVI;
.1. I/mgard, Altertümer der an gel. such s. Kirche, übersetzt von Dr. F. H. in
Rom, herausgegeben von Dr. ,1. J. Ritter, Breslau 1847; s. 121.
5 Bouterwek, Caedmon's bibl. Dichtungen bd. I, s. CXCVI f.
6 Ebenda s. CC f.
» Ebenda s. CCIV f.
8 Vgl The Oldest English Texts, edited with introduetions and a
glossary bv Henry Sweet. London: publisbed for the Early English Text
oeiety. ÄDCCCLXXXV. S. 414 f.
• Bouterwek, a. a. o. a. CLXXXIII.
DANIEL. 179
zum ausdruck gelangen . . . Gleichgiltige nebenzüge lässt der dichter
daher ganz weg, was flir den zweck von untergeordneter bedeutung
ist, wird nur kurz angedeutet.'1
Der Verfasser von Dan. A zeigt sich mit den heiligen
Schriften wol vertraut2 Mag er auch die bibel als ftihrer vor
sich gehabt haben, so befand sich der stoff für sein werk im
grossen und ganzen doch gewiss in seinem köpfe. Im anfange
seines dichtens kannte er die begebenheiten, welche im wei-
teren verlaufe und schliesslich am ende eintreten sollten.
Nun sind die heiligen gefässe, welche Nabuchodonosor aus
dem tempel zu Jerusalem mit sich nach seiner hauptstadt hin-
wegführte, von besonderer Wichtigkeit am ende der ganzen
erzählung: ihre entweihung ist die verhängnissvolle Ursache
für das wunder der schreibenden hand, für den Untergang des
Baldazar (und für die spätere befreiung der Juden aus der
gefangenschaft).
In der bibel werden diese heiligen gefässe ausdrücklich
erwähnt. Vulg. Dan. c. I, v. 2:
Et tradidit Dominus in manum ejus . . . partem vasorum
dorn us De i: et asportavit ea in terram Sennaar in domum Dei sui,
et vasa intulit in domum thesauri Dei sui.
Warum hat unser dichter trotzdem diese heiligen gefässe3 im
anfange seines gedichtes mit stillschweigen übergangen, da er
doch später von ihrer entweihung redet?
Nicht minder wichtig ist der folgende umstand.
Vulg. Dan. c.I, v.6 sagt: Fuerunt ergo inter eos de filiis Juda:
Daniel, Ananias, Misael, et Azarias; in v. 7, 10, 11,17,19 er-
scheint ebenfalls Daniel zusammen mit den drei Jünglingen,
und, was noch bedeutsamer ist, wird er vor seinen genossen
ganz besonders ausgezeichnet, denn
1. er wird immer an erster stelle genannt (v.6, 7, 11, 19);
2. er spricht im namen seiner genossen mit Asphenez
(v. 8 — 9) und mit Melzar (v. 11 — 13), des königs kämmerern ;
3. nur er besitzt die gäbe der traumdeutung, v. 17:
Pueris autem his (sc. Anan., Mis., Azar.) dedit Deus scientiam et
disciplinam in omni libro et sapientia: Daniel i autem intelligentiam
omnium visionum et somniorum;
1 B. ten Brink, Gesch. d. engl. Litteratur bd. I, s. 58.
* Vgl. s. 192 ff. dieser abhandlung.
8 In Dan. v. 59 — 66 sind sie nicht erwähnt; die beute besteht aus
'read gold, sine, seolfor, zeslr&on, fto, freos'\ vgl. dagegen v. 705, 749
'hüslfatu\ v. 755 'zoldfatu.
12*
180 HOFER,
4. er deutet zweimal des künigs träume und sagt aus der
verhäDgni8svollen scbrift auf der wand den bevorstehenden
Untergang des Baldazar voraus.
Er spielt also, wie man daraus ersieht, eine wichtige rolle
in der ganzen erzählung — gleichwol hat unser dichter ihn
nur ganz zufällig und nebensächlich eingefühlt
In offenem Widerspruche mit der bibel lässt der angelsäch-
sische dichter (v. 88 ff.) nur drei knaben aus den gefangenen
Juden zu höfischer erziehung auswählen , und Daniel ist nicht
unter ihnen. Er erscheint nicht in der losesten Verbindung
mit Azaria8, Ananias und Misael; über seine erziehung sagt
der Angelsachse nicht ein wort.1
Wie die person einer episode, die nur locker in die baupt-
erzählung eingefügt ist, erscheint er als 'nnt^a, se tvces drihtne
gecoren, snotor and söbfcest' (v. 149 — 151) und 'ordfruma earmre
läfe* (v. 152), um des königs träum zu deuten und dann wider
zu verschwinden.
Beide umstände, das stillschweigende übergehen der hei-
ligen gefässe wie die nebensächliche, der bibel widersprechende
behandlung Daniel'», sind unerklärlich, wenn der dichter von
anfang an den plan gehabt hätte, ein so umfangreiches gedieht
zu schreiben. Durchaus nicht auffällig aber, sondern gar wol
berechtigt sind dieselben dann, wenn der dichter ursprünglich
nur das geschick der drei Jünglinge im feuerofen besingen
wollte. Dafiir waren weder die heiligen gefässe, noch Daniel's
person von bedeutung. Mit recht erzählt er dann nur von der
erziehung dieser drei, welche im mittelpunkte seiner teilnähme
standen; Daniel's auslegung des ersten traumes war in den
dienst des hauptgegenstandes gestellt, indem dieselbe Nabuoho-
donosor's grausame handlungsweise gegen Azarias und seine
beiden genossen um so erstaunlicher machte.
So kommt es, dass der dichter bei behandlung der kata-
strophe, des verbrennens im ofen, den böhepunkt seiner poe-
tischen darstellung erreicht Hier entfaltet er seine ganze be-
redtsamkeit, hier scheint er unerschöpflich an ausdrücken, die
flammen, ihre hitze und gewalt zu schildern, die rettung und
freude der Jünglinge im ofen und das verderben der beiden
1 Hammericirs bebauptung: 'Ebenso ist Daniel's erziehung nur eben
leiebt hingeworfen' (vgl. Aelteste christl. Epik s. 62) kann nicht aus dem
durchlesen unseres gedientes gewonnen sein.
DANIEL. 181
draussen zu malen. Hier begnügte er sich nicht mit dem Inhalte
des kanonischen teiles des buches Daniel, sondern er zog auch
den apokryphen heran
(ags. Dan. v. 236—241; v. 261-268 = Vulg. Dan. c. III, v. 49—50; ags.
v. 244 b— 256 a = Vulg. Dan. c. III, v. 46—48; ags. v. 274 b— 278 a =
Vulg. Dan. c. III, v. 50).
Und ganz passend schloss er sein gedieht mit v. 278b — 279:
*|>aet waes wuldres god J?e hie generede wiö }>am nifchete\
In dieser gestalt (v. 1 — 279) bestand wol unser gedieht
einige zeit lang. Doch haben wir oben v. 410 — 765 ebenfalls
für denselben dichter beansprucht, und diese verse sind kein
selbständiges gedieht! Betreffs ihrer entstehung scheint mir
das folgende grosse Wahrscheinlichkeit für sich zu haben.
Einige zeit nach der abfassung von v. 1 — 279 wurde der
dichter irgend wie mit dem vorhandenen gediente Daniel B
(v. 280 — 409) bekannt. Da er dessen hohen poetischen wert
wol schätzte, fügte er in eigener person Dan. B seinen versen
hinzu, wobei er entweder eine gewisse widerholung im inhalte
desselben nicht bemerkte, oder nicht willens war, mehrere
seiner eigenen verse, die er mit mühe gedichtet hatte, wider
zu tilgen. Und dann machte er sich daran, in v. 410 ff. als
fortsetzung die folgende erzählung des biblischen buches Daniel
zu paraphrasieren. Folgende tatsachen deuten darauf hin:
1. Wenn v. 422 — 427 dem dichter von Dan. A angehören,
so müssen dieselben notwendig erst nach dem vorausgehenden
ags. Canticum trium puerorum verfasst sein, denn der dichter
konnte unmöglich sagen:
v. 422 ff. hie god herigaft
änne öene and ealles him
be naman gehwäm on neod sprecaÖ,
ohne ihren gesang erwähnt zu haben, wo sie alle geschöpfe
bei ihren namen zum lobe Gottes auffordern.
2. Es ist oft gesagt worden, dass der dichter von Dan. A
den dialog und die direkte rede1 nicht liebt; aber diese be-
bauptung gilt mehr von v. 1—279; als von v. 410 — 765, denn
dort enthalten nur 16 verse, hier dagegen mehr als 90 direkte
rede. War es nicht eine begeisterung, die aus des Azarias
1 Vgl. Götzinger, Diebtungen des Angelsachsen Caedmon s. 32; B. ten
Brink, Geschichte der engl. Litteratur bd.I, s. 58; Balg, Der Dichter Csed-
mon s. 2S.
182 HOFER,
gebet and dem kurz vorhergehenden Canticum entsprang, dass
unser dichter sogleich in v. 410 ff. einen dialog (von 17 versen)
zwischen dem könige und seinem 'rckswa' einfügte, ohne in der
bibel anstoss dafür zu finden? Dass er bei auslegung des
zweiten träum es Daniel in 42 versen reden lässt, ohne dass
diese ausdehnung zum Verständnisse des Zusammenhanges er-
forderlich wäre? Dass Daniel ebenso in 22 versen gegen schluss
des gedichtes zu Baldazar spricht?
3. Die ähnlichkeit von v. 306 b mit v. 757b, von v. 336 b— 337
mit v.509, von v. 331— 332 mit v. 761— 762a, von v.408b mit
v. 626 b kann auf unseres dichters bekanntschaft mit Dan. B
beruhen.
4. Dan. At (v. 1—279) und Dan. A2 (v. 410—765) zeigen
einen gewissen unterschied in ihren bezeichnungen für könig,
fürst, welcher durch einen zwischen ihrer abfassung liegenden
längeren Zeitraum erklärlich wäre.
Dan. Aj
Dan. As
weard
6 mal (v. 99. 104.
117. 167.
9 mal (v. 449. 461.488.552.
173. 176. 209.
229)
566. 597. 636. 642. 740)
swfömöd
3mal (v. 100. 161.
. 269)
3 mal (v. 450. 529. 606)
folctoja
lmal (v. 108)
2 mal (v. 656. 725)
cyninj
3 mal (v. 129. 148,
. 165)
3 mal (v. 417. 431. 436)
adj. + cyninj
7 mal (v.95. 100.
224. 247. 269)
135. 161.
1 mal (v. 529)
genitiv 4- cyninj
—
4 mal (v. 600. 622. 668. 702)
J>eoden
5 mal (v.93. 109.
242)
188. 205.
2 mal (v. 420. 468)
frea
2 mal (v. 159. 1*5
)
lmal (v. 586)
Babilone(s) brejo
2 mal (v. 47. 256)
—
brego Caldea
—
lmal (v. 428)
wisa
lmal (v. 203)
3 mal (v. 540. 566. 703)
drihten
lmal (v. 130)
3 mal (v. 548. 594. 613)
drihtenweard
—
lmal (v. 535)
mandrihten
lmal (v. 157)
lmal (v. 637)
aldor
lmal (v. 183)
8mal (v. 410. 549. 646.677.
6S8. 713. 754. 758)
aldorfrca
lmal (v. 46)
—
ieöelinj
—
4 mal (v. 490.525. 551.638)
r&swa
—
3 mal (v. 487. 640. 667)
höre 4- tyma, wösa
i —
2 mal (v. 603.629)
beorn
lmal (v. 99)
—
denia
lmal (v. 71)
—
wulfheort
3 mal (v. 116. 135
. 247)
—
höabheort
—
lmal (v. 540)
DANIEL. 183
Dan. Aj Dan. A2
8e wlanca lmal (v. 96) —
hläford — tmal (v. 675)
se hfcöena 2 mal (v. 94. 153) lmal (v. 434)
Ergebnis»: Dan. A{ entbehrt cebeling, rcesrva und Zu-
sammensetzungen mit here- und gibt aldor, nisa, drihlen nur
je einmal, während diese Wörter ziemlich oft in Dan. A2 sich
finden. Dan. At bevorzugt die Verbindung von adj. + cyning,
Dan. A2 die von gen. + cyning. Dan. Ai gebraucht peoden, frea
(aidorfrea) häufiger als Dan. A2.
5. Es gibt orthographische Verschiedenheiten zwischen
Dan. A| und Dan. A>, wenn dieselben für die entscheidung
vorliegender frage von gewicht sein können.
Dan. Ai säende v. 160, ässegde v. 156, ssegdon v. 137. 205 : ges&de v. 165,
s&don v. 148.
Dan. A2 säende v. 649. 661 : s&de v. 695, jes^ede v. 483, s&don v. 446.
Dan. At ofcrhyjd v. 107, gehygdum v. 49.
Dan. A2 oferhygd v.490 : oferh^d v. 495. 615. 679; jehydum v.732; än-
hydig v. 605.
Dan. Ai hat die älteren formen mit erhaltenem £ vor d häufiger als
Dan. As.
Dan. Aj lifgean v. 1, wurÖijean v. 20S, ^röwijean v. 213; wyrcean v. 24,
ä^encean v. 146.
Solche ältere endungen auf guttural 4- ean finden sich nicht mehr
in Dan. As.
Dan. A1 hat öfter heora v. 234. 240, hiera v. 10 als hyra v. 183. 185
Dan. A2 hat öfter hyra v. 436. 437. 457. 675 als heora v. 455. 507.
Dan. Ai bewahrte häufiger den vollen vokal in der endung als Dan. A2
dujutJe v. 87, dugofta v. 37, geogoÖe v. 81 : Dan. A2 dujuÖe v. 456,
dugeÖe v. 745, dugeÖuni v. 765.
Dan. Ai werudes v. 76; werod v. 44. 53 : wereda v. 160. 220
werude v. 13. 27; werode v. 142
Dan. A2 werodes v. 487 : weredes v. 552
werede v. 604. 731.
Man vergleiche:
Dan. At Babilonia v. 70. 164, Babilonie v. 167, Babilonigc v. 173; Babi-
lone v. 99. 104. 117. 209. 229. 256, Babilones v. 47 mit
Dan. A2 Babilone v. 449. 455. 487. 601. 642. 660. 683. 689. 700; Babilones
v. 461, Babilon v. 694.
Dan. Ai Hierusalem v. 2 : öerusalem Dan. Aa v. 708.
6. Nur in Dan. A{ sind die Juden Ebreas, Hebreos genannt
(v. 1. 78. 97. 215. 257), nur in Dan. A2 Judeas (v. 708), während
Israelas in Dan. A, (v. 23. 43. 50. 55. 69. 73. 80. 189) und in
Dan. A, (v. 717. 751. 757) sich findet/
184 HOFER,
IY. Das yerhältniss des 'Azarias' zum 'Daniel'.
Ein gegenseitiger vergleich der verse beider gedichte er-
gibt folgende grade der Übereinstimmung:
1. Einander gleich sind folgende verse, und zwar
a) buchstäblich
Az. v. 7 = Dan. v. 286 ; Az. v. 56 = Dan. v. 341 ; Az. v. 72 = Dan. v. 362
„v. 20= „ v. 300; „ v. 66 = „ v.352; „ v. 95 = „ v. 374
w v. 49= „ v.334; „ v.67= „ v.353; „ v. 174 = „ v.415
zusammen 9 verse.
b) bei orthographischen abweichungen:
Az. v. 2 = Dan. v. 281; Az. v. 30 = Dan. v. 314;
n V.6 =
n v.285;
n V.71 =
n v.361;
n V. 15 =
„ v. 295 ;
n v.75 =
„ v.365;
n V. 16 =
n v.296;
zusammen 7 verse.
2. Neben orthographischen abweichungen finden sich in
sonst gleichen versen verschiedene casusendungen gebraucht:
Az. v. 22 hylda lcase : Dan. v. 302 hylde leasc
n v. 26 äht^cwealda i „ v. 306 f sfehta gewealdc
eorocyninges / : \ eoröcyninga
n v. 37 tö hcbban : „ v. 321 tö hebbanne1
n v. 43 )?ine wordcwidas : n v. 327 pinne wordcwyde
n v. 52 aelbeorhta : „ v. 337 aelbeorht (unflect.);
zusammen 5 verse.
3. Ausser erwähnten Verschiedenheiten findet sich bei
folgenden versen eine abweichende einsilbige, sinnverwandte
präposition:
Az. v. 33 on : Dan. v. 317 in; Az. v. 64 mid : Dan. v. 349 on;
„ v. 18 in : „ v. 298 for*; „ v. 68 mid : „ v. 358 on;
„ v. 17 in : „ v. 297 on3; „ v. 55 Jmrh: „ v. 340 mid
„ v. 53 in : „ v. 338 on;
zusammen 7 verse.
4. In einigen versen des Az. findet sich ein nicht allite-
rierendes wort an der stelle eines im Dan. als sinnverwandt
gebrauchten :
Dan. v. 290 syndon;
„ v. 301 siendon;
„ v. 303 is;
„ v. 31^ |>a?tte (= )>«t J»e);
Az. v. lo eac
„ v. 21 wurdon
„ v. 23 wii'S
n v. 34 l'ii't hit
1 hat ms. .Tun ins XI verschrieben für häd, vgl. unten h. 203, 4.
a Eine Umstellung ausserdem: Az. v. 18 y/dran ussc : Dan. v. 298
öser yldran.
* dyde Schreibfehler fiir dydon, vgl. unten s. 203, 6.
DANIEL. 185
Az. v. 51 wearÖ : Dan. v. 336 waes;
„ v. 60 swa 1 : „ v. 343 f J>aet !
8cöd J \ W8BS;
„ v. 61 ac x : „ v. 346 r J>ä
| : „ v.d4t> (
cwom I ' becwoin
„ v. 62 onlicust : „ v. 347 jelicost;
„ v. 70 gesceafte : „ v. 360 landgesceaft;
zusammen 0 verse.
5. Ein nicht alliterierendes, einsilbiges (einmal zweisilbiges)
wort erscheint in einigen versen des Dan., während es im Az.
fehlt, und zwar
a) im auftakt des 1. halbverses:
Dan. v. 315 and tö Jacobe
„ v. 331 and p&t \>u
„ v. 348 |?onne hit on;
Az. v. 31 and Jacobe
„ v. 46 \>&t \>\i
„ v. 63 t'onne on
zusammen 3 verse;
b) im auftakt des 2. halbverses:
Az. v. 5 \>u eart : Dan. v. 284 h w je t ! \>u eart
„ v. 59 )?urh swiÖes meaht : „ v. 342 }mrh \>k swiSan miht;
zusammen 2 verse;
c) zwischen 1. und 2. hebung:
Az. v. 9 söÖ^geswiÖde : Dan. v. 288 sööe and g.
„ v. 32 \>u him gehete : „ v. 316 )m him {>aet 3.
„ v. 59 töswSop and : „ v. 342 töswßop hine and;
zusammen 3 verse;
d) nach der 2. hebung:
Az. v. 12 geoca us georne : Dan. v. 292 geoca üser georne nu.
6. Ein solches wort begegnet im Az., fehlt dagegen im
Dan., and zwar
a) im auftakt des 1. halbverses:
Dan. v. 280 \>k
„ v. 299 br&con bebodo
„ v. 329 folca fela
„ v. 398 Annanias \>ec
Az. v. 1 him \>k
„ v. 19 ]>\vl bibodu br&con
n v. 45 eac fela folca
„ v. 153 nu |?ec Ananias
zusammen 4 verse;
b) im auftakt des 2. halbverses:
Az. v. 65 for frean mihtum : Dan. v. 351 frean m.
c) zwischen 1. und 2. hebung und im auftakt des 2. halbverses:
Az. v. 42 f fyl nu }>ä frumsprsece : Dan. v. 326 f fyl nu f.
i t>dah \>e \ {>6ah
7. Az. hat in der 1. hebung ein alliterierendes wort, wel-
ches im Dan. fehlt:
1 hyre Schreibfehler, vgl. unten s. 203, 5,
186 HOFER,
Az. v. 3 dreag dftduin georn : Dan. v. 282 d&da georn
„ v. 13 and Jmrh hyldo help : „ v. 293 and Jmrh help;
zusammen 2 verse.
Da diese halbverse des Dan. nicht die notwendige mindest-
zahl von 4 silben aufweisen, sind sie offenbar verstümmelt über-
liefert und wol dem Az. folgend zu ergänzen.
8. Einige verse mit 2 reimstäben ersetzen den einen durch
ein synonym, und zwar
a) den ersten:
Az. v. 35 cyne ryce : Dan. v. 319 cneorissum
„ v. 73 bletsige : „ v. 303 gebletsige.
b) den zweiten:
Az. v. 8 on d&da gehwam = semper : Dan. v. 287 in daga geh warn = semper ;
zusammen 3 verse.
9. 1 vers mit 2 reimstäben ersetzt die nicht reimenden
hebungen durch synonyme:
Az. v. 94 dryhtcn | Dan. v. 373 mihtig
bergen / * lofige
10. In 2 versen mit 3 reimstäben sind 2 durch syno-
nyme ersetzt:
Az. v. 1 4 partum 1 Dan. v. 294 Jvöaum
j>rßanyduni J : Ögonyduni
Az. v. 47 sigerof 1 Dan. v. 833 sigora
söÖ J : söÖfest.
11. 3 verse mit 3 reimstäben ersetzen den einen durch
ein nicht sinnverwandtes wort:
Az. v. 11 mid r&de : Dan. v. 291 and gerftme
„ v. 50 mödsefan : v. 335 nlihta sp&l
nv. 173 gebunden : v. 414 geboden.
12. In 2 versen mit 3 reimstäben wurde der eine durch
ein synonym, der zweite durch ein anderes wort ersetzt:
Az. v. 48 woruldsceafta I Dan. v. 332 woruldgesceafta
wuldres | ' weroda
Az. v. 74 wuldor | Dan. v. 364 wlite
woruldsceafta / * woruldcrafta.
13. 1 vers des Dan. mit 3 reimstäben erscheint im Az.
mit 2 Stäben:
Az. v. 41 wintra hwearft : Dan. v. 325 wintra worn.
11. 4 verse stimmen in der einen hälfte überein, während
die andere abweicht:
Az. v. 24 : Dan. v. 304; Az. v. 107 : Dan. v. 3S1;
69 : 359; 143 : 3S7,
DANIEL.
187
15. In 5 versen ist die eine hälfte nur noch ähnlich:
Az. v. 4 : Dan. v. 283; Az. v. 38 : Dau. v. 322;
25 : 305; 54 : 339;
27 : 307.
16. 21 verse des Daniel finden sich im Azarias dergestalt
wider, dass beide halbverse beträchtliche Veränderungen zeigen,
ohne ihren gegenseitigen Zusammenhang ganz zu verbergen
Az. v. 39
: Dan. 1
w. 323
; Az. v. 144
: Dan. v
.388
; Az. v
. 171
: Dan. v. 413;
40 :
324
; 146
391
175
416;
76 :
368
; 147 :
392
; 182-
-183
431;
77b. 93a :
370;
154
399
185
432;
99 :
375
; 155
400
187
464;
104 :
378;
156
401
188
: 465;
106 :
380;
157 :
402;
60 :
462.
17.
Nur noch dem inhalfc
3 nach,
da die form durchaus ver-
schieden
, lassen sich folgende
verse
mit einander vergleichen:
Az. v.
100b :
Dan. v. 376 b; Az.
v. 141—
-142
: Dan.
v. 388 b— 389a;
103 :
377;
145
•
•
389 b— 390;
117-
-119
: 382—383;
150
•
•
393;
122-
-124a
; 384— 385 a;
151-
-152
•
394—397 ;
134-
-135a :
385b-386a;
36
•
•
320;
140 :
387.
18. Az. v. 47 — 48 entsprechen in umgekehrter folge Dan.
v. 332—333. Dass die anordnung beider verse im Dan. nicht
zufällig, vielleicht ein versehen des Schreibers ist, läset sich
beweisen. Man vergleiche die aufeinanderfolge der bezeich-
nungen für Gott in v. 331—333: drihten — tvaldend — settend —
meiod mit v. 456—458: drihten — waldend — weard; v. 360—361
(= Az. v. 70—71): drihten — waldend; v. 445—448: drihten —
waldend; v. 762: drihten — waldend.
19. Dan. v. 289, 308—313, 330, 344—345, 350, 354—357,
417 — 430, haben nichts entsprechendes im Azarias. Mit aus-
nähme von v. 289 scheinen alle diese verse im Dan. ursprüng-
lich zu sein, denn es beruhen auf bibelstellen:
v. 330 = Vulg. Dan. c. III, v. 44 omnes qui ostendunt servis tuis mala;
„ „ „ v. 48 et erupit et incendit quos reperit juxta
fornacem de Chaldseis:
v. 354— 357 = „ „ „ v. 24 et ambulabant in inedio flamm«;
v. 30S— 313 fallen in eine ltfcke der Exeter-hs., in welcher das erste und
letzte wort betreffender stelle noch erhalten sind.
Als erinnerungszeichen blieb zurück aus dem Dan. v. 289
eac in Az. v. 10 und ac aus Dan. v. 344 in Az. v. 61.
v. 344—345 =
188 HOFER,
Der ausfall von Dan. v. 354—357 ist durch das o/ioio-
zeXevrov von v. 353 ...pckr pä d&dhwatan mit v. 357 ...p(br
pä mödhtvatan erklärlich.
Dass nach Az. v. 179 a eine rede des cy tätiges r&srva (wie
Dan. v. 417— 430) ausgefallen ist, erhellt aus Az. v. 179b f.: 'pä
him wordum srvealg brego Caldea' = dann verschlang der Chal-
däerfttrst die worte (welche offenbar eine andere person an ihn
gerichtet hatte), hörte die rede seines kämmerers; vgl. Andr
709 Idre swelgan.
20. Bei aufzählung der geschöpfe himinels und der erde
im gesange der drei Jünglinge fehlen im Az. gleichwertige be-
zeichnungen für:
Dan. v. 366 f. \>k J>e on roderuni wuniaÖ
37 1 heofonsteorran
372 deaw and deor scür
376 landa gehwilc
377 hat.
Gegen ende des gesanges entsprechen Az. v. 155—157 : Dan. v. 400— 404,
d. i. dem eingange des aus dem Brev. Rom. entnommenen Schlusses, dessen
ende jedoch (= Dan. v. 405—409) in Az. fehlt, wo dagegen v. 158— 161a
auf Vulg. Dan. c. III, v. 8S beruhen und keine parallele im Dan. haben.
21. Az. v. 57 — 58 sind nicht im Dan. widerzufinden. Es
lässt sich nicht entscheiden, ob dieselben nur infolge mangel-
hafter Überlieferung des letzteren verloren gingen. Die dortige
bezeichnung 'cefceste prV für die drei Jünglinge findet sich in
Dan. v. 272 wider.
22. Unter den geschöpfen, welche Gott preisen sollen,
nennt Az.:
v. 1 1 9 fseder rtce = himmelreich
14S f. sacerdas, insesseras.
Ersteres findet sieh weder in der bibel, noch im Brev. Rom.;
letztere sind durch irgend einen fehler in der Danielüberliefe-
rung verlorengegangen (vgl. s. 169 ff.).
Az. v. 79—93, 96—98, 101—102, 108—116, 120—121,
12-1 b— 133, 135 b — 138 bringen alle denselben gedanken, Gottes
alimacht und gute, zum ausdruck und gehören diesem ge-
dichte allein an. Ebenso fehlt im Dan. entsprechendes für Az.
v. 161b— 169, 188b — 191, welche ebenso wenig auf irgend
welcher biblischen angäbe beruhen.
Ergebniss: Die Übereinstimmung in gewissen versen des
Dan. und des Az. bewegt sich innerhalb der grenzen von Dan.
v. 280 und v. 465. Wer nun annimmt, dass eine interpolation
DANIEL. 189
in den Dan. erfolgt ist, und dass fragliches interpolierte stück
im Az. als ursprünglicher noch erhalten ist, muss dasselbe
notwendigerweise mit vorstehenden Danielversen 280 und 465
abgrenzen. Balg's behauptung, dass Dan. B nur v. 280 — 409,
421 — 427 umfasste (und implicite, dass Az. nicht von unserem
Dan., sondern dieser von jenem abhängig wurde), war ohne
genaue vergleichung beider texte aufgestellt, denn die gegen-
seitige abhängigkeit von Az.v. 60 b: Dan. v. 464 b; Az.v.171 — 175:
Dan. v. 413—416; Az. v. 182—183 : Dan. v. 431; Az. v. 185 : Dan.
v. 432; Az. v. 187—188 : Dan. v. 464—465 ist unverkennbar.
In der oben gegebenen gruppierung der sich wechselseitig
entsprechenden verse beider gedichte gehören die abteilungen
1 — 7, welche gleiche oder trotz geringer abweichungen doch
fast gleiche verse enthalten, weit mehr dem ersten teile des
Az. (v. 1 — 72) als dem letzten an: 50 gegen 4 verse. In ab-
teilnng 16 dagegen, wo beide halbverse ganz beträchtliche Ver-
schiedenheiten aufweisen, ohne ihre abhängigkeit jedoch völlig
zu verbergen, finden wir 20 verse aus dem letzten teile des Az.
gegen 2 aus dem ersten. Zwischen beiden äussersten grenzen
stehen nr. 8—15 mit 17 versen aus diesem und 4 versen aus
jenem. Daraas ergibt sich die regel: je grösser die ähnlich-
keit der verse des Az. mit solchen des Dan., nm so grösser
die zahl der verse im ersten teile des Az.; je bedeutender die
unterschiede, um so bedeutender ihre anzahl im letzten teile
des Azarias. . — ""
Wir haben oben-i gezeigt, dass Dan. B nicht mehr als
v. 280—409 umfasste, zumal dies genau dem apokryphen ab-
schnitte im *-<*. biblischen buche Dan. entspricht, demnach kann
Azarias ^icht Jenes interpolierte stück des ags. Dan., etwa gar
in n<ych ursprünglicher gestalt enthalten. Die tatsache, dass
de,,gesang der drei Jünglinge eine absichtliche kunstmässige
Gliederung in ftinfzeilige gruppen im Dan., nicht aber im Az.
zeigt, ist ein offenkundiger beweis, dass dieser teil dort ur-
sprünglicher erhalten ist als hier. Wenn Verschiedenheiten des
Sprachgebrauchs irgendwo beweiskräftig sind, so hier. Die an-
nähme, dass Az. einem Verfasser seine entstehung verdankt
wird durch die für Gott gebrauchten bezeichnungen wider-
legt Az. v. 1—75 hat deren 14 verschiedene an 16 stellen,
Az. v. 76—191 deren 36 verschiedene an 53 stellen: unter
diesen im letztern teile
190 HOFER,
7 verschiedene mit 'cyninj* in 10 versen (v. 77. 80. 99. 103. 110. 114. 122.
133. 137. 148),
6 „ „ 'god' in 8 versen (v. 78. 94. 112. 117. 147. 152. 155. 163),
3 „ „ 'fader' in 3 versen (v. 104. 139. 156),
2 „ „ 'hyrde' „ 3 „ (v. 121. 129. 150),
aber cyning, %od, hyrde finden sich nicht ein mal im ersten teile, fceder
allerdings in gleicher Verbindung bilwit fceder v. 73 wie v. 139. Dies
kann keine Zufälligkeit sein.
Azarias entstand nach dem Daniel, und zwar nach der
hineinarbeitung von Dan. B in Dan. A , durch einen Verfasser,
welcher Dan. kannte. Derselbe trug jenen teil des Dan. im
gedächtniss und schrieb seinen Az. aus dem gedächtniss nieder,
wo ihn dieses verliess, dichtete er selbst entsprechende verse.
So kommt es, dass die Übereinstimmung mit Dan. um so
geringer wird, je weiter er sich vom anfange entfernt; dass er
manche verse ganz ausgelassen, die im Dan. doch auf bibel-
stellen beruhen; dass sich von 2 derselben erinnerungszeichen
erhielten; dass in einem falle das bfiotoriXevTov die Ursache
für auslassen mehrerer verse bildete; dass Dan. v. 332 — 333 bei
ihm umgestellt sind; dass dem Verfasser in v. 100 unwillkür-
lich statt des ags. leoht and peoslro (Dan. v. 376) die lat Wörter
'lux and tenebre' aus der feder flössen, Wörter, welche ihm in
dieser Verbindung aus dem Benedicite (vgl. Vulg. Dan. c. IIIt
v. 72) ganz geläufig waren. So verlor auch der Az.-verfasser
im gesange der drei männer, welcher ja dem zweiten teile
seines gedichtes angehört, j€2? ftnfzeilige gliederung; so er-
setzte er Wörter des Dan. durch sinnverwandte, glich v. 60b
dem Dan. v. 464 b an und baute den schluss <k-s gesanges der
drei männer aus stellen des breviers und der bibel zusammen.
Warum nun der Verfasser des Az. gerade dieses stock aus
dem Dan. auswählte, beantwortet sich in gleicher weisfr, wie
die frage, warum Dan. B nicht mehr als v. 280—409 umfaßte.
Das gebet des Azarias und der hymnus der drei Jünglinge
— der inhalt der apokryphen einschaltung in der bibel — be-
anspruchte am meisten seine aufmerksamkeit Und mit einem
berichte, wie die drei Jünglinge aus dem ofen befreit wurden
(v. 162—191 : Dan. v. 410—467) wünschte er sein bruchsttick
abzuschlie8sen.
Anklänge wie:
Az. v. 160 engel ns mid fiörura bewröah wiö bryne bröjan
Dan. v. 289 enjel freobearn fseömum be^eahte under }>am tyrenan hröfe;
DANIBL. 191
Az. v. 58 äfaestum }?rim
Dan. v. 272 &f«ste J?ry (&faeste noch Dan. v. 89. 248);
Az. v. 177 ofhes Aled
Dan. v. 243 Äled wses unjesceäd micel (älet noch Dan. v. 254)
sind vielleicht als reminiscenzen des Az.-dichters an verse de$
Dan. zu erklären.
Es ist nun keine Veranlassung gegeben, etwa die Exeter-
handschrift als betreffende erste niederschrift des Azarias aus
dem gedächtniss anzusehen, noch die handschrift Junius XI
als quelle zu betrachten, aus welcher der Az.-dichter seine
kenntniss des Daniel schöpfte. Im gegenteil können wir für
den letzten punkt sogar nachweisen, dass jene quelle einige
unterschiede dem ms. Junius XI gegenüber aufwies.
So enthielt sie gewiss Dan. v. 282 und 293 in vollständiger
gestalt, die beiden nach Dan. v. 392 fehlenden verse, vielleicht
auch den nach Dan. v. 378 und den nach Dan. v. 393 fehlen-
den vers.
Mit Junius XI stimmte sie insofern überein, als sie Dan.
v. 289, 308—313, 330, 344—345, 350, 354—357 enthielt, dazu
auch, was ganz besonderer erwähnung verdient, den Schreib-
fehler 'selfa' in Dan. v. 416 statt 'sefa' aufwies. Während der
Schreiber von Junius XI diesen fehler mit abschrieb, nahm der
Az.-dichter denselben für das flirwort 'seolfa, sylfa' und richtete
dem entsprechend den schluss seines v. 175 ein.
Y. Die person der Verfasser unseres gefliehtes.
Das uns in ms. Junius XI erhaltene gedieht Daniel be-
steht, wie früher gezeigt wurde, aus den werken von wenig-
stens zwei, vielleicht von drei dichtem, aber der grössere
teil und die eigentliche komposition desselben gehört einem
allein an.
Der Verfasser des lobgesanges der drei Jünglinge war
zweifellos ein reichbegabter dichter, was nicht bloss aus der
strophenartigen gliedernng des ganzen, sondern auch aus der
grossen mannigfaltigkeit seiner bezeichnungen für 'Gott' hervor-
geht: an 20 stellen gebraucht er 19 verschiedene ausdrücke.
Er schrieb sein angelsächsisches canticum, indem er dem
römischen brevier folgte, gehörte also dem geistlichen stände
an. Dass dieser dichter mit Beda's Csedmon nicht dieselbe
person sein kann, bedarf demnach keines weiteren be weises.
r
192 HOFER,
Ob Dan. v. 280 — 362 ihm ebenfalls zugebüren, kann nicht mit
Sicherheit entschieden werden.
Und der Verfasser von Dan. A war nicht minder ein geist-
licher, denn er zeigt grosse bibelkenntniss im anfange des ge-
dichtes. Götzinger1 hat die einleitung des ags. Dan. als eine
selbständige, vom ags. dichter allein herrührende bezeichnet
Diese behauptang trifft nur ftlr v. 1 — 16 and rücksichtlich des
biblischen buches Daniel zu. Dieses letztere bot dem dichter
nur die veranlassung, nicht den stoff für seine erzählung von
Nabuchodonosor's zug gegen Jerusalem. Die bibel berichtet
von drei' solchen zügen des königs:
1) IV Regum c. XXIV, v. 1— 2 = II Paral. c. XXXVI, v. 6—7 = Dan.
c. I, v. 6 — 7 während der regierung des Joakim ;
2) IV Regum c. XXIV, v. 10 ff. = II Paral. c. XXXVI, v. 10 zur zeit
Joachiin's;
3) IV Regum c. XXV, v. 1 ff. = II Paral. c. XXXVI, v. 17 ff. = Jcrem.
c. XXXIX = Je rem. c. LH, v. 4 ff. unter Sedecias.
Letzterer war der wichtigste, da er die jüdische herrschaft in
Canaan gänzlich vernichtete. Von ihm spricht unser dichter
im gegensatze zum biblischen buche Daniel.
Ein vergleich des ags. gedichtes mit den vier berichten in
der bibel ergibt, dass dasselbe zumeist mit II Paral. c. XXXVI,
v. 17 ff. zusammenstimmt, aber einzelheiten aus den übrigen
dreien mit hineingeflochten hat. So entspricht inhaltlich, wenn-
gleich nur im umriss:
ags. Dan. v. 17—24 : II Paral. c. XXXVI, v. 12—14
„ „ v. 25-27 : v. 15
„ „ v. 28-34 : v. 16
„ „ v. 35—48 : v. 17
(die äussere Veranlassung des zuges wird von dem Angelsachsen in v. 49—51
anders als II Paral. c. XXXVI v. 13 angegeben).
Weiter entsprechen:
ags. Dan. v. 52—53 : IV Regum c. XXIV, v. 17
Die 'hatfeneyningas' in Dan. v. 54 werden Jerem. c. XXXIX, v. 3 namhaft
gemacht.
Ferner sind zu vergleichen:
ags. Dan. v. 55—56 : II Paral. c. XXXVI, v. IS
„ „ v. 57—64 : n v. 19
„ „ v. 65—67 : Jerem. c. LH, v. 18—23
„ „ v. 68—74 : II Paral. c. XXXVI, r. 20
„ r 75—78 : IV Regum c. XXV, v. 22.
1 Dichtungen des Angelsachsen Caedmon s. 29.
DANIEL. 193
Erst von v. 79 an folgt das ags. gedieht dem buche Daniel,
z. b. v. 79 — 84 entsprechen Dan. c. I, v. 3 — 4.
Doch unser Verfasser kannte ausser der bibel auch sonstige
kirchenschriftsteller. In der bibel (Dan. c. V, v. 2, 11, 13, 18, 22)
erscheint Nabuchodonosor als vater des Balthasar, in unserm
gedieh te als dessen gross vater:
v. 676 f. |?ä in }?&re }?6ode äwöc bis (sc. Nabuchodonor's) J>fet j^ridde
cneow, wsBS Baldazar burja aldor.
Dasselbe verwandtschaftsverhältniss beider könige gibt auch
Flavius Jo8ephus (37 — 100 n. Chr.) an, wie aus der anmerkung l
des Hieronymus zu Dan. c. V, v. 9 hervorgeht.
Nun zur bestimmung der entstehungszeit unseres gedichtes.
Als sehr wertvoller ausgangspunkt dafür bietet sich uns die
tatsache, dass nicht die Vulgata, sondern die Septuaginta (in
irgend einer lateinischen Übertragung) als quelle gedient hat.
Obwol die abweichungen zwischen beiden Übersetzungen des
alten testamentes bezüglich des buches Daniel nicht sehr zahl-
reich sind, so stimmt gleichwol unser gedieht mehrfach mit
der Septuaginta überein:
1) Vulg. Dan. c. I, v. 3: 'Et ait rex Asphenez pr«posito Eunuchorum,
ut introduceret de filiis Israel et de semine regio, et tyrannoruui pueros, *
qui . .' bietet nichts gleichwertiges für das in diesem zusammenhange vor-
kommende ags. Israela earme liife (v. 40), das wir widerfinden in
LXX laviTjk c. I, v. 3: xal tintv 6 ßaotkevq x(p *4o<pavl± xw aQ%i-
fvvovxtp avxov tlaayuyetv dno xwv vlüv x?jq ar//bia Xcoo la^'lofjaijk xal
dno xov 07itQfiaxog . . .
2) Vulg. Dan. c. I, v. 6: 'Fuerunt ergo inter eos de filiis Juda Daniel,
Ananias, Misael et Azarias' stimmt in der reibenfolge der letzten 3 namen
nicht mit dem ags. v. 91 f.: an waes Anantas, OÖer Azarfas, |?ridda
Misael überein, wol aber
LXX Javitjk c. I, v. 0 : xal iysvexo iv avxolq ix xwv viwv 'Iovöa
JavitjX xal kvaviaq xal Ä^aQiaq xal MioatjX.
3) Das feld, wo der künig das goldene gützenbild aufrichten lässt,
wird in der Vulg. Dan. c. ELI, v. 1 Dura, in LXX Aavir\X c. III, v. 1
Jff i(>«*, in ags. Dan. v. 171 Diran genannt.
4) Die reibenfolge der einzelnen geschb'pfe, welche im gesange der
drei männer zum preise Gottes aufgefordert werden, stimmt im Ags. nicht
zur Vulg., dagegen zur Septuag., wie oben nachgewiesen.8
5) Vulg. Dan. c. III, v. 97: 'Tunc rex promovit Sidrach, Misach et
Abdenago in provincia BabylomV erzählt nichts davon, dass der künig
die drei frommen Jünglinge an die spitze der gefangenen Juden stellt,
1 v. Lengerke, Das Buch Daniel s. 204.
3 ebenda s. 115, anm. a.
8 Vgl. s. 171 f. dieser abhandlung.
▲uglia, XII. band. 13
194 HOFER,
wie der Ags. berichtet v. 453 ägaef him (sc.hyssum) \>& his leoda läfe
\>e )>&t ^elaedde w&ron, wozu die parallele sich findet in
LXX Aavir\X c. III, v. 30: xoxe 6 ßaoiXtvg xaxevS-vve xbv SeSoax
Mioax hßdevayw iv xy %ajQft BaßvXwvog, xal rjv^asv avrovg xal
^iwasv avrovg fjyelo&ai ndvxwv xwv 'Iovdaiwv xwv iv xy
ßaaiXeia avxov.
6) Vulg. Dan. c. IV, v. 11 — 12: 'Clamavit fortiter et sie ait: Succi-
dite arborein, et praeeidite ramos ejus: excutite folia ejus, et dispergite
fruetus ejus: . . . Verum tarnen geruien radicum ejus in terra sinke, et
allig etur vineulo ferreo et aereo, in herbis, quse foris sunt, et rore caeli
tingatur, et cum feris pars ejus in herba terrae . .' weicht im letzten teile
beträchtlich von unserm gedichte ab, v. 511 — 521: torhtan reorde h£t|>aet
treow ccorfan, . . . het |?onne besn&dan seolfes bl&dum, twijum and
telgum and J>eh täcen wesan, wunian wyrtruman J?aes wuduböaraes
eoröan faestne . . ., het eac gebindan beain )>one miclan Ären um
clammum and fsernum and jes&ledne in süsl dön.
In beiden erzählungen wird der bäum umgehauen, seiner äste, blätter
und fruchte beraubt, sein wurzelstock aber im boden stehen gelassen.
Während aber die Vulgata erzählt, dass der wurzelstock1 in fesseln ge-
schlagen und gepeinigt wird, hat im ags. gedichte der umgehauene bäum-
st am m fesseln und quälen zu erdulden, wie dies auch berichtet ist in
LXX c. IV, v. 11—12: *Exxo\paxe xb devdoov, xal ixxiXaxe xovg
xXdöovg avxov xal ixxtvd^axe xa <pvXXa avxov xal Aiaoxoonlaaxf xbv
xaonbv avxov . . . TcXtjv xtjv (pvrjv xwv pi^wv avxov iv xy yy idoaxe,
xal iv Seoftw oi<Uj(jlö xal %aXxw xal iv xy Z^*'}V XV *SW xa^ & TZ
öqoow xov ovoavov xotxag&tjoexai, xal fitxct xwv &tjoiwv // [itolg avxov
iv xw %6qxw xfjg yijq, wo
/} fteolg avxov = rj fieglg xov öevöoov.
Stimmte die Septuaginta mit der Vulgata überein, so würden wir statt
dessen lesen:
^ fisolg avxijq = rj fieglg xijg (pvijg xwv $iC,wv.
Die angeführten Übereinstimmungen beweisen also, dass
unserem gedichte als quelle die Septuaginta diente, welche latei-
nisch übersetzt als * Versio antiqua Laiina1 ', oder 'Vetus Latina',
oder 'Itala' vor der Vulgata im gebrauche der kirche war.
Im 7. und 8. Jahrhundert nun wurde diese Vetus Latina
von des Hieronymus' bibelübersetzung mehr und mehr ver-
drängt2, welche ihrerseits von der mitte des 9. Jahrhunderts
1 v. Lengerke, Das Buch Daniel 8. 170 und s. 172 anm. p: 'Dass der
wurzelstamm mit eisenbanden umklammert wird, geschieht, um ihn vor
Sprüngen und rissen und völligem untergange zu bewahren'.
1 Herzog's Realencyklopädie f. prot. Theologie bd. VII 1, s. 442: 'Als
unsere Übersetzung (d. i. die Versio antiqua Latina) im laufe des 7. und
8. Jahrhunderts allmählich ganz ausser gebrauch kam, fielen ihre hss. der
Vergessenheit und dem staube anheim Die erhaltenen hss. sind
daher fast alle sehr alt, und wenige werden Über das 7. Jahrhundert
hinausreichen '.
DANIBL. 195
ab ausschliesslich üblich war.1 Dieser letzte Zeitpunkt ist dem-
nach als äusserster terminus ad quem für die entstehung unseres
gedichtes anzusetzen. Noch näher aber kommen wir der ab-
fassungszeit desselben, wenn wir folgendes in erwägung ziehen :
1. Die mundart der handschriften, welche ags. gedichte
überliefern, bietet bekanntlich keinen zuverlässigen anhält für
die datierung ihres ersten daseins. Da die Schreiber bei ihrer
arbeit oft, entweder vorsätzlich oder unwillkürlich, ihre vor-
lagen in ihre eigene mundart übertrugen, so zeigen die hand-
schriftlich erhaltenen gedichte häufig mehr der Schreiber als
der ursprünglichen dichter dialekt.
In seiner abhandlung über die rhythmik des germanischen
alliterationsverses hat Sievers bereits darauf hingewiesen, dass
der Daniel zuerst in anglischer mundart, nicht in westsäch-
sischer gedichtet wurde, dass ms. Junius XI dagegen von einem
sächsischen oder kentischen Schreiber herrühre. Sievers erörtert
die metrischen gesetze am Beowulf und zeigt, dass dieselben
in ihren grundformen von allen ags. gedichten — die spätesten
allein ausgenommen — sorgfältig beobachtet werden. Mit hilfe
dieser gesetze lässt sich dann nachweisen, dass gewisse gram-
matische formen der handschrift unmöglich dem dichter an-
gehören können. Für unseren Daniel ergaben sich daraus
folgende tatsachen:
a) Die zusammengezogenen verbalformen li'Ö v. 563 a, cymsl v. 585 b
sind in des dichters dialekt nicht zusammengezogen gewesen2;
b) der jetzt zweisilbige Superlativ nehsium v. 411b war bei dem
dichter dreisilbig8;
c) die pluralform fcondas v. 345a gehört als zweisilbig dem dichter an4 ;
d) ebenso die formen fde^re v. 498b, ontriowde v. 269b5;
e) in v. 196 b cüft ^edydon wurde die sächsische verbalform mit kurzem
Stammvokal für die ursprüngliche, anglische mit langem Stammvokal %e-
ddedon eingesetzt.6 Diese ist noch erhalten in be feore debde v. 101b.
1 Herzog, a. a. o. bd. VIII, s. 448: 'Wenn daher schon Isidorus Hispal.
(a. d. 560—636) de div. offic. 1,12 schreibt: Hieronymi editione generaliter
omnes ecclesiae usquequaque utuntur . . ., so war dies, streng genommen,
noch nicht wahr, aber wol durfte es Hraban. Maurus (f 856) de instit. cleric.
2, 54 für seine zeit nachschreiben. Noch Beda Venerabilis bezieht sich
zuweilen auf die alte Übersetzung, ob wol er für gewöhnlich die neue
braucht. Erst im 9. Jahrhundert entschied sich der sieg der neuen voll-
ständig '.
* Paul und Braune, Beiträge bd. X, s. 464 f., 473, 475 f.
3 ebenda s. 478.
4 ebenda s. 474, 473; bd. IX, s. 252.
5 ebenda s. 233, 474, 498.
6 ebenda bd. X, s. 498.
13*
196 HOFER,
Wir fügen noch diese hinzu:
f ) dream as v. 30, 115 als gen. sing, ist nordhumbrisch * :
g) ägcef v. 453, on^et v. 460. 488. 631 prät. sing.; begite v. 618 opt.
prät. plur. gehören nicht dem sächsischen dialekte an 9 ;
h) cyme v. 517. 588; dieser opt. präs. findet sich immer im anglischen
psalter, zuweilen auch in westsächsischen denk malern8;
i) unser gedieht hat den plur. opt. prät. zumeist auf ~e: deede v. 101,
www de v. 123, rebrde v. 191, sceolde v. 212, rvolde v. 214, %elwsU v. 219,
hwyrfe v. 221, näme v. 508, betete v. 618, dornige v. 372. 399, lofi^e
v. 373. 380, blelsige v. 381, bletsie v. 390, cyme v. 517; nur ein mal findet
er sich auf -en: rvolden v. 203. Die apokope des auslautenden -» war im
nordhumbrischen dialekte gewöhnlich.
In Exodus habe ich nur formen auf -en gefunden; Groschopp und
Kühne, welche den dialekt von 'Crist und Satan' untersuchten, haben
auch aus diesem gedichte keine formen auf -e beigebracht.
Die obenangeführten grammatischen formen deuten darauf
hin, dass der Daniel ursprünglich in der nordhumbrischen
mundart entstand. Seine Verfasser waren mithin Nordhumbrier,
welche dem geistlichen stände angehörten. Nun wissen wir,
dass die raubzüge der Dänen bereits um die mitte des 8. Jahr-
hunderts die nordhumbrischen klöster und kirchensitze zerstört
hatten, jene beschaulichen pflanzstätten, wo die angelsächsische
dichtkunst, von jugendlich-christlichem feuereifer gepflegt, ihre
ersten biUten entfaltete. Um die mitte des 8. Jahrhunderts muss
also unser gedieht schon vorhanden gewesen sein.
2. Auf diese zeit weist auch der Wortschatz des Daniel
hin. In nachfolgender Zusammenstellung haben wir sowol die
cwrag Xsyofjitra, als auch jene Wörter ausgelassen, welche viel-
fach in der angelsächsischen poesie widerkehren. Nur die
seltener gebrauchten Wörter sind ausgewählt worden.
Nur im Beowulf finden sich noch belegt:
»tberan D. v. 538, B. v. 28. 624. 1561. 2127. 2614. 3092; besw&lan D.
v. 438, B. v. 3041; endelßan D. v. 187, B. v. 1092; f&rsryre D. v. 463, B.
v. 174; stedeling D. v. 422, B. v. 2617. 2949; hreohmod D. v. 242, B.
v. 2132, 2296; w&fre D. v. 241, B. v. 1150. 1331. 2420; ]n\ wa»s endedaej
D. v. 679, B. v. 3035; swä him gecynde w»s l>. v. 3, B. v. 2696.
Ausser im Beowulf finden sich noch in einigen anderen
ags. gedieh ten:
aj>encan D. v. 146, B. v. 2643, Gen. v. 400, Cri. v. 990; bolgeuinöd D.
v. 209, B. v. 709. 1713, An. v. 128. 1223, GA. v. 529; brytnian D. v. 691,
1 Sievers, Ags. Gram. § 237, anm. 1.
* ebenda § 391, anm. 2.
8 ebenda § 390, anm. 2.
DANIEL. 197
B. v. 2383, Edw. v. 7. 21; drSamlSas D. v. 558, B. v. 1720, Cri. v. 1628;
earmsceapen D. v. 632, B. v. 1351. 2229, An. v. 1131. 1347, Jul. v. 418;
endedaeg v. 679, B. v. 637. 3035, Hy. 7m, Ap. v. 79; forhabban D. v. 147,
B. v. 1151. 2609, Exod. v. 487; hordweard D. v. 65, B. v. 1047. 1852. 2293.
2302. 2554. 2593, Exod. v. 35. 511; inyndjian D. v. 144, B. v. 1105. 2057,
EL v. 657; gemyndjian D. v. 571, B. v. 2450, Ps. 763. 86*. 1352*. 1426;
treddian D. v. 439, B. v. 725. 922, Ps. 655; unblfÖe D. v. 127. 134, B. v. 130.
2268. 3031, Gen. v. 2259; unwäcltc D. v. 674, B. v. 3138, Jul. v. 50, By.
v. 308; dorn fafian D. v. 190, B. 2963, Gü. v.573; tö symble jesittan D.
v. 701, B. v. 2104; tö symble sittan B. v. 489, Jud. v. 15; Kr. 141.
Wörter und ausdrücke, die nur in Dan. und Gen. vor-
kommen:
äwacan D. v. 676, G. v. 1708. 2615; bresne D. v. 173. 449, G. v. 2801; jc-
rüme D. v.291, G. v. 759; herewösa D.v.629, G. v. 85; manltca D. v. 174,
G. v. 2566; onSgan D. v. 697, G. v. 1829; r&dl$as D. v. 177, G. v. 44;
reÖemöd D. v. 33, G. v. 47. 1684. 2492; weorc^ow D. v. 74, G. v. 2260.
2720; cüö gedön D. v. 196; cüÖ dön G. v. 1503. 1851; feorh nerigan D.
v. 355, G. 1999. 2510; metode gecoren D. v. 92, G. v. 1734; w&da leas D.
v.634, G.v.867; w&pna laf D.v.74, G.v.2005; weard and wisaD.v.566,
G. v. 1157; in wintra worn D. v. 325; ymb wintra worn G. v. 1320; )mrh ge-
msene word cweÖan D. v. 362; }?urh genifene word andswarian G. v. 2474;
waes him beorht wela D. v. 9 ; him waes beorht wela G. v. 1 603 ; welan
wunden gold D. v. 678, G. v. 1931; hie wlenco anwöd aet wtn^ege, druncne
je|?ohtas D. v. 17; hie J^ass wlenco onwöd and wingedrync G. v. 2579;
öö" }>aet him cwealm gesceöd D. v. 668 ; )>a him cwealm gesceode G.
v. 1623; siÖÖan }?£r his aferan öad bryttedon D. 672; siÖÖan his eaforan
öad bryttedon G. v. 1602; ead bryttedon G. v. 1891; ne meahte \>k seo
maenigeo wihte ä^encean D. v. 145; gif we hit m&gen wihte äj?encan
G. v. 400 ; fröd foremihti j folca r&swa D. v. 667; swä J>a foremeahtige
folces r&swan G. v. 1669; )>u eart seo micle and min seo m&re burh \>e
ic jeworhte tö wurÖmyndum, rüine rice D. v. 609— II; J>is is söo eorÖe
)>e ic seltene tudre }?inum torhte wille waestmum gewlö on geweald
dön, rüme rice G. v. 1787—90.
Folgende Wörter und ausdrücke gehören dem Dan., der
Gen. und wenigen andern ags. gedichten an:
ähicgan D. v. 130. 147, G. v. 2031, Cri. v. 903, Crae. v. 44, Gn.Ex. v. 202;
ahweorfan D. v.630, G.v.25. 2067, An. v. 959, Ps.1251; anmöd1 D.v.224,
G. v. 1650. 1662, Ex. v. 203, Run. 2; anwadan D. v. 17; onwadan G.
v. 1260. 2579, An. v. 140; «faest D. v. 89. 248. 272, G. v. 1182. 1802, Gö.
v. 497, L6as. v. 35; bliÖemöd D. v. 253. 713, G. v. 1468. 1800, Edw. v. 15;
cynegöd D. v. 196. 433, G. v. 1590. 1736, Wid. v. 56; earfoÖsiÖ D. v. 657,
G. v. 1476, An. v. 678. 1285, Wy. v. 59; folcgesiÖas D. v. 412, G. v. 2134,
Met. 17Ü; forbrecan D. v. 709, G. v. 698. 798, Jul. v. 473, Sat. v. 468, Hö.
v. 35; foremihtig D. v. 667, G. v. 1669, Ph. v. 159; hämsittende D. v. 687,
G. v. 1815, An. v. 686; sceon D. v. 266, G. v. 1103, Ex. v. 586; weoruld-
1 onmöd An. v. 54, Gft. v. 717, Fin. v. 12.
198 HOFER,
Sesceaft D. v. 332, G. v. 101. 110. 863, Met. 111^-101. 201W. 297*, Men.
v. 115; wiöerbroca D. v. 566, G. v. 64. 2288, Jul. v. 260, Gtt. v. 265; lufan
and lisse D. v. 340, G. v. 2332; luffum and lissum G. v. 1940.2737; lufena
and lissa Gu. v. 1040; |>eowned Julian D. v. 308, G. v. 2030, El. v. 770;
d&Öe sweltan D. v. 143, G. v. 1205, Jul. v. 125; drihtne jecoren D. v. 150.
736, G.v. 1818, Ap. v.5, Ps. I315; eard and 6Öel D.v. 612. 638, G.v.632,
Ph. v. 158. 427, Met. 2450* ö9; sttsl }>rdwian D. v. 621, G. v. 75, Sat. v. 41;
jodes spelboda D. v. 230. 465. 538. 743, G. v. 2494, Cri. v. 336, Ph. v. 571,
Gü. v. 11.
In Dan. und Exod. sind belegt:
b&lb$s D. v. 232, Ex. v.401; herbes wisa D.v. 203. 540, Ex. v. 13; here-
don drihten on dreame D. v. 257—258; on dreanie drihten herigaÖ Ex.
v. 546; ni&st and m&rost \>är& \>q men bün D.v. 693; maest and m&rost
pkm \>e manna bearn Ex. v. 395.
In Dan., Exod. und einigen andern ags. gedichten finden sieb:
böcere D. v. 164, Ex. v. 530, An. v. 607, Wy. v. 71; folemaegen D. v. 185,
Ex. v. 347, An. v. 1062; geseeon D. v. 620, Ex. v. 560, An. v. 18; mdd-
hwtet D.v. 357, Ex. v. 124, Hy. II16; heortan jetenje D. v. 629, Ex.
v. 14S, Ps. 101«; w&re healdan D. v. 10, Ex. v. 421, El. v.8>3; w&re je-
healdan Gn. Ex. v. 101.
Wörter und Wortverbindungen, welche nur dem Dan. und
Cynewulf's echten werken angehören:
aglac D. v. 238, El. v. 1188, Rä. 47. 79«. 88"; äcraßft D. v. 19, El. v. 435,
brSostloea D. v. 167, El. v. 1250; cöapian D. v. 739, Cri. v. 1096; d£d-
hwset D.v. 353, El. v. 292, Cri. v. 385, Jul. v. 2; hl£p D.v. 574, Cri. v. 720.
726.730.747; hreddan D. v. 671, Cri. v. 274, Rä. 1518; lfonUm D.v. 764,
Cri. v. 1120; nlöwracu D. v. 664, Jul. v. 187; s&faroÖ D. v. 323, El. v. 251;
upcyme D. v. 385, Rä. 31*; wolcenfaru D. v. 379, Rä. 4"; böca bebod
D. v. 82, Cri. v. 1631; aglac dröojan D. v. 288, Rä. 796; dujuÖum wealdan
D. v. 765, El. v. 450; set godes earce D. v. 752, El. v. 399; lacende Uj
D. v. 476, El. v.580. 1111, Cri. v. 1595; rice under roderum D. v.640, El.
v. 13. 147. 631; siÖfaet seegan D. v. 649, Jul. v. 285. 31S; swefnes wöma
D. v. 110. 118. 539, El. v. 71; s&ton him aet wtne D. v. 696; säet him «t
wine Rä. 47'.
Die folgenden Wörter und Wortverbindungen begegnen
ausser im Dan. noch in einigen sonstigen ags. gedichten:
aeeorfan D. v. 568, Ps. 88*°; äfeallan D. v. 557, By. v. 202; anmedla1 D.
v. 748, Sat. v. 74; äwinnan D. v. 654, Gü. v. 440; aelmysse D. v. 587, Ph.
v. 453, Gü. v. 48, Alm. v. 8, Ps. Th. 19»; basu D. v. 724, Ph. v. 296; breost-
je^anc D. v. 400, Fä. v. 33; caldorlagu D. v. 139, Gü. v. 1234; ealdorman
D. v. 685, An. v. 608, Ps. 12 mal, By. v. 219; earfoÖmaecg D. v. 623, Wy.
v. 11; ^eocian d. v. 292, Hy. 445- 5y; gesigefwstan D. v. 288, Ps. 102»; 30-
strüdan D. v. 61 , Sal. v. 73. 154; jlöawmAd D. v. 440, Gü. v. 975, An.
1 oniuedla B. v. 2926, Cri. v. S15, El. v. 1266, Sat. v. 429, Sal. v. 351,
Seef. v. 81.
DANIEL. 199
v. 15S1, Ph. v. 571; goldfset D. v. 755, Ph. v. 303; sramlice d. 714, Ps.
5415. 7780. 10512; herepaÖ D. v. 38, Jud. v. 303; hreman D. v. 756, JEtel
v. 39; hyjecraeft D. v. 98, Hy. 63, Gn. Ex. v. 3, Ps. 1161. 118«- "; hyge-
J?ancol D. v. 94, An. v. 341 , Jud. v. 131; langung D. v. 29, Seef. v. 47,
Hy. 497, Ps. I IS2«; lyjeword D. v. 720, Ph. v. 547, Ps.578; medial D.
v. 703, Jud. v. 26, Wy. v. 52. 57; minsian D. v. 268, Reiml. v. 29; niÖhete
D.v. 48. 279, An. v. 836; oferfaeÖman D.v. 502, Hy. 11"; orleje D. v.697,
Ps. Th. 46 '• 8; wandian D. v. 550, By. v. 258. 268; w&rgenga D. v. 663,
Gn. v. 685; wingäl D. v. 116, Seef. v. 29, Ruine v. 35; win{>egu D. v. 17,
Cr«, v. 74; woruldcraeft D. v. 364, Crae. v. 22; woruldspöd D. v. 290, An.
v. 318; acol for (on) J>am egesan D. v. 124. 726, An. v. 1268, Gü. v. 664;
gnmena rice D. v. 607, Wid. v. 133, Met. 941; hat and ceald D. v. 377,
Dom. v. 106, Sat. v. 132; jmrh reorde reccan D. v. 336, Gü. v. 131; spd-
wende sp£d D.v. 479, Gü. v. 225; ^enden reordberend reste wunode
D. v. 123; syÖÖan reordberend reste wunedon Kr. v. 3.
Aus dieser Zusammenstellung ersiebt man, dass die Wörter
und Wortverbindungen, welche gleichfalls sich im Beowulf, in
Gen., Exod. und Cynewulfs echten werken belegt finden, gar
zahlreich in unserm Daniel begegnen. Und diese werke gehören
alle dem klassischen Zeitalter der ags. dicbtkunst an. Sehr
gering ist dagegen die zahl von Wörtern und Wortverbindungen,
welche unserm gedichte mit werken einer späteren zeit, wie
Psalter, Byrhtno}?, Reimlied, AeÖelstan, gemeinsam sind. Der
Daniel entstand also um die mitte des 8. Jahrhunderts, wo der
vorerwähnte Wortschatz in allgemeinem gebrauche war. Die
äbnlicbkeiten jedoch, welche in dieser beziehung zwischen
Daniel und Genesis hervortreten, scheinen auf etwas mehr als
einer bloss gleichzeitigen entstehung zu beruhen. Dieselben
machen es wahrscheinlich, dass der Verfasser von Dan. A —
denn hier treten sie zahlreicher als in Dan. B auf — die
Genesis eingehender gekannt hat.
Anhang.
Beiträge zur textkritik des Daniel.
Im folgenden zähle ich auch die besserungsvorschläge
anderer auf, soweit ich denselben zustimmen kann.
v. 22 />ä gedrillt (G.1); v. 29 hie (G.); v. 35 wisode (B.*), prät. von
tvisian sw. v. (Sievers' ags. gram. §412); vgl. v. 52 gesamnode, 86 f>an~
code, 123 wunode, 134 andsrvarode etc. Vielleicht ist das b~ der hs. ein
Überrest vou d mit übergeschriebenem 0? — v. 38 [iätfne] herepa%\ pob~
1 Grein.
2 Bouterwek.
200 HOFEK,
ist weder in Grein's Sprachschatz, noch in Wright-Wtilker's Vocabularies be-
legt; vgl. Paul und ßraune's Beitr. X, 514 und s. 203, 2 dieser Zeitschrift. —
v. 41 tvigan (S.1). — v. 53 föron* für faran\ die abhängigkeit des infini-
tivs ist nicht ersichtlich; and = et (nicht 'and west* = in occid entern
versus D.8). Der satz ist also gebaut: wcelhriow wer od gesamnode pä
stitian and nortian and fdron west\ vgl. v. 76: onsende rvorn pces wc-
rudes west (6 feran. Für den Wechsel des numerus des verbum ver-
gleiche Ex. v. 100—104, 319—322, Jud. v. 261b— 265, B. v. 3030 b— 3032. —
v. 56 lucon* für tufan; Israela eZelweardas lucon lifwelan = die künige
der Israeliten verwahrten die lebensschätze (d. h. die heiligen opfergefasse
im tempel). — v. 57 ic (G.). — v. 61 gestrudon; ^estreom. wol im ms.;
vgl. Archaeologia vol. XXIV, plate LIII, z. 2 tveredi, z. 4 ealrn, zesceafl*,
z. 5 truma etc., wo a ähnlich dem u geschrieben. — v. 66 fio (B.) acc.
sing. Für die deutung dieses wortes und des folgenden freos, das bisher
mit fragezeichen behandelt wurde, verweise ich auf die eingehende Schil-
derung von der plünderung Jerusalems durch Nabuchodonosor iu Vulg.
Jerem. c. LH, v. 18 Et lebetes, et creagras: et psalteria, et phialas, et
mortariola, et omnia vasa aerea, quse in ministerio fuerant, tulerunt. v. 19
Et hydrias, et thymiamateria, et urceos, et pelves, et candelabra, et mor-
taria, et cyathos: quotquot aurea, aurea: et quotquot argentea, argentea,
tulit magister militiae: vgl. ags. Dan. v. 59 riadan gofde, v. 60 since and
seoifre, v. 61 geslriona, v. 65 hordwearda gestreon. v. 20 Et columnas
duas, et mare unum, et vitulos duodecim aereos, qui erant sub basi-
bus, quas fecerat rex Salomon in domo Domini: vgl. ags. Dan. v. 65 flo.
v. 21 De columnis autem, decera et octo cubiti altitudinis erant in columna
una, et funiculus duodecim cubitorum circuibat eam: porro grossitudo
ejus quatuor digitorum, et intrinsecus cara erat v. 22 Et capitella super
utramque aerea: altitudo capitelli unius quinque cubitorum: et retiacula,
et malogranata super coronam in circuitu, omnia aerea. Similiter columnas
sccundae, et malogranata. v. 23 Et fuerunt malogranata nonaginta sex de-
pendentia: et omnia malagranata centum, retiaculis circumdabantur. Vgl.
Gritnm'8 Deutsches Wörterbuch uuter 4 Fries 2)', dessen bedeutung als
'gekräuselter zierrat am köpfe der saulen über dem architrab' gegeben
wird. Ist es nun nicht dieser, in vorstehenden bibelversen 22 f. uäher be-
schriebene Säulenfries, den unser dichter mit seinem freos in v. 65 aus-
drücklich als beutestück der Babylonier erwähnen wollte? — v. 73 ofer
(G.); ofer ealle lufen = über alle hoffnung hinaus (aus der gefangenscbaft
jemals wider befreit zu werden). — v. 76 west tu (G.). — v. 77 leoda
(G.). — v. 97 ciföan (G.). — v. 119 tvcef (G.). — v. 139 cefter wie ms.;
eine veranlassung zur besserung Grein's liegt nicht vor. Der sinn dieser
stelle ist: dass ihr (vorher) gekannt hattet meines lebens Schicksal, wie
es (tatsächlich) später (schon) eingetreten ist, oder ich noch in zukunft
dasselbe erfahren werde. v. 142 berad, wozu )>ä pe = £v subjekt ist;
mcetinz als subjekt würde beodan als verbum erfordern, vgl. v. 132, 542,
741. — v. 152 tvces (G.). — v. 192 herebtjman ((}.). — v. 202 zebctdan
1 Sievers. * Vgl. s. 2»3, 2 und 7.
3 Dietrich. « Vgl. s. 203, 4 und 5.
DANIEL.
201
mihte (G.). — v. 207 h&bengyld (G.). — v. 221 m<£ gin (G.); dieser vers
ist vor v. 220 zu stellen , da sein verbum hrvyrfe plur. opt. prät. ebenso
wie gelöste in v. 219 von hogedon georne pcet abhängt, und der v. 220
den satzbau unterbricht. — v. 225 ist im ms. lückenhaft; man ergänze:
hei he [egeslicor] ofn onhcelan\ vgl. Vulg. Dan. c. III, v. 19 Tunc Nabu-
chodonosor repletus est furore ... et praecepit, ut succenderetur fornax
septuplum quam succendi consueverat.1 — v. 227 glctded; vgl.
glcedslede Gen. v. 2842. — v. 234 fcetim-fyres. — v. 240 ne mihte heora
tvliie gewemman piah. — v. 247 oncelde für rvolde ms.; oder ist ags.
ncelde = oncelde, wie engl, to neal = to anneaH — v. 256 blifte (G.). —
v. 265 penden (G.). — v. 267 cnihtum. — v. 268 pära (G.). — v. 272 un-
forbcerned (G.). — v. 293 purh hyldo help (T.2), wie Az. v. 13. — v. 297
dydon, plur. wie brcecon v. 299, oferhogedon v. 300; vgl. Az. v. 17. —
v. 299 burhsittende (G.). — v. 'MO äne, welches zum ersten halbverse ge-
hört: ne forlcet pu usic äne = Vulg. Dan. c. III, v. 34 ne tradas nos in
perpetuum; vgl. v. 19 pä hie cecrceftas äne forttlon, v. 31 hie sylfe for-
lelon drihlnes domas. — v. 321 häd\ promissum, stipulatio, votum ist ags.
nur gehät; vgl. mhd. heiz, heize — jussum, praeceptum; aber geheiz, ge-
heize = jus8um, praeceptum; votum, promissum, stipulatio. — v. 322 öö~
pcet brim faratf. — v. 332 pcer. — v. 343 hyra (G.) — v. 370 sunne. —
v. 373 god mihtig. — v. 393 ist in der hs. zweifellos entstellt überliefert;
wie sich v. 343 ligges = liges, v. 596 reccan = recan, und andererseits
wiggend = wigend, hlutlor = hlülor findet, so dürfen wir an dieser
stelle herran = hiran d. i. hörige, diener, und pinne = pine lesen. Dass
diese Vermutung zutreffend ist, beweist ein vergleich von Dan. v. 391-399
mit Az. v. 146—154 und mit Vulg. Dan. c. 111, v. 82—88:
Dan.
v.391 manna bearn :
392 Israela :
* ( fehlen im ms.
* / Jun. XI3
393 heran )?ine :
393 häli^ran heor- :
tan erseftas
395 etc.
Az.
v. 146 monna bearn
147 Israhela cyn
148 )>ine sacerdas
149 milde msesseras
150 )>ine )>as
152 eabmöd heorte
151 etc.
}
Vulg. Dan. c. III
v.82 filii hominum
83 Israel
84 sacerdotes Do-
mini
85 servi Domini
87 saneti et huimles
corde
86 spiritus et aniinae
justorum. —
v. 407 widefehrt) (G.). — v. 410 ealdor (G.). — v. 413 piodendl nomen
agentis zu peodan sw. v. = subjugare, subjungere, nodari, ligari, adigere4,
wie nergend, demend, wigend, seilend, reccend zu nergan, du man etc.;
vgl. gut. piudanönds in I Timotheus 1, 15 piudans piudanöndane = ßaoi-
Xtv<; xütv ßaoilevovuav und Az. v. 171 pcoda wisan . peodend mine würde
1 'Der ofen war gleich anfangs geheizt, um gleich die menge einzu-
schüchtern, jetzt soll er aber über gebühr geheizt werden', v. Lengcrke,
Das Buch Daniel s. 135, anm. r.
2 Thorpe.
3 Vgl. oben s. 169 ff.
4 Vgl. Haupt's Zeitschrift bd. IX, ags. glossen mitgeteilt von Bouter-
wek 414, 466, 481.
202 HOFER,
entsprechen: opthnatibus suis in Vulg. Dan. c. III, v. 91. — v. 413 sendon
(G.). — v. 410 sefa (B.) ohne zweifei für das verschriebene selfa (vgl.
sylf v. 645; sylfa v. 289, 347; sylfe v. 31, 591; seolfes v. 514); nales me
sefa leo^elS deutet zurück auf v. 2f>9 %eseah pä switfmod cynivg, pä hi
his sefan oniriowde. — v. 420 gerysno. — v. 435 bende (G.). ™ ▼• 446
septon (Zupitza1)- — v. 453 bezieht Grein htm und his irrtümlich auf
Daniel, der zuletzt in v. 168 erwähnt ist. Hirn dat.plur. = den drei Jüng-
lingen, his leoda läfe = die in des königs gcwalt befindlichen gefangenen
Juden; vgl. LXX davitjk III, 30 xal t^icooev avzovg f^yelaO-ai navxwv twv
'Iovöaiwv xöiv iv rjj ßaaikeia avtov. — v. 454 rahte (D.). — v. 460 — 61
sind zu einem schwellverse zu vereinigen: Babilones weard |mrh tyres
bryne, siÖÖan he wundor onget, vgl. v. 455, 456, 457; purh fyres bryne
= wegen des brandes des feuers. — v. 476 läcendne. — v. 477 und 478
sind also zu ergänzen:
for^am he is äna ece [ealra gesceafta]
drihten aelmihtig, se ]>e him döm forgeaf, vgl. v. 761 — 762. —
v. 495 ästigatf. — v. 533 %äst wie sonst stets in dieser hs. — v. 559 wyr-
truma, denn nach v. 51 1 ff. und nach v. 581 ff. ist wyrlruma Subjekt in
dem satze: his w. sceolde foldan befolen rvesan, siede eft onfön\ die
Ursache für den Schreibfehler liegt auf der band: von zehn auf einander
folgeuden Wörtern endigen sechs auf -n, davon drei auf -an. — v. 571
Zemynd$asl (T.). — v. 591 [rvomtnas] rvyrcan: Gott verzieh den men-
schen oft das sündenwirken, wenn . . — v. 600 tveall (G.). — v. 616 wod
(D.). — v. 628 pces (G.). — v. 658 swä he ofstltce god [icne] speitode,
vgl. Vulg. Dan. c. IV, v. 31 et Altissimo benedixi, et viventem in sempi-
ternum laudavi et glorificavi: quia potestas ejus sempiterna, et reg-
num ejus in generationem et generationem. - v. 668 cwealm, da
cwelm von Grein nirgends belegt. — v. 682 ymb (T.). — v. 695 freasade
(D.). — v. 704 hit in <Pht päm beran\ wenn hebt wirklich in der hs., so
ist dieses wol eine zusammenziehung des Schreibers aus hct in echt, vgl.
v. 748; sonst nur hit in unserem gedichte belegt. — v. 711 torhte freetwe
(T.). — v. 740 [peere] bürge weard (vgl. v. 173); der plur. weardas der hs.
steht im Widerspruch zur folgenden antwort des Daniel und passt nicht
zur entsprechenden bibelstelle Vulg. Dan. c. V, v. 16 si ergo vales scrip-
turam legere, et interpretationein ejus indicare mihi, purpura vestieris,
... et tertius in regno meo prineeps eris.
Im folgenden sind nun die meisten vorerwähnten Schreibfehler unserer
hand8chrift nach abteilungen zusammengestellt, aus denen man die wirken-
den Ursachen für des Schreibers versehen wol erkennen wird.
1. Der vokal einer silbe wurde demjenigen der vorhergehenden an-
geglichen :
v. 712 ju/pun von dem Schreiber verbessert zu gulpon*
v. 701 tö somble von dem Schreiber verbessert zu tö symble.
v. 598 heorlon von anderer band verbessert zu heortan.
v. 9S beom bto(i)bead radiert zu beorn bebead.
S. XI.
1 J. Zupitza, Cynewulf's Elenc, Berlin 1877. S. >
* Vgl. Sievers, Haupt's Zeitschrift bd. XV, s. 459.
DANIEL. 203
v. 52 samvodon verbessert und radiert zu samnode.
Eis blieben zu verbessern:
v. 73 otor zu ofer\ v. 142 bcrtfi : berat \ v. 310 £/ia : ane\ v. 413 pry
syndon : sendon\ v. 533 rvces gnst : gast.
2. Der vokal einer silbu wurde demjenigen der folgenden an-
geglichen:
v. 249 ist in der hs. /u(?)/*tim radiert und verbessert zu leofum.
Es blieben zu bessern:
v. 22 pt gedriht : pä) v. 38 herepoti tö : herepatü; v. 53 fzran : föron;
v. 66 /Va and : fco\ v. 370 sunti* and : sunne.
3* Der vokal einer silbe wurde denjenigen der vorhergehenden und
der folgendeu angeglichen:
Es war zu bessern v. 57 pä eac etfan : pä ic etian.
4. Ein konsonant wurde einem vorhergehenden oder folgenden an-
geglichen :
v. 71 dem am ist in der hs. radiert zu diman.
v. 228 pä ]>e pyder von dem Schreiber verbessert zu pä hc pyder.
v. 499 se Ipces von dem Schreiber verbessert zu se rvces.
Es blieben zu bessern:
v. 56 iuian Cifwelan : lucon; v. 152 se \>ces : tvces\ v. 252 wolde tvulf-
heort : oncelde (ndeldel)\ v. 321 hä\ to : häd\ v. 323 pws sebfa-
rotfa : pcer\ v. 416 se\fa /Söget : sefa\ v. 516 rvyrlrumam : rvyr-
lruman\ v. 522 mipigra : mihligra.
5« Die endsilbe eines wortes wurde derjenigen eines folgenden oder
vorhergehenden angeglichen:
v. 56 lufwa Itfwelan : hucon\ v. 343 hyn lice : hyra\ v. 410 elUode
ealde peode : ealdor\ v. 435 banne forburnenc : bende\ v. 628
pm pe he der : pees.
8. Das ende eines halbverses wurde dem des anderen gleich gemacht:
v. 196a cynegode, 196b gedyto vom Schreiber verbessert zu gedy-
don. Aehnlich zu bessern v. 77a liodt, 77b gehiolde : ieoda;
v. 297a worulde, 297 b dyd* : dydon\ v. 559 a wunian, 559 b
wyrlrumM : wyr(ruma\ v. 740 a burhgerveardzs t 740 b böc-
stafas : bürge rveard.
7. Das ende eines verses wurde durch dasjenige des vorhergehenden
oder des folgenden beeinflusst:
v. 96 sceoldon, 97 .. c//frdon; v. 52 norfian, 53 . . /aran : foron\
v. 201 .. rvilite ne röhton, 202 .. mihte gebäedon : gebdedanmihte\
v. 266 . . rvorhton, 267 . . cniMon : cnihtum; v. 298 .. ofer-
hygdum, 299 .. burhsiltendum : burhsittende\ v. 494 .. ded,
495 . . äsligtft : ästigatf.
8. Paläographisch ähnliche zeichen wurden vom Schreiber irrtümlich
mit einander verwechselt: / mit f, ft mit d, s mit /*, hi mit m in v. 29,
35, 73, 119, 454, 616.
Von den übrigen Schreibfehlern, wo eine unmittelbare Ursache nicht
ersichtlich ist, können wir hier absehen.
Ein oberflächlicher blick auf diese Zusammenstellung beweist, dass
der Schreiber unseres gedichtes in Jimius XI keinen wert auf einen tadel-
204 HOFER, DANIEL.
losen text gelegt hat. Nicht der inhalt und sinn der verse, sondern der
klang, die äussere form der worte führte seine schreibende hand. Daraus
geht hervor, dass er das gedieht nicht etwa aus dem gedächtnisse, sondern
vers für vers aus einer vorläge oder nach diktat niederschrieb, nicht für
sich selbst, sondern im auftrage einer anderen, höherstehenden person.
So liegt auch kein grund zu der annähme vor, dass unser Schreiber ab-
sichtlich seinen dialekt seiner arbeit aufgeprägt habe; noch hat er mit
willen worte oder verse ausgelassen und hinzugefügt. Die eigentliche
sogenannte redaktion des gedichtes war in seiner vorläge bereits fertig.
Ob diese letztere selbst fehlerlos war, ist sehr zweifelhaft. Jedenfalls
fand sich v. 416 'selfa* verschrieben für lsefa schon in jener vorläge.
Leipzig. Oscar Hofer.
DANIEL. 203
v. 52 samt) od on verbessert und radiert zu samnode.
Es blieben zu verbessern:
v. 73 oior zu ofer\ v. 142 bcrtö : berat) \ v. 310 an* : ane\ v. 413 pry
syndon : sendon\ v. 533 was gmst : gast.
2. Der vokal einer sübu wurde demjenigen der folgenden an-
geglichen:
v. 249 ist in der hs. /u(?)/wm radiert und verbessert zu leofum.
Es blieben zu bessern:
v. 22 pt gedriht : pä\ v. 88 herepotf tö : herepatl\ v. 53 ßran : föron\
v. 66 /Va and : feo\ v. 370 sunn* and : sunne.
3* Der vokal einer silbe wurde denjenigen der vorhergehenden nud
der folgenden angeglichen:
Es war zu bessern v. 57 pä eai ctlan : pä ic ctfan.
4. Ein konsonant wurde einem vorhergehenden oder folgenden an-
geglichen :
v. 71 dem am ist in der hs. radiert zu diman.
v. 228 pä \>e pyder von dem Schreiber verbessert zu pä he pyder.
v. 499 se \>ces von dem Schreiber verbessert zu se wees.
Es blieben zu bessern:
v. 56 luian fiftvelan : lucon\ v. 152 se )pccs : w(es\ v. 252 wolde wulf-
heort : oncblde (ncblde1)\ v. 321 hä\ (6 : häd\ v. 328 pect scefa-
rotfa : pdbr\ v. 416 se\fa leoget) : sefa\ v. 516 rvyrtrumam : wyr-
lruman\ v. 522 migtigra : mihligra.
5. Die endsilbe eines Wortes wurde derjenigen eines folgenden oder
vorhergehenden angeglichen:
v. 56 /u/an lifwelan : lucon\ v. 843 %re /tar : Ayra; v. 410 elilode
ealde peode : ealdor\ v. 435 btnne forburnenc : bende\ v. 628
/>äer />* A* cer ipees.
ö. Das ende eines halbverses wurde dem des anderen gleich gemacht:
v. 196a cynegöde1 196b gedyto vom Schreiber verbessert zu gedy-
don. Aehnlich zu bessern v. 77a /iode, 77b gehiolde : leoda\
v. 297a worulde, 297 b dyde : dydon\ v. 559 a wunian, 559 b
wyr trumin : wyrlruma\ v. 740a burhgeweard&s , 740b Wtf-
stafas : bürge tveard.
7. Das ende eines verses wurde durch dasjenige des vorhergehenden
oder des folgendeu beeinflusst:
v. 96 sceoldon, 97 .. cyddon; v. 52 nortian, 53 . . farwa : foron\
v. 201 .. wihte ne röhton, 202 .. mihte jebaedon : gebdbdanmihte\
v. 266 . . worhton, 267 . . c/iMton : cnihlum\ v. 298 .. o/efr-
hygdum, 299 . . burhsiltendum : burhsitlende\ v. 494 . . </i$,
495 . . äsli^ : ästig ad.
8. Paläographisch ähnliche zeichen wurden vom Schreiber irrtümlich
mit einander verwechselt: / mit f, 9 mit d, s mit f, hi mit m in v. 29,
35, 73, 119, 454, 616.
Von den Ubrigcu Schreibfehlern, wo eine unmittelbare Ursache nicht
ersichtlich ist, können wir hier absehen.
Ein oberflächlicher blick auf diese Zusammenstellung beweist, dass
der Schreiber unseres gedichtes in Junius XI keinen wert auf einen tadel-
20G BÜCHERANZEIGEN.
tretende 'pseudo-romance' The Last Assembly Ball von Mary Hailock
Foote (s. 105— 112). Auch an poetischen ergtlssen fehlt es nicht, dies
zeigen die kurzen gedieh te auf s. 89, 104, 122, 160. Topics of the Time
(s. 154 — 157) und Üpen Leiters (s. 157 — 159) bilden den schluss des ge-
schmackvoll ausgestatteten, belehrenden wie unterhaltenden hefte*.
G. S.
Gädertz, Karl Theodor. Zar Kenntniss der altenglischen Bühne,
nebst anderen Beiträgen zur Shakespeare-Literatur. Bremen
1888. VIII, 79 ss. 8°.
Gädertz' buch ist ein äusserst willkommener beitrag zur geschiente
der Shakespeare'schen biihne, es liefert in seinem ersten (und wichtigsten)
kapitel einen ebenso unerwarteten als wertvollen bericht des holländischen
kanonikus und polyhistor Johannes de Witt 'ex observationibus Londi-
nensibus' aus den letzten jähren des 16. Jahrhunderts, welcher, bis ihn
Gädertz fand, in der Universitätsbibliothek zu Utrecht vergraben lag.
Johannes de Witt, kanonikus zu Utrecht (u. a. der Verfasser einer
bis jetzt leider noch nicht aufgefundenen holländischen künstlergeschichte),
hatte sich in London um das jähr 1596 eine skizze des schwantheaters
gezeichnet und eine kurze beschreibung desselben (offenbar in seinem
tagebuche) aufgesetzt. Er war nach Holland zurückgekehrt und dort hatte
sich sein freund A. van Buchell in ein sammelbuch (Aanteekeningnen van
den meest verschillenden aard ; excerpten uit handschriften en boeken etc.)
gerade die skizze des schwantheaters abgezeichnet und die Schilderung
eingetragen, de Witt's original ist verloren, aber van Buchell's Zeichnung
ist auf uns gekommen (s. 132 geteekende Aaf bellding van het theater ge-
naamd de Zwaan te London), und von Gädertz zu einem anschaulichen
bilde der damaligen biihne verwandt worden (s. 1 — 18).
Der zweite aufsatz behandelt das Zwischenspiel im Sommernachts-
traum (s. 21 — 32), und kommt zu dem ergebniss, dass ein englisches wie
ein deutsches buch (etwa ein Volksbuch) von Pyramus und Thisbe im
16. Jahrhundert vorhandeu gewesen sein muss, zu dem Lukas Cranach die
titeleinfassung zeichnete, das aber bis auf diese titeleinfassung spurlos
verschwunden ist. Die betreffende titeleinfassung (bei Gädertz repro-
duziert) stellt den Selbstmord der Thisbe dar (rechts daneben den toten
Pyramus, im hintergrunde noch den löwen), und findet sich, nach Gädertz'
überaus fleissigen forschungen um die titel mehrerer biieher, welche selbst
in nicht dem geringsten zusammenhange mit der darauf dargestellten
scene stehen (z. b. von einem werke Sauromann's 1526, dem Dialogue of
Comfort against tribulacion 1553, der Historie of Quintus Curtius 1553).
Gädertz schliesst nun mit recht: hatte diese ganze einfassung irgend einen
sinn, so musste sie ursprünglich vor einem buche stehen, welches die
sage selbst behandelte. Dem ref. erscheint höchst wahrscheinlich, dass
das 1562 'erlaubte' Boke of Perymus and Thisbye (Warton IV, 297) das
unbekannte buch oder ein neudruck desselben gewesen ist.
Der dritte aufsatz ist eine hübsche Studie über eine von capt James
Saundere 18*28 abgefasste und illustrierte handschrift (jetzt in Shakespeare'«
BÜCHERANZEIGEN.
The Century. Illustrated Monthly Magazine. Vol. XXXVIII.
No. 1. May 1889.
Schon äusserlich macht das vorliegende lieft dieser amerikanischen
Zeitschrift einen sehr guten eindruck wegen der vielen äusserst sorg-
fältig ausgeführten Illustrationen und des schönen deutlichen druckes.
Aber auch sein inhalt ist recht anziehend und mannigfach. Am meisten
interesse für die gegenwart dürften wol die drei aufsätze über Samoa
haben: Samoa: the Isles of the Navigators von Hervey W. Whitaker
(s. 12—25); Our Relalions lo Samoa (s. 25 --33) und The 'Tuscarora's'
Mission to Samoa (s. 34—37). Der zweite der genannten aufsätze stammt
aus der feder des gegenwärtig vielgenannten George H. Bates und gibt
uns aufschluss über die geschichte und entwickelung des amerikanischen
und deutschen einflusses auf deu Samoainseln. Der reisebeschreib ung sind
noch weitere aufsätze gewidmet: Cinching up (s. 3—4) bildet den sechsten
teil der Pictures of the Far West, während uns die Schilderung Round
aboul Jerusalem von Edward L. Wilson (s.42— 55) und George Kennan's
Ride through the Trans-Baikal (s.69— 83) in den fernen osten unserer erde
führen. Einen mehr historischen Charakter zeigt der auch wissenschaft-
lich gar nicht wertlose tiberblick über die geschichte der mönchsorden
in Irland von Charles de Kay, betitelt: The Monasteries of Ireland
(s. 113 — 122). Mit der grossen und ereignissreichen zeit des amerika-
nischen bürgerkrieges beschäftigen sich die stücke Abraham Lincoln: a
Ristory von John G. Nicolay und John Hay (s. 123—149) und The
Western Soldier von Henry King (s. 148—154). Die kunst wird berück-
sichtigt in der biographie des alten italienischen maiers Orcaqna (Andrea
di CioneJ 1308—1368, dargestellt von W. J. Stillman (s. 4— 11), und in
Wyatt Eaton 's Recolleclions of Jean Francois Mille t, des modernen fran-
zösischen künstlers. In auffällig schmuckloser, ja man kann sagen trocke-
ner, aber daher um so wirkungsvollerer darstellung erzählt uns George W.
Cable auf s. 56— 69 in seiner Salome Müller die Schicksale elsässischer
ein wanderer in Amerika. In das gebiet der novellistik gehören die erz an-
hing Roby's Christian Charity von James T. McKay (s. 87 — 41), die ganz
lustige negergeschichte von Harry Stillwell Edwards: Tom's Slrategy
(s. 84—89) und die im vorliegenden hefte leider nur in Part III entgegen-
208 BÜCHERANZEIGEN.
College in WyclinVs Time) und fünfte (Popularity of Wycliffe) besonders
zu bemerken, sowie die liste von W.'s werken (s. 408—499).
Eine s. 159 erwähnte anmerkung über W.'s porträt scheint aus ver-
sehen weggeblieben zu sein, und kleinere druckfehler (besonders in den
lateinischen citaten) sind auf s. 310, 407, 422 zu bemerken.
Wenn s. 429 ein vortrefflicher vergleich (Lechler's) zwischen W. und
Luther durchgeführt wird, so fehlt doch der für einen Engländer noch
näher liegende vergleich zwischen W. und Tyndale, wie ihn Lorimer hätte
nachtragen können (und wie ihn Fronde, Hist. I, 510 meisterhaft gibt).
Lorimer's ausgäbe wird den Deutschen besonders freuen durch die
schöne gesinnung, mit der er das werk des deutschen gelehrten in seinem
vaterlande eingebürgert hat ; hat er dadurch doch auch jenseits des kanals
dem grossen kirchenhistoriker ein bleibendes denkmal gesetzt. E. F.
1. More's Utopia. The Englisb Translation thereof made by
Kaphe liobynson, printed from the second edition 155G . . .
edited with Introdnction, Notes, Glossary and Index of Names,
by .1. Raw8on Luinby, D.D. Cambridge, Univcrsity Press,
1888. LVI, 259 ss. 8<>.
2. More's History of King Richard III. Edited . . . by J. Rawson
Luinby, D. D. Cambridge, Univ. Press, 1888. VI, 212 ss. 8°.
Die vorliegenden ausgaben gehören zu der Pitt Press Serics, welche
in England mit recht sich allgemeiner anerkennung erfreut. Sie geben,
wie Arber's neudrucke, zunächst den text in gewissenhafter form, aber
ausserdem bieten sie reichhaltige anmerkungen, welche bei Arber's aus-
gaben zu wünschen übrig bleiben. Arbers neudrucke sind freilich filr
den gelehrten im allgemeinen, und die ausgaben der -Pitt Press fllr die
englische höhere schule und Universität in erster linie.
More's Utopia ist bei Rawson Luinby wie bei Arber nach Robyn-
son's zweiter ausgäbe von 1556 gegeben worden, jedenfalls weil man an-
nimmt, dass Robynson deu text seiner ersten ausgäbe (von 1551) in der
zweiten wesentlich gebessert hätte. Dies freilich ist noch einer genaueren
priifung zu unterziehen, und einstweilen wäre es jedenfalls zu wünschen
den text der ersten ausgäbe wenigstens hie und da berücksichtigt zu
sehen. Ein vergleich seiner abweichnngen von dem der zweiten ausgäbe
und ferner durchgängige vergleiche mit dem lateinischen urtexte wäre
selbst für die schullektüre (natürlich in England) belehrend.
Den ref. stehen nur wenige kapitel des ersten dnickes (1551) zum
vergleich zu geböte, aber da erscheinen dessen lesarten (weder bei Arber,
noch bei Luinby gegeben) sogar noch besser als die des zweiten. Schon
in der einleitung z. b. steht bei Arber und Luinby nach ed. 1 55t» the
Maregrave und Casselses, wo ed. 1551 richtig liest Marcgrave, Casxclcs.
R. Lumby kommentiert dies, scheint aber nicht an der korrektheit seines
textes zu zweifeln. Auch sonst noch finden sich Verschiedenheiten, auch
grosserer art. Z. b. ist das tempus häu6g verschieden (ed. 1551 liebt in
BÜCHERANZEIGEN. 207
geburtshaus zu Stratford aufbewahrt), welche sich auf die perle unter
Washington Irving's skizzen, Stratford-on-Avon, bezieht. Der vierte auf-
satz ist die biographische einleitung zum ersten, und gibt das leben und
briefauszüge de Witt's. Zum schluss endlich (s. 76—79) legt G. den Zu-
sammenhang dar eines Singspiels von 1630 (aus den * Englischen Gomüdien
vnd Tragödien') mit Rollenhagen's Amantes Amentes (1609).
Besonders aber ist es die belehrung, welche man Gädertz für seinen
ersten aufsatz schuldig ist, welche dem buche bei jedem Shakespeare-
freunde eingang verschaffen wird. E. F.
John Wycliffe and his English Precursors. By Prof. Lech ler.
Translated from the German, with Additional Notes
by the Late Professor Lorimer. A new edition revised.
London, Religious Tract Soc. [1885]. XXII, 512 ss. gr. 8°.
Loriiner's Übersetzung von Lechler's werke beschränkte sich auf den
teil des ersten bandes, welcher Wycliffe selbst behandelt, und gab die
umfangreiche einleitung Lechler's über Wycliffe's Vorgänger nur in ge-
drängtem auszuge. Nach Lorimer's tode ist dies neu durchgcscheu und
ein auszug aus dem zweiten bände von Lechler's werke beigegeben wor-
den, welcher die nachwirkungen Wycliffe's behandelt.
Am texte selbst scheint wenig geändert worden zu sein, die ergeb-
nisse der neuesten forschung sind hie und da nachgetragen (z. b. s. 417),
aber die gr und läge von Lechler's epochemachenden Untersuchungen ist un-
antastbar geblieben. Während die englische Wycliffeforschung sich haupt-
sächlich mit Wycliffe dem patrioten und bibelübersetzer beschäftigte, ist
das hauptmerkmal von Lechler's arbeit eine kritische betrachtung von
Wycliffe's besonders religiöser und philosophischer entwickelung. Da ist
Lechler's hauptverdienst die scharfe kritik der früheren Wycliffeforschung,
welche die werke Wycliffe's aus den verschiedensten lebenszeiten nicht
genügend auseinanderhielt, und leicht als Wycliffe's abschliessende mei-
nung sätze aufstellte, welche von W. selbst im laufe seines langen lebens
gänzlich beseitigt worden waren.
Gegenüber dem dogmatischen interesse an Wycliffe's entwickelung
scheint bei Lechler das historische und nationale l etwas im Hintergründe
zu stehen, wenngleich es keinesfalls vernachlässigt ist.
Wenn die englische bearbeitung, welche in jeder beziehung zu loben
ist, noch ausführlicheres über die Lollarden gebracht hätte8, wäre es sicher
gut gewesen. Besonders bequem ist in der englischen ausgäbe die Un-
ordnung der anmerkungen und die beigäbe der randnoten.
Von den im appendix gegebenen beilagen ist die dritte (über Balliol
1 Auch hier ist die wichtige Chronologie nicht immer nachgewiesen;
z. b. s. 233 fehlt der historische nachweis der entstehungszeit der schrift
De veritate Script. Sanct.
* Zu erwlin sehen wäre es auch s. 210 die 'seltenen' stellen angeführt
zu sehen, an denen Wycliffe über seine bibelUbersetzung spricht.
210 BÜCHERANZKIGEN.
The Oxford Reformers: John ' Co I et, Erasmus, and Thomas More.
Being a llistory of their Fellow-work by Frederic See-
bo hm. Third Edition. London, Longmans, Green, and Co.
1887. XVI, 551 ss. 8».
Als Seebohin's werk zuerst erschien (1807), war es epochemachend,
und noch heute in seiner dritten aufläge ist es unübertroffen an Gediegen-
heit der forschung und Schönheit der darstellung. Seebohni wollte von
anfang an nicht als biograph der Oxforder reformatoren eintreten; es lag
nicht in seiner absieht, zusammenhängende biographien von Oolet, Eras-
uius und More zu geben, wie er dies schon auf dem titel durch den
zusatz *a history of their fellow-work' andeutet, und so ist in der tat
derjenige teil seines werkes, welcher Colet gewidmet war, durch Lupton
(1. ausgäbe von Colefs St. Paul Mss. 1S09; 2. biographie Colct's) ergänzt,
aber keinesfalls in den Hintergrund gestellt.
Das buch behandelt in 10 kapiteln die geschiente der englischen
geistesentwickelung zwischen 1400 und 1519. Mit Colet's riiekkehr aus
Italien (14%) beginnt die eigentliche englische reformation, und mit
seinem tode (1519) hört wenigstens das zusammenwirken der Oxford Re-
formers auf.
Die ersten zwei kapitel geben die Vorgeschichte von Colet und More
bis zu Erasmus' ankunft in Oxford (149b), das 8. kapitel zeigt den vor
Seebohm noch nicht genau festgestellten bedeutenden einfluss Colct's auf
die gesammtentwickelung des E ras ums von dem augenblicke an, wo ihm
('ölet zu Oxford seiue freundschaft antrug. Die nun folgenden kapitel
behandeln, chronologisch vorgehend, gleichsam parallel die tätigkeit der
drei freunde; das 4. kapitel die jähre 1500 — 1505 (Colet's berufung an
St. Paul; Erasmus' Enchiridion); das 5. die jähre 1505— 1510 (verschiedene
reisen des Erasmus, anfang der öffentlichen Wirksamkeit More's, das lob
der torheit); das 0. ist ganz der gründung der St. Paul'sschule gewidmet,
1510—11 (deren geschieh te übrigens auch von Knight schon vortrefflich
geschrieben war); das 7. und S. behandelt Colet's berühmte ketzerpredigt
vor der convocation 1512 und ihre folgen, und die weniger berühmten,
aber gleich bedeutenden predigten vor Heinrich VIII. gegen dessen fran-
zösischen krieg (1513); die drei folgenden kapitel (9. — 11.) sind fast aus-
schliesslich Erasmus gewidmet (Paraclesis, Novuin Instrumentum, 1516),
das 12. bringt dann die jähre (1515 — 16) der Utopia und der Institutio
Principis Christiani. Der schluss des buches behandelt die letzten jähre
des Zusammenseins der drei freunde: Erasmus geht nach Deutschland
(wie er selbst denkt vorübergehend, um nach abschluss des drucke« der
2. aufläge des Novuin Testamentum seinen wohnsitz dauernd in England
aufzuschlagen), More wird vom politischen dienste vollständig in anspruch
genommen, und Colet, den die aussergewöhu liehe arbeit seines lebena
vor der zeit aufgerieben, stirbt (1519).
Der appendix gibt auszüge aus den Cambridge Mss. von Colet's Vor-
lesungen über die pauiinischen briefe, ferner die bekannte ontdeckung
des geburtsjahres und tages von Thomas More durch Aldis W. Wright,
eiue von Lupton beigesteuerte Zeittafel zu Colet's leben, und endlich du*
BÖCHERANZEIGEN. 209
lebhafter erzäblung das präsens) und der ausdruck häufig verändert (z. b.
ed. 1551: certayne houses gegen certayne severall houses der ed. 1556,
s. 92 bei Arber; ed. 1551: the yonger (hat sit ofbothe sides of Ihem, gegen
the yonger on ecke side of the der ed. 1556, s. 94 bei Arber). Derartige
kleine abweichungen kommen auf jeder seite fast vor ; sie verdienen viel-
leicht nicht sorgfältig bemerkt zu werden, sind aber eines hinweises im
allgemeinen wert bei einer ausgäbe, welche auch textkritischen wert be-
ansprucht.
Der kurzen einleitung Lumby's (wo man allerdings noch mehr aus
der vergleichenden literaturgeschichte jener zeit erwartet haben dürfte1),
seh lies st sich ein abdruck aus Hearne's ausgäbe der Roper'schen lebens-
besebreibung More's an. Bei der Seltenheit von Hearne's text ist dies sehr
dankbar anzunehmen. Ein hinweis aber auf den frühesten druck und die
mss. der Vita wäre schön gewesen und eine kurze bezeichnung des Verhält-
nisses von Roper's werk zu demjenigen Stapelton's (1588), zu dem Lam-
beth Ms. (von Nicholas Harpsfield ?) u. s. f. Auch ein neudruck der seit
1557 nicht wider zugänglich gemachten wenigen englischen briefe More's
wäre in einem anhange erwünscht, dieselben wären natürlich mit den
autographen des Record Office zu vervollständigen, würden aber dann
R. Lumby's ausgäbe zu eiuer der wertvollsten beitrage der Moreliteratur
machen.
2. Die ausgäbe von More's Richard III. ist von grösserem werte,
allein schon, weil ein genauer text von dem werke, welches More's
namen in der englischen geschichtsschreibung unsterblich macht, schwer
zu haben ist (denn Singe r's vortreffliche ausgäbe vom jähre 1821 ist
doch schwer zugänglich). Die einleitung R. Lumby's ist auf zwei Seiten
beschränkt, auf die reichhaltigen anmerkungen dagegen (s. 131 — 189) ist
grösseres gewicht gelegt. Was allerdings noch immer zu wünschen übrig
bleibt, wäre ein genaueres eingehen auf das verhältniss des lateinischen
rätselhaften Urtextes (?) zu More's englischer bearbeitung (vom jähre 1509),
ferner zu Ilardyng's fortsetzung (vom jähre 1543) und zu Hall (1542?;
R. Lumby druckt nach der ausgäbe von 1550). So ist z. b. Hall (Ed-
ward V., fol. 2» der ausg. 1548) gänzlich verschieden von Hardyng's fort-
setzung, und verlohnte genauen abdruck. Lumby gibt allerdings in deu
anmerkungen auf grössere abweichungen Verweisungen, diese aber wären
in noch reichlicherem masse erwünscht und vielleicht an den fuss der
seiten zu setzen.
Wie bei Arber so fehlt auch bei Lumby jede randnote über den
Seitenanfang und -schluss in der Originalausgabe; es ist dies ein entschie-
dener mangel, und es wäre da den englischen herausgebern zu raten,
dem beispiele der Braune'schen musterhaften neudrucke zu folgen.
Mit alledem soll jedoch der wert der Lumby 'sehen ausgabeu nicht
gering angesetzt seiu; im gegenteil seien dieselben, besonders der an-
merkungeu halber, angelegentlichst empfohlen. E. F.
1 Z. b. ein paar beinerkungen des Verhältnisses der More'schen ideen
zu denen, welche Erasmus gleichzeitig in der Instit. Princip. niederlegte,
und ähnliches, was allerdings schon von Seebohm erörtert worden ist.
Anglia, XII. band 14
212 BÜCHEKANZEIGEN.
Tendering, F. Kurzgefasstes Lehrbuch der englischen Sprache.
Berlin 1889. Gärtner's verlag. 120 ss.
Der verf. hat sein lehrbuch hauptsächlich für gymnasien bestimmt,
die mit reiferen schillern den englischen Unterricht beginnen. Er steht
auf ähnlichem Standpunkte wie die Verfasser des oben besprochenen ele-
inentarbuchs, indem auch er nach einer kurzen lautlehre den schüler sofort
an zusammenhängenden stücken in die spräche einführt. Dieser lesestoff
ist, von den acht gedichten abgesehen, durchweg aus Dickens, A Child's
History of England, entnommen. Die einzelnen abschnitte sind am Schlüsse
des buches zu einer reihe von Übungsstücken zum übersetzen ins Eng-
lische verarbeitet. Die grammatik folgt den englischen lesestücken, und
zwar ist bei jedem einzelnen auf gewisse grammatische kapitel, die an
ihm erläutert werden sollen, verwiesen. In ihrer darstellung befleissigt
sich der verf., wol mit rücksicht auf reifere und grammatisch besser vor-
gebildete schüler, äusserster kürze; formenlehre und syntax umfassen nur
26 Seiten, von denen die beiden letzten eigentümlichkeiten im Sprach-
gebrauch Shakespeare's behandeln. — Dieses an sich lobenswerte streben
nach kürze tut aber unseres erachte us der lautlehre eintrag; sie ermangelt
rechter Übersichtlichkeit und klarheit. Die beispiele sind zu spärlich, zu-
weilen auch schlecht oder falsch gewählt. So findet sich iu § 10 bereits
das wort although, während erst in § 14 der /A-laut besprochen wird.
Ferner ist in § 12 als musterbeispiel für stimmhaftes s case aufgeführt,
bekanntlich ist aber dieses eine ausnähme und wird stimmlos gesprochen.
Gerade für gereiftere schüler wäre wol auch eine erwähnung regelmässiger
entsprechungen englischer und deutscher laute, besonders so weit sie sich
auf das lautverschiebungsgesetz gründen, am platze gewesen. P. L.
Doli, J. Nenes Lehrbuch der englischen Sprache. I. teil. Karls-
ruhe 1888. Verlag von Reiff. XVI, 200 ss.
Von der anschauung ausgehend, dass jeder, der eine fremde spräche
erlernt, zu derselben in ein ähnliches verhältniss tritt, wie das kind zu
seiner muttersprache, erscheint dem verf. die methode der fi bei als der
geeignetste weg zur einfUhrung in den Sprachunterricht. Da nun die
ineisten englischen Übeln ihren gang auf die ausspräche gründen, so bat
auch Doli seinen lehrstoff mit rücksicht auf die ausspräche zusammen-
gestellt, von grammatik aber und Übungsbeispielen zum übersetzen ins
Englische völlig abgesehen. Dieser lehrstoff selbst ist hauptsächlich der
täglichen Umgangssprache der kinder unter einander und mit erwachsenen
entnommen. Anfangs ist er in unzusammenhängenden sätzen, gegen ende
des buches in kleinen erzählungen, briefchen und gedichten gegeben.
Der gebotene wortvorrat erscheint referenten zu reich, zumal eine ganze
anzahl der worte, unter denen zuweilen recht seltene sich finden, in den
beispielen gar nicht zur Verwendung gelangen. Auch dürfte sich der
mangel eines alphabetischen Wörterverzeichnisses recht bald fühlbar
machen. Wenn verf. glaubt, dass die einmal gelernten worte nun auch
BÜCHERANZEIGEN. 211
verzeicbniss einer sanunlung von werken des Erasmus und More in Sec-
bohm's besitz, wie sie ihres gleichen suchen kann. Bei diesen beiden
Verzeichnissen freilich wäre es immerhin erwünscht gewesen, die editiones
principes, wenn sie nicht in Seebohm's besitz waren (vielleicht in eckiger
klammer) mit aufgenommen zu sehen.
Die Oxford Reformers sind in der tat das anziehendste und wich-
tigste kapitel nicht nur der literatur im engeren sinne, sondern der ge-
sammten geistesentwickelung Englands zu anfang des 16. Jahrhunderts,
und Seebohin's art und weise, dies kapitel zu bearbeiten, ist im höchsten
grade fesselnd und vollendet. Besonders angenehm überraschend ist es
— bei der sonstigen ci taten scheu der Engländer — , dass Scebohm nicht
ansteht, lange stellen aus briefen und werken in den text aufzunehmen
und anzuführen, welche sonst schwer zugänglich sind. Dadurch hat er
seiner darstellung nicht nur nicht geschadet (wie man in England zu
denken pflegt), sondern dieselbe belebt und ihren wert erhöht, denn es
wird wenige geben, welche in den umfangreichen briefsammlungen des
Erasmus so genau bescheid wissen wie Seebohm.
Wenn ein kleiner nachtrag gestattet wäre, so wäre auf eine englische
Übersetzung der bekannten lat. satire Julius de coclo exclusus (151b) hin-
zuweisen, welche auf s. 42G hätte angeführt werden können. E. F.
Nader und Würzner. Elementarbach der englischen Sprache.
Wien, Holder, 1889. X, 133 ss.
Unter den zahlreichen englischen lehr- und Übungsbüchern verdient
das vorliegende ganz besondere beachtung, denn die Verfasser haben in
ihm alle die neuerdings für den neusprachlichen Unterricht aufgestellten
grundsätze mit geschick und verständniss zur anwendung gebracht. Das
buch beginnt mit einer kurzen laut- und leselehrc und bietet dann in
22 kapiteln die wichtigsten spracherscheinungen, und zwar immer an zu-
sammenhängenden lesestücken, die nach form und inhalt (es sind erzäh-
lungen, beschreibungen, gespräche, gedichte, die sich auf natur- und Volks-
leben, besonders englisches, beziehen) reiche abwechselung gewähren. Die
theoretische behandlung der in dem jeweiligen lesestück zur anschauung
gebrachten grammatischen erscheinung folgt in knapper, klarer form und
mit kluger beschränkung auf das wesentlichste. Der erforderliche Wort-
schatz ist anfangs unter den lesestücken, später in einer besonderen prä-
paration, endlich in einem alphabetischen Wörterverzeichnisse gegeben, in
dem jedes wort mit voller aussprachebezeichnung in umschriebener form
versehen ist. Den schluss des buches bilden anleitungen zu schriftlichen
und mündlichen Übungen, die inhaltlich an die lesestücke sich anlehnen und
mehr anregend, als erschöpfend sein sollen. Durch die ganze anordnung
und behandlung des Stoffes ist dem lehrer volle freiheit für die gestaltung
des Unterrichts vergönnt. Auch die äussere ausstattung des buches verdient
anerkennung. Wir sehen daher mit freudiger erwartung dem erscheinen
des zweiten teiles, der in ähnlicher weise die syntax behandeln soll, ent-
gegen und wünschen dem buche recht weite Verbreitung. P. L.
14*
214 BÜCHERANZEIGEN.
eine (etwas allzu knapp«*) Übersicht der englischen geschichte, einen ab-
schnitt über Wales and thc Welsh Language, eine bibliographie von
werken über England und eine (wie zu erwarten ist ausgezeichnete) dar-
stellung der geschichte der englischen baukunst von prof. Edward A.
Freeman (s. XXXIII-LXII).
Uni nun an dieser stelle besonders auf die nützlichkeit des reise-
buchs für den englischen philologen hinzuweisen, wird sich in der tat die
behauptung rechtfertigen, dass es kein gleich handliches und reichhaltiges
topographisches werk gibt. Man kann sich wappnen mit fragen, um das
buch auf unvollständigkeit zu ertappen: aber vergeblich. Man findet Myrtlc
Cottage zu Clevedon (Coleridge's geburtshaus), das grab von Dr. John-
son^ Tetty zu Bromley (Kent), Roper's haus zu Canterbury, Hayes Place
(die Wilberforce Oak auf Keston Common hätte erwähnt sein können),
den Sacharissa Walk zu Penshurst ', bei Stanton Harcourt wird richtig an
Pope's Iliade gedacht2 u. s. f.
Es wäre unmöglich eine seite zu lesen, und dabei nicht ein dutzend
mal erfreut und erstaunt zu sein, belehrung zu finden, welche das buch
geradezu zu einer kleinen encyklopädie über England machen.
Dass lücken zu finden und hie und da etwas zu wünschen übrig
bleibt, versteht sich von selbst und gereicht dem buche nicht zum tadel.
So fehlt bei Dumfries (468) der interessante mid-steeple; Ecclefecchan ist
erwähnt (ebenso auch das grab der Mrs. Carlyle zu Haddington), aber es
fehlt joder ratschlag über die ziemlich schwierige route nach Craigen-
puttock. Auch die karte lässt da im stich.8 Und man kann doch nicht
verlangen, dass der reisende sich die grosse Ordnance Map4 für diesen
tagesausflug anschafft, oder mit der neuen ausgäbe von Carlyle's Remi-
niscences (welche eine vortreffliche karte enthält) dahin pilgert. Forner
wäre es erwünscht gewesen, Sudbury, Nostell Priory, Burford, Warming-
ton, Titmarsh, Howden, Monkwearmouth und Wanstead und ein paar
andere historisch wichtige orte berücksichtigt zu finden.
Die bibliographie bietet natürlich mehrfache lücken; so wäre ent-
schieden Ilawtliorne's Our old Home aufzuführen, wenn seiner Note-books
gedacht wird, der amerikanische radfahrer wird vortrefflich mit karten
unterstützt, dem touristen fehlt angäbe des so handlichen und bequemen
kleinen Handy Atlas of the Counties of England (5sh.), Scotland (3sh. ßd.)
und Irland (3sh. 0. d.), von George Philip & Son verlegt und durch sein
ortsregister sehr bequem. Um eines Werkes nicht zu vergessen, welches
den literarhistorischen reisenden besonders interessiert, sei hier noch
Kim bau lt 's Round England with Dickens angeführt (und des gleichen
1 Gerade bei Penshurst gibt Bädeker auch für den kunsthistoriker
winke, welche um so willkommener sind, als Wagcn's grosses werk doch
nur eine auswahl der privat gallerien beschreibt.
2 Pope schrieb daselbst allerdings nicht 'most of his Uiad', sondern
nur das b. buch.
3 Die karten des buches sind fast ohne ausnähme musterarbeiten,
z. b. die Umgebungen von London, von Stratford - on - Avon, vom Lake
District, vom Firth of Forth und den schottischen secn.
4 Blacks sonst grosse und genügende karte taugt für diese tonr nicht.
BÜCHERANZEIGEN. 213
dauernder besitz des Schülers sind, zumal wenn dieselben, wie er gleich-
falls fordert, n u r in der schule eingeprägt werden, so ist das eine Voraus-
setzung, die sich in Wirklichkeit selten erfüllen dürfte. P. L.
Benecke, A. English Pronunciation and English Vocabulary.
Methodische Anleitung zum Erlernen der englischen Aus-
sprache und deutsch- englisches Vokabular. Potsdam, Stein,
1888. Sechste, neu bearb. aufläge. XVIII, 211 ss.
Dass das buch bereits die sechste aufläge erlebt hat, legt hinreichend
zeugniss für seine brauchbarkeit und beliebtheit ab. Die neue aufläge ist
in beiden teilen, der anleitung zur ausspräche wie dem Vokabular, umge-
arbeitet, beziehentlich erweitert worden. Schon der umstand, dass Sweet's
elementarbuch des gesprochenen Englisch die veranlassung zur Umarbei-
tung gab, muss ihr zur empfehlung gereichen. Die Veränderungen be-
ziehen sich besonders auf eine abweichende bezeichnung der laute o und a
in gewissen Verbindungen, ferner des -tu und -du in posttonischer silbc
(for'tutte, ver'dure) u. s. f. — Die auf den ersten blick noch etwas alter-
tümlich erscheinende Ziffernbezeichnung für die verschiedenen vokalwerte
sucht der verf. besonders zu rechtfertigen. Manche feine anmerkung ist
in dieser anleitung enthalten; auch der, welcher schon weit über die
anfangsgründe hinaus ist, kann aus ihr rat und belehrung schöpfen. —
Rücksichtlich des Vokabulars erstreckt sich die bereicherung vorzüglich
auf ausdrücke, die auf den Unterricht sich beziehen, wodurch das buch
noch brauchbarer für die schule wird. Die alphabetisch geordneten städte-
namen sind gegenüber früheren auflagen ganz verändert. P. L.
Great Britain. England, Wales, and Scotland (as far as Loch
Maree and the Cromarty Firth). Handbook for Travellers
by K. Baedeker. With 14 Maps, 24 Plans, and a Pano-
rama. Leipzig1, Karl Baedeker, 1887. LXII, 530 ss.
Man greift zu den roten bänden mit demselben vertrauen, welches
man einem alten freunde entgegenbringt, und ßädeker's Gross-Britannien
übertrifft sich selbst an gewissenhaftigkeit, Zuverlässigkeit und (bei aller
knappheit) grosser reichhaltigkeit.
Es fehlt zwar Irland und der äusserste norden von Schottland, aber
man kann in dem gegebenen umfange eine auch nur einigermassen aus-
reichende behandlung hiervon einfach nicht verlangen.
Die cinleitung bringt in neun abschnitten neben den bewährten rat-
schlagen noch kleine aufsätze über Sports und Pastimes (von W. Blew),
1 Bädeker opfert den ehrlichen namen der lindenstadt der laune des
Engländers und schreibt Leipsic. Wie schade, dass er sich diese gelegen-
heit zur erziehung des Engländers entgehen lässt.
216 BÜCHERANZEIGEN.
wie Bädeker's London eine solche grosse fülle von belehrung spendet,
und durch seine ausgezeichneten karten sich flir den praktischen gebrauch
unübertrefflich zeigt. £. F.
Old Chelsea. A Summer-day's Stroll by Benj. Ellis Martin.
Illustrated by Joseph Penneil. London, T. Fisher Unwin,
1889. Second Edition. 192 ss. 8°.
Es ist dies die Schilderung eines Spazierganges durch das moderne
Chelsea, um das alte darin zu finden, und wenn dieser gang auch in der
geschilderten weise einen sehr langen sonntag in ansprach nehmen würde,
und wenn auch die meisten der berühmtesten erfrisch ungsplätze des alten
Chelsea (Ranelagh Gardens, Don Saltero's, das Bun Honso u. a.) nun leider
längst verschwunden sind, man würde in Martin und Pennell's gesellschaft
doch nicht müde werden. Der erzählende fllhrer offenbart sich plötzlich
s. 179 als Amerikaner, hat sich also seine kenntnisse selbst erst anstudiert —
aber eingeborene ftihrer sind gar nicht immer die hosten.
Der ausgangspunkt ist Sir Thomas More's verschwundener palast,
dem mit seinen gärten und historischen nebengebäuden der längste ab-
schnitt des buches gewidmet ist; von demselben ist s. 57 auch ein bild
gegeben, sehr willkommen, da der originalstich sehr selten ist (der letz-
tere wird s. 57 von 16S2 datiert, ist es derselbe, welcher s. 37 als L. Knyff
del. 1699 angeführt ist?).
Die lokalgeschiohte Chelsea's von Tho. Faulkner ist benutzt, jeden-
falls wol auch Cunningham's hauptquellenbuch , dass sich trotz Jesse,
Loftie , Thorne , Cassels u. a. noch als das wissenschaftlichste und dabei
handlichste erweist; es wäre aber erwünscht, dass Martin uns (natürlich heim-
gekehrt vom Spaziergange) ein paar der werke selbst zur hand reichte, aus
denen er so hübsch uns erzählt hat (und einstweilen anmerkungen gäbe).
Sehr hübsch ist die rekapitulation auf s. 134, welche noch einmal
alle die liebgewonnenen gestalten Chelsea's vorüberziehen iässt: More und
Heinrich VIII., Elisabeth und Effingham, George Herbert, Donnc, Walton,
Arbuthnot, Locke, Sloane, Addison, Steele, Johnson, bis herab auf Leigh
Hunt, Carlyle, Turner, George Eliot und Rossetti.
Das schön geschriebene und prächtig ausgestattete büchlein sei jedom
liebhaber des alten Londons empfohlen. E. F.
Hunt William. The English Church in the Middle Agcs.
I^ondon, Longmans, Green and Co., 1HHS (Vol. XI der Epochs
of Church J/istory, edited by Prof. Mandell Creighton).
Dieses buch hat, wie die vorrede sagt, sich zur aufgäbe gestellt, das
verhältniss der englischen kirche zum papstum und zum englischen Staat
bis zur reformation Wyelifs darzustellen. Es ist in neun kapitcl ein-
geteilt, deren inhalt schon in den einzelnen prägnanten Überschriften aus-
gedrückt wird. So zeigt uns gleich der titel des I. kap.: Home and Jonay
BÜCHER ANZEIGEN. 215
with Thackeray). Zu Freeman's aufsatze wären ein paar skizzen nötig
gewesen; ferner kommt die architektur zu gut weg, wenn die Übrigen
künste gar nicht erwähnt werden, so dass der wünsch rege wird, von
Springer's meisterhand eine einleitung in die geschichte der englischen
maierei und plastik zu finden. — Aber dieser und ähnlicher desiderata ist
eigentlich gar nicht zu gedenken bei einem so vortrefflichen buche.
E. F.
London and its Environs. Handbook for Travellers by K. Bae-
deker. With 3 Maps and 15 Plans. Sixth Edition. 1887.
VIII, 340 ss.
Bädeker's London hat dieselben Vorzüge wie sein Gross-Britannien,
und vielleicht noch weniger Kicken, weil der räum für London allein
weniger beschränkt war. Die englische ausgäbe ist zwar augenscheinlich
besonders für Amerikaner berechnet (s. 46 u. 16), aber nichts destoweniger
ist sie auch für den Deutschen sehr brauchbar. Die literarischen platze
Londons sind bis auf die neueste zeit sehr vollständig eingetragen (bis
auf Walter Besant's All Sorts and Conditions of Men und den Peoplc's
Pallace), aber dennoch bleibt hier manches zu wünschen.
So scheint Holborn etwas zu kurz wegzukommen, FurnivalFs Inn
mit seiner interessanten wohnung von Dickens wird nur als eine der
Inns of Court erwähnt (s. 136, fehlt im index ganz!), Brooke Street, durch
Fulke Greville und Chatterton berühmt, scheint ganz zu fehlen, ebenso
Barbican, Bucklersbury. Der Cheshire Cheese ist erwähnt, aber Gough
Square fehlt auf der karte (und ist nicht ganz leicht zu finden, wenn man
in Fetter Lane, Newton Hall — ebenfalls nicht erwähnt — oder Dean
Street verpasst hat). Dass Pope in Lombard Street geboren wurde, oder
in Lincoln's Inn Davenant's Private Theatre sich befand, oder Burchill
Fields Cemetery früher Tindall's Burial Ground hiess und ähnliches, kann
man nicht verlangen, aber ein historischer ort, wie Chelsea, hätte eine
halbe seite mehr rechtfertigen dürfen. Dort fehlt der Moravian Burial
Ground (mit Zinzendorf's grab und den interessanten einzigen Überresten
von Tho. More's hause), Sandford Manor House, Sand's end (wo Addison
wohnte, noch unzerstört), ferner Turner's haus, das pfarrhaus (lange jähre
das heim von Charles, George und Henry Kingsley), Don Saltcro's u.a.
Auch wäre es nicht zu schwierig gewesen, die nummern für die häuser
von Carlyle, George Eliot u. s. f. einzufügen.
Auf s.SO findet sich eine liste von Books relating to London, da-
runter fehlt Jesse und Peter Cunningham. Besonders das fehlen des
letzteren buches ist zu rügen, denn wenngleich 1850 erschienen (in 2. auf-
läge, die 3. lässt lange auf sich warten) und natürlich für die neuerungen
1850— SS nicht zu benutzen, ist und bleibt es das wissenschaftliche reise-
buch für London für denjenigen, der ein Studium aus der Stadt machen
will — unschätzbar durch seine genauen quellenangaben.
Aber man darf nicht im tadel von einem buche scheiden, welches
218 BÜCHER ANZEIGEN.
kirche einen krcuzzug und Hess während seiner langen abwesenheit von
England dieses hauptsächlich von geistlichen Würdenträgern regieren, von
denen wol der bedeutendste Hubert Walter, erzbischof von Canterbury
von 1103 — 1205, war. Nicht unerwähnt soll gelassen werden, dass unter
Heinrich II. auch Irland und Wales kirchlich mit England verbunden
werden, während 1188 die schottische kirche durch einen beschluss von
papst Clemens 111. von der oberhohheit des erzbischofs von York los-
gelöst wird und unmittelbar unter Roms herrschaft zu stehen kommt. —
Der titel Vassalage ist für das VII. kapitel gewählt, um das lehnsver-
hältniss zwischen dem englischen könig Johann und papst Innozenz III.
gehörig in den Vordergrund zu stellen. Die entriistung über die unwür-
dige Stellung des englischen herrschers veranlasst nicht nur den englischen
adel, sondern auch einen grossen teil der geistlichkeit, an ihrer spitze den
patriotischen erzbischof von Canterbury, Stephen Langton (1207 — 1228),
zur abfassung der Magna Charta. Johann's nachfolger, Heinrich III., war
vollständig in den händen des papstes, der England mit italienischen geist-
lichen überschwemmte und aus dem inselreiche möglichst viel geld heraus-
presste, zum grossen ärger der barone und der einheimischen geistlich-
keit, unter welcher der als gelehrter und patriot gleich bedeutende bischof
von Lincoln, Robert Grosseteste (1235— 1253), namentlich hervorragt. Ein
freund Grosseteste's war Simon von Montfort, der kühne fUhrer der barone
in dem kämpfe gegen den könig, wobei widerum ein grosser teil der ein-
heimischen geistlichkeit mit den baronen hand in hand ging. — Kap. VIII
— The Church and Ute Nation — zeigt dann, dass in könig Edward I.
die nationalen bestrebungen der englischen kirche einen eifrigen und kräf-
tigen förderer gefunden hatten, der nicht wie Johann und Heinrich III.
gemeinsam mit dem papste gegen sein eigenes volk, sondern gemeinsam
mit dem letzteren gegen den römischen einfluss front machte. In den un-
ruhigen zeiten unter Ed ward's IL regierung (1307— 1327) nahm die kirche
dann wider redlich teil an den kämpfen für und wider den unbeliebten
könig und die päpste machten ihre autorität namentlich durch willkür-
liche besetzungen geistlicher stellen in England kräftig geltend. — Das
IX. und letzte kapitel trägt endlich noch die Überschrift: The Papacy and
Ute Purliament und ist der betrachtung der regierungszeit Edward's III.
(1327 — 1377) gewidmet. Diese fünfzig jähre sind wichtig für die geschichte
der englischen kirche, weil in ihnen das parlament zum ersten male ener-
gisch dem übergewicht des papsttums entgegentritt (durch parlanients-
beschluss wird z. b. 13t>6 das von Johann angeknüpfte lehnsverhältniss
zwischen dem kimig von England und dem papste aufgelöst) und ein
geist der Unzufriedenheit über die schaden und missbräuche in der kirche
unter der nation sich erhebt, welcher dann im verlaufe des 14. Jahrhun-
derts .lohn Wyelif zu seinem refonnatorischen vorgehen veranlasst. Mit
einem nochmaligen resume des in den neun kapiteln gesagten schliesst
das hübsch ausgestattete buch, das demjenigen, welcher sich einen Über-
blick über die englische kirchengeschichte von ca. (loo 1377 verschaffen
will, gewiss auf das wärmste empfohlen werden kann. (i. S.
BÜCHER ANZEIGEN. 217
dass in diesem abschnitte von dem streite der römischen und keltischen
kirche auf der britischen insel gesprochen wird, der dann ja durch die
synode von Whitby (664) mit dem siege des papsttums endete. — Das
II. kap., unter dem titel Organisation, behandelt die innere einrichtung
der englischen kirche von 664 bis in die mitte des 8. Jahrhunderts ; am
anfange wird der organisatorischen tätigkeit des Theodor von Tarsus, erz-
bischofs von Canterbury (668—690), gebührend gedacht und am Schlüsse
des abschnittes noch darauf hingewiesen, wie zur damaligen zeit nament-
lich durch Alcuin die englische kirche in nahe berührung gebracht wurde
mit der fränkischen. — Im III. kap.: Ruin and Revival, wird gezeigt, wie
der verfall der englischen kirche am ende des 8. und im 9. Jahrhundert
im engsten zusammenhange steht mit den einfallen der Dänen, während
der wideraufschwung des kirchlichen lebens sich anschliesst an Aelfred den
grossen und nach ihm namentlich an den erzbischof Dunstan (960 — 988).
Auch die Ubersetzungstätigkeit des abtes Aelfric findet gegen den schluss
dieses dritten abschnittes ihre verdiente erwähnung. — Die zeit, deren
betrachtung das IV. kap. — Exhaustion — gewidmet ist , erstreckt sich
nun vom ende des 10. Jahrhunderts bis 1066, bis zur normannischen
eroberung. Es ist dies eine zeit grosser Selbständigkeit und Unabhängig-
keit der englischen kirche, die man beinahe eine nationalkirche nennen
möchte, vom päpstlichen stuhle, aber zugleich auch grosser verweltlichung.
Wie der angelsächsische Staat, so drohte auch die angelsächsische kirche
in ihrer abgeschlossenheit von dem leben und treiben des festlandes zu
versumpfen. Einen frischeren und kosmopolitischeren zug in die kirch-
lichen Verhältnisse brachte die anstellung mancher romanischer geistlicher
durch Eduard den bekenner, z. b. die des Robert von Jumieges auf den
erzbischofsstuhl von Canterbury 1051. Durch diesen französischen klerus
auf englischem boden wird dann die bekanntlich unter päpstlichem schütze
in ausftihrung gebrachte normannische eroberung mit vorbereitet. — Das
V. kap. ist überschrieben : Royal Supremacy. Es umfasst die regierungs-
jahre Wilhelm's des eroberers und seiner zwei söhne, Wilhelm's des roten
und Heinrich's I., also die zeit von 1066—1135. Die tendenz dieser drei
willensstarken Normannen bestand darin, die kirche ganz vom Staate zu
trennen, aber jene diesem vollkommen unterzuordnen. Während Wilhelm
der eroberer in diesen bestrebungen von dem berühmten erzbischof von
Canterbury, Lanfranc (1070—1089), redlich unterstützt wurde, hatte sein
söhn, der gewalttätige Wilhelm II., mit Lanfranc's nachfolger, Anselm von
Canterbury (1093— 1109), heftige kämpfe zu bestehen. In die regierungs-
zeit Heinrich's I. fällt der Wettstreit zwischen den erzbischöfen von
Canterbury und York, welcher von dem die allgewalt des erzbischofs
von Canterbury fürchtenden papste dahin entschieden wurde, dass York
mit Canterbury coordiniert sein solle. — Clerical Pretensions steht an der
spitze des VI. kap., und diese Überschrift deutet uns schon an, dass wir
es hier mit dem bestreben der kirche, sich von der Oberhoheit des Staates
zu befreien, zu tun haben. Es gelingt ihr diesen wünsch teilweise zu
realisieren unter dem schwachen Stephan von Blois. Auch Heinrich II.
musste gleichsam zur sühne für Thomas Becket's ermordung sich mit
Rom auf guten fuss stellen ; sein söhn Richard unternahm im dienste der
220 BÜCHERANZEIGEN.
In kap. VI: Wyäiffes Ettrlier Doctr'mc werden die beiden bedeutendsten
Schriften WyclinVs vor 1378, also* De dorainio divino' und * De civili do-
minio', des näheren betrachtet. — Schon der titel von kap. VII: Wycliffe
and the Great Schism bereitet uns auf die tatsache vor, dass durch die
doppelte papstwahl im jähre 1378 der englische reformator zu schärferem
vorgehen gegen die römische kirche getrieben wurde. Er schickte die
sogenannten 'poor priests' im lande herum, um seine lehren unter die
leute zu bringen; er machte in Verbindung mit Nicholas Hereford und
John Purvey die bibel durch seine Übersetzung ins Englische allen zu-
gänglich; er trat gegen die mönche auf und tat dann im sommer 1381
den verhängnissvollsten und weitgehendsten schritt, indem er die trans-
substantiation leugnete. Diese letztgenannte ketzerei tmg ihm manche
Verfolgung ein, doch vor einer persönlichen Verantwortung vor papst
Urban VI. rettete ihn der tod, der am 28. Dezember 1384 dem taten- und
ereignissreichen leben des grossen mannes ein ende bereitete. — Aus der
Überschrift zu kap. VIII: Lollardy in England and Bohemia ist ersicht-
lich, dass wider nur ein teil dieses abschnittes in den engeren rahmen
unserer darstellung gehört. Zwei dinge sind es, für die Wycliffe in erster
linie eintrat: einmal die befreiung der kirche von weltlicher macht und
weltlichen interessen, dann die reform der kirchlichen lehre nach dem
evangelium. Diese bestrebungen waren auch die der Lollarden. Letztere
konnten die energische Verfolgung durch die beiden ersten Lancaster-
könige nicht überleben und sind daher seit den zwanziger jähren des
15. Jahrhunderts für England ohne jegliche bedeutung mehr, während in
Böhmen der von Wycliffe gesäete samen einen günstigen boden zu Weiter-
entwicklung fand. Den böhmischen reformbewegungen ist denn auch der
schluss von kap. VIII gewidmet, und auch die noch folgenden kapitel be-
schäftigen sich im allgemeinen mit den Vorzeichen der wirklichen refor-
mation, so dass die angäbe der kapitelüberschriften hier wie im anfang
eine eingehendere darstellung des noch übrigbleibenden inhaltes der
gründlichen, klaren, mit woltuender Unparteilichkeit und toleranz abge-
fassten schrift ersetzen muss. Kap. IX: The Divide d Papacy. — Kap. X:
The Councils of Pisa and Conslance. — Kap. XI: John Hus. — Kap. XII:
The End of ihe First Reform Movement. — Kap. XIII: Religiou* Revival
in Spain and ltaly. — Kap. XIV: Reform in Gennany: The Lateran
Council, (t. S.
Patrick Henry; by Moses Coit Tyler. Boston and New York,
Houston Mifflin and Co. 1888. VII, 308 ss. 8«.
Vom verf. der grossen amerikanischen literaturgeschiehte — welche
dereinst nach ihrer Vollendung das grund- und quellenbuch Air die Wissen-
schaft der amerikanischen literaturforschung sein wird - liegt eine bio-
graphie Patrick Henry 's vor, welcher zwar als gewaltigster amerikanischer
redner wol bekannt war, dessen leben und wirken in seiner ganzen histo-
rischen bedeutung aber vor Tyler noch nicht wissenschaftlich durch-
gearbeitet war.
BÜCHER ANZEIGEN. 219
Poole, Reginald Lane. Wycliffe and Movements for Reform.
London, Longmans, Green and Co. 1889 (Vol. XIV der Epochs
of Church History, edited by Prof. Mandell Creighlon).
Dieses buch schliesst sich also ganz direkt an das vorhin besprochene
an, indem es in vierzehn kapiteln die reformbestrebungen des 14. und 15.
Jahrhunderts behandelt. Da aber der Verfasser sich in der betrachtung der
antipäpstlichen bewegungen nicht auf die beschränkt, welche auf eng-
lischem boden in jener zeit nachgewiesen sind, so steht ein teil des
übrigens sehr gründlichen und klar geschriebenen buches ausserhalb des
besprechungsgebietes dieser Zeitschrift. Für die ersten beiden kapitel
mögen die Überschriften den inhalt genügend charakterisieren; kap. I:
Boniface the Eighth — The Papat Position; — kap. II: The Franciscan
Controversy. — Marsiglio of Padua and William of Ockham. — Auch
der erste teil von kap. III: The Popes at Avignon beschäftigt sich nicht
direkt mit England, wol aber der zweite: The Papacy and England, und
zwar werden hier wider, wie schon im letzten kapitel von Hunt's buch,
die gründe angeführt, wanim im 14. Jahrhundert namentlich das papsttum
und dessen treues te garde, die bettelmönche , in England anfangen sehr
unpopulär zu werden. Ein Vorläufer Wycliffe's (so schreibt Poole den
namen) in der Verdammung der Franziskaner war kein geringerer als der
erzbischof von Armagh, Richard Fitz Ralph. — Mit kap. IV tritt dann der
englische reformator in den Vordergrund und zwar wird zunächst, wie die
Überschrift zeigt, The Early Life of John Wycliffe behandelt. Ueber
dieses weiss man ja bekanntlich recht wenig und unser vorsichtiger und
gewissenhafter biograph muss daher in seiner darstellung von den wört-
chen 'probably', 'possible', *it is believed' etc. einen ausgiebigen gebrauch
machen. Mit recht wird hervorgehoben, dass Wycliffe schon 1366 bei
anlass der auflösung des lehnsverhältnisses zwischen England und Rom
mit seiner schrift: 'Detenninatio qusedam de dominio' bedeutsam an die
Öffentlichkeit tritt. Dass der im jähre 1365 vom erzbischof Simon Islip
erwählte und 1367 von Islip's nachfolger wider abgesetzte vorstand der
Canterbury-Hall zu Oxford John Wycliffe unser reformator gewesen, wird
von Poole im text zwar angenommen, aber in einer anmerkung stark be
zweifelt. Etwa mit dem jähre 1370, als WycHffe doktor geworden, be-
ginnt er die katholische kirelie anzugreifen, doch ist hervorzuheben, dass
er trotzdem bis zum jähre 1381 von seinen gegnern stets mit Hochachtung
und würde behandelt und selbst in den vom papst Gregor XL gegen ihn
geschleuderten fünf bullen nie der ketzerei angeklagt wurde. — Kap. V
führt unter dem titel : Wycliffe and English Potitics, die lebensgeschichte
des mannes weiter von 1374—78 und verweilt namentlich bei der teil-
nähme WyclifTs an den Unterhandlungen zu Brügge (1374), bei seiner
Verbindung mit John of Gaunt, bei den von papst Gregor XL gegen ihn
losgelassenen bullen und schliesst mit dem hinweis auf den rück halt, den
Wycliffe in seinem vorgehen gegen die kirche nicht nur an dem eng-
lischen volke, sondern auch an der regierung, dem parlament und der
Universität Oxford hatte, weshalb denn auch von seite des klerus nicht
scharf gegen den unbequemen reformer vorgegangen werden konnte. —
222 BÜCHERANZEIGEN.
Arnold Toynbee. By F. C. Montague, Fellow of Oriel College,
Oxford. Baltimore, January 1889 (Johns Hopkins University
Studies in Historical and Political Science; 7th Series. I).
70 ss. 8°.
Arnold Toynbee repräsentiert die grösste sittliche höhe, welche die
Universität Oxford in dem letzten Jahrzehnt erreicht hat und die in dank-
barer anerkennung seiner Verdienste und zur erinnerung an sein lebens-
ziel begründete Toynbee Hall zu Whitechapel, London kann wol eben-
falls anspruch erheben — wenn zunächst nicht die wissenschaftliche tttch-
tigkeit, so doch jedenfalls die sittliche kraft — , der englischen Universi-
täten als vorbild aufzustellen.
Seit Toynbee's tode 1883 sind seine werke gesammelt, die geringsten
Überreste seines lebenswerkes, denn seine hauptwirksamkeit und bedeu-
tung lag in dem persönlichen wirken des mannes; auch an kürzeren bio-
graphischen abrissen war kein mangel, aber wenn der gegenwärtige auch
nur kurz, eigentlich allzu kurz ist, kann man ihn doch zur Orientierung
über Toynbee am besten empfehlen — und zwar besonders für Deutsch-
land, wo ausser einem vortrefflichen aufsatze von v. Schulze-Gävcrnitz
(Grenzboten 188G) von Toynbee noch nicht viel die rede gewesen ist.
In einem appendix wird ein wichtiger brief Toynbee's abgedruckt
(man sähe gern noch mehrere!), ferner zwei hübsche aufsatze (von Lyttel-
ton Gell) über The Work at Toynbee Hall, und (Stover) über The Neigh-
bourhood Guild in New York — die letztere scheint auf dem wege, sich
ebenfalls mit den Universitäten in .Verbindung zu setzen, und damit in
der tat eine neue grosse 'bewegung' zu schaffen. E. F.
Bekenntnisse eines Opiumessers von Thomas de Qnincey.
Deutsch von L. Ottin an n. Zweite, durch den Lebensah riss
des Verfassers erweiterte Auflage. Stuttgart, Robert Lutz.
1888. XXIX, 160 ss. kl. 8<>.
Mit Zugrundelegung von Garnett's neudrucke der ältesten, kürzesten
und am meisten fesselnden fassung der Confessions of an Opium Kater
erscheint hier (schon in zweiter aufläge) eine Übersetzung des beliebten
werkchens, schön ausgestattet und durch eine biographische einleitung^
eingeführt. Dass somit der versuch gemacht wird De Quincey in Deutsch-
land etwas bekannter zu machen, ist sicher willkommen zu heissen, denn
das schweigen, mit dem derselbe übergangen wird, ist höchst ungerecht-
fertigt und nicht gerade zu unserer ehre.
Was die Übersetzung selbst anbetrifft, so liest sich dieselbe gut, bis
auf einige noch zu beseitigende anglicismen und u n genau igkeiten. Be-
sonders auffallend waren die 'arabischen niärchen'auf s. X, wo wir daftir
looi nacht sagen; ferner: 'jungen, welche mit mir auf der ersten bank
sassen ' für ( who composed the Hrst form ' ist zunächst nicht richtig über-
setzt; 'elegantere gelehrte' (s. X) ist nicht deutsch, 'meine natürliche
neigung zur liebe' (s. 17) tlir 'who was frauied for love' allzu frei und
BÜCHERAKZEIGBN. 221
Es gab mehrere biographien Henry's (von Will. Wirth und W. W.
Henry), aber einmal ist es die benutzung von neueröffneten ms.-quellen,
dann die ruhige historische Würdigung, welche das Tylcr'sche buch nicht
nur zur bedeutendsten schrift über Henry, sondern zu einem wichtigen
beitrage der amerikanischen geschichte überhaupt macht
Besonders anziehend ist das verhältniss Henry's zu Washington von
Tyler geschildert und von den vielfachen schlacken der Überlieferung ge
reinigt: ein leuchtendes bild der freundschaft grosser naturen. Die vor-
übergehende trübung dieses Verhältnisses durch Henry's Stellung zur * Con-
stitution', welche demselben übel ausgelegt wurde, ist von Tyler endgiltig
und einfach erklärt. Ueberhaupt ist Henry durch dieses buch von dem
unsinnigen vorwürfe der baren ungebildetheit gereinigt und vor Jeffer-
son's nicht milde zu beurteilenden malicen gerechtfertigt worden.
Der stil des ganzen werkes — welches die grösste gelehrsamkeit
(ganz wie die amerikanische literaturgeschichte des verf.) mit der schönsten
darstellung verbindet — macht das buch geradezu zu einer klassischen
biographie.
Die ansstattung ist wie bei allen büohern der Riverside Press
musterhaft. E. F.
Short Studies of American Authors by Thomas Wendworth
Higginson. Enlarged Edition. Boston, Lee and Shepard.
1888. 78 ss. kl. 8°.
Col. Higginson, der amerikanische essayist, romanschriftsteller, dichter
und Historiker, welchen allein schon seine lange militärische lauf bahn zum
scharfen und feinen beobachter der menschen gemacht hat, sammelt seine
skizzen aus dem gebiete der amerikanischen literaturgeschichte in einem
kleinen bändchen, welches zunächst schon durch seine kürze den leser
anzieht, bald aber durch seinen wirklich reichen inhalt fesselt. Higginson
behandelt acht amerikanische autoren: Hawthorne, Poe, Thoreau, Howells,
Helen Jackson, James, Louisa Mary Alcott und Whipple — vielbehandelte
männer darunter, aber bei jedem zeigt er uns eine neue seite und be-
sonders seine Schilderungen von Hawthorne und Thoreau führen uns per-
sönlich bei diesen ein. Die skizze über Thoreau scheint die frischeste
*%u sein und ist der einseitigen Charakteristik desselben in Lowell's Study
Windows als gegengewicht entgegen zu stellen. Helen Jackson (H. H.)
wird dem europäischen leser wol zum ersten male in ihrer grossen be-
deutung vorgeführt, und auch L. Mary Alcott (die zweite Miss Sedgwick)
wird diesseits des ozeans noch wenig bekannt sein. Das, was an ihr zu
tadeln, oder besser das, wodurch sie zur warnung gereicht, wird darin
offen bekannt, und dazu gehört einiger mut bei dem ungeteilten, aber
unkritischen lobe, welches derselben zu teil zu werden pflegt. Als bei-
gäbe zur literaturgeschichte ist das hübsch ausgestattete büchlein warm
zu empfehlen. E. F.
224 BÜCHER ANZEIGEN.
sich täuschen künnen), so ist die mehrzahl der erzählungen des Chronisten
dennoch leicht durch Urkunden zu stützen, und ist der wert der chronik
als historische nebenquelle nicht unbedeutend.
Dem Iiterarhistoriker wird die ausführliche erzählung von Sir Thomas
Wyatt's (des älteren) gefangenahme, von seinem liebesverhältnisse zu Anna
Boleyn, und dem in der chronik mitgeteilten briefe an Heinrich (von dem
man aus den State Papers noch nichts wusste) eine bereicherung des
quellenmaterials sein. Für den philologen ist die phonetische transkription
besonders englischer eigennamen von Wichtigkeit: es zeigt diese, wie der
autor (der also kein gebildeter mann war und die nanien offenbar nicht
geschrieben gesehen hatte) die namen ausgesprochen hörte, z. b. Thomas
Bayan und Bagan für Vaughan (s. 47, 48) , gut pipel für good pcople
(s. 103), Quenebet für Knyvett (s. 117), Sergil Espul für Sir Giles Pole
(8. HU), Huaruyque für Warwick (s. 141,207). Man wäre dem Übersetzer
dankbar, wenn er noch mehr derartige proben im texte gegeben hätte.
Die Übersetzung selbst liest sich sehr glatt und niemand wird die-
selbe ohne nutzen aus der band legen. Die ausstattung ist vorzüglich.
E.F.
s
i
i
BÜCHRRANZBIGEN. 223
gar nicht schön. Häufig weiss man nicht, was dialektische Stileigentüm-
lichkeit des Verfassers (oder wol der Verfasserin?) ist: 'sich auf lebens-
zeit gesetzt' (settled for life !); 'besass ziemlich mehr als der ihr ge-
bührende teil' für 'rather more'; 'dieser mann war durch Brasenose College
auf seine stelle ernannt' (had been appointed for his Situation, s. 13) u. s.f.
Wir wollen damit nur andeuten, wobei es bei einer zu wünschenden
dritten aufläge der schrift ankäme, welche schon als vereinzelter versuch
De Quincey bei uns einzuführen, willkommen ist. E. F.
Chronicle of King Henry VIII. of England, being a contemporary
record of some of tbe principal events of the reigns of
Henry VIII, and Edward VI., written in Spanish by an nn-
known band. Translated . . . by Martin A. Sharp Hume.
London, George Bell and Sons. 1889. XXVI, 229 ss. 8°.
Ganz unerwartet eröffnet eine spanische quelle einen einblick in
das englische leben zur zeit Ueinrich's VIII., welcher mit freuden zu bc-
grüssen ist. Im jähre 1873 wurde eine Chronica del Rey Enrico
Otavo de Ingla terra aufgefunden, welche vom marquis de Molins in
der Zwischenzeit als in noch elf handschriften überliefert nachgewiesen
wurde. Diese handschriften sind nun nicht von gleichem gewichte und
alter, die wichtigste scheint ein ms. der chronik zu sein, mit dem datum
Gent 31.0ct. 1556. Die chronik behandelt die jähre vom beginne der
ehescheidungsfirage bis zur hinrichtung Seymour's, und fesselt durch ihre
lebhafte Schilderung der ereignisse. Wer war nun der Verfasser dieser
chronik? Mehrere Vermutungen weist Sharp Hume zurück und kommt
zu dem Schlüsse, dass es ein zu London ansässiger Spanier gewesen sein
müsse, der in der nähe von Katherine's Wharf gewohnt habe und höchst-
wahrscheinlich den grafen Albuquerque als dolmetsch vor Boulogne be-
gleitete. In London konnte er als Spanier leicht durch Chapuys, Fran-
cisco Feiice u.a. von dingen hören, welche anderen entgehen mussten
(z. b. dem eidschwure der Katharina s. 40, von den näheren umständen
ihres todes etc.); ja es werden manche scenen so lebhaft geschildert
(Montoya's flucht s. 6, die scene vor Boulogne s. in, das duell s. 128),
dass man eine reihe von rollen dem Verfasser zuschreiben möchte.
Es wäre gar nicht unmöglich, dass der verf. diener eines in London
beschäftigten Spaniers war, den feldzug von Boulogne aber als soldat
mitmachte, so wäre das widerholte lob über Heinrich's freigebigkeit
armen spanischen Soldaten gegenüber (s. 127, 128, 155, 216) am ehesten
zu erklären.
Wenn nun auch eine ziemliche reihe von tatsachen einfach falsch
berichtet ist1 (wie Zeitgenossen natürlich leicht über politische motive etc.
1 Z. b. der besuch Henry's im Tower s. 22, das datum der hinrichtung
Fisher's und More's s. 36, das datum des todes der Jane Seymour s. 73,
die reihenfolge der Katharina und Anna von Cleve 8. 75 u. s. w.
226 FLÜGEL,
rieh's VIII. Überlieferten liederhandschriften , da es zunächst
darauf ankommt, die texte derselben so gewissenhaft als mög-
lich zu geben.
1. Die lieder des Add. Ms. 31922.
Das Britische Museum kaufte am 22. April 1882 vom buch-
händler Quaritch eine kostbare liederhandschrift, welche sich
bis dahin in Privatbesitz befunden hatte und von der die eng-
lische literaturgeschichtsforschung nur durch einen für seine
zeit sehr willkommenen, aber höchst unvollständigen bericht
ChappelTs (Archaeologia 41, 371) erfahren hatte.1
Diese handschrift hat notwendigerweise den Vorrang vor
allen anderen aus der zeit Heinrich's VIII., denn sie war in
des königs eigenem besitze und enthält die einzige bekannte
Sammlung der von Heinrieh VIII. selbst gedichteten und kom-
ponierten lieder. Auf 127 blättern enthält die handschrift 59
vollständige oder annähernd vollständige lieder, 40 kompo-
sitionen ohne text und 7 kompositioneu zu liederu, von denen
in der handschrift nur die ersten anfangsworte gegeben sind.
Von Heinrich VIII. sind 14 lieder und IG kompositionen
mit seinem namen bezeichnet, 10 lieder sind von dem auch
sonst bekannten William Cornysh (von der königl. kapeile)
komponiert (und bis auf 8 wol auch gedichtet2), 4 von ffar-
dyng (gedichtet? und) komponiert3, 4 von Dr. Cooper (dem
auch sonst bekannten CowperV), 2 von f flu yd, je eins von
Will™ daggere und Kysbye und Pygott, 20 lieder tragen
gar keinen namen, eins aber (no. 39) aus der zahl der letzteren
dürfte wol Heinrich VIII. noch beizulegen sein.
Der inhalt der lieder des königs weist auf ein jugend-
liches alter desselben hin, auf die zeit, wo uns die Chroniken
1 Ich möchte Chappell's aufsatz (der mir erst nachdem ich von der
handschrift abschritt genommen, bekannt wurde) in keiner weise zu nahe
treten. Seine historischen bemerkungen sind sehr gut, auch die texte
gut kopiert — aber von den säinwtlichcn 50 liederu gibt er nur 19, nnd
davon 4 nur im bruchstiiek.
* No. :ü, ful. f>3>> 4A robyn gentyl Robyn' wird Wyatt zugeschrieben
(vgl. die anmerkung dazu), und no. 32, fol. 54b (Whilc lyue or breth is in
my brest' könnte von einer dame gedichtet sein, die ihr lied dann von
C. komponieren Hess; C. lebte noch 1521, vgl. Kutland Papers 56.
3 Thomas Fardyng wird als Gentleman of the royal Chapel 1511
erwähnt, vgl. ltimbault's Littlo Book of Songs and ballads 1851, wo
mit no. XI U ein lied Fardvng's: 'As I laj slepynge In dreemes fletynge'
aus einem umuuskript in ltimbault's besitze abgedruckt ist.
LIEDERSAMMLUNGEN
DES XVI. JAHRHUNDERTS, BESONDERS AUS
DER ZEIT HEINRICHS VIH.
I.
Den englischen bailaden und Volksliedern ist das grosse
glück zu teil geworden, in der Vergangenheit und besonders
in der gegen wart ausgezeichnete forscher, Sammler und heraus-
geber anzuziehen. Das — meist ziemlich kurze — lyrische, zum
gesang bestimmte gedieht, also das lied im engern sinne (beson-
ders wenn es ohne literarhistorisch bekannten namen tiberliefert
ist) scheint noch nicht genügend beachtet worden zu sein.1
In «allen grösseren englischen bibliotheken finden sich
grössere oder kleinere liederhandschriften aus dem 15. und
16. Jahrhundert, aber noch immer harren dieselben im grossen
und ganzen des Sammlers, und im einzelnen des treuen heraus-
gebers. Eine grössere oder kleinere anzahl von liedern (liebes-
liedern, weihnachtsliedern, jagdliedern, Soldaten- und matrosen-
liedern) ist bei Ritson, Rimbault, Chappell u. a. veröffentlicht,
Wright, Halliwell, Sandys, •Furnivall u. a. haben einige hand-
schriften des 15. und 16. Jahrhunderts ziemlich vollständig und gut
abgedruckt, aber eine Sammlung der sämmtlichen lieder auch nur
einer periode gibt es noch nicht. Und wie eine vergleichung
besonders der von Chappell in der sonst vortrefflichen l Po-
pulär Music of the Olden Times' gedruckten texte mit den mag.
lehrt, ist der jetzt vorhandene text dieser lieder und liedchen
in keiner weise als grundlage der forschung zu benutzen.
Ich erspare mir zunächst eine gesammtübersicht der ergeb-
nisse Über spräche, metrik und inhalt der aus der zeit Hein-
1 Ich denke hierbei zunächst an das lied vom anfang bis zur mitte
des 1 6. Jahrhunderts. Denn das lied der elisabethanischen zeit ist vortreff-
lich bearbeitet und herausgegeben (von A. H. Bullen).
Anglift, XII. band. 15
228 FLÜGEL,
so dass dieses lied wenigstens mit Sicherheit Januar/Februar
1511 datiert werden kann.
Auch das kriegslicd (fol. 100b) 'England be glad! pluk vp
thy lusty hart!' scheint mit seiner deutlichen anspielnng auf den
papst und den französischen krieg Heinrich's auf das jähr 1511
zu deuten; da sich aber der krieg ziemlich in die länge zog
(Heinrich selbst verliess erst im Juni 1513 Dover, um sich auf
den kriegsschauplatz zu begeben, vgl. Holinshed III, 817), wäre
1511—1513 für die entstehungszeit des liedes nicht unmöglich1;
ja, es wäre gar nicht ausgeschlossen, dass ein noch späterer
krieg Heinrich's gegen Frankreich die historische grundlage
bildete, 1515, 1516, 1517 oder gar der bekanteste von 1544.
Zum schluss füge ich der bequeiölichkeit halber ein ver-
zeichniss der versanfänge an.2
*1. Pastyme w* good Company fol. 14b
2. Adew nies amours „ 15b
3. Pardon a moy (Cornysh) „ 15b
*4. Adew madam „ 17'»
*5. Helas madam „ lsb
*(). Alas what shall I do for love n 2ob
7. Alone I leffe alone (Cooper) „ 22«
*S. 0 my hart & o my hart „ 22b
\). Adew adew my hartis lust (Cornysh) . . . . „ 23b
10. Aboffe all thynge (ffaredyng) , 24»
11. Downbery down (Daggere) «25»
12. Io may that lusty season (ffaredyng) . . . . „ 2<>"
13. Whoso that wyll (Rysbye) „ 27b
♦14. The tyine of youthe „ 28b
15. The thowght* w'in my brest (ffardyng) . . . „ 29b
IG. My loue she morneth (Comyshe) „ 30b
17. A the syghes yl cü fro my hart (Cornysh) . . „ 32b
•
III, SOS'») gibt den 22. Febr.an, Stowe (ed. 1005, p. 618) den 23. Febr. —
Das lied auf 24b 'Aboffe all thinge' könnte sich ebenfalls auf den prinien
Henry beziehen.
1 Von einem kriegszugc gegen Frankreich ist noch ein lied auf uns
gekommen (Cotton Mss. Dom it. A. XVIII, zuerst gedruckt bei Ellis, Orig.
Letters 1. Serie 1, ~H):
The Rosse wolle in to Fraunce spryng
Almyghty God hym thy der bryng
(auch bei Rimbault, Little Book no VI zu finden). — Die datiemng der
handschrift ist nicht unwesentlich auch fllr die daticrung des (im Harinff-
tong Ms., s. unten) Wyatt zugeschriebenen gedientes: A Robin etc.; da
Wyatt 15o:i geboren, wäre 1511 wol zu früh (sein söhn freilich heiratete
mit 15 jähren!), aber 151S — 2S würde fllr Wyatt 's gedieht schön passen.
* Ein Sternchen vor der nummer bedeutet die Verfasserschaft Hein-
rich's VIII.
LIEDERSAMMLUNGEN. 227
in 3 zeilen von der politischen geschichte berichten und in 30
von den banketts, turnieren und lustbarkeiten: 'kurzweil in
guter companeiP ist ihr refrain, und die frohe gesellschaft wird
höchstens verlassen, um mit Amyas, dem uns unbekannten
freunde, und Cornyshe auszureiten und ein ritterliches aben-
teuer zu bestehen.
Das erste lied, welches in der handschrift (bl. 14 h) steht,
war eines der populärsten der zeit; es steht in der liste der
Complaint of Scotland, Hugh Latimer hielt dem jungen könig,
Edward VI., eine ernste predigt1 darüber, welche 'passetyme
w* good Company* für einen könig sich schicke, und noch in
den tagen der Elisabeth finden sich gelegentliche anspielungen
auf das lied.
Wenn somit die abfassung der lieder im allgemeinen schon
auf die Jugendzeit Heinrich's hinweist, setzt ein lied uns in
stand, die zeit der abfassung bis auf den monat zu datieren.
Es ist dies (bl. 74 b):
Adew adew le Company
I trust we shall mete often«!
viue le Katerine et viue le prince!
le infant rosary!
und die widerholung der strophe in der handschrift (von Chappell
gerade weggelassen) gibt uns sogar den namen des prinzen:
Adew adew le Company &c.
viue le Katerine et noble henry!
viue le prince, le infant rosary!
Der prinz Henry nun (denn auf den könig dürfte sich der name
wol nicht beziehen), übrigens der einzige prinz, der überhaupt
den tag seiner geburt überlebte, wurde am neujahrstage 1511
geboren2, starb aber schon am 22. Februar desselben jahres:
1 The seconde Sermon of Master Hughe Latemer whych he preached
. . . ye . XV dav of Marche M.CCCCC.XLIX. Die bekannte predigt (auch
von Chappell benutzt) mit den Worten : if good lyfe do not insue and
folow vpon our readynge to the example of other, we myghto as well
spende that tyme in reading of prophane hystories, of cantorburye tales,
or a fit of Roben hode (ed. Arber 49, einleitung). Auf das lied bezüg-
lich (64): And when the kyng is sette in the seate of hys kyngedome,
what shall he do? shal he daunce, and dally, banket? hauke and hunte?
No forsothe syr . . . and yet a kynge maye take hys pastyme in haukinge
or huntyn^e or such like pleasures. But he must vse them for recreation
when he is wery of waighty affayres, that he mai returne to them the
more lustye. And this is called pastime with good companye.
2 Vgl. die daten der kinder Heinrich's VHI. von Katharina bei Fronde,
Hist. of England I, 119 anm. Holinshed's chronik (ich benutze ed. 1587:
15*
230 FLÜÜEL,
04. It is to me a ryght grct Joy fol. 60*
*65. In vray amour „ 85*
66. Dulcis amica „ 88b
67. Das französische vollständige lied: Sy fortune . „ 50*>
The Kynge.h. VIII.
[14'»] PAstyme w* good c01I,panye
I loue & schall vntyll I dye[!]
gruche who lust[J but none denye
so god be plesyd yu* leue wyll I[!]
for my pastäce
lull syng & dance
my hart is sett
all goodly sport
for my eotort[!]
who schall me lettf?]1
Youthe must haue sü daliancc
Off good or yll so pastance[!)
Comi)any me thynk™ ther best
all thought«» & fansys to deiest.
flfor Idillness is cheff mastres
of vices all [—1 then who can say
but myrth and play
is best of all [?]
1 Für die beiden anderen stimmen folgt nun dasselbe:
PAstime w* good companye
I loue & schall tyl I dye"
gruche who lust but none denve
so god be plesyd y"* leue will I
for my pastanee
hüt syng & dance
[15H] my hart is || sett
all goodly sport
for my c"mfort
who schall me lctt[V]
PAstime w* good e<>»"pany
1 loue & schall do tyl l dyc
gruche who lust but" none denve
so god be plesyd yu" leue wyfl l
for my pastanee
hüt syng & dance
luv hart is sett
all goodly sport
for my c"»»fort
who schall nie lett.
Pas lied ist ausserdem noch überliefert Ad d. Ms s. 5665, fol. 13IJb
(die erste Strophe) und fol. las'», i.V.»* (alle Strophen); vgl. bes. Murray 's
ausgäbe der Complaiut of Scotland s. 62 IV.
LIEDERSAMMLUNGEN. 229
18. With sorowfull syghs (ffardyDge) fol. 33b
19. Iff I had wytt „ 34*
*20. Alac alac what shall I do „ 35b
21. This other day I hard a may „ 86*
*22. Grene growith ye holy „ 37b
23. Who so that wyll all featt optayne „ 39«
24. Blowe ye hörne hunter (Cornysh) „ 39b
25. Adew corage adew (Cornysh) „ 42b
26. Trolly lolly loly lo (Cornysh) „ 43b
27. I loue trewly (ffardynge) „ 44b
28. Yow and I and amyas (Cornysh) „ 45b
29. If loue now reynyd „ 49a
♦30. Wherto shuld I expresse „ 51 b
31. A robyn gentyl Robyn (Wyatt and Cor-nysh) . „ 53b
32. Whill lyue or breth (Cornysh) „ 54b
*33. Thow that men do call it dotage „ 55b
♦34. Departure is my chef payne „ 60b
35. I haue ben a foste* long (Co o per) „ 65b
36. Farewell my Joy (Cooper) „ 66b
♦37. Without dyscord „ 68b
38. I am a joly foster „ 69b
39. Though sum saith „ 71b
40. Madame damours (ffluyd) „ 73*>
41. Adew adew le Company „ 74b
42. Deme ye best (ffluyd) „ 79b
43. Hey troly loly loly »80«
♦44. Who so that wyll for g"ce sew „ 84b
45. Let not vs that yongmen be „ 87b
*46. Lusti yough shuld vs ensue „ 94b
47. England be glad pluk vp „ 100b
48. And I war a mayden „ 10Gb
49. Why shall not I „ 107b
50. What remedy what remedy? „ 108b
51. Wher be ye my loue „ 110b
52. Yower cöpany mak«s me so mery „ 111b
53. Quid petis o fily (Pygott) „ 112b
54. Musyng on her manners „ 115b
55. My thought oppressed „ 116b
56. My hope fröe me „ 117b
57. Su what musyng „ 120*>
58. I loue vnloued „ 122»>
59. I go to the medowe „ 124b
Liedesanfänge.
60. Hey now nowe „ 21b
61. Hey now now hey now „ 25b
62. De tous bien plane „ 40b
*63. Gentil prince de renown „ 49b
232 FLÜGEL,
alone I leff alonc
and sore I syghe for one
alone I leuo alone
and sore I sygh for one Doctor Coop«r.
Wh] The Kyng.h.VIII.
0 my hart & o niy hart
My hart it is so sore
sens I must nedys from uiy louc depart
and know no cause wherfore.
[23 1>] Adew adew my hartis lust
adew my Joy and my solace.
wyth dowbyl sorow
cöplayn I must
vntyl I dye alas alas. Cornish.
[24^1 Aboffe all thynge
now lete vs synge
both day and nyght
Adew mornyng
a bud is spryngynge.
Adewe mornyng
Adew mornyng
adew now let vs syng
a bud is spryngynge
Off the red rose and the whyght.
Aboffe vt supra. Ffaredynge.
[25 a] Downbery down
now am I exild my lady fro
and no cause geuyn therto
wherfor to her I me complayn
hey now
trustyng that dysdayn
sone shalbe slayne
and neuer more to remayne
Downbery vt Sil pra. Wyllm. Daggere.
[26»!1 In inay that lusty season to gedc the flours down by the me-
dows jrrene The byrdys sang on euery syde so m,,ryly it ioyed
uiy hart they toyned so clene the nyghtyngale saug on hie ioy-
tully so luercly Among the thornys kene.
T. ffaredyng.
1 Blatt 251» enthält noten und die worte: Hey now now hey now.
Thomas ffaredyng. Ich wage nicht, das lied auf blatt 26» in verse
zu zerlegen.
LIEDERSAMMLUNGEN. 231
Company w* honeste
is vertu [ — ] vices to ffle
Company is good & ill
but euery man hath hys fre wyll[!]
the best ensew
the worst eschew
my mynde schalbe[:]
vertu to vse
vice to refuce[,]
thus schall I vse me.1
[20b] The Ring. h. VIII.
Alas what shall I do for love for love
Alasse what shall I do
Syth now so kynd
I do yow fynde
to kepe yow me vnto
Alasse (zweimal widerholt).
[22 h]3 Alone I leffe alone
and sore I sygh ffor one
1 Auf obiges lied folgen nun im ms. vier kleine französische liedchen
[15 b] Adew mes amours et mon desyre
ie vous depränce
de part amant
et sy ie vous a fayt de plesure
sy na passance
coihanaament (flir drei stimmen widerholt).
Pardon a moy tres hüblemänt
ie le demand.
Ja my mon eure
a seruys loyalmant
olas ie bien
perdieu ma payn
elas ie bien perdieu ma payne (dreimal widerholt).
Cornyshe.
[17'>] The Kyng.h. VIII.
Adew madam et ma mastres
Adew mon solas et mon Joy
Adieu jusque vous reuoye
Adieu vous diz par gränt tristesse (dreimal widerholt).
[18»»] The Kinge . h . VIII.
Helas madam cel que ieme tant
soffre[z] que soie veutre hüble seruant
Voutre humble seruant ie scray a vous
A tousiours
etant que vivray
aultre naimeray.
- Bl. 21 b enthält nur iioten und die worte: Hey now nowe.
M'l
FLÜGEL,
0 her kyndnesse[l]
0 her gentylnes[l]
what sayil »che then to
The gode aboue
her schuld not moue
but atyll to morne i'or u
Alas thougbt I
what remedy.
ven»» to blame are ye.
Now of sum grace
let se purchaae
to helpe my loue and tue (!]
Her for to say
1 tooke this way
I dyspraysed her beawte.
yet for all that
atynt wold sehe not.
so trew of loue was schc(!]
At last sehe wept.
I to her lept,
& aett her on my knee.
The terys ran down.
ha] ff in a swone
it rewyd my hart to se.
Wlicn I sawe this
I dyd her kysse
ther wyth renyued sehe
And her am alle waste ■
ful fast volast
& sayd sehe momed for ine.
Then as I ought.
I nie bu thougbt.
and prajd hör to be ble.
To take cöfort
of my report.
and raorae no niore for me.
I achall not fayll.
bnt suere retaylle
from «11 other that De
In well and wo
my hart to go
wl her that morneth für ms[!|
Ttiuik
LIEDERSAMMLUNGEN. 233
[27 *>] > Who so that wyll hymselff applye
To passe the tyme of youth joly
Auaüce hym to the cöpanye
Of lusty bloddys & cheualry
Off lusty bloddys and cheualry. Rysbye.8
psb] The Kynge . h . VIII.
The tyme of youthe is to be spent
but vice in it shuld be for fent
but vice in i[t]2 shuld be for fent.
[29«] Pastymes ther be I nought trewlye
Whych one may vse . and vice denye
And they be plesant to god and inan[,]
Those shuld nie couit wyn who can[:]
As featys of armys . and suche other
wherby actyuenesse oon may vtter.
Comparysons in them may lawfully be sett
ffor therby corage is suerly owt ffett
Uertue it is . then youth for to spend
In goode dysporttys whych it dothe fend.
[29 b] The thowgt» w*in my brest.
They greue nie passyng sore
That I can not be prest
to do seru1«* you eu*r more. T. ffardyng.
[30 b] My loue she morneth for me.
my loue sehe morneth for me.
Alas pour hart
sen we depart
morne ye no more for me for me.
[31*] In louys daunce
syt that oure chaunce
of absence nedes must be [!]
My loue I say
your loue do way
and morne no more for me[!]
It is boote
to me hart roote
but anguysch and pete
wherfore swete hart
your mynde reuert
& morne no more for me[l]
1 Blatt 26 b — 27 a enthält eine komposition von ff lüde in armonia
graduat1". * Im ms.: im.
3 Rysbye's und Ffardyng's lied zweimal widerholt.
./
236 FLÜGEL,
She doth not wauer as the wynde.
nor for no new ine chaiig doth she.
But allway trew I do her fynd.
shall no mä know her name for ine.
Yf I to her than war vnkynd.
pytte it war that I shuld se.1
ffor she to me ys allway kynd.
shall no mä. vt supra.
lernyng it war for women all.
vnto ther louers trew for to be.
Pr°myse I niake that know non shall.
whill I leue her name for njo.
My hart she hath . and eu" shall
[tyll by]* deth departed we be.
Ilappe what wyll happ[,] fall what shall
shall no mä. vt supra.
[35t>] The Kyng.h.VIH.
Alac alac what shall I do.
ffor care is cast in to my hart.
And trew loue lokked therto.
Alac alac what shall I do.
ffor care is cast in to my hart.
And trew loue lokked ther to.
Alac alac what shall I do.
ffor care is cast in to my hart
And trew loue lokked y* to.
[30*] Hey nony nony nony nony no hey nony nony
nony nony no hey nony nony nony no.
hey nony nony noy nony no.
hey nony nony nony noy no . hey nony nony no.
This other day I hard a may.
ryght peteusly cöplayne.
She sayd allway . w*owt de nay.
her hart was füll of payne.
Sehe said alas . w*owt trespas.
her dere hart was vntrew.
In eirry place . I wot he hace.
ffor sake me for a new.
1 Royal Mss., Append. 58, fol. 3*> liest: sholde the.
* Liest unser ms. nur to deth; ich setze die lesart aus Royal Mss.,
Append. 58 ein.
LIEDERSAMMLUNGEN. 235
all louer8 that trew be
And in especyall
from iebardyse all
my loue y* mornyth for nie. Cornysb
[32 b]* A the syghes y* etil fro my hart.
They greuo me passyng sore
Sen ye must nedea frö me depart
ffare well my Joy for euer more[!]
[33*] Oft to me her godely swet face
was wont to cast an ye
And now absence to be in place
alas for wo I dye I dye[!]
I was wont her to be hold,
and take in armys twayne
And now wyt syghs manyfold.
farwell my Joe & welcö paync.
And think I se her yet.
as wolt o god I cowld
Ther myght no Joys cöpare w* it
vnto my hart[,] as now she shuld[!]a
W. Cornysshe.
[33 b] With sorowfull syghs and greuos payne.
Thus euer to endure.
Alas pour hart tyl that we mete agayne.
Joy shall I neuer ye may be sure.8
T. ffardynge.
[34»>] Iff I had wytt for to endyght4
of my lady both fayre and fre[,]
of her godnes than wold I wryght
shall no mä know her name for me
shall no mä know her name for me.5
[35 »] I loue her well with hart & mynd.
she ys ryght trew I do it se.
My hart to haue she doth me bynd.
shall no mane know her name for me.
1 Bl. 31b und 32 a enthalten eine komposition von ff lud in armonia
graduat. — Bl. 32>>. Die erste Strophe wird zweimal widerholt (Varianten:
sens ye: ffare well my Joe).
* Cornysshe's lied findet sich in etwas anderer fassung in Royal
Mss., Append. 58, fol. 1.
3 Diese Strophe zweimal widerholt.
4 Das lied findet sich auf Royal Mss., Append. 5S, fol. 3b.
5 Diese Strophe zweimal widcrholt.
238 FLÜGEL,
A[s] the holy grouth grene:
with lue all alono
when flowerys, can not be sene
and greno wode leuys be gone
vt supra.
Now vnto niy lady
proniyse to her I make
ffrome all other only
to her . I mc be take
vt supra.
Adew myne owne lady.
Adew my spccyall.
Who hath my hart trcwly
he suere & cu*ir shall
vt supra.
pKi«]1 Who so that wyll all featt optayne
In loue he must be w* owt dysdayne.
ifor loue enforcyth all nobyll kynd
And dysdayne dyscorag™ all gentyl mynd
Wher for to loue . and be not loued.
Is wors then deth . let it be proued.
loue encoragith . and inakyth on bohl
Dysdayne abattyth . and inakitli hym colde.
loue ys geuyn to god and man.
to wonian also. I thynk the saine.
But dysdayne ys viee . and shuld be refused.
Yet neuer the lesse it ys to nioch vsed.
grett pyte it wäre . loue for to compell.
With dysdayne . bothe falee and subtell.
[39 *»] Blow y« hörne hunt*r & blow y* hörne on hye
ther ys a do in yonder wode in faith she woll not dy.
now blow y* hörne hunter & blow ye hörne Joly hunter.»
140»] Sorc this dere strykyn ys.
& yet she bled no whytt.
she lay so fayre . I cowde nott mys.
lord I was glad of it.
As I stod vnder a bank:
the dere shoffe on the mede.
I stroke her so that downe she sänke.
1 Bl. «s»' enthalt unter der Überschrift: The Kynge . h .VIII. eine
komposition.
* Die erste Strophe zweimal widerholt. -• Die erste atrophe auch in
Royal Ms 9., App. ">\ fol. 5h.
LIEDERSAMMLUNGEN. 237
Seth he vntrew . bath chosen a new.
and thynk68 w* her to rest.
And will not rew . and so I trew :
wher fore my hart will brest.
And now I may. In no man" away.
optayne that I do sewe.
So eucr & ay . w*owt denay.
rayne owne swet hart a dew.
A dew derlyng . a dew swettyng.
A dew all my welfare.
Ade w all tbyng . to god perteynyng :
cryst kepe yow for me care
Adew füll swete. Adew right mete.
to be a ladys here . with tcrys wete
And yes replete.
she said adew my dere.
Adew ferewell. Adew labeil.
A dew bothe frend and foo.
I can not teil . wher I shall dwell.
my hart it greuyth me so.
She had nott said . but at abrayde.
her dere hart was füll nere.
And saide goode mayde . be not dysmayd.
my loue my derlyg dere.
In armys he hent . that lady gent.
In uoydyng care & mone
Th[at] day thay spent . to ther in tent.
In wyldernes a lone.
[3Tb]» The. Kyng.h. VIII.
Grene growith y« holy so doth ye lue.
thow wynter blastys blow neu«r so hye
grene growth the holy.
Grene growth ye holy so doth the iuye.
thow wynter blast6» blow neuer so hye.
grene grouth the holy.
Grene grouth ye holy so doth the lue.
thow wynter blastys blow neuer so hye.
grene grouth the holy.
[38 u] As the holy grouth grene.
and neuer chaungeth hew
So I am [— ] euer hath bene
vnto my lady trew
grene growth &c.
1 Bl. 36b u.37a enthalten kompositionen von Dunstable.
240 FLÜGEL,
[4(> a] * The knyght knokett ut the castell gato
The lady meruelyd who was ther at
yu & I & amyas vt supr».
To call the porter he wold not blyn
The lady said he shuld not com in
yu & I & amyas vt supr*.
The portres was a lady bryght
S trän genes that lady hyght
y» & I & amyas vt suprft.
Sho asked hym what was his namc
he said[:] desyre yo* man[,] madame
y« & I & amyas vt sup*».
She said[:] desyre what do ye here|?)
he said[:] madame as yor prosoner[!]
yu & I & amyas vt supr«.
He was cownselled to breffe a byll
And shew my lady hys oune wyll
yu & I & amyas vt siip™.
Kyndnes[,] said she[,] wold y\ berc.
And pyte[J said she[,] wold be ther.
yu & I & amyas vt supru.
Tims how thay dyd we can nott say
we left them there & went ower way
y" & I & amyas vt sup™.
Cornysh.
149»] If loue now reynyd as it hath bene:
And war rewardid as it hath sene:
Nobyll men then wold suer enseroh:
All ways wher by thay myght it rech:
Butt enuy reynyth w* such [dysdayne*]:
And causith louers owtwardly to refrayne:
which putto* them to more & more:
Inwardly most grenous & sore:
The faut in whome I can not sett:
But let them teil which loue doth gett:
To louers I put now suer this cace:
1 Bl. 47 enthält noten. — Bl. IS« noten unter der Überschrift: Tho
Kynge h. VIII. Die worte folgen bl. 4!K
* Liest die handschrift enuy; ich ersetze es durch dysdayne nach
Chappell's vorgange (Archaeologia 41, MI). Bl. 49» enthält kompo-
sition zur Überschrift The Kynge . 11 . VII. und den worten: Gentvl
prince de renom. Bl. 5oh und 51« ein französisches anonymes lied: Sy
fortune etc.
\
UBDERSAMMLUNGEN. 239
but yet she was not dede.
There she gothe se ye nott.[?]
how she gothe ouer the playne.p]
And yf ye lust to haue a shott.
I Warrant her bargayne.
He to go and I to go:
but he ran fast a fore.
I bad hym shott and strik the do:
for I myght shott no uierc
To the couert bothe thay went.
for I fownd wher she lay
An arrow in her hanch she hent.
for faynte she myght not bray.
I was wery of the gaine.
I went to tauern to drynk.
now the construccyon of the same:
what do yow tneane or thynk.
Here I leue and make an end.
how of this hunts lore.
I thynk his bow . ys well vn bent:
hys bolt may fle no morc. W. Cornysh.
[42 b]* Adew corage adew
hope & trust
I fynde y« not trew
adew corage adew adew. W. Cornyshe.
[43»>] Trolly lolly loly lo
syng troly loly lo
my loue is to the grene wode gone
now [afjter wyll I go.
syng trolly loly lo lo ly lo.a
[44 b] I loue trewly w* owt feynyng
my loue she is so trew to me.
To loue her sure . whill I am leuyng.
my hart w' her euer shall be.
T. ffardynge.
[45'»] Yow and I and amyas
Amyas and yow and I
to the grene wode must we go Alas
yow and I my lyff and amyas.
1 Bl. 40b enthält noten zu dem liedesan fange: De tous bien plane.
9 Bl. 41* u. 42» enthält noten. — Bl. 43* ist leer. Die worte der
Strophen von 42 b, 43 b, 44 b sind zweimal widerholt.
242 FLÜGEL,
[54 n] My lady is vnkyndc I wis
alac why is she so
shc louyth another bett«r than me
and yet she will say no[!]
I can not thynk such doubylnes
for I fynd womcn trew
In facth my lady louith nie well
she will change for no ncw.
A robyn vt supr*. Cornysh.
[54 b] Whill lyue or breth is in my brest
my soucrayne lord I shall loue best
My soucrayne lorde I shal loue best.
My souerayne lorde I shal loue best.1
[55«] My 8ouerayne lorde for my poure sake:
VI conrfys at the ryng dyd makc.
Of which . IUI . tymes he dyd it take :
Wherfor my hart I hym bequest.
And of all other for to loue best:
my sou<*rayne lord.
My sou°rayne lorde of pusant pure:
as the chefteyne of a waryowere.
w* spere and swerd at the barryoure:
as hardy wl the hardyest.
he prouith hym seife that I sey best:
My souprayne lorde.
My 8ouerayne lorde in euery thyng:
a boue all other as a kyng.
In that he doth no cöparyng:
but of a trewth he worthyest is.
to haue the prayse of all the best:
my 8ouerayne lorde.
My soucrayne lorde when that I niete:
his cherfull contenance doth replete.
My hart w* Joe that I be hete:
next god but he and euer prest
w* hart and body to loue best:
my sou^ayne lorde.
So many v*1use geuyn of grace:
yer is none one lyue yl hace.
Beholde his fauor and his face:
his pergonage most godlyest.
1 Bl. 54 b wider holt die erste atrophe noch zweimal
LIEDERSAMMLUNGEN. 241
which of ther loues doth get the grace:
And vnto the which doth it know:
Better than do I . I thynk it so.
[*i'»l The Kynge.H.VIlI.
Wher to shuld I expresse
my inward heuynes
no myrth can make ine fayn
tyl that we mete Agayne.
[52 a] Do way dere hart not so
let no thought yow dysmaye
Thow ye now parte ine fro:
we shall mete when we may
When I remembyr me:
of yoT mo8t gentyll mynde.
It may in no wyse agre:
that I shuld'be vnkynde.
The daise delecta[b]le :
the violett wan and blo.
ye ar not varyable:
I loue you & no rao.
I make you fast and sure:
it ys to me gret payne.
Thus longe to endure:
tyll that me mete agayne.
[53 b]* A robyn gentyl robyn
tel me how thy leman doth
and thow shal know off myne
A robyn gentil robyn
[tel me how]2 thy leman doth
and thow shalt know of myne.
A Robyn gentil robyn
tel me how thy leman doth
and thow shalt know of myne.
1 Das lied 'A robyn ' etc. wird in dem bekanten Haryngton Ms. I
(abschritt: Add. Mss. 28636) auf fol. 34 (s. 98) dem Sir Thomas Wyatt
zugeteilt, vgl. Nott's ausgäbe von Surrey und Wyatt II t 188. — Es
scheint demnach nur die komposition von Cornysh zu sein. — In der
zweiten Strophe liest die handschrift: gentil robyn gentyl; in der vierten
Strophe liest die handschrift: sav nor robyn. Im Haryngton Ms. I enthält
das gedieht noch drei Strophen, le pleintif und Responce abwechselnd.
Vgl. s. 268: auch Add. Ms. 17492, fol. 22 1> u. 23*>; s. Percy, Reliques I, 185.
8 Niclit im ms.
Anglift, XII. band. \Q
234 FLÜGEL,
0 her kyndnesse [!]
0 her gentylne8[I]
what sayd sehe then to mc[?]
The gode aboue
her schuld not moue
but styll to morne for me[!]
Alas thought I
what remedy.
venu» to blame arc ye.
Now of s um grace
let se purchase
to helpe my loue and me[!]
Her for to say
1 tooke this way
I dyspraysed her beawtc.
yet for all that
stynt wold sehe not.
so trew of loue was sehe [!]
At last sehe wept.
I to her lept,
& sett her on my knee.
The terys ran down.
halff in a swone
it rewyd my hart to se.
When I sawe this
I dyd her kysse
ther wyth reuyued sehe
And her smalle wastc |
ful fast vnlast
& sayd sehe uiorned for nie.
'it
Then as I ought.
I uie be thought,
and prayd her to be blc.
To take cöfort
of my report.
and morne no morc for nie.
I schall not fayll.
but suere retaylle
from all other that be
in well and wo
my hart to go
wt her that morneth for mc(!|
Thus here an ende,
goode lord defiend
LIEDERSAMMLUNGEN. 248
A vengeauce on them y* loueth nott best:
uiy 8ouerayne lorde.
The souerayne lorde yl is of all:
my souerayne lorde saue[J principall [!]
he hath my hart & euer shall:
of god I ask for hym request:
off all gode fortues to send hym best:
my souerayne lorde. W. Cornyshe.
[55b] The. Kyng.h. VIII.
Thow that men do call it dotage.
who louyth no[t] wantith corage.1
[56 »]2 And who so euer may loue gete.
ffrom venU8 sure he must it ffett.
Or elles ffrom her which is her hayre.
And she to hym must seme most fayre
Wyth ee and mynd doth both a gre.
There is no böte ther must it be.
The ee doth loke and represent.
But mynd afformyth with füll consent.
Thus am I fyxed with owt gruge
Myne ey with hart doth nie so iuge.
loue maynteynyth all noble courage.
who loue dysdaynyth ys all of the village.
Soch louers though thay take payne.
It were pete thay shuld optayne
ffor often tymes wher they do sewe.
Thay hynder louers that wolde be trew.
ffor who so louith shuld loue butt oone.
Chaunge who so wyll I wyll be none.
[60b]s Tfae Kyng. H. VIII.
Departure is my chef payne
I trust4 ryght wel of retorn agane.
Departure is my chef payne
I trust ryght wel of retorne a gayne
departure is my chef payne
1 Bl. 55 b. Die erste Strophe in der handschrift zweimal widerholt.
2 Bl. 56*> enthält noten mit der Überschrift: The Kyng . H . VIII. —
Bl. 57 a — 58« enthält noten von ffayrfax. — Bl. 58 b enthält noten mit der
Überschrift: The Kyn* . H . VIII.
3 Bl. 61 a enthält Komposition von The Kyng.h. VIII. zu den worten:
It is to me a ryght gret Joy. — Bl. 61b enthält noten von The Kyng .
h. VIII.; 62»— 63« von T. ffardyng; 63^, 64« von W. Cornyshe; 64*> u.
65 « von The Kyng . H . VIII.
4 Das ms. fügt hier nochmals I ein.
16*
24t) FLÜGEL,
Whcrfor shuld I tyc vp iny hownd
vnto y« green wod spray
l can luge and make a sute
as woll as any in may[!]
I am &c.
[71 bp Though sum saith that yough mlytli me
1 trust i age to tarry
god and iny ryght & iny dewtyo
t'roniü theni shall 1 neucr vary
thow sum say yl yough rulyth me[!)
Thowgh sü say Jrt youth nilyth mo
I trust in age for to tarry
god & my ryght and my dewte
[72 »| Ironie the shall || neuer vary[!]
thow 8f say y* yough rulith uiu.
I pray you all that aged be.
how well dyd ye yor yough carry (?)
I thynk sü wars of ych degre.
rFher in a wager . lay dar I.
though sü sayth &c.
Though sil sayth yt yough rulyth me
I trust i age for to tarry.
god & my ryght & my dewte
frome them shall I neu" vary
thowgh sü sayth yt yough rulyth me.
(72|>) Pastymes of yough sü tymo a mong
none can sey but necessary
I hurt no man I do no wrong
I loue trew when I dyd mary
thow sü sayth . vt . supr».
Pastymes of yough sü tyme a monge
none can say but necessary
I hurt no man I do no wrong
[7.'t«| I loue trew wher I dyd mary
thow sü saith . vt . supr».
Then sone dyscusse that hcnH we must
pniy we to god and seynt mary.
That all amend & here au end.
Thua sayth the kyng the . VI11 .th harry(:|
tltou*rh sü.
1 l>as 1'umI wird in der hamlschrift keinem bestimmten autor xu-
gewiesen, die 0. strophe zeigt den dichter: Heinrich VIII.
LIEDERSAMMLUNGEN. 245
bothe hartes alone
to set 1 one
best semyth me.
for wben one sole
ys in ye dole
of louys payne.
then helpe must baue
bym seife to saue
and loue to optayne.
[69«] Wber for now we.
tbat louers be.
let vs now pr»y.
Onys loue sure.
ffor to procure.
w* owt denay.
wher loue so sewith.
tber no hart rewitb.
bu[tj' condyscend.
yf contrarye.
what remedy.
god yt amen[d]9.
[HO b] I am a joly foster I am a joly foster
and baue ben many a day[J
& foster will I be styll
for sbote ryght well I may
for sbot ryght well I may.
[70 b] 3 Wher for shuld I hang vp my bow
vpon the green wod bough[?]
I cane bend & draw a bow
and shot well enough.
I am a joly foster.
[71 »]4 Wher for shuld I hang vp myne arrowfe]1
vpon ye gren wode lynde [?]
I haue strengh to mak it fle
& kyll bothe hart & hynd.
I am &c.
Wher for shuld I hang vp my hörne
vpon y« gren wod tre[?]
I can blow ye fleth of a dere as well
as any yt euer I see.
I am &c.
1 Das eingeklammerte nicht in der band schritt. 2 Nicht im ms.
3 Bl. 70« widerholt die erste Strophe zweimal.
4 Bl. 70 b widerholt die zweite Strophe zweimal.
246 FLÜGEL,
Whcrfor shuld I tye vp iny hownd
vnto y« green wod spray
1 can luge and roake a sute
as weil as any in inay[!]
I am &c.
[7lb|i Though 8um saitb that yoügh nilyth mc
I trust i age to tarry
god and my ryght & my dewtye
fromo thom shall I neuer vary
thow sum say y* yough rulyth ine[!]
Thowgh sü say Jrt youth nilyth me
I trust in age for to tarry
god & my ryght and my dewtc
[72«] frome the shall || neuer vary[!]
thow sf say y* yough rulith me.
I pray you all that aged be.
how well dyd ye yor yough carry [?]
I thynk sü wars of ych dcgre.
Ther in a wager . lay dar I.
though sü sayth &c.
Though sü sayth y* yough rulyth mc
I trust i age for to tarry.
god & my ryght & my dewte
frome them shall I neucr vary
thowgh sü sayth yt yough rulyth me.
[T2'>] Pastymes of yough sü tyme a mong
none can sey but necessary
I hurt no man I do no wrong
I loue trew when I dyd mary
thow sü sayth . vt . supr».
Pastymes of yough sü tyme a monge
none can say but necessary
I hurt no man I do no wrong
[7:h») I loue trew wher I dyd mary
thow sü saitb . vt . supra.
Then sone dyscusse that hens we must
pray we to god and seynt mary.
That all amend & here an end.
Tlius sayth the kyng the . VIII .th harry[:|
though sü.
1 Das lied wird in der handschrift keinem bestimmten autor an-
gewiesen, die 0. Strophe zeigt den dichter: Heinrich VIII.
LIEDERSAMMLUNGEN. 247
I hurt no man I do no wronge
I loue trewly wher I dyd inary.
thow sü [&c.].
[73 b] Ma dame damours
all tymes or ours
[frö]1 dole dolours
or lorde you gy
in all socours
vnto my pours
to be as yours
vntyl I dye
vntyll I dye vntyl I dye.
Madame damours
all tymes or ours
frö dole dolours
ower lord yöw gy
in all socours
vnto my pours
to be as yours
vntill I dye
vntyll I dye vntyll I dye
And make you sure
no creature
sball me solur
Nor yet retayne,
but to endure
ye may be sure.
whyls lyf endur/
loyall and playne.
[74b]a Adew adew le Company
I trust we shall meto often".
viue le Katerine et viue le prince
le infant rosary.
Adew adew le cöpany
I trust we shall mete oftener
viue le Katerine et noble henry
viue le prince le infant rosary.8
[79 b] Deme ye best of euery dowt
tyll the trowth be try[ed] owt.4 J. ffluyd.
1 Nicht im ms. (aus der widerholung ergänzt).
* Bl. 74» widerholt 73 b zweimal.
3 Bl. 75« widerholt die zweite Strophe. — Bl. 75b, 76». b, 77« noten;
77b u. 78», 78b u. 79» komposition von The Kvnge . H . VIII.
* Bl. 79 b. Ffluyd's Strophe zweimal widernolt.
And tbat we may ower fautt amend.
An blysse upteyne at ower last end.
[IOO*]1 Englond be glad pluk vp thy luaty hart
help now yf kyng y> kyng & tako bis part.
and take bys part
Englond hu glad pluk vp thy [ItiBty]* heart
[IUI»] hclp now yi Lyng
y' kyng & lake bis [part]* and take bis part.'
(101 bl Agcynst y« Ire nehm Q in tbe feld to fyght
In the tiuarell of y° church & in y ryght.
W spera & sbeldy« on gudly horsys lygbt.
buwys & arows to put the all to flyght
to put thG all to flyglit . hulpc now yl kyng.'
[UiS»]» Pray wo to god that all roay gyde
that for o* kyng so to p"vid
bo send bym power to hym corage
he inay aiheffe tliis gret viage
now let va syng tbis rownd all tlire
sent george grannt hym y« vletory pray.
[Ki6hl* And I war a mayden as many one ys
for all y« gokle i englond I wohl not do amysse.1
when 1 was a wanton wench of . XII . yere of age.
Tliee cowrtjers w» ther amorus they kyndlyd my corage.
H'ben I was come to the age of . XV.yere.
In all ihis lond
nowther fre nor bond
ui(i thought I bad no peie.
[1117h] Why shall not 1 wby sha.ll not I
to my lady,
why shall not I bc trew
wby shall not I.
My lady hatb mo In tbat gracc
alie tak" me as her howno
her mynd is I nö othur placu
' BL »7h ist leer; auf Wi« nuten; 08" — HM' kuinposition ohne te
i The Kynge.il .VIII.
• Nicht im in».; ergänzt.
' Bl. im* widerholt die atrophe noch einmal.
• Bl. ins« desgleichen. s Bl. 1«+'' int leer.
• 111. Ilia°--|IMI" kom]iosi!ion von Tbe Kyngo . II . VIII.
' Bl. HIß«-. Die ernten beiden vorne fünfmal widerholt.
LIEDERSAMMLUNGEN. 249
Wher for in dede tbe trouth to say.
It ys for yough the metest play.
[94b]» The Kynge . H . VIII.
Lusti yough shuld vs ensue
hys mery hart shall sure all rew
for what so euor they do hym teil
it ys not for hym we know yt well.
[95 a] ffor they wold haue hym hys libertyc refrayne
And all mery Company for to dysdayne.
But I wyll not so what so euor thay say.
But follow hys mynd in all that wo may.
[95b]a How shuld yough hyselfe best vse
but all dysdaynes for to reftise
[96»] . . . . as chef assurans
yough . . .8
honest niyrt w* vertus pastance
ffor in them consisteth gret honor.
Though that dysdaynars wold therin put error.
ffor they do sew to get them grace.
All only reches to purchase.
[90 b] with gode order coücell & equite.
goode lord graut vs or mancyon to bc.
for w*owt ye goode gydaüce
yough shuld fall in grett myschaücc.
with goode order coücell & equite.
good lord graut vs or mancyon to be.
for wl owt ye goode gydaüce
yough shull fall in gret myschaüce.
tfor yough ys frayle and prompt to doo.
As well vice« as vertuus to ensue.
wherfor be thes he must be gydyd.
And vertuus pastaüce must theryn be usyd.
[1)7 »]4 w* goode order coücell and equite.
goode lord grät vs or mancyon to be.
for wt owt ye goode gydaüce
yough shuld fall in to gret mys chaüce.
Now vnto god thys prayer we make
That this rüde play may well be take.
1 Bl. 94 b. Die erste Strophe zweimal widerholt.
2 Bl. 95 b. Die erste Strophe in der hs. ist nicht zu ende geführt.
3 Grosse lücke im ms.; offenbar wurde der vers nicht fertig geschrieben.
4 Bl. 97«. Die Strophe 'w* goode order' widerholt.
FLÜGEL,
alone alooe It ys
but yu niy luue alon alon.
Wbfl ye be hens
w< y absencc
my myrth A ioy is gone
nie to comfort
The tyine passyng
tu daiince or syng
to swage su what my möc
Is nothing
do cöfortiog
but yow my lou« alonu alooe.
Tims w my carc
(*■ yor w eifere
crist kepe y« from yo' föne.
And God abone
kepo vor ioue
for von haue mync alone.
Qui[d] petis o fily[?)
luater dulcissima baba
quid putig o tili['-]
michi plaitsus oscula da da[!)
So laughyg in lap layde
So p"tyly bo pertly
so passyngiy well a payd
ful suftiy & füll soberly
vnto bor swet son she sald[:]
<l'<t petys &c.
The moil« füll inan"ly & rackly as a mayd
lokyng on her lytill sou so laugliyng in lap layd
so p"tyly so p"tly so passingly well apayd
so paasygly wel a payd
füll softly & füll soberly
vnto her son sbe saide
vnto her son said[:]
Q'd pet".'
1 mene tliis by inary o' makers inod" of mygbt
full louely lookyng ou or lord the lautemo of lyght.
tlms s&yng tu o' sauio' tbis saw 1 In my syght
' 1)1. IIS*. Hie handaehrift liest: Qnü — I>iw er«
widerholt,
1 III. 114'. Die erste stn i : mal widerlinlt
» Bl. t Uh. Diese stropk* ■ .idatkolL
■tTOpbfl i Ir.-ini;* I
LIEDERSAMMLUNGEN. 251
now sith it ys thus known
why shall not I.
My lady sayth of trouth it ys
no lotie that can be lost
alas, alas what word ys this
her to reme[mber nijest1
why shall not I.
[Iü8l>]a what remedy what remedy[?]
such is fortüep]
what remedy [?]
such is fortüe[!] what remedy [?]
A thorae hath pcrcyd my hart ryght sore.
which da[i]ly encressith
more & more.
thus wt owt cöfort I & forlore
what remedy [,] what remedy [?]
such is for[t]ü[!]8 what remedy [?]
[109 b] Bewayll I may my aduenture
To se ye paynes y* I endure
Insacicntly with owt recure
what what remedy what remedy [?]
such is fortüe[I] what remedy [?]
0 my swet hart whome I loue best
whos vnkyndnes hath me op prest
for which my hart is lyk to brest
what remedy what remedy [?]
such is for[t]üe[!]8 what remedy [?]
[110t>]4 Wher be ye my loue my loue
and where be ye gone[?]
I am so sad to make me glad
yt is but you my loue a lone a lone
it is but yQ my loue alonc alone.
[lllb]5 Yower copany niake» me so inery
from care & frö all mone.
but whe ye mysse.
no Joy it is
but yu my loue alonc
1 Bei rcme[mber mlest das eingeklammerte unleserlich.
2 Bl. 108b — 1 09 b. Die Strophen zweimal widerholt.
3 t nicht im ms.
4 Bl. 110l>. Die Strophen zweimal widerholt.
5 Bl. 111 b. Die Strophe zweimal widerholt.
254 FLÜGEL,
right suere to have no good auöture
good aveture in mc to haue place
nay nay for why[ch] yre ys no spa[ce].
finis.
[120»»] " Sil what musyng
[1 more mornyng]
in remßbryg
thü stedfastnes
p»* world bc^g
of such walyng
[mc cötry"yng]
what may 1 gcsse
[I fere doutles
remedylcs
is now to cese
uiy wofull chance |
for vnkyndnes
wl owt)T les
& no redresse
ine doth avance
w* dysplesanco
to my greuance
and no suräcc
of reniedy
lo in tliis trftnce
now in substäce
such is my chance
willyng to dye.
1121 »»I* Me thynk trewly
[bowndon am I]
[and that gretly]
to be cötent
[seyng pla[i]nly]
fortune doth wry
all cötrary
froui my entent[!]
[122«] IMy lyf was lent]
to an entent
it is ny spent
wclcff fortune
% 1 Hl. 12o»\ Das lied findet sich auch aus gleicher zeit in etwas
anderer fassung in Add. Mss. 54t>5, fol. 3M b ff. und ist daselbst dem Robert
ffayrfax zugeschrieben. Die erste stronhe zweimal widerholt. Die verae
in klammern sind aus der ersten widerholung der ersten Strophe ein-
getragen.
* Bl. 121 b. Das eingeklammerte aus der ersten widerholung der
zweiten atrophe (letztere ebenfalls zweimal widerholt).
LIEDERSAMMLUNGEN. 253
yl« reson y* I rede yn now I rede it füll ryght.
Q«d pet*
one aftyr the close.
Q*d petys o fili. Pygott.
1115*»]1 Musyng on her manners so ny ward was my inayne
saue it plesyd me so passyngly y* past was uiy payn.
yet softly to her swete soil me thought I hard sayn
now g'«ciUst god and goode swete babe yet ons this game agayne.
Q5d pet*s &c.
[ 1 1 6 b] * My thought oppTessed
my mynd i trouble
my body languisshyg
my hart i payn
my Joyes dystres
my sorows dowble.
My lyffe as one
y* dye wold fayne
myn yes for sorow salt tcrs doth rayne.
thus do I lyue in gret heuenes
with owte hope or cöfort off redresse.
[117'»]a My hope fröe me is clene exiled
exilide for euor [— ] which is my payne [!]
my paye wl hope hath mc[] begyled
hath me begiled[!]
begyled am 1 and can not refrayne
refrayne I must yet i dysdayne
in dysdayn I shall my lyfe endure
endure alas w* owt hope of recure[!]
[U8b]8 Oftyme for death for soth I call
in releasse off my gret smert
for death ys end and principall
of all the sorowes w*in my hart
a payne it is hens to depart
yet my lyfe it is to me so greuus
that deth is plesur & nothyng noyus.
[119b]* Thus may ye se my wofull chance.
my chance contrarious from all plesure
from all plesure to gret penance
of penance & payne 1 am right sure
1 Bl. 1 15 b u. 116a. Diese Strophen zweimal widerholt.
2 Bl. 117b. Die Strophe *My hope' &c. zweimal widerholt.
3 Bl. 118^. Die Strophe *0r tyme' &c. einmal widerholt (Varianten:
v. 1 Oft tymes; v. 3 thend.
4 Bl. 119b, v. 7. Das eingeklammerte ergänzt
FLÜGEL,
1 wysae my niothyr theo sliatl vs sc.
1 wysae my mothyr theB sball vb ae.
Now in bu inedows fayre & grene',
we niay vs sport & uott be sene.
& yi ye wyll I shall cöaent
llow aey you mayde be you ctftentj?]
Nay in good feytli I wyll not melle w' you.
I pray you s" lett nie go mylke uiy oow.
Wliy wyll ye not geve me no cöforte.
y' in y feld« we niay vs sportt?
Nay god for bede . y1 may not be y' niay mit be.
I wysse my mothyr than shall vs se.
1 wysse my motliyr then sliall vs se.
Ye be so nyce üb so mete of age.
y- yc gretly move my corage
Syth I loue )'ou[,] loiie me agayne.
Ict vs niake one tliongb we be twayne
1 pray von s'r let me go mylk my cowc vt sup".
Ye baue my hert sey what ye wyll.
Whorfore ye muste my mynde fiilfyll.
& gönnte me bere yo^ maydynbed
yoT maydynhed( — ] or olles I shall for you be »led.
I pray you s'r let me vt aupra.
Then for y'« onac I schal you spare.
but y nente tyme ye mint liewari'[,|
bow in thc raedow ye mylko yor i'ow . y«' eow[l|
adew flarewell & kysse me now.
adew farewell & kysse me now.
1 pray you a"- let me vt supra
2. Die lleder des Royal Ms., Appendix 58.
Dies ms. ist den englischen liederforsckern wol bekannt,
denn es enthält die lieder: 'A the sygbes that come from my
hart'; 'Westron wynde'; 'Colle to me the rysuliys grene' und
einige andere, welche von Cliappell in der 'Populär Mnsic
of the olden time1 gedruckt wurden und nuch sonst angeführt
werden.11 lieber die geschiente dieses ins. lässt sieh leider nicht
1 Bl. 126». Die stropbe 'Now in (■*■ medows' noch einmal widerholt.
1 Bl. 126*. Die atrophe 'Ye haue my hart [flir basu«]' und 'Ye be
so nyce (fllr medi"<J' widerholt; teuer Stent ohne text dabei. — Bl. 137»
'Then for' &c. zweimal wider ho It.
9 Kimbault führt in 'A llttle book of Song* and Ballada' IUI dkt
o •>, 13, 15, iO an.
LIEDERSAMMLUNGEN. 255
[welcü fortune]
ye[t] I ne went
thus to be shent[!]
[but she is ment]
Such ys her went[!]
[122b] * 1 loue vnloued suche is myn adueture
and can not cesse tyll I sore smart
but loue my fo that feruet creature
whose unkyndnes hath kyld myn hart
[123b] * ffrom her loue no^nge can me rent
but [I] leue in payne whyle I endure
and loue vnloued such ys myne aducnture.
[I24b] I go to the medowe to mylke my cowe[!]
than att the medow I wyll you mete[,]
to gather y« flowre« both fayer & swete[!]
Nay god for bede that may not be yl may not be.
I wysse my mother then shall vs se[!]
I wysse my mother then schall vs se[!]
Hey troly loly lo made whether go you[?]
I go to ye medow to mylke my cowe[!]
Then at ye medow I wyll you mete.
to gather yc flourys both fayr & swete[!]
Nay god for bede y* may not be y* may not be.
I wysse my mother then shall vs se.
I wysse my mother then shall vs se.
Hey troly loly lo mayde whether go you[?]
Then att ye medow I wyll you mete
to gather ye flour« both fayre & swete.
Nay god for bede |H may not be . y* may not be.
I wysse my mother then shall vs se.
I wysse my mother ye*1 shall vs se.
[125b] Now yn }>** medow fayer & grene.
we may vs Sport & not be sene.
& yf ye wyll. I shall consent.
How sey ye mayde be ye cötentp]
I pray you slr lett me go mylke my cow.
why wyll ye nott geve me no cöfortt
]>* now in }*« feld°s we may vs sportt[?]
Nay god forbede yl may not be \>l may not be.
1 Bl. 122»> u. 123b Die Strophen: *I loue' &c. und *from her loue' &c.
zweimal widerholt.
* Bl. 123^», v. 2 ist [I] des rhythmus halber ergänzt.
250 FLÜGFJ.,
And that wc may ower fautt amend.
An blysse opteyne at ower last cnd.
Amen.
[IOC*»]1 Englond be glad pluk vp thy lusty hart
help now yi kyng yl kyng & take Ins part.
and take hys part
Englond be glad pluk vp thy [lusty]* heart
[101»] help now y* kyng
yl kyng & take his [part]8 and take Ins part.3
[101»>] Ageynst y« frenchme in the feld to fyght
In the quarell of yü church & in ye ryght.
w* spers & shcldy* on gudly horsys lyght.
bowys & arows to put the all to flyght
to put the all to flyght . helpe now yl kyng.4
[103«]a Pray we to god that all may gyde
that for or kyng so to p*°vid
so send bym power to hym corage
he may acheffe this gret viage
now let vs syng this rownd all tbre
sent george graunt hym y« victory pray.
[1061»]6 And I war a mayden as many one ys
for all ye goldc T englond I wold not do amysse.7
when I was a wanton wench of . XII . ycre of age.
Thes cowrtyers w* ther amorus they kyndlyd my corage.
When I was come to the age of . XV. yere.
In all this lond
nowther fre nor bond
ido thought I had no pere.
[107 h] Why shall not I why shall not I
to my lady,
why shall not I be trew
whv shall not I.
My lady hath me in that grace
she tak^ me as her howne
her mynd is i nö other place
1 Bl. 117»» ist leer; auf 08« noten; 08 b— 100« komposition ohne text
von The Kynge . II .VIII.
* Nicht im ms.; ergänzt.
3 Bl. 101* widerholt die Strophe noch einmal.
4 Bl. 102« desgleichen. Ä Bl. 1 02 »• ist leer.
6 Bl. 103 »»--10«« komposition von The Kynge . II . VIII.
7 Bl. 100»». Die ersten beiden verse fünfmal widerholt.
* >-ä
LIEDERSAMMLUNGEN. 257
so viel sagen wie über die des vorhergehenden. Es finden sich
in dem ms. zwei lieder, welche durch andere handschriften als
von Cornyshe herrührend angesehen werden können, ferner
ein lied mit doctrCoper (wol derselbe, welcher sonst drCowper,
auch Cooper genannt wird) unterschrieben (19a), mit derselben
Unterschrift noch eine (tanz-?)komposition ohne text (fol. 24 h),
ferner kompositionen (z. t. tanzweisen) mit den Überschriften:
The short mesure of my lady wynkfyelde (43 b), The emperors
pavyn (45 a), The kings pavyn (45 b), The Crocke ([?] 46), The
kyngs macke (47).
Das einzige lied, welches auf ein historisches ereigniss
anspielt, ist das 20. auf fol. 15b: Now fayre fayrest off euery
fayre; die worte: 'welcu of Scotland to be quene' können sich
nur auf Margaret, Heinrich's VII. älteste tochter beziehen, welche
am 8. August 1503 zu Edinburgh Jakob IV. angetraut wurde.1
Da Cornysh nun schon bei der königin Elizabeth (von
York) als hofkapellmeister erwähnt ist2, würden die in dieser
handschrift mit seinem namen belegten lieder (ob er sie nun
selbst dichtete oder nur komponierte) in seine früheste zeit
fallen, und da am hofe Heinrich's VII. spinett und laute3 zu
den lieblingsinstrumenten für alle art höfischer Unterhaltung
gehörten, wäre es nicht unmöglich, dass ein teil der handschrift
eine Sammlung von liedern und kompositionen zum gebrauche
bei derartigen hoffestlichkeiten aus der zeit Heinrich's VII. dar-
bietet. Ein anderer teil der handschrift allerdings ist völlig
anderen Charakters und weist nicht auf den hof, sondern in das
kloster. Da zeigt uns ein ziemlich giftiges lied (fol. 22 h) eine
klosterzänkerei zwischen ffrere gastkyn und Raff Drake
(ffrere gastkyn scheint ein wenig freigeist gewesen zu sein).4
Ein anderes zeigt den mönch parker von Stratforde (in
EssexV) in liebesbanden (fol. 14 b); und das lied: Now Marcy
Jhesu I will aniend (fol. 21 a) wird wol auch nicht all zu fern
von den klostermauern gesungen worden sein. — In jedem
1 Stowe's Chronicle p. 810: The S of August James the fourth king
of Scots maried Margaret, the eldest doughter of king henry the seuenth
at Edenborough (die bekannte veranlassung zu Dunbar's Thistle and
Rose).
* Vgl. die Privy Pursc Expenses derselben (p. 83), von Pauli, Gesch.
Englands V, 678 angeführt.
3 Pauli a. a. o. V, 078.
4 Rimbault führt (a. a. o.) ein ähnliches lied aus Cambridge Trinity
College Ms. P. Q. 10 an.
Anglia, XII. band. 17
252 FLÜGEL,
alone alone it ys
but yu luy loue alon alon.
Whe ye be hens
wl y* absencc
my myrth & ioy is gone
ine to com fort
is no resort.
The tyine passyng
to daunce or syng
to swage 8ü what iny möc
Is nothing
no cöforting
but yow my loue alono alone.
Thus w* my carc
w- yor welfarc
crist kepe yu from yor föne.
And God aboue
kepe yor loue
for you haue mync alone.
[112'»!1 Qui[d] petis o fily[?]
mater dulcissima baba
quid pctis o fili[V]
miehi plausus oscula da da[!]
[113b] So laughyg in lap layde
So prctyly so pertly
so passyngly well a payd
ful softly & füll soberly
vnto her swet son she said[:]
q*d petys &c.
The moder füll man««ly & mekly as a mayd
lokyng on her lytill son so laughyng in lap layd
so pretyly so p«tly so passingly well apayd
so pass^gly wel a payd
füll softly & füll soberly
vnto her son she saide
vnto her son said[:]
Q»d petK»
[1U1»]3 1 mene this by mary or makers mod«* of myght
füll louely lookyng on or lord thc lanterne of lyght.
thus sayng to or sauior this saw I in my syght
1 Hl. \\'2b. Die handschrift liest: Quit. — Die erste Strophe dreimal
widerholt.
* Bl. 114*. Die erste Strophe zweimal widerholt.
' Bl. 114b. Diese Strophe einmal widerholt.
LIEDERSAMMLUNGEN. 259
I was wonte hur to be holde
and takyn in Arrays twayne
and now wyth syghes manyfolde
fare well my Joye & welcome payne.
A uiy thynke that I se hur yete
as wolde to gode that I myght
There myght no Joyes cöpare wyt h[i]'
Vnto my hart to make hyt lyght.
[lb] [t]Hough that she can not redresse
nor helpe me off my smerte
yet sure hyt comyth of gentylesse
that pytyeth A mornynge hert.
0 fortune cruell and peniers
What wylyth the at me
All my plesure thow dost reuers
In to Aduersite
Alas I love A goodly one
but I cannot Attayne
Vnto hur love but lyue alone
for fere of fals dysdayne
To haue hur loue I thenke me sure
yf that she durst consent
hyt ys to hur A dysplesure
to se my loue mysspent.
0 cupyd the god of loue
Now help me At my nede
the harte of them for to remove
that Settyth me to spede
Woo worth fortune my fortall foo
that art soo rüde to me
To turne my Joy in care & woo
that my comfort sholde be.
[2«] [c]011e to me the rysshys grene Colle to me
Colle to me the rysshys grene colle to me
ffor my pastyme vpon A day
1 walkyde Alone ryght secretly
in Amornyng of lusty may
me to reioyce I dyd Aplye
Wher I saw one in gret dystresse
Complaynyng hym thus pytuously
Alas he sayde for my mastres
I well pe'scyue that I shall dye
17*
254 FLÜGEL,
right suere to have no good außture
good avcture in iue to haue place
nay nay for why[ch] yre ys no spa[ce].
finis.
[120 h]1 Sü what musyng
[i more mornyng]
in remßbryg
thü stedfastnes
pl» world beyg
of such walyng
[ine cötryuyng]
wliat may I gesse
[1 fere doutles
reraedyles
is now to cese
my wofull chance]
for vnkyndnes
wl owty les
& no redresse
nie doth avance
w* dysplesance
to my greuance
and no suräcc
of remedy
lo in tbis trance
now in substace
such is uiy chance
willyng to dye.
[121 »>J» Me thynk trcwly
[bowndon am I]
[and that gretly]
to be cötent
[seyng pla[i]nly]
fortune doth wry
all cdtrary
from my entent[!]
[122»] [My lyf was lent]
to an entent
it is ny spent
welcfl fortune
" l Hl. 12o*>. Das lied findet sich auch aus gleicher zeit in etwas
anderer fassung in Add.Mss.54K5, fol. 3.Hbff. und ist daselbst dem Robert
ffayrfax zugeschrieben. Die erste atrophe zweimal widerholt Die versa
in klammern sind aus der ersten widerholung der ersten Strophe ein-
getragen.
* Bl. 121 b. Das eingeklammerte aus der ersten widerholung der
zweiten atrophe (letztere ebenfalls zweimal widerholt).
*•«#!*,
LIEDERSAMMLUNGEN. 261
Lornyng hyt were für young men all
vnto there louers trew to be
promyse I made that know noman shall
whyllys that I leve hur name for me
My hart she hathe & euer shall
tyll by dethe departyd we bee
hap what shall hape wyl befall
shall noman know hur name for me.
[4*] Why 8oo vnkende Alas
why soo vnkende to me
Syne the tyme I knew yow fyrst
you were my Joy and my trust
Why soo vnkende Alas
why so vnkende to me
Soo to be kende to me
Erly & late I am ryghtfayne
your love & favor to attayne
Why soo vnkende &c.
ys ther no grace ne remedy
but euer to morne eternally
Alas why soo vnkende &c.
Off my por s^uys ye may be sure
As long as lyff dothe last & dure
why soo vnkende &c.
Hope dothe to me consolacön
Else sholde I ren in dy[s]parcon *
why soo vnkende &c.
ye haue my hart ye haue my love
Gode sende me yours that syttyth above
why soo vnkende &c.
[4b] Kytt hathe lost hur key hur key
goode kytte hath lost hur key
she ys soo sory for the cause
she wotts nott what to say
she ys soo sory for the cause
she wott not what to say to say
goode kytt good kytt
she ys soo sory for the cause
she wot not to say to say good kytt.
s nicht im ms.
202 FLÜGEL,
[5B] Kytt she wept I axyde why soo
that she made All thys mone
she sayde Alas I am soo woo
my key ys lost and gone
Kytt has lost hur key vt supr».
Kyt she wept & cryede one hye
and fore hur key dyd axe
she be heyght to seynt sythe a key
and offryde to hyra a key of wexe
Kyt hathe lost hur key &c.
Kyt why dyd ye losse your key
for sothe ve were to blame
now eucry man to yow wyll say
Kyt losse key ys your name
Kyt hathe lost hur keye &c.
& kyt she wept &* cryed Alas
Hur key she cowde not fyndc
In fayth I trow yn bour she was
w''th sum that were not kcnde
Kyt hath lost hur key &c.
Now fare well Kytt I can no morc
I wot not what to say
but I shall p»y to gode therc fore
that yow may fynde yor key
Kyt hath lost hur key.
[bu\ [BJlow thy hörne hunter
cü blow thv hörne one live
In vonder wode ther5 lveth A doo
In fayth she woll not dyc
eil blow thy hörne hunter
eü blow thv hörne Jolv hnnter.1
[(><*] A lone alone alone alone ahme alonc
alone in wyldernys
(Das hier folgende lied ist ausgestrichen, vgl. fol. 71».)
[f»h] The lytell prety ny^lityngale
A mong \v leuys grcnne
1 Die fortsetzung des licdes findet sich Add. Mss. n I U22 , fol. 10«.
Das lied ist daselbst W. Cornysh zugeschrieben, (huppe 11, Popul.
Mus. 1, f>7 gibt nur die erste Strophe.
LIEDERSAMMLUNGEN. 263
y wold I were I wold I were wt hyr all nyghth
but yet ye wot not what I meane»
Then swet hart cü horae swet hart eil home agayn
for fallyngc of the snow
for & you* host wyth heysso a hoo
ye may not cü home cü home
cü home sweet hart cü home
The lytell prety nyjthtyngale
A monge J>e leuys grene y wolde I were
(in der handschrift nicht fortgesetzt).
[7*] nay mary nay mary I peter but ye must
nay mary I peter DUt ye must &C.1
[~h] The lytyll prety nyjhtyngale
among the leuys grene
I wold I were I wolde I were wyth her all nyght.
but yet ye wete not whome I mene.
The nyghtyngale sat one abrere
Among the thornys sherpe & keyn
and comfort me wyth mery eher
but yet ye wot not [w]homea I mene
She dyd aper all on hur keynde
a lady ryght well be seyne
wth wordys of loff tolde me hur mynde
but yet ye wot not whome I mene
hyt dyd me goode lipon hur to loke
hur corse was closyd all in grene
away tro me hur hert she toke
but yet ye wot not whome I mene
lady I cryed wyth rufull mone
haue mynd of me that true hath bene
for I loue none but you alone
but yet ye wot not whome I mene.
[8a] To leve alone comfort ys none
but mornyng more & more
my awne tru hart
hath made me smart
whyche greuyth me passyng sore
1 Vgl. fol. 11».
a w nicht im ms.
2()4 FLÜGEL,
I may complayne
and Dothyng faync
to god of my lady
w* anie grete vnryght
out of hur syght
she hath exylyde me
hur to dysplease
my lyf to lease
neuer shall tyll I dye
how be hyt in payne
I am sertayne
& beryth hyt paciently
and so I wyll
contynew styll
wher euer I ryde or goo
I cannot chcwse
nur vet refewse
to louc hur & no mo
One & no mo
why say ye soo
o thus ys the skyl[. . .|!
fcw yerys agoe
I promysyd soo
for to be tru h [. . .] *
[*>b|* Hy a bancke as I lay
musyng my sylfc alone hey how
A byrdvs voyce dyd me reioyce
syngyng byfore the day
and my thought on hure lay
she sayd wynt" was past hey how
Than dyry cü dawn dyry eil dyry eil dyry
[9«| eil dyry eil dyry cu daw hey how
The inaster of musyke.
the lusty nyghtyngale hey how
füll meryly & secrctly
She syngyth in the thyke
And under hur brest a prike
to kepe hur fro slepe hey how down
1 In der handsehrift abgerissen.
J Kin lied mit demselben anfange findet sich unter K[ing] H[enry VIIFs]
inirth or freemens songs in Havniscrot't's Deuteromelia 1 009, no. 19.
LIEDERSAMMLUNGEN. 265
A wake there for young men.
All ye that louers be
th[y]s monyth of may
soo fresch soo gay
so fayre be feld8 on ffen
bath ffloryshe ylke aden
grete Joy hyt ys to see hey bow &c.
[10 b]» Thys yonders nyght
I herd a wygbt
most heuyly2 cöplayne
And eu°r a mong
thys was bys song
Alas I dye for payne
Alas I dye for payne.
[lla] nay inary I nay maye mary
I peter but ye must
nay mary I
In ye begynnyng off thys yere
y herd A louer saye vntyll his fere
Swet wordys off love ryght petuusly
and the sehe sayde nay mary I
Nay mary I.
[14b]3 0 my lady dure
0 my lady dure
1 am yo* pr|soner
0 my lady dure
1 am yor prisoner
Qd parker monke of Stratforde.
[15a] Rasyd is my mynde
Alacke for pety
Why ys sbe soo vnkende.
And hatb no cause wby
Rasyd ys vt supra.
[15b] Now fayre fayrest off euery fayre
princes most plesant and preclare
tbe lustyest one Alyve that byne
1 Bl. 1P> u. 10 tt enthält die lateinische hymne 'Spem in alium nüqHm
habui pr,,ter in te Deus'. 2 Im ms.: beuynly.
3 Bl. 11»», 12% 13* sind leer; bl. 12*> enthält nur den liedanfang 'Coli
to me tbe russhes grenc coli to me'; 13% 14» enthält nur noten.
266 FLÜGEL,
welcii of scotlond to be quene
young tender plant of pulcritud
descendy*1 of Imp«*yall blöde
freshe fragrant floure of ftayrehed shene
welcii of scotlond to be quene.
[!(>»] Lusty lusü lady eiere
most myghty kyng* do[g]terl dere
borne of A princes most serene
welcii of scotlond to be quene
welcii the rose bothe rede & whyte
welcii the floure of oure delyte
oure secrete reioysyng from the son beine
welcii of s[c]otlond to be quene
welcii of scotlonde to be quene
[16b] Thofe I doo syng ; * my hert dothe wepe
hyt vaylyth not || to fayne gladnys
sorow hath pi«cyd || my hart so depe
that my lyffe ys || but heuynys
1 1 7 «] flbr [ my cause ys || remedylesse
well may ye thenke || then my syngyng
cannot avayle || my lamentyng.
Hut kepe hyt styll || yn remembraunce
wl my vnvrid || desteny
settyng lesse by || the worldys chaunce
syth trotli was me || no remedy
ther5 ys no more || but hertely
(I71»! 1 p«y [all that || here thys song
ben ye mery || though I haue wrong
Petyously || constraynyd am I
w' wepyng yes || to morne & playne
that wo soo ny || of progeny
so sodenly || shulde parte [a] twaync.
whe ye ar gone
comfort ys none
[IS-*] but All alone
endure must I
w* greuis grono
making my mono
as hyt were ono
that nedys shuld dy[.]
1 3 nicht im ms.
a Die ahtcilungsstrichc der ersten I** verse setzte ich, um meinen
anfänglichen zweifei anzudeuten, ob die verse hier zu trennen wären.
Fast seheint es, als ob es sich von vers r.) an um ein neues lied handle
(wovon weder die noten, noch die handschrift etwas andeutet). Pas me-
trische System der ersten \\) verse ist zweimal ababbec und abab, das
LIEDERSAMMLUNGEN. 267
With chaunce soden
soo d[e]the me strayne
yn euery vayn[e]
that for nothyng
I cannot layn
nay yet refrayne
[18^ in [...]» twayne
from sore wepyng[.]
and when that I wolde
no body shulde
me Aspy
In such duraunce
then dothe my eye9
my hert discry
and openly
shewyth iny greu»unce[.]
lo eu«ry nyght
thus am I dyght
[to]8 suche a plyght
w* grevous payne
[l4.»«| ther* may no wyght
make my hert lyght
tyll I haue a syght
of yow a gayne
Quod doctr. Coper.
[19b] When fortune had me avaunsyd
vnto the grace of my swete creature
and that hur trothe to me was fyauncyd
euer faythfully in loue to endure
I had well happyd to haue byn sure
[20«] but now alas through dysdayne
trougth ys exylyd & plesiu™
& welcii payn
0 goodly mastres o goodly mastres
why do yow thus
syth yn me cause fynd ye none
nor neuer shall
trust me I wysse
for I haue ben
[20 b] And shalbe yours alone
for yow do I wayle
der folgenden verse (für deren trennung ich die Verantwortung übernehmen
muss, denn in der handschrift sind sie fortlaufend den noten folgend ge-
schrieben) ist viermal aaabaaab (das drittemal allerdings mit der ab-
weichung aabcbbbc, statt bbbcbbbc).
1 In der handschrift abgerissen. 2 Die handschrift liest eyes.
3 Fehlt in der handschrift.
268 FLÜGEL,
for yow do I mone
and syth that your loue I niay uot attayne
farewell plesiu™ & welcü payne.
[21»] Now marcy Jhesu I wyll amend
And neuer more displease the
yff grace thow wylt me send
uiy thogbt ys füll hevy
and greuith me ryght sore
my synnys be pryvy
whych repentyth me euer more
my flesh fast swetyng
my paynys to renew
my body besely boylyng
w* hetys for A Jhesu[.]
Tbys haue I füll surely
for tbat I was uniust
[2 1 b] to god the sune off mary
and leuyd after my lust
Now mcrcy Jhesu my fete
sume tymc more
and lesse they do swete
my hert ys very pore
and besyly doth bete
my hed ys all macy
and memelowsly dothc werke
my yne dyme and dasy
my neke ys füll Sterke
Thys I haue roll surly vt supra.
My handys do me no good
nedys must I ly so
and take no erthly fode
now helpe me good lorde
my stomake ys füll faynt
I make to the acorde
vppon payne off a taynt
1 wyll no more suerly
to the be so vni[u]st
butt kepe thy lawes truly
And put Away false lust.
Now m«cy Jhesu vt supra.
[22»>1 Triplex pars.
ffrcre gastkyn wo ye be
qnt manes hie in pat' a
LIEDERSAMMLUNGEN. 269
for all y* here supportyth ye
yu makyst ye way ad t*rtara
tartara ys a place trewly
pro te et cösimilibus
flfor hy y* lyuyth in Apostasy
absetyd a claustr*libU8 :
A fysche to lyve all ways yn lond
quid vero mirabüius
A frere serteyne yl so doth stond
* amend
et mane tuis fratribus
lest ye devyll flfor ye do send
[23 a] To present ye deraonib"8
Et fac cü consilio
flfor he \>l may \>W* renne
wold all such were in pelago
i a böte füll of holys
vt ibi cü doloribus
)?[a]s myght he stere & blowe ye colys
Tyll he were sub fluminib»8
show thys I care not lo whome
priory vel episcopo
[23 b] for all [suche frere scholde byde at horae
no vagans hie in seculo
Q«i Raff Drake.
[4S»]a Tenor.
The whele oflf fortune who cä hold
or stablysh y[t] still in one degre
ye vnstabylnes oflf pepyll yowng & old
whos[o] wold perform }rt can not be
such ys fortune of hur mutabilite
Wherfore I say & syng wl out scorne
farewell the best that euer was borne
Cupyd the god or venus the goddesse
vnto the permitte what can they prevayle
yf fortune favors not the cause pensyvenes
[49 bj to troble there sayle
Ther myndys to frett there hart8 to wayle
w* grevous Abseus ther lovys to be torne
1 Lücke im manuskript; etwa ausgefüllt mit: [Wherfore frere gast-
kyn make].
2 Bl. 24— 4S enthält kompositionen ohne text, jedoch mit den fol-
genden Überschriften: 24 b (doctor coper)- 38 b— 43 (A hörne pype); 43 b
(The short mesure of my lady wyukfvelae); 45»» (The emperors pavyn);
45 b (The kings pavyn); 40 (The Crocke); 47 (The kyngs inacke).
270 FLÜGEL,
fare well thc best that euer was borne
yff nature wold wysdome hath tliis set loue alone
syth fortune Rulyth alo
off surte no matc** she can dyscuss
but euer mouyng as )?e rollyng ball
Now helpe to hold now help to fall
Joyus over evyn & sorow 011 the morne
[Farewell the1] best y* euer was borne.
[50 b]2 Thys ender nygth
I saw a syjth
a ster as bryjth as day
And euer among
A maydyn song[:]
by by baby lullay3
[51*] Thys vyrgyn clerc
wythowtyn pere
vnto hur son gane sing[:]
my son my lorde
niy fathere dere
why lyest thow in hay[V]
me thenke be ryght
thow kyng & knyght
shulde lye in ryche aray[!]
yet none the lesse
I wyll not cess
to syng by by lullay [!]
Thys babe füll bayne
aunsweryd agaynef,]
& thus me thought hc sayde[:]
I am a kyng
above all thyng
yn hay yff I be layde[l]
for ye shall see
that kynges thre
shall cü on twelfe day[.]
for thys bebest
[51 h] geffe me [thy]4 brest
& sing by baby lullay [!]
1 Lücke in der handschrift.
8 Bl. 4!> enthält kouipositionen zu dem liedanfange ' Loue to be Con-
sta t they say h1' und 'The Duke of Sond[V] has doiupe[?]\
3 Im texte zweimal widerholt.
4 In der handschrift abgerissen.
LIEDERSAMMLUNGEN. 271
My son I say
wythowttyn nay
thow art my derlyng dere
I shall the kepe
whyle thow dost slepe
& mako the goode chere.
And all thy whylle
I wyll fulfill
thou wotyst hyt well yn fay[.]
yet inore then thys
I wyll the kys
and syng by baby lullay[.]
My moder swete
when I haue slepe [,]
then take me vp at last
vppon yor kne
thatt [y]e* sett me
and handell me füll soft
& yn yor arme
[52«] lap me ryght|| warme
& kepe me myght & day
and yff I wepe
and can nott slepe
syng by by baby lullay[.]
My son my lorde
my father dere
syth all ys at thy wyll[,]
I p»y the son
graunte me a bone
yff hyt be ryght & skylle[:]
that chylde or man
may euer come
be mercy on thys day[,]
to blys them bryng
& I shall syng
by by baby lullay
& I shall syng
by by baby lullay [.]
My mother shene
of heuyn quL'ne
yor askyng shall I spedef,]
so that the myrth
dysplease me nott
[52 »»] yn [wordys]2 ||nor in dede[,]
1 Lücke in der handschrift. * Desgleichen.
272
FLÜGEL, LIEDERSAMMLUNGEN.
syng what ye wyll
so that ye fullfyll
my tcn cömaundements ay[,]
ay yow for to pleaso
let theni nott sesso
to syng baby lullay.
[53*>]» My iyten fole
ys gon to play
sehe wyll tary no long*'«' w* me
he how frisca Joly
vnder ye grene wood tre
he how frisca Joly &c.
Nachtrag zu s. 242. Der Originaltext von Wyatt's liede
findet sich Add. Ms. 28636, fol. 34 (s. 98); in der 4. und 5. atrophe
ist daselbst irrtümlich die Überschrift; umgesetzt, hier dem sinne
nach geändert
A Robyn
Joly Robyn
teil me how thv leman doeth
and thou shall know of myn[!]
my Lady is unkynd p«rde[!]
alack whi is she so[V]
she loveth an othr better then nie
and yet she will say no[!j
Responce.
I fynde no such doublenes
I fynde women true
my Lady loveth nie dowtles
and will ehaunge for no newe[!]
le plaintif.
Thou art happy while that doeth last
but I save a« I fvnde
that womens love is but a blast
and torneth like the wynde[!]
[Responce.]
But if thou will avoyde thy banne
lerne this lessen of me
at othr fiers thy seif to warme
and let them warme with the
[le plaintif.]
Suche folkes shall take no härme by
that ean abide their torn [love
But I alas can no way prove.
in love but lake & mourn.
1 Bl. 58« enthält nur noten: bl. 54 widcrholt das liedchen von 53 b;
auf bl. 56 steht ein Aue Maria; 1)1.57»' Possessor huius libelli nuneupatur
I>MnitiUS Joh*""es B[ur?|y. — Ich benutze die gelegenheit, auch an dieser
stelle herrn J Macfarlane meinen dank auszusprechen daflir, dass er sich
der mühe unterzog, die korrektur nochmals mit den mss. zu vergleichen.
Seiner gewissenhaftigkeit verdanke ich die Überzeugung, dass die mit-
geteilten texte zuverlässig sind.
Lkip/Ki.
KWALD FlCGEL.
ORTHOGRAPHIE UND AUSSPRACHE
DER ERSTEN NEUENGL. BIBELÜBERSETZUNG
VON WILLIAM TYNDALE.
Abkürzungen.
Bücher des New Testament.
M = St. Matthew. 2 Th = IL Thessalonians.
Ma = St. Mark. 1 Tim = I. Timothy.
L = St. Luke. 2 Tim = IL Timothy.
J = St. John. Tit = Titas.
A = The Acts. Phil = Philemon.
R = The Epistle to the Ro- Hebr = Hebrews.
mans. Jam = Epistle of James.
1 C = I. Corinthians. 1 Pet = I. Peter.
2 C = IL Corinthians. 2 Pet = IL Peter.
G = Galatians. 1 Joh = I. John.
E = Ephesians. 2 Joh = IL John.
Ph = Philippians. 3 Joh = III. John.
Co = Colossians. Jude.
1 Th = I. Thessalonians. Rev = Revelation.
Vorbemerkung.
Die Übersetzung des neuen Testaments von William Tyn-
dale l ist für die entwickelung des religiösen lebens in England,
da sie die noch jetzt im wesentlichen unveränderte grundlagc
des so oft revidierten und in einer so grossen anzahl von
exemplaren über die ganze erde verbreiteten englischen Neuen
Testaments bildet, von ganz unberechenbarer bedeutung ge-
wesen. Als wichtigstes denkmal der englischen spräche aus
der ersten hälfte des 16. Jahrhunderts, vielleicht aus der ganzen
1 Cheney, AngliaVI, 277 bemerkt: * Henry Bradshaw, M. A., Univer-
sity Librarian, Cambridge, writing in the Bibhographer, Dec. 1881 shows
that the translater himself used the form Tindale and not the commonly
accepted orthography, Tyndale'. Vgl. dazu die bemerkung zu I.
AnglU, XII. band. lg
274 sopp,
zeit zwischen Chaueer und Shakespeare (s. Marsh, Lectures on
the English Language, First Series, besonders auch s. 627), das
einen .gewaltigen einfluss auf die englische spräche und lite-
ratur ausgeübt hat, ist sie dazu von grossem philologischem
werte.
Es möchte daher aus mehreren gründen nicht uninteressant
sein, die spräche eines so einflussreichen werkes, auch in bezug
auf ihre äussere form, einmal einer genaueren betrachtung zu
unterziehen.
Was die älteste erhaltene version des N. T. aber für die
geschichte der englischen Orthographie und zur bestimmung der
ausspräche im beginne des 10. Jahrhunderts neben der weiter
unten zu besprechenden tendenz, phonetisch zu schreiben, noch
besonders wertvoll macht, ist der umstand, dass dieselbe, in
Deutschland von leuten gedruckt, die doch wahrscheinlich kein
Englisch verstanden, den uniformierenden einfluss der englischen
drucker in bezug auf Orthographie nicht zu erleiden hatte, und
dass der druck daher Tyudale's manuskript in ziemlich reiner
form darstellen wird.
Dieser Untersuchung liegt zu gründe: The first New Testa-
ment printed in the Euglish language (1525 or 152(3). Trauslated
from the Greek by William Tyndale. Reproduced in facsimile
with an introduction by Francis Fry, F. S.A. Bristol 1862.
Ueber Tyndale's leben bis zu seinem aufenthalte in Deutsch-
land einschliesslich, sowie die beiden ersten drucke seines N. T.
siehe besonders die vorrede zu: The first printed English New
Testament. Trauslated by William Tyndale. Photo-lithographed
from the unique fragment, now in the Greenville Collection,
British Museum. Edited by Edward Arber. London 1871.
Die neueste arbeit über Tyndale's leben bietet das hoch-
interessante buch von Rev. J. I. Mombert, D.D : English Version»
of the Bible. A Hand* Book, with copious examples illustrating
the ancestry and relationship of the scveral versions, and com-
parative tables. London and New- York 1883. Derselbe führt
auch die älteren werke über denselben gegenständ an.
Die frage nach dem druckorte (das titelblatt fehlt in den
erhaltenen exemplareu), als welchen man früher Marburg an-
sehen wollte, entscheidet schon Fry in seiner einleitung. Arber
setzt den leser durch abdruck der auf die frage bezüglichen
dokumente etc. in den stand, sich selbst ein urteil zu bilden.
• . ^j
ZUR ERSTEN NE. BIBELÜBERSETZUNG. 275
Genauer auf die sache einzugehen ist hier nicht der ort. Er-
wähnt möge nur werden, dass Fry und Arber als druckort
für die 4°-ausgabe des N. T. Köln, für die 8°-ausgabe Worms
finden.
Wie eine vergleichung beider drucke lehrt, kann nicht
wol beiden dasselbe manuskript zu gründe gelegen haben. Der
text ist zwar, bis auf ganz geringe abweichungen, in beiden
identisch, und auch die Orthographie ist im ganzen dieselbe;
doch finden sich in jeder zeile einige kleine abweichungen,
wie setzen oder auslassen eines stummen £, Verdoppelung oder
nichtverdoppelung eines vokals oder konsonauten, i in dem
einen druck, wo der andere y hat etc.
Ueber die quellen von Tyndale's N. T., insbesondere Über
die frage, wie weit Luther's bibelübersetzung benutzt wurde,
spricht Mombert a. a. o. s. 93 ff. Eine spezielle Untersuchung
widmet diesem punkte James Loring Cheney: The Sources of
Tindale's New Testament, Auglia VI, 277 ff. Eine kurze liste
jetzt veralteter ausdrücke aus dem N. T. teilt Mombert, a. a. o.
s. 148, mit.
Auskunft über die verschiedenen in Amsterdam erschienenen
'surreptitious editions* des N. T. gibt Fry: Tyndale's Version in
English, with numerous readings etc. London 1878, 4°.
Fry gibt in seiner einleitung auch eine beschreibung der
ausgäbe des N. T. von 1526. Dasselbe hat, ausser einigen
unbedeutenden abweichungen, eine mit der jetzigen überein-
stimmende kapiteleinteilung und Seitenzählung, die aber an
einigen stellen fehlerhaft ist. Obgleich eine einteilung in verse
nicht durchgeführt ist, habe ich eine anführung der belegsteilen
nach kapitel und vers darum für vorteilhafter gehalten, weil
die facsimileausgabe von Fry, nur in 177 exemplaren gedruckt,
die nicht einmal alle in den buchhandel gekommen sind (' more
than 50 copies are specially reserved and appropriated', Fry,
Introd. p. 17), doch nur selten zugänglich sein dürfte, der Zu-
sammenhang der stellen aber in der besser zugänglichen 'Eng-
lish Hexapla'1, welche den späteren, von T. selbst revidierten
text des N. T. enthält, sowie für die evangelien in dem buche
von Bosworth: The Gothic and Auglo-Saxon Gospels with the
versions of Wycliffe and Tyndale in parallel columns. London
Herausgegeben von Bayster, 4°, London 1841.
18*
276 sopp,
1865, welche beide mit der jetzt gebräuchlichen einteilung ver-
gehen sind, nachgesehen werden kann.
Tyndale's Übersetzung enthält eine grosse anzahl von druck-
fehlern, was bei der hast, mit welcher gearbeitet werden uiusste,
ja leicht erklärlich ist. Am Schlüsse des bandes ist ein ver-
zeichniss gedruckt: 'The errours committed in the prentynge\
das aber bei weitem nicht alle druckfehler enthält, andrerseits
fehler anführt, die nicht existieren oder ungenau anführt. Bei
zweifelhaften fällen ist im folgenden auf die möglichkeit, dass
ein druckfehler vorliegt, hingewiesen.
Mit wenigen Worten werde hier an die hauptzüge der eng-
lischen Orthographie vor dem 16. Jahrhundert erinnert.
Die altenglische Schreibung will phonetisch sein und ändert
sich daher von zeit zu zeit. Da jedoch das dem Altenglischen
zu gründe liegende lateinische aiphabet nicht für alle alteng-
lischen laute besondere zeichen enthielt, so war die durchfiih-
rung der absieht von vorneherein unvollkommen.
Seit dem 13. Jahrhundert ändert sich die Orthographie durch
den einfluss von Schreibern, welche des Anglo-Normannischen
kundig waren, bedeutend; doch blieb die Schreibung im wesent-
lichen phonetisch. Die bedeutendste abweichung von dem bis-
herigen system war die beibehaltung des seit der mitte des
15. Jahrhunderts überall verstummten endungs-i in der schritt
Grosse Verwirrung kam in die Orthographie hinein durch das
seit wideraufleben der klassischen Studien aufgekommene be-
streben, 'etymologisch' zu schreiben, d.h. englische Wörter dem
lateinischen oder griechischen original möglichst anzugleichen.
Dass die Schreibung wenigstens der tendenz nach noch phone-
tisch war, wenn auch den grundlagen nach schon längst nicht
mehr, beweist die neueinfUhrung der zeichen ea und oa zur
Unterscheidung der aus offenem me. e und * entstandenen laute
von den aus geschlossenem e und ö entstandenen, welche man
durch ee und oo, konsequent aber erst seit der zweiten hälfte
des 16. Jahrhunderts bezeichnete. In der definitiven fest-
setzung der Orthographie, in den uniformierungsbestrebnngen
der drucker, spielt der zufall, die mode und laune der setzer
eine grosse rolle.1
Skeat
1 Genaueres über die entwickeln^ der englischen Orthographie 8. bei
, Prineiples of English Etymology. Oxford lbb7, Clarendon Press.
ZUR ERSTEN NE. BIBELÜBERSETZUNG. 277
T. folgt unbewu8st beiden prinzipien, dem phonetischen
und etymologisierenden, aber keines führt er konsequent durch.
So erscheinen fremde Wörter bald in alter Schreibung, bald in
'etymologisch verbesserter1 gestalt, und die beiden neuen
zeichen ea und oa (seltener auch ie) werden schon häufig an-
gewendet, wenn auch nicht immer am rechten orte. Oft ist es
nicht möglich zu entscheiden, ob eine vorliegende Schreibung
historisch tiberliefert ist oder nicht, da die gebräuchlichen
Wörterbücher hier nicht selten im stiche lassen. Und selbst
wenn eine orthographische Variante zufällig einmal irgendwo
im Me. belegt ist, so wird meist nicht daran zu denken sein,
dass T. das wort auch in dieser abweichenden schriftgestalt
gekannt und im gedächtniss gehabt habe; sondern man wird
in solchen fällen annehmen müssen, dass er in naiver weise
das ihm vorschwebende lautbild zum ausdruck gebracht und
so oft eine engere Verbindung zwischen laut- und schriftzeichen
hergestellt habe, als die gewöhnliche Orthographie hätte dar-
bieten können. Doch ist das material ein so reichliches, dass
auch nach ausscheidung der zweifelhaften fälle noch genug
zur bestimmung der ausspräche übrig bleibt.
Was die quantität der vokale anbelangt, so wird länge des
vokals zwar ausserordentlich häufig durch doppelschrei bung des-
selben, kürze durch Verdoppelung des folgenden konsonanten
bezeichnet; im einzelnen falle ist sie jedoch nicht mit Sicherheit
zu bestimmen, da nicht gerade selten auch doppelschreibung
für zweifellos kurzen vokal und Verdoppelung des konsonanten
nach langem vokal vorkommt.
Ueber die betonung romanischer worte ist zu bemerken,
dass die starken abschleifungen, welche die früheren roma-
nischen tonvokale in zwei- und mehrsilbigen Wörtern erfahren
haben (man sehe Schreibungen wie certen, marvel, foreners,
leesar, furnes, comen, nurter, socker, faver neben den histo-
rischen certain, marvayle, foreigners, leisure, fornace, common,
nurture, suckour, favour), keinen zweifei darüber lassen, dass
in der gewöhnlichen rede die germanische betonung schon
lange die allein giltige war, obgleich die dichter des 16. Jahr-
hunderts, sogar Spenser noch, häufig die romanische tonsilbe in
romanischen subst. and adj. als reimsilben benutzen; s. Sturm-
fels, Anglia VIII, 205.
Die gefundenen resultate weichen nicht selten von den
278 sopp,
angaben der von EHis * in seinem 0. E. E. P. s. 59 ff. angeführten
grammatikerzeugnisse ab. Dies jedoch, sowie Widersprüche der
orthoepisten untereinander, kann nicht überraschen, muss im
gegentcil ganz selbstverständlich erscheinen.
Man bedenke, dass die ausspräche TVs, obgleich sieher
schon eine weitverbreitete (T. ist geboren in Gloucester, wurde
aber zu Oxford erzogen und lebte eine Zeitlang in Cambridge
und London), nicht ohne weiteres auf das damalige Englisch
überhaupt zu übertragen ist, und dass T. als ein mann, der für
das volk schrieb2, wol eine fortgeschrittene ausspräche dar-
stellen kann, die erst weit später allgemeine giltigkeit erlangte.
Dazu kommt, dass jene orthoepisten nicht einfach tatsachen be-
richten, sondern teilweise von dem pedantischen Standpunkte,
eine musteraussprache lehren zu wollen, schreiben. Uebrigens
scheint es ja selbst heutzutage nicht in allen fällen ausgemacht,
was als die 'korrekte' englische ausspräche zu gelten hat —
Und wie viel mehr als heutzutage wird damals noch die Um-
gangssprache auch der gebildeten von dialektischen eigentüm-
lichkeiten beeinfiusst worden sein.
Die zeichen und laute bei T. sind auf das Me. zurück-
geführt worden; nur wo es nötig schien, sind auch die ae.
formen herangezogen worden. Hierfür ist Chaucer's spräche zu
gründe gelegt worden, im anschluss an ten Brink, Chaucer's
Sprache und Verskunst, Leipzig 1884, ohne dass damit natür-
lich gesagt sein soll, dass die einzelnen formen bei T. direkt
auf Chaucer zurückgingen. Geordnet ist zunächst nach deu
1 EHis, On Early English Pronunciation, with especial reference to
Shakespeare and Chaucer etc. Publ. for the Early English Text Society.
London 1S07, 1869, 1S71, 1674.
3 Man vergleiche hierzu, was T. im jähre 15*20 in der hitze des ge-
sprächs einem römischen geistlichen sagte: 'If (Jod spare my lifo, ero
many years I will cause a boy that driveth the plough to know morc
of the Script ure than you do\ Angeführt unter anderm von Mouibert
a. a. o. s. TS ii. lu;. Suchte er vielleicht dies versprechen einzulösen, als
er fünfzehn jähre später, vom gefängniss zu Vilvorde aus, ein X. T. mit
ganz eigentümlicher Orthographie veröffentlichte? (Mombert teilt beispiele
dafiir mit, a. a o. s. 137). War diese ausgäbe vielleicht für englische Dauern
berechnet, und suchte T. deren dialekt darzustellen V Freilich würde, wie
Mombert s. 137 bemerkt, die spräche dadurch nicht klarer geworden sein
für die bauern. Per grund, welchen Weseott und Eadic für die merk-
würdige Schreibung angeben (Mombert s. 137), dass 'the Hat diphthongal
orthography was due to the copy being read to a Flemish eompositor
who did not know English' ist wenig einleuchtend. Eine solche tätig-
keit des setzers scheint doch höchstens denkbar, wenn derselbe Englisch
verstand.
ZUR ERSTEN NE. BIBELÜBERSETZUNG. 279
zeichen bei T. Unter jedem ist angegeben, welchen me. werten
es entspricht. Es folgt dann aufzählung und besprechung der ver-
schiedenen Vertreter, die sich neben dem gewöhnlichen zeichen
fttr den betreffenden me. laut bei T. finden, und endlich das, was
sich aus der Schreibung etwa für die ausspräche ergibt.
A.
A bei T. entspricht:
1. Me. ä.
Z. b. after he hadde M II, 3, all M I, 17, also M I, 1, thou
shalt call M I, 21, he talketh A X, 27, warne them Tit III, 1,
calves Hebr IX, 19, halffe Rev XI, 11 u. s. w.
Dafür tritt ein:
au einige male vor 1 + kons.: caidves Hebr IX, 12, caulfe
L XV, 23, 27, /// dayes and an haulfe Rev XI, 9, L XIX, 8;
vor r + kons.: chaurge M IX, 30, A IV, 17. Historisch ist die
Schreibung au bei keinem der angeführten Wörter. Ueber die
ausspräche s. unter Au.
e selten in betonter silbe: feddoms (= fathoms) A XXVII, 28,
beslards Hebr XII, 8, meny J I, 12, hed spoken J XI, 43 (hed
ist hier allerdings satzunbetont). Zuweilen auch vor r + kons,
in Wörtern, die me. nur a haben: her de (heried) R IX, 18, her-
den (not your her t es) Hebr 1H, 15, an her de saylnge J VI, 60, per-
don mehrmals in der am ende des bandes angehängten anrede
4To the Reader \
In unbetonter silbe tritt e häufiger statt a ein, z. b. embas-
seatours L XIV, 32, Hebr HI, 1, ieoperded A XV, 26, seperate
1 Tim VI, 5, vnreasoneble A XXV, 27 u. s. w.
An sonstigen Vertretern kommen ausnahmsweise noch vor:
o in olso Co II, 13, domage A XXVII, 10. Im erstem falle
steht o statt des häufigeren au, im zweiten liegt wol an-
gleich ung an die französische form vor. In unbetonter silbe:
obout M XXI, 33, musicions Rev XVIII, 22, saboth M XII, 2,
sabot M XII, 1 u. o., visicion M IX, 12; das wort kommt in
dieser Schreibung auch im Me. vor. Bei T. hat es immer die
jetzige bedeutung, während es nach Skeat, E.D.1 zu Cotgrave's
1 Skeat, An Etymological Dictionary of the English Language. II. ed.
Oxford, Clarendon Press, 18S4.
280 sopp,
zeit a more 'learned' meaning hatte und 'a naturall philosopher'
bedeutete.
i einmal in testiment Rev ende. Schwanken zwischen a
und e wie im Me. zeigen lo wax und to wash. So steht z. b.
a: waxe Ma XIV, 33, wasshed A XVI, 33;
e: wexed derke Rev XVI, 10, wesshe L VII, 38.
Das mehrmalige eintreten von e für historisches a (einmal
findet sich auch a für e in betonter silbe, s. E 1) dürfte be-
weisen, dass ä schon keinen reinen a-laut mehr, sondern einen
zwischen a und e liegenden, einen se-laut bezeichnete.1 Die
von Ellis in seinem 0. E. E. P. angeführten orthoepisten geben
allerdings einen andern lautwert an. Nach ihnen schreibt Ellis
kurzem und langem a für das 16. Jahrhundert noch reinen a-laut
zu, der gegen ende der periode einen helleren klang erhielt
(a. a. o. s. 65). Palsgrave's worte sind (s. 59): 'The soundyng
of a, whiche is most generally vsed through out the frenche
tonge, is such as we vse with vs, where the best euglysshe
is spoken, whiche is lyke as the Italians sounde a, or they
with vs, that pronounce the latine tonge aryght'. Ellis fügt
hinzu: 4The reference to Latin, as pronounced "aryght" ought
to imply the existence of an other English pronunciation in
common use, which was not a. This wrong pronunciation we
have no means of eliciting'. Die 'falsche' ausspräche muss
aber doch jedenfalls zwischen a und e liegen; denn ä hatte
das bestreben, palatal zu werden2, und der umstand, dass
leute, welche Latein sprechen, die ' falsche' ausspräche haben,
beweist, dass dieselbe nicht nur eine dialektische eigentüm-
lichkeit gewesen sein kann, sondern in derselben gesellschaft
neben der andern ausspräche bestand, in ungezwungener Unter-
haltung vielleicht die gewöhnliche war. Sweet, der sich in der
1 e als Vertreter für a kommt allerdings cur vor d, n und s vor
(ausserdem vor r, wo es sich aber in anderer richtung weiter entwickelt
hat), also vor dentalen. Da sich aber zeigt, dass ä und ä qualitativ nicht
merklich verschieden gewesen sein können, und ä jedenfalls einen »-laut
bezeichnete, da ausserdem die gleichzeitigen orthoepisten eine von der
gewöhnlichen verschiedene ausspräche des ä vor dentalen nicht kennen,
so ist wol die obige annähme einer mehr palatalcn ausspräche für sämmt-
liche ä gerechtfertigt.
2 Nach Hoofe, Engl. Stud. VIII, s. 209 ff., der hier eine ansieht von
Möller vertritt, hätte, entgegen der ansieht von Ellis und Sweet, ae» &
seinen lautwert im Ne. behalten und ao. ä wäre zu tv geworden, so dass
also der ne. a?-laut direkt aus dem Ae. stammen würde. Vgl. hierzu
Fischer, Anglia XI, 17ü.
ZUR ERSTEN NE. BIBELÜBERSETZUNG. 281
ersten aufläge von A H. of E. S. an Ellis anschliesst, kommt in
der zweiten1 zu dem Schlüsse: lOn the whole it seems safest
to assume that f. Mn. (1500 — 1600) a had been fronted, — cer-
tainly as far as (a in dän. mane), and probably as far as oe —
in the London dialect, bat that the tradition of the older a
(wie in father) was still kept up by the influx of provincial
Speakers, so that the two sounds really existed side by side'
(a. a. o. s. 211).
Einen ae-laut muss T. auch in den angeführten Wörtern
vor r + kons, gesprochen haben. Vorhergehendes w übt auf
die ausspräche des a noch keinen einfluss aus, wogegen vor
/ + kons, modifikation des lautes stattfindet. S. Au 1.
2. Me. ä.
Z. b. to take M I, 20, shall save M I, 21, water M III, 11,
name M I, 21, father M III, 9, translate A VII, 43 u. s. w.
In unbetonter silbe: bondage R VII, 6, linage L II, 4, tres-
paseth L XI, 4, fornace Rev I, 15; daneben auch furnes M
XXIII, 42, 50. Ausnahmsweise tritt für hochbetontes ä ein:
ay in prepayred 2 Tim II, 21;
ea in bad them feare rvele A XXVIII, 21.
Kurzes und langes a können qualitativ nicht wesentlich
von einander verschieden gewesen sein. Es ist also auch für
ä ein ae-laut anzusetzen, auf den auch die Schreibungen ay und
ea für a, sowie von a für ai und den aus me. £ entstandenen
laut hindeuten ; s. Ai 2 und E 4. Die genauere nüance dieses
lautes aus den Schreibungen festzustellen, ist nicht möglich.
Von vorneherein ist eigentlich zu erwarten, dass er nicht so
weit nach e hin liegt, als die eben erwähnten Verhältnisse
anzudeuten scheinen.
3. Me. e vor r + kons., für das auch schon im Me. zuweilen
a eintritt T. braucht hier a und e promiscue.
a: darcknes L I, 79, darknes Ma XV, 33 u. o., harvest L X, 2,
hath sparsed 2 C IX, 9, marvelous 2 Tes 1, 10, garlonds A XIV, 13,
no marvayle 2 C XI, 14, marchaunt M XIII, 45, parfect Hebr V,14,
partayne Hebr X, 39, parson Co II, 1 (ne. person) u. s. w.
e: derknes M IV, 16. VI, 23, hervest M IX, 37, derlinge M
1 Sweet, A Ilistory of English Sounds from the Earliest Period with
fuü worcl-lists. Oxford, Clarendon Press, 1888.
282 sopp,
XII, 13, ferme L XIV, 18, herberous Tit 1, 8, mervelous M XXI, 42,
perfaict 1 C I, 10, person 1 C XII, 17.
Anm. In Wörtern, welche auf r nach betontem vokal auslauten, steht
nur (i, z. 1). starre M II, 2, farre M XV, S. XXVI, 58, worr«? Ma XIII, 7.
In unbetonter and ableitungssilbe wechselt ebenfalls a
mit e. Die festsetzung des gebrauchs in der Schreibung eines
hierhergehörigen Wortes seit dem 17. Jahrhundert beruht auf
blossem zufall.
a: abusars 1 C VI, 9, bryars Hebr VI, 8, desart Hebr III, 17,
diligmtliar Ph II, 28, evylldoars L XXIII, 33, easiar M XI, 24,
lawears L XI, 45, quartars Tes I, 8, sorserar A XIII, 8 u.s.w.
e: alters 11X1,3, begger L XVI, 20, ioylers M XVIII, 34, par-
ticulerly Hebr IX, 5, singuler M V, 47, veneger L XXIII, 36 u. s. w.
Das rae. e vor r + kons. in betonter silbe, auf dem wege
zum reinen a-laute, muss bei T. einen, vielleicht mit dem aus
nie. ä entstandenen identischen aj-laut gehabt haben. Von der
im jetzigen Englisch hervorgetretenen Spaltung dieses lautes in
romanischen Wörtern (garland, marvei, sergeant etc. mit aa
(Sweet), person, merchant etc. mit 9d) findet sich noch keine
andeutung. Ueber die erwähnte erscheinung siehe Sturmfels,
Auglia VIII, 245. Nach der Schreibung zu urteilen, scheint der
vokal in Wörtern wie star u. s. w. schon weiter nach a hin
fortgeschritten zu sein, da es bei dem häufigen vorkommen
dieser Wörter wol nicht zufällig sein kann, dass sie nie mit e
geschrieben werden.
In unbetonter silbe muss ebenfalls zwischenlaut zwischen
a und e gesprochen worden sein.
Ai, Ei, bezw. Ay, Ey. (S. die bemerkung zu I.)
Obgleich bei Chaucer die beiden zeichen ai und ei (bezw. ay
und cy) schon nicht mehr scharf auseinander gehalten werden
und in der ausspräche jedenfalls schon zusammengefallen waren
(s. teu Hriuk § 10), so scheide ich im folgenden doch zwischen
ursprünglichem ai und ei, da sich so am besten zeigen wird,
dass für die spräche T/s von einer Scheidung der ausspräche
von ai und ei, welche von einigen orthoepisten der zeit (Ellis,
0. E. E. l\ s. lls ff.) verlangt wird, keine rede sein kann.
Ai und ei werden ohne unterschied zur bezeichnnng des
aus ai und ei entstandenen lautes gebraucht.
Ai (ay) entspricht:
ZUR ERSTEN NE. BIBELÜBERSETZUNG. 283
1. altem ai, meist aus ae. ce%, in frz. Wörtern ai, entstanden,
z. b. daye A 1, 1, chaynes A XII, 6, kayes R 1, 18, ae. kceg, kcege.
Das wort scheint damals noch nicht in der ausspräche von
den Wörtern abgewichen zu sein, mit denen es ursprünglich
gleichen vokal hatte, wie day aus dag. slayne A XII, 52, saynts
R VIII, 27, Sainct John J XX, ende, u. s. w.
In unbetonter silbe: a Romain M XXII, 25, captayne A
XXIII, 17, to counterfaite 1 C IV, 16, me. countrefet, counter-
faited Tes I, 6 u. s. w.
Derselbe laut wird häufig durch ei ausgedrückt, z. b.: the
cheynes A XII, 7, many deyes A XVI, 18, fallen in dekey A XV, 16,
reyment M XXVII, 31, sley A XI, 7 u. s. w.
In unbetonter silbe: chamberlein A XII, 20, she traveylelh
J XVI, 21 u. s. w.
Als Vertreter für dieses zeichen kommen vor
a: sanctes R I, 7. XV, 26, sancts R XXV, 31, 1 C VI, 1,
Romans A XVI, 37. Diese formen sind wol auf rechuung der
etymologisierenden Schreibung zu setzen, the travallynge Th
V, 3, travallinge Rev XII, 2.
e: a man slear 1 Joh III, 15, to slee A IX, 29, Rev IX, 15,
me. sleen, slee, ae. slian, slagan; travelest G IV, 27.
Unbetont: counterfet Hebr XIII, 7.
oy: ioylers M XVIII, 34, ioylar L XII, 58, ioyler A XVI, 23.
Chaucer hat gailer. Die ne. form gaol, auf afrz. gaole zurück-
gehend, kommt bei T. noch nicht vor. Phonetisch ist das
zeichen oi bei T. wol kaum gemeint.
2. altem ei, z. b.: againe Ma II, 1, against J XIII, 29, the
ayghth Rev XVII, 11, contayned Hebr II, 15, consaytes R XI, 25
(vgl. zu dem betonten vokal in diesem worte Sturmfels, Anglia
VIII, 251), fayne L XX, 20, fayned things L XXIV, 11, laye
hnndes Tim V, 22, laye A XXVI, 5, G I, 14 = lawe, religion,
kommt nach Kitchin, Spencer's Faery Queen II, 271 in dieser
form auch bei Chaucer vor. Nach Morris und Skeat, Sp. of
E. E.1 wahrscheinlich von frz. lei, rather than the cognate as.
lagu; raigne L III, 1 (me. regne), rayne M II, 22, Ma X, 42,
strayghtrvaye Ma I, 18, thaye be Co III, 15, vayle Hebr VI, 19,
tvayght J XIX, 39, 2 C IV, 17, awaye Ma VI, 45 u. s. w.
1 Morris and Skeat, Specimens of Early English; with Introdnction,
Notes and Glossarical Index. Oxford, Clarendon Press, 1873.
284 sopp,
In unbetonter silbe: certain Ma XIV, 57, counsayle M
XXVII, 1, Hebr VI, 17, no marvayle 2 C XI, 14, marvayle nott
J III, 7. V, 28 a perfaicte man (bei Chaucer parfit und perfit)
A XI, 24, R XII, 2, per faxt 2 C VIII, 8. XII, 9. Auch bei diesem
worte hat die etymologische Schreibung, wie in so vielen andern
fallen, auf die ausspräche eingewirkt.
Fast ebenso oft wird dieser laut durch ei bezeichnet, z. b.:
ageyne M II, 12. XII, 44, ageynste Ma III, 24, M XVI, 18 u. o.,
conteynynge A I, 12, deyntie Rev XVIII, 14, feyth Tim VI, 10,
leyde Ma XIV, 46, leyd L III, 9, 20, maynteyners M V, 7, or-
deined Ma III, 14, perteyned L V, 3, preysed M VI, 2, reyment
M XXVII, 31, reyse Ma XII, 19, receypte Ma II, 14, reygned
Rev XX, 4, L III, 8, streight waye A IX, 20, their (nie mit ai)
M IV, 20 u. o., der bedeutung nach me. here, hir entsprechend,
formen, die bei T. nicht mehr vorkommen; uwey Ma VI, 46.
Unbetont: certeyne M IX, 3, Ma II, 5, counseill A V, 34, they
tnarveylled A IV, 13, fherveyle Ma V, 20, murveylously M II, 10
u. 8. w. Ueber die tonlose silbe in diesen Wörtern im Me. s.
Sturmfels, Anglia VIII, 259.
Als Vertreter dafür kommen vor
a: agane M XVII, 26, Ma X, 34, L XVII, 18, fath 1 Th
III, 5, percaved A XXIII, 6, we saled A XXVII, 7. Sehr häufig
wird einfaches a statt ai geschrieben vor der participialendung
-big, z. b. sainge M I, 20, saynge M I, 22. II, 2. VIII, 13, betra-
ynge M XXVII, 4 u. s. w. Regelmässig mit ai, z. b. sayinge M
XIII, 3. XVI, 7, 13.
ae: we despaered 2 C I, 8, saeth L III, 4.
e: agenst M XII, 25, 26. XV, 4. XVIII, 15, agenste M
XXVII, 61, L XVII, 4, lefull M XII, 12, or den 1 C VII, 17, or-
dened L XIV, 16, A X, 41, in there season L I, 20, ffor there
moche bablyngs sake M VI, 7, shulde desceve Rev XIX, 3, / re-
ceve J V, 41, A IX, 17.
Unbetont: certente L I, 4, certen A XI, 5, foreners E II, 19,
marvelled J IV, 27, mone Ma XII, 16, perfct Co III, 12, vnpar-
fectly 1 C XIII, 12.
ea: despeare z. 10 der anrede T. t R., realings 1 Tim VI, 4^
conceaved M I, 20, perceaved Ma II, 8, ieasur Ma VI, 81.
ee: leesar Ma III, 20.
oy: broyded heare 1 Petr 111,3, me. braiden, breiden, ae.
bregdan.
ZUR ERSTEN NE. BIBELÜBERSETZUNG. 285
y: agynste M X, 21, iornyed L X, 33, me. iornee, jorneie,
had lyne J XI, 17. Vielleicht liegen hier druckfehler vor. Die
Schreibungen pryer M XVII, 21, pryeth 1 C XI, 5, me. preien,
afrz. preier, sind wol durch das nfrz.prier veranlasst.
Die orthoepisten des 16. Jahrhunderts (Ellis, 0. E. E. P.
s. 118 ff.) verlangen eine deutliche diphthongische ausspräche
von ai und ei. Nur Hart (1569) gibt als ausspräche langes e an
und erwähnt ai und ei nicht unter seinen diphthongen. Ellis
kommt (a. a. o. s. 124) zu dem Schlüsse, dass zu ende des Jahr-
hunderts die ausspräche ee die allgemeine war, cthough some
Speakers insisted on pronouncing ai\
Das nicht seltene eintreten von a, e und ea für ai und ei,
sowie dieser zeichen flir a und den aus me. f entstandenen
laut (s. A 2 und E 4) beweist einerseits, dass T. einen auf dem
wege zur monophthongierung schon weit fortgeschrittenen, von
einem monophthongen kaum zu unterscheidenden laut, viel-
leicht schon einfachen vokal sprach, und anderseits, dass der-
selbe ein %-laut gewesen oder, wenn noch diphthongisch, einem
solchen doch sehr nahe gekommen sein muss. There und their,
adv. und pron., lauteten schon gleich.
In der zweiten silbe von certain, marvayle, conseil u. s. w.
wurde wahrscheinlich schon, neben der volleren ausspräche
(wie bei den gleichzeitigen dichtem), auch unbestimmter vokal
gesprochen.
Au, Aw. (S. die bemerkung zu U.)
Au (aw) entspricht:
1. Me. au in romanischen Wörtern vor mb, nc, ng, nd, nt, mit
a wechselnd. Nach ten Brink § 70 bezeichnete dasselbe wahr-
scheinlich einen dunkeln a-laut, nach Ellis jedoch einen diph-
thong au. Sturmfels, Anglia VIII, 239 will ein ' dunkles a mit
fakultativ nachhallendem kurzem und flüchtigem u' sprechen.
Auch bei T. herrscht schwanken in der Schreibung, so jedoch,
dass au noch bedeutend überwiegt.
au: rvhat avauntageth R III, 1, the braunches R XI, 16 u. o.,
it chaunsed A IV, 5, commaundement L XXIII, 56, daunger Tit
III, 3, daunsed M XI, 17, gravnte Rev III, 21, haunted J XI, 54,
launched forth A XXI, 1, raunsom 1 Tim II, 6, strawngers A
XIII, 17 u. s. w.
In unbetonter silbe: abundaunce M VII, 27, acquayntaunce
286 sopp,
L XXIII, 49, aperaunce J VII, 24, countenaunce M XXVIII, 3,
ignoraunce A 111, 17, marchaunt M XIII, 45, remnaunt R IX, 27,
servaunt M VIII. 8, tyraunt Tim I, 13 u. 8. w.
a: changed L IX, 29, /Äe changers money J II, 15, comman-
dements Ma VII, 7, lanched L VIII, 22, A XXVII, 4, maw^r L
II, 7, strangers E II, 19, a stranger A VII, 29 u. s. w.
In unbetonter silbe: aboundant 2 C VII, 15. XI, 23 ignorant
1 C XIV, 38, ignoraacy E IV, 18, 1 Petr I, 14, inquyrance A
X, 17, sufferance R 11, 4, temper ancy 6 V, 23 u. 8. w.
2. Mc. aw, das wie ai aus verschiedenen älteren lauten
entstanden ist; z. b.: bratvlings Tit III, 9, daunynge Ma XIII, 35,
/7«/r£ ö^* wynde A XXVII, 14, /ö /a/rrfe L XIX, 37, lawght Ma
V, 40, lauf ull Ma III, 4, satve L VIII, 28, taught L XX, 1 u. s. w.
Ein Vertreter für dieses zeichen kommt nicht vor; es ist
somit das einzige, welches konsequent gebraucht wird.
Nach den Zeugnissen der orthoepisten schreiben Ellis und
Sweet filr das IG. Jahrhundert dem unter 1. und 2. besprochenen
au den diphthongischen lautwert au zu. Denselben laut soll auch
a (au) vor / + kons, gehabt haben. Für den aus me. diphthong
au entstandenen laut scheint diese ausspräche gewiss. Anders
für die mit a wechselnden au. Die Schreibungen olso statt
also (aulso) und saufte für soft (s. unter 0 2) sind zwar zu ver-
einzelt, als dass man aus ihnen einen schluss auf eine monoph-
thongische ausspräche des mit a wechselnden au ziehen dürfte.
Die zweimalige Schreibung au in Charge, wo au doch wol nur
dazu dienen kann, anzudeuten, dass hier vor r nicht der ge-
wöhnliche a)-laut des a gesprochen werden soll, berechtigt aber
vielleicht doch, zusammen mit den obigen formen, zu der an-
nähme, dass T. in diesen fällen nicht wirklichen diphthong,
sondern einen von reinem a nur wenig verschiedenen dunklern
a-laut gesprochen habe, ein laut, der sonst bei T. ganz fehlen
würde. Man mtisste in diesem falle allerdings annehmen, dass
entweder zwei aussprachen nebeneinander bestanden, oder dass
sich die orthoepisten bei ihren angaben durch das Schriftbild
haben bestimmen lassen, wie das ja auch jedenfalls bei ihren
angaben über ei und ai geschehen ist.
Anm. Uebcr die ausspräche des au in romanischen Wörtern vor
nge bemerkt Ellis I, s. 190: 'In the combination nge% although we have
the m inserted in Chancers tinie, a peculiar thinness seems to have been
introduced by the yc, for Salesbury gives Oranges, oreintsys, and Butler
ZUR ERSTEN NE. BIBELÜBERSETZUNG. 287
says that before nge, a is pronounced as ai, or occasionally (ce\ as in
change, ränge, danger, stranger, words which retain the evidence of this
pronunciation in the modern form7. Ob dies auch für T. gilt, scheint
zweifelhaft.
E.
E bei T. entspricht:
1. Me. e, z. b.: bredth and length E III, 18, brest L XVIII, 13,
densed L VII, 22, erth M V, 5, 13, helth A XIII, 26, to herken
A XII, 13, hert M XIII, 15, hedlynge Ma V, 13, lernynge Rev
II, 24, left L XI, 42 (im Me. neben lefte und left auch lafte
und laft), is redde 2 C III, 15, selves M XII, 34, serched Ma
VI, 38, shepherds Hebr XIII, 20, when he was sei M V, 1, rvelth
R XIII, 4, the vermen A XXVIII, 5, pl. von worin, wie im Ne.
neben tvormes] then M III, 11, L X, 12, 14 u. o.; schon im Me.
schwankt der gebrauch in der anwendung von ihenne und
thonne, die beide ohne unterschied in der bedeutung tum und
quam gebraucht werden. Bei T. steht immer then in beiden
bedeutungen.
Das ne. any, für das -sich me. die formen cenig, ceni, ani,
oni, etü finden (vokalquantität schwebend nach t. Br.) erscheint
bei T. fast immer als eng, so M V, 23, 40. VII, 9 u. o. T. sprach
also den betonten vokal jedenfalls als e, während Bullokar
(1580) die ausspräche ani gibt. Ellis, 0. E. E. P. s. 881.
Me. shutten, shitten, shelten, ae. scyttan, erscheint meist mit
e, z. b.: shet M XXV, 10, L IV, 25, shetteth vppe 1 Joh III, 17,
shett L XIII, 25. Daneben kommt es aber auch mit u vor: shutt
J XX, 19, shut A V, 23. Cheke 1550 (Ellis, 0. E. E. P. s. 903)
gibt als ausspräche schit. Es scheinen also damals noch meh-
rere aussprachen nebeneinander bestanden zu haben.
Sehr häufig wird auch ea für diesen laut geschrieben, z. b.:
he ceased L XX, 11, me. cessen. T. scheint schon langen vokal
gesprochen zu haben, dealte L II, 48, R XII, 3, earbes R XIV, 2,
health 2 C VI, 2, A III, 16, hearde L X, 24. XII, 3, ieamynge R
XV, 4, / meante 1 C V, 10, meant L IX, 45, A X, 17, me. mente,
menl (bei Chaucer gewöhnlich) neben moende, tuende, mened,
preace Ma II, 4. V, 27, L V, 19, preased Ma III, 10, L V, 1, me.
pressen, searche J V, 39, treaspases M VI, 12. XVIII, 35, stvearde
M X, 34, srveardes M XXVI, 47 u. s. w.
Von sonstigen Vertretern kommen vor:
a vor r: the toune clarke A XIX, 35, / harde Rev XV, 1.
288 sopp,
XII, 10, harken Jam II, 5, harkened A V, 37, harts 2 C III, 15,
parelous 2 Tim III, 1, parrels 2 C XI, 26, parell R VIII, 35.
Ausserdem traspaseth L XI, 4. T. scheint also in den ange-
führten Wörtern vor r einen ae-laut gesprochen zu haben.
ee ziemlich häufig. Dies zeichen für kurzen vokal ist
auffällig. Doch zeigt sich auch sonst Vorliebe flir doppel-
schreibungen: beed Rev 11,22, beedds Ma VI, 55, deepth Ma
IV, 5, heerd M VIII, 31, Ma V, 11, fleed Rev XII, 6, M VIII, 33,
lecd L XXI, 24, leefl L XX, 31 (verb), neet M IV, 18, peersed
htm Rev I, 7, is seet 1 C X, 27, sheed L XI, 50, theefte MXV, 19,
weept L VIII, 52 u. s. w. Es wird ee also sowol bei folgendem
stimmhaftem als stimmlosem konsonant geschrieben.
ey einmal in streyngthe (strength) 1 C XV, 56.
i sehr oft: benivolence 2 C VIII, 6, cuppe of blessinge which
we blysse 1 C X, 16, blyssynge Rev V, 12, blyssinge Rev V, 13,
to blysse A III, 26. Vielleicht liegt bei diesen Wörtern eine Ver-
wechselung mit me. b/is, ne. bliss vor. lyft M XX, 23, lifte M
XX, 21. Das wort (adj.) kommt auch schon me. in dieser form
vor. br Uhren Ma III, 31, silfe M V, 24, 33. IX, 21, thysüf M
VIII, 4, thysylfe M IV, 6, sylfe M XII, 25, trimblynge L VIII, 47,
(rymblynge 2 C VII, 15, tvhither we tvake Tes V, 10, rvhilher he be
J IX, 25, whyther M XXVII, 49, lypper M XI, 5, vyssels M XXV, 4.
Statt des gewöhnlichen her kommt auch noch historisches
hyr vor: L II, 19, Rev XVI, 19.
Noch weit häufiger steht i statt e in unbetonter silbe, be-
sonders in der Substantiv- und verbalflexion, z. b.: intreated A
XII, 19, insample 2 Tes III, 9 (gewöhnlich ensample\ mchant-
ment Rev XVIII, 23, to inioyne A XV, 5, bitrvixt A XXVII, 33,
bitwene L XI, 51, disceaved J VII, 47, diffyle Ma VII, 15, enimys
L 1, 71, opyn Rev XII, 2, chosyn A XV, 22, evyn Rev II, 13,
eatyn A XII, 23, spokyn L II, 34, hevin (heaven) Ma XI, 30,
hevyn A XI, 5, lynnyn clothe A XI, 5, hondis L I, 71, jewis Ma
XV, 26, placis A XXIV, 3, agreith A XV, 15, ceasith A VI, 1»,
drarvith L XXI, 28, apperyd A IX, 17, namyd A IX, 33 u. B.w.
Aus dem Wechsel von e und / in den flexionssilben es und ed,
der auch im Me. häufig ist, ist wol zu entnehmen, dass der un-
betonte vokal hier noch in weiterem umfange gesprochen wurde
als heutzutage. Dasselbe gilt von der endungssilbe -en.
o: folow M XVIII, 33, folowe L XXIII, 2 (me.felawe, ne.
fellotv), throsshelh IC IX, 10, forvent 2 C VII, 11, bro Ihren
ZUR ERSTEN NE. BIBELÜBERSETZUNG. 289
J XX, 17. Hier steht o in analogie zum sing., in folow viel-
leicht durch das o der zweiten silbe veranlasst. In forvent
könnte es vielleicht schon eine besondere ausspräche des e vor
r + kons, bezeichnen. Historisches e fehlt einmal in unbetonter
silbe vor r: emprour A XI, 28.
e in geschlossener silbe wird denselben laut gehabt haben
wie im Me. und Ne. Das häufige eintreten von i für dieses e
(8. auch I 1) beweist, dass die tendenz, e wie i zu sprechen,
welche Ellis, 0. E. E. P. s. 976, aus reimen und Wortspielen
Shakespeare's konstatiert und die nach ihm im 17. und 18.
Jahrhundert allgemein wurde, schon im anfange des 16. Jahr-
hunderts vorhanden war.
2. Me. £, das mit a vor r + kons, wechselt, s. unter A 3.
3. Me. e. Die bezeichnung des dem me. e entsprechenden
lautes schwankt zwischen e, ea und ee. Am häufigsten ist e\
einzelne Wörter haben jedoch meist ea, andere meist ee, wol
daher, weil bei der häufigkeit ihres Vorkommens die einmal
gebrauchte form dem Schreiber im gedächtniss blieb. Bemerkt
mag jedoch werden, dass ee vor r nur in einem worte häufig
vorkommt, in heer, ne. hair, und dass ea vor r doch schon öfter
erscheint als in anderer Stellung.
e: agre M V, 25, / beseche ß XII, 1, bene M XI, 21, apered
M I, 20, cleve M XIX, 5, dere children E V, 1, excede M V, 20,
beleve M IX, 28, felde M VI, 28, fende Ma V, 15, to esteme R
XII, 3 (scheint im Me. noch nicht vorzukommen), feie A XVII, 27,
gretynge A XV, 23, greve Ma XIV, 6, hede M XVI, 6, hele J
XIII, 18, kneled M II, 11, meke M XI, 29, neded M XXVI, 8,
pece L XXIV, 42, preste M VIII, 4, repest L XIX, 21, the shelde
E VI, 16, swete Ma XIV, 12, a grete shete A X, 11, I speke frely
A XXVI, 26, on Ire A V, 30, ihre M XII, 40, teth M XII, 42,
theves M VI, 19, vnbelef M XIII, 58, wepynge M II, 18, yelde Ma
IV, 8 u. s. w.
ea: chear M XIV, 27, cheare L XV, 24, J XVI, 33, cleaveth
L X, 11, deare fr ende A I, 1, deare children J XIII, 33, diseases
M IV, 23, healed M IV, 23, heare (= here) M XII, 42, J XV, 8
u. o., hearers E IV, 29, feadynge L VIII, 32, preached M III, 1
to preach M IV, 17, neadeth R XVI, 2, nead M VI, 8, proceade
Ma VII, 21, proceade th M IV, 4, teachyng M IV, 23 u. 8. w.
ee: betieelh Ma XIV, 66, decreed 1 C VII, 37, decrees A XVI,
4, 21, free man Rev VI, 15, knees L V, 8, R XII, 4, E HI, 14,
Angll», XU. band. 19
290 sopp,
recpe 1 C IX, 11, 6 VI, 7, reep M VI, 26, he seeth J XII, 45,
tree L XVII, 6, trees L III, 9, J XII, 13 u. s. w.
Ausnahmsweise steht
a: apparence 2 Th II, 8, 2 C X, 7. Hier wird etymologi-
sierende Schreibung vorliegen, da der annähme, das folgende r
habe hier den vorhergehenden vokal beeinflusst. die Schreibung
des wortes mit ie widerstreitet. Unerklärlich ist a in exadynge
tempest A XXVII, 18.
ai, ei: pharisayes A XXVI, 5, pharisais A XXIII, 9, pharisey
A V, 34. Wycliff hat farisee, eine form, die auch bei T. häufig
ist. Es ist also wol angleichung an die griechische form erstrebt
threy tymes A XI, 10, eine auffällige Schreibung, besonders ver-
glichen mit dem folgenden für me. e eintretenden zeichen.
ie: appiered Ma XVI, 12, do not apiere Rev III, 18, biestes
Rev IV, 6. In der Rev wird dies wort fast immer mit ie ge-
schrieben, während sonst formen mit e, ea, ee vorkommen, wie
bestes Rev V, 8, beastes A X, 12, beestes Rev IV, 9. Me. lautet
das wort beste (geschrieben auch beast, beest, s. Sturmfels, Anglia
VIII, 245) mit schwebendem vokal, ftever A XXVIII, 8 (auch
einmal fiver Ma I, 30; Sturmfels, a. a. o. s. 249, nimmt irrtüm-
licherweise an, der betonte vokal in diesem worte sei e im Ne.).
/ steht auch zuweilen in städtenamen auf gr. ia statt des ge-
wöhnlichen ea, z. b. Laodicia Rev III, 14, Cesaria A X, 20.
An m. Me. pepte, für das sich auch poeple, pup/e findet, erscheint
gewöhnlich als pepfe, so M VII, 28. XIV, 22. XXVII, 15; daneben aber
auch peopte M V, 1, L I, 17. III, 7 und einmal poeple Rev XXII, 2. Statt
der zu erwartenden formen von to ftee finden sich häufig solche von to fly.
Schon im Ae. fand vielfach Vermischung der formen beider verba statt
(8. Mätzner I, 406), wie sich dieselbe ja auch noch im Ne. findet. Eine
lautliche erscheinung liegt also nicht vor.
Das zeichen ie, das bei T. nur ganz vereinzelt vorkommt, wird erat
im 17. jh. gebräuchlich (s. Ellis, 0. £. £. P. 104) und hat sich aus dieser
zeit rein zufällig, wie es scheint, in einer anzahl von Wörtern erhalten,
während in anderen das ältere ee sich behauptet hat. Historisch be-
rechtigt ist also ne. ie nicht. Die im Ae. vorkommenden ie hatten eine
andere funktion.
Aus der allerdings alleinstehenden Schreibung byn L XVI, 11 darf
geschlossen werden, dass hier schon klirzung des me. langen vokals ein*
getreten ist (Sweet gibt als jetzige Londoner ausspräche bijn an).
Ueber die ausspräche s. unter 4.
4. Me. f. Neben e wird auch dieser laut oft durch ea
und ee gegeben.
■. «-
ZUR ERSTEN NE. BIBELÜBERSETZUNG. 291
e: breth A XVII, 25, bred M IV, 3, to bet Ma XIV, 65,
clene M XXIII, 25, cheke M V, 39, deffe Ma VII, 32, ded A
XXV, 19, deth L XXII, 33, a greate dele 1 C XII, 22, dreme dre-
mes A II, 17, dede M XII, 12, even 2 C X, 13, egles L XVII, 37,
eche Rev IV, 8, ese M XI, 28, esyer M IX, 5, eten J VI, 12, feble
1 C XII, 23, gret A VIII, 8, grell M XXII, 36, heddes A III, 17,
hethen A XI, 1, /^ew M XVI, 6, lest M V, 19, at the lest A
V, 15, leve A II, 27, leves M XXIV, 32, mesur M VII, 2, meneth
M XII, 7, mte L IV, 16, resonable R XII, 2, sÄerer A VIII, 32,
shepes M XII, 11, spechlesse M XXII, 12, $/e/>£ M 1,20, wepens
J XVIII, 3, r/m? M II, 16, ze/ows A XXI, 20 u. s. w.
ea: I appeale A XXV, 11, bread Ma VIII, 16, to beare J I, 8,
to clear 2 C VII, 11, deaf L VII, 22, eare L XII, 3, feare L
Xu, 4, forbeare 2 C XI, 1, heale J XII, 40, heare Tim II, 9,
greatly Ph IV, 10, to please R XIV, 6, be the meanes J XV, 3,
speake L I, 20, peace L I, 79, sm/s L I, 52, teache J XIV, 26
theare M XIX, 2, L X, 6, wÄear* L XVII, 37 u. s. w.
ee: beelen Ma XIII, 9, breed M VII, 9 u. o., deed M II, 19
u. o., deelh M II, 15 u. o., eest L XIII, 29, feest M XXVII, 15,
heer M III, 4 u. o., heepe R XI, 16, heed M VI, 17 u. o., leest
Ma IV, 31, leed M VI, 13, meel M XIII, 33, reed 2 C III, 2, see
M IV, 13 u. o., tvheet M III, 12, yee R XIV, 4.
Ausnahmsweise treten für diese zeichen ein:
a: I mane R IX, 30, sitt at mate 1 C VIII, 10, pace Ma 1, 25,
to plase R XIV, 6, / spake J VII, 17, wäre ye 1 C VI, 11.
i: this thre yeare L XIII, 7. Da diese form für den plur.
schon im Me. vorkommt und anch neu in analogie zum sing,
geschrieben sein könnte, so ist sie für die bestimmung der aus-
spräche wertlos.
ei: abode they their A XIV, 3, their is an ydell 1 C VIII, 7
(s. Ai 2). Es werden also e, ea, ei und a benutzt, um denselben
me. laut vor r zu bezeichnen, ein beweis, dass ihre lautwerte,
wenigstens in dieser Stellung, nicht wesentlich von einander
verschieden gewesen sein können.
Obw'ol die beiden aus me. e und e entstandenen laute im
allgemeinen durch dieselben zeichen ausgedrückt werden, so
unterliegt es doch keinem zweifei, dass sie einen verschiedenen
lautwert hatten. Me. e war schon zu i geworden, me. e war
offen geblieben (s. Ellis, 0. E. E. P. s. 81). Die einzelnen ausser-
gewöhnlichen Schreibungen bestätigen dies.
19*
292 sopp,
Offenes e wurde auch noch in Wörtern gesprochen, in
denen es später geschlossen wurde und sich mit dem aus me. e
entstandeneu laute weiter entwickelte. Die Schreibung a, ein
zeichen übrigens, das nach seiner sonstigen bedeutung den
fraglichen laut doch nur sehr unvollkommen widergeben kann,
beweist dies.
Anm. Das dem ae. ör, me. ere entsprechende wort erscheint als yer,
wie J I, 15, 30. VIII, 58 u. ü. Andere Schreibungen sind: yerre J XVII, 5
und yeere R IX, 11.
Für me. neighebour, neghdbour, ae. ntahgebür schreibt T. negbour
Ma XII, 31, nehbour Ma XII, 33, neghbour L X, 27; fUr me. neithcr, nather,
nether, ne. neither hat er nether, so MV, 15, 34. VI, 20.
Auffallige Schreibungen sind noch: ryse agayne from doelh J XX, 9,
rtswTeccion from derth A XXIV, 15.
Ueber das stumme e vgl. Sweet, A H. of 0. S., 2. a., s. 208 f.
Ei s. Ai.
Eu, Ew.
Eu entspricht me. eu, ew, z. b.: the cock crewe J XVIII, 27,
drewe A VIII, 3. X, 9, fewe Rev II, 14, jewis Ma XV, 26, nerve
L XXII, 20, rewe L XI, 42, / will spew the oute Rev III, 16
u. s. w. Für das auf ae. eaw zurückgehende ew wird zuweilen
eaw geschrieben, ein zeichen, das, obgleich äusserlich mit dem
alten übereinstimmend, doch nicht historisch sein kann, feawe
M VII, 14. IX, 37. XV, 34, heawen toumbe L XXIII, 53, heawen
asunder, leawde myiid R I, 28, leawde 2 Tim III, 8.
Statt ew steht oft u in Wörtern, deren me. eu auf älteres
eow, eow zurückgeht: drue M XXVI, 51, renuynge R XII, 2,
renued E IV, 23, the nue which is renued Co III, 10, slue M
II, 16, overthrue J II, 15, truly Ma XII, 14, truethe L IV, 23, me.
trewthe, trouthe, mit ew zufällig nicht belegt. Ausserdem Jues
M II, 2, jwes M XXVII, 11 u. o.
Einmal wird auch uw geschrieben: he bluwe 3 XX, 22 und
einmal ow: soweth Ma IV, 21, me. sewen, sowen.
Eu hatte noch diphthongische geltung in den Wörtern, wo
es älterem eaw entspricht (s. Ellis, 0. E. E. P. s. 137 ff.). Die
Schreibung eaw lässt ausserdem vermuten, dass der erste be-
st and teil des diphthongen noch sehr deutlich vom zweiten ge-
schieden und wahrscheinlich lang und (halb) offen war. In
den Wörtern, in denen u neben ew steht, wurde einfacher laut
gesprochen. S. auch unter U.
ZUR ERSTBN NE. BIBELÜBERSETZUNG. 293
Anm. Die ne. vokalverbindung eou, die im Me. nur ausnahmsweise
vorkommt, und in der e jetzt nur dazu dient, um die ausspräche des vor-
hergehenden konsonanten als di bezw. ts anzudeuten, wird auch bei T.
gewöhnlich so geschrieben, z. b. gorgeously L VII, 25, plenleous R V, 15,
2 C I, 5, righteous J XVII, 25, M X, 41, corteously A XXVII, 3 u. s. w.
In einem worte steht statt dessen oft erv: righterves M IX, 13, L
V, 32. XII, 57, oder ou: rightous M XXIII, 28. XXV, 46.
GUI (1621) gibt in diesen Wörtern noch e-\~u als ausspräche an.
Vielleicht sprach T. das e schon sehr flüchtig aus, worauf wenigstens
die Schreibung ohne e hindeutet.
Dem me. bewte, beaute entspricht beatity M IV, 8, beautifull R X, 15,
A III, 2. Ueber die ausspräche dieses Wortes s. Ellis I, 138 und Sturm-
fels, Anglia VIII, 247.
I.
/ und y werden ganz ohne unterschied gebraucht. Nur
auslautend steht meist y. I entspricht:
1. Me. i, das im Me. vor r+kons. mit e wechselt, z. b.:
bylders M XXI, 42, bilde M XXIII, 29, bilt M VII, 26 u. o.; später
wurde die seltenere me. Schreibung built gebräuchlich, während
die alte ausspräche blieb, brynge M I, 21, bryddes M XIII, 32,
me. brid (wie auch noch meist bei T.), selten byrde, cite A
VIII, 40. gyrde A XII, 8, inßrmittes L VII, 21, kynge M I, G,
minstrels M IX, 23, night M II, 14, sisler 1 C VII, 15 (daneben
susier M II, 50, R XVI, 1), synnes M I, 21, thrid M XXVI, 44,
me. thridde, was auch noch die gewöhnliche form bei T. ist
rvhyther J VI, 21 u. s. w.
In unbetonter silbe: baptim A I, 22 u. o. Die jetzige aus-
spräche mit s ist durch die etymologische Schreibung veran-
lasst, disputynge A XIX, 8, evyls L III, 19, examinedst Rev
II, 2, hedlyng Ma V, 13, informe 1 C II, 16, pubiisshed R I, 8,
promis E III, 6, savioure 2 Petr I, 1, senior 3 Joh 1, worshippe
L IV, 7 u. s. w.
Ebenso wie i für e, so tritt auch häufig umgekehrt e für
i ein in betonter und unbetonter silbe, z. b.: afferme R III, 8,
brengeth forth J XII, 24, confermed Hebr II, 3, holy cetie Rev
XXII, 19, gerdell A XXI, 11, hedder J IV, 15, geve M IV, 6, 9.
V, 31, 39 u. o., lebertines A VI, 9, levith Rev IV, 9, mengled L
XIII. 1, (he rever Rev XII, 16, preson M V, 25, pelowe Ma
IV, 38. sence AM, 33, L VII, 45, (he speüe J IX, 6, (o s(ere
vppe R XVI, 26, (hengs 1 C X, 20, thether A XIV, 19, wedowe
L II, 37 u. s. w.
294 sopp,
In unbetonter silbe : baptem L XX, 4, bodely L 111,22,
busenes AI XXVII, 24, citesyn L XV, 15, citesens L XIX, 14,
compareson Ma IV, 30, cosen L I, 36, determened A XV, 2, des-
puted A XVII, 18, dyvell AI IV, 10, examen 1 C XI, 28, to ede-
fye E IV, 29, evell 1, C X, 32, enheret Ma X, 17, fynesshed AI
XIII, 53, thou pro/fets Tim IV, 15, pilgrems 1 Petr II, 11, parell
R VIII, 35, punneshed L XXIII, 41, seneour 2 Joh 1, supplecacion
Ph IV, 6, terreM? Hebr XII, 21, /reates L I, 1, w/y*» 1 C VII, 34,
verely (me. verraily) AI V, 26 a. 8. w.
An Sonderheiten sind anzuführen: * fehlt in verly Ma XIV,
18, savour (saviour) AXIII, 23; es ist unhistorisch hinzugefügt in
stabil isshes 2 C I, 21, me. stablisen. Die ausspräche dieses i war
zweifellos, wie noch heute, die eines offenen t. Vor ght, wie
in right, night u. s. w., wo nie e statt i geschrieben wird, wurde
dagegen ein reiner i-laut gesprochen; s. Ellis, 0. E. E. P. s. 111.
Anm. Statt der neu auf kommenden form Christian, die später auch
die ausspräche bestimmte, braucht T. noch häufig die alte form Christen,
so Christen man Hebr VI, 1, Christen A XXVI, 28.
Etymologisierende Schreibung, die nicht durchgedrungen ist, liegt
vor in benefaictes A XIV, 17, me. bienfet, selten bienfait.
2. Me. I, z. b.: bye M XXV, 10, by AI XXV, 9 u. o., me.
buggen und biggen; in beiden formen ist der palatal unter
dehnung des vorhergehenden vokals geschwunden. Im Ne. ist
vermengung beider eingetreten; die erste lieferte die Schreibung,
die zweite die ausspräche, despiseth L X, 16, chylde AI II, 9,
fyre J XVIII, 18, hyred L XV, 17, hye M XVI, 21. XVII, 1, me.
heigh, high, hey\ nie AI XV, 8, nye AI XXIV, 32, me. neh, neih,
neigh, nigh; ryote 1 Petr IV, 4, thy wyfe AI I, 20, tvyse M I, 18
u. s. w. Das pron. / wird gross und klein geschrieben.
Andere Schreibungen fUr diesen laut sind:
e einmal in despeselh L X, IG.
ey: bey AI XIV, 15, to beye J IV, 8, bey and seil Jam IV, 13,
dey Ala XIV, »1, J XL 16 u. o., deney Ala XIV, 30, dreyed Ala
V, 29, by dreye longe (verdruckt statt lonete) Hebr XI, 29, heyred
Ma 1, 20, L XV, 19, J X, 12, they fayth Jam II, 18.
Was diese Schreibung anbetrifft, so kommen schon im Me.
neben dien, digen, dryge, drige, buggen, big gen, denien formen
mit ey vor; ob dieselben T. Überliefert sein können, ist zweifel-
haft. Hei den Übrigen Wörtern aber muss wol eine phonetisch
genauere widergabe des lautes als durch historisches i, beab-
ZUR ERSTEN NE. BIBELÜBERSETZUNG. 295
sichtigt sein, wobei dann allerdings anzunehmen wäre, dass
der Schreiber nicht daran dachte, dass er mit ei gewöhnlich
einen anderen laut bezeichnete.
ie: expiered Rev XX, 7, wol erst frisch aufgenommenes
fremdwort. Wenigstens führen es die mittelenglischen Wörter-
bücher nicht an und Skeat, E. D., gibt beleg erst aus Spenser's
Faery Queen.
Ein versuch phonetischer Schreibung mag vorliegen in der
bezeichnung des alten Mautes vor r durch
ye: yeron gale A XII, 10, hott yeron Tim IV, 2, me. iren,
ae. iren und isen, fyerbrondes J XVIII, 3. Ebenso vielleicht in
der Schreibung despyitfully L XVIII, 32.
oy: royote Tit I, 6, royetous L XV, 13, noye L XIX, 29
(neben häufigem neye).
Im 16. Jahrhundert scheint diphthongische und monoph-
thongische ausspräche des aus me. i entstandenen lautes neben-
einander bestanden zu haben. T. sprach jedenfalls keinen
einfachen laut mehr, sonst mtisste man wenigstens vereinzelt,
bei dem sonstigen schwanken der Orthographie, e für i finden.
Die Schreibung despeseth kann, weil ganz alleinstehend, nichts
beweisen. Dass wirklich, wie Ellis, 0. E. E. P. s. 115 annimmt,
schon ei gesprochen wurde, ist unwahrscheinlich. Im anfange
wird sich der erste bestandteil des vokals nur wenig von dem
zweiten unterschieden haben, etwa ein sehr offenes i gewesen
sein. Auf eine solche beschaffenheit des diphthongen bei T.
deutet vielleicht die allerdings vereinzelte Schreibung despyit-
fulty hin.
Anm. Grosses schwanken herrscht in der darstellung des aus ver-
schiedenen me. werten entstandenen auslautenden i-lautes, jetzt immer
durch y bezeichnet. Schwanken zwischen e und y findet statt bei dem
aus me. ee entstandenen laute in romanischen Wörtern1, der übrigens
schon bei Chaucer die neigung hat, zu i zu werden. S. anm.
y: surety L IX, 27, sorcery A VIII, 11, beauty M IV, 8 u. s. w.
e: cite M II, 23. IV, 5, 13, countre M II, 12. VIII, 28. Bei diesen
beiden Wörtern ist die Schreibung mit e die bei weitem gebräuchlichste.
auctorile L XX, 2, captivite M I, 11, IT, certente L I, 4 u. 8. w.
Aehnlich werden die auf andere me. werte zurückgehenden unbe-
tonten i behandelt; doch ist bei diesen e weit seltener.
y: mercy M V, 7, falsly M V, 11, body M V, 29, enemy M V, 43,
1 'Die jüngeren handschriften der kleineren gedichte Chaucer's bieten
schon oft reime wie : assembly : counlry, majestie : dignyte, companie : be.1
Sturmfels, Afr. Vokalismus im Me., Anglia vIII, 219.'
296 sopp,
hony Ma I, 6, barly loves J VI, 9, Company L II, 44, tnary (ne. marrow)
Hebr IV, 12 u. 8. w.
e : lyles M VI, 28, evere man 1 C VII, 24, ene man G I, 9, angre M
V, 22, foule L XX, 11. Ebenso erscheint häufig neben unbetontem by,
wie J I, 42, L II, 27 die form be, z. b. be londe A XX, 13, be the meanes
£ III, 6. In den angeführten fällen wird eine art umgekehrter Schreibung
nach romanischen Wörtern auf i, wie exte u. s. w. vorliegen, die beweist,
dass die fraglichen laute völlig zusammengefallen waren.
Häufig wird dieser laut auch durch ie ausgedrückt, z. b.: citie L IX,
5, 10, 52, fyrie E VI, 16, infirmitie L XIII, 11, iniquilie L XIII, 27, of a
surtie L XXIII, 47, maiestie 2 Petr I, 16.
Seltener ist dafür ey: vereley M VI, 5, palsey M IV, 24, counlrey Ma
VI, 36. XIII, 34, hostrey L II, 7 = hostelry, jetzt nicht mehr gebräuchlich.
Sweet, A H. of E. S. s. 217 glaubt wegen der häufigen Schreibung ie
annehmen zu müssen, dass hier derselbe laut gesprochen wurde wie für t
vor pal. -f kons. Die Schreibung ey scheint jedoch dagegen zu sprechen.
War der vokal schon kurz, wie Sweet annimmt, so beweist der Wechsel
in der Schreibung zwischen e und i, dass schon ein dem heutigen ähn-
licher offener Maut von T. gesprochen wurde.
Dem me. soudiour, neben dem jedoch auch souder, sodiour, souldier
vorkommt, erscheint bei T. meist in der form soudier, z. b. soudiers L
III, 14. VII, 8. XXIII, 36. Das wort, besonders die zweite silbe, scheint
dem Schreiber Schwierigkeiten gemacht zu haben, denn neben der ange-
führten form finden sich noch: sodier Ph II, 25, sondier s L II, 13, son-
ders M XXVIII, 12, sowdeers M VIII, 9, souldeers Ma XV, 16, soudears
A XXVII, 42, soudeours M XXVII, 27, soudders Ma XV, 16.
Jedenfalls phonetische Schreibung liegt vor in: leftenaunt L II, 2. III, 1.
Etymologisch zu erwartendes t fehlt in questenned L XXIII, 9.
0.
0 entspricht:
1. Me. o, a vor nd, ng. Bei Chaucer wird fast ausschliess-
lich o gebraucht, ausser in der konj. and, die nach t Br. § 58
nur mit a vorkommt. Auch bei T. findet sie sich nur mit a,
während im Übrigen schwanken bei Überwiegendem o herrscht
o: bonde J XVIH,3, garlonds A XIV, 13, hond M 111,12. ¥111,3,
londe M 11, 20, 21, sonde M VII, 26, stände M VIII, 38 u. s. w.
a: hande 1 C XVI, 21, hand M VI, 3. VIII, 15, lande A
XXVII, 39, strangled A XXI, 25 u.s.w.
Merkwürdigerweise transkribiert Salesbury (Ellis, O.E.E.P.
s. (>2) a in hand durch dasselbe zeichen wie sonstiges tJ, gibt
also hier eine fortgeschrittenere ausspräche wie T., der doch
noch einen zwischenlaut zwischen o und a, wenigstens noch
tiefes a gesprochen zu haben scheint. Wahrscheinlich bestanden
also auch hier zwei aussprachen nebeneinander.
- 1*_
ZUR ERSTEN NE. BIBELÜBERSETZUNG. 297
2. Me. ö, z. b.: bor des A XXVII, 44, borne M II, 1, contre
A XXVII, 2, god the father J VI, 27, fornuce Rev 1,15, L XII, 28,
mocked L XVI, 14, oxen J II, 14, wolde M II, 18. V, 42. VI, 1 u. o.,
wombe A III, 2, workes M V, 16 (daneben noch häufig wie im
Me. werk).
Daflir tritt ein:
oo: some boody L VIII, 46, boottoms Ma XV, 38, coornc M
M XII, 1, floocke L XII, 32, loost J VI, 12, L VIII, 24. XV, 4,
good R IV, 6, cast looies J XIX, 24, cast loottes L XXIII, 34,
tootts Ma XV, 24, M XXVII, 35, moocked Ma XV, 20, M II, 16,
sooft e M XI, 8, toost M XIV, 24 von to toss, das im Me. nicht
belegt zu sein scheint, u. s. w.
In unbetonter silbe: har loottes L XV, 30.
ou einige mal in Wörtern, welche sich abweichend von
den übrigen entwickelt haben: ye couvet 1 C XIV, 12, fournace
M VI, 30, shoulde L XVII, 6, J V, 20. Sonst noch bourde Ma
VI, 22.
u: shulde M V, 29, 30. VII, 12. VIII, 8, turment Rev XIV, 11,
funies M XIII, 42, 50.
Ausnahmen bilden saufte L VII, 45 und poyet Tit I, 12,
wol wider in anlehnung an das Griechische.
0 bezeichnet hier wie im Me. offenes b. In den auch mit
ou und u geschriebenen Wörtern (dialektisch vielleicht auch in
bord) galt jedoch schon derselbe laut wie in den unter 3. be-
sprochenen. Aus Schreibungen wie commen J VII, 49, comen
M XXVII, 27, etequent A XVIII, 24, kyngdm M XIII, 24 neben
den historisch korrekten formen ist zu schliessen, dass der
unbetonte vokal, me. 0, hier schon sehr geschwächt war.
3. Me. w, das nach t. Br. § 14 bei Chaucer nach w, sowie
in den zuverlässigsten handschriften auch vor nn gewöhnlich
durch o bezeichnet wird.
T. braucht o und u promiscue, daneben ou.
o: combred L X, 40, crommes M XV, 27, domme (dumb) L
I, 20, to cople A IX, 26, dronken A II, 15, costome J XVIII, 39,
forthermore 1 C I, 16, g/otton L VII, 34, honger L XV, 17, tompe
R IX, 21, nombred L XII, 7, morther L XXIII, 19, 25, moche
M VI, 7, norter (= nurture) E VI, 4, norsse Tes II, 7, sonne
(= sun) 1 C XV, 41, the sonne of David M I, 20, socker 2 C
VIII, 14 (= succour), sondred 6 V, 12, sopper 1 C XI, 25, soche
Ma VII, 13, yonge J XII, 14 u. s, w.
298 sopp,
w: asunder A XV, 39, busshe A VII, 80, customcs A XXVI, 3,
further L XXIV, 28, hungred Ma XI, 12, hundred L XVI, 22,
husbandes Tit II, 5, mnrmure 1 C X, 10, purple woll Hebr IX, 19,
sumwhat A XXV, 26, / suftre truble 2 Tim II, 9, voluptusnes
Tit III, 3, suche L I, 75. IX, 9 u. 8. w.
ou: honndle A XXVIII, 3, anhoungred M XII, 3, houndreds
Ma VI, 40. X, 30, hourte Ma IX, 42, noumbrc A I, 15, noursed
L IV, 10, scoulles Ma XV, 22, souche L XVIII, 16, thoundre Rev
XIV, 2, towr/i<tf A IX, 35, lAou; L XIX, 28, /rötwted L XXIII, 8,
younge man A XX III, 17.
Zweimal ist auch oo statt der angeführten zeichen ge-
schrieben: the soone J VI, 69, mc. sone mit schwebendem vokal,
tvoorlde Ma VI, 15, L II, 1. Eine nicht zu erklärende ausnähme
bildet syffre A XIII, 35 statt suffre.
Anm. Statt des plur. von woman: warnen wie A XVI, 13 kommen
auch noch die formen weinen M XIV, 21. XV, 38 und wt/mmen 2 Tiui
III, 0 vor.
O bezeichnet in den angeführten Wörtern einen kurzen
u-laut. Mit diesem ist der aus me. ü entstandene zusammen-
gefallen; neben o erscheinen zu seiner bezeichnung ou und u.
o: stody L XXI, 14, porcheth Ma VII, 19.
ou: pourge 1 C V, 7, J XV, 2.
u: humbleth L XIV, 11. XVIII, 14, presumpteous 2 Tetr II, 19.
Anm. Auch in dem me. bernen, brennen entsprechenden worte
scheint tt gesprochen worden zu sein, da sich neben den historischen
Schreibungen mit e% z. b. bren L 1, 9, brennynge L 1, 10. XII, 35 auch solche
mit u und ou finden, z. b. brurnynge J V, 35, to bourne 1 C VII, 9, are
bournt Hebr XIII, 1 1, L III, 17. In bezug auf die Stellung des r in diesem
worte herrschte, nach der Schreibung zu urteilen, schwanken.
Die Schreibung syrname L XXII, 3, A I, 23 ist vielleicht als versuch,
den französischen laut ü in surnom widerzugeben, aufzufassen. Nach dem
No. ist suruame oder sourname mit tt zu erwarten.
4. Me. o.
Zum ausdruck der aus me. ö und ö entstandenen laute
dienen o und oo promiscue (daneben die nur für den einen
oder den andern laut geschriebenen oa und ou), welche mit
derselben inkonsequenz gebraucht werden, wie e und ee,
o: beholdc L I, «8, the böte A XXVII, 38, bost not R XI, 18,
clokes 2C IV. 2. costs M XV, 21, cot es M X, 10, abrode LH, 17,
fometh Ma IX. ls, groneth K VIII, 22, holy L IV. 34, more J
X, 10. othe M V, 33, he rose L V, 25, roreth Rev X, 3, the shore
ZUR ERSTEN NE. BIBELÜBERSETZUNG. 299
J XXI, 4, whole A IX, 34, wo M XI, 21 1 won flocke J X, 16,
wone M X, 23, wonnes M X, 42, tvons J XVI, 15 neben häufigem
formen ohne w, wie one M XVIII, 9. XXII, 46, ons M XXVI,
42 u. s. w.
oo: boone J XIX, 36, boolde A XXVIII, 15, cloolhes L XIX,
36, hoot cooles J XXI, 9, coole M V, 40, boothe M XV, 14, clooke
Ma X, 50, foole M XXI, 5, goots M XXV, 32, goost M XXVII,
50, hoolde Ma I, 25, foo M XIII, 25, /oö/" Ma VIII, 14, moore L
XII, 23, oothe M XXVI, 72, roore L XXI, 25, roobe M XX VII, 28,
soolde Ma XI, 15, smoote L XXII, 63, Aöora L II, 9, stoone Ma
XII, 10, sÄoor* Ma IV, 1, thoose Ma XI, 23, wroote Ma XII, 19,
wrooth M XVIII, 34 u. s. w.
Hierher gehören auch einige Wörter, die im Me. b ent-
halten: coolte L XIX, 30, foolke Ma VI, 15, poorche Ma XIV, 68,
M XXVI, 71, resoorte L XVII, 37, rooled Ma XV, 46, yooke M
XXI, 5, L XIV, 19, 2 C VI, 14.
Zuweilen findet sich daflir das neue zeichen oa (s. Skeat,
P. of E. E. s. 321: 4The symbol oa was practically a new one,
though it is found occasionally in the thirteenth Century'). Es
entspricht dem neu eingeführten ea. In beiden soll a eine
offenere ausspräche des vokals andeuten. Während jedoch in
der anwendung von ea bei T. noch kein festes prinzip zu er-
kennen ist, wird oa nur gebraucht, wo wirklich ein historisches
offenes o vorliegt, z. b.: abroade L I, 65. V, 15, J VII, 35 u. o.,
abroad M IX, 31, Ma I, 28, enfoarce 2 Petr I, 15, moare M XX,
31. XXVI, 42. XXVII, 24, whoale J V, 4, 6. VII, 23, A IV, 9,
whoare Rev XVII, 16, rvaole L VIII, 50. Einmal auch mooare
M X, 10 und, wol druckfehler, no meare Hebr X, 17.
Angleichung an die französische Schreibung liegt vor in
rouled L XXIV, 2, roivled J XX, 1.
Ueber die ausspräche s. unter 5.
5. Me. ö, z. b.: boke L III, 4, M I, 1, croked L III, 5, for-
soke M XXVI, 56, fote stole Ma XII, 36, loke M XI, 8, the broke
J XVIII, 1, cole L XVI, 24, brydgrom M XXV, 1, brydegrom L
V, 34, bridegrom M IX, 15, ae. brydeguma, eine form, die auch
abgesehen von dem später eingedrungenen r lautlich nicht
die grundlage der ne. sein kann. Skeat, E. D., denkt an eine
Verwechselung des zweiten bestandteils mit grotne, a groom.
solde their goddes A II, 45, godes M XII, 29, lose M XXI, 2, to
vnlose J I, 27, aboute none A XXII, 6, the rott of David Rev
300 sopp,
V, 5, rotes L XVII, 6, the mone A II, 20, L XXI, 25, shoke A
XVIII, 6, smoth L III, 5, sone Ma I, 42, stode L XVII, 12, to
Ma III, 21 lolhe M V, 38 u. 8. w.
oo : booke L IV, 20, good workes M V, 16, the good M V, 45,
toose L XV, 4. XVII, 33, M XVI, 25 = ne. to lose. Nach Skeat,
E. D., beruht ne. to lose auf einer Verwechselung von me. lösten,
lösen und leosen, verlieren, welches ne. leese ergeben sollte.
T. kennt die me. form nicht mehr, macht aber den ne. unter-
schied zwischen to loose, lösen und to lose, verlieren, noch nicht
vnloose L III, 16, loose hym J XI, 44, to loose the seales Rev V, 2,
soone M XIV, 32, doo M V, 44, 46, stoole M XXVIII, 13, too M
III, 14, tooke M IV, 5, woode 2 Tim II, 20, Rev IX, 20 u. s. w.
Zuweilen wird dafür ou geschrieben: lowse 2 Joh 8, loused
Ma XV, 15, lotvsest M XVI, 19, he loused A XXII, 30, soune
Ma 1, 29, shoues L XXII, 35, shoue J I, 27, in the roume M II, 22.
In einem worte auch ew\ shewes LXV, 22, A VII, 33 und u: shues
M III, 11. X, 10, shue Ma I, 7, L III, 16.
Da ou und u gewöhnlich kurzen u-laut bezeichnen, wenn
sie in denselben Wörtern durcheinander gebraucht werden, so
ist anzunehmen, dass in den folgenden beispielen, welche häufig
mit ou und u geschrieben vorkommen, schon kttrzung des im
Me. langen vokals eingetreten war, was in einigen fällen auch
die doppelschreibung des nachfolgenden konsonanten bestätigt
Es sind dies: bloud M IX, 20. XVI, 17. XXIII, 30, bloudde M
XXVI, 28, floud M XXIV, 38, L XVII, 27, Rev XII, 15; — btude
J XIX, 34, blud Hebr XI, 28, flud 2 Petr II, 5, fludds M VII, 25,
fludde L VI, 48, a bluddy flixe A XXVIII, 8, they shuke of A
XIII, 51. XXVIII, 5, shuke the erth Hebr XII, 26.
An ra. Für other findet sich einige mal tvother: Ma VI, 15, J VII, 46,
1 C XI, 34, 2 C VIII, 13. T. sprach das wort also mit Vorschlag eines w.
Allgemein ist diese ausspräche wol nicht gewesen, wenigstens hat sie sich
nicht wie bei onc gehalten. Vorschlag von w auch bei other kommt noch
jetzt dialektisch in Somerset vor (T. stammt aus der benachbarten Und-
schaft Glouccster). 8. Nicolai, Ilcnig's Archiv bd. 55, s. 386.
Alleinstehende Schreibungen sind : besomes L VI, :*$, besame J XIII, 23
statt bosom.
Ueber die ausspräche der unter t. und 5. besprochenen
zeichen gilt dasselbe wie das zu e, ea, ee bemerkte.
Me. ö war oft'eu geblieben, n war zu eiuem wahrscheinlich
halboffenen u geworden. Das gelegentliche eintreten von oa
und ou f\ir die gewöhnlichen zeichen bestätigen dies. Modi-
ZUR ERSTEN NE. BIBELÜBERSETZUNG. 301
fikation des aus me. ö entstandenen lautes vor folgendem r
scheint noch nicht stattgefunden zu haben. S. Ellis, O.E.E.P.
s. 96 und Sweet, A H. of E. S. s. 238 ff.
Ou, Ow.
Ou entspricht:
1. Me. ü, dargestellt durch ou (ow) (über das zeichen ou s.
Ellis I, 303 und II, 576), z. b.: cloude L XXI, 27, coulde L VI, 48,
coudest Ma XIV, 37, aboundance M XII, 34 u. o., croune J XIX, 2,
borved J XIX, 30, drouned M XVIII, 6, doun M II, 11. IV, 6,
howre L XX, 19, loude L VIII, 28, soudeours M XXVII, 27, rounde
aboute L II, 9, throughoute L IV, 25, thow J XXI, 18 u. s. w.
Vertreter dafllr sind:
u: gründe M XIII, 8, 20, abut G I, 10, hrve that 1 C VI, 3,
culde M VII, 24, muthes Jud 16, shulders (me. mit schwebendem
vokal) M XXIII, 4, L XV, 5, a shute 1 Th IV, 16, A VII, 57,
XIX, 34, vttrvard 2 C IV, 16.
arv: narve L XX, 15, hatve that 1 Joh II, 13.
ew: endewed M VIII, 26, sherver L XII, 54, lewched Ma V,
27, 30, tervche Ma V, 28, 31.
Nach den grammatikern bestanden die aussprachen dieses
ou als einfacher laut und diphthong nebeneinander (s. Ellis,
O. E. E. P. s. 149 ff). T. sprach jedenfalls keinen einfachen
laut mehr. Das lässt sich schliessen aus der analogie mit der
entwickelung von me. t; ferner aus dem umstände, dass sich
nie o oder oo statt ou findet, die doch, wenn ou noch ein-
fachen u-laut bezeichnet hätte, als Vertreter für historisches ou
gut passen würden; endlich aus dem als Vertreter vorkommen-
den au. Ans a + u wird der diphthong allerdings noch nicht
bestanden haben. Der erste bestandteil des diphthongen wird
nur wenig vom zweiten verschieden, vielleicht offenes u oder
geschlossenes o gewesen sein. S. das über die ausspräche von
i bemerkte.
Anni. In romanischen Wörtern wird die, Iat. örem, ösum entsprechende
endungssilbe meist noch nach me. weise our, ous geschrieben, z. b. favour
A VII, 46, honoure L XVIII, 20, Iraytour L VI, 16, doctour M XXII, 35,
erroure M XXVII, 64, supersticious A XVII, 22, glorious 2 C III, 1 1; nicht
selten auch eour, eous, z. b.: greveous M XXIII, 4, L XI. 46, merveleuus
J XI, 30, ioyeous Hebr XII, 11, faveour A II, 47. VII, 10.
Daneben steht jedoch häufig o oder e, seltener in Wörtern auf ous
auch us.
302 sopp,
o: honore Ma X, 11», rnmor L VII, 17, co/ored Rev XVII, 3, mediator
G III, 10 u. s.w.
e: detters L VII, 41, faver M XVI, 22, governers G IV, 2, possesser
A IV, 34, M<? söi'<?r 2 0 II, 14. savre J XII, 3, suckcr Ma IX, 24, parier
A I, 1 3 u. s. w.
m: glorius 2 C III, 7, commodius A XXVII, 12, superfluus 2 C IV, I,
Tim V, 5.
Die Schreibung dieser worte mit e, dem historischen ou gegenüber,
dürfte beweisen, dass hier, wenigstens in der gewöhnlichen rede, schon
ein sehr abgeschwächter vokal gesprochen wurde. Daneben scheint aller-
dings ein vollerer vokal noch fortbestanden zu haben, da Spenser noch
die tonlosen ou in our und aus auf ae. u reimt (s. Sturmfels, Anglia IX,
500 u. 507); und Hutler sagt, ou werde hier gesprochen wie loo or u short\
S. Ellis I, 155 u. 304.
2. Me. ou vor ghl, z. b.: brought L X, 34, brotvghte M
XVIII, 24, doughter A XXL 9, owght A XXV, 11 u. 8. w.
Oft wird einfaches o dafür geschrieben: broght A XXII, 3,
M XIII, 8, L II, 23, nroght Co II, 12, Jam IL 22, J III, 21.
Andere Vertreter kommen nicht vor. Da beide zeichen
historisch sein können, so gestatten sie keinen schluss auf die
ausspräche. Die von Ellis, 0. E. E. P. im Pron. Dict angeführ-
ten autoritäten geben diphthongischen lauf.
3. Me. ou, z. b. dowe G V, 9 (= ne. dough), growe L XII, 27,
fotver M XXIV, 31, owne A XV, 22, poured J XIII, 5, slowly A
XXVII, 7, soule L X, 9, wyndowe A XX, 9 u. s. w.
Vertreter für ou sind:
au: aune Tit II, 5, awne M II, 12. VII, 3. IX, 1 u. o., tawards
L XXIV, 29, taward A XX, 21.
ew: tewards A XXIV, 15.
o: loly M XL 29, their one prophets 1 Th II, 15, knoledg-
ing M III, 6. Hart (Ellis, 0. E. E. P. s. 152) transkribiert dieses
wort mit knotedzh, während er sonst ou dnreh ou wider-
gibt, foloeth M XV, 23, foloynge M VI, 34. — Auffällig sind
die Schreibungen: solles of men Rev XVIII, 13, they soll Rev
XV1IL 14 und rayne boll Rev IV, 3. X, 1. Vielleicht liegt hier
umgekehrte Schreibung nach soll und roll (s. 0 4) vor, was vor-
aussetzen würde, dass das auslautende / in diesen Wörtern in
TVs spräche verstummt war. Vgl. Sweet, A IL of E. S. II, 266.
oua: fouare Ma XIII, 27.
An in. Das dem me. thruh, thorough, thorowe entsprechende wort
kommt noch in verschiedenen gestalten vor. Am häufigsten ist tkrou§k
J I, 7, III, 17 u. o., throughout M XII, 43. Daneben formen wie tkortm*
^ ia
ZUR ERSTEN NE. BIBELÜBERSETZUNG. 303
J XX, 31, thorooul L XXIII, 5, throw L XVII, 1, ihorow M XII, 1, tho~
rowe J IV, 4, throwe A X, 4'*, thorowout A VIII, 1 u. s. w.
Neben der form fellorvship PL I, 5. III, 10 kommt die auch im Me.
bei Mätzner belegte form felliship vor, so A I, 17, fellyshippe A II, 42,
A VIII, 21, 1 C I, 9.
Für orv in widow, me. widewe, widwe, tritt zweimal oo ein: rvid-
doos A IX, 39, wyddoes A IX, 42. Gill gibt rvidoou als ausspräche an.
Ellis III, 909.
Sweet, A II. of E. S., bemerkt unter ou s. 256: 'There must
have been a time when the two ous were close in sound, for
me. uu passed through the (ou) — stage in f. Mn.' Auf einen
solchen zustand bei T. könnten die als Vertreter für beide laute
gebrauchten zeichen au und eu hindeuten. Der umstand, dass
nicht gerade selten für den zweiten laut auch einfaches o ge-
schrieben wird, spricht jedoch gegen eine sehr nahe Verwandt-
schaft beider laute. Die orthoepisten geben teils ö (Salesbury,
Ellis, 0. E. E. P. s. 150), teils ou als ausspräche an.
Oi, Oy.
Oi entspricht me. oi, z. b.: annoynted J XI, 2, Ma VI, 13,
loynes M III, 4, avoid M IV, 10. Das wort kommt bei T. nur
in der heutigen bedeutung vor, während Ghaucer das einfache
voiden nach Skeat, E. D., nur in bedeutungen braucht, 'which
are all connected with the adj. void\
Andere Schreibungen sind:
o: (o avode 1 C VII, 2.
ou: broided L XXIV, 42, announted J I, 41.
Die grammatiker (Ellis, O. E. E. P. s. 130 ff.) geben als aus-
spräche diphthong o + i bezw. u + t an. T. kannte, wie es
scheint, auch eine ausspräche ü.
Anm. Statt des modernen voyage ist noch die me. form vyage ge-
bräuchlich, z. b. A XXVII, 10.
ü, w.
C und w werden in allen Stellungen ohne unterschied ge-
braucht. — U entspricht :
1. Me. ü, s. O 3.
2. Me. ?7, z. b.: ruh A VIII, 27, surely R III, 2, vsest J XVI, 29,
frute M XXVI, 29, cruses Ma VII, 4, 8, brused L IV, 18 u. s. w.
Ein häufiger Vertreter dafür ist
ue: suerly Ma XIV, 70, fruetes L X, 18, rueler L XIX, 2,
304 sopp,
dueti L XII, 42 (auch bei Chaucer duetee), enduereth E VI, 24,
confinue J XV, 9, value L XII, 7.
ew als ersatz kommt nur selten vor, z. b. continew M X, 22,
isshew M XXII, 25.
Alleinstehend ist o in 6/wed M XII, 20.
Ob ue phonetische Schreibung für den laut ü ist, ist nicht
zu entscheiden. So viel geht jedoch aus der Schreibung
hervor, dass ein ü, wie heute, in diesen Wörtern noch nicht
gesprochen wurde. Der vokal in brused bildet vielleicht eine
ausnähme.
Ellis, 0. E. E. P. s. 171 gibt als allgemeine ausspräche für
das 16. Jahrhundert ü an.
Konsonanten.
Da die Orthographie und ausspräche der konsonanten seit
der nie. zeit bis heute im grossen und ganzen dieselbe ge-
blieben ist, so werden hier die eigentümlichkeiten der Schrei-
bung bei T. nur im allgemeinen angeführt und dann bei jedem
einzelnen konsonanten nur abweichende oder besonders auf-
fällige formen bemerkt, sowie das, was sich aus ihnen etwa
für die ausspräche ergibt
Als unterschied von der ne. und teilweise auch der me.
Schreibung fallt die häufige doppelschreibung von konsonanten
auf. Ganz gewöhnlich ist dieselbe nach kurzem vokal; doch
kommt sie nicht selten auch nach langem vokal und nach
andern konsonanten, bei f auch im anlaut des Wortes vor.1
Beispiele nach kurzem vokal: cuppe M X, 42, vpp M IV, 5,
dubble Rev XVIII, 6, pnbblesshed Ha VII, 36, proffet H XVI, 26,
xjff H IV, 3, gelt Ha I, 44, studdy 1 Th IV, 11, ladde J VI, 9,
doggs H VII, 6, bagges L XII, 33, compell H V, 41, angell H 1, 20,
devyll Ha VII, 30, cammel L XVIII, 25, cann M VII, 11, starre
H II, 2 u. s. w.
Nach langem vokal: keppyng 1 C VII, 19, lyffe Ha IX, 43,
outt J XV, 25, cootts A IX, ;*9, soudders Ha XV, 16, clotvddes
H XXVI, 64, tvhill L XXII, 60, as sonne as L XIX, 30, ourre
Hebr III, 1 u. s. w.
1 Da das N. T. in Deutschland gedruckt ist, so ist wol nicht daran
zu denken, dass die häutige doppelscnreibung der konsonanten ein kunst-
griff des setzen zum ausfüllen der Zeilen ist, wie es bei den gleichzeitigen
englischen druckern der fall war.
ZUR ERSTEN NE. BIBELÜBERSETZUNG. 305
Nach kons.: sharppe Rev XIV, 14, hertls Ma III, 5, helppe
M Xu, 24, whelppes M XV, 27, byltt M VII, 24 u. s. w.
Anlautend: ffor M II, 18, ffulfill M II, 23, ffame M IV, 24,
ffyrste M XIX, 30 u. s. w.
Anderseits wird auch oft nur einfacher kons, geschrieben,
wo heute und auch bei T. gewöhnlich doppelkonsonanz steht.
Fortwährendes schwanken ist also auch hier das charakte-
ristische der Orthographie.
Labial buch staben.
B.
B steht auslautend nach m in lamb\ es fehlt dagegen in
dorn, domme, z. b.: lyke a lamb dorn A VIII, 32. Ebenso findet
sich einmal clymelh (ne. climb) J XX, 1. Historisches b muss
also damals in einem teil der hierhergehörigen Wörter ver-
stummt gewesen sein.
Später zugefügtes ' etymologisches ' b vor t fehlt noch in
dout M XXI, 22, delt M VIII, 27, suttelte M XXVI, 4.
Vor folgendem stimmlosen kons, wird einmal p statt b ge-
schrieben: optained A XIV, 19.
F, Ph.
FUr f ist ph geschrieben: vnprophetable M XXV, 30.
F für ph ist häufiger, z. b.: farises M IX, 14, fisicions Ma
V, 26. Das letztere wort kommt ausser mit ph, wie L V, 31.
VIII, 43, einige mal mit v vor: visicion M IX, 12, Ma II, 17,
L IV, 23.
V.
Für v tritt nicht selten u ein, z. b.: seruants L XII, 37, be-
leue J X, 38. Daneben zuweilen n>: ye lowe J XIII, 34, beleweth
J XIV, 12, in wayne 1 C XV, 10.
W? Wh.
Statt rv steht einige mal v: vaye M V, 25, vyll M XVIII, 20,
the revarde 2 Petr II, 13.
Wh im anlaut erscheint schon wie heute, auch wo im Me.
nur h geschrieben wird, z. b.: whole L XXIII, 1, whormongers
1 C VI, 9, whaole L VIII, 50. Es kommen jedoch auch noch
formen mit einfachem h vor, wie holesome 1 Tim 1, 10, 2 Tim
1, 13. Da zuweilen auch tvh statt des gewöhnlichem h in holy
Anglia, XII. band, 20
306 sopp,
geschrieben wird: tvholy tvemen 1 Petr III, 5, rvholy gost 2 Petr
I, 21, tvholy father J XVII, 11 (einmal auch whomly 2C X, 10),
so ist wol anzunehmen, dass, wenn w in Wörtern wie rvhole
wirklich gesprochen wurde (Bullokar umschreibt whole phone-
tisch durch whool, Ellis, 0. E. E. P. s. 909) daneben auch die
alte ausspräche bestehen blieb.
Für historisches wh steht zweimal blosses w: the weate
A XXVII, 38, wo shall beleve R X, 16.
Vor r, wie in rvrite, rvrong, wurde n> noch gesprochen.
Dentalbuchstaben.
D.
Heute geschriebenes d fehlt noch wie im Me. in kynreds
Rev 1, 7. Einmal findet sich noch die me. Schreibung avauntage
L IX, 23 und einmal amonition Tit III, 10. In Wörtern wie
murder, bürden schwankt die Schreibung zwischen d und th;
doch ist th häufiger, während heutzutage d das gewöhnliche ist
Gegen den sonstigen gebrauch ist d angehängt in dragonde
Rev XII, 13 und eingeschoben in andswer L XI, 7.
T.
Vor der endung ton wird noch fast immer c geschrieben,
selten t oder s, z. b.:
c: affliccion A VII, 11, supplicacion A I, 14, corrupcion A
II, 27 u. s. w.
s: extorsioner L XVIII, 11, mension 1 Th I, 2.
t : question L XX, 3, generation A VIII, 33.
Vor vokal wird nicht selten für historisches / das zeichen th
geschrieben: sathan Rev II, 9, thouched M VIII, 15, winther A
XXIV, 20, puttheth L V, 36, wather J V, 3, authum Jud 12.
Den spirantischen laut kann th hier wol nicht bezeichnen.
Ob aber h hier überhaupt eine bedeutung hat und vielleicht
einen zwischen konsonant und vokal eintretenden hauchlaat
bezeichnet, ist wol kaum zu entscheiden, da bei T. ja auch
sonst viele überflüssige zeichen geschrieben werden.
/ ist unhistorisch eingeschoben in alients Hebr XI, 34,
aliantes E II. 12.
Th.
Me. d nach vokal vor er wird meist noch d geschrieben, s. b.
f Oders H XXVL 29, moder M XII, 47, togedder M 1, 18 u. l w.
ZUR ERSTEN NB. BIBELÜBERSETZUNG. 307
th ist daneben jedoch schon häufig, z. b.: father M VI, 9,
mother M 1, 18, togelher M VI, 19 u. s. w. Es wurde in diesen
Wörtern also schon interdentaler weicher spirant gesprochen.
Zuweilen tritt dafür auch dth ein, z. b.: gadther M XIII, 30,
hydther M XIV, 18, widther Ma XIV, 14, togedthcr L XII, 1,
thidther L XVII, 37; wol so zu erklären, dass dem Schreiber
das historische d aus der feder floss, dass er sich dann aber
des schon gesprochenen spirantischen lautes erinnerte, ihn durch
th ausdrückte und vergass, das d zu beseitigen.
Ziemlich oft steht einfaches t statt th: made rvit hondes Hebr
IX, 24, the fyfle seale Rev XI, 9, the sixle angell Rev XVI, 12,
enytinge M XXIV, 17, failfid L XVI, 10, / tanke L XVIII, 11,
bot the thyngs E 1, 10. Eine übereinstimmende Ursache für diese
Schreibung in den einzelnen Wörtern, etwa in der art der be-
nachbarten konsonanten, ist nicht zu erkennen, tt statt th findet
sich in Aliens A XVII, 15, 16, Attenians A XVII, 21.
Auffallig sind formen, in denen vor auslautendem th un-
historisch ein g oder gh, im letztern falle dann jedoch statt th
nur t geschrieben, eingeschoben ist.
Es sind: mought statt mouth M V, 2 u. o., mougthe L I, 70,
faight Ma IX, 19, fayght Ma X, 52, souglhwest A XXVII, 12,
trugthe Ma XII, 32, faygthfull Rev XVII, 14.
Möglicherweise liegen hier dialektische eigentümlichkeiten
vor. Siehe jedoch auch Gh.
Dg, Tch.
Zur bezeichnung der adfricata dz und ts erscheint dg und
tch neben altem g und ch, z. b.: knorvledge J IV, 1, knowlege
M VII, 23, to pourdge Tit II, 14, Hebr IX, 14, to pourge Hebr
XIH, 11, witche crafte A VIII, 9, bewiched G III, 1, partchement
2 Tim IV, 13.
S, C
Für s, wenn es stimmlosen laut bezeichnet, wird oft c oder
ss geschrieben, z. b.: falce M VII, 15, ceason J V, 4, housse M
V, 15, coursse M V, 44 u. s. w.
Einfaches c statt des historischen sc kommt vor in: con-
cience R XIV, 20 (conscience R XIV, 22), the cepter Hebr I, 8.
Die ne. form to ask ist noch nicht durchgedrungen. Das
wort erscheint meist noch mit x.
20*
308 sopp,
Aus der Schreibung isshwe M XXII, 25 eschue 2 C VIII, 20
statt issue kann man schliessen, dass T. dieses wort schon mit
breitem Zischlaut sprach.
In dem modern-englischen bajttism sprach T. noch kein s.
S. 1 1. Für historisches c, wenn Zischlaut, tritt oft s ein. 5 wird
auch häufig noch neben z geschrieben, wo jetzt nur das letztere
steht, z. b.: amased M XIX, 25, gasynge A I, 11.
Sh.
Der stimmlose spirant $ wird wie im Me. in- und auslau-
tend meist noch ssh geschrieben, z. b.: busshes L VI, 44, flessh
Ma XIX, 38 u. s. w. Daneben sh, z. b.: /leshe J XVII, 2, ashamed
L IX, 26 u.s.w. Zweimal steht anlautend seh: had schonte A
XVIII, 18, Silber schrynes A XIX, 24.
Guttural- und palatalbuchstaben.
K, C.
Für einfaches k wird oft ck geschrieben, z. b.: thincke M
VI, 7, atvocke V III, 25 u. 8. w.
Gesprochenes c in perfeet ist erst später, durch die Schrei-
bung veranlasst, in die ausspräche eingedrungen. Es finden
sich bei T. formen ohne c, die zum teil aber an das Frz. an-
geglichen sind, neben solchen mit c. Belege s. Ai 2. Sonstige
etymologische Schreibungen sind noch: sanetes R XV, 26, saync-
tes R XV, 25, ne faynete 2 C IV, 1, fruets Rev XIV, 4.
G.
Für g wird einige mal anlautend, wo im Me. stimmhafter
palataler spirant gesprochen wurde (zeichen y oder g) y ge-
schrieben, z. b.: yate M VII, 14, yeve M XVI, 19.
Das zeichen gu, jetzt zur bezeichnung der palatalen media
vor e, i gebraucht, kommt noch nicht vor.
G erscheint auch einige mal für jetziges j in gelous 2 C
XI, 2, G IV, 17, bei Chaucer jatous, gestinge E IV, 4, me. geste,
Gh.
Gh war im auslant stumm, was aus der öftern auslaasung
des historischen gh hervorgeht Belege s. unter I 2 und Ou 3.
Vor t fehlt gh nie. Ellis. 0. E. E. P. s. 211 nimmt fttr das
16. Jahrhundert tonlosen Spiranten, wie im deutschen dach als
ausspräche dieses Zeichens an.
ZUR ERSTEN NE. BIBELÜBERSETZUNG. 309
Die Schreibung abowght {abowght II yeres agon) in einem
gerichtsprotokoll von 1528, das Arber in seiner einleitung s. 27
mitteilt, sowie vielleicht die bei T. vorkommenden fonnen
mougthe, fayght, sougthwest (s. Th) könnten jedoch schliessen
lassen, dass daneben schon eine ausspräche bestand, in der
gh verstummt und dehnung des vorhergehenden vokals ein-
getreten war.
Hauchlaut H.
Anlautendes h scheint nicht so stark artikuliert worden zu
sein wie im jetzigen Englisch. Zu entnehmen ist dies daraus,
dass einerseits nicht selten historisches h ausgelassen wird,
dass anderseits h Wörtern angesetzt wird, wo es historisch
nicht berechtigt ist.
Es fehlt z. b. in erbes L XI, 42, Hebr VI, 7, kepe is sayinge
J VIII, 55, houssolde A X, 2, ypocrites M VI, 2, ymmes E V, 1, 9.
Hinzugefügt ist es z. b. in hisrahelite J I, 47, abhominable
Tit I, 16, habundance Rev XVIII, 3, haboundantly Hebr XIII, 19
(dies wort auch bei mittellateinischen Schriftstellern mit h).
II in habundance war nach Salesbury stumm. Abhominable
mit h wurde zu Shakespeare's zeit von pedanten gesprochen.
S. Ellis, 0. E. E. P. s. 220. Durch den einfluss der schrift wird
h jetzt wider in Wörtern gesprochen, in denen es nach den
Zeugnissen der orthoepisten im 16. Jahrhundert stumm war.
Einmal findet sich auch schon im Me. nicht mehr gebräuch-
liches hr statt r: hrent M XXII, 7.
Nasales und liquidae.
M.
Für m vor labial wird selten n geschrieben: conforte L
VIII, 48, assenbled M XXVI, 57, Cynball 1 C XIII, 1.
Zwischen m und n in to damn und den daraus abgeleiteten
Wörtern wird oft p eingeschoben, z. b.: dampned Ma XVI, 16,
dampnaciun M XXIII, 33 u. s. w. Ohne p z. b.: condemne L
VI, 37, damned 2 Th IL 8.
L.
L in shonld und rvould muss schon verstummt gewesen sein,
da T. nach analogie derselben neben formen ohne /, z. b. cou-
dest Ma XIV, 37 meist schon / in diesem worte hat, so culde
310 SOPP, ZUR ERSTEN NE. BIBELÜBERSETZUNG.
Ma VII, 24, covlde M VI, 27. Me. faute, später fault geschrieben
und jetzt durch einfluss der Orthographie auch mit / gesprochen,
erscheint bei T. noch ohne /, z. b.: faute A XXV, 5, fautlesse
Jud 24. Ebenso assaute A XIV, 5, assautes E VI, 11. Auch
soldier wurde noch ohne / gesprochen.
Lieber // in rainboll s. Sweet, A H. of E. S. s. 266.
R.
R fehlt einige mal vor kons.: scase A XIV, 18, scace A
XXVII, 7, scasly 1 Petr IV, 18, me. scars, fevently G 1, 14, vnde-
stonde A XXVIII, 27.
Einmal ist es unberechtigt geschrieben: resurreccion from
derth A XXIV, 15. Wol durch das r der folgenden silbe ver-
anlasst steht es in bertray M XXVI, 21.
In scarce scheint T. kein r gesprochen zu haben. Man
wird jedoch aus den angeführten beispielen nicht entnehmen
dürfen, dass r überhaupt in dieser Stellung schon verstummt
war, wie im jetzigen Südenglisch. Es wird jedoch wol schon
sehr sehwach artikuliert worden sein.
Marburg. Wilhelm Sopp.
DIE ALTENGLISCHEN BEARBEITUNGEN
VON GROSSETESTES 'CHASTEAU D'AMOUR'
VERGLICHEN MIT DER QUELLE.
Unter den zahlreichen werken Robert Grosseteste's, des
gelehrten und gewaltigen manues, der von 1235 — 1253 bischof
von Lincoln war — von 1200 — 1235 gehörte er der Universität
Oxford an, wo er studiert hatte, doktor der theologie war und
schliesslich kanzler wurde (rector scholaruin)1 — , ist es das
religiöse gedieht 'Chasteau d'amour', welches am berühmtesten
geworden ist und lange zeit einen grossen einfluss ausgeübt hat.
Die weite Verbreitung des Originals und dessen bearbeitungen,
sowie der hohe grad, in welchem es gerade auf die besten
Schöpfungen jener zeit eingewirkt hat, beweisen, wie allge-
mein die bewunderung und die hochschätzung dieses ganz
eigenartigen literaturwerkes gewesen sind. Aus der zahl der
hervorragenden diehtungen, welche beeinflusst sind durch das
Chasteau d'amour, will ich hier nur die beiden grossartigen
lehrgedichte des 14. Jahrhunderts nennen, nämlich den Cursor
mundi2 und den Piers the Plowman.3
Das original ist in anglo-normannischem Französisch ab-
gefasst und liegt in vielen handschriften vor. Eine derselben
befindet sich in der Bodleiana zu Oxford und hat den titel:
'Romance of Mestre Robert Grosseteste'. Eine andere hand-
schrift, welche betitelt ist 4Ce est la vie de D. Jhesu de sa
humanite, fet et ordine de Saint Robert Grosseteste, ke fut
eveque de Nichole', ist in Laud. Bibl. no. 471. Ferner befindet
sich eine prächtig ausgestattete handschrift in der bibliothek
zu BrUssel, welche überschrieben ist 'Vie de dux Jesu Christ'.
1 Lechler, 'Wiclif bd. I, s. 180 ff.
2 ten Brink, Gesch. d. engl. Lit. s. 3G1.
3 Skeat, 'Piers the Plowman', Early English Text Soc. IV, 1 s. 150,
152, 405.
312 HAASB,
In einigen andern hss. führt unser gedieht den titel l Carmen
de creatione mundi', und in noch andern heisst es 'Chasteau
d'amour'. Die texte zweier anglo-normanniseher hss. liegen ge-
druckt vor (Publications of the Caxton Society. Now first edited
by Mr. Cooke. London 1852). Der eine derselben — nach der
li8. des Corpus Christi College in Cambridge — nennt das
gedieht 'Carmen de creatione mundi', der andere text — nach
uo. 1121 der Ilarleiana — gibt ihm die Überschrift 'Chasteau
d'amour, otherwise called "Carmen de creatione mundi V Die
abweichungen der beiden texte sind nicht bedeutend. Die C.
C. C.-hs. enthält ein mehr in den versen: 429—430, 439—440,
445—449, 565—506, 577—580, 649—650, 693—694, 837—838,
843—844, 981—982, 1362-1363, 1540—1543, 1558—1559, der
llarleiana-text hat mehr: v. 591—594, 767—768, 1049—1050,
1168—1169, 1479—1480, 1506—1509, 1529—1557, 1595—1596,
1619—1628. 1740—1743, 1756—1761.
Mehr als einmal ist dieses gedieht im laufe der folgenden
beiden Jahrhunderte ins Englische Übertragen worden. Eine der
Übertragungen ist die der Vernon-hs. in der Bodleiana, welche
beginnt:
Her byginet a tretys
l>at is yclopt Castel off loue
tat bisschop Grostcyzt inade y wis
For lewede mennes byhoue.
Eine zweite redaktion desselben textes findet sich in einer hs.
des Hrit. Museums, 'Additional Mss. no. 22284'. Diese hebt an:
I»at good J?enche|? . good uiay do.
And God wol helpe . bim )?erto
For nas neuer . good werk wroujt.
W* oute beglnynge . of good ^oujt
No neuer was wrouht . non eucl )>ing
I>1 euel )>oulit . was \>q biginnyng.
Denselben text modernisiert und zum teil verderbt hat Mr. Halli-
well ediert nach einer hs., die sich im Privatbesitz l>efindet
Nach dieser beginnt das gedieht:
He that godd thenketh good may do,
And Ciod wille helpene hiui tlier-to;
Far ther was never good werke i-wrougt,
Withoute bogynnvug of good tliouglit.
Diese drei hss. hat Mr. Weviiioiitli benutzt bei der heraus-
gäbe des altenglischen gedichtes * Castel off loue' für die Philo-
logical Society, l'eber das verhältniss der drei hss. zu einander
CHASTEAU D'AMOUR. 313
handelt der herausgeber in einer abhandlung, welche sich in
den "Transactions of the Philological Society 1862/63' p. 48—66
findet
Den text des gedichtes, wie ihn Mr. Weymouth festgestellt
hat, werden wir in folgender Untersuchung benutzen und den-
selben kurz E1 nennen. Eine ganz andere Übersetzung ist die,
welche Mr. Cooke für die Caxton Society von Ms. Eg. 927 ver-
öffentlicht hat. Diese Übertragung werden wir im folgenden
mit E2 bezeichnen.
Bei der besonderen Stellung, welche das 'Castel off loue'
in der englischen literatur einnimmt, dürfte es wol der mühe
lohnen, die englischen bearbeitungen mit der französischen vor-
läge eingehender zu vergleichen, was bisher nicht geschehen
ist Eine solche arbeit wird uns einen blick in die gedanken-
werkstätte der englischen dichter gewähren, und wir werden
die art und weise ihrer Übersetzungstätigkeit kennen und wür-
digen lernen.
Die Übersetzungen im mittelalter sollten nicht wortgetreue
Übertragungen sein, wie die modernen zu sein pflegen, sondern
sie waren mehr oder weniger freie bearbeitungen der originale.
Wir werden sehen, dass die beiden englischen dichter nur be-
strebt sind, den inhalt ihrer vorläge genau widerzugeben. Sie
haben ihr gedieht nicht in ängstlicher anlehnung an das Fran-
zösische verfasst, vielmehr sind sie dem originale gegenüber
selbständig und schöpferisch verfahren. Bei einem vergleiche
der englischen gedichte mit der französischen vorläge kann
daher auch nur der inhalt der werke in betracht kommen.
Zur lösung unserer aufgäbe wird es nötig sein, dass wir
drei fragen beantworten:
1. Worin stimmen die englischen dichter mit ihrer vorläge
überein?
2. Was von der vorläge findet sich bei ihnen nicht?
3. Welche zusätze haben sie gemacht?
Ehe wir aber zur beantwortung dieser fragen schreiten,
finde hier erst eine kurze bemerkung über das versmass unserer
gedichte platz.
Das metrum, welches dem Verfasser des französischen
Originals als muster vorschwebte, war der achtsilber (in reim-
paaren). Bei weitem die meisten seiner verse zählen acht
silben, doch gibt es auch viele zeilen von nur sieben, ja selbst
314 HAASB,
solche von nur sechs silben. Dem einflussse der englischen
raetrik jener zeit ist es wol zuzuschreiben, dass aus dem kor-
rekten achtsilbler zuweilen sieben- und sechssilbige verse mit
vier hebungen geworden sind.
Das englische gedieht E1 ist in reimpaaren von viermal
gehobenen versen abgefasst. Der dichter von E2 hat sich an
kein bestimmtes versmass gebunden. Er beginnt sein gedieht
auch mit vierhebern, aber mit der begeisterung wachsen dem
sänger auch seine verse an dimension, so dass selbst Zeilen
von 15 — 19 silben sehr zahlreich sind.
Einen woldurchdachten und glücklich angelegten plan hat
der gelehrte bischof seinem werke zu gründe gelegt. Der gegen-
ständ seiner dichtung ist kein geringerer als derjenige, welcher
im 17. Jahrhundert den grossen Milton zu seinen unsterblichen
epen begeisterte. 'Die sünde und die erlösung des menschen-
geschlechtes ', so heisst das thema unserer dichtung. Ueber
die sttnde und ihre folgen handelt der dichter im ersten teile
(v. 20 — 426); den zweiten, den bei weitem umfangreichern teil,
widmet er der erlösung durch Christus (v. 427 — 1485). Dieser
zweite teil bildet gleichsam den kern der dichtung. Die kapitel
von der Schöpfung der weit und vom sündenfalle haben diesem
gegenüber nur vorbereitenden Charakter, sie schaffen — so zu
sagen — nur das terrain für das grosse drama, welches sieh
im zweiten teile abspielt. Nach dem inhalte dieses teiles hätte
daher das gedieht auch benannt werden müssen. Von den
vielen namen, welche man ihm gegeben hat, ist nicht einer
recht bezeichnend, sie sind alle nur Überschriften zu dem einen
oder andern wichtigern abschnitte. Dass die bezeichnung 4De
creatioue mundi' die am wenigsten glückliche ist, ergibt sieh
aus dem weiter oben gesagten. Der titel 'Chasteau d'amour'
ist auch, wie sich zeigen wird, nur die Überschrift zu einem
kapitel. Die blute, in welcher der kultus der rautter des er-
lösers stand, erklärt es wol, dass dieser name anklang fand
und der beliebteste titel des ganzen gedichtes wurde. Die
englischen bearbeitungen nennen alle unser gedieht nach der
heiligen Jungfrau. Auch der titel 'Vie de dux Jesu Christ',
wie ihn die Brüsseler hs. gibt, oder 'Ce est la vie de D. Jhesu
de sa huinanite' (nach Ms. Laud 47) gibt keine adäquate Vor-
stellung vom inhalte der dichtung und ist derselben von Grosse-
teste ganz gewiss nicht verliehen.
CHASTEAU D'AMOUR. 315
Zum schlösse gedenkt der dichter noch der höllenstrafen
and der freuden des himmels. Harmonisch lässt er das ganze
aasklingen, injdem er begeistert die Seligkeit des reiches der
herrlichkeit schildert. Der stand der Unschuld, von dem der
anfang des gedichtes erzählt, ist wider hergestellt, die sünde
ist getilgt, Christus hat gesiegt, die 'erlösung des menschen-
geschlechtes' ist gelungen.
- Die anordnung des franz. Originals ist also die folgende:
Thema: Die sünde and die erlösung des menschenge-
schlechtes.
Einleitung. Zweck der dichtung.
I. teil. Die sünde:
1. De principio creationis mundi.
2. De medio et fine.
3. De amissione mundi per peccatum.
4. De restauratione ejusdcm per misericordiam.
5. De rege et filio suo unico aequale patri.
6. De .im. filiabus suis:
a) De misericordia.
b) De veritate.
c) De justitia.
e) De pace.
II. teil. Die erlösung:
1. De adventu jhesu christi.
2. Quomodo intravit in quoddam castellum quod fuit
corpus virginis intemeratae mariae.
3. De proprietate castelli.
4. De prophecia ysaiae:
a) Quomodo fuit admirabilis.
b) Quomodo consiliarius.
c) Quomodo deus.
d) Quomodo fortis.
e) Quomodo pater futuri seculi.
[schluss] f) Quomodo princeps pacis:
a) De fine seculi.
ß) De die judicii.
7) De poenis inferni.
d) De gaudiis caeli.
Da die englischen bearbeiter dieser anordnung des Origi-
nals genau folgen, so werden wir bei unserer Untersuchung
316 HAASE,
uns derselben auch anschliessen und werden bei jedem ab-
schnitte feststellen, wie sich die bearbeitungen der englischen
dichter zu dem französischen texte verhalten. Dies wird ge-
schehen in antwort auf die drei schon erwähnten fragen:
1 Worin stimmen die englischen gedichte mit der franzö-
sischen vorläge überein V
2. Was von der vorläge findet sich in ihnen nicht?
3. Was ist in denselben hinzugefügt?
In den hss., welche Mr. Weymouth bei der herstellung des
textes E1 benutzte, finden sich stellen übertragen, die man nur
in der französischen hs. des Corpus Christi College, nicht in
derjenigen der Ilarleiana antrifft, der text letzterer hs. kommt
also bei unserer vergleichung nicht in betracht, da dem autor
des textes, auf welchen die von Mr. Weymouth benutzten hss.
zurückgehen, der text der C. C. C.-hs. oder ein ganz ähnlicher
vorgelegen hat.1
Welche redaktion des französischen textes dem mönche
von Sallay, dem Verfasser von E2, vorlag, lässt sich nicht be-
stimmen. Der dichter verfährt mit dem originale so frei, das»
sich nicht feststellen lässt, ob einer der beiden vorliegenden
französischen texte, oder ein anderer seine quelle war.
Es würde zu weit führen, den Wortlaut sämmtlicher be-
arbeitungen nebeneinander zu stellen und es werden oft inhalts-
angaben genügen müssen. Die übereinstimmenden stellen sollen
meist mit den Worten der dichter gegeben werden, während
von den Verschiedenheiten nur das charakteristische wörtlich
hervorgehoben werden wird.
Der eingang stimmt in den gedichten ziemlich überein:
F 1. E1 1.
Ky bien pense bien puet diro l'at good Renket? good may do,
Sanz ponser nc pout suffire And God wol helpe him [>orto;
De nul bien fet comencer For nas neuere good werk wrou£t
Deu nus doient a li penser. W«-oute biginninge of good l>oiijt;
Ne neuer was wroujt non vuel |>ing
ihit vuel pou^t uas J>e biginnyng.
E» 1.
Who so wele thinkes welc may saye
For of gode thoghtes coiues godes dedes ayc
1 Mr. Weymouth bat den text in modern-englischer weise inter-
imngiert, während Mr. Cooke nur die zeichen setzt, welche »ich in den
Ii98. finden.
CHASTEAU D'AMOUR. 317
God send us thoght to his plesyng
In whos fre wil hynges all thyng.
In Übereinstimmung mit dem original lassen dann auch
die englischen dichter den apostolischen gruss nebst einigen
Sätzen des nicänischen bekenntnisses folgen:
F 7. E1 7.
Deu le pere e deu le fiz. God, Fader and Sone and Holigost,
E deu li seinz esperiz tat alle J>Ig on eor)?e sixt and wost
Tres sunt qui testimonium tat o God art and J?rilli-hod,
dant in caelo: pater, verbuui And J?reo persones in on-hod,
et spiritus sanetus . et hü Wty-outen ende and biginninge
tres unum sunt. To whom we ougten ouer all J>inge,
Persones treis en trinite Worschupe him wi|? trewe loue,
E un sul deu en unite tat kinewor|>e kyng is us aboue;
Sanz fin . sanz comencement In whom, of whoni, |?orw whoin beo|?
A ki honur e gloire apent. Alle J?e goodschipes J?1 wehere i-seo)?.
II nns doint ses oures fere He leue us }>enche and worchen so,
E nus defende de contrere. tat he us schylde from me fo.
E2 v. 5— -14.
He is god and lord of mygtes mast
The fader and sone and haligast
In godhed are thise persones thre
And all are on god in trinite
None is othir of thise persones thre
Bot alle are on God and ay sal be
Our mede is to trowe this with s table thoght
AI be hit that inannes skil proves it noght
Bot when we sal se God clerly.
Than sal we knawe this witerly.
Schliesslich sprechen sich die dichter von F und El in
ihren einleitun^en noch über die absieht aus, in welcher sie
ihre werke verfassten. F sagt (v. 15 — 23), dass er in roma-
nischer spräche sein gedieht geschaffen, da nicht jeder des
Hebräischen, Griechischen oder Lateinischen mächtig sei, um
in diesen sprachen den schöpfer zu loben. Alle aber sollen das
lob Gottes singen, lne claudantur ora canentium ad te, deus\
Der dichter fährt fort (v. 23—26):
Ke cheseun en son langage
Le convisse sanz folage
Son deu . sa redempchm
En romanz comenz ma reison.
In E1 wird dieser teil der einleitung viel länger (v. 19 — 82),
weil der dichter darin den entwurf seiner dichtung hinzufügt,
welchen das original im titel gibt. Die motive des dichters
318 HAASE,
Bind dieselben, welche einst den frommen bischof zur Schöpfung
seines werkes getrieben haben (v. 22—37):
Ne mowe we alle Latin witc,
Ne Ebreu ne Gru )?at bej? iwrite,
Ne French ne \>\& oJ>er Speechen
t>at nie inihte in world secheu
To herie God, ure derworpe drillte,
As uche mon oujte wl al Ins inihte,
Lofsong syngen to God jernc
\\\\> such speche as he con lerne
No monncs mou)> ne be idut,
Ne his ledene ihud
To seinen his God p* hl wroujte
And maade al \>e world of nötigte
On Englisch I chul mi resun schowen
For hi J>at con not iknowen
Nou|>er French ne Latyn.
Ueber den zweck seines werkes redet der Verfasser von E2
kurz in der Überschrift, er sagt: lHere begynnes a romanee of
englische of the begynnyng of the world . and of al that a lewed
man has nede far to knawe far hele of soule\ Der dichter
nennt dann seine quelle und fügt hinzu, dass er 'eked mikel
therto, as him thought spedeful to edeficacion and swettenes
of devocioun, and bering of lewed men\
Nach dieser einleitung gehen die dichter zu der behand-
lung des ersten hauptabschnittes ihres werkes über. Der
eingang desselben erzählt erst kurz von der Schöpfung der
weit (F v. 29—130), der rest handelt dann aber ausführlich
(F v. 131 — 426) von der stinde der menschen und ihren folgen.
Wir haben daher den ganzen ersten teil nach dem inhalte
dieses zweiten passus benannt Das ganze gedieht nach dem
kurzen eingange ' Carmen de creatione mundi' zu betiteln, finde
ich wenig gerechtfertigt, es sei denn, dass dadurch ein gedieht
bezeichnet werden soll, welches mit der Schöpfung der weit
beginnt.
Den ersten kleinen abschnitt nennt das original: 'De prin-
cipio ereationis mundi1. Es wird darin erzählt von der Schöpfung
der weit — den menschen ausgenommen. Ehe durch die tor-
heit der menschen die sttnde in die weit kam, strahlte die
Schöpfung Gottes in herrlicher pracht Jesaias bezeugt das.
In E1 wird dasselbe gesagt, nur erwähnt der dichter schon
hier die überhebung Lucifer's:
CHASTEAU DAMOUR.
319
F v. 43—62.
Oez seignurs comunenient
Kant deus au comencement
Ki tuz bien fet et tuz bien veit
Ci el e tere fet aveit
Od tut lur aurnemenz.
E1 v. 91—112.
LustneJ? to me lordynges:
I>o God atte begynnynges
Hedde imaad heuene wij> ginne
And J?e angeles so briht wij?-inne
And \>e eor)?e )?erafter )>erwij>,
And al J?at euere in hire bilyj? ;
Lucifer in heuene wox so proud,
tat he was a-non icast out,
And mo angeles )?e eni tonge mai teile
Füllen adoun w'ip him to helle.
And git was J?e söne )?e seuesy]?e iwis
Brihtore forso]?e \>en heo now is;
Also schon \>e mone aniht
So dop ]?e söne on dayliht.
Ne holde je hit not for folye
For so sety )?e prophete Ysaye:
Alle ]>e Schaftes |?at \>o weren
More mijt and strengte beren
Bifore J?at Adam \>e world for-les.
Alias wjuch serwe and deol )?er wes !
Alle heo beoj? ibrouht to grounde
bat of his of springe beoj? ifoüde.
In E2 wird die Schöpfung der weit in v. 15 — 26 erzählt.
In v. 19 — 20 erwähnt der dichter den fall der engel. Sodann
fügt er hinzu (v. 16): die einsetzung des sabbaths und (v.25 — 26)
den satz, dass die menschen durch die sünde die allgewalt
über die tiere verloren haben (v. 15 — 26):
God in VI dayes made bothe earthe and heven
And to make haliday cessed at the seven
Heven was occupid with angeles kynde
Evermore on god for to have thair mynde
Bot many thorgh pride fei into helle
Thar sal thei all wythouten ende dwelle
Bothe sunne and mone brigt thai wäre
Then sevenfold then thay now are
And all erthli thing more vertuous
Bi for Adam thurgh synne was vicious
And ilk a best sul have bowed to mannes will
Had he never bi way of synne don none ill.
'De medio et fine' wird in F der zweite abschnitt des
gedichtes genannt. Er handelt von der erschaffung Adam's,
von der Schöpfung des weibes, vom paradies und von den zwei
Li soleil fu a ceu tens
Set foiz plus cler ki nest ores
E la lune si cler lores
Come li soleil ore luit
Lusoit adonke de nuit
Ne le tenez a folie
Kar cest le dit ysaie
Tute les choses du mund
En tere . en mer . a val . a munt
De greignure vertu furent
Avant ke forfet eurent
Eve e Adam par folage
Deu quel dolur quel damage
A la inort sunt tuz livre
Ki du lignage sunt trove.
320 HAASE,
ersten geboten Gottes. Der dichter von E1 folgt seiner vorläge
ziemlieh genau und fügt nur zuweilen kleine züge hinzu, die
sehr charakteristisch sind: während in F die werke Gottes
nach den Worten der bibel beschrieben werden, fügt der Ver-
fasser von El manches hinzu, was auf eigener anschauung der
dinge beruht, er hat ein äuge für das schöne und liebliche in
der natur.
Die verse 67 — 80 in F berichten von der Schöpfung Adam's:
Gott formte ihn aus einem erdenkloss nach seinem bilde im
talc Hebron und gab ihm eine seele nach der heiligen drei-
einigkeit. E1 weicht von dieser darstellung in F wenig ab:
F v. fJ7— 78. E1 v. 119—132.
Kant Den le mund fet aveit l>o God hedde al )>o. world iwroujt
Issi ke rieu ni failleit I>at f>er ne faylede rijt noujt,
Bestes, arbres, erbe nc fruit Beest ne fisch ne foul to fleon
Chescun solum eo kil fuit And uche }?ing as liit ougte to beon.
Peison en ewe oiscl en air
Co devons tre bien saveir
Blostne on boug and breer on rys
And alle J?ing betere pen hit nou ia.
Kant ico trestut fet a And \>o be hedde al wel idon
Tut anderain adain cria He com to |>e valeye of Ebron
El val de hehron sanz dotance I'er he made Adam so riebe
Le fist de tere a sa semblance Of eor^e, after hyni seif iliche;
Apres la seinte trinite. And aftur bis holy ^rilli-bod
Oriat sahne en verite He schop bis soule feir and good.
E2 erzählt diesen Vorgang kurz in vier versen (27 — 30):
When god bad tbe world so perfit made
That no partie of hit defaut bade
Then of erth he made Adam of man age
To bis liknes in sanle he was and his ymage.
Die dichter berichten in dem folgenden von der gefdhrtin
des menschen. In F und E1 wird die erschaffung des weibes
einfach nach der darstellung der Genesis (2, 21 — 23) gegeben,
der Verfasser von E2 nimmt aber veranlassung, hier einen
kleinen moralischen exkurs zu machen:
F. v. M— 86. E1 v. 133— 13S.
En parais lat mene To paradys be ladde bim \>o
Somoil en lui ad jete And caste sleep on bim also
Une coste de lui prist I>at of bis syde a rib he noiu,
Pont sa couipaigne li fist And \>a-of Eue bis feere com.
E puis devant li lainena ne gaf Adam Eue to wyne
E en aie lui dona. To belpen.
CHASTBAU D'AMOUR.
821
E* v. 31—36.
Of a rib of Adam syde when he lay slepand
God made Eve that sho to him suld ay be kepand
Of on god made al man kynde for ilkon suld love other
And non til other do wrong more . mor then til bis hrother
What lyf myjt mor be schewed to man in charite
Ten in saul make him lik to the haly trinite.
Von dem glücklichen zustande der menschen vor dem
stindenfalle handelt der folgende abschnitt (F v. 87 — 108, El
v. 141 — 166): Weisheit, Schönheit, macht und freien willen hat
Gott den menschen gegeben; über die ganze weit sollen sie
herrschen ohne aufhören, und das paradies soll ihr wohnsitz
sein; dort werden sie strahlen in herrlicher pracht, glänzend
wie die sonne vor dem tage der sünde. Das geschlecht der
menschen wird herrschen auf erden, bis es einst auffährt zum
himmel ins reich der herrlichkeit. Alle drei gedichte bringen den
glaubenssatz der mittelalterlichen kirche, dass die menschen so
lange in Jugend und Schönheit auf erden walten werden, bis
sie zahlreich genug sind, die grosse schaar der gefallenen engel
zu ersetzen:
El v. 151—154.
And euere to libben iliche gong,
0 |?at of hem to weren atsprong
I>e noumber of ]>e soule J>at frö he-
uene feile
I>orw Lucifer adoun to helle.
F v. 91— 100.
E vivre deskes cel estage
Tut san peine e san dolur
Deske veinst iceu jur
Que de eus issu feussent
Tant que paremplir peussent
Par numbre tant de compaignie
Com forent cous ki par folie
E par orgoil du ciel cheirent
E en enferre descendirent
Nachdem der Verfasser von E2 die freuden und guter der
unschuldigen menschen ganz in anlehnung an seine vorläge
geschildert hat, fährt er fort (v. 45 — 50):
Bot if thai had kepid wel alle goddis biddyng
Thay suld have leved joyfully and all thair of spring
Til thay had ben tan til heven to fille that fair place
That thurgh pride of Lucifer and his feres voyde was.
Zwei geböte gibt Gott den menschen:
F v. 111—112.
Mes dous lais furent assis
A adam en paradis
E si vous dirrai bien queus.
Anglia, XII. band.
E1 v. 167—168.
Two lawen Adam scholde iwis
Witen and holden in paradis.
21
322 HAASB,
Das erste nennt das original ein 'natürliches' gebot:
F v. 114—117. E1 v. 169—172.
Lune si fu natureus In on him was ]?orw kynde ilet:
Ke fere deut natureument
Trestut le coraandement I>at on him taufte atte leste
Kanque den lout comande. horw kynde to holden Godes beste.
Dieses erste gebot wird in E2 nicht erwähnt. Das andere
gebot, das 'positive', wie es in F genannt wird, lautet:
F v. 118—124. E» v. 173-180.
La positive est nome I>at o|>er lawe }>at him was set:
Cele que defent al home
Ne mangez pas de la pome * Of }>c appel J>ow neuer no et,
Del arhre que ci vcez Of |?c tre |»at is forbodo'
Sachez se vous ia mangez So him seide and higte God,
Tut munrez cnfin de mort tat whon he of ]>e appel cte
Sanz solaz e sanz confort. frorw dej> he scholde J>e lyf forlcte
And al |>e kynde ]>at of him com
Scholde )?ole dulke dorn.
Dieses gebot findet sieb auch in E2 (v. 41 — 44):
Of all the trees in paradis hi goddis biddyng thai suld ete
But the frut of the tre of wetyng of gode and illc thai suld lete
What tynie as thei ete of that thai suld forfet thair heritage
And be oblischid to deth and hole payne thai and all their lynage.
Nach diesen beiden passus, die einleitenden Charakter
tragen, geben die dichter zur behandlung des ersten teiles des
themas über. Die folgenden abschnitte bandeln von der Bünde
und den folgen derselben.
Der erste wird in F überschrieben: 'De amissione mnndi
per peccatum'. Adam isst von der verbotenen frucht auf an-
reizung von seiten des weibes. Alle drei dichter heben be-
sonders hervor, dass Eva es ist, durch welche alles unheil in
die weit gekommen. Durch diese tat Übertritt Adam beide
geböte Gottes.
F v. 135— 13V E1 v. 191—196.
Kant il la pome manga ho he of J>c appel eet,
Ainhdous les loys trespassa Godes beste he tobrek
E naturelc et positive He kyndeliche and J?e set ek
Par sa femme la eheitive. BoJ>e bis lawen he tobreek,
And rarere he dude bis wynes bode
l>en he he old \>e hoste of Gode.
In E2 wird die geschichte der verfuhrung durch Satan nach
Gen. 3 ausführlich erzählt Der teufel kommt in schlangengestah
mit dem gesiebte eines weibes und wendet sich an Eva:
CHASTBAU D'AMOUR. 323
E* v. 54—56.
And sayde whi had god ge suld nogt etc of all tres tliat ther was
Of all the trees quoth eve that their is we niay ete at our liking
Out tan on that is forbod paraunt for dred of deying.
Der feind wendet sich dann mit erfolg an die eitelkeit
des weibes:
E* v. 57—61.
Tban sayde the fend ge sali nogt deye therfore god wot it wele
Bot as god sali je be, knaw and bothc gode and yvell
Eve sagh that the frut was gode and ful gretly lykand
Sho tastid sone and gaf therof tili her owen husband
Adam wolde nojt greve his wyf bot sone he ete wit hir.
Im folgenden ist dann die rede von den unmittelbaren
folgen, welche die Übertretung für Adam und sein weib persön-
lich hatte: sie werden aus dem paradiese vertrieben, müssen im
schweisse ihres angesiebtes arbeiten und werden sterblich:
F v. 141—150. E1 v. 197-208.
Ore est adam engete I>us Adam porw reujrful rage
De parais desherite Was cast out of his heritage
And out of paradys idriue
De joie mis est a dolur In swynk and swot I world to live
En travail e en suur te blisse of lyf he ha|> forsaken
Per murir perdra sa vie And to deolful def> him taken
Ou querra il mes aie u. s. w.
u. s. w.
In E2 wird nur der verlust des paradieses erwähnt (v. 63 — 64):
Sone thai were put fro that place to sorow and to care
That never niygt no creature recover it mare.
Die folgende stelle fügt der dichter von E1 hinzu. Er lässt
uns einen blick tun in die hölle und zeigt uns, welchen ein-
druck die sünde der menschen dort macht Lucifer und sein
anhang freuen sich über den erfolg, denn ihr machtzu wachs
dadurch ist bedeutend; so verstärkt werden sie es einst wagen
können, den kämpf um den verlorenen himmel wider aufzu-
nehmen.
E1 v. 209—216.
Lucifer gon wel lyke J?o,
I>o Adam was beswiken so;
For alle ]?e fendes hedden onde
I>at he scholde come to ]?* blisful londe
I>at he hedde \>otw pruide forlore:
Wel hit likede hem {?erfore.
So muche wox heore miht |>o,
tat al |>e world moste after hem go.
21*
324 HAASE,
Uebereinstimmend schildern dann die dichter, welche
schlimmen folgen die sünde Adam's für die ganze weit hatte:
F v. 151-156. E1 v. 223—228.
Trop fu grief iceu pechie For egle and hard and muche hit wea
Kant trestut feut entnschie l»e synne )}t ]n\s J»e world forles,
Kanque de suz lc cicl fu bat uche |>ing under hevendriht
En perdi part de sa vertu. So muche les of strengte and uiiht.
Den ne fist chose si haute God ne wrouhta neuer }>at )>ing
Nabessast pas sa defaute I>at outles f>orw His wouyng;
E* v. «5— (HS.
Alle thying under heven made was to niannes solace
And therfor syn he synned all thai vertue lesse has.
Dass diese strafe Gottes notwendig war, davon reden die
folgenden verse (F v. 157—182, E* v. 229—254, E* v. 67—70).
Alles in der weit, so sagt unser gedieht, ist starren gesetzen
unterworfen; wer den willen Gottes nicht befolgt, muss die un-
abwendbaren folgen seines fehltrittcs über sich ergehen lassen.
Durch die sünde ist Adam der knecht Satan's geworden, ihm
ist er als sklavc verfallen. Als dieuer der sünde und des teufeis
hat er aber jedes anrecht auf sein göttliches erbe verloren.
F v. 177-1S2. E1 v. 251— 255.
E seit ke ne peut c lainer uiie And J>euwe and )>ral inay not craue
Ileritez ne seignurie horw riht non heritage to haue:
Puis ke serts est devenu As sone as he is |>ral bicome,
Son heritage est retenu His heritage is him binome
Ne il niert riens entendu In court ne in none londe
En nule cort ne respondu Me ne ougte onswere hl ne under-
stonde.
In dieser grossen bedrängniss kann nur durch ein wunder
rettung erfolgen. Ein erlüser muss kommen, der wahrer Gott
sei, so dass er ohne sünde ist, und zugleich wahrer mensch,
damit er für sein geschleeht das verlorene erbe wider erringen
kann:
F v. 1S3— 190. E v. 255— 260.
Dont sil veut son droit conquerc
Uli covient autre quere l>efic he mot ano}>cr seche
Ki soit de frache nacion For to sehewe for hitn his spoche
E pur lui mustre sa reison tat mowe his heritage craue,
Pur clamer son heritage And )>at he fe kyude haue;
E kil soit de son lignage bat he beo iboren fre,
En si kil soit verrais hoine
Ne kil ne inangast de la pome. And )>at he ne eete of )>e tre.
Eigentümlich ist in der folgenden stelle, dass plötzlich
neben den beiden geboten, welche Gott den menschen im
CHASTEAU d'äMOUR. 325
paradiese gegeben hat, auch das gesetz Mosis genannt wird;
der dichter lässt hier, nachdem er bislang den drei ersten
kapiteln der Genesis im ganzen gefolgt ist, den chronologischen
faden fallen und geht zu freier darstellung über:
F v. 191—195. E1 v. 261—265.
Sanz pechie lestent venir bat he habbe iwust wijnnne
E tutes le treis leys tenir l>e J?reo lawen wtyoute synne,
Cele dous de paradis frulke two of Paradys.
E cele du mont synais And Jnilke of \>e Mount Synays,
Ke feut a Moysen donee. t>at to Moyses igiuen was.
In E2 wird in folgenden beiden versen auf den ratschluss
Gottes hingewiesen:
There was all this world lost their was no help in creature
Bot god wist wbat was bis wil tbat of all tbyng bas eure.
Nach diesen beiden zeilen folgt in E2 eine lange para-
phrase über die zehn geböte, welche vom dichter hinzugefügt
ist (v. 73 — 146). Als sehr charakteristisch für die behandlungs-
weise des Verfassers möge die Umschreibung des vierten ge-
botes hier folgen:
E» v. 99— 106.
Tbe ferd is worschip thi fader and thi moder
Be way of kynde thes two may nogt be the to der
To thaim ogbten tbou buxumnes and bonor
And also in tbair belp and socour
And baly kirk is tbi moder gastly
And tbe keper of tbi saule tbi fadir sotly
And who so is tbi wardly lord or thi kyng
Is taken for tbi fadir in tbis bydding.
In den himmel wird die scene jetzt verlegt. Der dichter
schildert den eindruck, welchen die sünde der menschen dort
gemacht hat; er berichtet über die Verhandlungen, welche vor
dem trone des allerhöchsten über das Schicksal der gefallenen
menschheit stattfinden, es entspinnt sich ein förmlicher prozess.
Man bemerkt, dass der gelehrte Verfasser Studien an der
Universität zu Paris gemacht hat; er steht ganz unter dem ein-
flusse, welcher im 13. Jahrhundert von jenem mittelpunkte der
gelehrten Studien des ganzen abendlandes aus sich weithin
erstreckte. Unser gedieht zeugt von der Oberherrschaft, zu
welcher die Scholastik und der mysticismus gelangt waren, es
ist selbst eine frucht jener periode, in welcher die didaktik
im gewande der allegorie allmählich alle anderen dichtungg-
arten zu überwuchern begann.
326
HAASE,
Wie weit der dichter andere der zahlreichen allegorisch-
didaktischen dichtungen benutzt hat, soll in einer späteren
arbeit untersucht werden.
Diesen ganzen abschnitt (F v. 205—426, E* v. 275—520),
der von den im himmel gepflogenen Verhandlungen berichtet,
welche der beschlussfassung über die erlösung vorangehen,
überschreibt der dichter ' De restauratione ejusdem per miseri-
cordiam'.
Der erste teil dieses abschnittes handelt über: 'De rege
et filio suo unico aequale patri\ Bei den dichtem herrscht an
dieser stelle völlige Übereinstimmung:
F v. 205—216.
Un reis esteit de graut poeir
De bon voleir . de grant saveir
Iceu rois un fiz avoit
Ki trestut son seu savoit
Tut autre teus cum fu lo pere
Si est le fiz en sa manere
Dun saveir dune substance
Dun voleir dune puissance
Par ki trestot ordineit
Quanka son reaume apendeit
Quankil voleit conienceir
Par son fiz le vont cheveir.
E1 v. 275 -288.
Hit was a kyng of muche mihi,
Of good wille and gret insiht;
And p\s kyng hedee a sone
Of such wit and of such wone,
Of such strengte and of such chero,
As was his fader in Ins manere.
Of on wille heo weoren bo,
And of on studefastschipe also;
Of on fulnesse heo weoren outriht,
And bo)?e heo weoren of on miht.
I'orw pe sone \>e fader al begon
I>at bi-lay to his kynedom.
What )?at was of his begynnynge,
fre fader wolde to ende bringe.
E» v. 148—155.
A king thor was of soverayne worthines
Ful of morcy and wysdam and all godenes
A sone he hadde knewe all his wille
And mygt and wald al hit fulfille
Thai were ay bothe al on substaunce
And betwix theim was no distaunce
What as the fader wald have amendyd
By his sono godely hit suld be endid.
Der zweite teil macht uns mit den vier tüchtern Gottes
bekannt. Ihre namen sind: Misericordia, Vcritas, Justitia und
Fax. Es sind allegorische gestalten, welche vier eigenschaften
Gottes symbolisieren. Die dichter charakterisieren die vier
Schwestern übereinstimmend :
F v. 217— 22S.
Quatre fillies ot ceu rei
A chescune dona par sei
Son affcraut de sa substance
E1 v. 289—298.
Fourc douhtren hedde \>e kyng,
And to uchone sunderling
II e jaf a dole of his fulnesse,
CHASTEAU D AMOÜR.
327
De son sen . de sa puissance.
Chescune diverseiuent
Solunc co ka hü apent
De sa substance ot chescune
£ trestut et substance une
Ka lur pere avenait
Ne sanz co ne poeit
Son regne en peis governer
Nod dreiture justiser.
Of bis miht and of bis wysnesse,
As wolde bifallen to uchon;
And git was al )?e folnesse on
t>at to hiinself bilay
Wty-oute whom he ne may
His kindom wty pees wysen
Ne wij? rihte hit justisen.
Ea v. 156—163.
Four doghters hade this grete kyng
That fulfillid all bis likyng
Thai weir of his substance ilkon
And all that substance was bot on
Thai four doghters thurgh comune assent
Performed all his jugement
Bot if thise four use ay wele thair myght
May never no rewme be rewled right.
In F v. 237—243 und in Ei v. 307-318 wird dann des
armen gefangenen gedacht, um dessen sein oder nichtsein es
sich hier handelt (El v. 317). Es lastet zwar schwere schuld
auf ihm:
Ki par un tres grant forfet
Ke ver son seignur ot fet
Par agard de jugement
Estoit mis en grant turment
tat for his gult strong and gret
W\\> his lord was so ivet,
tat j?orw besiht of riht dorn
To strong prison was idon;
aber der Übermut und die grausamkeit seiner peiniger, welche
ihr opfer ohne gnade quälen, bringen endlich Misericordiam
dazu, die befreiung des gefangenen zu versuchen.
Der folgende abschnitt unseres gedichtes ' De .iiii. filiabus
suis7 ist ein streitgedicht (däbat, disputation). Diese gattung
wurde im 13. Jahrhundert sehr gepflegt, oft wurden damals
gedichte in form von prozessen behandelt. Es zeigt dies den
grossen einfluss der Jurisprudenz.
Die Schwestern berufen sich alle auf ihre hohe und edle
abstammung, sie haben durch dieselbe das recht und die pflicht,
in Sachen des gefangenen zu reden. Fast derselben worte be-
dienen sich alle; Pax z. b. sagt:
F v. 373—375.
Ta fille sui sanz dotance
Issue de ta substance
Devant tei doi estre oie.
E1 v. 459—60.
I am ]>i dougter saugt and some,
And of \>i fulnesse am icome.
328 HAASE,
Misericordia sagt nach E2 v. 177 — 180:
Dere fader kyng of mygtes niast
Thi doghter y am wele thou wast
Füll of myknes swetnes and pite
Dere fader alle thes have y of the.
Misericordia, die älteste der töchter, wendet sich zuerst
an den vater. Sie gründet — Übereinstimmend in den drei ge-
dichten — ihre bitte um gnade darauf, dass Satan auf unrecht-
mässige weise sich der herrschaft über den menschen bemäch-
tigt habe; nur durch lüge und betrug sei es jenem gelungen,
diesen zur Übertretung der geböte des Schöpfers zu verleiten:
F v. 265—270. E1 v. 335—344.
Ki par premesse le trahirent Heo hi made agulte fnilke unwreste,
Par unt trespasser lc firent And biswikede hl forw heor feir
La primesse lui fauserent beheste,
Kar fausetez tut tens querent And begüede hl J?erof, and heo luytel
E fausete lur sott rendu roujte
E le prison a moi rendu. For falshede euergite heo sonnten.
And falshede hem igolde be
And )?e wrecche prisun isold to me.
E» v. 183—184, 187—188.
His enemys wit thair falshede
Has put him to so gret nede
Thair falshed may gretly letted ben
And that prison be golden to men.
Der vater muss ihr gnade gewähren für den unglücklichen ge-
fangenen, er kann seiner tochter die bitte nicht abschlagen:
F v. 275—276. E1 v. 349 -850.
Ne dirrai ke ta fille feusse Neuer I ]>\ douhter neore,
Si de celui pitie neusse. Bote milce toward him were.
E* v. 190—191.
That y were thy dohter myjt y never saye
Bot y wald ever for sinful man praye.
Sehr erstaunt ist Veritas über die bitte ihrer altern Schwester;
sie will von gnade nicht hören, hingegen soll der sünder streng
nach dem gesetze behandelt werden.
Durch zwei gründe wird sie zu dieser ansieht bestimmt:
1. Zu grosse milde wird dem ansehen Gottes schaden:
F v. 297 -302. E1 v. 371 -382.
Fader, Ich sigge ]>e forji,
Nu doit misericorde estre oic i>ou ouhtest noujt to heero Mcrci
Of no booue J>at heo biseche)> |>e,
Se veritü nc la guie. Bote Hiht and SooJ? [>ermide be.
And J>ow louest So)> and batest leet,
CHASTKAÜ d'aMOUR. 329
For of Ju fiilnesse icomen Ich wes.
And eke j?ow art kyng Rihtwys,
And Merci herte so reu)?ful is
Se ma sorur peust sau v er f>* gif heo mai saue w( hire mylde
speche
Tuz par ki voudra prier AI J?at heo wole fore biseche,
Tu ne serroies ja dote Neuer schal be misdede abouht
Ne nul meffet compare. And \>u kyng schalt be douted rijt
nouht.
E* v. 207— 211.
Mercy of no thing may wete gife the dorne
Bot if y sothfastnes with her come.
Hier praier may nogt be herd of the
Bot if hit acordand be with me
If all hir prayers suld ay be herd
Never no shrewe for the sul be ferd.
2. Gott ist verpflichtet sein gegebenes wort zu halten:
F v. 303—10. E1 v. 383—385, 391—394.
Mes tu es rois si veritables I>ou art also so trewe a kyng,
De corage si estables And stable of J>oujt in alle J>yng,
Ke rien ne quers for verite ForJ>i me J?inke)> Merci wilne]? woug
E eil demande pitie And spekej? tojeynes Rigt inoug.
Ki pite de sei n'ot mie Whi scholde me helpe ]?ulke mon,
Ne peut aveir altre aie tat nedde of hlself pite non?
Jugement lestuet soffrir His dorn he mot habbe as SoJ> con
sugge,
E tut son meffet punir. And al his mis-dede abugge.
E» v. 212— 216.
Ne never punist no wikkednes
That is gretly agayns rijtwisnes
For he suld have no mercy
That is dampned rijtwysly.
Justitia eilt dann znr Unterstützung ihrer Schwester Veritas
herbei und erklärt sich ftlr solidarisch mit ihr. Sie ist ver-
pflichtet, das konsequent durchzuführen, was Veritas gebietet.
Von gnade kann nicht die rede sein. Der mensch hat be-
wusst, ja mutwillig, seinen bund mit Gott gebrochen, er muss
also die folgen seiner missetat tragen. In gefangenschaft wird
er gehalten bis zum tage des gerichts, und nichts wird ihn
dann vom tode retten können (P v. 310—349, E1 v. 395—422,
E* v. 217—228).
Als genau tibereinstimmend hebe ich folgendes hervor:
F v. 333—336. El v. 419—422
Kar justice nesparvie For Riht ne spare J? for to jugge
Rien ke verite li die What-so- euere So}> wol sugge.
330 HAASE,
A chescun dono par saveir t>orw wisdam heo deme)> alle
Quankil doit par droit aveir. As wole to his jrult bifallo.
E* v. 219—222.
I ne may nojt spare to say to the
Alle that sothfastnes telles to me
I mot dele to ever ilke one
Gode or ill after tliei have done.
Das folgende (F v. 341— 358, Ei v. 423— 444, E* v. 229— 240)
schildert, wie Veritas und Justitia rücksichtslos gegen den
menschen vorgehen. Sie entkleiden denselben aller edlen eigen-
schaften und bringen ihn in entehrende knechtschaft. Krieg
und Verfolgung herrschen auf erden, und die grausamkeit der
beiden gestrengen Schwestern wird so gross, dass Misericordia
und Pax das land verlassen.
Die katastrophe, durch welche diese herrschaft ihr ende
findet, schildern die dichter übereinstimmend:
F v. 359-3<>6. E1 v. 445—452.
Ni a rien ki soil remis Nis }>er nout in world bileued
Ka destructiun vont mis Pat nis destrued and todreued,
Tuz les ont mort et envoiez And dreynt, forloren, and fordemed,
Ni ad ke .VIII. almes sauvez But eijte soulen pl weren igemed,
Cest Noe . e ses treis fiz In J?e schup; and J?at weoren heo,
Iceus sunt en larche gariz Noe and his sones J>reo
£ lur fernes kod eus sunt And heore wyues \>t heo hedden
Plus ni ad remis en mund. bifore:
Of al pe world nas beleued more.
In E2 wird die sündflut nicht erwähnt, es wird erzählt
in v. 241-244:
All mankynde dyes and is put to payn
Bot Enok and Ely that sal come agayn
Gret dole is to think on this
How all mankinde fordone is.
In dieser not wendet sich Pax an den himmlischen vater.
Sie beklagt sich bitter über die beiden gewalttätigen Schwestern,
welche ein urteil über die menschen gesprochen und vollsogen
haben, ohne sie und Misericordiam zu fragen. Sie versteht
den zweck dieses wtttens und mordens nicht, da ja doch der
friede als das höchste gut das ziel alles daseins sei. Folgen-
den Vorschlag macht sie dann zur beilegung des Streites and
des grossen Unglücks:
F v. 407—416. E» v. 4*5-494.
De nus quatre vous dirai Of us foure, fader, 1 ehul teile J>©
Une reison uiut verrai. Ilou me pinkep hit ou£te to be.
CHASTBAU D'AMOUR. 831
Puis que .IUI. sunt assises. Whon )>e foure be\> togeder isent
Pur fere droitureus justisos. To don an euene juggement,
£ deivent comunement And schul J>orw skil alle and some
Fornir un sul jugement. 3iuen and demen euene dorne,
Jugement naura record t>er ne oujte no dorn forj? gon,
Deskil soient dun accord Er J>en ]?e foure ben aton.
£n un les covient consentir At on heo moten atstonden alle,
£ puis le jugement fornir. And loken sef^en hou dorn wol falle.
E8 v. 260—263.
With outen us thai be thaim seif hav gyven a juggement
That suld have ben gyven trewly with oone assent
Ther for hit sal nojt ben of recorde
TU we four ben all of on acorde.
Den gefangenen loszukaufen, das ist nun aber die frage,
über welche man sich verständigen mnss, von seinem tode
kann nicht die rede sein. Ziemlich übereinstimmend sprechen
dies die dichter in folgenden versen aus:
F v. 420—424. El v. 511—514.
Pur co doit troveir pitiez Forpi |?ou ougtest to here me,
Sire lur voil avez fet And Merci my suster J>* clepe)? to J>e,
Ore soit le vostre retret tat J>o Jral ]?e prisoun
Ke misericorde tuz jurs crie Mote come to sum raüsoun.
Pur le serf kil cit aie
E* v. 276—279.
The prisoner calles ever upon mercy
And mercy for him will ay to the king cry
Til for him be paied al his raunsoun
And he be delivered out of prisoun.
Mit diesem resultatlosen streite der vier töchter Gottes
endet der erste teil unserer diehtung. Ueberwältigend lastet
der fluch der sünde auf der weit, dieselbe ist Satan ganz
anheimgefallen. Keine hoffnung gibt es für das unglückliche
geschlecht Adam's; der grimme, tückische feind hält es in
harter gefangenschaft. Auf dem natürlichen wege des rechtes
ist für dasselbe nichts zu erreichen, das haben Veritas und
Justitia ihren beiden milden Schwestern unerbittlich bewiesen.
Ein wunder muss geschehen zur erlösung des menschen-
geschlechtes, nur die alimacht des himmels vermag die ban-
den der hölle zu sprengen. Von dem wunder der erlösung
handelt der zweite — der grössere — teil unseres gedichtes.
Derselbe zerfällt in drei abschnitte: im ersten wird berichtet,
dass die erlösung der menschen im himmel beschlossen, und
die gnadenbotschaft auf erden verkündet wird (F v. 427 — 570,
332
HAASE,
E* v. 521—662, E* v. 231—370); im zweiten wird das liebes-
scbloss geschildert — nur diesem abschnitte kommt der titel
'Chasteau d'amour' mit recht zu (F v. 571— 818, E» v. 663— 910,
E2 v. 372 — 428); im dritten, im umfangreichsten abschnitte end-
lich wird in anlehnung an Jesaias 9, 6 von der person und dem
werke des erlösers gehandelt (F v. 819— 1515, El v. 911— 1512,
E* v. 430—878).
Der söhn Gottes hat den streit der Schwestern angehört
und eingesehen, dass ohne sein eingreifen derselbe nicht bei-
gelegt werden kann. Er wendet sich deshalb an seinen vater:
F v. 431—440.
E dit beau pare tun fiz sui
De ton sen de ta vertui.
Ta sapience sui clame
E de toi tant sui anie
Ke par moi feites le mund
Dant de fez tuz . ine oures sunt
Kar un suroes en substance
En dignetc e en puissance
Le toen voleir tut tenz frai
Justiseres reis verrai.
El v. 527—536.
(Leoue fader', quaj> he, 'Ich am \>i sone,
Of t'i wit and of \>i wone,
And |>i wisdam ine clepej? nie.
And so inuche J?ou louedest me
tat al ]>e world for me J?ou wrougtest,
And so }>ou me in werke brougtest;
For we beo}> on in one fulnesse,
In milit in strengte, and in heignesse :
I chulle al don ]?at \>\ wille is,
For }>ou art kyng rihtwis.
E8 v. 286—292.
Dere fader thou and I are all on
On substance on wysdam and on powere
And god while the holy gast is our fere
All on in substance if we be
Never the les in persons we are thre
Thurgh me the warld thou made of nojt
Thurgh me agayn lot hit be boght.
Der dichter von E2 weicht in manchem von seiner vorläge
ab, auch fügt er einiges hinzu.
Der söhn hat mitleid mit dem gefangenen und stellt sich
ganz auf die seite von Misericordia und Pax. Aber er, der
Gottessohn, erkennt auch klar die bercchtigung der forde-
rungen der Veritas und der Justitia; das recht darf nicht
gebeugt werden, gcrechtigkeit muss geschehen. Daher er-
bietet er sich:
F v. 449-451». E» v. 547—554.
Du sorf prcndrai la vesture Nimcn I chulle J?c pralles weden,
En verite e en dreiture As 8u|» aud Kiht hit wolden and
Susteudrai le jugement beoden.
E kanka justice apent. And alone I chul holde J>e dooin,
E peis en terre frai crier As justise ouhte to don;
CHASTEAU D'AMOUK. 333
£ justice peis beiser. And maken I chulle Pees to londe
Issi finerai la guerre come,
E sauverai ta gent enterre. And Pees and Riht cussen and be
saugt and some
Anddruguen outwerre, nuy, andonde
And sauen al ]?e folk in londe.
E* v. 297—300.
I sal take the clething of that wretchid prisoun
And primly for him sal I payo raunsoun
Of Ins kynde wyl I become,
And for him wyl y take dorne
More payn then rijt and sothfastnes wold have
Wil y suffre that prisoner for to save
On this man er sothfastnes and mercy
Sal sone be made gode freneds verraly
Also pece and rijtwisnes
Thai sal kiss with gret swetnes.
In diesem übereinkommen zwischen dem vater und dem
söhne wollen die dichter einen beweis für die dreieinigkeit
Gottes sehen:
F v. 461—466. E2 v. 559-564.
De deu le pere est tute riens Wi}> God J»e fader nis maked nouht
Paf deu le fiz sunt fet tuz biens fcorw God \>e Sone is al |>ing wrouht,
E en deu le seinz esperiz And alle fring is folfuld outriht
Est tute riens acompliz I>orw God J?e Holigostes miht.
Un deu sanz devisiun And alle J?reo be\> on, J?ouh hit be so,
Une sustance e plusiun In one fulnesse and in no mo.
E* v. 310— 311.
Bot on is god and persons thre
Non othir thing in god may be.
In den folgenden versen (F v. 469—496, E» v. 567—594)
weisen die dichter darauf hin, wie gross zu den menschen die
liebe Gottes sein mnss, der seines eingeborenen sohnes nicht
schonet, sondern ihn zur rettung der verlorenen dahingibt, der
F v. 487—490. E1 v. 585—588.
Non&nte noef is lessa t>e nlti nine he leuede and eode
Pur une quere sen ala. To sechen on in uncouj> }>eode.
Dunt ni ad ci bon pastur fcene nis J>er such herdemon non,
E merciable seignur. Ne non so migtful lord as he is on.
In E2 ist diese schöne stelle nicht erwähnt, es wird aber
ein abschnitt hinzugefügt, welcher überschrieben ist: 'Here spak
the king' (v. 320—350). Der dichter erzählt darin, dass Gott
seinem söhne gestattet, das erlösungswerk zu übernehmen.
Eigentümlich sind in dem passus die folgenden verse:
334 HAASE,
E8 v. 325—332.
Thou and the haly gast with mo
Doso all godo dede that done sal be
Our dede may never departid be
For all on god in kynde are we thre
All only thou sal take inanhede
Bot all we thre sali do the dede
liigt as two virgyns clethes tbe third
And 31t none of thaim botb on is cled.
Der folgende abschnitt (F v. 497— 567, E' v. 595— 662,
E2 v. 352—270) handelt von der gnadenbotschaft Gottes an
die menschen. Schon dem Abraham ward die verheissung des
weltheilandes, und diese wurde dann durch den mund der
propheten immerfort widerholt Jesaias sagt:
F v. 509—516. E1 v. 607-614.
Un enfant nus est nez 'A cbild ]?er is iboren to us,
£ im fiz nus est donez And a sone igcuen us,
Son empire sostendra l*at schal upbolden his kynedome,
£ son non nonie serra. And al Jws schal ben his nome
Merveillus . e conseillere Wonderful God, and of miht
E deu . e fort . e li pere. And redeful, and fader ariht
Du siecle ke vient apres Of al J>e world f>at her after schal ben
Liderain non prince de pres. Prince of Pees nie s chal him sen.
E» v. 352—359.
Off jhesu crist telles ysay
To all mankynde verrayly
How a child is born til us
And a sone is gyven til us
His name sal be callid wonderful
Councellour and god and strengthful
Fader of the warld that sal come
And prince of pece sali be his nome.
'Son premer non est merveillus', fährt der dichter dann
fort und sucht seinen zuhörern eine entsprechende idee über das
wunderbare der geburt dieses kindes zu geben. Nie zuvor ist
ein so grosses wunder geschehen und nie wird sich ein solches
wider ereignen. Um dies der anschauung des laien nahe xn
bringen, bedient sich der Verfasser einiger bei spiele:
F v. 525—530. E1 v. 623—628.
Kar ki veist un enfant For hose now iseje beere
Ki de forfet en eust tant. A child )>at riht ilimed nere,
Kil eust treis piez e treis uiains tat J>reo feet and J>reo hondB beere,
E un autre ki eust niaint. And ano}>er \>*t oj>erwei* weere,
CHASTEAU D'AMOUR. 335
Ke li fausist e poin e pie tat hedde foot or hond forlore,
E kil feussent ensint ne And heo weore boJ?e so ibore.
Man würde dies kein wunder nennen, Ragen die dichter:
F v. 535—536. El v. 633—634.
Merveillus nierent ja nomez Ac hit is as hit mot nede ben,
Mes mustres soient apelez. Ofuninetekuyndeaforschiptestreon.
Etwas befremdend scheint dem modernen leser das folgende
beispiel:
F v. 537—544. E1 v. 635—644.
Mes com merveillus serroit Ak )>at mihte muche wonder ben,
Se un home iceo avoit 3if me mijte eny iseon
Ke domine eust tote la nature t>at monnos kuynde hedde al ariht,
Sanz defaute e a mesure. tat hl neore to luite ne to muche wiht,
Si ke verrais homme feust So J?at he were al so]? fast mon,
Ke nule defaute ne neust. I»at no forschippyng weore hl on,
E puis feust verrai chival And eke were good hors w* alle:
Inpossible est destre tal. Such }>mg may neuer bifalle.
Ob der Verfasser von E2 glaubt, indem er von seiner
vorläge hier abweicht, die grosse des Wunders noch schärfer
hervorzuheben ? V. 361—364 :
If any best in shap passed cours of kynde
A wonder in that wald many man fynde
Bot if a perfit man were a perfit as
Mikel more mervayl wald man say it was.
Uebereinstimmend fahren die dichter fort, dass alle diese
zeichen und wunder der menschwerdung Gottes gegenüber
kaum der erwähnung würdig sind:
F v. 547-552. E1 v. 645—648.
Plus merveille est nul itant And git is more wonder a ]?ousend
La grant merveille del enfant. folde,
Ke ysaie ad nuncie Of }>e child |?at Ysaye of tolde,
Kest verrais hom e verrai de And clepede hl wonderful for J>on,
Dumanite ne li fant rien t>at he is so)> God and so\> mon.
E kil est plein deu co veun bien. For of monhede ne wonte)? hl nouht.
In E* heisst es kurz v. 365—366:
Bot more marvayl may who so can
How verraily is on bothe god and man.
Um nun aber wahrer mensch zu werden, so leitet unser
gedieht über zu dem folgenden abschnitte, war es nötig, dass
Christus von einem weibe geboren wurde:
F v. 563—566. E1 v. 659—662.
E puis komme voleit estre And whonhewolde alles bicome mon,
De femme li covint nestre He moste be boren of a wommon,
336
HAASE,
Pur rcceivre la nature
De humaine creature.
hilke acbaft to underfonge wip alle
bat oujte to moiiDes kynde bifalle.
E» v. 368.
Cliild of anerthly woman wald he be born.
Der folgende grössere abschnitt — De eastello, quod fait
corpus virginis intemeratae Mariac — zeigt so recht den
Charakter der allegorisch-didaktischen poesie des 13. Jahrhun-
derts und ist ein schöner repräsentant jener dichtungsart, wel-
cher der roman von der rose, das tournoiement des antichrist
und andere angehören.
Der abschnitt zerfallt in drei teile: der erste gibt die be-
schreibung des licbesschlosses (F v. 507— GGO, E1 v. 6G3— 760,
E- v. IV72 — 405); der zweite — De proprietatc castelli — handelt
von der symbolischen bcdeutnng der feste und ihrer einzelnen
teile (F GG1-78G; E» 7G1— 880, EM07— 414); der dritte end-
lich enthält ein gebet des dichters an die heilige Jungfrau,
dass Hie ihm in der festen bürg aufnähme und schütz gegen
den angriff der feinde gewähre (F 786- 818, E' 881—910). In
E2 ist das gebet sehr ausführlich behandelt in v. GGO— 681.
Nur in einer schönen und sicheren behausung kann Gott
wohnen, daher ist das liebeschloss eine herrliche, uneinnehm-
bare feste:
F v. 571-570.
En im chastel bei e grant
Hien fermez e avenant.
Kar co est chasteau dauiurs
De tuz solaz . de tuz sueurs.
En la marcho est assis
Nad regard de ses ennemis.
E1 v. 607-072.
In a Castel wel comeliche,
M uche and feir and louelicbe;
tat is |>e Castel of alle flour,
Of solas and of soeour
In |>e mere he stont bitwene two,
Ne hap he ferlak for no fo.
E» v. 372—373.
Ther for a castel has the kiug made at bis devys
That thar never drede assaut of any enemys.
Uebereinstimmend erzählen die dichter von dem hohen
felseu, auf welchem die feste gelegen ist:
F v. 5st —5b«. E1 v. 077—080.
Kar ele est si haut assise He stont on heig röche and sound,
Sor une röche dure e bise. And is iplaned lto J>e ground,
E bien poli de ci quaval l'at \>er ne mai wone non vuel ping
Ou habiter ne peut nul mal Ne derue no gynnes castyng.
Ne engin ni peut geter
Ki de rien le peut grever.
CHASTEAU D AMOUR.
337
E» v. 374—377.
He sette hit on a röche thik and hegh
With gode dykes al aboute depe and dregh
Men niay never with no craft this castil doun myne
We may never do härme to hit no maner engyne.
Durch künstliche befestigung ist die Sicherheit des Schlosses
aber noch bedeutend erhöht worden:
F v. 587—602.
Envirun ad quatre tureles
En tut le niund ni a si beles.
Puis a trois bailles entur.
De fort mur . de bei atur.
Com puis deviser lorrez
Ke beaute i ad plus assez.
Ke lange ne peust descrire
Quoz penser . ne buche dire.
Sur röche naive sunt fermez
Enclos de mur profund fossez.
E aume de gran kerneaus
Tres bien poliz e bons . e beaus.
Barbekanes i ad set
Ki par tel engin sunt fet.
Ke cheseune ad e porte e tur
Qu ja ni faudra sueur.
Ne ja naverat ennui
Ki la veut quere refui.
E1 v. 685—702.
Foure smale toures ]?er bej? abouten
To witcu pe heige tour wtyouten.
SeJ?|?e bco}> pre Bayles wi|>allc
So feir idiht w* strong walle
As heo beoj? hereafter iwrite;
Ne may no mon \>c feirschipe iwite,
Ne no tonge ne may hit teile,
Ne f>ougt penche, ne mou}> spellc.
On trusti röche heo stonde]? faste,
And wi|? depe diches bej? bicaste.
And ]>e carncls so stondej? upriht,
Wel iplaned and feir idiht.
Seue berbicans |?er beo}> iwrouht,
WiJ> gret ginne al bi|?ouht,
And eucrichon ha)> gat and tour:
Per neuer ne failej* socour.
Neuer schal fo hhn stonde wi|>
tat leider wol flen to sechen gri}>.
E8 v. 380—385.
Four toures ay hit has and kerneis fair
Thre bailliees al aboute that may nogt apair
Nouther herte may wele thinke ne tung may wel teile
AI the bounte aud the bewte of this ilk castell
Seven barbicans are sette so sekirly aboute
That no maner of shoting may greve fro with oute.
Im folgenden abschnitte wird über die drei färben be-
richtet, in denen das schloss nach aussen erglänzt. Die Schilde-
rungen weichen dem inhalte nach nicht von einander ab, nur
nennt der dichter von E2 die färben in umgekehrter reihenfolge:
F v. 605—622.
Li chasteaus est bei e bon
De hors depeint environ.
De III colours diversement
Si est vert le foundement
Ki a la röche se Joint
De grant docour ni faut point.
Kar cele douce verdour
Anglia, XII. band.
El v. 703—720.
t>is Castel is siker and feir abouten
And is al depeynted wkmten
Wi|? |?reo heowes \>* wel bej> sene;
So is )>e foundement al grene,
I>at to \>e röche niste lty.
Wel is )?at J?er mur]?e isih}>;
For pe greneschipe laste)' euere,
22
338
HAASE,
Ne pert janiincs sa colour.
La colour kcst cnuii lui
Si rest e ynde . e blui
Ki meine colur est noineo
De graut beaute elluiuinee.
La tierce colur par enson
Les kameaus covre environ.
Plus est nierveille que nest rose
E piert une ardaute chose.
Tant rcflambeie environ
Ke tut covcre le dongon.
Aud his henh ne leose)> neuere.
Se)>|>en abouten J?at o|>er heuj
So is inde aud eke bleu:
I>at )>e middel beug wo clepe)' ariht,
And 8chyne)> so feire and so brijt.
I>c |?ridde heug an oneinast
Oucrwrige]? al and so is icast
I»at wi|>iunen and wtyouten
Pe castel übt e)> al abouten
And is raddore )>ü euere eny rose schal
foit |>uiiche|> as hit barnde al.
E* v. 380—39».
Tbis castel is paynted with out with thre maner colours
Rede brennand colour is above toward tbe fair tours
Mcyne colour is yinmydes of ynde and of blewe
Grene colour be the ground that uever chauges liewe.
Im inncrn des Schlosses strahlt ein blendendes weiss:
F v. 625- 62S.
Dcdenz ost li cliastcu blancs
Plus ke neif ke soit ncganz.
Ke jette si tres grant clarte
De luug la tur e de le.
E1 v. 721—72«.
Wtyinnc )>e Castel is whit schinynge,
So \>e snowg )>at is sneuwynge,
And castej? f>at lijt so wyde
Afterlong }>e tour and besyde,
t>at neuer coincl> per wo ne wouj,
Ac swetnesse J>er is euere inoug
E» v. 392—393.
The castel al witb in who so maye hit knawe
Ay is hlaunehed als whit as any driven snawe.
In der mitte des hohen tnrmes sprudelt eine quelle, aus
der sich vier buche ergiessen, welche stets die graben des
schlosses gefüllt halten. Von ihrem wasser sagen die dichter:
F v. 634-630. E1 v. 732—734.
Deu . tant jad Joe e deliz. Muche blisse per is oueral,
Ja de mal nel osteut pleindre Ne dar he seche non oJ>er loche,
Ka cel eawe pent ateindre. tat niai riht of )>is water cleche.
E* v. 396—397.
So fair and so gode that liquor ther is
That he that drank oght ther of mygt have mekel blls.
In dem türme befindet sich auch ein mit vieler kunst her-
gestellter elfenbeintron. Die grosse Schönheit desselben wird
von den dichtem eingehend geschildert:
F v. 642—64*. E1 v. 740—746.
AI munter jad set degrez. Seuene steppes }>er beo)* J^erto,
Ke par ordre cochez sunt l>at so feire w* ordre itiged beo)>
Ni ad si bete chose el munt. Feiror |>ing in world no mos teo)>;
CHASTBAU d'aMOUR. 389
Larc du ciel entur sestent For heuonebouwe is abouten ibent
Od la colur ka lui apent. Wip alle )>e hewes |>at him bep isent.
Si tres riche chaere Neuere so feir ckaygere
Not onke quens nenparere. Nedde kyng ne emperere.
Der Verfasser von E2 fügt seiner Schilderung noch hinzu,
dass es der söhn Gottes war, der sich den tron schuf:
E2 v. 400—405.
Was never non so semlyehade priuce ne quene
Ne never non half so fair in this warld sene
Hit was made sotilly and al be compas cast
The raynbowe envye-round it al stedefast
The kynges sone has made it for his awne se
Was ther never non so fair ne never more sal be.
Hier endet die Schilderung des liebesschlosses. Die dichter
finden grosse freude am schildern des Wunderwerkes, welches
Gott eigens für sich geschaffen und prächtig ausgestattet hat.
Ueberall tritt uns ihr frommes, von der liebe zu ihrem gegen-
stände ganz erfülltes gemüt entgegen. Nach der beschreibung
fast jedes einzelnen teiles der schönen bürg fügen sie einige
worte ihrer bewunderung hinzu und begeistert schliessen sie:
F v. 657—660. E1 v. 757—760.
Sest li chasteaus de delit bis is pe Castel of loue and lisse
De solaz e de respit. Ofsolace,ofsocour,ofjoye}andblisse,
Plein desperance e damur Of hope, of hete, of sickernesse,
De grant refu e de ducur. And ful of alle swetnesse.
Es folgt jetzt die deutung der bilder, die Significatio. Die-
selbe ist in F und in Übereinstimmung damit auch in E1 aus-
führlich und genau gegeben, während der dichter von E2 sie
nur ganz kurz berührt. Mit feinem takt und grosser lebendig-
keit hat der fromme bischof diesen teil der dichtung durch-
geführt und hat glücklich vermieden, eintönig und fade zu
werden.
Das liebesschloss ist der leib der heiligen Jungfrau. Man
vergleiche:
F v. 661-604. E1 v. 761—764.
Cest le cors de la pucele fös is ]?e Mayden bodi so freo:
Onkes autre not for cele l>er neuer nas non böte heo
Ke de tant vertuz feust garnie tat wij? so feie f>ewes iwarned wes
Come fut la douce Marie So J>at swete Mayden Marie wes.
E» v. 407—408.
This castil of solas and of socour
Is hir blissed body that bar oure saveour.
22*
340 HAASE,
An der grenze ist die bnrg gelegen und gewährt allen
bedrängten eine sichere znflucht (F 665—668, E* 765—768,
E2 409—410).
Der fels. auf dem das schloss liegt, ist das herz der Jung-
frau Maria. Der dichter vergleicht dasselbe deshalb mit einem
harten felsen, weil:
F v. «71—674. E1 v. 771-774.
Konques en mal ne mollist tat neuer synne }>er wMnne com,
Mes a den servir se prist. Ac heo to semen God al hire nom,
£ sa seinte virginitc And wüste Iure wl ninche boxünesse
Gardat en hunrilite. Hire maidenbod wi|> swetnesse.
E* v. 413.
That sette hir to serve god with outen anye drede.
In E2 ist durch irgend ein versehen hier nach vers 413 ein
grösserer abschnitt ausgefallen, denn der gegenständ wird plötz-
lich fallen gelassen (v. 413) und ohne jeglichen Übergang ist im
folgenden von der Versuchung Christi durch Satan die rede.
Die mit grün geschmückte grundfeste des Schlosses ist der
glaube der Jungfrau. Er ist von allen tugenden das grund-
werk. Nach F erleuchtet er das 'seint quor* der Jungfrau,
nach E1 dagegen verbreitet sich sein licht durch 4al hire bodi\
Der Übersetzer hat jedesfalls 'cors' für 'quor' gelesen. Man
vergleiche:
F v. 079— «b4. E1 v. 770— 782.
Cest la foi de la virgine l>at is \>u Maydenes bileeue so ribt,
Ke sun seint quor illumine. I>at haj? al hire bodi iliht.
La verdour que tant est bele For hire bileeue, \>l is so trewe,
Sa foi tut tens renovele. I'at euere is grene and euere newe ;
Kar foi est apertement For bileeue is apertement
De tutes vertuz fundement. Of alle vertues foundement
Die weisse färbe der mitte wird übereinstimmend gedeutet:
F v. 687— 090. E1 v. 7b6— 7&S.
Ke od tcndrur en esperance. i>at in goode hope, as so jong J>ing,
Scrvi tut tens son seignor Heo was so bisy in swetnesse
En huinilite e en doucour. To seruen God in boxuranesse.
Die oberste färbe, welche in F 'vermaille' genannt wird und
in E1 (v. 71i>) fcraddore |>e euere eny rose schal', bedeutet:
F v. 09:»— 09*. E1 v. 793—79«.
I>a seinte ob ante l»at is |>e clere loue and briht
Dunt ele est elluiuine. Pat heo is al wi|> iliht,
E esprise de feu dauiur And itent wip |>e fuir of loue
Pur servir son creature. To serue God JnU U hire aboue.
CHASTEAU D'AMOUR. 841
In der deutung der vier türmchen ausserhalb des hohen
turmes herrscht eine geringe Verschiedenheit. Rücksicht auf
den reim ist vielleicht die einzige nrsache derselben. Die türm-
chen bedeuten vier kardinaltugenden der Jungfrau:
F v. 703—706. E1 v. 801 --804.
Cest dame force . e temperance tat is, strengte and sleihschupe,
Si rest judice . e prudence. Rihtfulnesse and worschupe,
As quatre portes sunt porter Euerichon w* a gat w* ginne,
Ke rien ni peut for bien entrer. tat may non vuel come gerinne.
Inhaltlich stimmen die beiden gedichte in dem folgenden
wider überein. In E1 sucht der Verfasser in abweichung von
seinem vorbilde die darstellung dadurch zu beleben, dass er
die deutung in frage und antwort kleidet:
F v. 707 — 718. E1 v. 805—816.
Les trois bailles du chastel And whuche beo|?}>e \>reo bayles get,
Ke sunt ovrees a karnel. t< w* }>e carnels be\> so wel iset
A beau compas en viron And icast w* cüpas and walled aboute"
Si defendent le dongon. tat wite}> \>e heige tour wtyouten?
Cele a la plus haut estage Bote \>q inemaste bayle, I wot,
Signefie soen pucelage. Bitokne)? hire holy maidenhod
Kunke de rien ne fix blemie tat neuer for no |?ing iworsed nas,
Tant est de grace replenic. So ful of Godes grace heo was.
La baille kest en ini fernie te iniddel bayle, j?at wite je
Signefie sa chastete. Bitokne]? hire holy chastite.
E puis est la foreine baille And se^en )>e outetnaste bayle
La sue seintime espusaille. Bitokne]? hiro holy sposayle.
Ueber das wort 'baille' macht der dichter dann in den
folgenden versen ein glückliches Wortspiel:
F v. 719-724. E1 v. 817—822.
Bailles a droit nomees sunt Riht me clepep hem bayles for]?i,
Kant en baillie la dame unt. tat he babbe]? J?is ladi in hire Bayli,
Ki sanz per est singulere tat hire-self one makeles
Virgne chaste . espuse e mere. Is mayden chast and weddet wes.
Par un des hus lesteut passer tow on of }>eos bayles he mot teon,
Ki el mund se vent sauver. tat wol on ende iborwed beon.
Die sieben brustwehren endlich bedeuten dietugenden, durch
welche die heilige Jungfrau die sieben todsünden überwindet:
F v. 731—744. E1 v. 829—842.
Cest orgoil apertement tat is pruide, J?e biginnynge
De touz maus comemement And }>c roote of al vuel |>inge,
Ke veucuz est e mate AI maat and ouercomen wes
Par la seinte humilitc torw boxumnes }>at heo ches;
Charite confunt envie And hiretrewe loue ouercom envye;
E abstinence glotunie Aud hire abstinence glotonye,
342 HAASE,
£ lecherie rest mate And lecherye heo made fle
Par sa seinte chastete. I'urw bire holy cbastite;
£ avance ki mut blesco And al was distruyed couetyse
£st veucue par largesee. t>orw hire largesse in uche wyse
£ pacicnce rcveint ire And euere wraJ?J?e heo ouercom
Ki sei nieimes tut dctirc. frorw niekenesse ]?at heo nom;
£ espcritale leesce And hire gostliche gladynge
Confunt la male tristesce. Destruyed sleu|>e \>orw alle {'Ige.
Die quelle, welche im innern des turmes fliegst und die
graben des Schlosses stets gefüllt hält, bedeutet die unendliche
gnade Gottes. Sie wird den menschen nur gewährt am der
Jungfrau Maria willen:
F v. 749—754. E1 v. 847—852.
Kar la pucele tant ama Ac he louede so J>is mayden aplijt,
Ke pleine gracc lui dona i>e fülle of grace he hire jaf outriht,
Dont la grace ki suronde l>orw whom |>e grace )>at ouerfleot
Fet socors a tut le muude. Socourep al \>e world jut
Pur co est a droit clamee Forjn nie may hire riht clepe and calle,
Sur tutes autres benuree. (0 blessed Ladi ouer o^ero alle!*
Endlich wird nocli nach der bedeutung der graben gefragt,
welche das schloss gegen alle waffen der feinde so sicher
stellen, und an denen sich die macht Satan's gebrochen hat.
Die antwort lautet:
F v. 7t>5— TttS. E' v. 859—862.
Mes ceste est la damc gente For pis is \>e ladi so gent and fire
Dont deu dist a la serpeute. ^God soideof to^oneddreonj>etre,
Kune feinme venderoit fr |>er scholde come" a wOmon blyne
Ke tut son chief quasseroit. tat scholde al his pouste to-dryue.
Nachdem die dichter dann in einem lobgesange (F 769 — 780,
E1 859 — 878) die himmelskönigin verherrlicht, die so schön und
gut war, dass Gott ihre seele zum trone wählen und zum heile
der menschheit von ihr fleisch und blnt annehmen konnte, be-
rühren sie kurz (F 781 — 780, E> 874—880) das mysteriuni der
menschwenlung Christi. Sie lassen den schwierigen gegenständ
aber bald wider fallen und verweisen beruhigend auf die all-
mach t Gottes:
F v. 7S3--7S«. E1 v. $77— 880.
Par la portc dose entra i>orw J?e faste gat he con inteo,
AU issir dose la lessa. And at |>c outjong he lette faste beo.
l)e coe niert nul contee nc plct How so )>at was, beo we stille,
Kar (pianke deu veut si est fet. For o( alle JtfngGod may don his wille.
In einem abschnitte, welcher überschrieben ist 'Here spak
the autour', nimmt der Verfasser von E'2 die mit v, 413 plötg-
CHASTEAU d'aMOUR. 343
lieh unterbrochene deutung der einzelnen teile des liebes-
schlosses wider auf. Er hält sich anfangs im ganzen an seine
vorläge. Die verse 607—612 stimmen dem inhalte nach genau
mit F 675—698 überein:
The greiie colour bi the ground that wil so wele last
Is the treuth of our ladye that aye was stedefast
The meyne colour in the uiyddest of this castil walle
Was stable hope to come to grace that save mankynde salle
The rede colour aboven breunand in the sijt
Was brennand love of gode and man that gyves niykil ligt.
Ueber die vier türme sagt der dichter ganz in anlehnung
an F 699—706:
The four toures gret and strong that fair were to se
Ware gastlye strength and sobernes rigt and sutilte.
Uebereinstimmung herrscht betreffs der deutung der drei
ausfallspforten (baillis) und der sieben brustwehren ebenfalls
(E» 619—634).
Selbständige tätigkeit des englischen bearbeiters zeigt sich
aber in den folgenden abschnitten. Ueber die quelle, welche
im schlösse entspringt, handelt er viel ausführlicher und bietet
dabei charakteristische züge der Verschiedenheit. Denn während
dieselbe in F gedeutet wird als 'La grace ki suronde', führt er
aus (v. 635—646):
The fair welle in the castil that filles ay the dykes
Is grace in goddes moder that synfhl man aye likes
Thou that niyster has of grace go to this spring wele
Who so help has of hir sal never go to helle
Make the dykes of meknes and of gode wille
And foure stremes of that grace sal the sone fille
On streme evermore sal the clene wasche of spynne that is past
Another agayn temptacion sal make the stedefast
The thirde sal stere the to do werkes of charite
And the ferd sal berre the to blis that aye sal be
This welle is evermore springand merey and pity
If thou have no part therof it is al lange on the.
Ferner sagt er von dem elfenbeintrone im hauptturme des
Schlosses und von dem regenbogen um denselben, welche weder
in der französischen vorläge noch in El eine deutung finden
(v. 649—652):
The trone of yvor is the saule of oure swete ladye
Seven grees that hys ther to are Werkes of merey
The raynbowe that bendes over with his colours thre
Is the myjt that Covers hir of the haly trinite.
344 HAASE,
Ob diese weise der deutung des bogens nicht auch nnserm
dichter etwas gewaltsam vorgekommen ist? Ein gewagtes an-
sinnen an die gläubigen seiner zeit war es jedenfalls, dass
sie seiner auslegung zu gefalle im regenbogen nur drei färben
unterscheiden sollten. Schön hingegen ist das bekannte bild,
durch welches der Verfasser in den folgenden versen das
wunder der menschwerdung Christi dem verständniss nahe zu
bringen sucht.
V. 655-656.
He come thurgh the cloise £ate and when he went clois it was
Rijt as the brigt sonne bemc comes and goos thurgh the glas.
Mit einem gebet an die heilige Jungfrau schliesst dieser
teil der dichtung. Drei grimmige feinde bedrängen den dichter
und drohen, ihn zu gründe zu richten, wenn nicht die Jungfrau
ihm Zuflucht in ihrer sichern bürg gewährt.
Der erste der feinde ist Satan. Von ihm heisst es:
F v. S04— S06. E» v. 897—900.
Li diables est prime venu t>e fend fürst is for|> iconie;
Ka trois hoste en mi se dresce Wif> }>reo hostes he de]? nie gret wo
Cest orgoil . ire . e peresce. Wif> pniide, and wra^)?e and 8lenj?e
also.
E» v. 670-671.
On is the foule fende with al his companie
That puttes forth pride and wrath and gret envye.
Der zweite Widersacher ist die weit:
F v. 807— &0S. El v. 901—902.
Li inuuz ad dous a sa devise l>eworldmehaf>wttwo hostes bis tödo.
Cost envie e coveitise !>at is wi(? couetyse and onde.
E» v. 672—673.
The secund is the fals wald with many schrewed gyse
That shotes aye at nie shar])ly with all covetise.
Zu diesen beiden gesellt sich als dritte feindliche macht
die eigene fleischliche lust Von ihr sagen die dichter über-
einstimmend:
F v. $09— MO. E1 v. 908—904.
E la cliar que tant se plie And my fleseh ine fondeJ> to spüle,
A füll delit e glutonie. Wl glotenye and wi)> vuel wille.
Ea v. 674—675.
The tliird is myn awne fleseh to nie at gret eneuiye
That prickes ine with lechriu sleuth and glotonye.
Grosses unheil haben die drei feinde bereits angerichtet
und sie werden gewiss alles zu gründe richten, es sei denn,
CHASTEAÜ D'AMOÜR. 345
daßs dem bedrängten schütz gewährt werde. Mit der dringen-
den bitte um diesen schliesst der dichter:
F v. 815—818. E1 v. 907—910.
Tu que fiebles redrescez frow }>at art to alle febulle leche,
Fai ine poser au fossez. tow let me of |?y dyches cleche,
Ou li chastel est estable frer )>e castel is faste and stable
E charite rest conestable. And Charite is constable.
E9 v. 678—681.
Lady let me lye in thi castel dyke
And wasch me wele therto thi servant like
Then if myn enemys wil me assaile
In traist of thi gode help y take that bataile.
Der folgende teil unserer dichtung (F v. 819— 1601, E1
v. 911—1512, E2 v. 682—1277) handelt von dem wesen und
werke Christi. Der gelehrte Verfasser hat dieser seiner be-
trachtung, welche eine kleine reimpredigt ftir sich ist, das
prophetische wort des Jesaias zu gründe gelegt (Jes. 9, 6). Er
nennt den abschnitt: Item de prophecia ysaiae dicentis, Puer
natus est nobis et filius datus est nobis: et vocabitur nomen
ejus admirabilis, consiliarius, Deus fortis, pater futuri seculi,
princeps pacis.
Im ersten passus wird gezeigt: Quomodo fuit admirabilis
(F 819—878, Ei 912—936, E* 682—710). Wunderbar ist zwar
alles bei der mensch werdung Gottes, und nur in gleichnissen
lässt sich davon reden; aber neben dem Gottessohne ist es
besonders seine mutter, welche * admirabilis ' genannt werden
muss. Von ihr sagen daher die dichter zuerst:
F v. 823—828. El v. 915—920.
Cest leschiele bien nous di forw |?is laddre God heuenedrihte
Ou deu du ciel descendi. From heuenc into eor)?e alihte,
De lui prist humanite And nom of hire his monhede
Dont il covri sa deite. torw whom he wrey his Godhede
La verge porta la flur his is pe gard )?at bere)? }>e flour,
La virgne son creatur. tat maiden J>at bar hire creatour.
Der dichter von E2 ist an dieser stelle viel ausführlicher.
Als ziemlich übereinstimmend lieben wir die folgenden zeilen
hervor (v. 686—689):
Thou art the geit of aaron that bar the faire flour
When thou in cleue inaydenliede bar thi creatour.
Thou art the stegh of jacob thurgh wham is gate to heven
He may hope wele of help that devoutlye wil the ncver.
Vom söhne selbst heisst es:
346 HAASK,
F v. 831—838. E1 v. 92S— 9S0.
Icest enfant est raerveillus And nis he wonderful )>erfore
Kensi deigna nestre por uns. Whon he is J>us for us ibore?
Merveille tant nest ce nie seuible So inuche wondcr nis of no [ringe,
Come dous naturesjoindreensenible. As two kuynden togeder bringe,
Si ke chescune apertement And |»at ei|?er kuynde wij> alle
Eit tut co ka lui apent. Ilabbe )>at wole to heora bifalle,
Ki riens amenuse ne soit l>at neuer nou|?er ne wonte no wiht,
Mes lune e lautre eit son droit. Ac |?at etyer habbe al his riht.
Ueber den zweck seines kommens wird übereinstimmend gesagt:
F v. 841—842. E1 v. 933— 934.
Pur ses surors acorder To saugte his sustren J>1 were toboren,
E son prison dcliverer. And dilyueren )>e prison )>l was for-
loren.
E» v. 692—693.
Now he has acorded alle his sistere foure.
And pete is cryed for man heghe up in the toure.
Im folgenden weichen die dichter sehr von einander ab.
V. 845 — 878 der französischen vorläge finden sich in El nicht
übertragen, und der Verfasser von E2 behandelt die stelle sehr
frei und selbständig.
Was der gelehrte bischof in diesen versen sagt, scheint
auf den ersten blick zu der Überschrift, welche er dem ganzen
abschnitte gegeben hat, wenig zu passen. Es ist jedoch mög-
lich, dass er dadurch hat zeigen wollen, wie schon die zeit
der wunderbaren geburt des friedensftlrsten dadurch ausge-
zeichnet war, dass alle Völker auf erden sich des friedens er-
freuten. Der englische bearbeiter von E1 hat den passus über-
sprungen, ihm erschien der gedanke vielleicht als zu fern-
liegend. In E2 findet die sache erwähnung. Man vergleiche:
F v. 551— S60.
E peis en terre est criez
A gent de bone volentez.
Lors avoit teu peis en terre
Ken tut le munde ni ot guere.
Ne ni ot contec ne descord
Meis tuz furent dun acord.
E suz an prince governe
Kant nostre sire fu ne.
Augustus cesar se noma
Ki coinand par tut ala.
Der dichter von E2 sagt v. 700—703:
In token of the prince of pees when he til us come
Pees was over al in the world and reuling was in rome,
CHASTEAU D'AMOUR. 347
Joye is sungen now to god upon hegh in heven,
And pes in erthe til al man that are of gode wil even.
Ein stück scholastischer philosophie jener zeit wird uns
in den versen F 864 — 870 geboten. Der dichter scheint einen
augenblick vergessen zu haben, zu welchem publikura er redet.
Der Verfasser von E2 folgt seiner vorläge darin nicht, sondern
schliesst, nachdem er von der wunderbaren höllenfahrt Christi
erzählt hat, mit einem gebet an Maria um rettung von den
todsttnden (E2 703—710). Der abschnitt in F lautet:
v. 864 ff. Mout est nature enbelie
Kant nature naturante
A nature est ignoraunte.
Ke nature naturee
Lors est nature puree.
Cent tant plus keinz nestoit
Einz kadam forfet avoit.
In dem folgenden umfangreichen abschnitte wird die
frage beantwortet: 'Quomodo fuit — Christus — consiliarius?'
(F 879—1192, Ei 937—1218, E2 414—606). Der dichter von
E1 folgt, nachdem er die ersten 34 verse der französischen
vorläge übersprungen hat, derselben sehr genau. Ein vergleich
von F und E2 wird aber zeigen, dass die anordnung in den
gedichten ganz verschieden ist; oft sind einzelne gedanken und
bemerkungen, ja sogar grössere abschnitte von F in E2 umge-
stellt und mit einander vertauscht Der englische Übersetzer ist
mit dem in halte seiner vorläge ganz selbständig verfahren.
Christus ist ein guter ratgeber, so zeigt dieser abschnitt,
einmal vor Gott, dem er die erlösung geraten hat, ferner für
die menschen, denen er den weg zum himmel zeigt, und end-
lich Satan gegenüber, den er schlagend als einen lügner und
betrtiger entlarvt. Fast das ganze erlösungswerk ist kurz in
diesem teile der dichtung behandelt.
Der dichter beginnt damit, einen schlechten ratgeber zu
schildern (v. 879 — 896). Dieser würde z. b. dem aus seinem
lande vertriebenen kaiser von Rom den rat geben, in dasselbe
zurückzukehren, ohne dabei aber irgendwie hilfe zu leisten.
Ein anderer ratgeber ist Christus. Von ihm sagt der dichter
dann (v. 898—908):
II est conseillier adroit.
Com il avint oi avez
H oiu nie trovad esgarez.
348
HAASB,
De paradis engetez
Janiraes ne feust relevez.
Par soi ne par ne par sa puissance
Ne fust de deu la redressance.
Trestouz nus vint conseiller
E la voie au ciel mustrer.
Uebereinstimmend weisen im folgenden die dichter darauf
hin, wie der allmächtige Gott sich aller macht entäussert, von
einem weibe geboren zum menschen wird, um seinen verlorenen
brüdern zu raten und sie zu retten. 'En si tres doce manere\
wendet er sich an dieselben:
F v. 022—932.
'Beaudoz frere
Jo te voi ci esgarez
De tun pais eissilez.
E si veez aperteuient
Ke par toi vas recovrement
Ne soiez ja en desperanec
Ne de co naiez dotance.
Ke ci ererre ine voillez
Tun heritage tut aurez.
Oes uioi tut suleuient
E fetes mon coniandement.
E» v. 946—956.
'Leue brojrnr,
I seo \>e mislyken and al forjemed,
And out of }nn owne lond iflenied;
And \>o\\ seost wel |>at for no J>ing
l'ow hast of }>i seif no keueryng.
Ne beo )?ou in wonbope non,
Ac ful siker |?ou beo J^eron;
•W t'ii wole nie louö and underetode,
I chul \>q bringe into J>in owne londe.
Ententyfliche |>ou herken to me,
And do |>at ich coinaude J>e.
E* v. 573— 5S0.
Dere brothir he said of tbe I bave pite grete
Tbat al tbi fair heritage fotily is forfait
Never the lees sal nojt in despeir
For of that heritage y am heir
To double rijt bit falles to me
The toun of thaim y may wele gyf the
If thou wil kepe my comaundement
Thou sal aye have it veraiuent.
Im wesentlichen übereinstimmend ist auch folgende schöne
stelle:
F v. 933—950.
Mon joc est suef a sentir
Mon fcs legier a sustenir.
Pitie pur toi mad esuiu
Pur toi sui jo ci venu.
Mon conseil est que sirvez moi
E jo ta hataillc enprendroi.
Priines por toi voil pleider
E ton droit voil chalangcr.
Kar jo sui de ton lingnage
Si puis clamcr ton heritage.
E sui de fr&nche natiun
El v. 957—97«.
Mi 30k is softe inow to weren,
And my bur|>eue li^t inouh to bereu,
To Merci bihoue I am al inome,
And Jms I am for \>e icome;
And Ich J>c rede |>ou suwe me:
I chulle |»c batayle nyrae for pe.
To ple I chulle t>is princes hauen,
And |>i rillte I chulle crauen,
For Icham of \>\ lynago:
I may crauen |>iu heritage.
And Icham of freo nacion:
CHASTEAÜ D'AMOUR. 349
Si ert oie ma reison Me ougte i-here my rcson.
Pur toi prendrai la bataille For J?e I chulle to batayle wende,
Saverez hone definaille. And sicker beo ]>u of ful good ende,
Kar jo enfin la veintrai For I challe an ende ouercome ]>* fiht,
E ton droit dereinerai. And todreynen al \>\ riht.
De rien ne testeut penser Ne darstou on erf>e Rechen ellesnouht,
Fors deus e ton prome amer. But God and ]?I cuecriste to loue I
trewe J^ougt.
In E2 wird der inhalt der stelle freier gegeben (v. 581 — 591):
For I am god blis is bounden to me so fast
That y may never fro me hit cast
For I am of adam kynde and with outen synne
I may clayme his heritage and bi skil hit wynne
If thou wil over al thing rigt hertly love me
And love thin even cristen for the love of me
All thin enemys the agayn sal no thing availe
And y sal sone for thi sake to me take this bataile
If thou wil hald thi hcrt how y for the sal figt
Mi gok sal aye be swete to the and my birthin ful ligt,
I erne at me for I am mylde and also meke of hert.
Nun folgt (F 950—896, E» 977—1022, E* 592-606) eine
Strafpredigt der Verfasser an die menschheit. Das beispiel von
demut und Selbstverleugnung, welches Christus den menschen
gezeigt hat, wird von ihnen nicht beachtet. Sie gehen ganz
auf in dem streben nach wertlosen irdischen dingen, demut
und mildtiitigkeit werden nicht geübt Der besitz grosser reich-
tUraer macht sie hoffartig und lieblos gegen den nächsten
(F 950 — 968, Ei 977-994, E* 592—596). Ihre ttberhebung
lässt sie das beispiel Christi nicht mehr sehen, sie folgen ihm
nicht und wollen seinen rat nicht hören. Die demut verachten
sie, ja sie möchten wie einst Lucifer:
F v. 982—984. E1 v. 1009—1010.
Revilen la den pussance.
Pur co si chai lucifer For]?i Lucifer, as ge habbej? herd teile,
Hors du ciel desken enfer. Fei frö heuene adoun to helle.
Auch der Verfasser von E2 erinnert warnend an den fall
Lucifer's (v. 602—603):
Ther for drede he maye that so wil him bere
Of a foul falling doun with lucifere.
Nicht der besitz des reichtums an sich ist sündhaft, son-
dern nur der verkehrte gebrauch desselben. Nichts hindert
die reichen, Gott in demut zu dienen und mildtätig zu sein
(F 987—996, E* 1013—1022, E2 604—606).
350
HAASB,
Die dichter beantworten darauf die frage:
F v. 909— 1000.
Comont vout il por nus pleider.
Coiuent la bataille enprist
E oostre droit coment conquist.
E> v. 1024—1026.
Hon wolde God plede for us?
Hou he eny batayle nom,
And won uro rigte and a fend ouer-
com?
Sie zeigen übereinstimmend, wie Christas diese schwere
aufgäbe löste, wie er von seiner geburt bis zu seinem tode
für die sünde der weit duldete (F 1002-1166, E» 1029—1190,
E* 513—557 und 414—497). Dies ganze zerfällt in drei teile:
der erste erzählt von den leiden der kindheit Christi, der
zweite von der Versuchung durch Satan und der letzte von
der passion. — Von Christi Jugend berichten die dichter:
F v. 1003—1008.
Kant jhesus el mund fu nez
Du diablo fu tant celez.
Kc ricn ne sout de son venir
Meis quidout par tot seignurir.
Com il cinz ces fet avoit
Mcs son poeir lui est toleit.
E1 v. 1029—1034.
h> Jhesu Godes sone in \>e world
was ibore,
So stille and derne he was )>e fend fore,
tat he of his come riht saugt nuste»
Ac to beo lord and syre jlt euere he
truste,
As he hedde ben; ac his miht was
binome,
Po \>l Jesu was ibore and Ito J>« world
icome.
In E2 v. 464—467 wird als ein leiden der Jugend genannt:
Whcn he was aght dayes old with a culder of stone
Thai karf his tendre membre away that bi the lagh was doun
This penance of that child that was so worthi
Mijt make asseth for synne of mannes lechery.
Erst als Satan bemerkt, dass Jesus ohne sünde lebt, wird er
argwöhnisch und wendet sich versuchend an ihn (F 1009 — 1014,
Ei 1035—1039, E* 513—517).
Sehr interessant wegen seiner form ist das folgende kapitel
von der Versuchung Christi. Der lebhafte und präzise dialog
zeigt so recht, welche grosse begabung die Engländer schon
damals fttr das drama hatten.
Satan versucht Christus und sagt*
F v. 1015—1016.
Tut cest mund te voil doner
Si tu me veus aorer.
Christus erwidert:
F v. 1017—1018.
Va sathanas
Ton seignor deu ne teinpteras.
E1 v. 1042—1043.
AI ]>\s wyde world 1 chul geuen |>e.
So |?at |?ou bouwe and honoure me.
E> v. 1043—1044.
Go awai, Sathan, go:
t>i kuynde lord ne schalt pow fondo
CHASTKAÜ D'AMOUR. 351
Satan beruft sich jetzt auf seine erworbenen rechte:
F v. 1020—1036. E1 v. 1046—1062.
Prince sui de ceste terre. Icham prince and lord of Ipia londe,
Lung tens ai eu la seisine. And in \>e seisyne habbe longe ibe
Par le grant le rei hautime. I>orw \>e hei^e kyng |>at graut hit me*.
Fors ful ke toen conseil ne vei Alle Jung I seo, and alle |ng Ich wot;
Ne rien ne convis ton secrei. But one \n J^ougt no Jring I not
Mout averez grantment a fere frou nymest ful muche an hond,
Si de moi veus rien conquere. To benymen me eny fing in )?is lond.
E si de toi puisance noie taug l nabbe miht ouer )?e,
Quide tu donc tolir ma proie. Wenestou niy preye to benyineme?
Nai . le covenant est fermez Nay, for )>at foreward, }ww So}? and
Riht,
E en la grant cort cyrografez. Faste 1 Godes court is congraffet a-
pltbt;
Si nul le comand den passant tat hose passede Godes heste,
Od moi tut tens demorast. He scholde be myn, and in süne leste
E morroit en fin de mort An ende dyen J>orw had de]? inouh :
Ne deu ne fist onke tort. And \>e kyng of heuene nul do no
wouh.
Mes bien tendra le covenant Wbat weneston such foreward breko
Ken sa cur fu fet avant. tat was in Godes court ispeke?
Christus weist die unhaltbarkeit dieser langen ausftlhrungen
Satan's kurz nach. Satan selbst hat den bund mit Gott zuerst
verletzt:
F v. 1038—1040. El v. 1064—1067.
Li covenanz fu bien tenu. tat foreward on ende wel was iholde;
Meis tu primes l'enfreinsistes Ac ]?u hit bigonne formast to breke,
Kant en traison al serf deistes to^^orwtresontonionkyndespeke,
Tu ne murras pas u. s. w. And seidest u. s. w.
In E2 wird die Versuchung frei von der französischen vor-
läge nach Matthäus kap. 4 erzählt. Satan versucht Christus
4with thre thinges':
518. If thou be goddes sone he said make of stones brede
522. The fende sette crist on the temple and bad him lepe doun
Goddes aungeles to kepe him suld be redy and boun
If he were goddes sone in handes thai suld him bere
So at no ston suld he stumble ne nothing suld him dere.
527. The fend shewid him al the warld and saide this gif y the.
If thou wil bowe doun to the ground and so adour me.
Dann fährt der dichter seinem vorbilde gemäss fort:
532. And I am prince quod the fend of this midierde
I have gode sesyn ther ynne and of ful lange tyme
And be conferuiyng of god al mankynd is myne u. 8. w.
352
HAASB,
In derselben weise, wie es in F geschieht, weist Christas
Satan zurück:
541. Man quod jhesu hade keped al goddes biddyng
Hade he 1103t be letted with betraying.
545. IIow may thou covenant rejoyes be resoun
That thou made man to breko be thi foul tresoun.
Einen überwältigenden eindruck macht Christi wort auf Satan:
E1 v. 1070-1084.
A ! Ich am bitrayged, q«1 }>c fend f>o,
Noii Ich am f>orw ple ouercoine so.
Of whom and hon come|> hit,
Such rcson, and such wit,
l>at |?ou so baldeliche darst nymen \>e
Forte dispute ageynes ine?
l'orw plc Ichabbe iloren al anon;
Ac so nc may hit nou^t gon.
F v. 1047-1054.
0? dist H diables trai sui
Kant en pleidant sui vencui.
E dist . dont te vient teil poeir
Tcu vertuz e teu saveir.
Ka moi osiez enprcndre
Desputer . e reison rendre.
Tut ai perdu en pleidant
Mes ne demona mie atant.
In E2 heinst es kurz:
547. Alas then quod the fend wher hade thou this connyng
For to venquys me to day thus with thi motyng.
Vom tode oder von ewiger haft des gefangenen ist jetzt
nicht mehr die rede, vielmehr ist Satan bereit, demselben die
freiheit zu gewähren. Er fordert indess hohes lösegeld:
F v. 1058— 10511. K« v. 1087— 108S.
Ne sanz redcmption por li And böte he bco forbougt of me,
Ne serrai a tort deseisi. Ile ne 01131c from wo disseysed be.
E* v. 551— 552.
Rot if thou before he passe forthe
Paye as mekil raunson for him as he is al worthy.
Besonders lebhaft ist der dialog in folgender stelle
(F 1059—1078, E* 1089—1106):
Christus:
And Ichulle hi }>enne for-bugge.
Satan:
rn( |>ou wolt him bugge to bis feoret
He schal costen |>e ful deore.
Christus:
IIou deore?
Satan:
As he is wor}>, er |>ennc he go
Out of bonde of my prison.
Christus:
I»at is skile and god reson;
Ne kep I noujt tojeynes riht
I>orw maystrie binyme J>e no wfht.
Pur lui redempcion frai.
Si tn le veus achater
II te costera mut chier.
Cume chier?
Tant com il vaut
Ainz ke de ma prison aut.
Co est bien reison e droit.
Contre droit ne voil jo mie
Tolir toi riens par mestrie.
CHASTEAÜ D'AMOÜR. 353
Satan:
Fai le me doncl
Christus:
Volontiere,
Kest co donc ke tu quiers?
Satan:
Rendez nioi donc que tant vaille No, ac er he dilyuered be,
Com fönt ore tuz eil de mund tou most al so muche delyuere mo
E quanka pres tuz jurs vendrunt. As al |?is world is wor)? atte frome
Wi|? alle }>ulke \>t schulen herafter
come.
Christus:
Volentiers tut cest frai Ble^eliche, al I chal don )?is,
Kar mieuz vaut mon petit dei For my luttel fynger uiore wor|> is
Ke teu niil mundes ne funt ten such an bondred worldes ben,
Od tute la gent que i sunt. Wlal)?atfolk |>l nie may herafter sen.
Der dichter von E2 gibt diese stelle viel einfacher wider:
553. That is resoun quoth ihu crist and that ful verailye
I wil nogt tak man fro the with unskilful maistrie
Loke what is his raunson sal be skilfully
And 1 sal paye hit for bim and that ful largely.
410. For my lest fynger is raekil mor vailiant
Then a thousand worldes if that thai wäre.
Es sei hier bemerkt, dass die verse 414 — 428 in E2 an
eine falsche stelle geraten sind, sie haben ihren rechten platz
erst nach vers 557.
Auf zwei verschiedene weisen versucht es dann Satan
noch, Christus von seinem vorhaben abzubringen. Zuerst stellt
er die sache so dar, als ob die weit ein zu geringer gegen-
ständ sei ftir das bemühen Gottes (F 1079—1084, E» 1007—1012,
E2 418—422). Er schliesst:
F v. 1083-1084. El v. 1111—1112.
E veus tu donc ton doit doner And woldestou }>i finger geue, f^auj
Pur si vil merz achater? J>u so sugge,
So unworJ> and so vyl chaffare to
™ bugge?
E8 v. 421—422. 66
And if thou wil gyve tili fynger bim to bye
Than sal thou inake a febil marchandic.
Die list Satan's ist bei Christus vergeblich, dieser er-
widert ruhig:
F v. 1085— 1080. E' v. 1113—1114.
Nai fet il mes tut mon cors 3e, and al my body for his raunsoun,
Ains kaies le prison hors. But I chttl hl habbe out of prisoun.
Dann sucht er Christus abzuschrecken durch hinweis auf
die grossen marter und den bittern tod (F 1087 — 1094, El
AngUa, XII. band. 23
354 HAASE,
1115—1118. E2 423— 425). Doch auch dieses strategcm Satan's
ist erfolglos. Christus weist es zurück, indem er erwidert:
F v. 10% —1100. E1 v. 1120 -1124.
Quankas dit tut jert tcnu. AI )>at |?ou hast seid, al schal be do;
Kar verite le devise For So)? seide liit oujtc ben so,
K puis lad juge justise. And Riht com after and je|?e dorn J>o;
Plus ferai ke dit navez And more )?e )>" hast iseid Ich ulledon
Si ort li serf deliverez. To diliuere )>c J»ral out of prison.
E» v. 423 -42«.
Jhesu said I sal do more than thou has ast
And tliis covenant betwix us sal be made ful fast.
Der folgende abschnitt handelt von der passion Christi
(F 1107— UGÜ, E» 1131—1100, E* 430— 497). Die leiden des
heilandes werden in F und E1 nach folgenden gesichtspunkten
geschildert:
F v. 1115-lllh. E1 v. 1139—1142.
En tuz les nieinbres komme ad In alle \>e lymes J?at ha)' )?o mon
Dont Adam primes pechad. Se^e Adam formest sunne bigon,
Vont il ses donz membres pener Wohle )>at his tyuies alle ipyned were,
Pur nos pechiez aquiter Tomakenusof sünealquitandskere.
Der Verfasser von E2 weicht von dieser anordnung der
Schilderung bedeutend ab, er verhindert manches und fügt vieles
hinzu. Gleich im eingange z. b. macht er folgenden zusatz:
4:i4. Thre and thirty gere for the to bye thi forfete
He suffred cold hunger and thirst and travail wonder grete
Befor that he for synne of man til his passion jode.
lieber die marter des erlösers heisst es in F und E1:
F v. 1119—1130. E> v. 1143—1154.
Pur la nostre iniquite For ure unwrestschupe here
Son chief despine ad corune. l'e coroune of )>ornes on his hed be
beere ;
E pur le nos fous regarz And for ure folye also
Ses eus bendez dambe parz. His ejen weore blyntwharuet bo;
Eu sa face les copirent And al was his face hifotilet w' spot,
E des paumes le ferirent. And eke grete hoflfetes amög nie hl
smot;
K pur nostre fou parier And for ure speche unwreste and vyl
Heut eisil . 0 fei amer. Atter heo hl dude to drike ymeynt
w* eisil
E pur nos mavois fez foreiuz l>e otewyse Werkes as |?ere anonden
Se lessa percer piez e meins. He lette bo)>o purlen his feet and
hoden.
Pur vostre mavois penser And for ure woke J^oujtes he ^olede
smerte,
Se suttri deskau quer percer. I« me bis syde )>urlede rijt to |>e herte.
CHASTEAÜ D'AMOÜR. 355
Dem dichter von E2 war dies bild noch nicht düster genug,
er sucht es durch zusätze noch schauriger zu machen. So ge-
hört z. b. ihm allein an:
444. He was lifted upon hegh and lettcn doun so fast
Tbat all the raynes and the synuues and bis body brast.
Oft findet sich bei ihm auch eine von F abweichende
deutung der leiden Christi; z. b.:
453. For to uiake assetb for mannes proudnes
Ilis eghen were fade and dyinine and lost al tbair uiygt.
462. Bitter aisel and galle when he was tbristy
Drank he to make tully asscth for manes glotony.
4(*»8. AI the body aboute with brising and beting
Was punysched ynogh for synne of touching u. s. w.
Allen forderungen Satan's geschah durch Christi leiden und
sterben volles genüge (F 1136—1140, E» 1161—1164), denn:
F v. 1141—1144. E1 v. 1165—1168.
Kar plus soffri cent itant For more }?olede an hundret folde
Peines e maus en moriant Serwe and pyne, ]>o he dyen wolde,
Ke diables neurent poeir I>en ]?e fend inihte for eny synne
A humeine nature charger. Leggen hond uppon inonkunne.
Bei dem tode Christi ward es kund, dass er wahrer Gott
war, so erzählen die dichter von F und El. In E2 heisst es:
492. When god thus sufFred dede as we rede in boke
The sunne sone withdrough his ligt and the erthe whoke
And the rail of the templo even brast in two
And the harde stones swiftly cleve also
Many a man rose than that were before dede
And al bare thei wittenes of his godhede.
Uebereinstimmend gedenken die dichter dann der leiden und
freuden der Maria (F 1167— 1192, E* 1191—1218, E* 499— 511).
Die prophezeiung des Simeon ging in erftillung, ihr herz duldete
mehr schmerz bei dem anblick der quälen ihres sohnes, als
wenn durch dasselbe ein schwert gedrungen wäre. Ihre trauer
wurde jedoch in freude verwandelt, als der söhn über tod und
teufel siegreich auferstand. Die hölle war bezwungen und
der gefangene erlöst. Der glaube war es, welcher Maria die
kraft gab, alles zu ertragen, sie vertraute auf Gott, als alle
zweifelten:
F v. 1183—1186. E1 v. 1209—1212.
Trestuz furent en dotance In wonhope weore his disciples
uchon,
Mes vous en ferme creance Ac j?ou weore studefast euer in on,
23*
356 HAASE,
Demorastes sanz doter Ne mijte }>e no }>Ig tornen out,
Ta foi ne peut rien changer. In trewe bileue euere }?u weore, stille
and loud.
Anders spricht sich der Verfasser von E2 über den glauben
der Maria aus. Er sagt:
507. Thou wote that he sal ryse agayn thurgh his awen mygt
And with a body ful of joye apertly to thi sijt
Thou wote the fend is venquist and wetes it nojt u. 8. w.
Mit einem gebet um die ftirbitte der Jungfrau bei dem
erlöser sehliesst der passus:
F v. US7- -1192. E1 v. 1213— 121b.
Marie niere de pitie Marie, Moodcr of pite
Pucelo pleine de Imnte. May den ful of alle boiite,
En vous tu donc nostre creance Ure beleeue was f>o in J>e iwis;
Mes ore est nostre esperance. And nou al ure hope is
Ke pur nus le depriez hat |»ou biseche \>\ sone for us,
Par ki sumes reehatez. I'at so on rode forbougt us.
'Quomodo deus' ist die ttbersehrift des folgenden abschnittes
(F 1205— 1274, E« 1219—1290, E* 712— 747),' obgleich in dem-
selben nicht nur gezeigt wird, dass Christus wahrer gott, son-
dern auch, dass er wahrhaftiger mensch war. Es heisst:
F v. 1220-122». El v. 1241-1244.
E ses fez peut hom saveir Men inay also, clerkes Y cone reden,
E la puissance deu veeir. Iseon bis Godhede )?orw his deden;
Kar tuz ses fez furent inellez For al ]>c deden |>at he dude here
De hoinuiesce e de deitez. W* Godhede and inonhede weore
iuieynt ifere.
E2 v. 721-722.
He shewed us the my^t of god in his manhede
Power of god and man was viellid in his dedis.
Uebereinstimmend suchen die dichter das wunderbare der
beiden naturen Christi durch ein bild dem verständniss des
laien nahe zu bringen:
F v. 1220 —1237. E1 v. 1247—1259.
Ki eust k'i une espeie Hose hedde a swerd hero
Bien trenchante e aseereie l'at wel isteled and kene were,
E enz un graut feu la uiist And he hit into J>e fuir dude
Tant kardante la feist. l»at hit were brenynge in |>e stude;
Tant com ele ardante feust Ho is )>at )>enne mihte,
Nul ne serroit ipii peust. Whon hit barnde so brihte,
Le feu partir del ascer l»e fuyr todelen )?e stel fro,
Nel ascer del feu severer. <)[>er J>e stel froui J>e fuir mo?
E ki del espeie ferroit And hose wl j?e swerd smite,
Do us natures troveroit. Two kuynden he inigte sen and wite
CHASTEAÜ D'AMOÜR. 357
Lascer trenchant per droiture te stel ]?orw kuynde kerue]? apliht,
E le feu ardante par nature And |?e fuir brenne^ and ]>t is riht;
E tut dune espeie ist. And al of o swerd hit come.
E* v. 724—725.
Rigt as a sharp swerd of the fire al glowand
The egge kerues if he suiyte the hete is brennand.
Die wahrbeit dieser behauptung wird dann durch die Vor-
gänge bei einigen Wundertaten Christi erwiesen. Das erste der
wunder ist das auf der hochzeit zu Cana. Nachdem die dichter
den Vorgang erzählt haben fügen sie erklärend hinzu:
F v. 124(5—1249. El v. 1209-1272.
Coui homine eraplir les roua As mon he bad don water j?erin
Com deu leawe en vin changa And as God he torned hit to wyn.
E tut icest un oeur feu And )?is ilke dede was al on
E domine e de verrai deu. Of so|?fast God and so^fast mon.
E2 v. 732-735.
When he had sette water he shewed his manhed
And when he turned hit to wyne he shewed his godhed
For he myjt have made wyne with outen water brogt
Rijt as he made when he wald al the warld a nojt.
An zweiter stelle wird die speisung der 5000 genannt,
von diesem wunder heisst es:
F v. 1256—1257. E1 v. 1279—1280.
Com homme le pain departeit As mon he hem )>e bred to brek,
Come deu les a tuz refeit. And as God he ha)? hem ifulled ek.
E* v. 740—741.
His manhede to thaim alle delt bret and fische
Bot his godhede ther multiplied al this.
Zu der glänzendsten tat Christi, der auferweckung des
Lazarus, bemerken die dichter:
F v. 1264—1265. E1 v. 1267—1286.
Cume homme a lui criad Riht as mon he clepede him to,
E com deu le resuscitad. And as God he arerede him also.
E* v. 744—745.
First he grette and sithen he cryed to lazar
That shewed that he was veraye man thar.
Die in E2 hierauf folgende abhandlung 4Of the sacrament
of the auter ' ist zusatz des mönches von Sallay (v. 749— 792).
Er stellt darin die dogmen über diesen gegenständ zusammen
und umschreibt dieselben. Ein beispiel mag zeigen, in welcher
weise das geschieht:
751. Thurgh the vertue of cristes wordes of the sacrament
That the prest reherces at his messe with gode entent
358 HAASE,
Brcde in to cristes flesche and wyne in to his blöde
Sudainlye is turned for mannes gastlye fode
Notber brede ne wyne is after sacryng in tbe messe
Bot veray goddes flesch and blöde in tbair liknes u. s. w.
Es wird dann zur beantwortung der frage übergegangen:
lQuomodo fuit fortis?' (F 1274—1345, E' 1297—1370, E*
794 — 822). Im eingange zu diesem abschnitte sagt der dichter
erst, dass er anvermögend ist, einen so hehren gegenständ wie
die alimacht Gottes würdig zn besingen. Nur geringes ver-
mag er:
F v. 1285—128". E1 v. 1308-1310.
Meis come en rongant les corce But as a mon )>e rynde flej>,
Tochier la voil apertement Süwbat touchen I chulle fonde
Solunc lc niieuz ke jentenc. Of )>at Ich may understonde.
Dem dichter liefert den beweis flir die göttliche macht
Christi dessen glorreicher und entscheidender kämpf gegen
Satan und die hölle. Erschreckend gross war nach Adam's
fall die macht Satans geworden. Alles auf erden musste ihm
gehorchen und fürst der weit nannte sich prahlend der tückische
feind Gottes und der menschen. Alle anstrengungen sich seiner
herr8chaft zu entziehen waren vergeblich, auch die besten
konnten der hölle nicht entgehen (F 1288—1299, E« 1311—1322,
E2 803 — 810). Auch des sohnes Gottes gedachte er sich zu
bemächtigen:
F v. 1303—1307. El v. 1326-1332.
Ke il quidout cum dautre gent l>o he wende of him to done
Do jhesu fere son volcir As he hedde don of oj?er alle
£ attrere a son poeir. t>at he lette into helle falle:
Kant il le vit en la croiz pendre Alle he ladde herbifore after his wille,
Lalme de II quidout prendre. And into helle con hem spille.
To |>e croys he con come
And wolde habben is soule inome.
E* v. 811— 812.
When tlie fend sagh liiin wele on the crois liyngand
He wend to havc made him forth aye in helle lengand.
Schön schildern dann die dichter das jähe ende der macht
Satan's:
F v. 13uj> - |:n«.i. E1 v. 1333 — 134«.
Meis li traitres a<l inentuz Ac he faylede, J>e traytour;
II est de Hon torn abatnz lle was abated of his tour,
Kar sa seinte (leite For («ödes (todhedc hl hap doU eist
Kesken enferre lad gete Into helle and ibouuden fast.
Ou il in eim es est alle For |>orw his Godhede bis soule eode
CHASTEAÜ D'AMOUR. 359
Od salme sa deite. I>idere for hise )>at hedden neode,
Les portes denfer debriseit tat göre hedden him abide
Le poer du diable a toleit. And sore longeden to gon him mide.
A enfern fist im grant mors Helle-gates he al to breek
Ke tuz les soens eiitreit hors. And todaschte al ]?e fendes ek.
Qui en sa venue crurcnt A gret bite he bot of helle nom
E de bon quor servi leurent. And drouh alle hise out uchon
l'at leeueden his nome and hl knewe
And serueden hl wi)> herte trewe.
In E2 wird dies kürzer ausgedrückt:
S13. Bot sone the saul with the godhede as a ferce lyon
And a king of al the warld and nojt as a prisoner
Come to helle and brast thair barres with his wille fre
And toke out alle anon with him that dyed in charitie.
Die prophezeiung des Jesaias ist also glänzend erfüllt worden:
der söhn Gottes, dessen macht alles menschliche verstehen über-
steigt, hat Satan überwunden und dem räuber die beute wider
abgenommen (F 1320 — 1337, E' 1347 — 1362, E* 817 — 820).
Uebereinstimmend heisst es dann zum schluss von Christo:
F v. 1338—1341. E1 v. 1363—1366.
Icit est nostre refu I>is is ure child and ure help,
Nostre force nostre salu Ure strengte and ure jelp,
Nostre foi e nostre amur Ure beleue and ure socour,
Nostre aie e nostre honur. Ure treuj?e and ure honour
Ea v. 821—822.
Thus is jhesu crist our refut strength and socour
Our help and our hele our joye and our honour.
Im folgenden abschnitte (F 1340—1485, E» 1371—1512,
E'2 824 — 878) soll gezeigt werden, wie an Christo die prophe-
zeiung Jesaiae in erfüllung ging:
F v. 1350—1352. E1 v. 1375.
Ke son non nome serroit
Pere au poeple ki vendroit Fader of the world |?at scholde come
Au siecle ke feut a venir.
Christus ist in der tat der 'pater futuri saeculi', der vater
aller geschlechter, welche nach seinem siege über Satan auf
erden noch leben werden. Es beweisen dies sowol sein tod
und seine auferstehung, seine höllenfahrt wie seine himmel-
fahrt, als auch besonders seine eigenen worte und letzten be-
fehle an die jünger.
Der Verfasser von E1 hält sich auch hier genau an seine
französische vorläge, während in E2 wesentlich derselbe inhalt
freier und kürzer widergegeben wird.
360 HAASE,
Die dichter heginnen damit, Adam, ungern vater nach dem
fleisch, mit Christus, unserm geistigen vater, zu vergleichen
(F 1356—1379, E* 1379—1400, E' 824 — 833). Von Adam
heisst es:
F v. 1356—1363. E1 v. 1381-1386.
En adara trestuz pecherent frorw Adam we sügeden fürst uchon
E touz la pume en li mangerent. And ceten )>e appel wi|> hi anon;
Kanque de lui engendre furent And alle weof bimistreonedweoren:
La inaleicon kil out eurent. t>e cors \>aX he beer alle we beeren.
Kar il leurent natureument frorw kuynde we hedden J?e curs alle
Ne peut estre autrement frorw riht ne mijt hit elles bifalle.
Eigentümlich ist folgender gedanke über den weil; unseres
daseins, das auf Adam, unsern irdischen vater, zurückgeht:
F v. 1366—1369. El v. 1389— 1392.
Mos icclo engendrure Ac }?ulke fleschliche streonynge
Feut a nus e pesme e dure. Beere us bale and serwynge,
Ne feust la grace jhesu crist Neore f>e grace of swete Jhesu
Ke nus engendra en esperit I>at us strenede }>orw gostliche vertu.
Unendlich mehr sind wir unserm geistigen vater zu danke
verpflichtet, durch den wir widergeboren wurden, der uns von
Sünden reinwusch mit seinem blute und uns die freiheit zurttck-
erwarb (F 1370—1375, Ei 1393—1398). Schön schliesst der
passus:
F v. 1376—1379. E1 v. 1399—1400.
Unkes pere pur nul enfant Neuer fader for nu childe
De fiu araor ue mustratant Of fyn loue nas so freo ne mylde.
Kant il nus out tuz rechatez
Par sa mort de mort delivrez.
E» v. 832— S:<3.
Was never no fader that any son so dere hade bogt
As crist that man wesch of synne and out of prisonne brogt.
Fast wörtlich überträgt auch der Verfasser von E* hier
einmal; er fühlte es wol. dass au dieser stelle nichts geändert
werden durfte. Ganz frei behandelt er den inhalt seiner vor-
läge (F 1355-1375).
s26. Alle that was of adam born lost heven for Ins synne
And alle that cristen children will be bi him inaye hit wynne
Baptisiue has the vertue of christes herd blöde
To make thaim bis childre that vvil take hit with gode
Thus ri^t as al mcn dye<l thurgh adam
So uiay al be quikned agayu in cristes name.
Nach diesem vergleiche gehen dann die dichter dazu über,
durch die taten Christi von seiner höllenfabrt bis zur himmel-
CHASTBAU D'AMOÜR. 361
fahrt nachzuweisen, dass er wahrlich der'pater futuri saeculi'
ist. Die darstellung hebt an mit der erzählung von der höllen-
fahrt: vierzig stunden war Christus in der hölle (F 1380—1382,
E» 1401—1404, E2 834).
Schön heisst es dann — besonders in F — von der auf-
erstehung des erlösers:
F v. 1384-1 3S9. E1 v. 1405—1412.
Par im dimain resuscita I'at was on \>q |?ridde day,
Kant laube prinies creva. Erliche uppon a Sonenday,
Les seinz enineine com seignur \>o |>e nigt fro }?e day to brek
Kunques furent a nul jur So seide seint Austin ]>o he spek.
Del ure kadam feu criez W( hira he drouj out alle hise
E jhesus estoit resuscitez I>at dijeden in his seruise
From )>q tyme )>at he Adam wrou jto,
bat he upros and us forboujte.
Der Verfasser von E2 hält sich auch hier an den text der
bibel, er sagt nichts von der auferstehung nach der darstellung
des heiligen Augustin.
Uebereinstimmend wird in dem folgenden (F 1390 — 1419,
E1 1412—1444, E2 835—846) erzählt, wie Christus dann vierzig
tage lang seinen jungem erschien, zu ihnen redete über das
reich Gottes und mit ihnen ass und trank, um dieselben von
seiner auferstehung zu überzeugen. Ihr anfänglicher Unglaube,
und besonders der hartnäckige zweifei des Thomas gelten allen
Verfassern als bestes beweismittel zur Stärkung unseres glaubens.
Sie sagen darüber:
F v. 1402— 1405. El v. 1425—1428.
Meis sachez vous lur doter Ac heore doute was ure biheue,
Fet nostre foi affermer. And fastnede ful wel ure bileeue;
Kar mut nus fist avantance For muche us dude sikernesse
De thomas la mescreance Of Thomas misbileuenesse.
E2 v. 841-842.
Bot it was til our faith ful heplye
That Thomas of ynde trowed lattlye.
Dem befehle Christi an seine jünger, zu . lehren und zu
taufen, nach der fassung in F wird in E1 (v. 1447) noch hinzu-
gefügt:
And sette tweyne and tweyne to gon.
In E^ findet sich dieser zusatz nicht (F 1420—1431, E*
1445_14587 E2 847—850).
Aus wasser und geist müssen wir widergeboren werden,
sonst werden wir das reich Gottes nicht ererben (F 1432 — 1437,
E' 1459—1494, E* 851—852). Dureli Christus wird uns diese
gnadengabe, so sagen die dichter darauf übereinstimmend; er
ist daher in Wahrheit unser vater:
F v. 1188— 1441. E' v. 1465-1467.
E pua kil uns ad engendre And whon he us haf> so strened iwia,
Nostro pere est en verite. Fnrso|>c ur« fader |>eune he is,
E dune »mues nus ses fiz And J>enne wo alle his children beb.
Certcs mut fet ko clioitis.
In E- wird an dieaer stelle kurz, gesagt, dass wir 'thurgh
baptysme be made eristee awen aone'.
In den folgenden versen (F 1442—1443, E' 1468—1490,
E1 853 — 856) wird der gegeneatz zwischen Christ us und Adam
nochmals hervorgehoben: dieser war fleischlich gesinnt, ver-
wirkte sich und seinem ganzeu geschlechte das paradies and
brachte krieg und Übel in die weit; jener, unser geistiger vater,
kam vom Himmel, erfüllte zuerst das ganze gesetz und brachte
uns den frieden wider. F und E1 weichen hier uiebt von
einander ab, der dichter von E- gibt ganz kurz nur das wesent-
liche der stelle.
Am ende des abschnittea ist dann von der bimmelfahrt
Christi die rede (F 1464— 1485, E' 1491 — 1512, E» 857— 866).
Die dichtungen weichen dem inhalte nach hier wenig von
einander ab. Alle dichter bringen folgende eigentümliche stelle:
F v.MT0-;l41i. E1 t. 1496—14(18.
Tue les seinz uienad od II l'e fefre ctipanye he bim laddo w\p
Kil denfern avolt ravi. l'at he out uf helle noui,
A la juye les meoa l'at to muehe Misse com.
Ky ja nul jur nefaudra.
Mit dem athanasiachen credo und der doxologie wird dann
in F und E' dieser teil der dichtung geschlossen. In E1 folgt
(860—878) noch der berieht über die ansgiesmmg des heiligen
geistes. Der dichter gibt denselben in aulehuung an apostel-
geBchichtc kap. 2 und schliesat:
S77. Thai wutu so roiifcrmed in trouth and ful of grace
'l'liat for tu preche guodes law« tbai dred nu kingoa face.
Der Verfasser von K1 schliesst nein werk hier ab, die letzte
frage, welche die franzümxche vorläge noch behandelt: 'Qoo-
modo t'uit prineeps pacisV, d. i. den selilnas der diebtang, tat
CHASTEAU D'AMOÜR. 363
er nicht mit übertragen. Es ist befremdend, dass er hier so
plötzlich abbricht, da er bis hierher seinem vorbilde so genau
gefolgt ist; dass er den plan nicht erkannt hätte, welchen der
gelehrte bischof seiner dichtang zu gründe gelegt hatte, lässt
sich wol nicht annehmen, auch ist es nicht wahrscheinlich,
dass von dem gedichte etwas verloren gegangen wäre, denn
es ist ja ein harmonischer abschluss gemacht.
Der dichter schliesst sein werk in schöner und würdiger
weise mit einem gebete (v. 1513 — 1524). Seine letzte bitte
spricht er mit den Worten aus:
1523. God leeue us here so ende,
I>at we ben worjri to heuene wende. Amen.
Der dichter von E2 hat die französische vorläge bis zu
ende übertragen; ehe er aber zur behandlung des folgenden
abschnittes von F übergeht, fügt er vier passus (880 — 1012)
hinzu.
Im ersten derselben (880—913) handelt er lOf the articles
of trouth*. Vierzehn artikel werden genannt, es sind die des
nieänischen bekenntnisses. Als beispiel folge hier der erste
artikel:
8S2. We sal trowen in on god of niygtes alther mast
That is the fader and the sone and the haligast
None is other of this persones thre
Bot alle are on god in trinite
Thes thre are on god and on veray nature
That inade first of rigt nojt al inanner creature.
Dann ist die rede (917 — 940): 4Of the seven sacraments'.
Von dem ernten heisst es:
918. Baptysme of al synne maye soecour alle inen
For who as taas hit lawefullye
Of synne is clensed alle fullye.
Der folgende abschnitt ist überschrieben: 4Of the seven
giftes of the haligast' (942—979). Als solche werden genannt:
1. Drede of god. 2. Pite. 3. Cunnyg. 4. Gastlye strenghth.
5. Counsail. 6. Understanding. 7. Wysdam.
fcOf antecristes commyng' endlich erzählt der dichter im
vierten passus (981—1012). Zu Babylon wird der antichrist
geboren werden aus dem stamme Dan, und in Jerusalem, wo
viele Juden ihm zufallen werden, wird er seine herrschaft auf-
richten. Satan wird sich seiner bemächtigen und wird durch
ihn viele zeichen und wunder tun. Trotz dieser scheinbaren
364 HAASB,
allmacbt ist er jedoch leicht als der feind zu erkennen, denn
ihm fehlt das charakteristische zeichen eines dieners Gottes:
1)90. But ayc in him charite mercye and ineknes failes.
Viele törichte und schwache werden zum abfall von Christo
gebracht werden, und viele guten werden den tod erleiden
müssen.
Eigentumlich ist dann folgende stelle:
1001. Betwix antecristes comyng and his gret ille doyng
Sal Ely and Ennok coine preche for niennos savyng
Then antecrist sal sie thaim in Jerusalem
And god sal raise thaim to lif and tak thaim tu his lerne.
Die herrschaft des antichristen wird aber nur drei und
ein halbes jähr dauern, dann wird er durch Gottes macht er-
schlagen werden. Viele Juden werden sich darauf dem Christen-
tum zuwenden, und die heilige kirche wird dann in frieden
herrschen. Der dichter schliesst:
1011. Shortir tyme or lenger til that crist wil come
To make the worldcs ende and gif his grete dorne.
Der abschnitt über die letzte frage: ^uomodo fuit prineeps
pacisV bildet den schluss unserer dichtung (F 1486—1757, E'2
1014—1277). Es wird darin erzählt, wie Christus, der friedens-
für8t, einst widerkommen wird, um nach dem Weltgerichte über
das reich der herrlichkeit zu herrschen. In vier teile zerfällt
derselbe: zuerst ist die rede 'De fine secnli et die judicii1, dann
4 De poenis inferni et gaudiis coeli'.
Christus wird widerkommen vom himmel (F 1492): "Tut
autre' als er hinaufgefahren ist. Uebereinstimmend sagen die
dichter von ihm:
F v. 1494—1496.
Com il soleit et mund aler
Ses plaies voudra mustrer.
KU pur tut le mund suffri.
E* v. 1014—1017.
In the same forme in whilk crist suffrid payn
To deme both qwhik and ded he sal come agayn
Than sal he shewe his bodye stremand al on blöde
And bis hert cloven in two as he heugo on rode.
lSo viel litt ich fUr euch, was habt ihr flir mich getan V*
Diese frage wird der heiland an die menschen richten (F 1509,
E2 1018— 1019). Da werden die sllnder zittern und mit den
zahnen klappern, denn alle verborgene Sünde wird jetzt offenbar
CHASTEAU D'AMOÜR. 365
werden, jedem wird seine schuld auf der stirne geschrieben
stehen, und kein noch so grosser reichtura an irdischen
gutem wird vor den ewigen strafen schützen (F 1510—1525,
E2 1020 — 1035). Verzweifelt werden sie mit schrecklichem
geschrei ausrufen:
F v. 1526—1529.
Muntaignes sur dus cheez
Ha: tertres ke nus covrez
Ke nus ne veuui la hidur
Del ire au creatur.
Ea v. 1036—1041.
Montaynes falles doun on us for to hid us
That we se nojt the wrath of god that is so hedous
Alas that ever were we boru any thing to crave
For withouten ende we are born for nothing may us save
Alias Alias and wele away wher of may we jelp
Whe are shent for ever and aye for nothing may us help.
Die dichter gehen dann dazu über, das ende dieser weit
zu schildern (F 1530—1547, E2 1042—1069). Uebereinstimmend
erzählen sie zuerst, dass nach den Worten der schrift (E2 1044
nach Seiut Peter) erde und wasser und die ganze weit in feuer
aufgehen werden. Die demente werden aufgelöst, wasser, luft
und das ganze all werden geläutert werden. Wasser und feuer
wird es nach dem erlöschen des weltbrandes nicht mehr geben.
Der dichter von E2 ist an dieser stelle noch viel ausführlicher,
er fügt hinzu:
1048. Fire sal nogt touche heven in the whilk is blis
Bot other hevens that under it is
The fire sal purgc venial synne
And ful hard payne thaim that dedlye is inne
Hit sal fordo thing that sal nogt endure
And make al the remanant of fairer figure
Then al the qwik bestes sal tak thair endyng
That were made bot for a tyme of manes levyng
The four elements sal be fairer seven fold
Than ever thai were any tyme other newo or old
Ther sal be no chaunging fro cold to the hete
Ne non other tempest of wynd and wedirs gret
AI cold and hete foul venum fylth and stynk
For to punish thaim in helle sal doun then synk
The hevens sal nogt turne aboute bot stand ay in rest
The sunne ay in the est the mone in the west.
Ukon sal be moreclere seven fold than he was
Bot to goddes worschipen and to manes solas.
366 HAASE,
Im folgenden abschnitte (F 1547—1600, E* 1070—1117)
schildern die dichter das Weltgericht. Sie weichen hier nicht
stark von einander ab, indem sie sich beide ziemlich genau
an die darstellung der bibel halten (Matthäus 25, 31 — 46,
1. Thes. 4, 16 — 17). Es heisst, die eugel werden die posaune
blasen, und die, welche in dem herrn gestorben sind, werden
— nach F — zuerst auferstehen. Nach E2 werden bei dem
tone der posaune sogleich alle aus den gräbern hervorgehen,
und zwar wie der Verfasser in v. 1075 hinzufügt: 4Als in thair
awen statue of thritty £er age\ In der anspräche, mit welcher
Christus sich an die auserwählten zu seiner rechten wendet,
herrscht auch Übereinstimmung (F 1554—1567, E* 1078—1089).
Auch das Schicksal der verdammten wird in beiden gedich-
ten ziemlich in gleicher weise geschildert (F 1568 — 1585, E2
1090 — 1097). Einen charakteristischen zug der Verschiedenheit
zeigt dann aber der schluss dieses abschuittes. Der fromme
bischof besingt (F 1586—1601) den glänz des himmels und das
glück der seligen, begeistert schliesst er:
F V. 1594—1601.
Tant de joie a donc serra
Ke tnz jurs sanz fin dum.
Plus ken quor peut descendre
Oil ver . ne oraille eutendre.
Quo de us ad apareillie
A cous ke de quor luiit ainc.
La joie ne faudra jaiuais
Doncs est il prince de peis.
Den mönch von Sallay dagegen drängt es, hier ermahnend
einzugreifen (1097—1117). Er sagt:
1 09b. Take now gode kepe here wardly cristen men u. s. w.
1100. Thurgh warkes of merey may men heven voynne.
1102. But ther are seven warkes of merey boldelye
And also other seven warkes of merey e gastlye.
Von den ersten sieben werken heisst es:
lioo. Sex bodelye markes has thou befor redde
The tanght Tobie when he beryed the dedc.
Die anderen werke nennt der dichter einzeln:
1110. The first is for to teche the uneunnand
The second is to counsail the doutand
The third is to confort him that is sorowful
The ferth is to chasty him that is in synne wilful
The fift is to forgif him that has ille wratthed the
CHASTEAÜ D'AMOÜR. 367
The sext is to support hira that irksum is to the
The sevent is to praye to god for alle thes hertelyc
That he araend thaim of thair faute thurgh his gret mercye.
In der Schilderung der höllenstrafen (F 1602— 1637, E2
1110—1144) ist der Verfasser von E2 völlig unabhängig von F.
Während hier gezeigt wird, dass die verdammten unselig sind
besonders durch ihre geistigen quälen und indem sie seelen-
marter zu erdulden haben, beschreibt jener zuerst ausführlich
die hölle und sucht darzutun, dass es neben den gewisscns-
bissen auch besonders die schrecken des aufenthaltsortes sind,
welche die opfer Satan's so unglücklich machen.
In F wird die hölle kurz Tuz puant e parfunt' genannt
(1605), und der dichter nennt als quälen, die — so zu sagen —
von aussen an die verdammten herantreten:
1608. Chescune sur autre sera
Ke lur dolur dublera.
Lautre si ert tenebrur
10)2. La quarte feu nient esteignable
£ puis hidur de ver le diable
La rieu du round que plus hemmt
Devant eus tut tens verrunt.
In E2 wird über die hölle und ihre quälen berichtet:
1121. Hele is a depe pit stynkand with alle myrknes
1123. Alle that is in the warld of filth and of stynk
At day of dorne sal down thedir synk.
1125. For to eke thair stynkand payne all be hit gret
For ther sal be of helle fire wondir huge grete
That brennand fire with outen ende so gretlye hit glowes
That all the water in the warld may not sloke his lowes
Ther is also gret cold on another side
Ther sudanly for more payne in to hit sal thei glide
Thai sal nogt have no roume ther on be side another
Bot alle be cast on a hepe as of turf a fother
Ilkon sal stynk on other and double his payne
And ilkon ay to greve other salle be ful fayne.
Traurigkeit, ja Verzweiflung wird sich der seele der ver-
dammten bemächtigen. Schreckliche Verwünschungen gegen sich
und andere werden sie ausstossen und werden die stunde ihrer
geburt verfluchen. Jeder tag wird ihre quälen verdoppeln, keine
linderung und keine gnade gibt es für sie; ohne erlösung werden
sie ewig in der hölle bleiben, wo — wie der dichter schliesst —
'Li diable lur prince serra
Ki sanz peis les penera' (F 1636—1637).
368 HAASE,
Ueber den seelenzustand der verlorenen heisst es in E1:
1186. And ever in the hcrt a sorowe soverayne
That thai have for a litil lykyng lost of synne
The joye of the sigt of god that al godenes is inne.
Die erinnerung an das verscherzte glück ist der wurm in
ihrer brüst, der nicht stirbt und welcher sie mehr peinigt als
alle andern schmerzen. Ueber das furchtbarste der strafe spricht
sich der dichter endlich in den beiden letzten versen aus:
1148. And thus sal thei be punist aylastandlye
With outen hopc of mereye or anye remedye.
In der Schilderung der himmelsfreuden (F 1638 — 1757,
E2 1146 — 1277) weichen die darstellungen der beiden dichter
ebenfalls bedeutend von einander ab. Während in F der Über-
schrift gemäss hauptsächlich von der wonne im reiche der
herrlichkeit die rede ist, verwendet der Verfasser von E2 erst
60 verse — fast die hälfte des ganzen abschnittes — darauf,
die leiblichen und geistigen Vorzüge der seligen zu verherr-
lichen. In F findet dies nur ganz kurz (1667 — 1672) erwäh-
nung. Aber auch in der behandlung der mehr übereinstimmen-
den stellen zeigt der Verfasser von E2 seiner vorläge gegenüber
grosse Selbständigkeit.
In F heisst es kurz über die eigenschaften der verklärten :
Chescun si puissant serra
Ke quanke li plest si terra
E puis serra si treslegier
Kil la ou il veut penser.
E tuz si sotils serrunt
Ke la ou vorunt possenint.
Ganz anders und viel ausführlicher behandelt der dichter
von E2 diesen gegenständ. Er spricht zuerst von den attri-
buten des leibes:
1152. Ilk inanncs bodye of thaim that god wil savc
Four fair dowers of joye in heven sal have.
1154. First the bodye sal be perfit thcre.
Nichts in der weit vermag den verklärten leib zu verletzen;
selbst das höllenfener kann ihm nicht schaden, würde er auch
noch so lange hineingeworfen. Der dichter fährt dann fort:
1 1 5s. The second dower of the bodye sal be brijtnes
Siebenmal glänzender werden die gerechten sein als die
sonne, wenn sie am hellsten seheint Derselbe vergleich findet
sich in F:
CHASTEAU D'AMOÜR. 369
1693. Killoekes meins serra beaus
Ert si clers cum li solaus.
Ki set foiz plus cler serra
Köre nest e plus lurra.
Die folgende eigenschaft ist zusatz des dickters von E2:
1164. The third dowcr of the bodye sal be sutilnes.
So fein und rein wird er sein, dass er irdische körper durch-
dringt, wie der Sonnenstrahl das glas. Noch eine vierte be-
schaftenheit wird genannt:
1168. The ferthe dower of the bodye sal be delivernes.
So vollkommen wird er von aller schwere befreit werden, dass
der verklärte schnell fahren kann, wohin er will.
Im folgenden ist dann die rede von lThe gastlye parties'.
Wir erfahren im nächsten verse:
1175. Tlies are understanding a mynd and a wille.
'Understanding', welches stets fest war im glauben, soll dann
im anschauen Gottes belohnung finden. Je nach verdienst wird
zwar das erkennen Gottes mehr oder weniger klar sein, aber
so deutlich werden alle ihn schauen, dass keiner noch mehr
zu sehen wünscht, und alle in der klarheit des herrn grösste
Seligkeit finden.
Der wille geniesst in der liebe Gottes so hohes entzücken,
dass 'Nothing that may befalle sal hit oght empaire'. Von der
dritten eigenschaft wird gesagt:
119S. His mynd that hoped to have joye thurgh grace and mercye
And dyed stedfast in trouth withouten synne dedlye
Sal have mekil more joye then he ever wend
And sikirnes that hit last aye with outen end.
Von den freuden der seligen nennen die dichter zuerst:
F v. 1643-1645.
Ke li seint nomine verra.
Face a face sun creatur
Son deu . e son seignur.
E2 v. 1210.
This gret joye is of gode love and likyng and sijt.
Ferner F:
1652. Du ciel verra la largesce
La beaute . e la hautesce.
Dies wird etwas anders ausgedrückt in E2:
1262. Then sal man in heven aye fynde joye and leth
Above him with inne him aboute and beneth.
Angli», XII. band. 24
370 HAASE,
Von den zahlreichen freudcn, welche der bisehof in den
folgenden versen aufzählt, nennt der Verfasser von E2 nur eine.
Man vergleiche:
F 1058. Les IX. ordres dangles verra.
KHK). Les apostres, les martyrs,
Joie merrunt san finirs.
Puis verra les contessors
Les virgnes od beaus aturs.
E9 1252. Sitlien IX ordres ol* aungeles confortes man in blis.
Die reinen Jungfrauen werden in E2 in der zahl derjenigen
personen genannt, welchen im hinunel besondere auszeichnung
zu teil wird:
122S. Thes tlirc maners are veraye martires
Alle clene virgiues and halytcchers.
Zu den schönsten stellen iu F gehört die, in welcher der
dichter das widersehen früherer freunde und verwandten schil-
dert (1G64— 1(307, H>73— 1690); sie zeigt uns den Charakter des
bischofs, der ein konsequenter und streitbarer herr war (Lechler,
Wiclif I. 180 ff.), von der liebenswürdigsten seite.
In E2 wird dasselbe kurz in v. 1255—1257 erwähnt
Uebereinstimmeud preisen die dichter das grosse glück
der seligen, die Jungfrau Maria, die königin des himmels, von
angesicht zu angesicht zu schauen (F 1(554 — 1657, 1705 — 1729,
E* 1246—1251). Ihre Schönheit tiberstrahlt alles:
F 1710. Sa bcaute tant multiplie
Sur tuz autres beautez
Tant com ele ad plus dignitcz
Dignetez ad elc tant
Ke dampnedeus est son enfant.
E2 1250. Amang alle creatures she has wele of alle weles
For she is moder of the king that al joye deles.
So gross wie ihre Schönheit ist aber auch ihre huld:
F 1715. Autant com ele ad de beaute
Sinad franchise e bunte
A uul neseondit ses amurs
Ses solaz ne ses sueurs.
E* 124«». Of the qwene of haven our ladyc niarye
12 Is. Maye alle that are in heven gret confort find.
Von der edelsten freude der seligen redet der bischof
zuletzt :
F 1730. Mes la joie o la doueor
Desgarder son ereatur
CHASTEAU D'AMOUR. 371
Trestutes joies surmunte
Envers cele nad nul conte.
Aehnlich spricht sich der dichter von E2 aus:
1210. This gret joye is of gode love and likyng and si^t
AI other joye toward this of litil mygt.
Es wird dann fast in gleicher weise von beiden Verfassern
versucht, einen begriff von dieser grossen freude zu geben:
F 1734. Se tut le sen kest el inund
De tute la gent ke i sunt
En un sul homme feust
E il tuz jurs vivre peust.
Tant com le inund peut durer
Ne purroit il tant penser
Ne deviser apertement
Neis une joie entirement
Ke nostre seignur ad assis
Pur doner a ses elliz.
In E- heisst es:
1220. If adam hade lyved to the warldes ende
And al the wittes of alle men god had him sende
5it mygt he nogt have told fullye
The lest poynt of that joye verailye.
Menschenverstand ist nicht fähig, alle die wunder zu fassen ;
erst der verklärte, welcher den dreieinigen Gott schaut, wird
alles verstehen (F 1745—1754, E* 1270—1273).
Der fromme bischof schliesst sein werk mit einer ermahnung:
1755. Nostre vie mener si
E ses comanz si tenir
v Ka sa peis pussum venir.
Den schluss von E2 bildet ein gebet:
1274. Therfore he that alle creatures first made of no^t
And with his awne hert blöde al inankynde bo£t
Thurgh his grace and mercye graunt us that joye to se.
How thre persones are alle on god in trinke. Amen.
Nachdem wir in der vergleichenden darstellung der ge-
dichte sowol das Übereinstimmende als auch die abweichungen
möglichst vollständig zusammengestellt haben, erübrigt es, die
resultate zu sammeln und ein urteil über die englischen dichter
abzugeben.
Was das verhältniss von E1 zu F betrifft, so hat sich
folgendes ergeben:
24*
372 HAASE,
E1 stimmt im verlaufe der darstellung im tatsächlichen
fast überall mit F Uberein. Zahlreiche stellen hat der eng-
lische dichter wörtlich übertragen, so weit dies das mass des
verses und der reim erlaubten.
Die abweichungen geben sich als absichtliche änderungen
des englischen dichters kund. Er erlaubt sich kürzungen
(F 73—74, 90—100, 115—116, 183—189, 222—225, 845—880,
1486 — 1755 u. a.), aber er fügt auch zahlreiche erweiterungen
hinzu (E» 5—6, 35-42, 96—100, 123—124, 179—180, 195—196,
209—222, 335—341, 375—378 u. a.); die 1485 verse der fran-
zösischen vorläge, welche er behandelt, vermehrt er auf 1512
verse. Oft erweitert er andeutungen seines Originals zu aus-
führlichen Schilderungen (209—222, 335—341, 969—976 u. a.).
In der hauptsache schliesst er sich seinem originale an, aber
in der bebandlung des einzelnen bewahrt er sich eine gewisse
freiheit. Seine hauptstärke beruht in der liebevollen ausführung
der details, und mancher von ihm hinzufügte zug bekundet
einen feinen sinn und eine glückliche beobachtung (E1 155 — 166,
209—222, 319—334, 635—6(52 u. a.). Grosse liebe zeigt der
dichter für die natur (El 124—128, 677 ff. u. a.). Mit wie viel
kenntniss und interesse schildert er die einzelnen teile des liebes-
Schlosses! (667 — 880). Er macht den eindruck einer milden,
gutmütig naiven, aber sehr begabten natur. Welch glückliche
begabuug der dichter auch für dramatische poesie bekundet,
zeigt der abschnitt v. 1039 — 1124. Der poetische wert von E1
ist in den meisten fällen dem von F wenigstens gleich, in der
ausführung mancher zärtlichen oder naiv- rührenden stellen,
sowie in der Schilderung der aussenwelt überragt sein Ver-
fasser das französische original entschieden.
Von ganz anderem Charakter ist die dichtung des mönches
von Sallay. Der Verfasser nennt sein werk einen 'Myrour of
lewed men' (E2 1278), einen sittenspiegel will er also schaffen.
Die moralisierende tendenz tritt nun auch so sehr hervor, das»
alles andere derselben dienstbar gemacht wird. In der Über-
schrift heisst es über den zweck des gedichtes: 'Here begynnes
a romance of englische of the begynnyng of the world . and of
al that a lewed man has nede for to knawe for hele of soule'.
Der dichter will vor allem sittenlehrer der grossen menge
sein; das Seelenheil der laienschaar liegt ihm am herzen, die
liebe zum gemeinen manne lässt ihn sein werk unternehmen.
CHASTEAU D'AMOUR. 373
Dieser zweck bringt es mit sich, dass der Verfasser nur für
das praktische ein äuge hat; für die poetischen Schönheiten
seiner französischen vorläge ist er wenig empfänglich. Er ver-
fährt mit derselben überhaupt sehr frei: aus dem 'Chasteau
d'amour' des bischofs Grosseteste hat er — so zu sagen —
nur das grundwerk, sowie die hauptsäulen und eckpfeiler zu
seinem bau benutzt, alles andere fügt er nach eigenem ermessen
\ hinzu. Die abschnitte, welche er der französischen dichtung
zur ausstattung seiner eigenen entnimmt, erhalten meist das
dem neuen zwecke entsprechende gepräge. Der Verfasser hat
seinem plane, einen sittenspiegel zu schaffen, alles so genau
angepasst, dass man seine geschicklichkeit bewundern muss.
Er war gewiss ein denker und ein wolgeschulter theolog, denn
er kennt die dogmen der kirche ebenso gründlich wie die
christliche Sittenlehre, und die verbogenen tiefen des menschen-
herzens scheinen ihm offenbar zu sein. Der mönch von Sallay
hält sich viel mehr an den Wortlaut der bibel, als dies in F
und E1 der fall ist. Er scheint besonders gewicht darauf zu
legen. Man beachte seine worte: 4And her is no thing sayd
bot as haly writ says and grete doctours'. Da seine bearbei-
tung, wie deren spräche beweist, dem 14. Jahrhundert angehört,
so glaubte er sich wol sicher stellen zu müssen gegen den
verdacht der neuerungen. Das puritanische dement, welches
später auf die englische literatur so mächtig einwirken sollte
und welches in den werken Langland's zum ersten male aus-
druck fand, hat auch auf den dichter von E2 bestimmend ein-
" gewirkt.
Der dichter handhabt die spräche offenbar mit leichtig-
keit, und da er ein mann von gemüt und aufrichtiger frömmig-
keit ist, so entbehrt sein gedieht nicht der effektvollen stellen.
Aber ein dichter im höhern sinne des Wortes war er nicht,
sein werk erreicht in hinsieht auf poetischen wert lange nicht
die dichtungen F und E1. Ein dichter von beruf würde, um
nur auf zwei mängel von E2 aufmerksam zu machen, sich sowol
mehr empfänglich gezeigt haben für die poetischen Schönheiten
des französischen gedichtes, als auch strenger in hinsieht auf
die form des eigenen werkes; er hätte gewiss das versehen
nicht gemacht, seiner verszeile keine bestimmte dimension zu
geben. Es ist dem Verfasser von E2 indess gelungen, sein
gedieht dem gesichtskreise seines publikums anzupassen und
374 HAASB, CHASTAEU D'AMOUR.
also (las ziel zu erreichen, welches allein er sieh gesetzt zu haben
scheint. Unser lob werde ihm darum nicht vorenthalten!
Eine so ins einzelne gehende vergleichung der englischen
gedichte mit ihrem französischen originale ist für die Würdigung
der dichter von Wichtigkeit und gewährt viel freude. Wir er-
blicken die dichter bei der arbeit, wir sehen, wie sich bei aller
gebundenheit ihrem originale gegenüber doch die nötige Selb-
ständigkeit zu behaupten wissen und lernen die männer schätzen,
welche es vermocht haben, den fremden Stoffen, wie W. Grimm
so schön sagt, 'die nationale seele einzuhauchen9.
Leipzig. F. K. Haase.
DIE 'FATA ArOSTOLORUM' UND DER
DICHTER KYNEWULF.
A. Napier's interessante entdeckung der schlussverse des
gedichtes Fata Apostolorum, welche in der Zschr. f. d. Altert.
XXXIII, 70 veröffentlicht ist, hat auf manche bisher dunkle
punkte der altenglischen literaturgeschichte licht geworfen.
Zunächst ist die schon in meinen Beowulfstudien s. 179 (frtih-
jahr 1888 erschienen) auf grund stilistischer Übereinstimmungen
ausgesprochene hypothese, dass Kynewulf der Verfasser der
'Fata Apostolorum' wäre1, zur evidenz bestätigt und damit ein
mir sehr willkommenes zeugniss für die richtigkeit meiner
stilistischen Untersuchungsmethode geliefert worden.
Ferner geht aus den schlussversen hervor, was ich eben-
falls schon vermutet hatte (a. a. o. s. 180), dass dieses gedieht
in besonders nahen beziehungen zu Kynewulf s Elene steht.
Wenigstens erinnern v. 8 und 10 der schlussverse (= Ap. schl.
8, 10) lebhaft an beziehungsweise El. 1269—71 und El. 1270.
Wülker hat allerdings (in den berichten der kgl. sächs.
gesellschaft der Wissenschaften, jahrg. 1888, s. 209 ff.) nachzu-
weisen gesucht, dass Ap. an den anfang von Kynewulf s geist-
1 Wenn R. W.(ülker) in der anzeige meiner Beowulfstudien Anglia
XI, 536 ff. mir den Vorwurf macht, ich hätte mir in bezug auf die autor-
schaft dieses gedichtes selbst widersprochen, so beruht das auf einem
inissverständniss. Ich habe sowol auf s. 179 'mit grösster bestimmtheit'
die Fata Apostolorum Kynewulf zugesprochen, als auch auf s. 185 be-
hauptet, dass die Fata Apostolorum 'durchaus im geist und stil Kyne-
wulf's geschrieben sind '. Das zweite mal fügte ich nur, mich etwas vor-
sichtiger ausdrückend, den satz hinzu: 'Wenn sie nicht von diesem dichter
selbst, so müssen sie von einem herrühren, der seine manier täuschend
nachzuahmen wusste, und sich in seine anschauungsweise vollständig ein-
gelebt hatte'. Ich wollte mit dieser alternative nur eine möglichkeit an-
deuten, die jenseits der grenzen der Wahrscheinlichkeit liegt, um dadurch
die alternative um so wahrscheinlicher hinzustellen. Indem W.(ülker) den
letzten satz durch gesperrten druck hervorhebt, gibt er ihm eine ganz
andere als die von mir beabsichtigte Wirkung.
376 SARRAZIN,
lieber diehtung und mit der legende von Juliana zunächst eng
zusammengehöre. Allein seine gründe scheinen mir nicht tiber-
zeugend. Der anklang an Juliana, den er s. 215 anführt, setzt
allerdings eine reminiscenz voraus, aber die von ihm selbst
(s. 216) und von mir (Beowulfstudien s. 180) nachgewiesenen
Übereinstimmungen mit der Elene sind genauer und charakte-
ristischer. Ferner zeigt sich, wie Wtilker selbst (s. 216) hervor-
hebt in der anwendung der runen eine Übereinstimmung zwischen
Ap. und EL, abweichung zwischen Ap. und Juliana. Wenn nun
Wtilker für seine ansieht geltend macht, dass Ap. wegen des
geringen dichterischen wertes mit Juliana frtther anzusetzen
sei, so ist dieses subjektive ästhetische urteil doch ein zu un-
sicheres fundament, um darauf Schlüsse zu bauen.
Ich finde wenigstens in den anfangs- und schlussversen
der Fata Ap. einen poetischen schwung, welcher des dichters
der Elene vollkommen würdig ist. Der mittlere teil der Fata
Ap. ist allerdings etwas trocken, steht aber hinter manchen
schwächeren partien der Elene kaum zurück. Jedenfalls lässt
sich in bezug auf klarheit und präzision der ausdrucksweise
Ap. eher mit El. als mit Jul. vergleichen. Aber selbst wenn
Ap. dichterisch etwas minderwertig wäre, würde daraus doch
noch kein chronologischer schluss zu ziehen sein. Ein solcher
ist höchstens durch eine objektive statistische Stiluntersuchung
zu gewinnen. Ich wähle zu derselben die in Ap. vorkommen-
den nominalcomposita , da diese für den dichterischen angel-
sächsischen stil, und für den Kynewulfs insbesondere, vor-
zugsweise charakteristisch sind. Auch in Ap. finden sich nicht
wenige dieser bildungen. Ich führe sie sämmtlich an und füge
die zahl der fälle, in denen dieselben in anderen sicheren oder
wahrscheinlichen dichtungen Kynewulfs vorkommen zur ver-
gleichung hinzu (bei der vergleichung unberücksichtigt sind nur
die ganz gewöhnlichen und für den stil nicht charakteristischen:
apostolhäd, cneoris, middangeard, maneyn, tvonäd):
#gleaw 1 An., 2 El.
ajhtwcla 1 (in.
beaducnvftig 1 Phon.
beadorof 2 An., 3 Kl., 1 Beow.
boldwela I Jul., 2 An.
collenferhS 4 An., 3 Kl., 2 Beow. (1 Jud., 1 Wand.)
dorntest 1 flu. (4 Gen.)
dryhtlic 2 Beow. (1 Seof.)
FATA APOSTOLORUM. 377
eardwic 1 Phon.
endedaeg 2 Beow.
fyrdhwset 2 El., 1 An., 2 Beow.
godcund 2 Cri., 1 EL, 2 Gu.
güÖhwset —
güöplega 1 Cri., 1 An.
h&$engield 2 Jul., 1 An.
hygeblind 1 Jul.
hildecorftor —
leoögiddung 1 An.
lifwela 1 Cri.
lindgeläc —
nearosearo 1 El.
ordfruina 2 Cri., 2 An., 1 Beow.
siÖfrom 1 Gu., 2 An., 1 Beow.
siÖgeömor —
sigelean 1 El.
stlömöd 1 Beow. (1 Kr., 1 Jud.)
sweordr&s —
tilmödig — (2 Gen.)
tireadig 3 EL, 1 Phon., t An., 1 Beow.
}>6odcyning 7 Beow.
waelrSaf 1 Phon., 1 Beow.
waelreow 1 Rä., 1 An., 1 Beow.
wer}>eow 1 Rä., 3 Jul., 2 Cri., 3 EL, 4 An.
w&penhete —
wuldorcyning 1 Jul., 2 Cri., 3 Phon., 4 EL, 3 An., 1 Gu., I Beow.
wundorerseft 1 Rä., 1 Jul., 2 An.
In der anwendung dieser zum teil sehr seltenen nnd charak-
teristischen Wörter stimmt also Ap. vielfach mit unbezweifelten
und auch mit wahrscheinlichen dichtungen Kynewulf s überein,
und zwar steht von den sicheren werken Elene am nächsten
(23 fälle der Übereinstimmung), Juliana (9 fälle) und Crist (10)
stehen ferner, wobei allerdings die geringere verszahl von Jul.
in anschlag zu bringen ist. Von Kynewulfs wahrscheinlichen
dichtungen zeigt die meiste ähnlichkeit Andreas (28), danach
das Beowulflied (23); Guthlac (6) und Phönix (7) stehen fern,
noch weniger bertihrungspunkte (3) zeigen die rätsei.
Wenn man also überhaupt aus stilistischer ähnlichkeit
chronologische Schlüsse ziehen darf, so ist Ap. chronologisch
in die nähe von EL, und nicht von Jul. zu setzen. Angenommen,
dass der Andr. von Kynewulf verfasst ist, würde Ap. zwischen
El. und Andr. zu stehen kommen, wie ich bereits in den Beo-
wulfstudien a. a. o. vermutet hatte.
378 SARRAZIN, *
Beachtenswert ist die Stilähnlichkeit mit dem heldenepos,
welche auch in der anwendung der nominalcomposita hervor-
tritt; sie zeigt, dass Fata Ap. in jener periode der dichtung
Kynewulf's entstanden sind, in welcher dieselbe am meisten
vom stil des heldenepos beeinflusst war, d. h. in der periode
der Elene (und des Andreas). Juliana und Crist haben viel
weniger berührung mit dem Beowulfliede, zeigen viel weniger
den heroischen stil. Die in den Fata Ap. vorkommenden Wörter
(ctielhig, beorn, rviy, tir sind in der Juliana und Crist selten, in
Elene (und Andreas) dagegen häufig: beom z. b. findet sich
(nach Grein) in der Jul. 1 mal, im Cri. 3 mal, im Andr. 17 mal,
in der El. 10 mal.
So weist denn alles darauf hin, dass Fata Ap. kurz vor
Elene anzusetzen ist (denn nach El. kann das gedieht wegen
der unvollkommenen fassung der runenverse nicht wol ent-
standen sein.
Weiter ergibt sich die folgerung, dass auch der Andreas
von Kynewulf gedichtet sein muss.
K. Wülker hat freilich gerade aus dem inhalt der 'Fata
Apostoloruin' den schluss gezogen, dass das Andreasgedicht
nicht von Kynewulf verfasst sein könne. In einer besonderen
abhandlung: lDer Dichter Cynewulf und das Andreasgedicht '
(berichte der kgl. sächs. gesellschaft der Wissenschaften, 1888)
führt er mit grossem Scharfsinn aus, dass einige 'Widersprüche'
[dieser ausdruck scheint mir etwas zu stark; ich würde 'ab-
weichungen' sagen] zwischen der darstellung der Fata Ap. und
der des Andreas vorhanden seien. Er benutzt dieselben zur
stütze seiner Hypothese, dass das Andreasgedicht von einem
nachahmer Kynewulf's und nicht von diesem selbst verfasst sei.
11. W.(ülker) macht mir auch in seiner anzeige meiner Beowulf-
studien (Auglia XI, 536 ff.) den Vorwurf, dass ich mich nicht
genügend um den inhalt der Fata Ap. bekümmert hätte, weil
ich trotz dieser 'Widersprüche' das Andreasgedicht und die
Fata Ap. demselben Verfasser (Kynewulf) zuschriebe.
Ich hoffe durch die folgenden beraerkungen den Vorwurf
lt. W.(ülker)'s zu entkräften und gleichzeitig zu zeigen, dass
die inhaltlichen abweichungen nicht so schwerwiegend sind,
wie Wülker sie hinstellt, und dass sie der annähme desselben
Verfassers durchaus nicht im wege stehen.
Die abweichungen in der darstellung sind notwendig be-
FATA APOSTOLORUM. 379
dingt: 1) durch den verschiedenen gegenständ, 2) durch die
verschiedene quelle.
Der gegenständ des Andreasgedichtes ist eine (besonders
wichtige) episode aus der legendenhaften lebensbeschreibung
der beiden apostel Andreas und Matthäus; von ihrem weiteren
leben und tode sagt das Andreasgedicht nichts; es bricht viel-
mehr mit der rückkehr des Andreas nach Achaia ziemlich
schroff ab. — Der gegenständ der Fata Ap. ist nicht sowol das
leben und wirken, als vielmehr das lebensende, der märtyrer-
tod der apostel; und zwar aller zwölf apostel, nicht bloss des
Andreas und Matthäus; es war also sehr natürlich, dass in
diesem kurzgefassten 'Martyrologium' der abenteuer des An-
dreas und Matthäus im lande der Aethiopen nicht (noch einmal)
gedacht wurde, namentlich wenn, wie ich annehme, Fata Ap.
unmittelbar nachher, als eine art epilog zum Andreas gedichtet
wurden. Denn wenn es auch bisweilen vorkommt, dass im
nachwort eines gedichtes der inhalt desselben rekapituliert
wird, so ist dies doch durchaus nicht notwendig. Der epilog
der Elene enthält keine nähere hindeutung auf den inhalt der
erzählten legende, ausser dass in ganz allgemeinen ausdrücken
vom kreuz die rede ist. Dass aber ein dichter, nachdem er
von den bekehr ungstaten zweier apostel erzählt hat, das be-
dürfniss fühlt, nun auch noch von ihrem ende wenigstens kurz
zu berichten, und dass er dabei auch ihrer genossen gedenkt
(wie auch im eingang des Andreas von allen zwölf aposteln
die rede ist), scheint mir so natürlich und namentlich so sehr
dem geiste mittelalterlicher erzähler entsprechend, dass für
mein gefühl das Andreasgedicht ohne die Fata Ap. einen un-
vollendeten, unvollständigen eindruck macht, wie denn auch
tatsächlich nicht am ende des Andreasgedichtes (d. h. an der
stelle, wo die herausgeber den schluss desselben ansetzen),
sondern erst hinter den schlussversen der unmittelbar darauf
folgenden Fata Ap. ein 'Finit' in der handschrift steht.
Nun macht Wtilker allerdings auf den etwas befremdlichen
umstand aufmerksam, dass die ' Schicksale' des Matthäus und
des Andreas in den 'Fata' getrennt behandelt sind. Das er-
klärt sich aber auf die einfachste weise von der weit durch
die althergebrachte (auf die aufzählungen im neuen testament
Luk. 6, 14 — 16 und Matth. 10, 2 — 4 begründete) reihenfolge, in
welcher die passionensammlungen die zwölf apostel durch-
380 SARRAZIN,
gehen. Lipsius (Apokr. Apostelgeschichten I, 153) hebt hervor,
dass in den passionensammlungen bei allem Wechsel der an-
ordnnng in einzelnen fällen die aufeinanderfolge konstant bleibt:
4 Petrus und Paulus machen überall den anfang, fast ebenso
regelmässig folgt Andreas als dritter. Ganz konstant ist ferner,
dass auf die passio des Matthäus die des Simon und Judas
folgt*. Und auf s. 155: 'Dass Simon und Judas [Thaddäus]
wenigstens häufig den schluss machen, wird auf der luka-
nischen anordnung beruhen '.
Die reihenfolge des angelsächsischen gedichtes Fata Ap.
bestätigt diese bemerkungen; nur schliesst sie sich noch enger
als dies gewöhnlich geschieht, an die reihenfolge der evan-
gelien an:
Petrus, Paulus, Andreas, Johannes, Jacobus (Zebedaei),
Philippus, Bartholomäus, Thomas, Matthäus, Jacobus
(fr. Domini), Simon, Thaddäus (= Judas).
Das ist fast genau die anordnung von Matth. 10, 2; nur
dass natürlich Judas Iscariot weggelassen und dafür, wie ge-
wöhnlich Paulus hinter Petrus eingesetzt ist.
Auch die in den versen des Venantius Fortunatus einge-
haltene reihenfolge (Lipsius, a. a. o. I, 166) stimmt fast genau
mit der der 'Fata' tiberein:
Paulus, Petrus, Andreas, Johannes, Jacobus I, II, Phi-
lippus, Thomas, Bartholomäus, Matthäus, Simon, Judas
(= Thaddäus).
In dem Breviarium Apostolorum (Lipsius I, 211) sind die
apostel in ähnlicher weise aufgezählt:
Petrus, Paulus, Andreas, Jacobus (Zebedaei), Johannes,
Thomas, Philippus, Jacobus (frater Dom.), Bartholomäus,
Matthäus, Simon, Judas.
Aus dieser übereinstimmenden reihenfolge geht zur evidenz
hervor, dass Kynewulf für die Fata Apostolorum eine
passionensammlung als quelle benutzt hat, welche mit
dem Breviarium Apostolorum und mit der schon dem
Venantius bekannten Sammlung mindestens sehr nahe
verwandt gewesen sein muss. Wir dürfen mit Sicherheit
schliessen, dass die getrennte behandlung des Andreas nnd
Matthäus durch die quelle veranlasst ist, auch wenn sich die
eigentliche quelle nicht mit Sicherheit ermitteln lassen sollte.
Was von vornherein wahrscheinlich ist: dass die quelle
FATA APOSTOLORÜM. 381
in lateinischer spräche abgefasst war, wird durch die
lateinischen kasusformen, welche in den eigennamen unseres
gedichtes durchblicken: Gearapolim, Albano, Nerones, fast zur
gewissheit.
Höchst wahrscheinlich ist die quelle jene verlorengegangene
schrift 'Liber passionum duodeciin apostolorum' gewesen, deren
existenz von Lipsius a. a. o. 1, 151 vorausgesetzt wird und welche
(a. a. o. 1, 167) auch Beda Venerabilis gekannt und in seinem
Martyrologium benutzt hat.
Der inhalt unseres gedichtes stimmt im wesentlichen
überein mit dem, was das Breviarium (nach Lipsius' inhalts-
angabe I, 211) erzählt; ebenso auch mit den angaben von
Beda's Martyrologium.
Da mir das Breviarium nicht zugänglich ist, ziehe ich die
am meisten charakteristischen stellen aus Beda's Martyrologium
zur vergleichung heran:
(A. d. II. Kai. Dec.) In eivitate Patras provinciae Achaiae natale
beati Andreae Apostoli . Hie praedieavit in Scythia, qui ab Egea
proconsule comprehensus, cum perseveranter in fide Christi et Evan-
gelio duraret ad ultimum cruce ligatis manibus et pedibus
— spiritum perrexit ad Dominum.
(Kai. Maii) Philippus reversus est ad Asiam
(vgl. Ap. 38 *mid Asseum') et apud Hierapolim (vgl. Ap. 40 Mn Geara-
polim') dormivit in pace.
(A. d. IX. Kai. Sept.) (Bartholomaeus) ■ — apud Indiam
Christi evangelium praedicans jussu regis Astragis decollatus
martyrium complevit (Vat.: in Albano maioris Armeniae urbe vivens).
(A. d. XL Kai. Oct.) (Mailhaeus) apud Aethiopiam prae-
dieavit et multos ad fidem convertit, missnsque est speculator ab Hir-
taco rege, qui eum gladio feriebat, efficiens martyrem Christi.
(A. d. V. Kai. Nov.) (Simon et Thaddens) simul Persi-
dam ingressi martyrium ibi cursu temporis explentes, beato cer-
tamine consummaverunt.
Aus der genauen inhaltlichen, ja bisweilen wörtlichen Über-
einstimmung dieser notizen mit den entsprechenden stellen
unseres, gedichtes ergibt sich, dass Kynewulf und Beda aus
derselben quelle geschöpft haben müssen. Beda's notizen sind
meist ausführlicher, aber bisweilen geben die Fata Ap. ge-
naueres, so bei Philippus und besonders bei Thomas. Dort
wird auf die bekannte legende angespielt, nach welcher Thomas
Gad, den bruder des königs Gundephorus, vom tode wider-
auterweckt habe, eine geschieh te, welche aus den koptisch-
382 SARRAZIN,
äthiopischen akten des Thomas (Lipsius I, 252) in die Acta
Thomae (Tischendorf, Acta Apost. Apocr. s. 193 ff.) und in die
lateinische passio von Thomas tibergegangen (Lipsins 1, 143, 254),
von da aus vielleicht auch in die passionensammlung gekommen,
gewiss aber in jener zeit allgemein bekannt war. Es ist also
nicht unmöglich, dass auch dieser zug aus der gemeinsamen
quelle stammt und bei Beda nur unberücksichtigt geblieben ist;
aber vielleicht kannte Kynewulf diese legende auch irgendwo
anders her und fügte die anspielung selbständig ein.
In bezug auf Andreas und Matthäus stimmt Kyne-
wulf jedenfalls genau mit Beda überein, wenn wir von
dem einen punkte absehen, dass nach Beda Andreas in Scythia,
nach Kynewulf dagegen in Achaia gestorben sein soll, eine
leicht begreifliche Verwechselung, die sich auch in anderen
passionensaminlungeu findet; wollten wir auf diese abweichung
gewicht legen, so würde sie für Kynewulf als Verfasser des
Andreasgedichtes sprechen; denn in diesem wird ja Achaia
als die eigentliche Wirkungsstätte des Andreas bezeichnet; für
den Verfasser des Andreas lag es also sehr nahe, den apostel
auch dort sterben zu lassen.
Alles andere aber, was in den Fata Ap. über Andreas und
Matthäus berichtet ist, muss wegen der Übereinstimmung mit
Beda aus der gemeinsamen quelle stammen.
Damit erklären sich von selbst die geringfügigen ab-
weichungen von der darstellung des Andreasgedichtes (Wttlker
a. a. o. s. 212 ff.): so, dass in den Fata Ap. das verdienst der
bekehrung der Aethiopier Matthäus zugeschrieben wird, wäh-
rend im gedieht von Andreas dieser apostel den hauptteil
daran hat; ferner, dass in den 'Schicksalen' das zu bekehrende
volk als die Sigelfvare{Sigelrraras)\= Aethiopier] bezeichnet wer-
den, während der Schauplatz des Andreas mit anderem, nach
Zupitza (Zschr. f. d. Altert. XXX, 183) aus der quelle dieses ge-
dichtes stammenden namen, als Marmedonia bezeichnet wird.
Wenn Kynewulf in diesen wie in anderen punkten seiner quelle
genau folgte, musstc er zu geringen abweichungen von der
darstellung des Andreasgedichtes kommen; abweichungen, die
übrigens keine eigentlichen Widersprüche sind, sondern sieh
zur not in einklang bringen lassen. Denn der name Marme-
donia ist ja doch von Myrmiäon oder Myrmene, einer Stadt in
Aethiopien, herzuleiten (Grimm, Andr. u. El. XIX; Tischenden^
FATA APOSTOLORUM. 383
Acta Apost. Apocr. LII), also eigentlich dasselbe wie Aethiopien.
Und wenn es im Andreasgedichte heisst, dass Matthäus durch
Andreas' hilfe aus der gefangenschaft der Aethiopen (Marme-
donia) entkommen sei, und nichts davon verlautet, dass er zu
den Aethiopen zurückgekehrt sei, so wäre es doch durchaus
nicht unvereinbar mit dieser darstellung, dass er zurückgekehrt
wäre und das bekehrungswerk des Andreas fortgesetzt und
vollendet hätte. Was in den mehrfachen lücken des Andreas-
gedichtes gestanden, wissen wir ja auch nicht!
Gar nichts also im inhalt der beiden gedichte hindert uns,
sie demselben Verfasser zuzuschreiben. Wenn die annähme,
dass Kynewulf den Andreas gedichtet, nach Ramhorst's gründ-
licher Untersuchung überhaupt noch einer bestätigung bedarf,
so wird jeder zweifei durch den engen Zusammenhang des
'Andreas' mit den 'Fata Apostolorum' nunmehr gehoben. Denn
Fata Ap. folgt nicht bloss unmittelbar auf den Andr. im Cod.
Vercell., sondern bildet auch inhaltlich einen deutlichen epilog
dazu und scheint sich in dem ersten verse wie in den neu-
entdeckten schlussversen darauf zu beziehen; ausserdem ent-
hält Ap. zahlreiche Übereinstimmungen mit Andr. besonders in
alliterierenden formein und versausgängen:
Ap. 4 — Andr. 2, 883; Ap. 8 -- Andr. 3; Ap. 10 — AnJr. 1194, 1403;
Ap. 12 — Andr. 8; Ap. 15 — Andr. 543; Ap. 17 —Andr. 1353; Ap. 21 —
Andr. 1202; Ap. 22 — Andr. 966; Ap. 29 — Andr. 846, 1465; Ap. 28 —
Andr. 146; Ap. 32 — Andr. 641, 680; Ap. 33 — Andr. 524; Ap. 42 —
Andr. 14S0; Ap. 55 — Andr. 13; Ap. 58 — Andr. 1616; Ap. 61 — Andr.
161 1; Ap. 78 — Andr. 850; Ap. 87 — Andr. 1026; Ap. 90 — Andr. 1566;
Ap. schl. 22 — Andr. 1028, 1613 (nach der ausgäbe in Grein- Wülker's
Bibliothek der ags. Poesie citiert).
Keines der unbezweifelt echten gedichte Kynewulf's steht
den Fata Ap. in stilistischer beziehung so nahe wie der An-
dreas, auch die Elene nicht.
Wir dürfen wol mit einiger Wahrscheinlichkeit annehmen,
dass Fata Ap. unmittelbar nach dem Andr. verfasst worden ist,
um so mehr, als die anklänge an den letzten teil des Andr.
zahlreicher und charakteristischer sind als die an den ersten.
Die 'Schicksale der Apostel' bilden somit ein bindeglied
zwischen dem 'Andreas' und der 'Elene' und bestätigen die
ansieht früherer forscher, dass die Elene bald nach dem An-
dreas gedichtet wurde. Höchst wahrscheinlich ist Fata Ap. gar
nicht als ein besonderes gedieht, sondern nur als der schluss des
384 SARRAZIN,
Andr. anzusehen; es wäre wenigstens sehr seltsam, wenn der
dichter diesem kleinen, unbedeutenden machwerke die fabrik-
marke seiner dichterischen Werkstatt aufgeprägt, dagegen eine
weit umfangreichere und poetisch wertvollere dichtung ohne
dieselbe in die weit geschickt hätte.
Der Andreas ohne die Fata Ap. ist eine dichtung ohne
eigentlichen schluss; die Fata Ap. für sich allein sind ein epilog
ohne ein entsprechendes gedieht; Andr. und Ap. bilden ein voll-
ständiges organisches ganzes. Wenn die früheren herausgeber
von Ap. die schlussverse nicht unglücklicher weise übersehen,
und andererseits durch den zufälligen umstand, dass Ap. auf
einer neuen seite des kodex beginnt, sich nicht hätten dazu
verleiten lassen, diese verse von den vorhergehenden zu trennen,
wäre dies gewiss schon früher erkannt, wäre mancher philo-
logische streit vermieden und der Andreas längst als dichtung
Kynewulfs allgemein anerkannt worden. Die mehrfache be-
rtihrung der anfangsverse von Fata Ap. mit dem eingang des
Andreas legt die Vermutung nahe, dass der dichter für den
epilog seiner legende (= Ap.) einen früheren entwurf der ein-
leitung benutzte. Jener frühere entwurf der einleitung des
Andreas muss eine ziemlich genaue nachbildung der einleitung
des Beowulfepos gewesen sein (vgl. Sievers, Paul und Braune's
Beitr. IX, 135); denn sowol die anfangsverse des Andreas wie
die von Ap. enthalten anklänge an den eingang des helden-
sanges.
Die lösung der verfasserfrage für den Andreas (+ Fata Ap.)
bringt auch die fragen nach der autorschaft anderer gedichte
ihrer lösung nahe. Die anklänge an den Andreas, die sieh in
anderen gedichten finden, fallen nunmehr schwer für Kynewulf
als Verfasser in gewicht
Besonders die poetische legende von Guthlac hat man-
cherlei bertihrungspunkte mit Andr. + Ap., welche zum teil von
mir in den Beowulfstudien s. 153 zusammengestellt sind. Ich
hebe noch hervor die übereinstimmende wortverbindng iSan im-
hniien Ap. schl. v. 26, Guthl. 1060, 1066, ferner die Stabreim-
formel hämes in hehtio Ap. schl. 24, hämes in heahtiwn Guthl 768.
Das wort whtwela ist nach Grein nur Ap. 84, Guthl. 359 belegt
Eine ganz ähnliche ausdrucksweise liegt vor in Ap. schl. v. 28
fjeet rre pees bofies brilcan mötan und Guthl. 354 p<vr HS fttgran
botles brüceb.
FATA APOSTOLORUM. 385
Dem Phönix und Ap. sind die seltenenen worte beado-
crceflig, eardwic, wcelreaf gemeinsam, sowie die formel See ond
edgiong Phon. 608, Ap. schl. 28.*
Das kleine, 'Von den Kräften der Menschen' benannte
gedieht hat mit Ap. die formel beadoerceftig beorn gemein:
Crä. 40, Ap. 44.
Zu vergleichen ist ferner aus dem 'Seefahrer' die formel
dryhtlicestum dorne Seef. 85 mit Ap. 65 dryhtlic dorn.
Natürlich reichen alle diese Übereinstimmungen nicht aus,
um gemeinsamkeit des Verfassers zu erweisen ; aber sie kommen
doch zu den übrigen nachgewiesenen Kynewulfanklängen als
verstärkende beweismomente hinzu.
Von ganz besonderem interesse aber werden nunmehr die
beziehungen zwischen Andreas + Fata Ap. einerseits und dem
Beowulfliede andererseits. Die zahlreichen von anderen und
mir (Beowulfstudien s. 114 — 117, 180) nachgewiesenen parallel-
stellen zum Beowulf, welche sich in Andreas + Fata Ap. finden,
sowie die Stilähnlichkeit, welche zwischen sämmtlichen sicheren
oder wahrscheinlichen dichtungen Kynewulfs und dem Beowulf
besteht (Beowulfstudien s. 110 — 152), wird nunmehr auch den
ungläubigsten überzeugen, dass das heldenepos mit Kynewulf
eng zusammenhängen muss. Weniger die altertümlichen teile
des Beowulfepos, als namentlich die christlich-theologisch ge-
färbten zusätze, welche, auch nach ten Brink's gegenwärtiger
ansieht (Beowulf s. 246) erst um die mitte oder gegen ende -
des 8. Jahrhunderts hinzugefügt wurden, stimmen, wie ich ge-
zeigt zu haben glaube (Beowulfstudien s. 143—150), so sehr
mit dem etil der anerkannten dichtungen Kynewulfs überein,
dass stellen des Beowulf sich gleichsam mosaikartig aus wenig
modifizierten versen und halbversen dieser zusammensetzen
lassen, z. b. Beo. 185b = Rä. VI, 4b, Beo. 186b = Phon. 516b,
Beo. 187 = Andr. 600, Beo. 188 = Cri. 773.
Eine solche Stilähnlichkeit durch die annähme zu erklären,
dass hier ein dichter einen anderen nachgeahmt, heisst nur an
die stelle einer einfachen und natürlichen deutung des kausal-
zusammenhangs eine komplizierte und unwahrscheinliche hypo-
these setzen. Dass ein dichter sich selbst widerholt, ist eine
1 Bemerkenswerte Übereinstimmungen zwischen Phönix und Andreas
sind die formein säre srvyltcrvale Phon. 369, Andr. 1370 und fröd fyrn-
getveorc Phon. 84, Andr. 738.
AngUft, XII. band. 25
386 SARRAZIN,
ganz gewöhnliche erscheinung und für Kynewulf insbesondere
aus dessen unbezweifelten werken nachgewiesen; dass aber
jemals zwei dichter einander (wechselseitig?) in der weise nach-
geahmt hätten, wie wir es bei jener hypothese voraussetzen
mttssten, dafür ist der nachweis noch zu erbringen; es dürfte
sich kaum ein analogon aus der englischen literaturgeschichte,
wol auch kaum aus der eines anderen Volkes anführen lassen.
Noch unwahrscheinlicher wird aber die nachahmungshypo-
thesc, wenn wir sie bis in alle ihre konsequenzen verfolgen.
Ihr zu folge hätten zu derselben zeit, in derselben gegend zwei
dichter gelebt, die nicht nur in ihren neigungen und ihrer an-
schauungsweise im allgemeinen (Beowulfstudien s. 135 ff.), son-
dern auch namentlich in dem umstände übereinstimmten, dass
sie eine streng kirchliche richtung und theologische gelehrsam-
keit mit einer Vorliebe für den alten heldensang, für Schilde-
rungen von kämpfen, Seefahrten und trinkgelagen verbanden:
Kynewulf, der Verfasser mehrerer geistlicher dichtungen und
rätsei und jener mysteriöse, anonyme 'interpolator B', der
redaktor des Beowulfliedes. Kynewulf (der im übrigen als ein
sehr bedeutender und origineller dichter gilt) müsste seinen
zeit- und Volksgenossen, von dem sonst keine originale dieh-
tung, sondern nur die bearbeitung eines älteren heldenepos
(oder älterer einzellieder) erhalten wäre, so sehr verehrt und
bewundert haben, dass er von seinen erstlingswerken an bis
zu seiner reifsten dichtung (Elene) den stil und versbau dieses
von jenem verfassten (nach Mtillenhoff, Möller und ten Brink
aus verschiedenen einzelliedern zusammengeschweissten) mach-
werks genau zu kopieren suchte, besonders im eingang der Fata
Apostolorum, und vielfach ausdrücke, redewendungen, formein,
ja ganze verse daraus stahl (Beowulfstudien s. 110 — 130); ja in
seinem reiferen alter müsste sich diese Vorliebe noch gesteigert
haben.
Dieser plagiator Kynewulf nun soll seinerseits wider das
Vorbild und mustcr mehrerer anderer anonymer dichter ge-
wesen sein, die seinen stil nachahmten. Die schüler und nach-
aluner Kynewulf s aber hätten alle die anpassungsfUhigkeit
and die Vorliebe für das werk des 'interpolator B' geerbt; ja
einer von ihnen (der Audreasdichtcr) hätte Kynewulf in der
Hystcroatischen ausbeutung des Beowulfliedes noch fast über-
boten. Während also Kynewulf gleichsam auf den schultern
FATA APOSTOLORUM. 387
des 'interpolator B* stände, ruhten seine nachahmer zwar mit
einem fusse auf Kynewulfs schultern, mit dem andern aber
widerum direkt auf denen des 'interpolator B\
Und dieses künstliche gebäudc von unwahrscheinlichen
hypothesen ist errichtet worden, um den einfachen und natür-
lichen wahvscheinlichkeitsschluss zu vermeiden, dass dich-
tungen, die zu derselben zeit, in derselben gcgend verfasst
sein müssen, welche denselben stil, ton und Charakter haben,
und in zahlreichen Wendungen an einander anklingen — von
demselben Verfasser herrühren!
Kiel. Gregor Sarrazin.
25*
DIE PRÄPOSITION FOR
TaVl dem folgenden artikel veranlassen mich Engl. Studien
IX, 344 nnd X, 188. Es handelt sich dort um den satz: '//
might be a clarv for the flesh there is upon it' in G. Wendt's
ausgäbe von Dickens' A Christmas Carol in Prose s. 94. Wendt
Übersetzt und erklärt zunächst richtig: "Ich fasse for als but
for, also als 'hindernden gruud* auf", fügt aber hinzu: "Die
weglassung des but ist allerdings grammatisch nicht zu recht-
fertigen, wol aber durch die eigentümliche spräche des geistes,
der es sehr eilig hat". Diese etwas kühne erklärungsweise
scheint J. Koch so abgeschreckt zu haben, dass er sich lieber
an den nachtrag Wendt's hielt: "Nimmt man for in der be-
deutung 'in anbetracht' und ergänzt vor flesh Utile, so hat
man den entgegengesetzten sinn: 'wegen des geringen fleisches
könnte es schon eine kralle sein', der ebenso viel für sich hat".
Keineswegs! Denn C. Stoffel sagt:
"There can, I think, be little doubt that Dickens ought to have
written ' It might be a claw for any flesh there is upon it ' = it might
be a claw, there being no flesh upon it to prove that it is not one =
as1 far as flesh is coneerned, it might as well be a claw as a foot
This gives a better explanation than ' It might be a claw for the little
flesh upon it'; in this case for would mean 'considering', a sense of
for which it would be hard to instance froni modern authore".
Zu diesem Schlüsse gelangte C. Stoffel, indem er von der
prämisse ausging:
"It is remembered that for somctimes ineans no twiths tandin g;
that the phrase for ought 1 know (to the contrary), frequently takes
the nearly related sense of : there being nothing to the contrary that
1 know of = as1 far as I know; and if we compare the following
passages from Nickleby: 1. 'A parrot who, for any sign of life he
had previously given, might have been a wooden bird' = 'The parrot
might have been a wooden bird, no signs of life (i. e. of his not being
a wooden bird) having been previously given by him = As1 far as
1 Sollte so far as heiasen!
HUPE, DIE PRÄPOSITION FOR. 389
signs of life were conceraed, he might as well have been a wooden
bird as a living one" etc.
Es ist unmöglich, dem Verfasser in diesem labyrinth von
gelehrten missverständnissen zu folgen. Aber auch hier soll
die historische grammatik zu ihrem rechte kommen. Die bei-
spiele sind grösstenteils aus Koch, Mätzner, Grein und Strat-
mann genommen. Die abkürzungen werden als bekannt vor-
ausgesetzt.
For fusst etymologisch auf skr. pärä und ist mit got. faur
'vor — hin' mit dem akkusativ und faura 'vor' mit dem dativ
zu vergleichen. — Ich unterscheide eine lokale, temporale und
kausale bedeutung.
'""STAltenglisches gebiet
I. Lokal, 'vor', mit dativ auf die frage wo?, mit acc. auf die frage
wohin? pcet he for eaxlum geslöd. B. 358. — no he pcere feoh-
Zyfte for seotendum scamigan porfte. B. 1027. — No dear ic forb"
gän for pe andweardne. C. 54, 4.
II. Temporal, 'vor', mit dem dativ, in adverbialen Wendungen auch
mit dem acc: for feorver dagum. Joh. XI, 39. — for dceg. Ettm.
III. Kausal, in folgenden bedeutungen:
1. beziehung, gemässheit, beschränkung, 'in ansehung von', 'was . .
anbetrifft', 'verglichen mit7, mit dem dativ: üe wces for wo-
ruide cetfelboren. Greg. — Ic eom se lytla for pe and se lytira
man. Hy. III, 41.
2. Stellvertretung, vertauschung, nutzen, und bestimmung, zweck,
'für', 'zu\
a) Stellvertretung und nutzen, 'für', mit dem dativ. Se pe
deaö for vs geprorvode. C. 306, 18. — yfelu for gödum. Ps.
XXXIV, 4. — mit dem acc: pone Abraham genam, and hine
on äd ahöfy öfestum miclum,for his ägen beam. C. 177, 16
(2930). — Me rvcbron mine learas for hläfas. Ps. 41, 3. —
Distributiv: tob for tob". Mi. 19.
Aus dem begriff der Stellvertretung erklärt sich der gebrauch von
for auch in folgenden Sätzen: eaU peodscipe hine heold pä for fulne
cyning. S. C. 1013. — for söb~ seczan. Gn. 64. — TeÜafi min wedd for
näht. Deut. 31, 20. — pcet he hine fteondne for peofsloge. Legg.Inas 35. —
JVm ic Beotvulf pec, secg betsta, me for sunu rvylle freogan. B. 948.
b) bestimmung, zweck, 'zu', hine god for ärsiafumvs onsende.
B. 382.
Die bedeutungen 1 und 2 ergeben sich leicht aus der lokalen be-
deutung; sie selber erweitern sich zu den begriffen des grundes, der
Ursache und veranlassung.
3. subjektiver grund, beweggrund, innere veranlassung, * wegen',
'aus', mit dem dativ: ne dyde ic for fäcne ne for feondscipe.
C. 163, 1 (2685). — mit dem acc: Hyne Wyrd fornam, $yo~o~an
he for wlenco rvean ähsode. B. 1206.
(/
390 HUPE,
4. objektiver grund, erkenntnissgrund, äussere veranlassung, 'wegen',
'um . .willen7, mit dem dativ: he rvolde for wera synnum eaü
äcküan. Gen. 1271). — ic rvile me pcet eal for gode polian. Hy.
IV, 73. — vs häle gedo for pines naman äre. H. VIII, 35. —
mit dem instrum.: he hine feor forrvrcec metod for py mäne
mancynne fram. B. 110. — adverbiell: for pyt for hwy.
Hierher gehören auch sätze wie: he hi for drihtne boed pcet hi...
Met. I, 64. Die Umschreibung mit pingum scheint nicht ungewöhnlich zu
sein: stvilce pu for minum pingum seo pines ägnes benumen. Boeth.
3, 7. — Htm feollon tearas for his brötior pingon. Gen. 43, 13.
Die vcranlassuug kanu auch zugleich bezeichnen:
a) das objekt der tätigkeit, 'über7, 'um7: hi sebdon for manegum
yflum da%um. Nie. 2. — pä pe for his Vife lyt sorgedon.
Exon. 116, 10.
b) das hinderniss, in negativen Sätzen, 'wegen', und in Verbin-
dung mit der negation: 'wenn nicht .. war (wäre)', 'ohne':
pect heb for flöde fötum ne meahte fand gespornan. Gen.
1457—58. — neie vs god rvUnian for his weldcedum. Ps. 76,7.
c) den wirkungslosen grund, indem ein conecssives verhältniss
zu gründe liegt, und zwar nach adversativen partikeln, die
auch dem sinne nach ergänzt werden können — denn nur
durch die gegensätzlichkeit wird der grund concessiv— * trotz':
Ac for e all um pissum se here ferde, swä he syif wolde.
S. C. 1006.
B. Mittelenglisches gebiet.
I. Lokal, z.b.: Se sagh pal angel for hir stand. Cursor (C) 10497.
II. Temporal, und zwar wird for gebraucht:
a) wie im Ae. etwa bis zum 14. Jahrhundert. Itt rvass for manigg
da^z <*r ewiddedd. Orm. 3076. — vor pe feste. A. R. 22. —
Fore domesda put sal be sene. Cursor (C) 22429.
b) zur bezeichnung der Zeitdauer, * während7: He is a prisoner
perpetualty, nat oon/y for a yeer. Ch. (Morris) B. 599—60«.
Diese bedeutungen der Zeitdauer verdankt for dem einflusse des
Französischen. Als dieser noch nicht vorhanden war, gebrauchte man im
vollständigen satze das pp. agän, me. agan, agoon: vre elderne christene
wvoren, agan is preo hundred geren. Lag. 29776; dann unter weglassung
des verb. subst.: 1 have heer tvilh my cosyn Palamon Had stryf and
rancour many a day a-gon. Ch. (Morris) B. 1925—26.
Da sich for in dieser bedeutung mit dem begriff eines Zeitraumes
verbinden muss, so entspricht es auch dem d. 'seit7.
III. Kausal, und bezeichnet wie im Ae.:
1. beziehung, gemässheit, beschränkung: for the rnore partie . . .
they bare hem the bolder. Dep. of Rieh. IL, p. 9. — for me my-
selfy ich wol sott segge. K. G. 715. — I tville make redempcyon
As 1 hyght for my person. Towneley Myst., p. 72.
Um die beziehung auf den nachfolgenden regierenden satz deutlicher
zu machen, wird schon früh as hinzugefügt: For as for himseif, he Morde
nvn evyüe deserved. Maund., p. 2. Da im Ae. to und for häufig neben-
DIE PRÄPOSITION FOR. 391
einander gehen, so ist es erklärlich, dass sich im Me. nach dem ver-
gleichenden as auch to einfand. As to my thynkynge these days thre,
That %e absente haue ben away, Be more l engere in (her degre Than
alle the Space of XI j gere day. Cov. Myst., p. 197.
Einen direkten französischen einfluss hier für die entwickelung von
for anzunehmen, erscheint also verkehrt. Ich erkenne einen solchen nur
für den begriff der Zeitdauer an, welchen por {pro) durch die Vermischung
mit lat. per erhalten hat.
2. Vertretung, nutzen; bestimmung, zweck.
a) Vertretung und nutzen: pou büeafest feier and sceone mine
dohter for alpeodisc meiden. Lag. 2301. — He biddeth pat
he peos sob* feste tvord segge for his fader saufe. Lag. 62. —
Me heold heo for hehne godd. Lag. 1152. — tvord for tvord
thus they spake. Alis. 2922.
b) bestimmung und zweck: To lese thertvith her owne soulis
more for the mayntenaunce of pride and her delicis than
for the tvorschipe of god or other goode vertues. Wright
and Halliwell, Rel. Ant. I, 42. — A manere of wode . . the
whiche is good for many diverse medicynes. Maund., p. 56. —
forr the näness. Orm. 7158. — for the nones. Alis. 1624.
Vgl. auch for to mit dem inf.: For to tvere pe ronde tabell. Curs.(C) 14.
Ebenso steht for nach den verben der bewegung zur angäbe des Zweckes :
Messangeris comen . . for irowage. Alis. 1653. — / xal send for hem.
Cov. Myst., p. 94. — Amorant tvent . . for his lordes liueray. Amis and
Amil. 1658. — Eine erweiterung des zweckbegriffes liegt in dem des
Zieles: stvithe com for thider with me. Wright, Anecd. p. 12.
3. subjektiver grund, beweggrund, innere veranlassung: he dude al
his wille more for e%e pan for love. K. G. 593. — For s harne.
Lag. 16971. — for lef ne loth. Hav. 2775. — for tvel ne for wo.
Hav. 2777.
4. objektiver grund, erkenn tnissgrund , äussere veranlassung: tve
deye mone for (= 'vor') hunger. Hav. 840—41. — he died for
hungre. Maund. 230. — Nu bidde'Ö Lagamon mlcne mon for
pene almiten godd pett. Lag. 57. — For the holi milce of yow,
üave merci of me, louerd, notv. Hav. 1361—62. — Elliptisch:
Mercy, Richard, for Mary maid. Richard C. d. L. 1782. — For
shame, lete tho leuedis gon. Amis and Amil. 1229. — Alasl for
sortve, tvhat hap was this. Cov. Myst., p. 371.
Die ae. Umschreibung ist noch erhalten: Feond he wes pes kinges
for Octaves pingen. Lag. II, 49. — Abgeschwächt ist sie: for whulches
cunnes pinge ligge we pus here? Lag. II, 446. — /, Ion Baliol pe Scottys
kyng I bicom pi man for Scotland ping. Langt p. 250. — Verdrängt wird
sie durch sake: Alle men . . Had mete there for Goddis sake. Ipom. 1549. —
Good were to deschargen hem For holy chirches sake. P.Plough. 10677. —
A strong logge he dide make . . for his lady sake. Am. and Amil. 2463. —
Hierzu kommt noch die Umschreibung mit because of: Thai makethe hem
fle before hem, because of the smelle. Maund., p. 169. — To Jesu Crist
prayed he Because of his wiffe. Sir Cleges 167.
392 hupb,
Dann bezeichnet die veranlassung auch zugleich:
a) das objekt der tätigkeit: mourning for (=<um') misdede.
P. P., p. 492. — sorwe for (= 'um') synful lif. Ibid. — For
(= 'über') hire spceche he loh. Lag. II, 203. — Alle hefne
and erthe crye for mercy. Cov. Myst., p. 107.
b) das hindemiss in negativen sätzen: heo ne dursten for gode
don per pa misbode. Lag. 13249.
Die negation ist leicht aus einem hypothetischen verhältniss zu er-
kennen. / shal dreinchen him in pe se, For htm sc hole rve ben maked
fre. Havel. 561— 62. Abgesehen davon, dass schote für scholde stehen
könnte, genügt auch das futurum : ' wir werden frei gemacht worden sein
— d. i. wir sind es noch nicht — wenn er nicht mehr ist7.
Hinzu kommt zum ausdruck der negation die Verbindung mit butem
Hit likede wel pan kinge buten for ane pinge. Lag. III, 264. — Nay, I
myself wold kylle him Bot for sir Py/ate. Tow. Myst., p. 207.
c) den wirkungslosen grund: f>e Reseamiradie was taken pat
ilk gere in Wales porgh a spie for all his powere. Langt.,
p. 247. — Lady, thou shalt here abyde, For any thing that
may belyde. Richard C. d. L. 225.
C. Neuenglisches gebiet.
I. Temporal zur bezeichnung der Zeitdauer : He's safe for these three
hours. Sh., Tp. 111, 1. — He stopped there for some Urne. Bulw.,
Malt. I, 4. — To-day, for the first time, dost thou refer me to my-
self. Coler., Picc. V, 2. — For many miles (zcitmass!) around
There's scarce a bush. Sh., Lr. II, 4. — For the present.
Für die Übersetzung beachte man, dass for mit einem perfectum be-
sonders verbunden deutschem 'seit' häufig entspricht, z. b.: He has been
(= * ist ') here for (= 'seit') a fortnight. — / have not seen him for a
fortnight. In Verbindung mit einem futurum wird es zuweilen 'in' ent-
sprechen. / shall not see him for a fortnight (=Mn den nächsten vier-
zehn tagen'). Der begriff eines Zeitraumes ist immer nötig. — Vergleiche
hiermit: / shal/ not see him again before a fortnight (= 'erst nach').
IL Kausal, zur bezeichnung von:
1. verhältniss, beziehung, beschränkung: for the mosi part. — For
ought I know.1 For ought that I know. Sh. — For Gloucester's
death. — 1 slew him not. Sh., Rieh. IL, 1,1. — As for the peers
that back the clergy thus. Marl., Edw. IL, 1, 4. — As for me, 1
will call upon God. Ps. 55, 16. — He pleases the mob, but as
for the nobles, they laugh at him. Bulw., Rienzi I, 4.
In neuester zeit wird as to dem ausdruck as for vorgezogen.
Ferner vergleiche man die Verbindung eines durch too gesteigerten
adjektivs mit for. A punishment too goodfor them. Sh., Much Ado 111,5. —
Too proud for art. Cowp., p. ls. — Ohne too: That was but little for his
age, But., 1, 1, 375. He is short for his age.
1 StoffeFs ergänzung to the contrary ist unverständlich, und seine
nachfolgende erklärung hat mit der grammatischen definition von for
nichts zu tun.
DIE PRÄPOSITION FOR. 393
2. Vertretung, nutzen; bestimmung, zweck, ziel:
a) Vertretung, nutzen: Here's money for my meal, Sh., Cymb.
III, 6. — It shall be for food for thee. Gen. 6, 21. — But
this for faithful truth I say. Scott, L. M. 6, 5. — / will lake
it for granted, you are honest. Bulw., Malt. 1,1. — For cer-
tain. Butl., Hud. 2, 3, 156. — Distributiv: Eye for eye, tooth
for tooth etc. Exod. 21,24. — Elliptisch: 0 for a horse tvith
tvings! Sh., Cymb. III, 2. — Hurrah for the knight of St. John!
Bulw., Rienzi III, 1.
b) bestimmung, zweck, ziel: Boih law and physic are for petty
wits. Marl., Faust 1,1. — Ceres ripe for harvesl. Milton,
P. L. IV, 980. — Revenge is a feast for (he gods. Scott,
Ivanhoe 24. — It is impossible for us to believe. Carl., Past.
a. Pres. 1,3. — Read for yourselves. Dougl. Jerr., Bubbl. 1. —
We are bound for Naples. Dick., Pict. from Italy, vgl. Sh.,
Cymb. III, 6. — / hope the king is not yet shipp'd for Ire-
/and. Sh., Rieh. II., II, 2. — He . . started for the Indies.
Dougl. Jerr., K. D. I, 2. — To set sail for Spain. — He left
for Paris. — He set out for England. — They parted for
their several homes. etc.
3. subjektiver grund, beweggrund, innere veranlassung: None durst
come near for fear of sudden death. Sh., 1 Henry VI., 1,4. —
Your cheek is cover'd o'er with blushes! What, 0 what can
that be for? Sh. Knowles, Virg. I, 2.
Innere und äussere veranlassung sind einer Verwechselung fähig,
wie z. b.: Will he draw out For anger's sake, finite to infinite In punish'd
man. Milt., P. L. X, 801; denn die Umschreibung mit for — sake bezeichnet
die äussere veranlassung. Man vergleiche auch die vertauschung von for
mit from und out of.
4. objektiver grund, erkenntnissgrund, äussere veranlassung: Thou
ort but a dead man for the woman which thou hast taken.
Gen. 20, 3. — Do you thank the gods for me? Knowles, Virg.
I, 2. — If I were to die for it. — Elliptisch: Alack, for pity!
Sh., Tp. I, 2. — Alas, both for the deed and for the cause!
Milt., P. L. XI, 461. — For shame, you a sailor, and carry sor-
row aboard. Cobb., Doct. a. Apoth. I, 1.
Die Umschreibung mit sake ist dem Ne. sehr geläufig: for the sake
of peace. Cowp., p. 8. — for your sake. Dick., Ch. Car. 3. — for wird
jetzt häufig verdrängt durch from, of, z. b.: to die from, of hunger.
Die veranlassung bezeichnet auch zugleich:
a) das objekt der tätigkeit: Jacob mourned for his son. Gen.
37, 34. — I don't care for you. — Vgl. ferner: to look for,
to ask for, to hunger for, to wait for, to hope for etc.
b) das hinderniss in negativen Sätzen : For one restraint, lords
of the world besides. Milt., P. L. I, 32. Die negation liegt
versteckt in dem zusatze besides, der angibt, dass augen-
blicklich aus irgend einem gründe etwas fehlt, und der ellip-
tische ausdruck verlangt eine konditionale ergänzung: they
:m hupb,
woiild bt, aus der die negation noch deutlicher zu schliessen
ist. Ich mache hinter will (vgl. teit) ein komm». — Ifit teert
not for us and the other genttemen of the sniord, Drury-
lane wouid be uninhabited = For us . . . Drurylane rvould
be uninhabited. Gay, Begg. Op. II, 1. // ü nitre not ist der
tleutlichkeit halber hinzugefügt, obwol die negation ans dem
konditionalen hauptsatze genügend ersichtlich ist. — It might
be a etaw for ifrt flesh t/ttre is upon it. Dick., A Ch. C,
Wendt's ausgäbe, p. !)4. Die negation ist ancb hier ans der
konditionalen form des bauptverbs zu entnehmen: it might
bt a etaw, but il is none. Why not? For ikt flesh Ihere is
Die Verwendung von but for und auch save for ist dem Ne. sehr
geläufig. Diese ergänzungen dienen der deuth'chkeit des Ausdruckes, wenn
weder negation noch konditionaler hauptsatz vorhanden sind; sie sind also
die eigentlichen Vertreter der negation, die im früheren Englischen oft
doppelt ausgedrückt wird. Thtn was ihis »stand (Save for the son that
sht did litter ktre , .) not honour'd with A human shape. Sb., Tp. 1, 1.
c) den wirkungslosen grund: And gel, for alt Ins tvings the
fool was dromntt. Sh., ;i Henry VI., V, 6. — Who . . scorn
t' abale, for a«y U/s, The teast punctilios of out tv'üli.
But]., Hud-, The Lady's Answ. 335. — A parrot who, for
any sign of lift he had prtviousty given, might havt been
a wooden bird. Dick., Nicklcby II, CS (Tauchn.) = 'noth-
niiihstanding any sign of life ht might hart prtviousty given '
Die hinznfUgung von any' dient dazu, um es in (rage zu
stellen, ob er überhaupt ein zeichen seiner existenz von sich
gegeben bat. 'Wenn er auch vielleicht früher ein lebens-
zeiehen von sich gegeben hätte, so künnte es jetzt doch ein
hölzerner vogcl sein'.— Vgl. noch Stoffel's bef spiel; Sechen-
dorf mag as wtti quit Friedrich Wilhelm altogelher, for
any good he wiit henceforth do upon him. Carlyle, Fried.
III, 1 Su. People's Ed. (= 'wenn er auch vielleicht später Ihm
gute dienste erweist').
Es kam mir nur darauf an. die CDtwiekelunp von for dar-
zustellen. Ein vollständige» Verzeichnis» der nomina und verba,
nach denen in den obenbezeiehneten fällen for verwendet wird,
1 Nach StolTel hätte Dickens schreiben müssen: 'it might be a dam
for uny flesh there is upon it', d. i. ' wenn auch vielleicht fleisch darauf
wäre'. Stoffel aber erklärt there bring nn flesh upon it.' Seine Zurück-
weisung von for = eonsidering (vgl. 'a stnse of for which it wouid he
hard to instante front modern nuthors') verrät allzu grosses selhetbe-
wuss tscin. Sollte for = eonsidering sein, so würde der sinn des aataea
der sein : ' es kiiunte in aubetrai'ht des fleische», das darauf ist, eine krall«
sein', aber so wird niemand erklären wollen. Indessen ist der notbebelf
mit Unit auf keine weise zu rechtfertigen, abgesehen davon, data der aut-
drnek the tittle flesh für 'das geringe fleisch' nach meinem Sprachgefühl
Überhaupt nicht passt.
DIE PRÄPOSITION FOR. 395
in einer grammatischen darstellung zu liefern, mag sehr prak-
tisch sein, gehört aber besser in ein lexikon. Für die schule
wird man immerhin eine anzahl solcher beispiele anführen
können. Was den direkten französischen einfluss (vgl. pour)
anbetrifft, welchen Mätzner noch für den begriff des 'örtlichen,
zu erreichenden zieles' fordert, so scheint mir diese behauptung
mehr von der phraseologie des verbs aus gemacht zu sein.
Diese trägt allerdings häufig ein französisches gewand; aber
die Übereinstimmung der präp. for mit pour in ihren begriffen
erklärt die leichte annähme der französischen ausdrucksweise.
Lübeck. H. Hupe.
THE POSITION OF GRENDELS ARM
IN IIEOROT.
Beowulf 834 sqq. 983 sqq.
In order to determine with precision the position in which
Beowulf placed the arm and Shoulder whieh he tore away
from Grendel, it is neeessary to discuss the nieaning of one
or two words.
JJorngedp (82).
This scenis to mean 'wide gabled\
Ilorn in Ieelandie ineans a mathematieal angle.
Ilorne in M.N.D. is 'corner' of a street (Schilhr u. LUbben,
Wtb. s. v.).
Hörn in A. S. is used of the 'horns' of the altar. The
roeanin<r of this term is clearly seen in the illustration given
by Daremberg et Saglio (Dict. des Ant pagc 351) whero the
'hörn' rcsenibles a gable in miniature.
Hörn in A.S. is often rendered by the Latin pinnacnlum.
This is supported by Mt IV. 5 (L) ofer hornsceaÜe tcmples =
supra pinnaculum fempli ef. Lk IV. 9 (L). The sense of pinna-
culum is elear from Dueange (s. v. Pignaeuluui):
"Pignaeulum: culmen doums. Galt. Pignon de niaison. Pinnacu-
luin Matt. IV, .">. Charta Episcopi Parisiensis ann. 1222 in M. Pastorali
Hb. 11) eh. *W. Quod (iomuui suam non levabit, nee potent levare
. . . ultra sex pedes et secundum hanc. elcvationem modo com-
peteuti domuiii pignacnlabit, ita tarnen quod in anterioris pignaculi
elcvatione nulluni fenestram, tacere potent'1.
A quotation from Littrt» (Dict. Fr. s.v. pignon) will make the
meaning still ]>lainer:
"Pignon. Tenne d'architecture. La partie des nmrs qui s'eluve
en trianfrlr et sur laipiellc porte l'extreinite de la couverturo
Autrefois c'etait le pignou qui, comme aujourd'hui dans le« eglises
taisait la fa^ade de la inaison'*.
MILLER, GRENDKL'S ARM IN HEOROT. 397
We have then hörn = pinnaculum = pignon, and implying
'gable' (or 'fa^ade' possibly). The fantastic accumulation of
gable tops as seen in the church at Borgund in Norway gave
rise to the expressions Horngestreon, Hornscel, Hornsele {Hörn-
seit Heliand), Hornreced.
The hall would have at least two gables one of which
might be turned to the road forming a fa$ade and containing
the entrance. Coinpare Volundarkvida 8, 6 sligu or sg&lum \ at
salar gafli \ gengu inn paban \ endlangan sal. cp. Hamdismal 30.
Grettirsaga c. 64 (Anglia III, 80). If then the gable formed an
end of the hall turned towards the advancing spectator, its
height and width would strike the eye.
Sele hllfade
heäh ond hornjeäp (Beö. 81).
These two ideas of height and width are combined in the
description of the ship,
|?a waes on sande ssegeäp naca ....
rasest hllfade
ofer HroÖgäres hordjestreonum (1897).
The parallel is fully worked out But this association of height
and width occurs repeatedly; as in steäp ond geap.
We may then take Hörn as implying the fa§ade and here
by the door Beowulf placed the arm of Grendel. It was of
immense size. Four men could scarce carry the head (1638).
The Shoulder is laid down by the door, the arm crosses the
gablewall perpendicularly and the band with the fingers rises
above the gable point. The band is dead; the fingers fall
forward and show the nails in front (985). This is exactly
the counterpart to the imitations of antlers which we see in
a similar position on the Borgund church.
A slight correction of the text is necessary here. Sievers
(Beiträge X, 232) considers the second half verse as metrically
deficient. Read therefore foran ceghwylcne, and both sense and
metre are improved. jEghwylcne is in apposition to fingras.
'They saw the fingers each to the front \
This setting up of arm and hand as trophy is one of the
parallels between Beda and Beowulf.
His hond mid )>y earme )>e of bis lichoman aslegen wses, het to
ahoon (Beda III, 12).
398 MILLER,
We further read (835):
hond alegde . . .
under geäpne lirAf.
The roof is ealled 'steep' and 'high'. :Wide' is appropriate to
the gable (82) we should probal)ly read Hörn. Hrbf rests upon
Thorkelin's owu transcript (B), which gives hr.... Thorkelin's
füll reading is under gearne hrcegl (lsub lanea veste'. //
alone remains now: the hr — may possibly be the displaced
remains of harn; or a preconceived idea as to the sense may
have influenced the carlier readers of the Ms. See Thorpe's
note p. 56.
I would read hörn. Then geäpne hom is in harmony with
horngedp: lHe set the arm etc. down under the wide gable': thiß
points out the exact position, which is also the most suitable
for a public exhibition of the trophy, namely by the door at
the top of the flight of ste])S leading up to the entrance.
I have assumed that the arm is placed outside. A diffi-
culty arises as to the interpretation of 927 sqq.
he to healle jeonj
stöd on stapolo, ^eseah steäpne hröf
golde fahne on orendles hond.
On stapole is rendered by Heyne (5th ed.): 'stand an der
hölzernen mittelsäule lleorots'. As Bugge remarks this use of
on = lbeside', 'at' is unusual. Thorpe translates in the fore-
court' and in bis glossary suggests 'tower' i. e. stepel.
I quote here Skeat's account of the word 'staple' (Etym.
Dict. s. v.):
"Staple A. S. stapul. 'Patronns' stapul \ Wright's
Vocab. I, 26, col. 2. (Here palronus = a defence; the gloss occurs
amongst others having reference to parts of a house). Tlio original
sense is a prop, support, something that furnishcs a finn hold, and it
is derived from the strong verb siapan, to Step, to tread finnly".
On reference to Wright's Vocab. (see Prof. Wttlker's ed. 126, 8), it
will be seen from the position of the word that it probably
means 'flight of steps'.
Ducange (s.y.patronus), Grein, Bosworth (1838) give nothing
different. Bosworth (1849) however has among other meanings
'step', kan elevated place'. Stratmann (D. of 0. E.) quote«: *pe
steire of fifiene stoples. Rel. Ant. I, 130" (s. v. Stapel). This last
quotation coufirms the conclusion drawn from the collocation
in the Vocabularies (Patronus. stapul. Ascensorium stieger).
grendel's arm in hborot. 399
The sense then seems to be Hrotbgar 'stood on the Steps'.
In illustration of this, and in explanation of the word patronus,
which seems an cbrag jLeyofisvov, I will quote once more from
Schiller und Lübben (M. N. D. Wtb. s. v. Stapel):
"Ins bes. ist Stapel auch der staffelstein, die staffelstcine , von
denen das urteil des richters gesprochen wird Im M. A. waren
vor den burgtoren steinstaffeln angebracht, die dazu dienten um zu
pferd zu steigen oder absteigen, perron genannt. Auf einem solchen
perron pflegte sich aber auch der gerichtsherr oder sein beamter
nieder zu lassen, wenn er recht sprach. Einerlei hiermit scheint mir
nun der regis staplus (Lex. rip. 33. t ad regis staplum, vel ad eum
locnm ubi mallus est); Judicium in castro Landskrone circa gradus
Gr. R. A. 604".
To make this still clearer I refer to Littre (Dict. Fr. s.v. perron):
"Perron. 1° Espece de palier ou de repos, ou l'on monte par
plusieurs marches, devant la porte d'une 6glise, ou d'autres bäti-
ments .... Au moyen age c'est la que se tiennent les suze-
rains pour recevoir leurs vassaux Les perrons etaient aecom-
pagnes des montoirs Etym. bas-lat. petronus; du lat. petra,
pierre ".
If then stapul = Stapel = perron it follows that patronus, is
nothing more than petronus, and perhaps a mispelling.1
Hrotbgar delivers bis speech from the steps leading up to
the hall, or the landing at the top of the flight. This landing
wonld be the natural point for an orator to choose in addressing
a crowd. Both this spefcch and that of Beowulf (958) are de-
livered from the same spot.
There still remains one passage which has caused some
difficulty, with regard to Grendel's band.
Hream wearö" in Heorote. Heö under heolfre genam
cüoe folme (1303).
under heolfre = 'amid its göre', 'amid clotted göre' (Thorpe);
'manum filii sui cruore superfusam' (Grein).
This is harsh. Bugge wonld read hröfe, Grundtvig in his
note proposes heolstre: but in the text has heolfre. Schalde-
mose (1851) translates * under Skuldren tog hun', perhaps
thinking of healf=iQ\de\ If we must retain heolfre, I prefer
Thorkelin's version: 'lila perfusa tabo sustulit familiärem ma-
num \ But I think we should read heöfe lamid the wailing'.
Cp. Bückling Homilies p. 115: Nu is ceghtvonon hream 7 wop,
1 Prof. Nettleship (Oxford) teils me that such a misspelling is quite
possible.
400 MILLER, GRENDEL'S ARM IN HEOROT.
nu is heaf ccghwonon. Exod. 35: hordtvearda hryre heäf w<e$
geniwad (cf. Beo. 1323). lThere was an ontcry in Heorot; amid
the wailing she caught away the wellknown hand'. One more
quotation from Bede III, 12: Da cwom cefter geres fcece
Osweo his mceg 7 (his hond mid ]>y earme) pcer genom completes
the parallel already noticed.
The evidence then seems to prove that Grendel's arm was
placed not mithin but outside Heorot.
Göttingen. Thomas Miller.
DIE COTSWOLD-SPIELE
UND
IHRE DICHTERISCHE VERHERRLICHUNG.1
I.
Im nördlichsten teile der grafschaft Gloucestershire2 liegt
ein landstrich, welcher, unberührt vom einfluss des gesteigerten
Verkehrs und der nivellierenden kultur unserer zeit, trotz der
ruhelosigkeit der ungestüm vorwärts drängenden geschlechter
und bei der auch in der natur immer seltener werdenden
romantik eine gewisse Isolierung in spräche, sitten und ge-
brauchen bis auf die gegenwart sich bewahrt hat. Es sind
die höhen von Cotswold3, welche in nordwestlicher richtung
von dem einen flusse Avon bis zu dem andern gleichen namens
durch jene provinz sich erstrecken und ihren gipfel und ihre
breiteste ausdehnung gerade da erreichen, wo sie kurz darauf
in der grossen zentralen ebene verschwinden. Das plateau,
1 Die Cotswoldspiele der Vergessenheit entrückt bat Alexander B.
Grosart durch herausgäbe seiner 1877 gedruckten üccasional Issues of
Vnique and Very Rare Books, welche in England sehr wenig, in Deutsch-
land gar nicht bekannt wurden. Darüber gehandelt hat Edmund W. Gosse
in Sevenleenlh-Centurv Sludies, London 1883, welche meinem aufsatze zu
gründe gelegt sind. Unbekannt sind mir geblieben die Schriften: Dover* s
Anniversary Meeting, 1814, a grand match at Backsword, Wrestling, etc.
London 1814 und J. D. Crokers Cotswold, and its populär Customs.
- Gloucester, grafschaft (herzogtura) im südwestlichen England,
3251 qkm. mit 572,480 einw., Viehzucht (Gl. käse), tuchfabrikation. Die
hauptstadt Gl., am Severn, 36,552 einw. Bischofssitz. Gotische kathedrale.
Bedeutender handel (235 eigene schiffe).
3 Weald, Wold (German Wald), *a wood'; Waltham, Waiden, the
Cotswolds; Schwarzwald ('Black Forest*). — Gotsale or Cotsall, a
corruption of Cotswold: Wiv. 1, 1,92. H4 B III, 2,23. Cotswold,
open downs in Gloucestershire, favorable for coursing: R 2 II, 3, 9. Vgl.
Alex. Schmidt, Shakespeare-Lexicon, Berlin 1874. — Cotsale für Cots-
wold M. W. 1, 1. Cotswold, eine hügelgegend in Gloucestershire, durch
ihre Jagden berühmt R. II. 2, 3. 2 H. IV. 3, 2. Vgl. Nie. Delius, Shak-
spere-Lexicon , Bonn 1852. — Cotsale: A corruption of Cotswold,
open downs in Gloucestershire, very favorable for coursing. R. Nares,
A Glossary, &c. edit. Halliwell-Wright, London 1882.
Anglift, XII. baud. 26
402 LENTZNER,
welches von diesem gebirgszuge gebildet wird, ist begrenzt
auf der einen seite vom Stour und dem tale von Evesham1,
auf der andern von den die woltönenden namen Evenlode und
WindrusU führenden Aussen, welche, an Woodstock und Witney
vorbei eilend, ihr krystallklares wasser dem Themsestrom zu-
tragen.
Die bewohner dieser gegend sprechen bis auf den heutigen
tag einen dialekt so reich an rein sächsischen formen, dass,
wie R. W. Huntley versichert, eiue bekanntschaft mit ihrer täg-
lichen Umgangssprache das Studium des alten Robert of Glou-
cester wesentlich erleichtert, in dessen (inhaltlich recht lang-
weiligen) chronik2 viele stellen als echtes Cotswolder Englisch
unschwer zu erkennen sind.3
Noch durchkreuzt keine eisenbahn den Cotswolder bezirk,
der, obwol ganz in der nähe volkreicher landschaften, einer
der isoliertesten teile Englands geblieben ist.
Seit uralter zeit galten die htigel und die ebene dieser
grasigen einöde für besonders geeignet zu athletischen spielen.4
Auf einer so ungeheueren fläche hochlandes konnte bequem
die zusammenkuuft kolossaler menschenmengen stattfinden,
ohne Unordnung und Störung im öffentlichen verkehr zu ver-
1 Evesham hat literarische bedeutung durch das buch ' The Revelation
to the Monk of Evesham, 1106', welches Edward Arber in einem neu-
druck uns zugänglich gemacht hat.
2 'As literature it is as worthless as twelve thousand lines of verse
without onc spark of poetry can be. Here and there we find a trace ol
the quiet humour in which gentlc dulness delights, but of this the in-
stances are rare and widely scattered.' W. Aldis Wright, The Metrical
Chronicle of Robert of Gloucester. — Ueber den mangel einer biogr&phie
siehe den artikel von W. II. Cooke in The Athenaeum no. 3159 vom 12. Mai
1888 und den von W.Aldis Wright in derselben Wochenschrift no. 5160
vom 19. Mai 1888.
a Vgl. die einleitung zu Richard Webster Huntley, A Glossary
of the Cotswold /G/oucestershire/ Dialect, illustrated Inj cxamv'es from
ancient authors. London 1 Mi8. Vgl. ferner .1. O. II a 1 1 i w e 1 1 , A Dictionaru
of Archaic and Provinciaf H'ords. London 196s, p. X und p. XVIlf;
J. Bosworth, Dictionaru of Obsolete and Provinciaf English. London
1857, p. V f.; Kichard Morris, On the survival of earty English Words
in our present dialects. London 1876. — Mitteilungen über dio Cots-
wolder mundart gedenke ich in einem der nächsten hefte der AnglU tn
bringen.
4 'Povers-Giimes: Annual sports held on the Cotswold hüls from time
immemorial. They had fallen in vigour about itioo, but were revived
shortly aftcr that pciiod bv Captain I>over. The lull were the garaes are
celebrated is still callod Hover's Hill; S. Halliwell s. Hl 3. Vgl. auch Nares
s. 253 f. (Ueber die spiele zu Cotswold vor Dover's zeit vgl. ferner noch
Kudder's llistorv of (Jlouccstershire [ausführlich angeführt in N. Drake's
Shakespeare and liis Times, ed. Baudry s. 123]. K. F.)
DIE COTSWOLD-SPIBLE. 403
Ursachen. Mit bestimmtheit ist nicht anzugeben, in welcher
zeit die Cotswold Hills ihrer öffentlichen sports wegen zuerst
berühmt wurden; jedoch schon um die mitte des 16. Jahrhun-
derts spricht der epigrammatiker John Heywood von einem, der
so wild gewesen sei as a Hon of Cotswold, und ohne zweifei
bezog diese anspielung sich auf die löwenmutige englische
jugend, die in der gesunden luft von North Gloucestershire zu
rennen und zu toben gewohnt war.1 Wie dem auch sei, fest
steht, dass diese Wettspiele zur zeit, als William Shakespeare
das mannesalter erreichte, öffentliche anerkennung gefunden
hatten und in recht merkwürdiger weise von statten gingen.
Dieses fast vergessene kapitel aus dem Volksleben Altenglands
liefert einen interessanten beitrag zur geschichte der englischen
dichtung im 17. Jahrhundert.
Zur zeit der tronbesteigung Jakob's I. lebte in Warwick-
shire zu Barton-on-the-Heath der captain Robert Dover, ge-
boren in Norfolk gegen ende des 16. Jahrhunderts. Er wohnte
in unmittelbarer nähe von Stratford-on-Avon; wir besitzen
jedoch keinerlei anhaltspunkte dafür, dass William Shake-
speare seinem nachbar jemals einen besuch abgestattet habe.2
1 'An Epigram of John Hey wood (Proverbs, part I, c. 1) so early as
1540—56, informs us that then at least the Cotswold Games were celebrated;
'He foineth like a bore, the beast should seem bolde,
For he is as ficrce as a lyon of Cotswolde\
The 'lyon of Cotswolde7 having been one of the sportive assumptions by
the youths, in 'games' involving mirth 'fast and furious\ [Hone notices
this in his Introduction to Strutt's Sports and Paslimes, 1830: p. XXXVII,
1S55.]' — (Vgl. N. Drake, Shakespeare and his Times s. 123. E. F.) —
Grundverschieden ist die bedeutun^ von Cotswold-lions bei Collier II, 401,
wo schafe darunter verstanden sind. 'Have at the lyons on cotsolde\
Thersites. Vgl. J. 0. Halliwell's Diclionary of Archaic and Provincial
Words. — A sheep was jocularly called a Cotsold or Cotswold Hon, from
the extensive pastures in that part. It is among Ray's Proverbs, under
Gloucestershire, p. 242. So Harrington:
So then the mystery froin whence the name
Of Cotsold lyons first to England came.
Epigr., B. III, Ep. 18.
Robert Nares' Glossary, ed. Halliwell-Wright s. v. — Ueber'/oÄ» Heywood
als Dramatiker' hat W. Swoboda gehandelt in den 'Wiener Beiträgen
zur deutschen und englischen Philologie1. Wien, Braumüller, 1887.
2 lieber die beziehungen Shakespeare's zu den Cotswold- und Dover-
spielen vgl. R. W. Huntley a. a. o., sowie A. B. Grosart's einleitung zu
dem von ihm veranstalteten neudruck der Dover-annalen.
26*
404 LbntZner*
Es mag das zu bedauern bleiben, denn Dover muss eine höchst
liebenswürdige Persönlichkeit gewesen sein, die alle jene eigen-
schaften besass, welche ihre fesselnde kraft auf grosse geister
nicht verfehlen: natürliches, einfaches wesen, munterkeit, frohe
lebenslust, emsige tätigkeit und dabei keine spur von ehrsucht
Die bibliothek des British Museum bewahrt ein in seiner art
einziges bändchen gedichte, zu Dover's ehren verfasst und ver-
öffentlicht. Nachdem der herausgeber die männlichen tugenden
verherrlicht hat von
Dover, that his knowledge not employs
To increase his neighbours' quarreis but their Joys,
fügt er hinzu: he was bred an attorney, who never triedbut trvo
cases, always made up the difference. Alle zeitgenössischen
nachrichten über ihn stimmen darin Uberein, dass sie seinem
edlen, freigebigen gemeinsinn und seiner grossen lebensfreudig-
keit und nächstenliebe volle anerkennung zu teil werden lassen.
Dover erscheint als schöner typus eines naturwüchsigen, mann-
haften englischen bürgers jener zeit: ein freier aber treuge-
sinnter Untertan, stets bereit für sich selber einzustehen, aber
auch leicht überzeugt und versöhnt: ein kerniger landjunker,
gerötet von der frischen luft der berge, gewandt in allen leibes-
übungen und sicher vor allem im sattel.1 Dem anschein nach
besass er vermögen genug sich gestatten zu können, seine
erfahrungen als Jurist einzig und allein dem wole seiner mit-
bürger zu widmen, und jedenfalls muss er viel zeit zur Ver-
fügung gehabt haben für alle seine lieblingsbeschäftigungen
im freien. Wir wissen nicht, ob das ihm zu dankende wider-
aufleben der Cotswoldspiele seinem Wohnungswechsel voraus-
ging oder folgte; es ist aber ziemlich gewiss, dass er zu anfang
des 17. Jahrhunderts von Barton wegzog und zu Wickham sich
niederliess, womit wahrscheinlich das heutige Winchcombe ge-
meint ist. Vermutlich baute er ein eigenes haus zu Stanway,
uuweit der letztgenannten stadt, im herzen des Cotswold. Hier
lebte er und hier starb er.
1 Dover hat ähnlicbkeit mit dem am 15. Aug. des Jahres 1493 auf dem
rückwege von Palästina in Rhodus verstorbenen herzog Christoph von
Baiern- München. Vgl. Karl Bartsch, Ritter spiegelY, 1054 ff. und Julius
Bintz, Die volksthümlichen Leibesübungen des Mittelalters. Hamburg
1879. — Leber Christoph von Baiern siehe den aufsatz von Riexler In
der Allgemeinen deutschen Biographie IV, 232—235; daselbst ist auch die
sonstige literatur über ihn angegeben.
DIE COTSWOLD-SPIELE. 405
Allgemein bekannt ist die historische tatsache, dass, bald
nachdem Jakob den erledigten tron bestiegen hatte, puritaner
aller Schattierungen den neuen könig umschwirrten und, auf
dessen presbyterianische antecedentien fussend, alle nur denk-
baren anspräche erhoben. Nicht minder notorisch ist, dass die
kluge Schlange gegen jene Zauberkünste sich taub zu stellen
verstand. Ein paar leere Zugeständnisse waren das ganze, was
die gestrengen herren beim unterhause erreichten, und diese
wurden später als vorwand dazu benutzt, weitere konzessionen
ihnen nicht zu gewähren. Dem könig wurde klar, dass fürst-
liche prärogative und seine sonstigen lieblingsdoktrinen bei der
gutsituierten, konservativen gesellschaftsklasse weit weniger zu
befürchten hatten auf Opposition zu stossen, als bei den fieber-
haft erregten Schwärmern eines religiösen fanatismus. Die
wolhabenden stände hielten zu dem monarchen, der, seines
wunderlichen, krankhaften wesens ungeachtet, ein leidenschaft-
licher Jäger war und jederzeit sich bereit zeigte, Volksfeste
und öffentliche belustigungen zu unterstützen: insofern sie der
loyalität für die königliche regierung und der anhänglichkeit
für die episkopalkirche förderlich waren. Höchst wahrschein-
lich kümmerte captain Dover sich um die ereignisse der tages-
politik nicht. Er war nicht der mann, die keimende freiheit
Englands unter der herben schale eines engherzigen puritaner-
tums zu erblicken. Nach art des unabhängigen 4 English gentle-
man' hatte er vielmehr einen tiefgewurzelten Widerwillen gegen
den mürrischen argwöhn, womit die intoleranten überfrommen,
athletische sports und harmlose Vergnügungen ansahen, und
der von je das Symptom einer mit andächtiger miene einher-
wandelnden theologischen duckmäuserei gewesen ist. Darum
beschloss er, dergleichen vom Cotswold fern zu halten.1
Der englische archäologe Anthony a Wood (1632 — 1695),
der viele jähre später die ermüdende biographie eines gewissen
Clement Barksdale schrieb, berichtet beiläufig über eine weit
interessantere Cotswolder persönlichkeit; diesem glücklichen
zufalle verdanken wir die folgende künde. Dover beschloss,
den spielfesten, die er zu feiern plante, einen öffentlichen
Charakter zu verleihen und erhielt etwa ums jähr 1604 vom
1 Vgl. K. Böddeker, Die öffentliche Meinung in England und ihr
Ausdruck im 16—17. Jahrhundert (1886).
406 LENTZNER,
könig die erlaubniss, einen ihm passend erscheinenden platz
auf den Cotswolder höhen zur abhaltung dieser Wettspiele aas-
wählen zu dürfen. Die stelle, die er nach reiflicher erwägung
zum spielfelde bestimmte, war in einiger entfernung östlich von
seinem hause zu Stanway gelegen, nahe bei Chipping Camp-
den: einem kleinen, altertümlichen, jetzt gänzlich verfallenen
marktflecken, der auf der offenen landseite ungefähr halbwegs
zwischen Evesham und Stow-in-the-Wold liegt. Ein bach fliesst
vom spielplatze durch Campden in den Stour, der eine meile
unterhalb Stratford in den Avon mündet. Hier auf den weiten
ebenen, um einen kleinen hügel herum, der bis auf den heu-
tigen tag den namen Dover9 s Hill führt, beging der liebenswür-
dige Hauptmann im festlichen pomp die feierliche einweibung
seiner weithin berühmt gewordenen volksspiele.
Auch schon im Zeitalter der Elisabeth gab es in England
verschiedene orte, die ihrer öffentlichen rennen und spiele
wegen berühmtheit erlangt hatten.1 Unter den jungen Camb-
ridger Sparks beschützten die pferdeliebhaber die Wettrennen
von Royston und Newmarket; zu Brackley in Northampton-
shire und zu Banstead in Surrey pflegten öffentliche turnspiele
abgehalten zu werden, die, in ihrer art einzig, von hohem rühm
begleitet waren ; ebenso erfreuten sich die Sports von Salesbury
Piain seit alter zeit eines grossen rufes.- Dover jedoch hatte
sich die aufgäbe gestellt: der rühm aller dieser Wettspiele solle
neben dem glänz und der pracht seiner Cotswolder feste zu
nichts verschwinden. Hierbei stand ihm praktisch helfend ein
gleichgesinnter freund bei hofe zur seite. Endymion Porter,
seiner majestät Groom of the Bed-Chamber, war einer jener vom
glück begünstigten Weltmänner, die, mit sinn für kunst und
1 Vgl. Th. Vatke, Kulturbilder aus AU- Engl and. Berlin 1887. [Das
Alt-England dieses buches ist das England Shakespeares. Keinh. PaulFs
treffliche 'Bilder aus AU- England' haben im wesentlichen das England
Chaucer's zum gegenständ.]
* Vgl. J. P. Höre, History of Newmarket and Annais of the Turf
to the end of the 17 th Century. London 1886. 3 vols, und siehe The Athe-
nceum no. 3048,424; 3053,768. - W. C. Plenderlcath, The white Horses
of the West of England, witli Polices of some other ancient Turf Monu-
ments. London und Calne, und siehe The Antiquary XIII, 176. — Siehe
auch E. M. Plunket, Merrie Games and Rhymes from ye olden Tinte.
London 1SS6, und vgl. The Athenaeum no. 3027, 570. - Vgl. ferner John
Ashton, A Century of Bailad st illustrative of the Life, Manners and
Habits of the English Nation during the Seventeenth Century. London.
Elliot Stock.
DIE COTSWOLD-SPIELE. 407
Wissenschaft ausgestattet, sich klar bewusst sind, selber keiner
besondern auszeichnung fähig zu sein, welche es sich aber zum
vergnügen gereichen lassen, die rose, die sie selbst nicht ihr
eigen nennen, da wo sie dieselbe finden, zu pflegen und zu
schützen. Endymion Porter erfreute sich des ehrentitels eines
Patron of Poets und verdiente dieses epitheton in anbetracht
seines vorzüglichen Charakters in vollem masse. Er verhalf vielen
zu Stellungen, ehren und geschenken, wofür man ihn durch
encomiums und pareneticons verewigte, in denen stets der be-
kannten passion des mondes für menschensöhne seines namens
ebenso geistreich wie monoton gedacht wird. Porter war die
geeignetste persönlichkeit und wie dazu geschaffen, dem volks-
freundlichen Dover bei seinen festunternehmungen zu helfen, und
wir finden, dass er mit freuden auf dessen plane einging.
Ohne zwar sichere bürgschaft dafür zu haben, können wir
uns leicht vorstellen, dass die kühne benennung jener athle-
tischen spiele als Olympick aus Endymion's poetischer ader ge-
flossen sei, denn dem schlichten Dover wäre wol schwerlich
dergleichen jemals in den sinn gekommen; derselben quelle
entstammt eine gewisse antike würde, womit man die gym-
nastischen Übungen, wettläufe, kraftproduktionen und kunst-
stttcke auf dem Cotswold zu bekleiden liebte.
Wer auch immer die erste anregung hierzu gegeben haben
mag, tatsache bleibt, dass sein Vorschlag mit grossartigem erfolg
gekrönt ward. Der welke humanismus in der damaligen ge-
schmacksrichtung wurde entzündet an der idee, dass England
seinen klassischen Spielplatz für seine beiden haben sollte: mit
dem flüsschen Stour als seinem Alpheus und dem Städtchen
Chipping Campden als seinem Pisa. Das ganze populäre unter-
nehmen bekam dadurch eine art literarischer bedeutung. Und
als im laufe der zeit die reimschmiede einander schier zu über-
bieten strebten, erhielt schliesslich der biedere captain Dover
von dem überschwänglichsten von allen den titel: the great In-
ventur and Champion of the English Olympicks, Pythicks, Nemicks,
and lsthmicks. Das waren fürwahr kühne worte. Die dichter-
linge wollten aber — wie noch heutzutage — ihr körnlein salz
auch dazu geben. Es ist indessen erstaunlich, dass von allen
den pedantischen reimern, die Dover und seine spielfeste be-
sungen haben, kein einziger an des Phoebus Apollo besonderen
gönnerschutz der pythischen spiele gedacht hat.
Prima Jovi magno celubrantur Olympia Fisac,
Parnassus Clario sacravit Pythia Phoebo,
sind hexameter, zu deren reinheit die spräche des Ausonius
im würdigen einklange steht.
Kndymiou Porter war seibat in der grafschaft Gloucester-
shire geboren und betätigt« fnr Dover's Unternehmung ein so
lebhaftes iuteresse, das« er sogar aus der garderobe des konigs
abgelegte robeu, einen fürstlichen hut, feder und krause zu-
sammenbrachte: um die eröffnungsfeierlichkeiten mit möglichst
grosser anmnt und wurde vor sich gehen zu lassen. Anf einem
ziemlich groben holzschnitte aus jener zeit besitzen wir ein
bildniss des wackern hanptmanns, der königlich geschmückt
seine plumpe tigur in eine art von geschlitztem atlasswamms
gehüllt, mit von seiner majestät erborgter feder am breit-
krempigen ritterliute dargestellt ist1
Auf der schon erwähnten, nach ihm genannten anhöhe
stand ein gar wunderliches gebäude, das als Dover Castle weit-
hin bekannt war: eine bewegliche festung, mit geschUtz und
bemannung ausgerüstet, und, nach dem bilde zn urteilen, offen-
bar anf einem ungeheuren zapfen oder stift ruhend, zum um-
drehen eingerichtet, wie eine Windmühle. Diese bnrg hatte eio
kleines fallgatter nncl zwei seitenbollwerkc, von denen jedes
mit zwei mörderischen kanonen versehen war, welche in geeig-
neten Zwischenräumen abgefeuert wurden, um die ermattenden
athletcD aufzumuntern nnd frisch zn erhalten. Diese cannotu
roaring on tke wold, tehick from Ihy Castle raltte to the skies
übten auf die zeitgenössischen gemltter einen nachhaltigen ein-
dmck aus und nicht selten wurde Dover im scherz ermahnt,
den Cotswold gegen die feinde der kröne zu beschirmen.
Airjährlich zn pfingsten versammelte sich die ytntry in
Campden, um hei den Cotswolder festlich keiten anwesend zn
sein. Eine gelbe fahne flatterte dann auf der zinne des kastells,
und hornsigoale verkündeten den anfang der spiele. Captain
Dover, hoch zu ross, fahrte persönlich die Oberaufsicht, wobei
er eine gelbe kokarde an seiner jagdmntze zu tragen pflegte. In
seiner Vorliebe für die gelbe färbe Bchcint er mit den Chinesen
1 leb habe dieses merkwürdige blld kopiert und ausserdem ehe
Photographie davon abnehmen lassen. IJas original befindet sich als
Vignette in dem nicht minder merkwürdigen buche Annalxa Dubrtntim In
British Museum.
DIE COTSWOLD-SP1ELE. 409
gewetteifert zu haben. Am fusse des htigels sowie die renn-
bahnen entlang wurden zelte aufgesehlagen, in denen lebens-
mittel aller art zu haben- waren und wo auch schachpartieen
öffentlich ausgefochten wurden. In betreff der festordnung sind
die berichte nicht übereinstimmend; es mag sein, dass das Pro-
gramm jedes jähr verändert wurde. Aus den nachrichten eines
gewissen Robert Griffin geht jedoch hervor, dass, nachdem das
zeichen mit dem hörn gegeben war, die festlichkeiten in der
regel mit pferderennen ihren anfang nahmen. Die landbewohner
leisteten dabei das unglaubliche in bändern und blumen, womit
sie ihre rennpferde zu schmücken pflegten. Von einem dichter
wird erzählt, er habe beim anblick eines solchen prachtrosses
geäussert, that if Europe had seen him (den zeiter) so garlanded
and prankedy she would neuer have cast eyes upon (he Bull. Der
rennplatz und das Spielfeld waren mehrere englische meilen
lang und existierten noch bis in unsere zeit hinein1; erst vor
einigen jähren Hess lord Harro wby dieselben zu ackerland
umpflügen.
Die Wettrennen mit pferden waren an sich nicht so originell
als der gewöhnlich darauffolgende sport: jagen mit Windhunden,
und zwar mit silver-footed greyhounds. Für diese war Cotswold
besonders berühmt. Wir haben bei Shakespeare eine darauf
bezügliche stelle. Gleich in der ersten scene von den Mernj
It'ives of Windsor sagt Slander zu Page: How does your fallow
greyhound, sir? I heard say he was outrun on Cotsall.2 Oflfen-
1 Der starke hang der Engländer nach anstrengenden, aufregenden
Vergnügungen ist ein charakterzug, dem wir schon bei ihren angelsäch-
sischen vorfahren begegnen und der sich bis auf den heutigen tag geltend
macht. Schon zu angelsächsischen Zeiten scheint jeder ort einen öffent-
lichen Spielplatz gehabt zu haben, in derselben weise, wie noch heutigen
tages fast jedes dorf in England seinen cricket-ground besitzt. Die jungen
leute übten sich dort im springen, laufen, ringen und ähnlichen körper-
lichen fertigkeiten. Manche orte, die allmälich in den ruf besonders be-
liebter versammlungsplätze für gewisse tage gelangten, wurden auf diese
weise durch das leicht erklärliche, gleichzeitige zusammenströmen von
Verkäufern allerlei art zu marktplätzen. Wie beliebt überhaupt spiele
verschiedener art bei den Angelsachsen waren, beweist schon die häufige
anwendung des wortes vlega (play, spiel) in metaphorischer bedeutung.
So nannten sie selbst den kämpf ein spiel der schilde (aescplega) oder
ein spiel der hände (handplega). Das römische wort gladiator wird durch
plegere (play er, spieler) übersetzt. Vgl. J. Schipper, Kulturzustände der
Angelsachsen^
2 How does your fallow greyhound, sir? I heard say he was outrun
on Cotsall. Merry W. W., I, 1.
4This might refer to common coursing, and therefore does not at all affect
the date of the play, which Warton endeavoured to fix from the establish-
410 LRNTZNER,
bar bezieht sieh der satz / heard say he was oulrun auf ein
wettjagcD, bei welchem der windhund des Page den ersten
preis nicht bekommen hatte. Auffallender weise fehlt diese
stelle in den quartos und findet sich nur in der ersten folio-
ausgabe; es ist aber irrig, hieraus vorschnell schliessen zu
wollen, wie Warton* getan hat, der anfang der Cotswoldspiele
sei zwischen 161(J und 1623 zu setzen.
Ohne zweifei hatten ums jähr 1623 die Cotswolder pfingst-
festlichkeiten eine notorische berllhmtheit in England erlangt,
wie ein zwanzigjähriger erfolg sie zu sichern pflegt. Der
humane Dover bestand darauf, dass nicht den hasen zu er-
legen, sondern die ehre, den preis zu erringen, das endziel der
konkurrierenden parteien sein müsse. Er war emsig bemüht,
an stelle der renn- und hetzjagden so viel als möglich ritter-
liche spiele treten zu lassen.1
Die nun folgenden höchst amüsanten und für jene zeit
charakteristischen leibesübungen beschreibt der schon genannte
Robert Gritfin mit diesen Worten:
Thi» dune, a virgin crew of matchle.ss choiee
Niuibly set forth, attemlcd with a noisc
uicnt of Dover's Games on Cotswold. They werc not foundcd tili tho
reign otMamcs 1.' Nares a. a. o.
1 4The Kaster and Whitsuntide holidays were tlic prineipal tiraes
when the nobility indulgcd themselves in running their horses, and there
is plenty of eviScnee to show that the so-called running horses of Ed-
ward the Third and other of our sovereigus were extremely valuable;
hut there is no ground for supposing that anything like betting on the
turf was practised until what may bc caüed comparatively modern times.
Horse-racing was advantageously contrasted with card-playing, dicing, and
stage-plays by an old puritanical writer of Elizabeths time. But towards
the end of the seventeenth Century there are indications of the evil prac-
tiee of betting. — Burton says: ' llorse-races are desports of great men,
and good in themselves, thou^h many gentlemen by such means gallop
quite out of their fortunes'. We may consider, therefore, the vicious paxt
of horse-racing to be about two Centimes old, while the healthful emu-
lation between aecomplished riders is ancient. — In the reign of James I
public raecs were establishcd in many parts of the kingdoin, and the prizo
was a silver bell/ Hodgetts1 Lecture on Sports and Pastimes. 1885. —
Ueber keltische spiele, besonders musikalische Wettspiele, hat Hugo
Schuchardt iu seinem herrlichen buche: Romanisch und Ccltisch ge-
handelt.
* Warton schliesstt soweit ich sehe, nicht, der anfang der Cotswold-
spiele sei zwischen liilti und 1623 zu setzen; er sagt: Maines I. caine to
the crown in the ycar HiOit. And we will suppose that two or throe more
years at least must have passed beforc these games could have been
effectually established. I would therefore, at the earliest, dato this play
[nämlich die Merry Wives] about the year 1007 \ In Steevens* Shake-
speare-ausgabe 17s:>, I, 24s, woselbst er überhaupt eine sehr hübsche and
kurze notiz über die Cotswoldspiele gibt. E. F.
DIE COTSWOLD-SPIELE. 411
Of music sweet, excelling that of spheres,
Whose well-kept diapason ravished their's
und meint damit die Sphären
Of all that's sensitive. These nymphs advance
Themselves with such a comely grace to dance,
Each with her gallant paired, that all who see
Their cunning motion and agility
Are Struck with admiration.
Diese verse erwecken in uns die Vorstellung von jenen an-
mutigen reigen, welche Herrick's1 fantasie mit Vorliebe dichtete:
klassische tanze, graziös ausgeführt von luftig gekleideten, mit
duftenden bluten bekränzten Jungfrauen. Die Zeichnung jedoch,
die ich erwähnte, zerstört unsere schönen illusionen. Das
barocke bild zeigt keinerlei zarte kontouren von blumenguir-
landen und schleifen, wie Rafael's schüler sie liebten; nichts
antikes oder auch nur pseudo-antikes; alles sehr alltäglich.
Drei plumpe dirnen sind abkonterfeit, wie sie hölzern einen
bauerntanz gewissenhaft ausführen: in steifgestärkten kattun-
röcken mit mächtig hoher taille und mit nichts weiter ge-
schmückt als einer nüchternen weissen schürze und einer ditto
haiskrause. Wie üppig ihre weichen locken auch gewesen sein
mögen, dieselben sind züchtig verborgen unter den ehrbaren,
hausbackenen musselinhauben. Die liebliche musik, 'excelling
ihe diapason of the spheres', rührt von einem bausbäckigen
burschen her, der auf dem erdboden hockend mit kräftigem
atem unverdrossen den dudelsack bläst. Die gallant s sind nicht
sichtbar. Wie es scheint, ist der hier dargestellte tanz ein pas
seul, worin die nymphen nur unter einander wetteifern.
War die weibliche Jugend mit dieser artigen kurzweil zu
ende, dann nahmen die sports gewöhnlich einen allgemeineren
Charakter an. Es wurde in einem teile des Spielfeldes die
unentbehrliche quintane: ein renn- oder wurfpfahl auf irgend
eine weise angebracht. Quintain war zur damaligen zeit das
charakteristische und allgemeinste der englischen volksspiele,
starb aber in den tagen des Commonwealth aus und ist seit-
dem nie wider in aufnähme gekommen. 'The essence of the
sport was to run a tili against an object so balanced that if you
failed to hit it al the exact point, some punishment or other feil
1 Poems by Robert Herrick (1591—1674), with notes by Herbert P.
Hörne, and an lntroduction by Ernest Rhys. London 1887. — Herrick1 's
Hesperides, Edition Morley (Universal Library).
412 LENTZNER,
upon you. The simple childish form of the garnc was a tub of
wa(er poised in such a way (ha( if (he cowering naked schoolboy
tvho aUacked i( did not manage to strike it in (he cen(re, it
gave htm a sudden douche of the mos( depressing kind. The most
elaborate form was an armed figure, (urning on a pivot, against
rvhich a man rode with a lance, and which, in case he failed
(o hit a certain mark on (he forehead of (he figure, srvung round
and banged him behind with a swinging bag of sand. Betrveen
(hese extremes, (here exis(ed many variedes of quin(ain, ad of
(hem ra(her violent specimens of good old English horse-play'
Ein in Cotswold sehr beliebtes spiel war ferner Balloon1:
a kind of hand-ball played with a large leather ball like the
modern foolball, driven (hrough (he air from person (o person,
s(ruck by a bracer of wood, fas(ened round (he hand and wrist
for protection: eine art sehlag- oder stossball. Noch heutzu-
tage kann man es in Frankreich, z. b. in den öffentlichen
gärten von Paris, spielen sehen.
Wider anderswo wetteiferten junge leute im kntittelspiel
(cudgel) einander zu prügeln und sich die köpfe zu zerhauen.
Dort wurde wett- und dauerlauf in der verschiedensten weise
unternommen; hier ringen, springen, gerschleudern und bammer-
werfen geübt. Jede nur denkbare athletische kunst fand er-
mutigung und ausbildung, und alles geschah unter der persön-
lichen leitung von captain Robert Dover.2
An preisen für die sieger fehlte es dabei nicht Wol an
fünfhundert scheinen zur Verteilung gekommen zu sein; es wird
wenigstens berichtet, dass eine gleiche zahl von festteilnehmern
während eines ganzen Jahres die Dover'sche lieblingsfarbe trug.
1 Ueber das balloon-spiel vgl. Robert Nares a. a. o. s. 48 f. und James
Orchard Halliwell a. a. o. s 1 3ti f.
* Vgl. D. Walker, Games and Sports, Containing the various m-
door games and sports, the out-of-door games and sports, (hose of (he
seasons etc. With many engravinas. London 1840. — F. Gale, Modern
English Sports. London 1S85. — Sports, Pastimes , and Games in the lsle
ofWight. English Dialect Socicty's Pub!. Vol. XII, p. 63 f. — Jos. Strutt.
The Sports and Pastimes of the People of England: including the Rural
and Domestic Recreations, etc. With Addttions and a copious Index, By
William Hone. London 1875 (Ed. pr. Isoi, 4°; Reprint 1810, A*\ Hone's
ausgäbe zuerst 1830). — J. Frede rick Hodgctt's. The English in the
Middle Ages. Leeture IV: Sports and Pastimes. London 1885. — Wright.
Bistor y of the Domestic Manners and Sentiments in England, etc. — Sari
Elze, Privatalterthümer. Vcrnügungcn und Spiele im Freien, \\i dessen
Grundriss der englischen Philologie. Halle 1887, s. 192 ff. — ED.Boame,
Boys1 Games und Girls' Games. London 1888.
DIE COTSWOLD-SPIELE. 413
Während beinahe vierzig jähren wurden diese spiele all-
sommerlich in der pfingstwoche an demselben orte abgehalten,
so dass sie als die berühmtesten ihrer art weit über den gau
hinaus bekannt waren. Aus einem umkreise von sechzig und
mehr englischen meilen pflegte massenhaft die gentry herbei-
zuströmen. Dennoch ist die erinnerung an diese grossartigen
Volksfeste eine so blasse, dass wahrscheinlich nichts davon
auf uns gekommen wäre als vielleicht ein halb verschollenes
gerächt, und dass wir von ihrem verdienstvollen Stifter absolut
keine künde besässen, hätten nicht Dover's liebenswürdige
eigenschaften und seine persönliche freundsohaft mit zeitge-
nössischen dichtem ein bleibendes denkmal geschaffen*
Diese gedenktafel ist der schon erwähnte kleine band
poetischer ergtisse, veröffentlicht im jähre 1636 unter dem titel:
Annalia Dubrensia, or Celebration of Captäin Robert Dover' s Cots-
wold Games: eines der seltensten1 englischen bücher des 17. Jahr-
hunderts.2
Der grobe holzschnitt, von dem ich schon gesprochen habe,
steht dem titelblatte des buches voran. Oben zeigt derselbe
Dover Castle mit seinen geschützen, von denen zwei (are ratt-
ling to ihe skies'. Links davon tanzen Jungfrauen, während
rechts kntittelspiele, ringen und springen vor sich gehen. Da-
runter erblicken wir die festlichen zelte und eine viereckige
plaque, die Gosse für ein facsimile von Dover's gelbem lieb-
lingsabzeicben hält. In der mitte speisen vornehme herrschaften
an einer langen tafel. Dann folgen abbildungen von pferde-
und hunderennen. Den Vordergrund unten nimmt Dover selbst
1 Vgl. W. Davis' Second Journey Round ihe Library of a Biblio-
maniac. London 1825.
2 Ehe Grosart 52 exemplare für seine Subskribenten drucken konnte,
war lange zeit das werkehen (von Warton schon kurz beschrieben, Shake-
speare ed. Steevens 1785, 1, 248 — E. F.) unerreichbar. Dank der bereit-
willigkeit des Mr. E. A. Bond vom British Museum bin ich in der läge,
den freunden englischer altertümer aus dem kulturgeschichtlich ebenso
interessanten als literarhistorisch merkwürdigen biichlein die nachfolgen-
den proben nach meiner doppelt kollationierten handschrift vorlegen zu
können. Ich habe die ausgäbe von 1877 eigenhändig abgeschrieben und
dabei den originaldruck von 1636 der Grenville Library, sowie den von
E. R. Vyvyan zu Cheltenham im jähre 1878 veranstalteten neudruck benutzt.
Die vergleichung meines manuskripts mit den drei druckexemplaren des
Britischen Museums hat Sir Theodore Martin von sachkundiger hand für
mich besorgen lassen. Vielleicht entschliesse ich mich zu einer kommen-
tierten ausgäbe der Annalia Dubrensia.
* Vgl. an m. 1 auf s. 415.
414 LENTZNER,
ein: hoch zu rosa, prächtig zu schauen in seinem erborgten
königlichen pomp. Links von ihm sehen wir männer Stangen
werfen; rechts unten wird das hammerschleudern dargestellt
Eine Vervielfältigung dieser barocken, aber interessanten Zeich-
nung muss ich mir versagen.1
Die physiognomie des buches lässt unschwer erkennen,
dasses verspätet kam. Der knabe Ichabod2 fällt einem dabei
in den sinn. Die Verherrlichung der Cotswolder spielfeste durch
die zeitgenössischen sänger stand nicht mehr im einklang mit
der politischen läge des landes Die fröhlichen tage des roya-
lisinus waren vorüber, und im benachbarten Kuckinghamshire
verweigerte ein trotziger bürger (Mr. Hampden) die Zahlung
der schiffsgelder, auf welchen in der Zukunft ein ungeheueres
Steuersystem errichtet werden sollte. König Karl hatte seine
quintain ausgespielt; sorglos war er drauf los gegangen und
hatte verloren; nun drehte sich die knarrende Staatsmaschine
herum, ihn schmählich zu züchtigen. Die zeit der feiertags-
lustbarkeiten und erntetänze, der hoek-feasts und barley-breaks*
war vorüber, als — offenbar ein posthumns — inmitten wachsen-
der unruhcn und unzufriedenheiteil dies heitere btlcblein mit
seinen lobpreisungen erschien.
Aber auch in einem anderen sinne kam es zu spät. Denn
sofern wir von den uns bekannten Verfassern schliessen können,
stammt es aus einer dichterschule, deren mitglieder entweder
schon tot, oder doch hochbetagt waren.
Den inhalt des merkwürdigen bandes bezeichnet man richtig
1 Albrocht von Hall er, auf seiner Sehweizerrcise 1718, preist die reste
der Schweizer volksspiele in seinen * Alpen also:
So sammelt sich ein dorf im schatten breiter eichen,
Wo kunst und anmut sich um lieb1 und lob bemüht.
Hier ringt ein kühnes paar, vermählt den ernst dem spiele,
Umwindet leib um leib, und schlinget hütV um hilft*,
I>ort fliegt ein schwerer stein nach dem gesteckten ziele.
Von starker band beseelt, durch die zertrennte luft.
* Ichabod ist zusammengesetzt aus I und Chabod. Dies letztere wort
bedeutet herrlichkeit, glänz, ehre. / ist «'ibkiirzung flir das gewöhnlichere
Eh = nichts. Also das ganze: nichtsherrlichkeit oder nicht herrlichkeit,
bezw. die herrlichkeit ist hinweg. Vgl. 1 Saiu. 4, 21. 22.
3 ' liarley- Break e% or, A warning for Wantons. W ritten by W. N.
Gent., printed at London by Simon fttaftbrd, dwelling in the cloth-fayr»,
neere the red Lvon. 1<»07.' Von diesem interessanten, anonymen buche
hat (iroaart efnen neudruck geliefert. — Ausführliche beschreibungen
des ländlichen [ haschspie les] Hart ihr eak geben Nares a. a. o. s. 55 ff. und
Hallt well a.a.O. s. 143. — Ueber hock-feasts bezw. hock-tide handeln
Nares a. a. o. a. 425 und Hall i well a. a. o. s. 452.
DIE COTSWOLD-SPIELE. 415
als eine anthologie von originalversen zur ehre und zum rühm
captain Robert Dover's gedichtet von dreiunddreissig verschie-
denen autoren.1
Auf der liste der Verfasser stehen hervorragende dichter-
namen: Ben Jonson, Michael Drayton, Thomas Ran-
dolph und Thomas Heywood; ferner die namen bedeuten-
der schriftsteiler: Owen Feltham, William Basse, Sir John
Mennis und Shackerley Marmion. Von einem der gedichte
ist der Verfasser ein anonymus, ein anderes ist nur mit initialen
unterzeichnet; alle übrigen tragen die namen mir unbekannter
personen, welche offenbar dilettanten gewesen sind. Heraus-
gegeben hat das ganze ein Mr. Mat. Walbancke.2
' Michael Drayton3 macht den anfang mit einigen dreissig
zeilen guter, tadelloser verse *to his noble friend Mr. Robert Dover
on his brave annual assemblies lipon Cotswold*. Er wünscht Eng-
land glück zu der errungenschaft griechischer glorie, vergleicht
die cotswolder mit den olympischen spielen, und prophezeit,
dass zukünftige geschlechter ihre jähre nach den festen von
Cotswold zählen werden, wie Griechenland:
Nurse of all arts and of all famous men,
seine Zeitrechnung nach Olympiaden bestimmte. Offenbar hatten
diese verse lange zeit im manuskript zirkuliert, denn mehrere
der anderen autoren nahmen darauf bezug; überdies ruhte
Drayton, als die Annalia Dubrensia veröffentlicht wurden,
schon beinahe ftinf jähre im Poets' Corner der Westminsterabtei.
Dass Dover über einen tribut von Drayton's heroischer muse
besonders erfreut sein musste, ist natürlich. Zwar war, im
weltlichen sinne, Drayton weder ein populärer noch ein erfolg-
reicher dichter; aber die seinen Schriften eigene kraft und
würde, sowie die exclusive Stellung, welche er, entfernt von
den literarischen fehden, einnahm, verliehen ihm einen gewissen
vorrang. Dieselbe art königlicher dichterwürde hatte den an-
1 N. Drake führt (Shakespeare and his Times, ed. Baudry s. 123) ausser
den annalen noch ein gedieht von Davenant an: 'In celebration of the
yearcly preserver of the games at Cotswold' (welches in Chalmer's aus-
gäbe leider fehlt). E. F.
a A.B. Grosart gibt in der einleitung zu seinem neudrucke der Dover-
annalen auskunft über fast alle personen, deren namen in dem buche vor-
kommen; Robert F. Tomes Esq. of Weston-on-Avon hat das verdienst,
ihm viele Mitteilungen gemacht zu haben.
3 Ueber Michael Drayton's leben und werke siehe A. H. BuUen's ab-
handlung im Dictionary of National Biography, vol. XVI.
416 LKNTZNER,
mutigen, höfischen Samuel Daniel (1562 [63] — 1619) umgeben,
welcher aber früh gestorben war und dessen nachfolger, ge-
wissermassen als nichtoffizieller Poet Laureate, Drayton gewesen
zu sein scheint. Der Charakter der uns hier interessierenden
verse Hess Gosse die etwas gewagte Vermutung äussern: sie
seien in der letzten lebensperiode Drayton's geschrieben, zu
einer zeit, als der dichter der gefeierte gast des Earl of
Dorset war.
Ben Jonson1 (Johnson), ein weit berühmterer mann als
Drayton, schenkte als angebinde ein kurzes gedieht zu diesem
seltenen keepsake. Wir verstehen den melancholischen sinn der
derben verse Jonsou's, die sichtlich schon viel früher verfasst
waren, wenn wir uns seine Verhältnisse im jähre 1636 ver-
gegenwärtigen. Um 1636 fühlte er weder für captain Dover
noch für dessen olympische spiele interesse, denn sein müh-
sames leben näherte sich rasch einem qualvollen ende. Vom
schlagfluss gelähmt, hatte er lange gegen mangel und armut
gekämpft, und unverdrossen theaterstücke und Schauspiele ge-
schrieben; nun fiel ihm auch die letzte lieblingsarbeit: The Sad
Shepherd unvollendet aus den bänden. Noch ein paar monate
und England beklagte inmitten seiner bürgerlichen Unruhen den
tod des grossen dichters. Diese verse Jonson's sind knapp und
offenbar widerwillig geschrieben. Gosse vermutet sogar, Dover
habe vielleicht dem alten manne zugesetzt, um von ihm einen
beitrag zu seinem gartand zu bekommen. Jedenfalls gleicht
der ton des gedichtes — es ist das letzte von des Verfassers
erzeugnissen, deren druck er erlebte — mehr einer brummigen
Unfreundlichkeit, als einem fröhlichen lobgesauge. Er lehnt
ab, Drayton in seinen kühnen parallelen zwischen Chipping
Campdeu und Pisa in Elis zu folgen:
I cannot bring my Muse to drop vics
Twixt Cotswold and the Olympic exereisc,
hofft aber, dass, der scheinheiligen ungeachtet, kirehe und Staat
blühen und gedeihen mögen, und Robert Dover seinen anteil
an diesem edlen werke haben werde.
Thomas Uandolph (Randall) hat in literarischer hin-
sieht das beste gedieht zu dieser Sammlung geliefert Auch
seine verse sind ein Opus post humum, denn ein Unfall hatte
1 Vgl. Algemon Charles Swinburne, The Miscellaneous Works of
Ben Jonson in The Forlnightly Review vom 1. Juli lsss, 8. 24 ff.
DIE COTSWOLD-SPIELE. 417
dem jungen Verfasser wenige monate zuvor das leben geraubt:
ein höchst beklagenswerter vertust für die englische dichtung.
The stars must have erred, sagt von ihm ein moderner kritiker,
in casiing his horoscope, for Randolph had none of that preco-
cioiis ripeness which seerns so often to be the presage of, and the
consolation for, an early death. His genius, which had something
resolute and sturdy about it, was one that would certainly have
raised him, at least, to an honourable place in the second rank of
poets. Seine 6 dramen und die lyrischen gedichte, welche er
hinterlassen hat, nennt Gosse : the infant motions of a wing that
meant to strike hard and wide into the empyrean of poelry.
Was Randolph uns geschenkt hat, zeigt keine spur von
hektik oder dergleichen; keinerlei Symptome verraten seinen
nahen tod. Wäre zu leben ihm vergönnt gewesen, er würde
das zeug dazu gehabt haben, die kluft zwischen der alten
romantischen und der neuen didaktischen schule durch eine
gesunde Volksdichtung zu überbrücken, denn vom geiste beider
besass er ein gutes teil. Durch seine Schriften nimmt er in
der englischen literatur einen besseren platz ein als Dryden
oder Gray oder Massinger hätten behaupten können, wenn sie
vor ihrem dreissigsten lebensjahre gestorben wären.
Randolph's Eclogue on the Palilia and noble Assemblies
revived on Cotswold Hills ist ein reizendes idyll. Zwei hirten,
Collen und Thenot, führen ein gespräch über die entartung
der englischen schäfer. Collen ist tief betrübt, seine kame-
raden so roh und tölpisch zu finden; Thenot erwidert, dass
dies nicht aus mangel an fähigkeit sein könne, denn nirgends
in der weit treffe man männer von so schlankem wuchs, so
nervig und geschmeidig, wie die Swains von England. Collen
gibt den puritanern die schuld an dem groben, bäuerischen
wesen. In früheren zeiten hätten die englischen athleten in
fröhlichen Wettspielen mit einander gekämpft und gestritten;
dadurch seien anstand und anmut gemeingut unter ihnen ge-
worden. Lieblich-bukolisch schildert er dann die vergangenen
tage des glucks (vgl. s. 425 in alter orthogr.):
Early in May up got the jolly rout,
Calleil by the lark, and spread the fields about;
One, for to breathe himself, would coursing be
From this same beech to yonder mulberry;
A second leaped, his supple nerves to try;
Anglia, XII. band. 27
418 LENTZNER,
A third was practising his melody;
This a ncw Jigg was footing; others were
Busy at wrestling or to throw the bar,
Ambitious which sbould boar tbe bell away,
And kiss the nut brown Lady of the May.
This stirred them up! A jolly swain was he
WI10111 Peg and Susan, after victory,
Crowned with a garland they had made, beset
With daisies, pinks, and many a violet,
Cowslip, and gillitiower. Kewards, though sinall,
Encourage virtue; bat if none at all
Meet her, she languisheth and dies, as now,
Where worth's denied the honour of a bough.
Thenot beklagt die abnähme dieser lustigen, harmlosen
spiele; und Collen belehrt ihn, dass sie das werk griesgrämiger,
übertrieben frommer leute sei:
These teach that dancing is a Jezebel,
And barley-break the ready way to hell;
The morrice, idols; Whitsun ales ean be
But profane relics of a jubilee;
These, in a zeal to express how much they do
The organs hate, have silenced bagpipes too;
And haruiless may-poles all are railed upon,
As if they were the towers of Babylon.
Thenot klagt laut über die betörten frömmler und sehnt
sich nach einer zeit, in der solche unschuldige Vergnügungen
wider aufnähme finden möchten. Jetzt kann Collen nicht länger
sich enthalten ihm zu sagen, dass seine bitte erhörung gefunden
hat: Van hath approved dancing shall be this year holy as is Ihe
motion of a sphere. Thenot schenkt dieser frohen botschaft
nicht gleich glauben und verlangt aufkläruug. Da erzählt ihm
Collen, er sei gerade einem schmucken reiter begegnet, der auf
feurigem rosse über die ebene nach Cotswold sprengte, und
der ihm auf seine frage, wohin er so wolgemut und festlich
geputzt eile, den h 11 gel genannt habe: wo pfeilschnelle pferde
um preise Wettrennen und Windhunde jagen, deren gebeil so
wolklingend und so laut, dass Orion zum himmel herausschaue
und seine eigenen hunde dabei zu sehen wünsche. Thenot ist
wider fröhlich und will wissen, auf wessen geheiss die edlen
spiele von neuem begonnen haben. Er erfährt, dass es die tat
des jovialen Dover sei. Und Collen scbliesst, indem er die
mädchen rundum zusammenruft und sie auffordert, diesem
grossen manne die gebührenden ehren zu erweisen:
DIE COTSWOLD-SPIELB. 419
Go, maids, and lilies get,
To inake bim up a glorious Coronet;
Swains, keep bis holiday, and each man swear
To saint him in the Shepherd's Calendar.
Es ist ein sinnreiches, artiges gedieht: eine der besten eklogen,
die wir im Englischen besitzen.
Thomas Heywood ist durch eine art appendix am ende
des bnches vertreten. Er erklärt, nichts neues sagen zu können,
nachdem er alle die lobpreisungen von 33 verschiedenen poeten
gelesen. Dieser bewährte Schriftsteller, welcher bei mehr als 200
dramen seinen anteil hatte und von dem eine — dem dichter
Cowley irrtümlich zugeschriebene — satyre erzählt, er sei bereit,
über jedes beliebige tbema für wenig geld zu schreiben, kann
aber in Wirklichkeit unmöglich um worte in Verlegenheit ge-
wesen sein. Heywood war allerdings zu jener zeit schon 70
jähre alt, aber der muntere frohsinn seiner verse hat dem-
nngeachtet etwas recht trostvolles. Wenn auch hochbetagt und
arm, ist der Verfasser des Panegerick sicherlich nicht tief un-
glücklich gewesen. Es ist sogar die heiterkeit, welche seinem
beitrage einen gewissen wert verleiht. Ben Jonson hatte sich
geweigert, Drayton in seiner parallele zwischen Olympos und
Cotswold beifall zu spenden; Heywood aber nimmt nicht nur
keinen anstand, dies zu tun, sondern vergleicht auch Dover
mit Herkules.1
Ohne dem greisen autor den schuldigen respekt zu ver-
sagen, muss sein gedieht als ein recht albernes und abge-
schmacktes bezeichnet werden.
Owen Feltham hatte sich durch seine Resolves einen
namen in der englischen literatur erworben. Er gehört in die
1 Die Cotswoldspiele waren eine Volksbelustigung, die aus dem näm-
lichen triebe erwachsen ist, der die Hellenen aus allen griechischen gauen
zu den olympischen spielen zusammenführte. Es mag paradox klingen,
die Cotswoldspiele des 17. Jahrhunderts in vergleich zu stellen mit den
grossartigen, ein ganzes volk erregenden athletischen spielen, die auf der
olympischen und isthmischen ebene ausgekämpft wurden. Aber so gross
der unterschied ist, wenn man die art der wettkämpfe hier und dort in
betracht zieht sowol wie die teilnähme des volkes an diesen ereignissen,
verbunden werden sie durch den gemeinsamen grundzug: die jugendfrische
lust an der betätigung der eigenen kraft in freiem wettkampfe mit gleich-
gesinnten Volksgenossen. — Das im jähre 1887 bei Seemann in Leipzig
erschienene buch von Dr. W. Richter: *J)ie Spiele der Griechen und Römer'
will ich hier nicht unerwähnt lassen; es ist dies das zweite bändchen der
'Cullurbilder aus dem cl assischen Alter thume'. Wenn überhaupt die art
und weise, wie ein volk sich erholt und vergnügt, für das verständniss
. 27*
reihe der dichter zweiten ranges und bildet insofern eine aus-
nähme von der regel unseres buches, als er jung war und
noch 40 jähre /.u leben hatte. FelthauTs gedieht igt in guten,
glatten versen abgefasst, aber affektiert und unverständlich im
höchsten grade. Derselbe Vorwurf trifft, wenige stellen aus-
genommen, seine prosa,
Shackerley Marinion ist der autor einer anmutigen
epischen dichtuug: Cupid und Psyche, sowie mehrerer verdienst-
licher schauBpiele. Er liefert eins der verständigsten und ge-
niessbarsten stücke im ganzen bände, indem er Dover ohne
lächerliche Übertreibung zu seinem guten werke glück wünscht.
Er starb bald daranf im elend an einer krankheit, die er sieb
als soldat in der truppe des Sir John Suckling auf den märschen
eines unglücklichen feldziiges gegen Schottland zugezogen hatte.
Der historiker Anthony a Wood nennt ihn a goodly, proper
gentleman, dessen Verdiensten bei der nacbwelt nicht die ge-
bührende auerkenuung zu teil geworden sei.
Robert Dover selber erwidert am schluss auf alle ihm
dargebrachten glUekwllnsche in A Cangratulatory Poem to my
Poetical and Learned Friends, Compilers of this Book, worin er
mit gutem huraor seine liebe für athletische spiele gegen die
puritauer verteidigt, die stets bei der hand seien, in jeder un-
schuldigen kurzweil wicked, liorrid sin zu wittern.
So viel Über den Inhalt eines literarischen denksteins von
ungewöhnlichem interesse. Der mit vielen berühmten namen
gezierte band ist bestimmt, das gedächtniss an eine merk-
würdige öffentliche bewegung wach zu erhalten, von der ohne
die existenz dieser verse wir niemals etwas erfahren haben
würden. Dem zufall allein ist es zu danken, dass Anthony
ä Wood das buch besass und über die darin gefeierte Persön-
lichkeit beiläufig einige notizen niederschrieb.
Die apotheose der Cotswoldspiele trägt die Jahreszahl 1630;
für die zeit ihres uiedergangs dürfte 1038 anzusetzen Min;
ihres begrüuders tod erfolgte bald darauf im jähre 1641.
seine» wosen.i von nicht zu unterschätzender bedeutung ist, so Ut du In
besonders hohem (trade, bei den ((riechen und Hiiniern der fall: bei das
ersteren, weil sieh namentlich in den spielt» ■ I ■ ■ r ideale /,ng f.cigt, der
diesem vulke eigentümlich igt- bei den letitereu, weil die spanä in M
innigem ihm iiimcii bange uiit dem wachstuini Koma und seinem «pitorn
sltlliehen verfalle stehen. Richter verweilt besonders
nationalen festen zu Olympia und Rom.
DIE COTSWOLD-SPIELE. 421
Robert Dover hinterließe einen neffen oder enkel, welcher
unter den kleinen dramendichtern der restaurationsepoche ge-
nannt wird. Der spiel- und rennplatz blieb lange intakt. Einer
handschrift zufolge, die Sir Thomas Winnington besass, fanden
während der regierung Karl's II. sports dort wider statt. Wahr-
scheinlich um dieselbe zeit ereignete sich in der nachbarschaft
ein unheimlicher Zwischenfall, der einen schauerlichen kontrast
zu den unschuldigen volksspielen bietet.1
Das janze 18. Jahrhundert hindurch wurden in der pfingst-
woche auf dem spielberge von Cotswold feste abgehalten. Sie
waren aber heruntergekommen und vulgär geworden.2 Der
glänz und die herrlichkeit, welche captain Dover ihnen ge-
geben hatte, waren mit dessen tode verschwunden. In ihrer
ursprünglichen gestalt sind sie jedoch wol der erinnerung wert.
Der humane geist, welcher diesen harmlosen sports einen
gewissen adel verlieh, sowie die diesen festen eigentümliche
anmutige verquickung von antik klassischem geschmack mit
schlicht bürgerlichem wesen und echt englischem frohsinn: sie
sind charakteristisch für die beste seite der royalistischen partei
im 17. Jahrhundert.
1 Mr. William Harrison, the Steward of a wealthy lady of Chipping
Campden, riding out from home one day in 1676 to collect the rents of
his mistress at Charringworth, did not return at night. A servant of the
house, John Perry, was sent to search for him in the morning, and when
he returned without any news, a general examination of the neighbour-
hood began. In a lonely spot there were found a hat, a band, and a
comb, which were recognized as having belonged to Mr. Harrison, and
which were covered with blood. The oody itself was not discovered,
but the trial for murder began, aud suspicion feil upon John Perry. This
was increased by his confusion, and at last, cross-examined betöre the
magistrates, he confessed that his mothcr and his brother had murdered
Mr. Harrison, after robbing him of his effects. Circumstantial evidence
was so strong against the prisoners that, although the dead body had
not been discovered, the Perrys were found guilty of the murder, and
all three were hanged, John Perry protesting with his last breath that he
had made a mistake, or been deluded by his fancv. Every one in the
district, however, was satisfied with the justice oi the sentence, when,
after two years were passed, one day Mr. Harrison came quietly riding
into Chipping Campden, with the story that he had been met on the
wold by a party ot men, who, after a violent struggle, had secured him,
had ridden hard with him to the sea, had sailed to Turkey with him,
and had sold him as a slave to a Moslem physician. He declared that
in the course of time he had escaped and fled on board a vessel bound
for Portugal, whence he had found his way home again. What part of
this romantic tale was true we know not; the horrible circumstance is
the execution of the family of the Perrys on the strength of an halluci-
nation. — Gosse, a. a. o., s. 109 f.
1 Vgl. Rieh. Graves' Spiritual Quixote (British Novelists, vol. XXXII,
chap. X).
T
•i
422
LENTZNER,
Die Cotswoldspiele gewähren einen einblick in das leben
der gentry und des hanernstandes in entlegenen distrikten des
damaligen Englands.
IL
Proben aus Doyer's annalen.1
[Titelblatt.]
Annalia Dvbrensia.
Vpon the yeerely celebration of
Mr Robert Dovers Olimpick
Games vpon Cotswold-Hills.
Written by
Michaeli Drayton. Esq.
John Trvsaell. Gent.
William Dvrhain. Oxon.
William Denny. E»q.
Thomas Randall. Cant.
Ken : Johnson.
Jobn Dovor. Gent.
Owen Fcltham. Gent.
Francis lzod. Gent
Klcholas Wallin^ton. Ox.
John Hallard. Oxon.
Timothy Oglc. Gent.
William Anibrose. Oxon.
William Hella». Gent.
Thomas Cole. Oxon.
William Ba»t*. Gent.
Cnptahie Menese.
John TrvBsell. Gent.
William Tole. Gent.
Forriman Rvtter. Oxon.
John Stratford. Gent.
Thomas Sanford. Gent.
Robert Griffin. Gent.
John Cole. Gont.
Robert Dvrhain. Oxon.
A Sirinx Oxon.
John Monson. Esq.
Walton Poole. Gent.
Richard Wells. Oxon.
William Fortl,. Ei>q.
Sliack: Marmyon. Gent.
R. N.
Thomas Heywood. Gent.
London,
Printed by Robert Raworth, for Mathe we Walbancke, 1036.
To mv worthv Friend Mr- Robert Dover.
WORTHY SlR,
TF anlangst so many noble Poetts 1 presume to play \ the Orator,
blame me not, The incitements1 prom \ ting3 mee thereto, in any
competent and indifferent \ Judyment being excusable: First that
their flying \ papers aree so opportunely to my hand, which havmg
1 *A eopy of the Annalia in the Orenville Library of British Museum
has a printed presentation-sheet with Autograph Signatare thus, —
1 040 (M. S.)
For the lmich Honoure<l
Sr. Thomas Trevor Knight
one of the Barons of
the Exehequer
Kobert Dover Ins
Presentation.
In the saine eopy the coiitributor \\. N.. on the title-pagc, has been filled
in R: NKWBVRGH: Urosart a. a. o.
* incitements = ineentives. or motives.
• prouiting (sie) = promptrag.
DIE COTSWOLD-SPIELE. 423
considerately periised (non obstante Dubrensi patrono) | / thought
worthy to bee published. JVext since your owne modestie \ seemed
somewhat adverse, to have those your deserved Encomions1 \ Im-
prest, which in the hearts of all your Countrey-men, and others \
have tooke such deepe Impression: 1 held it more expedient to \
hazard the frowne of one by boldnesse, then the discontents of
ma | ny by a timorous negligence. Lastly since those Quinque-
nalia, or \ Olimpick Games (celebrated every Fift yeere onelyj
begun by | Hercules, and for many succeeding ages conlinued, by
all the Se- | mones Heroes and prime Princes of Greece, are
notv utter- \ ly abandoned, and their memorie almost extinguish't.
Since you, \ to tvhom I may not unpropperly2 give the denomi-
nation of an Hero | of this our Age, have* in these your Famous
Annalia, or yeerely \ Celebrationis, not onely revised the memory
of the Former; But \ adorned these your Cotswald4 Hills tvith
such Ovations and Tri- \ umphs, as may continue their memorie
to all posteritie. (First \ craving your pardonj I commend my
seife to you for the present: \ And your Name (thus decored b
by your Friends) to Perpetui- \ tie.
Yours alwayes
Mat: Walbancke.
TO MY NOBLE | Friend Mr- Robert Dover, on his
brave aniui- | all Assembües vpon Cotswo/d.
DOVER, to doe thee Right, who will not striue,
That dost in these dull yron Times revive
The golden Ages glories; which poore Wee
Had not so much as dream't on but for Theo?
As those brave Grecians in their happy dayes,
On Mount Olympus to their Bereutes
Ordain'd their games Olimpick, and so nam'd
Of that great Mountaine; for those pastimes fam'd:
Where then their able Youth, Leapt, Wrestled, Ran,
Threw the arm'd Dart\ and honour'd was the Man
1 Encomions = encomium, from the Greek (e yxca/xiov), and scarcely
naturalized at the date.
a unpropperly = iraproperly — as with the last word.
3 ;oi this our Age, have', &c. — misprinted 'of this our Age.
Have', &c.
4 Cotswald (sie) = Cotswold.
5 decored = decorated, adorned. This word oecurs and re-oecurs
in The Bride of Lammermoor.
424 LENTZNER,
That was the Victor; In the Circute there
The nimblc Rider, and skil'd Chariotere
Strove for the Garland; In those noble Times
There to their Harpes the Poets sang their Rimes;
That whilst Greece flourisht, and was oncly then
Nurse of all Arts, and of all famous men:
Nu mb ring their yeers, still their accounts they made,
Either from this or that Olimpiade.
So Dover, from these Games, by thee begun,
Wee'l reckon Ours, as time away doth run. ||
Wee'l have thy Statue in some Rocke cut out,
With brave1 Inscriptions garnished about;
And vnder written, Loe, this was the man,
Dover, that ftrsl these noble Sports began.
Ladds of the Hills, and Lasses of the Vale,
In many a song, and many a merry Tale
Shall mention Thee; and having leave to play,
Vnto thy naine shall make a Holy day.
The Cotswold Shepheards as their flocks they keepe,
To put off lazie drowsinesse and sleepe,
Shall sit to teil, and heare thy Story tould,
That night shall come ere they their flocks can fould.
Michaeli Drayton.
AN EPIGRAM TO MY 10 VI ALL | Good Fremd Mr.\
Robert Dover, on Ins «rcat | Instauration of hisHunting,
and Pauncing | At | Cotswold. j|
Icannot bring uiy Muse to dropp Vies*
Twixt Cotswold, and the Olimpicke exerciso:
But I can teil thee Dover, how thy Games
Renew the Glories of our blessed Ieames\
How they doe keepe alive bis meinorie;
With the Glad Counlrey, and Posteritie:
IIow they advance, true Love, and neighbourhood,
And doe both Church, and Common-wealth the good
In spite of Hipocrites, who are the woret
Of Subjects; Let such envie, tili they burst.
Ben Johnson.
1 brave = grand, showv.
* 'to dropp Vies\ It is piain a word has been inadvertently left
out in this line: Vies = wagers, as in card-ganies. (Grosart.) Qremtdiffi-
rulty has becn found in the measure and ineaning of this line. To nie
there seems to be none if we take Muse to be a dissyllable, as stmtmi
was a trisyllable (in Habington and elsewhere), and if we unterstand vU
to be a noun equivalent to comparison. — (Gosse, a. a. o., p. 106.)
DIE COTSWOLD-SPIELB. 425
AN EGLOGVE ON THE VklÄLlkl\Aiui Noble Assem-
blics revived on | Cotswold | Hills, by Mr\ ROBERT D0VER.|
Collen, Thenot.
WHat Clod-pates, Thenot, are our Brittish swainesl
How lubber-like they loll upon the Piaines!
No life, no spirit in uml Every Clowne,
Soone as hee layes his Hooke and Tarbox downe,
That ought to take his Reed, and cbant his Layes,
Or nimblie rnn the wlndings of the Maze,
Now gets a Bush to roome* himselfe, and sleepe,
Tis hard to know tbe Sheepheard from the sheepe:
And yet me-thinks our English pastures, bee
As flowery as the Lawnes of Arcadye,
Our Virgins blithe, as theirs; nor can proud Greece
Boast purer Aire, nor sheare a finer fleece.
The. Yet view their out-side Collen, you would say,
They have as much brawne in their necke, as they;
Faire Tempe braggs of lustie Annes, that swell
With able sinews, and might hurle as well
The weightie Sledge ; their Leggs, and Thighs of bone,
Great as Colossus, yet their strengths are gone;
They looke like yonder man of wood8 that Stands
To bound the limits of the Parish lands:
Dost thou ken, Collen, what the cause might bee
Of such a dull, and generali Lethargie*!
CoL Swainel with their sports, their soules were tane away,
Till then they all were active; every day ||
They excercis'd to weild their limbes, that now
Are numb'd to everything, but flaue, and Plowe.
Early in May up got the Jolly route,
Card by the Larke, and spread the fields aboute:
One, for to breath himselfe, would coursing bee
From this same Beech, to yonder Mulberie;
A second leapt, his supple nerves to trie,
A third, was practicing his Melodie;
This, a new Jigg was footing; Others, were
Busied at wrastling, or to throw the Barre;
Ambitious which should beare the bell away,
And kisse the Nut-browne-Lady of the Maie :
This stirr'd 'um up, a Jolly Swaine was hee,
1 'Palilia', — a festival celebrated at Rome, annually, on the 21»* of
April, in honour of Pales, the tutelary divinity of shepnords. The 21»*
of April was the traditionarv date of Romulus' fonnding of Rome, and
accordingly the festival was kept as the dies naiaiitius of Rome. A. a. o.
2 A roome' — misprinted *roame\
8 'man of wood' — roughly put together figure of a 'man' — often
a'post* merely.
426 LENTZNER,
Whom Pag and Susan, aftcr victory,
Crow'nd with a Garland they had made, besot
With Dazies, Pincks, and many a Violet,
Cow-slipp, and Gilliflowrc; Rewards, though small,
Eneouragc vertue: But if none at all
Mecte her, shee languisheth, and dies, as now,
Where worth's denicd the honour of a bough;
And, Thenot, This the cause I read to bee
Of such a dull, and generali Lethargie:
Then. 111 thrive the Lowt, that did their mirth gaine-say,
Wolves haunt bis flocks, that tooke thosc sporte away.
Coli. Sonie melancholly Swaines, about have gone,
To teach all Zeale, their owne Complection,
Choler, they will adniit, sometimes, I see;
But Fleagme, and Sangvine, no Religions bee;
These teach that Dauncing is a Jezabel/,
And Barley-breake *, the rcady way to Hell,
The Morrice, Idolls\ Whitson-ales can bee
But profane Reliques, of a Jubilee: \\
These in a Zeale, t'expresse how mnch they doc
The Organs hatc, have silenc'd ßagg-pipes too,
And harmlesse May-poles, all are rail'd upon,
As if they were the Towers of Babilon:
Sonie thinke not fit, there should be any sport
T the Citie, Tis a dish proper to 'th Court;
Mirth not becomes 'um, let the sawcie swaine
Eate Beefe, and Bacon, and goe sweate againe:
Besides, what sport, can in their pastiuaes bee,
When all, is but ridiculous fopperie.
Thenot. ( 'ollen ! I once the famous Spainc did see,
A Nation glorious for her Gravitie;
Yct there an hundred Knights, on warlike Steedes
Did skirmish out a fight, arm'd but with Reeds,
At which a Thousand Ladies Eies* did gaze:
Yct was no better, then our Prison base.3
1 * Barley-breake': vergleiche das gedieht von W. N. in Grosart's
Occasional lssues.
* 'At which a thousand Ladies Eies did gaze': The reference is to
the famous Juego de caüa on which Mr. W. C. Hazlitt annotates thus
in bis Handolph (p. 023): 'This amusement is inentioned as one of the
entertainuients which were prepared at the Court of Pentapolis in honour
of the marriage of Apollonius, Prince of Tvre (Patterne of Painfull Ad-
uentures, undated edit., Sig. E 2, verso), '1 may not discourse at large
of the liberall challenges inade and proclaimed at the tilt, barriere, running
at the ring, ioco di can, managing fierce horses, running a footo, and
daunsing in armour'.
1 'Prison base1 = prisou-bars — a rural game often alluded to in
early English writers, e. g., Cymbetine (v. 3):
'Lads more like to run
The country base, than to commit such slaughter1.
DIE COTSWOLD-SPIELE. 427
What is the barriers, but a Courtly way
Of our more downe-right sport, the Cvdgell-play?
Foote-ball with vs, may bee with thera, ßaloone1;
As they at Tilt, so wee att Quintain runne,
And those old-pastimes relish best with mee,
That have least Art, and most Simplicitye.
Collen\ They say, at Court thero is an Art,
To dance a Ladie's honor firom her hart;
Such wiles, poore Sheephards know not, all their sence
Is dull to anything, but Innocence:
The Country Lasse, although her Dance bee good,
Stirs not another's Galliard in the Blood;
And yet their sports by some contrould have bin,
Who thinke there is no mirth, but what is Sin.1
0 might I but their harmlesse Gambolls see!
Restor'd unto an ancient Libertye,
Where spottlesse daliance traces ore the Playnes,
And harmlesse JSimphes, jet8 it with harmlesse Stvaynes.
To see an age againe of Innocent Loves,
Twine close as Vines, yet kisse, as chast as Doves.
Me thinkes I could the Thracian Lyre have strung,
Or tun'd my Whislle, to the Mantuan song.
Collen. Then tune thy Whislle Boy, and string thy Lyre,
That age is come againe, thy brave desire
Pan hath approv'd; Dauncing shall bee this yeare
Holy, as is the motion of a Spheare.
Thenol. Collenl With sweeter breath Farne never blewe
Her sacred Trump, if this good newes bee true?
Col. Know'st thou not Colswold-hüt. The. Through all the land,
No filier Wooü runnes through the Spins t eis* band.
But silly Collen, ill thou do'st devine,
1 'ßaloone1. Ben Jonson in Fox (11, 2) thus refers to this game:
'While otbers haue been at the balloon
I haue been at my books'.
Consult Wright's Prov. Biet
2 'Sin'— the period(.) dropped in original.
3 'jet' — stnit.
4 ' Spins ters1 = Spinners. A good example of the word as applied
to unmarried females, who of old were supposed to be all diligent Spinners.
This reininds us of a story of an eccentric old Scottisb clergyman, who
having been somewhat disappointed with the response given by the ladies
of his congregation to an appeal for home-spun cloth toward a bene-
volent objeet, addressed his fair auditory thus: 'The Leddies [ladies] now-
a-days put me in mind of the lilies' — pausing at this pomt, ana with
a roguish twinkle of his ey es, planning their chagrin, by adding, slowly —
'they toil not neither do they spin\ In Elizabethan English spinster did
not necessarily imply that the woman was unmarried. Hercules and
Omphale will at once oeeur to the reader as the original of such refe-
rences; but the Arcadia (13, 1) best explains the term: 'And this effemi-
nate love of a woman doth so womanize a man, that if he yield to it, it
will not only niake bim an Amazon, but a launder, a distaff, a Spinner, or
428 LENTZNER,
Can'st thou mistake a ßramble, for a Pinel
Or thinke this Bush a Cedur*) or suppose
Yon Hamlet, where to sleepe each Sheapheard goes,
In circuit, buildings, people, power, and name
Equalls the Bow string'd by the silver Thamel
As well thou maiest, their Sports, with ours comparc,
As the soft wooll of Lambes, with the Goats haire.
Collen. Last Evening Lad, I met a noble Swayne,
That spurr'd his spright-full Palfrey ore the playne:
His head with Ribbands crown'd, and deck't as gay,
As any Lasse, upon her Bridall day.
I thought (what easie faiths we Sheepheards prove?)
This, not the Bull, had been Europäers love.
I ask't the cause, they tould mee this was hee,
Whom this daye's Tryumph, crown'd with victory.
Many brave Steeds there were, some you should finde
So fleete, as they had bin sonnes of the winde. ||
Others with hoofes eo swifte, beate ore the race,
As if some Engine shot 'um to the place.
So many, and so well-wing'd Steeds there were,
As all the broode of Pegasus had bin there:
Rider and horse could not distiuguish'd bee,
Both seem'd conjoyn'd, a Centaure's Progeny.
A numerous troupe they were, yet all so light,
Earth never groan'd *, nor feit 'um in their flight.
Such Royall pastimes Colswold mountaines fill,
When Gentle-swaines visit her glorious Hill:
Where with such packs of Hounds, they hunting go,
As Cyrus never woon'd* his Bügle to;
VVhose noise is musicall, and with füll cries,
Beat 's ore the Field's and ecchoes through the skies.
Orion hearing, wish'd to leave his Spheare\
And call his Dogge from heaven, to sport it there.
Watt, though he tted for life, yet joy'd withall,
So brave a Dirge, sung forth his Funerall.
Not Syrens sweetlier rill; Bares, as they flie
Looke backe, as glad to listen, loth to die.
The. No doubt, but from this brave Heroicke fire,
In the more noble hearts, sparkes of desire
May warm the colder Boores, and emulous strite,
Give the old mirth, and Innocence a new life;
When thoughts of Farne, their quickned soules shall fill,
At ev'ry glaunce that shewes vm Colswold Hill.
whatsoever vile occupation their idle heads can imagine, and their weak
hands perform \ Cf. Grosart's edition of Mar vell in Füller Worthies*
Library, vol. I, p. 335.
1 'groan'd* = misprinted grooned.
9 'woon'd* = wound.
DIE COTSWOLD-SPIELE. 429
Coli. There Shepheard, there the solemn-games bee plaide,
Such as great Theseus or Aleides made.
Such as Apollo wishes hee had seene,
And Jove desires, had his invention beene.
The A/emaean and the Isthmian pastimes still,
Though dead in Greece, surviue on Cotswold Hill. \\
Then. Oh happy lull! The gentle Graces nowe
Shall tripp ore Thine, and leave Cilheroris browe;
Pernassus Clift shall sinke below his spring,
And every Muse, shall on thy front'let sing;
The Goddesses againe, in strife shall bee,
And froin mount Ida, make appoale to thee:
Olympus pay thee homage; and in dread,
The aged Alpes, shall bow his snowie head:
Flora with all her störe, thy Temples Crowne,
Whose height shall reach the starres; gods looking downe,
Shall blesse the Incence, that thy flowers exhale,
And inake thee both a Mountaine, and a Vale.
How many Ladies on thy Topp shall raeete,
And presse thy Tresses with their Od'rous feetel
Whose Eyes, when wondring men see from afarre,
They'le thioke thee heaven and each of them a starre.
But gentle Collen say, what god or man
Farne wee for this great worke, Daphnis, or Panl
Coli. Daphnis is dead, and Pan hath broke his Reed,
Teil all your Flocks 'tis Joviall Dovkr's deede.
Behold the Shepheards in their Ribbands goe;
And shortly, all the Nimphes shall weare 'um too;
Aniaz'd to see such Glorie met together,
Blesse Dover's Pipe, whose musicke call'd 'um hither.
Sport you, niy Rams, at sound of Dover's name;
Bigg-bellied Ewes, make hast to bring a Lambe,
For Dovers fould; Goe maides, and Lillies get,
To make him up a glorious Coronet.
Swaines keepe his Holy-day; and each man sweare
To Saint him in the Shepheards Kalender.
Thomas Randall. Cant.
A PANEGERICK TO | the worthy Mr.
Robert Dover.
HAving these Panegeries1 now read over,
To thy perpetuall fame, sweet Master Dover:
What Enthusiasme? what rapture shall I raise,
To give to thee thy merrit, and due praise?
1 'Panegeries' = transition-form of panegyric. (Oder druckf.? E. F.)
430 LKNTZNER,
If any in this quaint and curious age,
Who (allmost) froin the Cradle to the Stage,
All fancies bring in rumor; shall of thine
Make the least question? Know tis bis; not mine.
But when Ben: Johnson, and brave Draylons na nie
Shall be Inscrib'd; I dare proclaime the same
To be a worke ennobled: For who dare
With them (and these here intermixt) compare.
Now to the thing it seife: To give aecount
Who cannot of two-top't Pernassus iuount?
Of Pindus Hill, of Teneriff so high,
Ossa and Pelion1} that so brave the sky,
That had the Gyanls but in order laide
The one lipon another? They had niade
Such an high skalc towards heaven, to make Jove cease
II is claime to Earth, and with man mediate peace.
Olimpus mount, that (even to this day) fills
The world with fame, shall to thy Cotswotd-Hills
Give place and honour; Hercules was first
Who these brave gaines begun: thou better nurst. ||
Dost in our Anniverse1 most nobly strive
To doe in one yeare, what Hee did in five.
Go on; go on brave Dover, uiy Muse too
Shall walke with thee; great Hercules out-do.
There is an equall ballance in your fanies,
He made the Olimpick, thou the Cotswold-games,
And who can say is best? not I, nor hee.
Of him we have onely heard, but we knowe thee.
Thee (noble Dover) Then go on; bee still
The man thou art? and maintaine Cotswold HUI:
So when thy glasse is runne; and sand is past:
Thy name and Fame, shall Hercules out-last.
Thomas Heywood.
TO THE GENEROVS AND NOBLY | Alinded, Mr
Robert Doveu, on Ins Hcroick /mr- | ///ios at Cotswold. ,j
U Vinmond by Fame (brave Dover) I can now
O Teil what it was, old Poels meant to show
In the faign'd Stories of their Pegasus
Muses and Mount, which they have left to vs.
Nor needo wee wonder, such a flow of yeares
Should rowle away, when yet, no light appeares
Since l*rophecyes\ and Fat es Prcedictions
Come to be knowne, and are fulfill'd at once: ||
i <
Anniverse* = annivereary or annual return of the Sports.
DIE COrSWOLD-SPIELE. 431
So Delphos spake and in a mistick fould,
Hid that at once, whick acted was and tould,
What then was Tip'd by Pegasus? But that
Proud troupe of fiery Coursers, mustred at
Thy Colswoldl Where like rapid Spkeares they hurPd,
Straine for a Salt, the seasoning of the world.
Then the Sagatious hound, at losses mute
Alone, shewes Natures Logick in pursuite:
But at thy other mecting, hee is blinde
That cannot, Muses and their musicke finde,
Shewing that pleasure, would be cold, and dye
Without converse, and noble harniony,
The Ladyes Muses are; there may you chuse
A Patronesse, each Mistris, is a Muse,
Nor does Apolloes harpe ere sound more high,
Then when tis vigor'd from a Ladies eye.
Now to coinpleat the storie. I do see
How future times will learne to Title theo.
That Yovth Apollo: So mount Helicon
Will Cotsrvoid prove; which shall be fain'd1 alone:
And sacred all, unto thy happie name,
That long shall dwell in the faire voice of Farne:
For great thou must be, and as first have prize,
Or eise, as th'exit of old Propliesies.
Sic allusit Ow: Feltham.
TO Mr. Robert Dover, VPON HIS | Annuall sports
at Cotswold.||
Heare you bad owners, of inclosed grounds,
That have your soules as narrow as your bounds;
When you have rob'd the earth of her increase,
Stor'd up that fading treasure, and spoke peace
Vnto your wretched thoughts; the barren field
Of Cotsrvoid, and those emulous hüls shall yeeld
A crop of Ilonour, unto Dovers Name,
Richer then all your Stacks, or barnes containe.
Shepheards rejoyce, tis hee shall make you free,
And every yeere proclaime a Jubilee:
Ple shall invite there, many a lustie Swaine,
To strive in hope of glory, and of gaine:
Pan for his sake, shall often passe that way,
And make your Mountaines, his Arcadia. ||
No venoni'd rott, shall cause your sheepe to die,
1 'faind': qu. — faned? i. e., be Dover's fane or monument. More
probably a misprint for fam'd or xuade famous by his happie name.
432 LENTZNER,
ßut all your flocks and folds shall inultiplie.
For every Ewe, shall beare two Lanibes a piece,
And every Ramme shall weare a silver fleece;
The best of all their wooll, the destinies
Shall chuse to spin out Dovers liappy dayes.
No more let Ida now presuine at all,
To boast of Joves theft, or the golden ball,
Nor of1 the Graces, dauncing on the plaine,
For heere are fairer objecto to detaine
The gazers eye: Thousands upon this greene,
Shall each like Venus, and Adonis seeine;
And yet not one of all that numerous presse
Shall feare his death, or hee, her wantonnesse.
They shall be busied with a better game,
And spend their strength in a more vertuous flame:
Heere some with wrastling, shall prove mastery,
Others in hunting try their Chivalrie,
With running, Leaping, throwing of the barre:
And then the Niuiphes, each like a moving starre,
Shall danee for prise, all with their active sport
Make it like Mars his, or like Cinthias court.
Apollo there, shall plant his youthfull tree,
And compasse Garlands for their victory.
The ground, so soone as with their feete tis prest:
Shall with a faire imbroidery be drest,
And trees shall feele an influence from their heate,
And every Thorne, or Bush, shall Balsam sweate:
The Ayre shall raise up Eccho from her den,
Who viewing thee, with as inuch zeale as when
Shee lov'd Narcissus, shall run poast to Farne,
And borrow her shrill Trumpet to Proclaime
Thy prayse, whose repercussive sounds, shall strike
Those playnes enamor'd on thy worth: then like
Lines from the center drawne, shall flie from hence,
And fill this Kingdomes whole circumference.
Shack : Marmyon.
A DIALOG VE BETWEKNE Time | and Farne, on
Mr. DOVERS aniversarie Sports | on Cotöwold.
Time, Fame.
Time. I YT Hat trumpets shrill sound, tills in ine eares?
Fame. ff Tis Farnes
That brings thee joyfull news (old Time) of games,
And princely sports, spraug up; transcending farre
1 ' of - - misprinted if.
DIB COTSWOLD-SPlELß. 433
The Grecian, Roman, and the emulous Car-
thagian Heroes prowd shewes, when they most
Swolne with their wealth and leasure, would acost
Vulgär applause. On Cotswold hüls there meets
A greater troope of Gallants, then Bornes streets
Ere saw in Pompeys triumphs: Beauties too
More then Dianaes Beavie1 of Nimphes could shew,
On their great hunting daies: There in the morne,
When bright Aurora peepes, a Bügle hörne
The summons gives, streight thousands fill the plaines
On stately coursers; whose rieh plumes and maines
Excell th'admired Bucep halte there; these
Enuying each others pompe; striving to please
Themselues and masters, champe their scorned Lores*,
Trample the groaniog earth, paying their scores
Of Provender in lofty curvetts : These
In their swift course, beclowd the azure skies
With sinoake from fierie nostrills blowne; and flakes
Of fire circle their sparkling eyes: Earth-quakes
Their Iron-hoofes begett; wherewith they rend
Oid Vestas verdant Roabe. The earth they send
In Atomes to the heaven: there the lowd cry
Of hounds through liquid Aire, does pierce the skie,
And charmes the lightning gods; and grey-hounds there
Swifter then lightning, course the flying Hare.
This done ; a Virgin crew of matchlesse choyce,
Nimbly set fortb, attended with a noyse8
Of musique sweet; excelling that of Sphears;
Whose well-kept Diapazon, ravish'd theirs
Of all that's sensitive. These Nimphes advance
Themselves, with such a comely grace to daunce;
Each with her Gallant pair'd, that all who see
Their eunning motion, and Agillitie,
Are strucke with admiration; thus they spend
Their sportfull time, tili th'envious Sun giv's end
To it, and day.
Time. This newes revives my blood,
Shakes off my Iron-coate; this brings the good
And golden one, my infancie first wore:
Nere was this Famous lsle honour'd before
With such brave games, since that brave Heroe dy'd
The world's chiefe worthy; and stout Brittons pryd,
1 'Beavie' = bevy.
* 'Lores1 «=> Latin lora — bridles.
8 ' a noyse' = concert of sweet sounds, as in a 'noise of musicians'.
This was its earlier and later sense , i. e., of a set or Company of musi-
cians, e. g., Sneak's noise (Shakespeare) or Ruperte noise, meant Sneak's
AnglU, XU. bmnd. 28
434 LENTZNER,
Arthur, with bis rotund ! of Knights. What's hee
That instituts these Kingly sports and glee?
Farne. It is a noble soule, joviall, and free
As th'aire, hospitable, and wittie.
Well mounted comes he there, attended on
By thousands of the flower of Albion :
Grave as a Persian Sophie*, his aspect
Circled with beames of Reverence, drawes respect
From each spectator. Noble Dover hight,
Well knowne to all.
Time. Sure he's a worthy Wight!
What is each victors prize?
Farne. No sin all reward:
A Castle, Dover Castle, whose trne guard
Speakes in the voyce of angrie Jove\ to foes
Thunder, and lightning: but to friends, it shoes
All courteous entertainement.
Time. A guerdion sure
Worthy the brave Dover. Dover shall dure
For ever; For this a Monument Ile build
To him of Parian Marble, wrought by well skil'd
And rare Artificers; embos'd, and chas'd,
'T shall be with occidentall gold; quicke hast
Shall fetch me Rubies from the Orient Rocks,
Saphires, all gemms, which Memnons mother locks
In her rieh ehest; t'adorne this Peice: great Jove\
It shall surpasse thy statue plac'd above,
Iinprov'd Olimpus\ the worlds third wonder:
And beere last (maugre thy clapps of thunder)
Wh ile I shall live.
Farne. And I will sound his praise,
Through the Earth's Center, to th'antipodes,
Botli Poles shall ring therewith; and th'axle cracke
To bearc its weight: so Dover s worth shall lacke
No helpe of Farne \ 'tis fitting such as hee
Should still be crown'd with ImmortaJitie.
Robert Griffin.
or Rupert's set of players or band. Siinilarly, George Herbert, in HK>f
The Family, 1. I:
'What doth this noise of thoughts within my heart
As if they had a part?'
and again, 144, Aaron, 1. s:
4A noise of passions ringing nie for dead7
(Herberts Poems, Aldine Edition, by A.B. ftroaart).
1 ' rotund ' — Round Table.
* ' Sophie \ title of the Shah of Pereia.
DIE COTSWOLD-SPIELE. 435
A CONGRATVLATOR Y POEM To my Poeticall and
Leamed Noble JFriends, Compilers of this Booke.
Icannot teil what Plannet rul'd, when I
First undertooke this mirth, this jollitie;
Nor can I give account to you at all,
How this conceit into my braine did fall,
Or how I durst assemble, call together
Such multitudes of people as come hither.
Whilst Greece frequented active Sports and Playes,
Froin other men they bore away the prayse;
Their Common-Wealths did flourish; and their Men
Vnmatch'd were for worth and honour then:
But when they once those pastimes did forsake,
And unto drinking did themselues betake, ||
So base they grew, that at this present day
They are not men, but moving lumps of Clay.
I've heard our fine refined Clergie teach
Of the Commandement, it is a breach
To play at any Game, for gaine or coyne;
T'is theft they say, mens goods you doe purloyne.
For Beasts, or Birds, in combat for to fight,
0 t'is not lawfull, but a cruell sight;
One silly beast another to pursue,
'Gainst nature is, and ferefull to the view:
And man with man, their activenesse to try,
Forbidden is, much härme doth come thereby.
Mix'd dancing is a wicked horrid sin,
And by the same much naughtinesse hath bin;
That I admire to see such learning showne,
That to our Churches Eiders were not knowne.
Had we their faith, to credit what they say,
We inust beleeve all Sports are tane away;
Whereby I see, in stead of active things,
What härme the same unto our Nation brings;
The Pipe and Pot, are made the onely prise
Which all our sprightfull youth doe exercise:
The Meanes and Time, which they therein bestow,
Is bravely spent, and makes a gallant show.
And be it so; What is it unto me?
For to repine there at, were vanitie,
Or goe about to alter Natures course
So well approoved, and of such high force;
Yet l was bold, for better recreation,
T'invent these Sports1, to countercheck that fashion
'sports ' — misprinted spotts.
28*
436 LENT2NKR, DIB COTSWOLD-SPIELE.
And blesse the troope that come our sports to see,
With hearty thankes, and friendly courtesie.
I never thought that any one of you,
In written poeins would the same allow.
Nor did I think, the same could ere havo wonne,
The generali approbation it hath donej
And uiuch it joyes inee, you of such great Farne,
Have undertaken thus to praise the same;
Whereby I am much incourag'd, who eise might
Forbeare the saine, and give them over quite:
I were ungrate, and might be thought unkind,
Not to give Thanks, where so much Love I find.
Though some of you more sweetly have exprest
Your selues each way, and so excell'd the rest,
Yet dare I not returne a greater praise,
Nor thanke you more for those your wittie Layes:
I must esteeme your love a-like in this,
Make you as one, or eise I doe amisse:
For I beleeve, the weakest line you write,
Either it doth, or should your Love recite.
Let those that bee of Melanchollie forme,
And pensive spirite, fret themselues, and storme;
Let snarling Envie barke, pine, and grow mad:
Let Carping Momus, powting bee and sad;
And let Content and Mirth all those attend,
That doe all hermelesse honest sports defend.
Robert Dover.
Obernigk Karl Lentzner.
bki Breslau.
ZUR
METRIK DER MITTELENGLISCHEN REIMEND-
ALLITERIERENDEN DICHTUNG.
I. Die kurzzeilen.
Die beliebteste strophenform in der mittelenglischen reimend-
alliterierenden dichtung l ist die mit der reimstellung abababab-
cdddc (vgl. Schipper, Engl. Metr. I, 219, 396). Die ersten acht
verse sind langzeilen, der neunte (c) entweder ebenfalls eine lang-
zeile (GG) oder ein sogenannter bobvers (Sas., AA), die letzten
vier kürzere verse von angleicher länge. Ueber die auffassung
dieser letzteren gehen die ansichten sehr auseinander. Horst-
mann (Anglia I, 93) hält von den betreffenden versen der Su-
sanna die ersten drei für dreihebig, mit verlangsamtem rhyth-
mus, mehr jambisch als anapästisch, den letzten für eine art
adonischen vers, y!v^l, also flir zweihebig. Derselben
ansieht betreffs GG ist Trautmann (Anglia II, 408). Von den
drei ersten kurzversen in AA sagt Lübke (The Aunters of
Arthour etc., Berliner dissertation 1883, s. 15), die zahl der
hebungen schwanke zwischen zwei und drei; eine gleiche
messung der verse sei nicht möglich: gegen die annähme von
zwei hebungen spreche die grosse anzahl von versen mit mehr
als zwei stark betonten silben, gegen die annähme von drei
hebungen in allen versen die noch grössere anzahl von solchen,
die nur zwei zum tragen der hebung geeignete silben enthalten.
Sicher nur zwei hebungen habe in allen Strophen der letzte
vers. Gegen die begründung dieser auffassung ist einzuwenden,
dass ja in den ersten halbversen der langzeilen, welche auch
Lübke durchaus als zweihebig ansieht, oft genug 'mehr als
1 Abkürzungen : GG = Golagrus und Gawain (hrsg. von Trautmann,
Anglia II, 395 ff.); Sus. = Susanna (hrsg. von Horstmann, Anglia I, 93 ff.);
AA = The Awntyrs of Arthure (hrsg. von Madden in seinem 'Syr Ga-
wayne' 1839).
438 luick,
zwei stark betonte gilben' vorkommen, in einigen denkmälern
häufig, in anderen weniger off;. AA gehört zu den letzteren,
aber 6G z. b. bietet sehr viel belege. — Entgegen diesen an-
dichten erklärt Schipper (Engl. Metr. I, § 104, s. 218 ff.) die verse
des abgesangs für durchaus zweihebig, d. h. für halbverse der
stabreimzeile. Dabei bleibt zunächst unerklärt, warum der
letzte immer ganz merklich kürzer ist als die drei vorher-
gehenden. Indess führt uns jene auffassung auf die richtige
spur zur erklärung dieses merkwürdigen Verhältnisses. Die
halbverse der langzeile sind ja durchaus nicht gleich gebaut;
ich habe Anglia XI, 420 ff. die nicht unbeträchtlichen unter-
schiede festgestellt. Prüfen wir darauf hin die in frage stehen-
den kurzzeilen, so ergibt sich, dass die drei ersten derselben,
die längeren, nichts anderes sind als erste halbzeilen, die
vierte, kürzere, ein zweiter halbvers. Die abgesänge der
ersten Strophen von Sus., AA und GG mögen dies belegen:
Sus. wif> Inne \>e sercle of sees
Of Krberi and A16es
Of alle Mäner of trees
Süf>ely to säy.
AA Bothe the kynge, and the qwene,
And all J?« döghety by-d6nc,
Syr Gäwane, gayeste on grene,
Dame Gavenoure he ledis.
GG S6mbillit to bis suimnövne,
Ränkis of grete renövne,
Cumly kingis with crövne
Of gold, f>at wes cleir.
Einen äusseren hinweis für die richtigkeit dieser auffassung
glaube ich darin zu erkennen, dass in der ersten ausgäbe des
GG voin jähre 1508 (handschriften sind nicht erhalten) die
letzte zeile jeder strophe auf gleiche linie mit der elften gesetzt
wurde (wie auch in Trautmann's abdruck Anglia II, 410 ff.), die
drei ersten kurzverse also auch äusserlich die stelle von ersten
halbversen einnehmen, der vierte dagegen die eines zweiten.
Der beste beweis liegt aber darin, dass der bau dieser Zeilen
vollkommen zu unserer annähme stimmt Die verse 10 — 12
zeigen gewöhnlich mehrsilbigen auftakt oder rhythmische neben-
töne zwischen den Hebungen oder nach der zweiten — ganz so
wie andere erste halbverse; höchstens durch die neigung, diese
eigentümlichkeiten stärker hervortreten zu lassen, unterscheiden
sie sich von diesen. Die zeile 13 ist für gewöhnlich nach dem
MITTELENGLISCHE METRIK. 439
typus A(Aj) gebaut, (x)lxx-(x)> aber auch die anderen typen
finden sich; z. b.:
Sus. AI heore falshäde 299
AA of 30116 bödy bare 8, 14
Appone a fair f&lde 33, 13
For thi mänh^de 27, 13
GG Quhen be ves lightit döun 130
As 1 am trew knigbt 169
(vgl. noch AA 22, 13; 29, 13; 47, 13; GG 182, 362, 608, 920, 1258).
Wir haben bisher nnr drei der wichtigsten denkmäler be-
trachtet Denselben ban nnd dieselbe anordnnng zeigen die
entsprechenden verse in Raoul Coilgear (E. E. T. S. Extra Ser. 38),
dem Poem of Fortune (Rel. Ant. II, 7), The Büke of the Howlat
(ed. Laing 1823), Douglas' prolog zum achten buch der Aeneide
(obwol nach schottischer art mit schweren Senkungssilben über-
laden), endlich in vielen 13 zeiligen Strophen der mysterien.
In anderen dichtungen geht der kurzversgruppe, die wir
bisher gefunden haben, weder eine langzeile noch ein bobvers,
sondern ein kurzvers voran und zwar ein zweiter halbvers; so
in The Tale of the Basyn (hs. aus dem ende des 15. Jahrhun-
derts; am besten gedruckt bei Hazlitt, Remains of the Early
Populär Poetry of England, London 1864, 111,42; strophenform
aaaaficccb). Zu gründe gelegt ist dies Schema in dem, wol
auch dem 15. Jahrhundert angehörigen Turnier von Tottenham
(Hazlitt, a. a. o. III, 82, strophenform aaaa,bcccb) und in der
Dunbar zugeschriebenen Bailad of Kynd Kiltock (Laing II, 35;
abababab,cdddc). In dem ersteren gedieht erscheint jedoch schon
der unterschied zwischen zweiten und ersten halbzeilen zum
teil verwischt, in dem letzteren könnten andere später zu be-
sprechende Veränderungen eingetreten sein.
Zwei erste halbverse mehr einem zweiten (durch einen
bobvers mit dem aufgesang verbunden) weist das im jähre 1306
entstandene lied auf die Gefangennahme und Hinrichtung Simon
Fraser's auf (P. L. VI bei Böddeker, Altengl. Dichtungen etc.,
strophenform aaaa,bccb). Wenigstens liegt diese gliederung zu
gründe; denn auch hier schwindet zum teil die Scheidung
zwischen erstem und zweitem halbvers, offenbar unter den-
selben einflüssen, welchen auch die langzeile im Süden aus-
gesetzt war.1
1 Ueber diese einflüsse handle ich in meinem beitrage zu PauPs
Grundriss.
440 LUICK,
In allen diesen fällen glich die kurzversgruppe einer halben
schweifreimstrophe, sei es der einfachen oder der erweiterten.
Eine ganze schwcifreirnstrophe liegt vor in Sayne John the Euaun-
gelist {abababab,cddcdd\ hg. v. Perry, E. E. T. S. 26, s. 87 ff.); z. b.:
6, \\ ff. Ware his will was to wende
Or hyin lyked to lende
Bathe myldely and still.
l>ou hcld \>e ay with f>at hende
And ferde fortho with tbi frende
And wroghte at his wille.
Aber man ging in diesen eigentümlichen bildungen noch
weiter. Das Thornton-ms. (um 1440 entstanden) überliefert uns
The Romance of Sir Degrevant (hg. von Halliwell in den Thornton
Romances 1844, s. 177 ff. Die zweite strophe lautet (nach dem
druck bei Halliwell):
Wyth kyng Arrtor, y wene,
And wyth Gwennor the quenc,
He was knowun ffor kene;
That comelych knyght;
In Hethenesse and in Spayne,
In ffraunce and in Bryttayne,
Wyth Percevalle and Gawayne,
ffor herdy and wyght!
He was dowghty and dere,
And ther nevew ffullc nere,
Ther he of dedys myght y-horc,
By days or by nyght.
ffor-thy they namc hem that stounde
A knyght of tabulle round,
As maked is in the mappe-mound
In storye füll ryght
Was für ein veranlass liegt hier vorV Da die reimstellung
die der schweifreimstrophe ist, könnte man versucht sein, die
längeren verse Wer-, die kürzeren dreitaktig zu lesen; aber man
wird sehr bald die Unmöglichkeit dieser scansion erkennen:
ein kleiner teil der längeren verse Hesse sich zwar so fassen,
die m ehrzahl ist aber entweder gar nicht in dieses Schema
zu bringen oder nur, wenn man vielfach fehlen der Senkung
annimmt, während sonst in diesen balladen ziemlich regel-
mässig hebung und Senkung wechselt. Die kürzeren veree
fügen sich gar nicht. Auch wenn man versucht, diese zwei-
taktig, die längeren dreitaktig zu lesen, kommt man zu keinem
befriedigenden rhythmus; ausserdem sind derartige schweifreim-
MITTßLENGUSCHE METRIK. . 441
Strophen im Mittelenglischen gar nicht belegt (Schipper, Metr.
I, 353 ff.). Vergleicht man nun diese verse mit den früher
besprochenen, so erkennt man sofort, dass wir hier dasselbe
metrnm vor ans haben: den zweihebigen vers.1 Die halbverse
der stabreimzeile, die wir früher nur im anschlnss an lang-
zeilen fanden, treten also hier selbständig auf. Dass der Stab-
reim schon recht vernachlässigt und verwildert ist, beweist
nichts gegen diese auffassang. Aach im Altenglischen erhielt
sich die rhythmik des verses länger in ursprünglicher reinheit
als die setzung der stäbe (vgl. Sievers, Beitr. X, 451) and da
der rhythmus das wesen der dichterischen form aasmacht, ist
dies auch in der natur der sache begründet.
In derselben vers- and strophenform ist eine andere im
Thornton-ms. überlieferte 'roraance' geschrieben, Sir Perceval
of Gattes (Halliwell 8. 1 ff.). Die setzung der stäbe dürfte etwas
besser zu nennen sein als im früheren denkmal. Bemerkenswert
ist die, wenn auch nicht vollkommen durchgeführte strophen-
verkettung: jede erste zeile widerholt die worte der letzten
zeile der vorangehenden Strophe. Da der anfangsvers der
strophe einer ersten halbzeile, der schlassvers einer zweiten
entspricht, also verschiedenen baues sind, so kann die wider-
holung, auch wenn sie syntaktisch möglich ist, keine wörtliche
sein; es ist nun lehrreich zu beobachten, wie der dichter diesem
rhythmischen unterschiede gerecht zu werden sucht Er fügt
reine flickwörter ein; so:
Norv of justyngez thay teile 8, 1
There he lygges in the felde 5, 1
Withowttene any mercy 58, 1
With thaxre wapyns in thaire bände 72, 1;
oder ein He says, He sayde, obwol es vorher an einem inquit
nicht gefehlt hat (35, 1; 36, 1; 37, 1; 62, 1; 68, 1 u. s. w.); oder
er erweitert durch schmückende beiwörter; z. b.:
With wilde bestez for to playe 12, 1.
Wenn daher gelegentlich der schlassvers der Strophe za lang
ist für das ausmass eines zweiten halb verses, aber wörtlich
übereinstimmt mit dem anfangsverse der nächsten strophe, so
1 Ich unterscheide mit Schipper vier- und zweiheb ige verse von
vier-, drei-, zwei takt igen. Erstere sind die nacbkömmlinge des alteng-
lischen Stabreim verses, letztere die nacbbildungen fremder metra und lassen
im prinzip regelmässig hebung und Senkung wechseln (vgl. Schipper, Engl.
Metr. I, 258).
442 luick,
haben wir gewiss fehler des Schreibers vor uns, der bereits
die folgende zeile im äuge hatte.
Dieselbe strophenforra liegt noch vor in The Avowynge of
King Arther, Sir Gatvan etc. (Robson, Three Early Engl. Metrical
Komances 1842, s. 57 ff.), The Disputation bytwen a Crysten Man
and a Jeroe (Horstmann, Sammlung altengl. Leg., 1878, s. 204)
und The Tale of the Smyth and his Dame (Horstmann, Altengl.
Leg., neue folge, s. 322), hier, wie es scheint, durch die Über-
lieferung verderbt. Ein sehr später ausläufer ist das gedieht To
AU False Fiattering Freemen of Cambridge (Hartshorne, Ancient
Metrical Tales, London 1829, s. 222 ff.), wol unter denselben
südlichen einflüssen stehend wie das früher angeführte lied
auf die gefangennähme Fraser's.
Die einfache schweifreimstrophe {aabccb) aus zweihebigen
versen findet sich in dem gedieht The Feesl, einem anhang zum
Turnier von Tottenham (Hazlitt a. a. o. III, 93, als A Bailad auch
gedruckt bei Hartshorne a. a. o. s. 145, hs. aus dem ausgange
des 15. Jahrhunderts) und dieselbe strophe verdoppelt in der
reimstellung aabccb ddbeeb in Roidand and Vernagu (E. E. T. S.
Extra Ser. 3S, s. 37 ff.), wenn auch der versbau anfangs recht
holprig ist und erst etwa von der 38. strophe (v. 437) an etwas
glatter wird. Dieselbe strophe in der reimstellung aabaabccbddb
liegt zu gründe in Lybeaus Disconus (ltitson, Ancient Engleish
Metrical Komances, London 1802, II, 1 ff.; auch in Percy's
Folio-ms., ed. by Haies and Furnivall II, 415 ff.).
Aber es ist eine wichtige einschränkende bemerkung zu
machen. Unser metrum tritt keineswegs immer so deutlich zu
tage wie es nach den oben gegebenen proben scheinen möchte.
So lautet der anfang von Sir Degrevant im Thornton-ras. (vgl.
Schleich, Engl. Stud. XII, 141):
Jhcsu, lordo in trynite,
Gn&untc f>am hevenc forto sec,
I»at luffes gamene and glec
And gestis to fede.
Die ersten zwei versc würden sich bequem als viertaktige lesen
lassen. Und vollends der anfang von Lybeaus Disconus:
Jhosu Cryst, our savyour,
And his modyr, that swete flour,
Helpe heni at her nede,
That harkeneth of a conquerour,
Wys of wytte and whyght werrour,
And doughty man in dede etc.
MITTELENGLISCHE METRIK. 443
Die ganze erste Strophe (12 zeilen) kann als schweifreim-
strophe aus vier- und dreitaktigen versen gelesen werden, sie
ist sogar — für unser ohr wenigstens — in dieser scansion viel
wollantender. Und doch verbietet ans eine dnrchsieht des
ganzen gedichtes gleichtaktige verse anzunehmen; man ver-
gleiche etwa mit dem angeführten stüek die verse 97 ff.:
Wythoute more resoun
Duk, erl and baroun,
Whesch and yede to mcte;
Of all manere fusoun,
As lordes of renoun,
Ynowgh they hadde ete.
Das sind deutlich zweihebige verse. Zeilen dieser art und
solche, wie sie vorhin angeführt wurden, sind aber keineswegs
scharf von einander geschieden, sondern bunt vermischt. —
Und auch wo zweihebige verse im anschlüge an langzeilen auf-
treten, sind in späteren denkmälern solche erscheinungen be-
merkbar. Man vergleiche z. b. folgende zwei Strophenausgänge
aus The Tale of the Basyn:
VIII. And £et thu may not the XIV. Hir hert began to glade
Perdy, thu was my faders eyre She anone rijt thoo
Off howse and londe, that was so feyre, Slew a capon or twoo,
And ever thou lyves in dispayre; And other gode mete ther-too
What deuoll, how may this be? Hastely she made.
Namentlich bemerkenswert in dieser beziehung ist aber
das Dunbar zugeschriebene gedieht The Droichis Part of the
Play (Laing II, 37). Die erste Strophe lautet:
Harry, harry, hobillschowe!
S6 quha is cummyn nowe,
Bot I wait nevir howe,
With the quhorle wynd?
A ferjand owt of Soldane land,
A gyand sträng for to stand,
That with the strenth of my band,
Beres may bind.
Der gleichtaktigen scansion setzen sich, wenn auch nicht in so
grossen masse, dieselben bedenken entgegen, wie in früheren
denkmälern; namentlich die kürzeren verse sind ganz wie zwei-
hebige gestaltet. Aehnlich ist der bau der verse in den fol-
genden drei Strophen und wider sind besonders die kürzeren
deutlich (Farleis to find 12; Licht as the lynd 16; Grete of re-
noune 20; Of all this faire Totvne 24; With a hie sowne 28);
findet sich unter ihnen ja auch der typus Ct (28, vielleicht 24).
444 luick,
Die schlusszeile der vierten atrophe dagegen lägst schon drei-
taktige scansion zu (My eldaris bair the crownc 32) und dio
fünfte Strophe setzt ganz anders ein als die früheren:
My fore grantschir, hecht Fyn Mac Kowle,
That dang the de vi 11, and gart bim yowle,
The skyis ranyd quhen he wald scowle
And tniblit all the air.
In dieser art geht es fort: das sind unzweifelhaft vier- und drei-
taktige verse. Sie heben sieh aber ganz deutlieh ab von den
früheren und zeigen, dass diese anders zu fassen sind.
Wir müssen also annehmen, dass an stelle der zweihebigen
verse in späterer zeit vier- und dreitaktige traten, diese für
zweite, jene für erste halbverse. Zum überfluss besitzen wir
auch geradezu ein zeugniss dafür in einer der bekannten stellen
in könig Jakob's Revlis and Cavtelis, welche vom 'Tumbling-
verse* handeln (vgl. Schipper, Engl. Stud. V, 490 f.). Gemeint
sind mit diesem ausdruck Strophen aus gereimten stabversen.
Nach seinen Weisungen sind sie wesentlich anapästisch zu lesen,
wobei die uns geläufige scansion mit vier hebungen heraus-
kommt. Ausdrücklich nimmt er jedoch davon ans 'the short
lynes of aucht in the hinder end of the verse (= Strophe), the
quhUk flowis as vther verses dois'; und von diesen sagt er früher,
sie halten die regel ein: 'the first fute1 short the secound lang,
and sa furth\ d. h. sie haben jambischen rhythmus. Am ende
des buches gibt er als beispiel des 'Tumbling- verse' eine drei-
zehnzeilige Strophe der art, wie wir sie zu beginn besprochen
haben (ababababc,dddc); die kurzverse lauten nun:
Bosydc a pot baith auld and worne,
This bratehard in ane bus was bornc,
They fand a monster on the morne,
War facit nur a cat.
Diese zeilen ergeben, nach könig Jakob's angaben gelesen,
deutlich vier- und dreitaktige verse.
Man wird aber auch den abstand dieser kurzzeilen von
denen in Sus., AA, GG u. s. w. merken und nicht aus diesem
zeugniss schliessen wollen, dass die kurzverse in solchen
Strophen von jeher gleichtaktig waren. Weitere beispiele ftür
diese art des abgesanges kommen recht häufig vor in der dra-
1 fnt bedeutet hier 'silbe', wie pied im Altfranzösischen (vgl. Toblor,
Vom aftfr. Versbau s. 68).
MITTBLENGLISCHB METRIK. 445
matischen dichtnng des ausgehenden mittelalters (vgl. Schipper,
Engl. Metr. I, 392 ff.).
Da nnn die gleichtaktigen verse an stelle der zweihebigen
in späteren gedichten, erst im 15. Jahrhundert, auftreten, da
ferner denkmäler, welche bald die eine, bald die andere
scansion zu erfordern scheinen, uns deutlich einen Übergang
zwischen beiden veranlassen aufweisen, so haben wir gewiss
nicht an ein gleichberechtigtes nebeneinanderbestehen zweier
verschiedener bildungsarteu des abgesanges zu denken, son-
dern wir müssen annehmen, dass der zweihebige vers durch
gleichtaktige allmählig verdrängt wurde. Wie wir uns dies
vorzustellen haben, ist fraglich. Zwei möglichkeiten bieten
sich. Entweder standen sich die beiden versmasse so nahe,
dass sie sich im rhythmischen geftihl der dichter vermengten,
und minder geschickte bald in das eine, bald in das andere
hineingerieten. Oder die zweihebigen verse, die ja von anfang
an gern eine gewisse fülle zeigen, haben durch verlang-
samten Vortrag und durch das hervortreten von senkungs-
silben (namentlich der nebentöne) wirklich neue hebungen ge-
wonnen, die Strophen oder strophenteile, in denen sie auf-
traten, wurden den schweifreimstrophen aus gleichtaktigen
versen ähnlich und dies bewirkte eine völlige angleichung.
Das letztere ist wol wahrscheinlicher; es wäre begreiflich,
dass die halbzeile des stabreimverses weniger Widerstands-
kraft gegen ausgleichende cinflüsse besass als die langzeile,
dass sie, ihrem ursprünglichen, uralten zusammenhange ent-
rissen, bald ihre lebensfähigkeit verlor. Mitten in diesem
übergange stünden verse wie die in Lybeaus Disconus. Volles
licht könnte indess über diesen sehr bemerkenswerten Vor-
gang, der allerlei fragen nahe legt, erst eine nähere Unter-
suchung verbreiten.
Zum schluss sei noch auf eine eigentümliche bildung hin-
gewiesen, die von den bisher betrachteten abweicht und, wie
es scheint, vereinzelt dasteht: der gereimte abgesang in den
strophenartigen abschnitten des Syr Garvayne; z. b.:
1 6 ff. Where werre & wrake & wonder
Bi syj>ez hatz wont j?er-inne
& oft boj?e blysse & blunder
Ful skete hatz skyfted synne.
33 ff. As hit is stad & stoken
In stori stif & strong
446 luick,
With lel letteres loken
In londe so batz ben longe.
Wir haben hier nur erste halbverse, in der Stellung abab
reimend vor uns, während sonst immer erste und zweite ver-
bunden auftreten. Zumeist sind sie hier auch schon sehr ge-
längt, als ob sie im Übergänge zu gleichtaktigen versen be-
griffen wären; auffällig ist aber noch ferner, dass sie sich nicht
wie sonst vier-, sondern dreitaktigen versen nähern.
IL Der einflnss des endreims auf die rhythmik
des verses.
In meiner Untersuchung der rhythmik der mittelenglischen
stabreimzeile (Anglia XI, 392 ff. u. 553 ff.) habe ich jene dich-
tungen, welche ausser dem Stabreim auch noch den endreim
verwenden, ausgeschlossen, da eine beeinflussung der rhythmik
durch den letzteren von vorneherein wahrscheinlich war. Bei
einer durchsieht der hierhergehörigen denkmäler hat sich mir
ergeben, dass eine solche beeinflussung in der tat besteht, ihr
grad aber sehr verschieden ist Es lassen sich mehrere rieh-
tungen metrischer technik erkennen, die ich in meinem bei-
trage zu Paul's Gruudriss der germ. Philologie in aller kürze
zu kennzeichnen versuche. Eine eingehende einzelnntersuchung
hätte dies weiter auszuführen. Auf gewisse folgen der anwen-
dung des endreims jedoch, welche, wenigstens im 14. Jahrhun-
dert, allen richtnngen gemeinsam sind und in den epischen
dichtungen des nordens und nördlichen mittellandes allein den
unterschied zwischen dem gereimten und dem reimlosen stab-
verse ausmachen, wollen wir im folgenden näher eingehen.
In den zu Strophen gebundenen langzeilen bleibt der erste
halbvers unberührt vom reim; sein bau ist daher auch derselbe
wie im reimlosen stabverse. Im zweiten halbverse sind auf-
fällig und abweichend gebaut zunächst fälle wie die folgenden:
w* bis knyghtehede AA S, 4 of |>at tresone AA 23, 5
at a rydynge AA 23, S with ane castell GG 44
that wes riebest GG 520 in that seniblee GG 214.
Man könnte geneigt sein, zunächst die fälle mit romanischen
Wörtern nach dem typus A, zu skandieren, also tvith ane castell,
in that semblee, und danach auch an touverschiebung in ger-
manischen Wörtern denken, wie sie in den gleichtaktigen metren
Üblich ist, also lesen: dt a rydynge u. s. w. Bei einer genauen
L'^i..
MITTELENGLISCHE METRIK. 447
Untersuchung der Verhältnisse ergeben sich indess, namentlich
aus GG, einer dichtung, welche in der Setzung der stäbe genau
ist, hinweise, die mir diese möglichkeit auszuschliessen scheinen.
1) In allen zweiten halbversen des GG ausser den fraglichen
trägt die erste hebung den Stabreim, zumeist auch die zweite,
selten die zweite allein (40, 148 u. s. w., im ganzen 21 fälle).
Ganz vereinzelt finden sich verse, in denen beide hebungen
des Stabreimes entbehren (147, 165, 267, auch 123). Durch jene
betonung nun würde eine grosse zahl von fällen der letzten art
herauskommen. Zudem würde der Stabreim, der doch sicher-
lich beabsichtigt ist, auf eine silbe zwischen den hebungen
fallen, ohne dass eine von diesen an ihm teil nähme, eine
eigenttimlichkeit, die sonst gar nicht vorkommt. 2) Die erste
hebung des zweiten halbverses, mag sie nun alliterieren oder
nicht, wird immer von einem vollwort gebildet (subst., adjekl,
verb.). In allen jenen fraglichen fällen gehen aber minder ge-
wichtige Wörter, präpositionen, Konjunktionen u. dergl. voran.1
Wenn der dichter die betonung castell, rydynge beabsichtigt
hätte, so würde er dafür sorge getragen haben, dass ein voll-
wort vorausgeht. Dies kommt nun in der tat manchmal vor
und da trägt auch immer dieses vollwort den Stabreim; so:
kene and crueü 46 and braithly bledand S70
I teil you treuly 507 lang and lufly 922,
(im reim auf well, teil, castell; hand, land, hand u. s. w.), verse
also, welche offenbar unter den typus At, (x)-xx-i fallen
(vgl. noch 924, 973, 1091, 1196, 1239, 1246, 1265; dazu mit
unregelmässigem Stabreim 1303, 1311).
Man könnte noch an eine andere möglichkeit denken, sowol
für die früher angezogenen fälle als für diese, nämlich zu betonen:
ät a rydynge kene and cruell
with ane castell I teil you treuly.
Gegen diese auffassung von fällen der ersteren art spricht
schon das oben unter 2) angeführte. Aber für die zweite
gruppe könnte sie deswegen empfehlenswert erscheinen, weil
auf diese weise die zwei mit dem Stabreim versehenen silben
in die hebung treten. Indess, es kommt ja oft genug vor,
dass ein stab in die Senkung fällt, sobald die normale anzahl
von Stäben bereits vorhanden ist; man denke an die ersten
1 Nur einmal v. 1211 his grete kyndnes ein adjektiv. Dieses wort
aber erscheint auch sonst minder betont, vgl. Anglia XI, 397.
448 lüick,
halbzeilen mit drei Stäben. Ferner würden wir durch jene
annähme eine grosse anzahl von versen erhalten, die ich 'ver-
kürzte' genannt habe, d.h. halbzeilen, welche statt zweisilbiger
erster Senkung nur einsilbige aufweisen (vgl. Anglia XI, 417).
Solche kommen in G6 gelegentlich vor:
as flour vnfild 352 (: child, mild)
to say at saw 409,
aber so viel ich sehe, kaum mit klingendem ausgang. Es ist
daher nicht sehr wahrscheinlich, dass der dichter durch diese
fälle ihre anzahl so bedeutend vermehrt hätte. — Zum teil noch
deutlicher liegen die Verhältnisse bei dem älteren AA. Hier
werden verkürzte verse, wie wir weiter unten darzulegen ge-
legenheit haben werden, in noch geringerer zahl zugelassen;
nur sechs sind gesichert. Dagegen finden sich 15 durch alle
handschriften beglaubigte fälle wie wi his knyghtehede 8, 4 und
zwei der art wie to make thy menynge 19,4.
Es bleibt also nur mehr eine scansion übrig: die nach dem
typus C, beziehungsweise C|i
at a rydynge
with ane cnstell.
Diese behandlung des nebentons ist in dem reimlosen stabverse
selten. Während im Altenglischen zweite teile von compositis
und schwerere ableitungssilben sehr gern für die zweite hebung
von C verwendet wurden, ist dies im Mittelenglischen auf com-
posita eingeschränkt und auch hier nicht sehr häufig. Wir
haben also ein zurückgehen auf eine altertümliche betonungs-
weise vor uns und wir erkennen leicht, wieso die dichter
dazu kamen. Durch die gleichzeitige gesetzmässige anwen-
dung des eiid- und Stabreims konnte ein gewisser widerstreit
erzeugt werden; der letztere forderte die entschiedene betonung
der Wurzelsilbe, für den ersteren waren nebentonige ableitungs-
und flexionssilben (-y, -ly, -hu/, -est) sehr bequem, namentlich
wenn, was gewöhnlich der fall ist, der dichter mehr als zwei
reimworte benötigte. Das beispiel der gleichtaktigen verse,
in welchen ja jene silben häufig auf kosten der Wurzelsilbe
zum reim herangezogen wurden, musste den gegensatz ver-
schärfen. Um nun diesen entgegengesetzten anforderungen
gerecht zu werden, griff man zunächst auf eine altertümliche
rhythmische betonung zurück und das war in der tat eine
untadlige lösung der Schwierigkeit Aber diese neubelebung
MITTELENGUSCHE METRIK. 449
eines bereits im absterben begriffenen branches mochte doch
dem sprachgeiste und der betonungsentwickelnng zn wenig
entsprechen, nm unbeschränkte geltung zu erlangen; es drang
doch anch jene tonverschiebung ein, wie sie in den gleichtak-
tigen metren herrschte und gewann mit der zeit an Verbreitung,
obwol die der stabreimdichtung allerdings angemessenere be-
tonung rydynye, cdstell die häufigere, die gewöhnliche blieb.1
Es ergibt sich also eine sehr einfache regel für die scansion
des zweiten halbverses: die erste hebung trifft die Stammsilbe
des ersten vollwortes, die zweite die reimsilbe; in welchem ab-
stände beide von einander stehen, kommt nicht in betracht
Dieselben erscheinungen, wie die besprochenen, kommen
auch bei anderen typen vor. So:
and füll chevailnis GG 391
for his paramöur GG 538,
gegenüber: ^ and ^^ QG 389
that pruuit paramöur GG 654.
Weitere belege finden sich in allen anderen hiehergehörigen
dichtungen. —
In den kurzzeilen der aus stabversen gebildeten Strophen
werden nach unseren früheren ausftthrungen sowol erste als
zweite halbverse vom reime berührt Die letzteren zeigen hier
ganz dieselben eigentümlichkeiten wie in den langzeilen, ein
neuerlicher beweis, dass wirklich zweite halbzeilen vorliegen. So:
Of }>at profete Sus. 364 All my leuing GG 1076
To faire söpere AA 26,13 With outin distänce GG 1362.
Wie steht es nun aber mit den ersten halbzeilen?
Welchen einfluss übte hier der endreim aus? Man könnte, da
die Ursache dieselbe ist, auch dieselbe Wirkung erwarten wie
im zweiten halbvers, also jenes zurückgreifen auf eine alter-
tümliche betonung, wie riding; was aber bei dem knapperen
bau der zweiten vershälfte möglich war, konnte nicht auch auf
den eine grössere fülle erfordernden ersten halbvers übertragen
werden. Die gesammte mittelenglische stabreimdichtung zeigt
eine abneigung gegen den gebrauch des typus C im ersten
halbvers; um so weniger mochte man den typus Cx hier zu-
1 In der Sus. bilden die zweiten halbverse mit dieser letzteren be-
tonung 3 prozent der gesammtanzahl, die mit ton Verschiebung 0,3 prozent;
ähnlich steht das verhältniss in AA (2,4 : 0,3) und GG (5 : 1,3), die zunähme
der fälle mit ton Verschiebung ist aber doch deutlich.
Angli*, XU. band. 29
450 LUICK,
lassen. Es blieb also nichts Übrig, als jene bequemen reim-
gilben überhaupt zu vermeiden oder sie mit tonverscbiebung
zu gebrauchen, wie sie ja auch in der zweiten vershälfte neben
der korrekten betonung vorkommt und immer mehr an ans-
dehnung gewinnt. In der tat können wir beobachten, wie
anfangs solche fälle gemieden, aber im laufe der zeit immer
mehr zugelassen werden. In der Sus. bilden die ersten balb-
versen entsprechenden knrzzeilen, welche mit tonverscbiebung
reimen, 7 prozent aller solcher kurzverse, in AA 11, in 6G
25 prozent.
'Tonverscbiebung' sagten wir, indem wir uns vorläufig eines
ausdrucks bedienten, der für entsprechende erscheinungen im
gleichtaktigen reimverse allgemein üblich ist Dass aber in
den besprochenen fällen, sei es nun am ende der langzeilen
oder der halbverse, wirkliche tonverscbiebung eintrat, wie
sie ten Brink für die gleichtaktigen metren bei Chaucer an-
nimmt, bezweifle ich sehr. Es ist bemerkenswert, dass alle
fälle nur an einer versstelle vorkommen, dem versende, wäh-
rend sie in den glcichtaktigen metren auch sonst zu treffen
sind: man griff offenbar zu einer dem weseu des Stabreim-
verses ganz und gar zuwiderlaufenden freiheit, nur um die
nötige anzahl von reimwörtern herbeizuschaffen, was bei der
grossen zahl der ausserdem geforderten stabwörter nicht leicht
war. Wahrscheinlich wird man also durch schwebende be-
tonung den hier mehr als in gleichtaktigen metren ins ohr
fallenden widerstreit zwischen wort- und verston zu verschleiern
gesucht haben.
Wir haben im voranstehenden nur zweisilbige Wörter im
ange gehabt; anders stand es mit dreisilbigen der gestalt IxxS
wie sie häutig am Schlüsse der ersten halbzeileu vorkamen.
Hier konnte ohne beeinträchtigung des rhythmus der neben-
ton zum reim verwendet werden. Wir werden also zu sean*
diereu haben:
(hier heor hedes gon hyng
)>c wince and \>u wederlyng. Sus. 101 f.
|>ou Brak godes Coniaundeuient
To sie such an Innocent
with cny fals Juggement. Sus. 322 ff.
t \
1 Dreisilbige Wörter mit der betonung -xx seheinen, so weit sie
Überhaupt an dieser versstelle vorkommen, bereits zweisilbig geworden
zu sein.
MITTELENGLTSCHE METRIK. 451
Wen diese scansion unwahrscheinlich dünkt, der vergleiche
damit, was das verhältniss von reim und rhythmus betrifft,
ganz gleich gebaute fälle aus neuenglischen gedieh ten, wie
'Väin rvere Us melody, Böse rviihout thie* und andere, die
Schipper, Engl. Metr. II, 145 f., angeführt hat, sowie deutsche
volkstümliche lieder, z. b.: 'Brause du freiheitssang , brause wie
donnerklang9 und die bemerkungen Stolte's über solche fälle
in seinen 'Metrischen Studien über das deutsche Volkslied'
(Jahresbericht über das realgymnasium zu Crefeld 1882 — 83)
s. 30 ff. — lieber die auffassung ähnlich gebauter versausgänge
am ende des 16. Jahrhunderts (1589) haben wir ein lehrreiches
zeugniss in einer bemerkung Puttenham's in seiner 'Arte of
English Poesie', s. 187 des Arber'schen neudrucks. Er sagt vom
daktylus, er sei 'tnost vsuall and fit for our vulgär meeter and
most agreeable to the eare, specially if ye ouerlade not your verse
with too many of them but here and there enterlace a Jambus or
some other foote of two times to giue him grauitie and stay, as
in this quadrein Trimeter or of three measures.
Rendttr ägäine mfe tlbVrtte
and set yoür capdue free
Glortoüs Js ttä vietörfe
Cönqutfröurs üse rvWi leriifte.
Where ye see euery verse is all of a measure and y et vnegall
in number of sillables'. Aus Puttenham's Worten wie aus seiner
bezeichnung geht hervor, dass für ihn alle verse gleichmässig
drei hebungen hatten, also nicht etwa die reimenden nebentöne
in den dreisilbigen Wörtern als neue hebung galten. —
Der endreim ändert also im stabverse zunächst nur die
Verwendung des wortmaterials in etwas; die rhythmik des
verses bleibt dieselbe. Im norden des landes, der ja auch in
sprachlicher hinsieht sich als viel konservativer erweist, behält
der vers von gewissen, auch im reimlosen stabverse üblichen,
Überladungen der ersten halbzeile abgesehen, auch fllrdcrhin
diese gestalt. Es ist sehr bezeichnend und ein neuerlicher
beweis, wie tief die alten typen dem rhythmischen geflihle
jener zeit eingeprägt waren, dass noch in der von könig Jakob
als beisjiiel für den Tumbling-verse angeführten Strophe (siehe
oben s. 444) genau die gesetze eingehalten werden, welche in
der stabreimzeile des 14. Jahrhunderts gelten. Die kennzeich-
nenden unterschiede zwischen erstem und zweitem halbverse
29*
452 lüick,
treten deutlich zu tage, das normale ausmass des verses wird
weder nach oben noch nach unten hin Überschritten. Aber auch
die rhythmische mannigfaltigkeit der stabreimzeile ist keines-
wegs, wie man erwarten könnte, einem streben nach gleich-
taktigkeit gewichen; unter den neun zweiten halbzeilen finden
sich zwei nach dem typus C{:
Ay trott and into troupes fra the twylicht 4
The king of Fary with the Court of the Elf quene 7,
(wahrscheinlich gehört auch 2 nou gif I reid rieht hierher) and
einer nach B(V
In the hinder end of harnest vpon Alhällow ene 1.
Es ist zu bedauern, dass der vierhebige vers nicht in dieser
nördlichen form weiterlebte.
III. Zu <The Awntyrs of Arthure'.
Lübke sagt in seiner oben s. 437 angezogenen dissertation,
in AA seien viersilbige halbzeilen nach der cäsur sehr häufig
(z. b. I, 2, 6, 8; II, 2, 5, 8), seltener vor der cäsur (II, 4; V, 1 etc.).
Die halbverse, worauf hier bezug genommen wird, sind:
als the büke tellis I, 2 |>* hir hede hydys II, 5
to \>* depe dellis I, 6 )>at the rayne schrydes II, S
by frythis, and fellis I, 8 Raylede w* rubes II, 4 a
|>at glemet füll gaye II, 2 Alle darkis the dere V, la.
LUbke nimmt also für dieses gedieht bereits verstummung des -e
in den endungen -es, -ed an. Das ist aber nicht statthaft. Wie
Murray in seinem aufsatze 'The Dialect of the Southern Counties
of Scotlaud, (Transactions of the Philological Society 1870—72)
s. 151 ausfuhrt, war zwar im Schottischen schon seit ungefähr
1340 dieser vokal stumm, aber in 'sustained poetry' — und zu
dieser müssen wir AA rechnen — galten noch bis ins 16. Jahr-
hundert jene endungen als eigene silben. In der tat finden
wir noch in 66 (ende des 15. Jahrhunderts) den reim deuinis:
tnine is 1228 f. und eine ganze reihe solcher reime in The Büke
of the Howlat und Douglas' prolog. Murray gründet seine
behauptung nur auf den gebrauch in gleichtaktigen metren;
indess auch die stabreimzeile gibt unzweifelhafte hinweise in
dieser richtung. Durch die annehme Lübke's würde eine sehr
grosse anzahl von verkürzten versen entstehen; diese sind nun,
abgesehen von den in rede stehenden fällen, ausserordentlich
selten. So viel ich sehe findet sich kein fall, der von allen
MITTELENGLISCHB METRIK. 453
drei handschriften überliefert würde.1 Diejenigen, welche sich
nur in einer finden (I weist ihrer am meisten auf), können wir
füglich als zu wenig gesichert bei seite lassen.2 Durch zwei
handschriften gestützt sind folgende zweite halbverse:
LD: füll thikke folde 4,9
He carf downe clene 47, 5
stände vp ryght 51, 7
LI: \>e sone schane schene (wex clere /) 26,4
of brynt golde bryghte 27, 4
DI: (was /) prodly pight 28,2.
Weniger sicher ist:
LD: to make repaire 53,8;
vielleicht liegt Cj vor. Im ersten halbverse bieten LI:
A knyghte sali kenly 23,1.
Wie man sieht, wird zumeist die einsilbige Senkung durch ein
gewichtigeres wort gebildet, wodurch für den ausfall der anderen
seukungssilbe ein gewisser ersatz geschaffen wird (vgl. über
ähnliches in anderen denkmälern Anglia XI, 417 f.). Verkürzte
verse werden also nur sehr sparsam und nur unter erleich-
ternden bedingungen zugelassen. Nähmen wir aber verstummen
des -e in -es und -ed an, so würde sich die zahl dieser fälle
(ohne dass jene bedingung einträte) ganz ausserordentlich
steigern; denn diese endungen werden häufig an der stelle
einer der zwei normalen senkungssilben gebraucht:
by frythw, and fellis I, 8
}>at glemet füll gaye II, 2
ferner: -es IV, 2, 3, 5, 6, 11, 13; V, 2, 4, 5, 9; VII, 1, 7 u. s. w.;
-ed IV, 10; VI, 6; IX, C; XII, 9 u. s.w. Dies beweist, dass sie
noch als eigene silben gesprochen wurden.
Viersilbige zweite halbverse kommen allerdings vor:
by a grene welle III, 2
trewely to teile III, 8.
Sie gehören den typen C^ und A2 an.
Wien. Karl Luick.
1 Ich benutze L nach dem druck in Madden's Syr Gawayne, I nach
dem abdruek Robson's (Three Early Engl. Metr. Rom.), D kenne ich nur
aus den Varianten bei Madden.
2 Ihre anzahl ist übrigens auch nicht gross. In I finde ich 11 (23, 1; 28,8;
33,4; 35,8; 3S,1,6; 47,2; 51,1,3; 52,4a) in L 3 fälle (5,3; 13,7; 55,6).
EIN BRIEF EMERSON'S.
Concord, 30 April, 1848.
My Dear Wiieeler.
It is very late for me to begin to thank you by letter for your
abundant care and supply of my wants, and, to point the reproach, here
has come this day as I am putting pen to paper to send by Mr. Mann *
to morrow, a pair of books from Mr. Weiss*, brought froin your own
hands. Two füll letters I have received, & printed the substance of the
same3, & had tbe reading of a part of two more addressed to Robert
Bartlctt* since I wrote you. But, all winter, from 1 Jannary to 10 March,
I was absont from home, at Washington, Baltimore, Phila. & N. Y., &
would not write letters to Germany, on the road. — What shall I teil
you. Our Dial, enriched by your manifold Intelligence, yet languishes
somewhat in the scantiness of purchasing patrons, so that Miss Peabody*
wrote me at N. Y. that its subscription-list did not now pay its ex-
penses. I hoped that was a hint not to be mistaken, that I might
drop it. But many persons expressed so much regret at the tho't
of its dying, that it is to live one year more. Ellery Channing* has
written lately some good poems for it, one, cspecially, called "Death",
& a copy of vorses addressed by hiin to Elizabeth Hoar. Channing has
just rented the little || [p. 2] red house next below mine7, on the Turn-
pike, and is coming to live here next week. His friend, S. G. Ward, is
editing a volume (about the size of one of your TennysonV), of C.'s
poetry, whieh will appear in a week or two. Thoreau9 goes next week
to New York: My brother William at Staton Island10 has in vi t od him to
take Charge of the education of his son, for a year or more & the neigh-
borhood to the city offers many advantages to H. T.
Hawthorn* remains in his seat, & writcs very actively for all the
magazines. Alcott11 & I>ane remain also in their cottage. Wright has
withdrawn from them, & joins the Fourierists, who are beginning to buy
& settle land. These are all our village nows of any Import: only, next
weck, they begin to build a railroad, whieh may unseat us all, & drive
us into new solitudes. 1 do not notice any very valuable signa aboot
us in the litcrary & spiritual realm. Yet I found at Washington, & at
N. Y. some friends whom 1 greatly cherish. I thiuk our wide Community
* So im mauuskript.
FLÜGEL, EIN BRIEF EMERSON'S. 455
with its abundant reading, & a culture not dependant on onc city, but
taking place every whcre in detached nervous centres, promises to yield,
& already yields a great deal of private original unviolatcd thought &
character. Nature is resolved to make || [p. 3] a stand against the
market, which has grown so usurping & omnipotent. Every thing shall
not go to market; so she inakes shy men, cloistered raaids, & angels
in lone places.
Brook Farm12 is an experiment of another kind, where a hotbed
culture is applied, and everything private is published, & carried to its
extreme. I learn from all quarters, that a great deal of action & courage
has been shown there, & my friend Hawthorn almost regrets that he had
not remained there, to see the unfolding & issue of so much bold life.
He should have staid to be its historian. My friend Mr. Bradford writes
me from B. F. that he has formed several new friendships with old friends,
such new grounds of character have been disclosed. They nuraber in all
about 95 souls. — You will have heard of Carlyle's new work, "Past &
Present". I am just now printing it in Boston18 (from ms. partly) braving
the chances of piracy from New York. It is certain to be populär from
the fear of one class & the hope of another: and it is preliminary, Carlyle
seems to think, to Cromwell. It is füll of brilliant points & is excellent
history, true history of England in 1843. — You will have heard of Robert
Bartlett's illness, & the great anxiety of bis friends respecting him. He
went away, I heard, in good spirits, || [p. 4] & somewhat amended: but
his health is in a most critical condition. It is a great grief to me, who
was every year learning to value him more, though there has been some-
thing curious , as well as valuable, in his unfolding . . . Margaret Füller
thanks you for your account of Platen; and wishes further to ask you,
to send her a copy of the Vol. III 14 of Eckermann's " Con versations with
Goethe", which you announced. I will pay your brother for it.* You
have kindly offered to buy for me books or drawings, but I shall not
give you that trouble. I read little & not adventurously, but mostly in
old & proven books. You shall see & hear for me, and teil me what is
the hope of the new mines. Meantime I shall make an experiment on
the two new books you have sent me, or at least in person on Theodore
Mundt. Mr. Mann was to go to Berlin directly, & take on Dials to you;
I am sorry, he has changed his plan, & goes slower. In all good hope
& assurance, your friend, n TT/ ~
1 J ' R. W. Emerson.
Zur erkläruDg des mitgeteilten briefes sei kurz das fol-
gende bemerkt.
Charles Stearns Wheeler war ein amerikanischer gelehrter,
welcher als Tutor in Greek am Harvard College von 1838 bis
1842 tätig gewesen ist. In dieser eigenschaft gab er eine vor-
* SX
Am ende dieses satzes steht auf dem (zusammengefalteten, als
briefumschlag zugleich benutzten) b rief bogen die adresse: Charles Stearns
Wheeler. Darunter ein jetzt unkenntliches Siegel mit Umschrift.
456 FLÜGEL,
treffliche Herodotausgabe heraus (vorwort datiert 1. März 1842).
Neben seinem faehstudium war er eifrig literarisch tätig and
sein lebhaftes interesse an den neuesten erscheinungen der
englischen literatur hatte ihn mit Emerson bekannt gemacht,
der ihn auch bald für seine Carlyleausgabe als korrekter
gewann.
Emerson schreibt am C. Aug. 1838 an Carlyle (Corr. 1, 171)
in bezug auf seine ausgäbe der Miscellanies: 'I am sure you
will like our edition. It has been most carefully corrected by
two young gentlemen who successively volunteered their Ser-
vices (the second when the first was called away), and who,
residing in Cambridge, where the book was printed, could
easilier oversee it. They are Henry S. McKean, an engineer,
and Charles Stearns Wheeler, a Divinity Student, — working
both for love of you'. Mr. Carlyle erkannte bald die dienste
dieser jungen männer und schreibt (25. Sept 1838): 4For the
prcscnt, thank as is meet all friends in your world that have
interested themselves for me. Alas! I have nothing to give
but thanks. Henry McKean, Charles Wheeler, Convers Francis;
these Names shall if it please Heaven, become Persona for me,
one day\ Am 2. Dezember desselben Jahres dankt Carlyle
nochmals: 4To my two young friends, Henry S. McKean (be
so good as write these names more indisputably for me) and
Charles Stearns Wheeler, in particular, I will beg you to ex-
press emphatically my gratitude; they have stood by me with
right faithfulness, and made the correctest printing; a great
Service: had I knowu that there were such eyes and heads acting
in behalf of me there, I would have scraped out the Editorial
blotches too (notes of admiration, dashes, "We think"s, &c, &c,
common in Jeffrey's time in the Edinburgh Review) and London
misprints; which are almost the only deformities that remain
now. It is extremely correct printing wherever I have looked
and many things are silently amended; it is the most funda-
mental service of all'.
Emerson's Oarlyleansgabcn scheinen Wheeler zu einer
amerikanischen ausgäbe von Tcnnyson's gedichten angeregt zu
haben (vgl. anm. S). Wheelcr's hoffnungsreiche tätigkeit als
Schriftsteller. besonders in Verbindung mit dem neugegrttndeten
1 Dial \ wurde zu früh unterbrochen durch ein lungenleiden, Ar
welches er heilung 1842 in Europa suchte.
EIN BRIEF EMERSON'S. 457
Er scheint Carlyle in Cbelsea einen besuch abgestattet zu
haben1 und ging dann über Berlin nach Leipzig, wo er tief-
betrauert von seinen amerikanischen und deutschen freunden2
am 13. Juni 1843 im alter von fünfundzwanzig jähren seinem
leiden erlag.
Anmerkungen.
1. Horacc Mann (1796—1859), berühmter pädagogischer Schrift-
steller, besonders bekannt durch seinen Report of an Educational Tour
in Germany, Great Britain and Ireland 1843.
2. Rev. John Weiss (1818— 1880). Ursprünglich unitarischer geist-
licher, seit 1869 einer der leiter der freireligiösen bewegung, erwarb sich
grosses verdienst um die deutsche literatur mit seiner Übersetzung von
Schiller's philosophischen werken. Hauptwerk: biographie Theodore
Parker's.
3. Diese 'Letters' sind, nach Ireland's handexemplar des Dial, mit-
geteilt inCooke's vortrefflicher quellen Untersuchung; sie stehen Dial III,
no. 3 und no. 4; vgl. Journal of Speculative Philosophy, Concord, Mass.,
1885 (vol. 19, p. 225 ff.). — Ist der brief im 4. bände des Dial (no. 3):
4 Deutsche Schnellpost' ebenfalls von Wheeler? Wie lange wird Amerika
zögern, den Dial — ein hauptwerk aus der interessantesten periode seiner
literatur — wider zugänglich zu machen?
4. Allibone gibt den namen nicht.
5. MissPeabody(* 1804, noch am leben), besonders bekannt durch
ihre pädagogische tätigkeit. Sie führte die k indergart cd -schools in Amerika
ein. Ihre werke s. bei Allibone und J. S. Hart, American Literature p. 557.
Was Emerson an Wheeler schreibt, berichtet er auch an Carlyle am
29. April 1843 (Corr. II, 32): 'I have hardly space left to say what I would
concerning the Dial. I heartily hoped I had done with it, when lately
our poor, good, . . . Publishing Miss Peabody wrote me that its subscription
would not pay its expenses (we all writing for love). Bnt certain friends
are very unwilling it should die, and I a little unwilling, though very un-
willing to be the life of it, as editor'.
6. William Ellery Channing (* 1818), dessen gedichte zuerst 1843
erschienen, verdankt seinen ersten erfolg als dichter entschieden Emerson's
bemühungen, der schon 1840 im Dial (New Poetry — warum nicht in die
1 Emerson an Carlyle am 1. Juli 1842: 'Stearns Wheeler, the Cam-
bridge Tutor, a good Grecian, and the editor, you will remember, of your
American Editions, is going to London in August probably, and on to
Heidelberg, &c. He means, I believe, to spend two years in Germany,
and will come to see you on bis way; a man whose too facilc and good-
natured manners do some injustice to his virtues, to his great industry
and real knowledge. He has been corresponding with your Tennyson,
and editing his Poems here'. — Ob Wheeler wirklich bei Carlyle war,
vermag ich nicht anzugeben.
2 Zu den letzteren gehörte mein gross vater. der damalige amerika-
nische konsul zu Leipzig, Dr. Johann Gottfried Flügel, welchem Wheeler
den hier mitgeteilten brief aus freundschaft und dankbarkeit für seine
autographensammlung schenkte.
458 FLÜGEL,
gesaramt ausgäbe der werke Emerson's aufgenommen?) für den damals
noch gänzlich unbekannten dichter eintrat.
Emerson schreibt an Carlyle am 30. Oktober 1843 (Corr. II, 39): 'He
[nämlich Henry James] carried a volume of poems froin my friend and
nearest neighbor, W. Ellery Channing, whereof give me, 1 pray you, the
best opinion you can. I am determined he shall bo a poet, and you must
find him such1. — Eine zum mindesten ungezogene, sehr bissige und ober-
flächliche kritik über Channing's gedichte steht in E. A. Poe's Works IV,
256 ff. — Ich vermag nicht anzugeben, ob Elizabeth Hoar mit Samuel Hoar
in beziehung steht, welchem Emerson einen schönen nachruf widmete
(Works, X. bd., Lectures and Biographical Sketches).
7. Ueber ihre nachbarschaft s. anm. 6.
8. Vgl. s.45«.
0. Henry David Thoreau (1817— 1862), eine der anziehendsten
gestalten der amerikanischen literaturgeschichte. Aufsätze Über ihn von
Emerson (Works X, 421 — 452; Lectures etc.) und von Lowell, Study
Windows (ed. Garnett 1887, p. 137—152); LowelTs aufsatz — obwol mit
lobendem schluss — scheint Thoreau's Charakter nicht gerecht zu werden,
was Thomas Wentworth Higginson in seiner vortrefflichen skizze
Thoreau (Short Studies of American Authors, Boston 1888, p. 22 ff.) rügt.
Vgl. auch Garnett's Emerson s. 157. Es wäre zu wünschen, dass Thoreau,
der auch ausser seinem wald- und einsamkeitskultus genug des bedeu-
tenden bietet, auch in Deutschland bekannter würde, wozu W. H.Dirck's
gute (und billige) ausgäbe von 'Waiden' in der Camelot Series 1888 au
empfehlen ist.
10. Emerson an Carlyle von New York IS. März 1840 (Corr. I, 209):
'I am here on a visit to my brother, who is a lawyer in this city, and
lives at Staten Island'.
11. Emerson an Carlyle, 21. April 1840 (Corr. I, 285): *A Bronson
Alcott, who is a great man if he cannot write well, has come to Concord
with his wife and three childrcn and taken a cottage and an acre of ground
to get his living by the help of God and his own spade. I see that some
of the Education people in England have a school called "Alcott House"
after my friend. At home here he is despised and rejeeted of men as
much as was ever Pestalozzi. But the creature thinks and talks, and I am
glad of my neighbor'. Ueber Alcott (* 1 790) vgl. auch Garnett's Emerson p. 06
und über sein Mittle and lucklesB Community at Fruitland', eb. p. 10S. —
Ueber I^ane und Wright (vgl. anm. 15) vermag ich nichts anzugeben.
12. Ueber die bekannte Brook Farm-bewegung ist der abschnitt
in Emerson's grundlegendem aufsatze Historie Notes of Life and Letten
in New England (Works X, 338 ff.) zu vergleichen: 4Tho West Roxbnry
association was formed in 1841, by a Society of members, men and women,
who bought a farm in West Roxbnry of about two hundred acres, and
took posseRsion of the place in April. Mr. George Uipley was the Pre-
sident, and I think Mr. Charles Dana . . . was the secretary. Many members
took shares by paying inoney, others hcld shares by their labor . . . Many
persons attracted by the beauty of the place and the eulture and ambttkm
of the Community, joined them as boarders, and lived there for yeara.
EIN BRIEF EMERSON'S. 459
I think the numbers of this mixed Community soon reached eighty or
ninety souls. It was a noble and generous movement in the projectors,
to try an experiment of better living. They had the feeling that onr ways
of living were too conventional and expensive, not allowing each to do
what he had a talent for, and not permitting men to combine cultivation
of mind and heart with a reasonable amount of daily labor .... The
Founders of Brook Fann shonld have this praise, that they made what
all people try to make, an agreeable place to live in . . . It was a dose
union like that in a ship's cabin, of clergymen, young collegians, mer-
chants, mechanics, farmer's sons and daughters, with men and women of
rare opportunities and rare cultnre, yet assembled there by a sentiment
which all shared, some of them hotly shared, of the honesty of a life of
labor, and of the beauty of a life of humanity . . .'
In die literaturgeschichte führte Hawthorne die Brook Farm-bewegung
ein in seiner köstlichen Blithedale Romance. Eine volle geschichte der-
selben ist noch nicht veröffentlicht, aber angeführt in der History of Coope-
ration in the U. S. (Baltimore Johns Hopkins Univ. Studies in Hist and Pol.
Science, 1888, VI, 18): John T. Codman, of Boston, whose unpublished
History of Brook Farm was freely used by Mr. Frothingham in his Life
of Rev. George Ripley.
13. Ueber Past and Present vgl. Emerson's brief an Carlyle vom
29. April 1843 (Corr. II, 29) nnd die von Norton daselbst mitgeteilte tage-
bucbstelle s. 33. Ueber die amerikanische ausgäbe schreibt Carlyle an
Emerson vom 11. März und 1. April desselben Jahres.
14. Der dritte band Eckermann's erschien erst 1847, so dass. Mar-
garet Füller noch vier jähre warten musstel
15. (Zu anm. 11) Ich vermute, dass unter Wright an William Bull
Wright (Dr. Wright) gedacht ist (1838—1880), dessen Stedman in seinen
vortrefflichen Poets of America (s. 52) gedenkt Er gehört zu der dichter-
schule, welche Poe als die 'transcendental poets' geisselt.
Leipzig. Ewald Flügel.
ENGLISCHE KOLLEKTANEEN.
III.
Reise: journey, voyage, travel(s).
Während die erklärung Klöpper's (Englische Synoymik)
journey, nrspr. Tagewerk, tageszeit, daraus zunächst tagereise;
jetzt das gewöhnliche wort für reise' leicht irre führen
kann, ist doch auch die gewöhnliche1 Unterscheidung von
journey, landreise, voyage, Seereise2, travels^ lange, weite
und beschwerliche reisen, besonders entdeckungsreisen
in fremden Weltteilen für letzteres nicht ganz richtig.
Vielmehr deckt sich travels mit den verschiedenen bedeu-
tungen des verbs to travel wie auch von traveller als 1) jeder
reisende3, sei es zum vergnügen oder zu bestimmten zwecken;
2) geschäftsreisender4; 3) reisender5, bes. entdeckungs-,
forsch ungsrei sender.
Dass aber eine reise machen to make a journey oder
a voyage heisst, nicht aber to make a travel*, erklärt sich aus
dem umstände, dass travel eben abstrakt (das) reisen =
1 So u. a. auch Schmidt zu Dickens, Chr. Car. 27: 1 , 5, 7.
* Klöpper: 'See- und wasserreise, auch reise überhaupt*, richtig,
doch veraltet. Any journey, by land as much as by sea, was a voyage.
Trench, Engl. Fast and Present. 1S6. So: We have seen, in our voyage
through ltfet so many exceplions to it. Fielding, T. J. 2, 247.
3 Voyage wird in diesem sinne heutzutage doch nur vereinzelt ge-
braucht Ihe Maus and annoyances undergone by voyagcrs are fear
worse in the United States than on the shores of ihe Mersey, wo die rede
ist von der behandlung der dampferpassagiere seitens der Zollbeamten.
4 Auch commercial traveller, (geschäfts) reisender, daher commerdal-
hotel, ein von geschäftsreisenden besuchtes hotel, mit billigeren preisen. —
Dickens1 'Uncoiumercial Traveller' in den ( Household Words': beobteh-
tungen eines nichthandlungsreisenden.
•% Um mitglied des 'Travellers' Club' in Ixmdon zu werden, braucht
man keine entdeckungsreisen gemacht zu haben.
6 Das verbum to travel ersetzt den au sd ruck to make m travel, der
vereinzelt (s. oben beispiel von Stevenson) vorkommt; auf reiten gehen:
to go, sei out on travels. He is gone to travel. Shakn Per. 1, 8, 14.
SATTLER, ENGLISCHE KOLLEKTANEEN. 461
travelling bedeutet. Ans diesem gründe findet es sich denn
anch nur höchst selten und ausnahmsweise mit dem bestimm-
ten oder unbestimmten artikel the oder a, häufig dagegen — bei
Shakespeare zehnmal — mit einem possessiven pronomen ver-
bunden.
IIow many tveary steps
Are number'd in the travel ofone mite? Shak., L.L.L. 5,2,197.
Call it a travel thal thou tak'st for pleasure. Id. R.I1I. 2,3,262.
The Cruise of the Wallawy. A Travel for Temperance. Harp.
Mag. 1. 85, 210.
Thal general laxily came from his inordinate travel. Eliot,
Mddl. 1, 152.
He pursued his travel homeward. W. Irving, Sk. B. 301.
I am sorry for the cause that has cut short your travel. Payne,
By Proxy.
We began to make our toilsome and devious travel totvards the
eastern verge. Stevenson, Kidnapped 201.
Dieser gebrauch des abstrakten travel, der bei Shakespeare
vorherrscht l findet sich aber nicht allein in der älteren spräche.2
And having caught Garns and Aristarchus , PauTs companions
in travel, they rushed inlo the streets. Acts 19,29.
Travel is really the last step to be taken. Spectator 364.
The advantages of travel tvere by seeing a great deal both of
men and manners. Sterne, S. J. 1, 111.
Fälschlich heisst es daher bei Crabb, English Synonyms:
'The word is now mostly used in the plural number', und
bei Klöpper, Englische Synonymik: 'Travels, gewöhnlich nur
im plural'. Vielmehr findet sich sowol der singular wie der
plural gebraucht, wenn auch in verschiedener bedeutung:
travel (das) reisen ; travels 1) reisen allgemein, 2) entdeckungs-
reisen; — travel, travels; a book of travel, travels, eine reise-
beschreibung.3
To journey hat dagegen mehr den ausdruck des 'wanderns'. He had
been — ing in different parts of the world. All Year. 12./1.89, 36. No
man could — many leagues in those countries ... In our country, on
the contrary, it was possible to live long and to travel far . . . Mac.,
Hist. 1, 285.
1 Nach Schmidt (Shak esp. -Lex.) 16 mal, travels dagegen nur 4 mal.
2 Beispiele aus Addison und Bacon auch bei Johnson.
3 Johnson's erklärung: travel 1) journey; act of passing from one
place to another. 2) journey of curiosity or Instruction; travels, account
of occurrences and observations of a journey into foreign parts — ist nicht
462 SATTLER,
They rvere bronm and sunburnt by travel. Acad. 5./3. 83, 311.
What the reading of History is to thepast; Travel is in some
measure to the present. Nichol, Am. Lit 5.
She devoured poetry, romance, history, travels like a regulär
bookrvorm. Alcott, L. Women 1, 57.
They are ihree of the most enchanting books of travel that
I have read. Sala, 111. N. 15./12. 83, 571.
In looking over trvo recent books of travel notv before us;
und gleich darauf: in opening a book of travels. Harp.
Mag. 5. 83, 959.
The most absurd lies rvhich he could find in books of travels.
Mac, Gldsm. 129.
// was the first of a series of books of travels. Troll., Aut. 33.
Weitere beispiele: Howells, Chance Acq. 104. Works of travel:
Graph. 6./1. 83, 7 u. a.
Einige weitere beispiele werden dartun, wie auch heut-
zutage noch travel überaus häufig und in so prägnanter weise
gebraucht wird, dass es nur durch travelling erklärt und ersetzt
zu werden vermag.
So foreign travel: Eliot, Mddl. 2,118; Howells, Ch. Acq. 112;
111. N. 8./4. 71, 351; Yates, R. Ahead. 1, 155. — American travel:
Graph. 8./12. 82, 511. — Rastern travel: Morley, EngL Lit 398.
Egyptian travel: Nichol, Am. Lit 397. — European travel: Howells,
M. J. 2, 197. — Old World travel: Id., Ch. Acq. 164. — South
Africim travel: Acad. 17./3. 83, 188. So bildet Notes of Travel
eine stehende rubrik in der 'Academy' (1883, p. 83, 137, 191
u. s. w.). Reminiscences of travel (reiseerinuerungen): Howells,
M. J. 2, 205.
Modern travel. The old style of travel brought the traveller
into contact with the people. All Year 16./8. 64, 365.
The minute luve of travel lay hold of htm. Id. 8./12. 83, 65.
In the same number a shorf series of travel papers will be
commenced. Athen. 22., 12. 83, 816.
Many months of travel had carried me across the great plateau
of the North. Butler, N. W. Land 225.
ganz zutreffend. Die sub 1 und 2 angeführten beispiele stimmen dagegen
völlig mit der oben im texte gegebenen erklaning Ubcrein. Travel in the
younger sort is a part of education (Racon). A man not enlightened by
travel or reflexion (Addison). His travels ended at hfa country-aemt
Dryden). In my travels I had been near their settling out in Thetsaly
Brown).
i
ENGLISCHE KOLLEKTANEEN. 463
At a very early age he developed apassion for travel. Cb. J.
25./8. 83, 529.
The easier and quieter mode of travel is very beneficial.
Id. 4./7. 85, 418.
His dress and general appearance tvere those of a man on
travel. Dick., L. D. 3, 154.
IVhen semi-darkness preoails within the carriages, travel is
almost intolerable. G. Words 7. 85, 451.
A story ofvoyage and travel in the Ar die regiotis. Graphic.
Telegraph and Travel by Sir F. J. Goldsmid. Id. 6./1. 83, 7.
A somewhat thrilling story for three days of peaceful travel.
Id. 6./1. 83, 28.
Amenities of travel. Id. 13./1. 83, 30.
//is love of travel was first kindled by reading Bruce' s tra-
vels. Id. 1./12. 83, 534.
Eight Years in Japan, Work, Travel and Recreation by E. G.
Holtham.
She hastily repaired the ravages of travel. Howells, M. J. 1, 181.
// makes travel by the country road a luxury. Id., M. C. 229.
Mr. A. must have been talking of travel elsewhere. Id., Cb. A. 50.
The Canadian railway is destined possibly lo alter the course
of travel and traffic. 111. N. 20./10. 83, 378.
All these methods of travel have this delight. Lansdell,
Sibiria 1, 307.
These thoughts were his travelling-companions for nigh fifty miles
of travel. Lever, Lord Kilg. 1, 252.
Her works appeared in rapid succession tvith an occasional light
book founded on travel. Morley, Engl. Lit. 182.
Steam has robbed travel of ils poetry. O'Rell, Jobn Bull 20.
Haies had aa/uired, by travel and diplomatic service in foreign
countries, a vast amount of knowledge. Smith, Student's
Engl. Lit. 188.
The Colonel was a person of great travel and experience.
Thack., Virgin.
Bremen. W. Sattler.
ZU ANGLIA XII, 375 ff.
Auf Sarrazin'» aufsatz nochmals eingehend zu antworten
halte ich für unnötig.
Wenn jemand, wie es S. tut, annimmt, dass die Fat Ap.
dichterisch der Elene näher ständen als der Juliana, so kann
man sich auch nicht wundern, wenn er zeitlich Fat. Ap. gerade
vor das vollendetste werk Cynewulfs, vor die Elene, setzt.
Auch von seiner ansieht, dass Fat. Ap. den schluss zum An-
dreas gebildet hätten, obgleich gerade die geschichte des An-
dreas ganz anders in den Fat. Ap. erzählt wird, lässt sieh S.
nicht abbringen, er wird aber auch kaum jemand von der
richtigkeit seiner meinung überzeugen. Wenn ferner S. die
* Widersprüche' zwischen der Andreaslegende in Fat. Ap. mit
der darstellung im Andreas nur Abweichungen ' nennen will,
so ist dies geschmackssache. Die tatsache bleibt bestehen,
dass Fat. Ap., die nach S. den schluss des Andr. bildeten, die
im Andr. enthaltene legende gar nicht kennen! Ein vergleich
der reihenfolge der apostel in Fat. Ap. ergibt, dass Cynewulf
weder den evangelisten Matthäus und Lukas, noch den anord-
nungen Beda's, des Venantius oder des ßreviariums folgt, son-
dern sich allen gegenüber Umstellungen erlaubt Warum also
hätte er nicht den Matthäus auf den Andreas können folgen
lassen? Eine vergleichung der Fata, soweit sie den Andreas
betreifen, mit dem s. 381 abgedruckten texte Beda's zeigt, wie
wenig übereinstimmendes beide haben. S. selbst sägt: 'Beda's
notizen sind meist ausführlicher, aber bisweilen geben die
Fata genaueres, so bei Philippus und besonders bei Thomas9.
Die Schilderung von dem leben und tode des Matthäus wider-
spricht geradezu der Beda's (und somit auch wol der des
Breviariums). Man sieht also, dass Sarrazins behauptung: 'Der
inhalt unseres gedichtes stimmt im wesentlichen Uberein mit
dem, was das ßreviarium erzählt; ebenso auch mit den angaben
von Beda's martyrologium' falsch ist'
Dies möge genügen. Auch bei meiner ansieht, dass sieh
S. direkt widersprochen habe (vgl. s. 875 anm.) bleibe ich.
CtOHUS-LKlIV.Ki. R. WOLKER.
BÜCHERANZEIGEN.
Müllenhoff, Karl. Beovulf. Untersuchungen über das
angelsächsische Epos und die älteste Geschichte
der germanischen Seevölker. Berlin, Weidmann'sche
Buchhandlung, 1889.
H. Lübke, dem wir die vorliegende Veröffentlichung der Beowulf-
studien MüllenhofTs in letzter instanz verdanken, gibt uns in einer vor-
rede eine Übersicht über MüllenhofTs beschäftigung mit der angelsäch-
sischen poesie und namentlich mit deren bedeutendstem werke, dem Beo-
wulf. Der vorrede entnehmen wir auch, dass der grössere erste teil des
vorliegenden buches (s. 1 — 109) das Beowulf kolleg des Berliner professors
uns vorführt, während der schluss (s. 110 — 160) nur die im jähre 1869 in
Haupt's Zeitschrift bd. XIV veröffentlichte abhandlung über 'die innere
geschiente des Beowulf wider zum abdruck bringt.
Die Vorlesung über Beowulf beginnt unter I. mit dem Mythus, Müllen-
hoff widerholt in diesem abschnitte nur, was er schon früher in zwei all-
bekannten aufsätzen aus dem jähre 1849: 'Sceaf und seine nachkommen'
(Haupt's ztschr. bd. VII, s. 410 — 419) und 'Der mythus von Beowulf '
(Haupt's ztschr. bd. VII, s. 419— 441) des weiteren auseinandergesetzt. —
Der zweite abschnitt, überschrieben Die geschichtlichen Elemente, handelt
in seinem 1. kapitel über die Geaten und Schweden, Die als historisch
beglaubigten tatsachen werden in gegensatz gestellt zu den rein sagen-
haften. Alle historischen demente des Beowulf schliessen sich der zeit
nach eng an den Geatenkönig Hygelac an, der ein ganz bedeutender
mann gewesen sein inuss und dessen bekannter zug an den Niederrhein
zwischen 512 und 520 wol das wichtigste geschichtliche ereigniss im ganzen
epos ist. Auf Streitigkeiten zwischen den Geaten (d. h. den bewohn ern
des südlichen Schwedens) und den Schweden deuten andere erzählungen
im Beowulf hin, wobei zu bemerken ist, dass Beowulf selber, der grosse
und gewaltige held bei allen begebenheiten , die der historischen Über-
lieferung und sage angehören, eine sehr untergeordnete rolle spielt, und
dass, wo er das einzige mal bedeutsam in den Vordergrund tritt, nämlich
bei seiner wunderbaren rettung durch schwimmen nach Hygelac's niederlage
am Niederrhein, diese übermenschliche tat wol erst von dem mythischen
auf den historischen Beowulf übertragen wurde. — Wenn Müllenhoff in
Anglia, XII. band 30
4 CG BÜCHER ANZEIGEN.
k.ip. 2 — Die Dänen — auf dieses volk besonders eingeht, so betrachtet
er zunächst als wichtigstes historisches ereigniss den im Beowulf auch
erwähnten kämpf der Dänen mit den Heaöobearden. Nach einer
prüfung der ältesten nachrichten über die Dänen kommt MUllenhoff zum
Schlüsse, dass gegen das ende des 5. oder anfang des 0. Jahrhunderts die
Dänen das gebiet, das von da an Dänemark heisst, in besitz nahmen,
indem sie ein anderes germanisches volk daraus vertrieben. Dieses ver-
drängte volk ist nun dasjenige der Heaöobearden, welche nun aller-
dings nicht, wie oft angenommen, mit den Langobarden identisch
sind, sondern vielmehr ein stamm der II eruier waren, im weiteren
werden uns die an die Dänen im Beowulf sich anschliessenden Vorkomm-
nisse in ihrem nordischen gewande vorgeführt, auf die Verschiedenheit
hingewiesen, welche in der darstellung dieser zwischen der nordischen
fassung und unserem angelsächsischen gediente besteht und welche sich
namentlich dahin konzentriert, dass in den nordischen berichten die Heaöo-
bearden Froda und Ingeld als Froöi undlngjald unter die dänischen
könige aufgenommen wurden, und schliesslich die annähme aufgestellt,
dass trotz angegebener Verschiedenheit doch im ganzen eine so merk-
würdige und überraschende Übereinstimmung in der darstellung und insce-
nierung in beiden fassungen übrig geblieben ist, dass wir als grundstock
der Hcaöobeardenepisode sowol im Angelsächsischen als Nordischen alte
dänische lieder anzunehmen hätten und dass die angelsächsische Über-
lieferung auf einer älteren, der wirklichen geschiente naheliegenderen stufe
steht als die dänische, wie sie uns z. b. bei Saxo Grammaticus entgegen-
tritt. Der halle Heorot entspricht in der dänischen sage wol Hleiftr,
der königssitz des Hrolf Kraki, wobei dann allerdings anzunehmen ist,
dass die im angelsächsischen epos noch dem Hröfigär zugeschriebenen
taten in der nordischen sage mit Hrööulf, Hröögär's neffen, der eben
mit dem nordischen Hrolf Kraki identisch ist, in Zusammenhang ge-
bracht wurden. Endlich werden noch mit guten gründen andere dünische
könige, wie der im Beowulf erwähnte He rem öd und die im Widsl}> an-
geführten Sigelhere und Alewih als mythisch bezeichnet. — Das 3. kap.
des II. abschnitten, überschrieben Die Angeht und Sachsen, hat nun nament-
lich zur aufgäbe sich gestellt, uns so viel als möglich zu zeigen, wie denn
überhaupt die Angelsachsen, die ja im Beowulf gar nicht erwähnt werden,
dazu kamen, dieses nordische Völkerschaften verherrlichende epos sn
schreiben. 1'm die definitive antwort auf diese interessante frage vorzu-
bereiten, wurden die germanischen ansiedelungen auf der britischen insel
näher untersucht, die in das Beowulf lied eingedrungene anglische crxäh-
lung von Offa und der l'ryfto bis ins detail hinein betrachtet und auf
s. st als obige frage beantwortende ergebnisse hingestellt: *1) Die erobe-
rung und besiedelung Englands durch die Angeln und Sachsen fällt un-
gefähr in dieselbe zeit, in dasselbe Jahrhundert (im wesentlichen 450 — 550)
wie die dänischen und skandinavischen begebenheiten, die den vornehm-
sten historischen inhalt des Beowulf bilden. 2) Von den einzelheiten dor
Übersiedelung, von den vielfältigen zügen, die zur erobemng des Indes
führten, von ihren eigenen taten und erfolgen in jener grossen xeH haben
die Angelsachsen, obgleich nach den Zeugnissen der genealogiem das
BUCHER ANZEIGEN. 467
ganze leben damals von poesie durchdrungen und begleitet gewesen sein
inuss, nur unsichere oder dürftige erinnerungen bewahrt. Es ist also sehr
erklärlich, dass auch der Beowulf aus dieser zeit gar nichts berichtet.
3) Garmund, Ofta und Eomser, die einzigen personen aus der angelsäch-
sischen geschichte, die im Beowulf genannt werden, gehören der vor-
englischen epoche der Angeln an und sind seit dieser epoche ununter-
brochen bei iIchi Angelsachsen selbst bis zur abfassung des Beowulf be-
kannt geblieben. ' — Das unter 3) aufgeführte ergebniss ruft nun endlich
noch die frage, wie weit wir im Beowulfsliede noch festländische Vor-
stellungen der Angelsachsen haben und auf welchem wege und durch
welche Vermittlung jüngere Vorstellungen den Angelsachsen zugegangen
sind. Dieser alten festländischen anschaungen finden sich nun aber im
Beowulfsliede ausserordentlich wenige, viel mehr dagegen in dem vor
unserem epos entstandenem gedieht 'Des Sängers Weitfahrt ', das dann
einer eingehenden Untersuchung gewürdigt wird. Als Verbreiter der deut-
schen sagen in England nimmt dann Miillenhoff die den Angelsachsen
stammverwandten und auch örtlich nahen Friesen an. Ihnen verdanken
die Angelsachsen die kenntniss der nordseeheldensage, wahrscheinlich die
der binnendeutschen und auch mancher im Beowulf erwähnten nordischen
sagen. — Die Schlussabhandlung von MüllenhofFs werke endlich — Die
innere Geschichte des Beorvulfs — ist, wie schon oben angedeutet, nur
ein neudruck des gleichnamigen aufsatzes in Haupt's Zeitschrift bd. XIV,
s. 193—244, und sie soll, weil allbekannt, hier nicht weiter berücksichtigt
werden. — Dem herausgeber des vorliegenden Werkes aber müssen wir
sicherlich dank wissen, dass er es uns durch diese Veröffentlichung ermög-
licht hat, die so hochbedeutenden Untersuchungen des grossen gelehrten
im zusammenhange gemessen zu können. G. S.
Englische Studien. Organ für englische Philologie. Herausge-
geben von E. K öl hing. XII. bd., heft 3. Heilbronn, Gebr.
Henninger, 1889.
Kleine Publikationen aus der Auchinleck-hs. X. J. Caro: Hörn Childe
and Maiden Rimnild. (Es wird eine literarische einleitung gegeben, worin
die drei bearbeitungen, die englischen King Hörn und Hörn Childe und
die französische Hörn et Rimnild auf ihre gemeinsamen züge und ihre
Verschiedenheiten untersucht werden. Es geschieht dies, weil nach des
Verfassers ansieht Wissmann und Stimming [Studien I, 353 ff.] diesen ver-
gleich nicht erschöpfend gegeben haben. Wissmann nahm an, dass K. H.
die älteste fassung der sage darstelle. Aus ihr entsprang modifiziert der
französische roman und aus diesem direkt oder aus seiner quelle in modi-
fizierter form II. Ch. Mit H. Ch. stimmen die balladen überein. Stimming
glaubt, dass K. II., II. Ch. und die balladen unmittelbar aus der volkssage,
R. H. dagegen aus einer englischen fassung genommen sei, die sich aber
nicht mit K. II. decke. Caro's ansieht ist: K. II. ist die älteste der drei
fassungen, ob die älteste fassung überhaupt, bleibe dahingestellt. Hin-
sichtlich R. H. hält es der verf. für möglich, dass hier eine ganz andere
30*
4G8 BÜCHERANZKIGEN.
bearbeitung als K. II. zu gründe lag, doch auch dass der dichter mehrere
bearbei hingen kannte, unter welchen auch K. H. war. Was K. H. betrifft,
tritt Caro entschieden Stiniining entgegen und glaubt, dass H. Ch. nach
einer direkten vorläge, nicht aus der volkssage bearbeitet sei, oder dass
auch hier der dichter mehrere dichtungen, wovon aber K. H. keine ge-
wesen sei, vor sich gehabt habe. Darauf folgt eine behandlung des dia-
lektes, metrums und stils von H. Ch. und endlich der abdruck des textes
nach der einzigen handschrift. Da das gedieht, obgleich schon zweimal
veröffentlicht, bisher doch nur schwer zugänglich war, so sei Caro filr
seine Veröffentlichung bester dank ausgesprochen.)
W. Sattler: Zur englischen grainniatik. (Im anschluss an Engl.Stud.X
gibt hier der fleissige verf. einen ausserordentlich reichen beitrag über die
anwendung des plurals und die pluralformen im Neuenglischen.)
Der praktisch-pädagogische teil ist in diesem hefte vertreten durch
einen aufsatz von W. Swoboda: Aneignung eines ' wortvorrats ' in einer
fremden (besonders der englischen) spräche.
Literatur. — Miscellcn (darunter auch ein bericht von Pröscholdt
über den neuphilologentag in Dresden).
Englische Studien. XIII. bd., lieft 1.
(J. L. Kittredge: Supposed Ilistorical Allusions in The Squire's Tale.
(Der aufsatz ist gegen Brandl's geistreiche Vermutung über die geschicht-
lichen beziehungen in des Junkers erzählung gerichtet. In einer 'Additional
Note' wendet er sich auch gegen Brandl's ansichten über Cliaucer's Drenie).
A. Napier: Altenglische glossen zu Isidor's Contra Judoeos. (Die
glossen stammen aus einer Bodleianischen hs. in Oxford. Die bs. gehört
wol dem 9. Jahrhundert an. Die glossen sind zum letzten kapitel des
2. buches der erwähuten schrift.)
F. G. Fleay: Annais of the Career of Nathaniel Field. (In ähnlicher
weise wie Fleay in der Anglia das leben der Shirleys oder das des Samuel
Daniel bearbeitete, wird hier in knapper analistischer weise das leben
eines anderen dramatikers der elisabethischen zeit gegeben. Hierdurch
erlangen wir zum ersten male sichere anhaltspunktc über das leben jenes
bedeutenden Schauspielers.)
B. Leonhardt: Bonduca. (Es werden hier die quellen von Beau-
nioiit und Flctcher's Bonduca behandelt. Das ergebniss der eingehenden
Untersuchung ist, dass die dichter ihren stoflf nicht aus klassischen Schrift-
stellern, aus Tacitus oder Dio Cassius entnahmen, sondern aus Holinshed'a
chronik und zur Charakterisierung einzelner personell die stücke The Va-
liant Welshinan und Antonius und Cleopatra benutzten. Dass übrigens,
wie Leonhardt behauptet, Bonduca unter die Historien gerechnet werde,
bestreiten wir ihm ganz entschieden. Mit demselben rechte könnte man
König Lear als historie bezeichnen!)
Der pädagogische teil enthält einen aufsatz von F. Weinthaler;
Kiniges aus der Schulpraxis. Kin beitrag zur modernen Schulunterrichts» •
frage. - Literatur. - Miscellen.
BÜCHERANZEIGEN. 469
Englische Studien. XIII. bd., heft 2.
M. Kupferschmidt: Ueber das hss.-verhältniss der Winchester-
annalen. (Unter Winchesterannalen versteht der verf. den ältesten, allen
fassungen der ags. chronik gemeinsamen teil. Es wird untersucht, wie
sich in diesem stücke die uns bekannten 7 hss. der chronik zu einander
verhalten. Der verf. kommt zum ergebniss: dass AG eine gruppe bilden,
die durch eine gemeinsame quelle auf die Urschrift zurückgehen. BCDE
bilden wider eine gruppe fiir sich, worin BC sich näher und ebenso DE
sich gleichfalls näher stehen. F wird von der Untersuchung ausgeschlossen,
da es einen gekürzten und veränderten text der Winchesterjahrbücher gibt.)
L. Kellner: Sir Clyomon and Sir Clamydes. (Kellner führt aus, dass,
wenn dieses stück ernst gemeint sei, wir es Peele nicht zuschreiben
können. So weit ist sicherlich dem verf. zuzustimmen. Wenn er aber
alsdann nachzuweisen sucht, dass möglicherweise das drama nur eine
parodie des rittertums sein sollte und dann doch von Peele sein könne,
so scheint er uns dafür doch nicht genügende beweise vorzubringen.
Interessant sind die mannigfachen anklänge in Sir Clyomon an Spenser,
worauf Kellner zuerst aufmerksam macht.)
Der pädagogische teil ist vertreten durch J. F.Jameson: Historical
Writing in the United States sime 1861. (Es ist die fortsetzung der Vor-
lesungen, welche Stud. XII, 1 abgedruckt wurden. Im vorliegenden teile
wird die neueste zeit behandelt.)
Literatur. (Hier sei erwähnt, dass Möller ten Brink's Beowulf be-
spricht. Diese besprechung hat den umfang einer eigenen abhandlung,
s. 247- 315.) B.W.
B. ten Brink. Geschichte der englischen Literatur. 2. bd.
Bis zur tronbesteigung Elisabeths. 1. hälfte. Berlin, B.Oppen-
heim, 1889.
Mehr als elf jähre liegen zwischen dem erscheinen des ersten bandes
von ten Brink's englischer literaturgeschichte und dem der ersten hälfte
des zweiten bandes. Allerdings hat der verf. diesen langen Zeitraum nicht
unproduktiv zugebracht: er beschenkte uns nicht nur mit dem werke
'Chaucer's Sprache und Verskunst11, der ersten ausführlichen grammatik
und vcrslehre des grossen englischen dichtere, sondern neuerdings erhielten
wir auch von ihm das geistreiche buch über den Beowulf, welches ganz
neue gesichtspunkte hinsichtlich der entstehung dieses gedientes bringt.*
Wenn also auch sicherlich jeder fachgenosse sehnlich das erscheinen
des zweiten teiles der literaturgeschichte ten Brink's wünschte, so sehen
wir doch die gründe ein, warum sich dasselbe so lange hinzog, and
dürfen mit dem verf. darüber, dass er andere arbeiten früher erledigte,
nicht rechten.
Der zweite teil soll sich von Wiclif bis zur tronbesteigung der königin
Elisabeth erstrecken, also die darstellung der mittelalterlichen literatur be-
1 Vgl. Anglia VII, anz. s. 141 ff.
2 Vgl. Anglia XI, 319 ff.
470 BÜCHERANZEIGEN.
enden und zur neuzeit überführen. Von diesem teile liegt uns aber erat
eine hälft e vor, den schluss des vierten und den anfang des fünften buches
enthaltend. Trotz dieser äusserlichen unvollständigkeit bringt uns der
vorliegende halbband zwei ausserordentlich wichtige abschnitte: 1) den
über Chaucer und 2) den über das mittelalterliche drauia, welche beide
in sich abgeschlossen sind. In beiden wird viel neues und anregendes
gegeben, so dass wir uns nur freuen können, dass der verf. dies stück
einstweilen mitgeteilt hat, wenn auch dasselbe gerade erst recht den
wünsch in uns weckt, der schlusshalbband möge recht bald erscheinen.
Der vorliegende teil hebt an mit einer darstellung, wie sich das ver-
hältniss zwischen konig und kirche einerseits und zwischen könig und
Parlament andrerseits seit dem 13. Jahrhundert gestaltete. Während im
13. Jahrhundert der könig sehr abhängig vom papste war und sich öfters
sogar gegen den willen des laudes auf dessen seite stellte, war Eduard III.
stets national gesinnt und hatte daher manche fehden mit der geistlichkeit
durchzumachen. Diese betrachtung führt auf Wyclif und seine reforma-
torische tätigkeit über. Es wird gezeigt, wie Wyclif von einem anhänger
des papstes, der nur auch zugleich Engländer sein wollte, allmählich immer
schrofferer gegner des papsttums wurde, bis er 1377 die zusammen-
berufung eines geistlichen Parlamentes veranlasste und sich ganz auf die
bibcl stützend als erklärter feind Roms zeigte. Bis dahin hatte Wyclif
immer die mehrheit der Engländer hinter sich. Doch änderte sich dies,
als die bauern, die reformation als deckmantel zu einer gesellschaftlichen
revolution benutzten. Nun wandte sich der englische adel mehr und mehr
von Wyclif ab. Wyclif wurde 13S1 von Oxford entfernt und er brachte
nun sein lebeu teils als reiseprediger, teils als geistlicher in Lutterworth
hin. In diese zeit fällt das Hauptwerk seines lebens, nämlich die bibel-
übersetzung. Ten Brink gibt das urteil über Wyclif als Schriftsteller ab,
dass er ein grosser denker, aber kein grosser Stilist gewesen sei, sein
Latein wäre schwerfällig, dagegen sein Englisch klar und kernig, wenn
auch spröde. Die beurbeitung von Purvoy sei bei weitem gewandter als
die seines meisters.
Mit abschnitt V beginnt die betrachtung Chaucer's und seiner werke,
die sich bis zum ende des 4. buches erstreckt (s. 33—214). Ten Brink,
der beste der jetzt lebenden Chaucerkenner, bietet in diesem abschnitte
nicht nur viele besserungen und ergänzungen zu seinen treulichen Chaucer-
Studien, sondern vollendet darin auch dieses buch, so dass der vorliegende
band jetzt die beste betrachtung von Chaucer's leben und werken dar-
stellt. Trefflich leitet eine betrachtung der gesehmacksrichtung der da-
maligen zeit den abschnitt ein, einer zeit, wo das ritterliche wesen aus-
klang und einem steifen formal ismus, einem künstlich geschraubten
enthusiasmus platz machte, der, mit allegorien reichlich ausgestattet,
wenig natürliches zeigt, es sei denn, dass er manchmal in derbe Sinnlich-
keit verfällt. Die französischen werke, wie der lioman von der Rose,
die dichtungen des Wilhelm von Machault sind die haupt Vertreter dieser
richtung. Ihnen folgte Chaucer in seinen erstlingswerken, die aus lays,
rondels, virelays und dergleichen bestanden und vielleicht sogar in fran-
zösischer spräche geschrieben waren. Letzteres hält der verf. für glaub-
BÜCHER ANZEIGEN. 471
lieh, da am hofe zu dieser zeit nur Französisch in der dichtkunst gepflegt
wurde: eine höfische dichtung in englischer spräche gab es damals nicht.
Von Zeitgenossen Chaucer's aber, wie z. b. von Gower, wissen wir, dass
sie in französischer spräche dichteten. Ohne englische Vorbilder war Ch.
allerdings beim beginn seiner dichterischen lauf bahn nicht, doch gehörten
dieselben dem geistlichen gebiete oder den ritterromanen , die aber
meistens sehr im bänkelsängertone gehalten waren, an. Erst etwa in der
zeit von des dichters geburt interessierten sich auch hohe herren, beson«
ders im westen Englands, für dichtung in der Volkssprache. Die ersten
versuche Chaucer's mögen, nach Gower's zeugniss, wol erotischen inhalts
gewesen sein. Sein erstes grösseres gedieht schliesst sich an den tod
der herzogin Blanche 1369 an. Hier zeigt sich der Verfasser zwar von
Wilhelm von Machault abhängig (auch das versmass ist das bei den
Franzosen beliebte kurze reimpaar), doch entbehrt schon dieses stück
nicht der Originalität. Eine eingehende besprechung dieses gedichtes gibt
ten Brink gelegenheit zu manchen treffenden bemerkungen. Darauf wird
das erste strophische (siebenzeilige) gedieht des dichters, seine 'Com-
pleynte to Pite' betrachtet, das ten Brink in die jähre 1370—72 setzt.
Der abschnitt VI behandelt die italienische zeit des dichters und
wird daher passend eingeleitet durch eine betrachtung der drei Italiener
Dante, Petrarca und Boccaz. Es wird hervorgehoben, wie Chaucer nicht
gehörig vorbereitet nach Italien kam und ihm daher für manches erst
allmählich das verständniss aufging, für anderes aber überhaupt nicht.
Petrarca blieb dem Engländer am fernsten; die zeit von Ch.'s lyrischer
periode war vorbei, daher blieb der lyriker Petrarca ihm fremd, wenn er
auch manches (vor allem seine Griseldiserzählung) seinen anderen werken
entlehnte. Dante wirkte formell auf unsern dichter, auch religiös. Denn
es scheint sich letzterer, worauf ten Brink zuerst aufmerksam macht,
gerade damals in einer religiösen krisis befunden zu haben. Die ab-
fassung des Cäcilienlebens mit seinem eingang an Maria, auch Chaucer's
ABC, das ten Brink in diese zeit setzt, mag dafür zeugniss ablegen. Am
meisten wirkte auf unsern dichter Boccaz ein. War Chaucer auch eine
tiefer angelegte natur als dieser Italiener, so gefiel ihm doch der rea-
listische zug, welcher Boccaz eigentümlich ist Zu zwei grossen epen
lieferte er ihm den stoff und auch sonst finden wir noch vielfach anleh-
nungen und entlehnungen. Aus der zeit der inneren einkehr Chaucer's
scheint ten Brink noch die bearbeitung der schrift De miseria huinan«
conditionis des Innocenz zu sein, ein werk, das uns nicht erhalten ist.
Nun beginnt hier ten Brink eine neue periode im schaffen des dichters,
wo sich dieser als schüler der renaissance und zugleich zunächst von
Johann von Lancaster stark beeinflusst zeigt. An den anfang dieses ab-
schnittes stellt der verf. die Skandalgeschichte, welche den titel 'Mars
und Venus ' führt, und die bearbeitung des pikanten Romans von der Kose.
Aus diesem werke mag Chaucer manches aus dem Boetius kennen gelernt
haben und so wurde er zu seiner Übertragung jenes Werkes gebracht. Er
tritt damit in die reihe der prosaisten, welche noch recht spärlich ver-
treten sind: Trevisa, Mandeville, Wiclif sind die Vertreter derselben. Wir
dürfen uns daher nicht wundern, wenn auch des dichters prosa recht un-
472 BÜCHERANZEIGEN.
gclcnk ist. — Zu neuen planen brachte den dichter die Vermählung des
königs Riehard mit Anna von Böhmen. Das * Parlament der Vögel' be-
zieht sieh ohne zweifei auf die königliche Werbung. Dies gedieht übt
eine weit woltuendere Wirkung als die von Johann von Gaunt veran-
lassten aus. Doch, wie ten Briuk hervorhebt, wurde Chaucer durch den-
selben hohen herrn auch zu einem treffliehen werke angeregt, zu seinem
Troilus. Ten Brink gibt eine feine ausfiihrung, wie der dichter, ohne
wesentlich zu ändern, aus dem werke des Boccaz ein ganz anderes schuf,
worin der charakter des Troilus vertieft, der der Cryseydc sehr veredelt
wurde. Dem einflussc Gaunt's ist wol die gestillt des Pandarus mit seinem
cynischen wesen, der dem schwärmerischen Troilus entgegentritt, zuzu-
schreiben. Auch hier zeigt sieh enger Zusammenhang mit dem Boctitis.
Der nächste abschnitt beschäftigt sich mit der lateinischen dichtung unter
Richard II. Hierbei ist Gower's zuerst zu gedenken, der neben balladen
in französischer spräche ein grosses lateinisches gedieht, das moralisch-
didaktisch war und die laster und tilgenden behandelte, unter Eduard III.
verfasste: Speculum meditautis geuaunt. Er trat damit neben den moral-
prediger Langland, nur dass Gower, worauf schon die französische spräche
deutete, sich an die gebildeten, Langiand an das volk wendete. Die * Vox
clainantis', in lateinischer spräche geschrieben, bewegt sich in gleichen
bahnen, doch wahrscheinlich enthält die Vox noch mehr zeitgeschichtliches
als das Speculum. Da letzteres uns verloren ist, fehlt uns das mittel zum
vergleich. Gower zeigt sich nicht so tief als Chaucer, auch weniger ein-
heitlich. Etwas pedantisches geht durch alle seine gediente. Im gegen-
satze zu Chaucer, wie ten Brink sehr treffend hervorhebt, bewegt er sich
noch ganz im mittelalter, während Chaucer eine neue geschmacksrichtung
vertrat. So vertritt Gower auch, besonders in seinen späteren gedichten,
den starren katholizismus. Anspielung auf Zeitverhältnisse liebt Gower,
während sie Chaucer fern liegen. Gower stand in seiner zeit, wenn er
sie auch satirisch betrachtet; Chaucer, durch seine ideale auflfassung, war
getrennt von ihr und besonders von seinem prosaischen berufe. Dadurch
entstand ein Zwiespalt in Chaucer's seele, den er durch die dichtung zu
versöhnen suchte. Auf diese weise wurde eines seiner schönsten gedichte,
das House of Farne (13^4) hervorgerufen, das aber, wie ten Brink in feiner
weise zeigt, ein durchaus persönliches gedieht ist.
Mit der 'Legende der guten Frauen' geht der dichter zuerst zu einer
neuen art der dichtung über, in der er nachher seinen hauptmhm erwerben
sollte, zur rahmen erzählung. Auch wird hier zuerst das heroische reim-
paar angewendet. Dies werk blieb unvollendet. Ten Brink hebt scharf-
sinnig hervor, wie man merke, dass der dichter allmählich die frende an
diesem gedichte verlor. Die ersten der trauen, wie Thisbe, Dido sind
trefflich geschildert, während die letzten, z. b. Phyllis, entschieden zn kurz
kommen. Nachdem das Schicksal von zehn frauen erzählt ist (ursprüng-
lich sollte die geschiente von zwanzig heldinnen behandelt werden), bricht
der dichter ab.
Allerdings war die nächste zeit für den dichter auch eine sehr trübe.
Er verlor seine gattin und bald darauf durch die wirren der zeit auch
seine Stellung, so dass er in bittere not kam. Kein wunder, dass seine
BÜCHERANZEIGEN. 473
dichtung nun ernst wird. Der verlust seiner frau legte ihm die Verherr-
lichung der trauen nahe, doch in ernsterer weise als dies in der Legende
geschehen war. Damals mag, wie ten Brink sehr glaublich macht, die
geschichtc der Virginia und der Griseldis entstanden sein. Doch lange
Hess sich bei Chaucer der humor nicht verbannen. 1389 wird ihm wider
ein amt gegeben und nun finden wir auch, dass seine dichtung wider
frischen, frühlichen gcist atmet. Ten Brink nimmt an, damals sei die
geschichte der frau von Bath, mit einer nachher beseitigten umfänglichen
einleitung, geschrieben worden (vgl. s. 131), damals die erzählung von
Januar und Mai entstanden.
Durch Chaucer's legende wurde wahrscheinlich Gower zur abfassung
seines grossen englischen gedichtes, der Confessio Amantis, angeregt.
Doch auch hier zeigt sich Gower als durchaus mittelalterlicher dichter.
Die einkleidung der crzählung ist sehr schwerfällig und bietet nichts eigen-
artiges dar. Daher ist die 'Confessio' als ganzes von wenig bedeutung,
wenn auch die einzelnen erzählungen oft nicht des reizes entbehren. Für
die beste geschichte möchte ten Brink die halten, welche erzählt, wie
ritter Florcnt die frage löst, was von den frauen am meisten gewünscht
werde. Wie Gower zur Confessio durch Chaucer's legende gebracht wurde,
so hält es ten Brink nicht für unwahrscheinlich, dass umgekehrt wider
ersteres werk Chaucer zu seinen Canterbury geschienten anregte. Einigen
einfluss auf die anläge des ganzen mögen die gesiebte Peters des pflügers
geübt haben, grösseren noch das Decamerone des Boccaz: im grossen
und ganzen aber können wir den plan der Cantcrburygeschichten als dem
dichter eigentümlich bezeichnen. Ten Brink bezeichnet diese dichtung,
wie sie uns jetzt erhalten ist, nicht als einen torso, sondern als eine reihe
von bruchstücken. Er hat darin durchaus recht, denn wie nun weiter in
geistreicher weise gezeigt wird, fügen sich die erzählungen der pilger zu
einzelnen gruppen zusammen, welche aber nicht nach dem grnndsatze*
ähnliches zu vereinigen, sondern im gegenteil ähnliche geschienten zu
trennen, zusammengestellt wurden. Daher zeigt sich in den meisten
gruppen grosse mannigfaltigkeit. Der priester sollte wol mit seiner buss-
predigt das ganze abschliessen.
Die betrachtung der einen unächten, d. h. erst eingefügten erzählung,
die des kochs von Gamelyn, führt ten Brink auf eine betrachtung der sage
von Bobin Hood, wobei sich herausstellt, dass dieselbe vor dem 14. Jahr-
hundert in England nicht nachzuweisen ist. Den schluss des 4. buches
bildet eine betrachtung von Chaucer's abhandlung über das Astrolabium
und über das unvollendete gedieht von Anelida nnd Arcite, das nur wenig
mit 'Palainon und Arcite' gemein hat, ebenso über Chaucer's lyrische
dichtungen. Auch Langland's spätere Schriften und die seiner nachahmer,
wie die von Richard dem unberatenen, von des Pflügers Credo u. a., wie
auch Gower's Chronica tripartita werden besprochen.
Das 5. buch ist überschrieben: Lancaster und York. Schon dieser
titel deutet auf Vorgänge in England, welche der literatnr sehr nachteilig
waren. So haben wir denn auch keinen grossen dichter im 15. Jahrhun-
dert. Die nachahmer Chaucer's, wie Scogan unÄ Shirley, erreichten ihr
vorbild in keiner weise; Gower hatte ganz aufgehört zu dichten. Am
474 BÜCHERANZEIGEN.
ersten zu nennen sind noch Thomas Occleve und John Lydgate, denn
des capcllauus Johannes versuch, die trostschrift des Bootius in acht-
zolliger Strophe zu übertragen, kann man nur als einen recht verfehlten
versuch betrachten. Ten Brink's urteil über Occleve ist durchaus beizu-
stimmen: er hatte eine gute beobachtungsgabe, weiss klar und anschau-
lich zu erzählen, auch fehlt ihm nicht ein gewisser humur, so dass er in
bescheidenen grenzen gutes leistet. In religiösen gedienten oder auch,
wenn es sich um die Verherrlichung der frau handelt, wird er tiefinnig.
Eine gewisse breite der darstellung, widerholung der moralisierenden
stellen und vielfach Vernachlässigung der form schaden aber seinen werken.
Das gedieht 'Moder of God' ist daher vielleicht sein bestes erzeugniss,
während 'La Male Regle7, das 'Govemail of Princes' und das gedieht auf
Oldcastle unter den angeführten fehlem leiden. Kulturgeschichtlich sind
alle seine dichtungen von interesse. Von ganz anderem wesen ist der
fruchtbarste schüler Chaucers, John Lydgate. Wie ten Brink sehr geist-
reich ausführt, war er von natur zum volksdichtcr geschaffen, doch zwang
er sich zur didaktisch- moralischen dichtung in grossem umfange. Da-
durch erhielt seine dichtung etwas pedantisches, steifes und vielfach lang-
weiliges, er wird platt und überladet seine dichtung mit gelehrsamkeit.
Seine fruchtbarkeit war, da ihm das reimen leicht fiel, eine ungeheuere,
über alles mögliche dichtete er. Später wendete er sich mehr und mehr
der geistlichen dichtuug zu. Fast alle seine grösseren werke sind durch
Chaucer angeregt. Das Trojabuch, 1421 für Heinrich V. vollendet, wurde
durch Troilus, die geschiente von Theben durch die geschiente des ritters,
die Falles of Princes durch die erzählungen des manches angeregt. Auch
in seinen Heiligenleben ist er, wie ten Brink andeutet, von Chaucer bc-
eiuflusst (vgl. s. 240). Besprechungen aller dieser werke finden sich im
vorliegenden buche.
Da im 1 5. Jahrhundert nicht viel über die englische litcratur zu be-
richten ist, lo legt hier ten Brink die behandlung der entwicklung des
dramas von seinen frühesten anfangen bis zur entstehung der moralitäten
ein. Die ältesten spuren des englischen dramas weisen auf Heinrich III.
(bald nach der mitte des 13. Jahrhunderts) und auf das östliche mitteilend
hin. Neben das bekannte 'Harrowing of Hell' stellt der verf., etwa aus
dem ende des 13. Jahrhunderts, das spiel Jakob und Esau, welches uns
noch in der Towueley-(Woodkirk-)saminlung erhalten ist und auch noch
in dieser Überlieferung spuren höheren alters trägt. Die Yorkspiele werden
mit denen von Woodkirk verglichen. Sie verhalten sich zu einander wie
städtische spiele zu bäurischen. Letztere sind grobkörniger, aber auch
witziger, erstere feiner, aber auch farbloser. Die Chesterspiele tragen ein
didaktischeres und gelehrteres gepräge, wie schon ihre anklänge an fran-
zösische misterien beweisen. Auch scheinen dieselben, im gegensatx au
allen übrigen, von einem redaktor in die gegenwärtige gestalt gebracht
worden zu sein. Die Coventryspiele beschliessen die reihe der miitcrien-
sammlungen. Die zwei zunftspiele von Covcntry werden eingehend be-
handelt (die reinigung Maria mit Jesus im tempel und ein weihnaehta*
spiel). Dann folgt eine betrachtung der sogenannten Coventrymtoteriem.
Sehr treffend hebt teil Brink hervor, wie sich einzelne gruppen von spielen
BÜCHERANZEIGEN. 475
absondern lassen und wie überhaupt diese Sammlung kaum ein wirkliches
ganze bilde, wie auch die einzelnen gruppen wol zu verschiedenen zeiten
zur auftührung kamen. Trotz älterer Überlieferung trägt diese Sammlung
einen moderneren charakter als die anderen.
Die übrigen Sammlungen, von welchen wir nur Spielverzeichnisse,
einzelne spiele oder auch nur nachrichten von aufführungen haben, werden
gleichfalls besprochen. Es folgen alsdann die stücke des 15. Jahrhunderts,
wie: Grablegung Christi, Kindermord, Saul's Bekehrung, wie sie uns eine
Digby-hs. und eine Bodleiana-hs. überliefert.
Sehr beachtenswert ist auch noch das über das Spiel vom Credo
(s. 303) gesagte, welches ganz neue ansichten enthält. Eine eingehende
betrachtung der älteren moralitäten: des Spiels vom Paternoster, des
Schlosses der Beharrlichkeit, von Geist, Wille und Verstand und Mensch-
heit, wie auch von Jedweder und endlich von Maria Magdalena beschliessen
diesen gehaltvollen abschnitt.
Wenn wir am Schlüsse unserer besprechung nochmals nachdrücklich
dem herrn verf. die bitte aussprechen, er möge bald die Schlusslieferung
des bandes erscheinen lassen, so möge uns derselbe diese bitte nicht ver-
übeln: im vorliegenden hat er uns soviel des trefflichen und neuen ge-
boten, dass unser wünsch nach mehr immer stärker wird. R. W.
Balg, G. H. A Comparative Glossary of the Gothic Language
with especial referenee to English and German. Mayville,
Wisconsin. Part VI, VII, VIII.
Von rc wird in diesen drei heften das werk bis wa gebracht, das
neunte lieft wird also wol das schlussheft sein und damit das für das
Studium des Gotischen in Amerika so bedeutende buch zu ende gebracht
sein. Wir wünschen dem verf., dass seine vielen benifsgeschäfte ihm zeit
lassen, recht bald sein mühsames aber verdienstliches werk vollenden
zu können. R. W.
Chaucer, The Legend of Good Women. Ed. by Rev. Walter W.
JSkeat. Oxford, Clarendon Press.
Während bisher Chaucer's Cantcrburygcschichten viel und gern in
England, Amerika und Deutschland gelesen wurden, blieb die andere
rahmenerzählung des dichters, die Erzählungen von den guten Frauen,
ziemlich unbekannt. Zum teil mag diese tatsache sich aus dem inhalte
beider werke erklären, denn dass die Canterburygeschichten bei weitem
fesselnder als das andere gedieht, ist gar keine trage. Zum teil aber wäre
sicherlich letzteres bekannter geworden, wenn wir bisher eine gute, zu-
verlässige ausgäbe mit genügendem wörterbuche gehabt hätten. Eine
solche hat uns nun Skeat in der vorliegenden gegeben. Alles, was man
zum verständniss der dichtung braucht, ist darin enthalten. Die einleitung
handelt über die entstehung des gedichtes, über die doppelte gestaltung
476 BÜCHERANZEIGEN.
des prologs und die quellen der einzelnen legenden. Schade ist, dass
filr diesen teil der einlcitung Skeat noch nicht den zweiten teil von
ten Brink's literaturgeschichte zur hand hatte ; er hätte daraus noch manche
anregung erhalten.1 Weiterhin wird über das inetnim der legende, über
die handschriften, die drucke u. dergl. gehandelt. Dann folgt der text,
und zwar der prolog in seinen beiden gestalten. Eine reiche menge von
lesarten wird unter dem texte gegeben. Viele anmerkungen erklärender
art und ein Wörterbuch beschliessen das ganze. Hoffentlich wird durch
dasselbe das interesse für die Legende von den guten Frauen recht
weit verbreitet. R. W.
Ipomedon in drei englischen Bearbeitungen herausgegeben von
Eugen K öl hing. Breslau, W. Kühner, 1889.
Im englischen gedichte von Richard Löwenherz werden v. M5S ff.
berühmte ritterromanstoffe aufgezählt. Darunter findet sich auch Ypoiny-
done. Dass dieser stotV also seiner zeit bekannt gewesen sein inuss, daran
lässt sich nicht zweifeln. Dafür spricht auch, dass uns derselbe in Eng-
land in zwei verschiedenen gereimten und einer prosabearbeitung erhalten
ist. Von diesen drei gestaltuugen war bisher nur die eine, von Kölbing
an zweite stelle gesetzte (B) bekannt, die unser landsmann Weber seiner
zeit veröffentlicht hatte. A und die prosaische bearbeitung C werden hier
von Kölbing zum ersten male mitgeteilt. Schon dadurch hat sich der
herausgeber den dank aller fachgenosseu verdient, in erhöhtem inasse ist
dies jedoch der fall, da er grammatische, kritische und erklärende bc-
merkungen in reicher fülle gibt und uns in einer umfangreichen einleitung
über die verschiedenen behandlungen des Stoffes, über das verhältniss
der englischen bearbeitungen untereinander und zum französischen roman
eingehend unterrichtet, auch Über die spräche und metrik wie über die
handschriften und ausgaben handelt. R. W.
Schmidt, Aug. Untersuchungen Über König .Klfred's Bedattber-
aetzung. Iuaugural-Dissertation. Berlin 1889. .
Eine sorgfältige und eingehende Untersuchung ergibt dem vcrfn dass
.Klfrcd's arbeit als eine äusserst genaue Übersetzung zu betrachten ist;
allerdings hat der könig insofern seine Selbständigkeit gewahrt, als er
sich bei der auswahl der zu übertragenden abschnitte von bestimmten
rücksichten leiten liess. So weit ist Schmidt beizustimmen. Wenn er
aber dann, auf dieses ergeh niss gestützt, meine ansieht (Grundriss § 409),
dass die bearbeitung Beda's 4wol unter allen grösseren Übersetzungen am
schnellsten gearbeitet sei', nicht gerechtfertigt findet, so sei dagegen er-
widert, dass ich keinen tadel aussprechen wollte und dass ich nirgends
1 Es ist uns nicht entgangen, dass Skeat diesen zweiten teil s. UV
als eben erschienen anführt, doch ersieht man aus manchen angaben, dass
er denselben noch nicht benutzt hat.
BÜCHERANZEIGEN. 477
den ausdruck 'flüchtig' (vgl. s. fil) brauchte. 'Flüchtig! arbeitete ein mann
wie Alfred niemals. Auch ich habe, schon lange bevor ich den Grundriss
schrieb, genügend viel von ^Elfred's Übersetzung mit seiner vorläge ver-
glichen, um ein urteil über seine arbeitsweise zu gewinnen und das
ergebniss war im allgemeinen dasselbe wie das von Schmidt. Mein aus-
sprach im Grundriss aber beruht auf der schwererklärlichen tatsache (wofür
ich allerdings § 468 eine erklärong versuchte), dass in yElfred's Beda gar
keine zusätze sind, die zu machen dem künige hier so nahe gelegen hätte.
R.W.
Dewitz, Alb. Untersuchungen über Alfred's des Grossen westsäch-
sische Uebersetzung der Cura pastoralis Gregor s und ihr Ver-
hältniss zum Originale. Breslauer Inaug.-Diss. Bunzlau 1889.
Es ist recht dankenswert, dass diese Untersuchung einmal angestellt
wurde, um so mehr, als der bearbeiter derselben voraussichtlich wenig
neues finden konnte. Dass die Cura am genauesten von ^Elfred's werken
übertragen ist, stand schon fest; kleine abweichungen , wie sie Dewitz
nachweist, waren damit nicht ausgeschlossen. Interessant sind die ab-
schnitte III, IV und V (änderungen im satzbau; in der grammatik und
im stil), die manche eigentümlichkeiten allgemeinerer natur aufweisen.
Vielleicht gelangen wir doch noch bald dazu, eine ^Elfredische grammatik
schreiben zu können. Dazu miiss allerdings erst eine neue ausgäbe der
Hedaübersetzung gedruckt sein. Doch dazu soll ja auch, wie wir hören,
jetzt hoffnung vorhanden sein. R. W.
Le Morte D'Arthur by Syr Thomas Malory. The Original Edition
of William Caxton now reprinted and edited with an Intro-
duetion and Glossary by H. Oskar Sommer. With an Essay
on Malory's Prose Style by Andrew Lang. Voll. Text.
London, David Nutt, 1889.
Dieses werk, welches bald nach seinem entstehen von Caxton ge-
druckt wurde, ist für die englische literatur von grosser bedeutung. Nicht
nur, dass es in älterer zeit, wie z. b. von Spenser, öfters benutzt wurde,
iu neuester zeit schloss noch Tennyson seine Idylls of the King an das-
selbe an.
Von Caxton's druck sind nur zwei abzüge bekannt, wovon der eine,
die Karl Spencer copy, in England ist; auf dem Britischen Museum be-
findet sich weder dieser älteste noch der zweite (von Wynkyn de Worde
149S), sondern erst der dritte (Wynkyn de Worde 1529), dann die drucke
von 1557, 15<>9(V) und von 1634 (von Thom. Stansby), die alle fehlerhaft
sind. In unserem Jahrhundert haben wir eine ausgäbe von Southey (1817),
die angeblieh Caxton's druck widergibt, aber von ungenauigkeiten, fehlem
und willkürlichen änderungen wimmelt. Dasselbe lässt sich von Thom.
Wright's abdruck (1850) sagen, dem ausserdem auch nur die ausgäbe
478 BÜCHER ANZEIGEN.
von 1031 zu gründe gelegt ist. Eine Globe-ausgabc von Strachey (1S6S
und 1880) ist modernisiert und nicht vollständig gegeben. Wir hatten
also bisher keine zuverlässige, überhaupt keine ausgäbe dieses wichtigen
werkes nach Caxton's druck.
Da das exeniplar von Karl Spencer aber nicht vollständig ist (25 Seiten
fehlen), so wurde dieses mit dem andreu, welches in Amerika, in Brooklyn
im besitz von Mrs. Abby K. Pope, nach einer sorgfältigen abschritt aus
den anderen drucken verglichen. Da zeile für zeile, wort flir wort in
diesem ab druck der ausgäbe Uaxton's entspricht, so kann man sich denken,
welche mühe der herausgeber übernahm. Ihm sei daher der beste dank,
ebenso dem drucker und Verleger für ihre mühe abgestattet. Es ist ein
stattliches werk von SGI quartseiten. Sommer hat sich durch diese aus-
gäbe sehr verdient um die englische philologie und literaturgeschichte
gemacht.
Ein zweiter teil wird über die verschiedenen drucke handeln, die
lesarten derselben bringen. Es soll die spräche und der stil Malory's,
auch die quellen desselben erörtert werden. Ein namenverzeichniss und
eine erklärung der veralteten worte sollen das ganze werk besch Hessen.
Die ausstattung des werkes ist eine sehr reiche, auch dafür gebührt
herausgeber und Verleger der beste dank. R. W.
Tiete, Georg. Zu John Gower's Confessio Amantis. I. Lexika-
lisches. Inaugnfal- Dissertation. Breslau 1889.
Es wird hier in einer sehr Heissigen Zusammenstellung zum ersten
male der versuch gemacht, den Wortschatz der Confessio festzustellen,
so weit derselbe Gower eigentümlich ist. Hoffentlich verfolgt der verf.
derartige Studien noch weiter und beschenkt die englische wortkunde noch
mit umfangreicheren ähnlichen arbeiten. R. W.
Günther, Ernst. Englisches Leben im vierzehnten Jahrhundert
Dargestellt nach kThe Vision of William coneerning Piere the
Plowman by Will. Langland. Inaug.-Diss. Leipzig 1889.
Zu verwundern ist, dass nicht schon längst an der hand von Lang-
land das leben in England im 14. Jahrhundert dargestellt wurde, als seiten-
stiiek zur geistreichen Schilderung Pauli's , die bekanntlich auf Chaucer
beruht. Es wird nun hier versucht, dies in zehn abschnitten zu tun.
Wenn auch die darstellung nicht überall abgerundet ist und sich manches
noch anders hätte verwerten lassen, so liegt doch in dieser abhandlung
ein sehr schätzenswerter beitrag zur englischen kulturgeschichte des mittel-
alters vor. Die abschnitte sind überschrieben: 1. I^ondon. 2. Das haus
und seine bewohner. :». Adel und bauern. 4. Handel. 5. Fahrende lento.
<;. Pilger und eremiten. 7. Weltgeistlichkeit. s. Klostergeistlichkeit
(.t. Rechtspflege, lo. (leistige hildung. R. W.
BÜCHERANZEIGEN. 479
Cossack, Herrn. lieber die altenglische metrische Bearbeitung
von Boethius, de Consolatione Philosophie. Leipziger Inaug.-
Dissertation. Leipzig-Reudnitz 1889.
Der verf. will nachweisen, dass diese vom capellanus Johannes ge-
dichtete bearbeitung der Trostschrift von Johannes Walton im jähre 1410
im auftrage der Elisabeth Berkeley, einer dame von geistlichem stände,
gedichtet worden sei. Der dichter (um 1390 geb.) war zögling der Uni-
versität Oxford, gehörte hierauf dem kloster Oseney an, wurde capellanus
(vielleicht der adligen familie Berkeley), später erzbischof von Dublin und
starb um 1475. Die Übersetzung, genau wie das lateinische original ein-
geteilt, wurde mit direkter anlehnung an die Übertragung Chaucer's aus-
geführt; daneben wurde auch der lateinische text benutzt. — Wenn wir
die frage nach der Verfasserschaft auch nicht, wie der verf., als endgiltig
erledigt betrachten können, so sind doch die gründe flir Walton als Verfasser,
welche 0. vorbringt, recht gewichtige und beachtenswerte. R. W.
Schleich. Gustav. Ueher das Verhältniss der mittelenglisehen
Romanze Ywain und Gawain zu ihrer altfranzösisehen Quelle.
Wissenschaftliche Beilage zum Programm des Andreas-Real-
gymnasiums zu Berlin. Ostern 1889 (Progr. no. 91).
Der gründliche kenner und herausgeber des englischen Ywain und
Gawain gibt hier noch einen nachtrag zu seiner musterhaften ausgäbe.
Während er in der ausgäbe nur im allgemeinen die frage behandelte, wie
sich E tdie englische ausgäbe) zu Crestiens' gedieht verhält, behandelt er
hier, welche gruppe des französischen gedichtes wol E vorlag. Förster
fügte E seiner zeit der gruppe ß (durch hs. P und H vertreten) ein, doch
ohne beweise für sein verfahren zu erbringen. Schleich untersucht nun
gründlich die frage und kommt, trotz mancher anklänge von E an gruppe y,
auch «, zum ergebuiss, dass Förster beizustimmen ist. Die Untersuchung
führt den verf. dann auch dazu, die gründe, warum E oft abwich, zu
untersuchen und dabei häufig uns noch neue und interessante gesichts-
punkte, die er in der ausgäbe nicht erwähnte, zu eröffnen. Kurzum, die
schrift ist wider ein wertvoller beitrag zur kenntniss, wie Chrestiens von
Troies in England behandelt wurde. R. W.
Landshoff. Herrn. Kindheit Jesu, ein englisches Gedicht aus dem
14. Jahrb. I. Verhältniss der IIss. Inang.-Diss. Berlin 1889.
Es wird hier nur ein erster teil einer grösseren abhandlung uns ge-
boten. Er beschäftigt sich mit den drei hss. dieses gedichtes, welche alle
drei von Horstmann veröffentlicht wurden. Es ergibt sich, dass die hs. A
(— Addit. Ms. 31,0-12 Brit. Mus.) eine Sonderstellung einnimmt, während
Ha (= Harl. V.)54) und 11 (= Harl. 2,399) eine gruppe bilden. Ha ist die
fehlerhafteste, A wol die beste hs., weun auch H widenun an einzelnen
stellen vor A den Vorzug verdient. R. W.
480 BÜCHERANZRIGEN.
Verhandlungen des dritten allgemeinen deutschen Neuphilologen-
tages am 28., 20., 30. September und am 1. Oktober 1888 zu
Dresden. Herausgegeben vom Vorstande der Versammlang.
S. Jahrgang. Hannover 1889.
Ucber den Dresdener neupbilologentag ist schon so viel geschrieben
worden, dass es uns ferne liegt, diese besprechungen hier vermehren zu
wollen. Es sei liier nur auf zwei wichtige punkte aufmerksam gemacht,
die sich aus dem vorliegenden berichte ergeben: 1. Es ist dem vorstände
noch nachträglich gelungen, den fehlbetrag, welcher von allen drei neu-
philologentagen vorhanden war, zu tilgen, ohne den beitrag der mitglieder
erhöhen zu müssen, so dass jetzt sogar noch ein, wenn auch recht imagi-
närer, überschuss da ist; wie dies geschehen konnte, ergibt der bericht.
2. Die mitgliederzahl des nenphilologenverbandes ist von 700 im Frank-
furter bericht auf 8M) gestiegen. R. W.
English Wayfaring Life in the Middle Ages (XIVtb Century) by
J. J. Jusseraud. Translated by Lucy Toulmin Smith.
Second Ed. London, T. Fisher Unwin/l889. 451 ss. 8«.
Jusscrand's buch ist ein werk von der höchsten bedeutung und wird
sich hoffentlich in der zweiten und billigeren aufläge auch in Deutachland
bald den verdienten leserkreis verschaffen, namentlich unter den Studenten.
Sein zweck ist zunächst nur, eine wichtige seite des kulturlebens des
englischen Mittelalters darzustellen, welche, wenn auch nicht die wich-
tigste, doch eine sehr wichtige ist, und Seitenblicke auf alle möglichen
anderen kulturfragen zulässt.
Als material benutzt Jusserand dabei nicht die dichter, sondern
gerade um die dichter zu erläutern, quellen, welche in der literaturge-
schichte am liebsten bei seite geschoben werden: nämlich die Statuten,
Petitionen, rechtsmitteilungen und Urkunden (welche in England ja seit
der mitte dieses Jahrhunderts in reichlichster und wissenschaftlich ab-
schliessender form herausgegeben werden). Er zieht gelegentlich natür-
lich auch Chaucer und Pierce Ploughman herbei, aber immer erst in zweiter
linie, und um zu zeigen, wie die (nur scheinbar trockenen) Urkunden erat
dazu beitragen, ein volles und richtiges bild der englischen Vergangenheit
zu schaffen. So scheint das buch, wie kaum ein zweites, klar zu machen,
dass die englische philologie, besonders die englische literaturgeschichte,
ohne quelleuninssigc, genaueste kenntniss der englischen geschieht« nicht
zu ihrem ziele kommt, wie sie erst im engen bunde mit jener dasselbe
erreicht: das ganze leben einer epoche zu durchdringen.
Das englische noinaden leben des luittelalters (bei Jusserand
besonders des 1 1. Jahrhunderts) behandelt der verf. in drei abschnitten,
von denen wir nur die Überschriften geben wollen1, mit dem ausdrück-
1 1. English Koads (1. Iluads and Kridgcs; 2. The ordinary Tra-
veller and the Casual Tasscr-hy; ,H. Security of the Koads). IL Lay
Wayfarers (1. Herbalists, Charlatnns, Minstrels, Jugglera, and Tumblen;
BÜCHER ANZEIGEN. 481
liehen vermerken, dass das buch viel mehr noch darbietet als die Über-
schriften selbst andeuten. So ist z. b. unter 11, 2 : ltinerant Merchants and
Pedlars ausführlich auf den exporthandel des englischen Mittelalters und
seine mittel und wege eingegangen ; ferner findet man darin über messen
und markte, ihre gesetze, sitten und gebrauche und beschränknngen zu-
verlässige angaben. Das kapitel Pilgrims führt uns nicht nur zu den
heiligen statten von Walsingham etc. in England, sondern nach dem
orient, besonders nach dem heiligen lande u. s. f.
Das buch ist eine reiche materialsammlung in schöner form darge-
boten, und wie jede materialsammfung natürlich der erweiterung fähig
und bedürftig. Aber es würde nur wenig am platze sein, hier viel solcher
einzelheiten nachzutragen, dass der Marshall of the Minstrels (s. 198) auch
Sergeaunt of the Minstrels hiess (Percy I, 372), dass die älteste und inter-
essanteste Minstrels1 Gallery Englands sich zu Penshurst (Rent) befindet
und besser noch zu erwähnen war als die späte, wenn auch sehr schöne,
zu Hatfield (s. 201), dass unter den gesetzen gegen die reisenden char-
latans 8 Heinr. VIII, 5 und 33 Heinr. VIII, 8 hätte nicht fehlen dürfen,
dass Seebohm über Thomas More's Stellung zu den heiligen das ab-
schliessende geliefert hat (und zu anderem ergebniss kam als Jusserand
s. 354). Wenn uns irgend etwas wirklich vergessen zu sein scheint, so
ist es das wayfaring life des englischen Scholaren; die ältesten Urkunden
über diesen stammen ja allerdings erst ans dem frühen 15. Jahrhundert,
aber das in denselben sich zeigende leben gehört einer weit älteren
epoche an und Jusserand hätte dabei gelegenheit gehabt (mit dem Stoffe
von Ansley's Munimenta Academica) zu zeigen, dass England seine 'fah-
renden schüler' hatte so gut wie Deutschland.
Ferner vermisst man hier und da andeutungen, dass bei einzelnen
erscheinungen des 14. Jahrhunderts (z. b. bei den mit besonderen rechten
versehenen fährleuten, den wandernden gerichten etc.) viel ältere, oft
schon heidnische Überlieferungen der germanischen vorzeit weiter wirkten;
dadurch wäre einmal der kulturhistorischen entwicklung rechnung getragen
und manches sonderbare erklärt worden. Aber dies und ähnliches sind
dinge, welche in einer kritik über das vorliegende buch nicht den räum
für das ungeteilte lob wegnehmen dürfen.
Die Übersetzung des buches durch Miss Toulmin Smith (welche hie
und da das buch mit anmerkungen1 bereichert hat) liest sich wie ein
originalwerk. Nicht den geringsten anteil an dem lobe des buches ver-
dient aber der Verleger für die geradezu mustergültige ausstattung. Die
01 Illustrationen (teils gute Holzschnitte, teils schöne und deutliche zinko-
typien) tragen sicherlich wesentlich dazu bei, den text zu veranschau-
lichen. Bilder derart sollten in keiner kulturgeschichte fehlen. E. F.
2. Messengers, ltinerant Merchants and Pedlars; 3. Outlaws, Wandering
Workmen, aud Peasants out of Bond). III. Religio us Wayfarers
(1. Wandering Preachers and Friars; 2. Pardoners; 3. Pilgrims and Pil-
grimages).
1 S. 393 an in. fehlt Bovenschen's name.
Anglia, XII. band. 31
482 BÜCHERANZEIGEN.
An Introduction to the study of Robert Browning's Poetry by Hiram
Corson. Boston, D. C. Heath & Co., 1888. X, 338. 8°.
'The hnportance of Robert Browning's poetry, as embodying the
profoundest thought, the subtlest and uiost complex sentioient, and above
all, the most quickening spirituality of the age', das ist das urteil Cor-
son's (s. 32) über die bedeutung BrowniDg's. * Browning . . . by his con-
teiupt of Beauty, or inability to surely cxpress it, fails of that union of
art and spiritual power, which always characterizes a poet entirely great ',
das ist das urteil Stedman's in seinen vortrefflichen Victorian Poet« (s.341).
Diese beiden urteile, wie sie sich schroff entgegenstehen, zeigen das, was
heutzutage die besten köpfe Über Browning denken. Dabei ist Corson's
urteil nicht absolut übertrieben und dennoch das Stcdinan's vollständig
richtig! Ueber den wert des gedankcn-, geinüts- und phantasiegehaltes
von Brownings dichtungen wird nur eine stimme sein, aber wenn es sich
um gerechte beurteilung der form handelt, wird wol der tadel (jedenfalls
das bedauern) vorwiegen.
Es wäre in der tat. wuuderbar, wenn der seit vielen Jahrzehnten
stets fast einzig an der form Browning's genommene anstoss unbegründet
wäre. Die Verehrer des dichtere , namentlich wenn sie einer, der vielen
(jedes Städtchen Englands und Amerikas unsicher machenden) Browning
Societics angehören, pflegen gern mit dem Vorwurf der Oberflächlichkeit
dem tadelnden kritiker gegenüber zur hand zu sein, sie sagen, Browning
erfordere ein Studium, er wolle nicht als nachmittagsloktüre gelesen sein etc.
Hecht schön! Jeder grosse dichter erfordert ein ernstes Studium! Wir
haben unsere Dante-, Shakespeare-, (Joethe-, Schillerwissenschaft, aber bei
keinem dieser dichter finden wir kommentare nötig, welche ein poetisches
werk von aufaug bis zu ende, vers für vers grammatisch und syntak-
tisch konstruieren müssten, und aller 200 verse uns den Inhalt anzu-
geben brauchten.
Browning wird von seinen Verehrern kühn an die seite dieser gross-
ten dichter gestellt woher kommt es nun, dass wir die feinsinnigsten
uiiinner syntaktisch an Browning (ihrem Zeitgenossen und landsmann) sich
abplagen sehen?
Es liegt an dem empfindlichen inangel grammatischer klarheit in der
spräche des dicht ers; er ringt, wie sein Sordello, mit der spräche:
Because pereeptions whole — like those he sought
To clothe, rejeet so pure a work of thought
As language — .
Aber die lobredner Browning's sollten sich nicht täuschen und diese
ausdrucksschwache notwendigkeit nennen und einen voreug der mnse
Browning's.
Dass aber hinter dieser oft verzweifelten darstellung mit der edelste
und bedeutendste gedankeninhalt ruht (oder verschüttet ist), den unsere
zeit überhaupt darbietet, das sollten die beständigen tadler Browning's
ebenfalls anerkenneu.
l'nd diese verschütteten schätze zu heben, das ist der sweck der
vielen, zum teil vortrefflichen erläuterungMchriften von Dowdenf Mm.
BÜCHERANZEIGEN. 483
Sutherland Orr, Nettlesbip u. a., denen sich hier ein ausgezeichnetes neues
werk von professor Corson anschliesst.
Das werkclien Corson's (welches für den anfänger noch den beson-
deren wert hat, dass es die erläuterten gedichte selbst mit abdruckt) ent-
hält ausser den erläuterungen und dem texte eine tüchtige einleitung,
auf deren fünf kapitel einzugehen ist.
Das erste: The Spiritual Ebb und Flow exhibited in Euglish Poetry
froiu Chaucer to Tennyson — ist eine kurze, aber vortreffliche übersieht
der englischen werke, welche 4have been vitalized from the Poet's own
soul'. Eine derartige betrachtungsweise der literaturwerke, nicht nach
entstehungsjahren und ausgaben, sondern nach dem, was ihnen die seele
des dichters selbst eingehaucht hat, ist höchst wichtig und zeitgemäss.
Das zweite kapitel behandelt Browning als subjektiven dichter
(nach der deutschen ästhetischen spräche) und gibt eine kurze dar-
stellung der überaus gesunden, idealen lebensanschauung des dichters;
diese wird von Corson formuliert als: the regeneration of men through
a personality who brings fresh stuff for them to mould. Dies kapitel
Corson's (s. 32—71) ist das wichtigste des ganzen buches, es war schon
durch die Papers of the Browning Society (London) bekannt.
Das dritte ist Browning's Obscurity überschrieben und versucht gleich
von vornherein (schlau!) jeden angriff auf des dichters spräche zurückzu-
schlagen mit den worten: 'It was long the fashion with skimming readers
and perfunetory critics to charge Mr. Browning with being wilfully obscure,
unconsciously careless and perversely harsh'; es werden ferner Goethe's
bekannte worte1 angeführt: 'Wer einem autor dunkelheit vorwerfen will,
sollte erst sein eigenes innere beschauen, ob es denn da auch recht hell
ist7. — Das ist ebenfalls recht schön, aber der beweis für Browning's
' helligkeit ' ist noch immer nicht geliefert. Und wenn ferner die eigenen
worte des dichters: ll never pretended to offer such literature a should
he a Substitute for a cigar or a game of dominoes for an idle man', so
rechtfertigt dieser, für einen grossen Schriftsteller selbstverständliche,
grundsatz noch keine Schwerfälligkeit des stils.
Für die konstruktionsarbeit an Browning's satzbau gibt Corson im
selbigen kapitel vier regeln, welche für das verständniss in der tat sehr
willkommen sind; und zwar sind Browning's eigentümlichkeiten: 1) die
auslassung des relativpronomens im nom. aecusativ und dativ; 2) der ge-
brauch des infinitivs ohne to\ 3) der gebrauch des conj. praet. für den
conditionalis ; 4) der gebrauch des dativs ohne präposition.
Corsou hätte noch als 5) hinzufügen können: Umstellung der Satz-
glieder nach dem versmass (eine 'eigentümlichkeit', die etwas mühe bei
der ausfeilung stets zu beseitigen pflegt — bei andern dichtem). Alle diese
regeln sind reichlich durch beispiele erläutert, und einige konstruktions-
monstra (z. b.: 4To be by him themselves made act || Not watch Sordello
acting each of them' — this curious mob of pronouns von Holt Uutton
genannt) enträtselt.
1 Die worte sind falsch citiert s. 73), st. beschauen : besuchen; sie stehen
nicht Wahrheit und Dichtung, sondern Sprüche in Prosa (Heuipel no. 705).
31*
484 BÜCHERANZEIGEN.
Der vierte und kürzeste abschnitt der cinleitung ist Browning's
metrik gewidmet.
Der folgende teil des buches bringt die erlauterungen, welche
grösstenteils in vortrefflichen Inhaltsangaben bestehen, kurz und bündig
abgefasst und in der tat im stände sind, die Schwierigkeiten der lektüre
/,u beseitigen.
Der vorliegende band enthält erlauterungen zu 33 meist kleineren
gedienten Browning's: aus den Dramatis Personae, Dramatic Romances,
Men and Women, Dramatic Idyls, Lyrics etc.1, es wäre aber zu hoffen, das»
prof. Corson bald auch die grösseren dichtungen Browning's mit erlaute-
rungen versähe und so den leser über den mangel des dichters hinweg
zur erkenntniss und zum genusse seiner grosse führte. E. F.
The Prelude, or Growth of a Poets Mind; An Autobiographical
Poem by W. Wordsworth. With Notes by A.J.George,
M. A. Boston, D. C. Heath & Co, 1888. XXXII. 322 kl. 8«.
Eine amerikanische Schulausgabe von Wordsworth's interessantem
werke, welches gewissermassen den Schlüssel zu seinem denken und
schaffen enthält. Ueber den ästhetischen wert des gedichts (welches, wie
alles von Wordsworth, in Deutschland ziemlich kühl aufgenommen worden
ist) ist hier nicht der ort zu sprechen. Als lektüre flir die schule ist es
sicher sehr zu empfehlen, und der herausgeber stellt es mit begreiflichem
enthusiasmus sehr hoch — aber die ganzen lobeserhebungen Über das
gedieht, welche die einleitung bringt, beruhen doch einfach auf massloser
und grundloser Übertreibung. Da hat nach Mr.Moir (s. XXIV) seit Homer (1)
kein dichter sich der dichtkunst so rein, so vollendet und so ununter-
brochen gewidmet als Wordsworth. (Wie 'rein' sich ' Homer' der dicht-
kunst widmete weiss weder Mr. Moir noch sonst wer, ob sich jemand so
*un unterbrochen' der dichtkunst widmete, ist flir die rangbestimmung
eines dichters völlig gleichgiltig, und dass es unzählige gleich 'vollendete*
dichter als Wordsworth gibt [unter allen literaturvölkern], wird wol kein
gesunder leugnen!) Da kennt ferner ein amerikanischer Staatsmann,
George F. Uoar, keinen mann, der gleich tiefe einsieht in die moralischen
kräfte gehabt hat (welches bild!), welche den ström der geschichte be-
stimmen (s. XVI)! Bei gelegenheit der Verleihung des ehrendoktortitels
an W. von seiten der Universität Oxford, nennt der herausgeber Oxford:
(the foremost University of his land and the world' (s. VII), W. ist mit
begreiflichem offiziellen kauderwelsch damals von Oxford genannt worden
4one of the chief glories of English Poetry and the greatest name since
Milton' (s. Vll)! Aber was sollen Superlative und Übertreibungen ntltaenV
Der schulknabe wird dadurch wahrlich nicht mehr gelockt als durch
1 Man vermisst flir die einzelnen gediente genaue citate. — Text-
kritisch ist bei Browning noch manches zu beachten. Z. b. in James Lee
(Dram. Pers. Imu, p. 1») 5, 4: Fell two red fans of a butterfly: jetit hat
der dichter geändert : Fall etc. — Die ausgäbe letzter hand bietet
interessante dar iu dieser hinsiebt.
BÜCHEKANZEIGEN. 485
eine klare und wahre Würdigung des Schriftstellers, fllr den er sich er-
wärmen soll.
Die anmerkungen des herausgebers sind tadellos und eine wirkliche
und wesentliche hüte zum verständniss des Werkes. Sie geben kurz und
zuverlässig (namentlich topographisch und biographisch) auskunft, und
machen die ausgäbe besonders für schulzwecke sehr brauchbar; und wenn
allmählich die gesammelten werke Wordsworth's (mit etwas weniger pane-
gyrischen eiuleitungen, aber sonst in gleicher weise) erscheinen sollen, so
wird nicht nur die schule, sondern auch die Wissenschaft vorteil ziehen.
E.F.
Leigh Hunt as Poet and Essayist being the choicest passages from
bis works selected and edited with a biographical introduction
by Charles Kent. London and New York, F. Warne & Co.,
1889. XL VIII, 528. 8<>.
Von Charles Kent herausgegeben, dem freunde Leigh Hunt's, erscheint
eine vortreffliche auswahl aus dessen poetischen und prosaischen werken,
in der tat einem bedürfnisse abhelfend und zugleich einen neuen wünsch
erweckend: nämlich nach einer den ansprüchen der Vollständigkeit und
der Wissenschaft genügenden gesammtausgabe der werke dieses nicht nur
liebenswürdigen, sondern auch höchst bedeutenden Schriftstellers. (Uns
erscheint es immer, als habe seine liebenswürdigkeit der auerkennung
seiner bedeutung eintrag getan, denn selbst das verdiente lob muss heut-
zutage mit reklame und dampf kraft erstehen!)
Es ist ein zauber, der die werke Leigh Hunt's umgibt, und dieser
ist in gegenwärtiger auswahl nicht zerstört worden, sondern feinfühlig
gewahrt.
Auf eine kurze biographische skizze folgen zunächst die poetischen
stücke (s. 1 — TS), dann die prosaischen (s. 81 — 524). Letztere enthalten
zunächst stücke aus den jetzt seltenen, meist nur kurzlebigen Zeitschriften
Leigh Hunt's (The News, The Examiner, The Reflector, The Round Table,
The Indicator, The Liberal, The Comparison, The Chat of the Week,
The Tatler, London Journal und Monthly Repository). lieber die auswahl
des gegebenen lässt sich nur sagen, dass sie vortrefflich ist und von anfang
bis zu ende stücke gibt, die zum besten gehören, was Leigh Hunt ge-
schaffen hat. Die citate zu jedem abschnitt sind genau gegeben, sogar
mit Jahreszahl, was den wert des buches noch erhöht.
Von den mehr wissenschaftlichen aufeätzen Hunt's (aus der Edin-
burgh Review etc.) sind abschnitte gegeben von: The Colman Family1,
Samuel Pepys, Madame de Sevigne, George Selwyn. Aus seinem werke
'Imagination and Fancy ' die stücke überChaucer, Spenser, Marlowe, Shake-
speare, Milton, Coleridge, Shelley, Keats; aus *Wit and Humour' über:
Ben Jonson, Shakespeare, Butler, Dryden, Pope, Swift und Goldsmith.
Die auszüge schliessen mit einem abschnitte aus dem Table Talk
1 Eine kleine ungenauigkeit: s. 420 und s. 420 ist der aufsatz July
1841 datiert, s. XXXVI October 184t.
488 HÜCHERANZKItiKN.
statcs nicht die Staaten, sondern (1i<
roomt wird sich häufig durch kurs
neben eare of die bedeutung aufschrit't •
per adr. in' aufschrift auf brlefenV
Scharfen tadet verdient die nnzuver
Viele Wörter sind auf den Seiten, auf ivelcl:
111 finden, so z. b. ablebeu s. US, zwei km
Bei anderen Wörtern des index fehl! die
pflegen s. 336, hinter dauer s. 91
Bei bald ist verwiesen auf s. 3SS, wo das v
hange steht: a nine days' teondur = eine geschiente, i
wächst. Das schönste aber hat der verfertiger dieses
eingebildet. Kr verweist da auf s. in, und was findet sieh
livated mind ein gebildeter sinn!!!
Auch von druekfehlern, zum teil sogar recht stiirendeti,
nicht frei. S. 3611, z. 3 v. «. I. the uhites = die weissen, st. d
auf s. I, z. 10 v. n. 1. hurt st. bout; s. 3SS, z. t r. v. o. I. grax» st
z. 7 v. u. 1. Ae st. be; s. 3*3, z. l* v. u. I. n/iipped st. wipped;
v. o. I. woudciitfer st. woodeufer n. s. f.
Dass bei der menge des gebotenen sturlVs Inhaltlich «[rfi allerding»
manches findet, das in Wörter Wiehern und iilnilicheii Sammlungen fehlt,
soll nicht verschwiegen werden. ]'. I,.
Materialien für das neuenglische Seminar. Herausgegeben von
Ernet Kegel. Halle, Max Niemeyer. II. bd. Thackcray's
Lectures on tbe Englisb Hurnourists of tbe Eighteenth Cen-
tury: Congreve und Addison. Herausgeg. von E. Kegel.
flti ss. 1887. — III. bd. Thaekeray'a Lectures etc.: Steele.
Herausgeg. von E. Kegel. 84 u, 1886. — VIII. bd. Byron'«
l'risoncr of Cbillou und Siege of Curintb. Herauögeg.
von J. (i. C Scliuler. 95 aa. 1880.
Regers dankenswertes unternehmen, durch herausgäbe neu englischer
Schriftwerke geeignete unterlagen für die Übungen im neuenglischen semlnai
zu schaffen, sollte anfangs wol auf Thackerays 1-ectiires sich beschränken.
Dieser enge rahmen ist aber erweitert und der Sammlung der ausgaben
der allgemeinere titel: 'Materialien für das neuenglische Seminar' gegeben
worden. Der referent der beiden zuerst erschienenen baudehon (I. Swift,
VI. Sterne und (joldsmith) hat in seiner lobenden besprechung in Anglia
VIII, I" zweck und anläge der ausgaben bereits dargelegt; auch die
neuen bandchen verdienen die dort wie anderwärts ausgesprochene an-
erkennung in vollem masse. Berück siclitigung der gesamtsten, oft nur
schwer zugängliuhen literatur, klare darstellung und unbefangenes urteil
sind ihre haupt Vorzüge. Heu früheren bändchen gegenüber zeichnen dhs
neuen sieh noch durch methodischere anordnung der bibliographischen an-
gaben aus. Uns zeigt sich besonders in bd. II, wo der heraaageber A. die
BÜCHERANZEIGEN. 487
Dr. E. Regel und J. G. C. Schuler, B. A.: Einführung in das heutige
Englisch, nach Stämmen geordnet, mit Berücksichtigung der
Synonymik. Leipzig, Teubner, 1889. VI, 443. 8°.
Unter vorstehendein titel veröffentlichen die beiden Verfasser eine
Sammlung englischer Wörter und redensarten, die in der hauptsache wol
von Regel herrührt, der aber durch Schuler's mitarbeiterschaft idioma-
tische färbung und unbedingte richtigkcit gesichert werden sollte. Was
das vorliegende Vokabular von andern büchern dieser art wesentlich unter-
scheidet, ist die anordnung nach stammen. Unter voran Stellung eines
grundwortes werden alle von demselben abgeleiteten Wörter aufgeführt,
da aber, wo ein passendes neuenglisches grundwort fehlt, ist in klammern
das lateinische wort, auf welches die wortgruppe sich aufbaut, vorgedruckt.
Anregung zu dieser art der anordnung hat Regel durch Hädicke's nach
diesem grundsatz gearbeitetes französisches Vokabular empfangen. Ref.
bezweifelt, dass das Englische sich ebenso gut wie das Französische für
diese anordnung eignet. Der eigentümliche Charakter der engl, spräche
hat den zu einem und demselben stamm gehörigen engl. Wörtern oft ein
so verschiedenes aussehen verliehen, dass ihre Zusammenstellung zu einer
gruppe keinen pädagogischen wert mehr besitzt. Man vergleiche beispiels-
weise nur die unter [dare] aufgeführten ableitungen: dale, edit, die, per-
dition, render, rent, traitor, belray, treason ! Dabei sieht man nicht recht ein,
warum das leicht als ableitung von dare erkenntliche add eine selbständige
gruppe bildet, die vom grundwort jedoch unendlich weiter abweichenden
bildungen belray u. s. w. unter dare gestellt werden. Was soll ferner
den, der nicht schon mit einer grösseren anzahl von lautgesetzen bekannt
ist, auf den gedanken bringen, haughty unter altus, redoubl unter ducere,
traitor unter dare zu suchen? Wozu wird bei astonish b. 11 auf tone ver-
wiesen, während das wort unter [lonare] eingereiht ist? — Hädicke's franz.
Vokabular hat vor dem Regel's den vorzug, dass es im Stoffe sich ausser-
ordentlich beschränkt und deshalb nur solche Wörter zusammenstellt, in
denen das gemeinsame etymon leicht erkenntlich ist. An ein solches
Schulbuch hat auch Regel ursprünglich gedacht, wie sein entwurf im
Crossener programm von 1881 beweist. Es wäre zu wünschen gewesen,
dass er sich mehr an die dort aufgestellten grundsätze, besonders auch
rücksichtlich der bezeichnung der ausspräche und betonung gehalten hätte.
Die in der vorliegenden form des buches angewendete Western'sche aus-
sprachebezeichnung hätte einer kurzen erläuterung bedurft.
Man kann über das zuviel oder zuwenig eines solchen Vokabulars
verschiedener ansieht sein, doch hätten bei stammen wie brerv und deco-
rate die subst. brewery und decoration, bei break die gerade vom deut-
schen abweichende bedeutung zerreissen (a chain, a rope, a thread
breaks) nicht fehlen sollen. Hingegen konnten Wörter wie somebody und
anybody, ferner die doppelte aufzählung mancher Wendungen wie bread
and butter (s. 2?» und 34), inflammation of the lungs (s. 116 und 164), das
beispiel a dozen bottles of winc (s. 27) neben three dozen botttes ofwine
(s. So) u. a. recht gut unterbleiben. Auch in der angäbe der deutschen
bedeutung ist manches anfechtbar. So heisst doch s. 11 to assemble the
488 BÜCHBRANZE1GBN.
slatcs nicht die Staaten, sondern die stände versammeln; assembly-
rooms wird sich häufig durch kursaal widergeben lassen; was soll 8. 44
neben care of die bedeutung aufschrift? fehlt etwa davor 'zu händen,
per adr. in ' aufschrift auf briefen ?
Scharfen tadel verdient die unzuverlässigkeit des deutschen index.
Viele Wörter sind auf den seiten, auf welche verwiesen wird, gar nicht
zu finden, so z. b. abieben s. 14S, Zweikampf s. 203, eingedenk s. 197.
Bei anderen Wörtern des index fehlt die Seitenangabe, so z. b. hinter
pflegen s. 336, hinter dauer s. 90, hinter die anker lichten s. 382.
Bei bald ist verwiesen auf s. 38S, wo das wort in folgendem zusammen-
hange steht: a nine days1 rvonder = eine geschiente, über die bald gras
wächst. Das schönste aber hat der verfertiger dieses index geleistet bei
eingebildet. Er verweist da auf s. 87, und was findet sich dort? a cul-
tivated mind ein gebildeter sinn!!!
Auch von druckfehlern, zum teil sogar recht störenden, ist das buch
nicht frei. S. 383, z. 3 v. u. 1. the whites = die weissen, st. das weissen;
auf s. 1, z. 10 v. u. 1. butt st. böMt; s. 353, z. 15 v. o. 1. gr*ss st. gras; s. 25,
z. 7 v. u. 1. he st. be; s. 383. z. 18 v. o. 1. w^ipped st. wipped; s. 388, z. 19
v. o. 1. woodeuffer st. woodeu/er u. s. f.
Dass bei der menge des gebotenen Stoffes inhaltlich sich allerdings
manches findet, das in Wörterbüchern und ähnlichen Sammlungen fehlt,
soll nicht verschwiegen werden. P. L.
Materialien für das neuenglische Seminar. Herausgegeben von
Ernst Regel. Halle, Max Niemeyer. II. bd. Thackeray's
Lee tu res on the English Humourists of the Eighteenth Cen-
tury: Congreve und Addison. Herausgeg. von E.Regel.
96 S8. 1887. — III. bd. Thackeray's Lectures etc.: Steele.
Herausgeg. von E. Regel. 84 ss. 1886. — VIII. bd. Byron'«
Prisoner of Chillon und Siege of Corinth. Herausgeg.
von J. G. C. Schuler. 95 ss. 1886.
Regelt dankenswertes unternehmen, durch herausgäbe neuenglischer
Schriftwerke geeignete unterlagen fUr die Übungen im neuenglischen seminar
zu schaffen, sollte anfangs wol auf Thackeray's lectures sich beschränken.
Dieser enge rahmen ist aber erweitert und der Sammlung der ausgaben
der allgemeinere titel: 'Materialien für das neuenglische Seminar' gegeben
worden. Der referent der beiden zuerst erschienenen bändelten (1. Swift,
VI. Sterne und Goldsmith) hat in seiner lobenden besprechung in Anglia
VIII, 177 zweck und anläge der ausgaben bereits dargelegt; auch die
neuen bändchen verdienen die dort wie anderwärts ausgesprochene an-
erkennung in vollem masse. Berücksichtigung der gesammten, oft nur
schwer zugänglichen literatur, klare darstellung und unbefangene« urteil
sind ihre hauptvorzüge. Deu früheren bändchen gegenüber zeichnen die
neuen sich noch durch methodischere anordnung der bibliographischen an-
gaben aus. Das zeigt sich besonders in bd. II, wo der herausgebe! A. die
büchekanzeigen. 489
Originalausgaben der einzelnen werke, ß. spätere einzelausgaben , C. die
gesammelten werke, D. die Übersetzungen und E. arbeiten über Con-
greve (beziehentlich Addison) mit erschöpfender Vollständigkeit auf-
zählt. Der bibliographie folgt eine Schilderung von Congreve's leben und
charakter, der sich dann eine besprechung seiner bedeutung als drama-
tiker und humorist anschliesst. Regel stellt von den dramen The Way
of the World am tiefsten; als gelungenstes bezeichnet er The Double
Dealer, dessen inhalt er uns zur veranschaulichung des Charakters und
der motive des damaligen lustspiels kurz vorführt. Recht dankenswert
ist auch die beigäbe eines briefes Congreve's an Dennis, in welchem
Congreve sich über begriff und wesen des humors ausspricht. Die an-
111 erklingen sind meist sachlicher natur. Bei anm. 10 hätte erwähnt werden
können, dass Thackeray hier den älteren Pitt im äuge hatte, der in Cam-
bridge studierte und für Öld Saruni ins parlament kam. — Anm. 50b wird
erst recht verständlich, wenn man weiss, dass Billingsgate der grosse
Londoner fischmarkt ist, was man doch nicht als jedem bekannt voraus-
setzen darf.
Auch bei Addison schildert der herausgeber nach der bibliographie
zunächst sein leben und seinen Charakter, und dann seine Stellung als
lyriker, dramatiker und essayist. Er folgt hierin häufig der darstell ung
von Courthope, verweist dabei aber fortwährend zur begründung und er-
läuterung seiner urteile auf die werke, besonders die moralischen Wochen-
schriften. In der erwähnung des Freeholder (s. 58) ist wol die irrtümliche
angäbe, er habe bis zum 9. Juni 1716 gedauert, aus einem dnickfehler zu
erklären, indem vom setzer auf s. 58, z. 3 v.u. nach 1715 [bis 2] weg-
gelassen wurde, da die letzte nummer (55) doch am 29. Juni erschien.
Zum text der Lecture sei noch bemerkt, dass auf s. 73 in der anführung
der verse aus Addisons gedieht The Campaign v. 12: 'To fainting squa-
drons /ent the timely aid', die Tickell'sche ausgäbe der werke Addison's
die lesart sent hat. Ob es sich hier um einen druckfehler oder um ver-
schiedene lesarten handelt, vermag ref. nicht zu entscheiden. — Auch
hier sind die anmerkungen des herausgebers vorwiegend sachlicher natur.
Leider enthält das bändchen eine reihe oft recht störender druckfehler.
S. 1 1, z. 23 v. o. 1. petrcadillo st. pecadillo; s. 27, z. 11 v. u. 1. rfown st. fown;
s. 34, z. 5 v. u. 1. of st. or; s. 38, z. 8 v. u. 1. may, ten to one, st. may ten,
to one; s. 44, z. 21 v. u. 1. U st. is; s. 45, z. 22 v. u. 1. of st. af\ s. 49, z. 3
v. u. 1. 3r«i st. ;j"(1; s. 73, z. 5 v. u. darf nur ein Sternchen statt zwei stehen;
s. 7t>, z. 5 v. ii. 1. weak st. we<?k; s. 77, z. 5 v. o. 1. of st. af; s. 90, anm. 52,
z. 3 1. das stürmische st. dass /finnische; s. 90, anm. 57, z. 3 muss nach
machinery ein gedan kenstrich statt eines bindestriches stehen.
Band 111 ist ausschliesslich Steele gewidmet. An erster stelle der
bibliographischen angaben findet sich hier eine kritische besprechung der
Hteratur über Steele; solche orientierende winke sind gerade in der reichen
litcratur über einen mann, der die verschiedenste beurteilung erfahren
hat, recht am platze. Nach aufzählung der ausgaben wendet Regel sich
dann zur betrachtung von Steele's leben und charakter, der er hauptsäch-
lich die darstcllung von Dobson (Selections from Steele, with Introduction
and Notes, Oxford 1885) zu gründe legt und lehrt ihn uns endlich als
490 BÜCHERANZEIGEN.
dramatiker und essayisten kennen. Eine knappe Charakteristik des Tatler,
Speetator und Guardian beschliesst die einleitung. — Die aufgäbe, Steele
als menschen und schriftsteiler zu schildern, gehurt jedenfalls zu den
dankbarsten, denn es gibt wenig Persönlichkeiten in der literatur von
solcher liebeuswürdigkeit und herzlicbkeit, wenige, bei denen selbst im
kämpfe gegen torheiten und laster der zeit echt menschliche teilnähme
so sehr zu tage tritt wie gerade bei Steele. Regel löst seine aufgäbe mit
wärme für seinen beiden und ist bemüht, ihn nach mannigfacher ver-
kennung und Unterschätzung, besonders Addison gegenüber, nach seinem
vollen verdienst zu würdigen. Er kommt dabei zu dem ergebniss, dass
in den moralischen Wochenschriften 'der inspirierende geist, der erfin-
dende genius, der frische und lebenskraft sprudelnde, mit einem worte
der genialere von beiden Steele, nicht Addison ist'. Mit recht weist der
herausgeber neben Steele's kritischen auch auf die moralphilosophischen
beitrage hin : ihnen ist es in erster linie zu danken, dass England ans der
moralischen versumpftheit wider zur achtung der frauen und zur heilig-
haltung der ehe zurückgeführt wurde. Nur in dem glatten und gefeilten
stile gebührt Addison der vorzug, während andrerseits ein gewisses sich-
gehenlassen den beitragen Steele's grössere natürlichkeit und innigkeit
verleiht. Wenn Regel bei der Wertschätzung der einzelnen Wochen-
schriften untereinander den Tatler über den regelroässigercn Speetator
stellt, so liegt das wol zum teil mit darin begründet, dass ersterer mehr
vom geiste Steele's, letzterer mehr vom geiste Addison's durchweht ist. —
Dem texte von Thackeray's Lectnre ist eine fülle von anmerkungen bei-
gegeben, die den leser mit den darin vorkommenden personen und ört-
lichkeiten, sowie mit gewissen eigentümlichkeiten von Steele's spräche
bekannt machen. Aus den reichen beziehungen zur politischen, literatnr-
und kulturgeschichte , die sich hier anknüpfen lassen, sieht man, dass
Regel mit der herausgäbe der Lectures einen glücklichen griff getan hat.
Der Student gewinnt einen trefflichen einblick in das ganze geistige und
politische leben und treiben jener tage, in denen politik und literatur in
regster Wechselwirkung standen. Leider sind auch in diesem bandchen,
trotz des beigefügten druckfehlcrverzeichnisses, noch eine menge versehen
unberücksichtigt geblieben: S. 24, z. 22 v. u. 1. ste//t st. stillt; s. 26, s. 11
v. o. 1. «nsuccessful st. «nsuccessful j s. 3S, z. 1 7 v. u. 1. a/i answer st a an-
»wer; s. 4i>, z. 3 v. o. 1. Not', st. Noir.; s. 47, z. 4 v. u. 1. fraby st. Aaby; s. 48,
anm., z. 14 v. o. 1. full-Aottomcd st. full-bMttomed; s. 63, z. 3 v. o. 1. acquain-
tance st. acquaintacc; s. r>S, z. I v. u. 1. sinmd st. sinnend; s. 69, z. 3 T. u.
1. Richard st. Rinhard; s. 71, anm. 24, z. 2 1. gebraucht st. gebraucht; s. 72t
anm. 30, z. 2 1. Macaub/y st. Macaulcry; s. 74, anm. 52, z. 2 1. 1776 st. 107B,
s. 7.-1, anm. ."»7, /.. 3 1. 1/35 st. 1.757; s. 7s, anm. 102, z. 2 1. Lying st. Lyng.
Mehrfach ist am-h die Verwechselung von u und n im druck übersehen.
Während Regel's ausgaben von Thackeray's Lectures fttr die Tor-
gesehritteneren des seminars bestimmt sind, hat Schuler in Byron's
Trisoner of Chillon und Siege of Corinth einen stoff für die niederen
kurse liefern wollen. Der herausgeber beginnt mit einer knapp gehaltenem
hiogruphic des dichters, gibt sodann die bibliographic (1. Byron's werke;
2. ausgaben und Übersetzungen; 3. werke und aufsütze Über Byron) und
BÜCHERANZEIGEN. 491
versieht jedes der beiden gediente mit einer besonderen einleitung über
seine entstehung, nebst einer darstellung der metrik. Dem text ist die
grosse Murray 'sehe ausgäbe zu gründe gelegt; lesarten aus B.'s manu-
Skripten sind als anbang beigegeben. Die anmerkungen sind hier, ab-
weichend von Regel's ausgaben, am fusse jeder seite gedruckt; da sie
vorwiegend sprachlicher natur sind, ist dies nur zu billigen.
In den bibliographischen angaben vermissen wir allerdings Regel's
Vollständigkeit; so fehlen z. b. Gordon, Life and Genius of Lord Byron,
1S24; Kennedy, Conversations on Religion with Lord Byron etc., 183*»; von
neueren werken: Engel, Lord Byron, Eine Autobiographie u. s. w. Auch
sei hier auf die inzwischen erschienene englische literaturgeschichte von
Bleibtreu hingewiesen, der B. ausführlich behandelt (bd. II, s. 151—325).
Die allitteration bei B., auf die der herausgeber s. 19, anm. 10 hinweist,
ist nebst derselben erscheinung bei Bnrns, Moore und Scott zum gegen-
ständ einer besonderen Untersuchung gemacht worden von Zeuner (Die
Allitteration bei neuenglischen Dichtern, Halle 1880, Diss.). — In dem
unregelmässigen versmasse des prologs und des zweiten teiles der Siege
of Corinth (von v. 379) sucht der herausgeber das lesen der verse da-
durch zu unterstützen, dass er die vorkommenden anapäste nach ihrer
stelluug im verse durch Vordruck der buchstaben a, b, c, d für ihr vor-
kommen im 1., 2., 3., 4. takte bezeichnet. Es wäre jedenfalls einfacher und
übersichtlicher gewesen, die haupttakte tragenden silben mit accenten zu
versehen. Ob überhaupt die anwendung der terminologie der klassischen
metrik auf so unregelmässige metren sich empfiehlt, bleibe dahingestellt.
Auch erscheint es überflüssig, jede härte im reime namhaft zu machen;
der hinweis auf einige allgemeine gesichtspunkte hätte völlig genügt.
Die anmerkungen sind, wie schon erwähnt, in der hauptsache sprach-
licher art; den deutungen und Übersetzungsvorschlägen dunkler oder
schwieriger stellen wird man im allgemeinen seine Zustimmung nicht ver-
sagen können. Nur an der etwas verwickelten stelle v. 909 (S. of C.) sind
wir abweichender ansieht und möchten das when nicht zu pictured there,
sondern zu we kneeling see u. s. w. konstruieren. — In den sachlichen an-
merkungen ist der herausgeber manchmal zu freigebig; der zug des Xerxes
nach Griechenland (anm. 15 der S. ofC), die namen Patroklus (v. 765),
Salamis und Megara (zu v. 719) bedürfen für studierende doch wahrlich
nicht erst der erklärung! Aufgefallen ist ref. in B.\s eigener anmerkung
zu Prisoner v. 111 die namensform St. Gingo. Zwar findet sich dieselbe
schon in der englischen ausgäbe von 1839, es kann aber doch nicht der
geringste zweifei obwalten, dass damit der kleine ort St. Gingo/pA gemeint
ist. Handelt es sich hier nicht vielleicht um einen druckfehler, der sich von
ausgäbe zu ausgäbe weiter geschleppt hat? Es ist dies um so leichter
erklärlich, als der name in den meisten ausgaben am ende der zeile steht ;
es liegt also die Vermutung nahe, dass beim ersten druck die buchstaben
Iph absprangen und der fehler so übersehen wurde.
Von druckfehlern fielen uns folgende auf: gleich im inhaltsverzeichniss
z. 1 muss es heissen ^graphische statt £i7>/iögraphische notiz; s. 50, anm.
zu v. "is 1. s/aekeuing st. s/ackening; s. 52, B.'s anm. z. 3 1. campaign st.
compaign; s. 72, anm. 2 1. 51b st. S\b; s. 70, v. 013 1. words st. wor/ds;
492 BÜCHER ANZEIGEN.
8. 91, v. 9*4 1. aff/icted; 8. »2, B.'s anm. z. 2 1. wor st. Aor; 8. 93, z. 9 der les-
arten 1. a/id st. awd. — Von diesen kleinen ausstellungen abgesehen, bietet
die ausgäbe viel nützliches und brauchbares und sei nebst den übrigen
der Sammlung hiermit warm empfohlen. P. L.
Mary Putnam Jacobi, M. D. Pbilological Notes on Primary Edu-
cation and the Study of Languages. New York and London,
G. P. Putnam's Sons*, 1889. 120 ss.
Das vorliegende buch ist ein beitrag zur reform des Unterrichts, be-
sonders in den sprachen. Während im ersten teile desselben auf grund
physiologischer gesetze und beobachtungen gezeigt wird, dass der an-
schauungsunterricht dem Sprachunterricht voraufgehen muss, dass ge-
dankeninhalt zu gewinnen ist, che gedankenausdruck gelehrt werden kann,
behandelt der zweite, fiir die leser dieser Zeitschrift interessantere teil die
Sprachstudien im rahmen der erziehung und in ihrem verhältniss zu ein-
ander. Als geeignetste zeit für das erlernen fremder sprachen wird das
alter zwischen sieben und fünfzehn jähren hingestellt; die beiden ersten
jähre sollen hauptsächlich dem einprägen von Wörtern, als den anschauungs-
gegenständen am nächsten stehend, gewidmet werden; dabei wird das
gleichzeitige betreiben mehrerer fremder sprachen, z. b. Latein, Franzö-
sisch und Deutsch, neben Englisch als muttersprache empfohlen. Dass
dieses wortstudium ein vergleichendes, mit hinweis auf Grimm's lautver-
schiebungsgesetz, sein soll, dürfte doch an ein so jugendliches alter eine
zu hohe forderung sein. — An das Studium der Wörter schliesst sich
dann das ihrer gegenseitigen beziehungen im satze, die grammatik, an,
und zwar auf analytischem wege. Dem schüler seien nicht fertige dekli-
nations- und konjugationstabellen vorzulegen, sondern er müsse unter
anleitung des lehrers zerstreute tatsachen sammelu, sie vergleichen und
aus ihnen ein gesetz gewinnen lernen. Der grammatische Unterricht soll
nie zur hauptsache werden und sich immer auf das wesentliche und all-
gemein giltige beschränken. Anziehende, dem verständniss des Schillers
angepasste texte seien die beste einfUhrung in die spräche; baldmögliche
bekanntschaft mit den klassischen Schriftstellern wird als unzweckmässtg
zurückgewiesen. — Das Griechische soll nach dem zehnten lebensjahre in
gleicher weise begonnen werden und allmälich an stelle des Französischen
treten. Mit dem sechzehnten jähre könne dann das systematische Sprach-
studium aufhören, um nun die zeit auf erfassung schwierigerer gruppen
von tatsachen, womöglich mit hilfe der gewonnenen Sprachkenntnisse zu
verwenden. Die notwendigkeit gründlicher philologischer ausbildung vor
der erwerbung eingehenderer kenntnisse der uns umgebenden weit wird
als überkommener aberglaube bezeichnet.
Viele der vorgetragenen sätze sind bei uns längst bekannt und zum
teil sogar allgemein anerkannt; immerhin ist es erfreulich zu sehen, dass
auch im ausländ eine gesündere richtung im Sprachunterricht sich bemerk-
lich macht. Eine wahrhaft glänzende ausstattung erhöht noch die lesbar-
keit des buches. P. L.
BÜCHERANZEIGEN. 493
Eingelieferte amerikanische werke.
English Culture in Virginia. A Study of the Gilmer Letters and
an Account of the English Professors obtained by Jefferson
for the University of Virginia. By W. P. Trent. Baltimore
(Johns Hopkins University Studies in Hist. and Polit. Science
7, 5-6). 1889. 141 ss. 8».
Wie schon auf dem titel gesagt ist, enthält die vorliegende Studie
eine skizze der ältesten geschichte der University of Virginia (welche
besonders durch Jefferson's enthusiasmus und bemühungen ins leben ge-
rufen wurde1), und zwar beruht dieselbe auf dem material, welches die
korrespondenz F. W. Gilmer's liefert. Gilmer war Jurist (und erster pro-
fessor für recht an dieser Universität) und wurde von Jefferson nach Eng-
land geschickt, um daselbst diejenigen professoren für das neue institut
anzuwerben, welche Amerika damals noch nicht selbst darbot. Wir er-
halten durch die briefe einen interessanten einblick nicht nur in das
geistige leben Virginias, sondern auch Englands. Die briefe aus London,
Oxford, Cambridge, Edinburgh zeigen uns ein klares urteil über die lite
rarischen grossen dieser orte (besonders interessant sind die briefe von
Dugald Stewart, Samuel Parr, Tho. Campbell u. a.). Von Gilmer selbst
gewinnt man dabei (wie die männer, mit denen er in England in berüh-
rung kam) einen äusserst günstigen eindruck; zur Charakteristik des
inannes sei kurz sein selbstbekenntniss (von s. 73) angeführt:
'I have already said that I am fondly attached to the sciences;
and the strength of that attachment is proportional to each, as it appears
to nie calculated to advance the interests of mankind. In the univer-
sity of Cambridge I have often thought that this object is too much
lost sight' of ; and that the great body of talent in that seat of know-
ledge is frequently directed to points of comparatively minor impor-
tance, and thus in a great measure thrown away whilst it might be
employed in a manner so highly beneficial both for England and the
whole world'.
Da Gilmer in der blute der jähre ( 1 826) hinweggerissen wurde, konnte
Trent den abschluss der frühesten geschichte der Universität nicht aus
seiner hauptquelle geben. Besonders interessant sind einige im anhange
mitgeteilte briefe Ticknor's (vor allem der von Göttingen 30. 1. 1817 über
die tageseinteilung der deutschen gelehrten).
Wenn bei der höchst anziehend geschriebenen skizze Trent's etwas
zu wünschen übrig bliebe, so wäre das nur, noch mehr briefe* abgedruckt
zu sehen ; doch darf man wol hoffen, dass Trent diesem wünsche (gewiss
vieler) an anderer stelle nachkommen wird. E. F.
1 Vgl. H. B. Adam's quellenwerk: Tho. Jefferson and the Univertity
of Virginia, 1SS8.
* Trent standen zwei grössere briefsammlungen (in Privatbesitz) zur
Verfügung (vgl. s. 8), aus denen nur einzelnes, aber ungenau, bisher abge-
druckt war (vgl. s. 29).
494 BÜCHERANZEIGEN.
The Household History of the United States and its People by
Edward Eggleston. New York, U. Appleton & Co., 1889.
XVI, 396. 8°.
Die vorliegende geschiente der Vereinigten Staaten ist, wie schon
der titel besagt, mehr populären Charakters, aber wie schon der erste
blick auf den text zeigt, keineswegs eine jener wie pilze aus der erde
schiessenden koinpilationen, sondern die frucht eingehender Studien, und
zwar besonders auf dein gebiete der amerikanischen kulturgeschichte.
Diese vorarbeiten zu dem grösseren werke (dessen baldiges er-
scheinen wir dem Verfasser und der Wissenschaft herzlich wünschen),
kommen dem kleineren zu gute und verleihen ihm seinen reiz und seinen
wert. Die anordnung des Stoffes in 62 kapiteln ist übersichtlich und die
fortlaufende klare darstellung wird lebhafter durch eingestreute kleinere
biographische skizzen und durch anekdoten, welche, wie der verf. mit
recht sagt: 'lend the charm of a human and personal interest to the broader
facts of the nation's history'. Die berühmten worte Daniel Webster's:
'Wo nced a history of firesides' (vgl. vorrede) sind tatsächlich bis zu
einem gewissen grade mit dem gegenwärtigen buche erfüllt worden.
Was zu der vortrefflichkeit des textes noch hinzu kommt und den
wert des buches erhöht, das sind die ganz besonders zu rühmenden zahl-
reichen illustratiouen, deren auswahl sicher unter grossen Schwierigkeiten
mit kritik und völliger beherrschung des Stoffes getroffen ist.
Die holzstücke der portr&ts sind zwar uicht alle neu, sondern zu einein
teile z. b. aus Harper's Magazine bekannt, aber sie sind fast * ausnahmslos
so vortrefflich, dass es gar nicht not getan hätte, andere zu wählen.
Es sei zum schluss noch auf das knappe, aber gute und schön illu-
strierte kapitel über amerikanische literaturgcschichte hingewiesen, und
damit das buch in jeder beziehung warm empfohlen. E. F.
Household History of the U. S. by E. Eggleston. School Edition
Diese Schulausgabe ist ein auszug aus dem obigen werke, mit den-
selben bildern ausgestattet. Jedes der kapitel ist durch angefügte fragen
für den schulgebrauch besonders brauchbar gemacht. Der amerikanische
schulknabe ist jedenfalls um solch vortreffliches lesebuch zu beneiden, wo
text und bild wetteifern, das Interesse an der vaterländischen geschieht«
zu erwecken. E. F.
Atlantic Essays by Thomas Wentworth Higginson. Boston.
Lee & Shephard, 1889. 341 as. kl. 8°.
Die Atlantic Essays von Higginson tragen ihren titel mit recht —
nicht etwa weil sie nur atlantische fragen behandelten, sondern weil der
geist, der sie durchweht, rein atlantisch ist, vollständig amerikanisch. Es
1 Nicht sehr schön ist Walter Raleigh's bild; es wäre da besser ent-
weder das berühmte Vollbild (gestochen z. b. vor E. Edwards* Life of R.)
BÜCHERANZEIGEN. 495
sind allerdings nur drei essays, welche sich direkt auf Amerika beziehen
(Aniericanism in Literature 1870, Literature as an Art 1867, A Plea tbr
Culture 1867), aber alle sind mit bezug auf Amerika geschrieben. Und
zwar haben diese essays fast alle das ziel, den stand des geschmackes
an literarischen stoßen klassischer zu gestalten, die klassischen literaturen
(namentlich die griechische, deren begeisterter Verfechter Higginson ist,
vgl. die essays Greek (Joddesses und Sappho) in Amerika zu ihrem rechte
zu verhelfen. Mit der frauenfrage (vgl. den 5. essay) l hätte man sich hier
nicht zu befassen, wenn dieselbe nicht im Vordergründe der amerikanischen
kultur stäude und alle gebiete des geistigen lebens von Amerika berührte
und beeinflusste.
Der essay Aniericanism in Literature gipfelt in dem satze: 'We are
aiming at something better than our English fathers, and we pay for it
by greater vacillations and vibrations of movement' — nur erscheint, so
sehr wir geneigt sind, dem Amerikaner entgegen zu kommen, solcher
ausspruch übertrieben, und jedenfalls in diesem essay nicht näher aus-
geführt und begründet. Die literaturen nicht nur Englands, sondern aller
länder, welche eine grosse Hteratur besitzeu und schaffen, haben ein und
dasselbe ziel und können nur eins haben; Amerika hat kein beson-
ders ueues, ebensowenig wie ein neues ethisches oder religiöses ideal.
Die erzählenden skizzen: A Charge with Prince Rupert, Mademoi-
selle's Campaign, The Puritan Minister und Fayal sind sämmtlich durch
die Vorzüge von Iligginson's stil: die lebhaftigkeit und frische der Schilde-
rung ausgezeichnet, die seiner grösseren novelle Malbone- einen dauernden
platz in der amerikanischen literaturgeschichte gesichert hat. E. F.
Army Life in a black Regiment by TU. W. Higginsoii. Boston,
Lee & Shepard, 1882. 296 ss. kl. 8».
Das vorliegende buch enthält eines der interessantesten kulturbilder
aus dem grossen amerikanischen kriege. Es behandelt die erfahrungen,
welche Higginson, als oberst im 1. freiwilligen negerregiment zu sammeln
gelegenheit hatte, und niemand wird das buch aus der hand legen, ohne
bedauern, nicht länger unter den biederen schwarzen (hier merkwürdiger-
weise stets nüchternen) kürbissessern verweilen zu können.
Für die englische phüologie, der das buch auch angehört, bringt es
stoff zu dialektstudien und ein abschnitt: Negro Spirituals wird als quelle
für diesen teil der englischen Volkslieder dienen; in der tat ist die treue
widergabe von 37 negerliedern (oft heimlich den sängern und dichtem
nachgeschrieben) die reichste liedersammlung dieser art.
Das hauptmerkzeichen der lieder ist ein religiöser zug, der über-
oder eines der brustbilder vor der History of the World widerzugeben
gewesen; ferner fehlt ein bild von van Buren (von sämmtlichen anderen
Präsidenten sind porträts gegeben).
1 Von T. W. Higginson stammt das nahezu klassische * Common sense
about women'.
* Malbone : An Oldport Romance by T. W. Higginson. Boston, Lee
& Shepard, 1*82.
496 bOcheranzrigkn.
haupt in dem geistesleben des negers eine grosse rolle zu spielen scheint
(s. 22, 26, :i3); eigentlich sind es nur drei lieder der Sammlung (no. 35,
31», 37), welche sich von diesem religiös-kirchlichen charakter befreien,
aber im ganzen nicht über den ersteren an wert stehen.
Man ist Higginson sehr zu danke verpflichtet flir die Sammlung und
Veröffentlichung dieser lieder — in denen aber weder der hauptinhalt,
noch die Hauptbedeutung von Higginson's werke besteht. E. F.
Travellers and Outlaws. Episodes in American History by Th. W.
Higginson. Boston, Lee & Shepard, 1889. 340 ss. kl. 8°.
Travellers and Outlaws sind acht fesselnde kulturbilder , von denen
das erste (Old Salem Sea Captains) höchst interessante gestalten aus
Hawthorne's geburtsstadt vorführt, das zweite aus William Ellery's tage-
büchern ein stück kulturgcschichte aus dem grossen Freiheitskriege gibt.
Das dritte behandelt den berüchtigten vagabunden Tufts (nach dessen
eigener lebensbeschreibung). Es ist allerdings nicht 'love of bad Com-
pany', was diese skizze so ausserordentlich fesselnd macht, sondern die
darstellung der fabelhaften abenteuer dieses patrons, der einen merk-
würdig dunkeln hintergrund zu den glänzenden helden seiner zeit bildet.
Aus seinem (liebes Vokabular (lexikographisch noch nicht ausgebeutet!)
gibt uus Higginson einige interessante proben (s. 1 12). Die beiden nächsten
essays behandeln die Maroons von Surinam und Jamaika und der letzteren
trauriges, tragisches ende. Die drei schlussessays (von denen derjenige
über den hehlen Nat Turner mit besonderer liebe ausgeführt zu seiu
scheint) geben die geschiente von den negeraufständen Gabricl's, Den-
mark Yesey's und Nat Turner1», jeder denkwürdig und von beständiger
auziehungkraft.
Higginson's skizzen verdienen in hohem masse aus der Vergessen-
heit der Zeitschriften, in denen sie zuerst erschienen, entrückt zu werden;
sie sind die fruchte von eingehenden quellenstudien , aber mit solchem
geschick und mit solcher stilistischen fertigkeit geschrieben, dass sie sich
wie novellen lesen. Ein anhang gibt genaue reehenschaft und hinweise
auf die quellen. E. F.
Berichtigung.
S. 271, z. 12 v. ii. lies mery fllr merry.
Ctxxc-tr;^ (,■ ^ r^K ''iM/
ANGLO-SAXONICA MINORA.1
I here publish a series of prayers and confessions from
two Mss., viz. Royal 2 B. V (= B) and Tiberius A. 3 (= T), both
in the British Museum. The former is a well preserved quarto
containing the latin Psalter with middle 10th Century glosses
(see Anglia XI, p. 103, III. note 1). Before and after it some
prayers in an early llth Century handwriting are found, which
will be printed from this Ms. below.
The Ms. has been described — and specimens of it have
been published — by Wanley on p. 182 and by Wülker (Anglia
II, 356 f.). The ' unsinnige rasuren' of which W. speaks are
most likely owing to a desire of some possessor2 to change
the Gallican text into a Roman one so as to bring it in accord
with the Roman glosses. Besides the Psalter and the orations
our Ms. contains a couple of glosses on fo. lro in the margin:
hat weder cälida ausa (i. e. aura) ceald weder (frigida ausa) wwt
weder (timida ausa) webt umidum. On fo. lvo, fo. 2. 3. 4. 5 some
latin is found and on fo. 6ro some sentences which have been
published by W. (as above p. 373 f.). Only ib. p. 374, 1. 3 the
Ms. has apeostrafo, and not apeostrad, and the Ms. reads: ib. 4
Senescunt quae? —
On fo. 6VÜ we find no. X, where it in written in two columns.
On fo. 7 there is only some Latin and on fo. 8 etc. the Psalter and
Canticles are found. Our next oration (no. XI) begins on fo. 189vo
On fo. 195vo a note oecurs which obtains also in Ms. Tib. A 3.
fo. 44 and Ms. Caligula A. 15 fo. 131™ (cf. Anglia XI, 3). In our
Ms. this note is written in the somewhat irregulär later hand of
1 Second article, a continuation of Anglia XI, 97—120.
9 Most likely a contemporary one. The name of a later possessor
— Lumley — appears twice at the bottom of a page.
3 Ib. p. 369, 1. 6 from bottom the Bis. reads 7nt and not f>e\ p. 370,
11. 6 and 12 the Ms. reads gdd and wines respectively.
Anglia, XII. band. 32
498 LOGRMAN,
the corrections to the treatise foand on the same page (below
no. XI). On fo. 196 we have a Confessio et Oratio (cf. Anglia
XI, 111), and on fol. 197vo some stray words occur — written
very illegibly all over the page — , of which my notes give
the following:
ned wint . . scolde . . . ham | . . . der me . . me . . wse . . . cyr-
can | )>a äse . . scj> me was . . leofre on er ... y wae an ponne
J?a . . wis . . | swa hit aefre gewjTJ^e . amen | do a*le . . seo
hl&fdige . . . gyrnaÖ eenbe . . . | to . ceolre Öe on ece yrfe
gretaÖ gram.
The Ms. Tiberius A 3 has been fally deseribed by me in
the third chapter of the Introduction to The Rule of S. Benet,
published for the Early English Text Society (p. XIX— XXV).
It is the collection of treatises no. XXV (see Wanley p. 93)
which I printed partly (fos. 44ro — 45ro) in a former number of
the Anglia and of which the rest will be fonnd below. Of
this fo. 46vo — fo. 50ro are here published as variants to Ms.
Royal 2 B V and fo. 50vo— 55ro (not 57 as stated in the de-
scription on p. XXII), in füll.
As to the manner of editing, I have tried to adhere strictly
to the Ms. The following shonld be observed: The letters a,
b etc. stand on the right band of the word to which they refer;
as well as the figures 1, 2 etc. The latter refer to the variae
lectiones; the former to the notes at the bottom of the page.
A dash ( ) under a word indicates in a few solitary in-
stances that the word in question is on erasure and in the
same handwriting as the rest of the piece. Italics without
a note indicate the well known Ms. abbreviations, bot those
with figures to them refer to the corresponding notes.
4Corrector' and 'Correction'1 refer to the man that Sub-
stitut ed, as would seem almost systematically, certain forms
and words for others less known. All these 4 corrections' are
made above the line. The word labove the line' as well as
'corrected' were reserved to indicate the changes made by
the scribe himself.
The scribe's p very much resembles a p in many cases.
This has been tacitly corrected.
1 The stroke in the Ms. through most of these lCor^ection•, oould
not be rendered in this edition without too great an ezpeute for the
printing offico.
ANGLO-SAXONICA MINORA. 499
Some of the length-strokes would appear to have been
added later on, and some — perhaps owing to this very cir-
camstance — stand over the wrong vowel, especially over one
following that for which it was intended.
Variae lectiones — including some notes on the variants —
are given very conscientiously and, it is hoped, correctly. But
they have been omitted in the following cases. 1° Where
they differed only tlirough being contracted in one Ms. and
not in the other. 2° Where one word has a capital letter,
and the other not. 3° Where one word presents an t instead
of the y of the other or vice versa. These latter differences
are legion and would have materially swelled the bulk of
these notes, and as the Ms. dates from late 10th to middle llth
Century these variants can hardly be of interest to any one.
It will be seen that the lcorrections' in B nearly always
coincide with the readings of T. An investigation as to whether
one Ms. has copied them from the other1, or both from a com-
mon original might yield some interesting result. The language
too is not without importance. Like the whole of this codex our
treatises show Kentish influence. But an examination of these
points may be reserved for an other opportunity. For the for-
mer actual autopsy of the Mss. would be absolutely necessary.
1 Cf. note 104 to XII.
X.
ORATIO PRO PECCATISy
iyina drihten leof forb j^inre J?aere micelan mildheortnysse . 7
for ealra Jrinra haligra lufan 7 ge earnuncga2.ge miltsa
me synfullum . swa swa3 }>in msera willab si . 7 min mod to
Jnnum willan gestranga . 7 ge staÖola . 7 min drihten ne laet
me naefre ßerlicum deaÖe of pissum earman life4 gewitan.ac
loce hweune5 min tima6 beo.7 J?in willab si.pcet ic J?is lsene
lif 7 forlaetan sceole . laet me mid gedefhysse mine dagas ge-
endian. Eac ic bidde pe min drihten leof for8 J?ines sylfes
godnisse9. )>#/ J>u me of (tissere worulde ne laete 10 . »r ic }>urh
* In read characters. b A hole in the parchment, which does not
affect the text, having been there before the vellum was written on.
Variants of Ms. Tiberius A. 3. fo. 46™ (= T.).
1 No heading. 2 earnuncga 8 swa swa * life gewitan 6 hwsenne
• tima 7 lif H omitted. 9 godnesse ,0 ls§te
82*
500 LOGEMAN,
}>ine micelan11 mildheortnysse forgyfennysse haebbe . ealles päd»
pe ic aefre ongean )>inne mseran willan geworhte . daeges oÖÖe
niht8est2 . gewealdes oÖÖe13 ungewealdes . on worde . oSSe on
weorce . oÖÖe l3 on minum pystrum gej>ance. Heofona14 heah
cyning . ealles raiddan eardes onlysend . ge miltsa me earminge .
8wa swa J?u wille . 7 J>urh padt pcet Öu 15 wille . 7 syle me minra
gjlta arfulle forgyf ennesse 16 ge on17 {risson life.ge on )>am to
weardan . 7 min drihten forgyf me soöe breowe 18 . 7 andet-
nj'8se19.7 böte20 minra synna . 7 abwyrf21 me fram minum
unrihtwisnyssum to pinum willan . 7 to minre J>earfe . 7 min
drihten forgyf me rihtne geleafan22 7 softe lufe 7 eadmod-
nj'sse . 7 arfostnysse . 7 claennj'sse23 7 onbryrdnjsse24 . 7 strencfto
wiö deofle8 costnunga 7 gej?ild on25 earfoftnj'ssum . 7 gemet-
fiestnysse26 on geaundfuln\rssum. And27 min drihten genehxa
J>a heardheortnysse minre }>aere stajnenran heortan . 7 forgif
me teara genihtsumnysse . pcet ic maege p& misdaeda28 bew6-
pau2,J .7 behreowsian . pe ic earming daeghwamlice30 ongean
pinue willan gewyrce . and31 min drihten leof . on liht minre32
heortan getane mid lifes andgyte33 . 7 onliht mine word . 7
daida . 7 minne lichaman 7 sawle34 7 eall min35 lif mid gast-
licum andgyte:'6 . 7 forgyf me J>ine mildheortnysse ge on }>$f8-
sum 3T life . ge on )>am toweardan and min drihten aelmihtig
god.3s Si pe lof39 7 wuldor 7 }>anc a on ecnysse40. 7 eallnm
}>inumc halgam . ealra paera41 gjfena . 7 miltsa . 7 goda . |>e
Ön42 me aefre forgeafe . 7 ealra paera ara43 . pe Öu44 me sj'n-
fullum to forlete.45 Ic bidde pe min drihten eadmodlice pißt
Öu*5 helpe ealra minra freonda . 7 maga . 7 ealra )>aera pe to
minre48 gebedraedene J>encaÖ . 7 hthtaß ljbbendra 7 forÖge-
witenra47 7 forgyf Öam48 lybbendon gesundfulnysse on frissum40
c next column.
11 miclan " nihtes 18 oJ?J>e M Heofena ,5 Jni l6 forgifenysse
" \mum u hreowc ltf andetnysse (wrong quantity) w böte " aw5Tf
w gelefan *3 fo. 47r«> « onbridnesse ** torn away. M gemetfestnesse .
M An . ** urisdseda, prob, meant for inisdwda. *» bewepan * dM-
wauilice 31 An . M niire M andgite (wrong quantity) J4 sawle * min
** andgite; d above the line. 37 bisum aH g8d. a c over the a: most
probably to indicate shortness of vowel. See Napier's note Anglia XI,
1 and 2, in the former case it may be supposed to be a correction of the
sign of length to mann. 1t appears to be one of the many peculiarities of
this 'Sammek-odex'. Cf. XII, note 10b, and The Academy (1889), nos. 909,
910, 911, and 920. — w lof *° ecnesse 4l t>»ra; a corr. from e. «Im
"ara 4I |»u 46 lete 4* )»u . ** minre; n above the line. 4T gewltenart
4H pam i9 )msuui
ANGLO-SAXONICA MINORA. 501
life . 7 on psmi toweardan ece50 m^rhÖe . 7 syle J>am forÖge-
witenum heora gylta arfulle forgyfennesse51 . 7 heofonan62 rices
gefean ä on ecn^sse.53 Eac ic bidde pe min drihtenb J>aet
Öu54 gemiltsige eallum J?am peh me göd dydon . 7 god55 taeh-
ton . 7 syle ece56 forgyfennysse57 eallum )?am }>e me aefre yfel
cwsedou oÖÖe pohton oÖÖe58 gyta59 to donne J?encaÖ . 7 ge-
stranga hi to )rinum wyllan . 7 gemiltsa eallum cristenum
folce . lybbendum 7 forögewitenum . eallum j?am pe aefre ful-
wihtes baeÖ underfengon.60 Si pe löf61 7 wuldor ä62 butan63
ende . amen.
50 &ce 51 forgifenysse 5t heofenan . 63 ecnesse 6i \>u . 55 göd .
56 ece ö7 forgyfennesse 58 ojtye 69 gyta (wrong quantity) *> under-
fengum 61 lof M a . 63 buten .
M
XL
jrna drihten god selmibtig . ic \>e eom andetta ' minra synna
para pe ic2 in minre gemeinste3 wi}>4 pe geworhte. Min
dryhten god aelmihtig ic pe eom andetta5 böte6 for mines licho-
mone7 unsj'fernessun*8 }?ara pe ic daeges 7 nihtes worhte ic eom
ge wita morpres 7f icf eomf wedloga 7 manra a)>ae9 gewita* ic
hit pe min god andette for ealle mine10 daeda11 gegodesge12
yrfles. Min drihten god aelmihtig ic eom oferfongen13 mid-
synnuw to wyrmlice forpon pe ic14 /brgemeleasadef15 pinra16
beboda. Ic eom andetta17 böte18 for ealles mines lichoman19
te
gecynde20 . 7 for ealle J?a westmas21 Öe22 minan s^nfullan
(fol. 190a) lichoman23 gesettesyntf/ Nu ic pe bidde min drihten
for ealra24 J?inra haligra lufan peah ic pe j?us 8jTnful to cige .
for minum nyd|>earfum pcpt pu gehaele mine sawle for minum
synnum. IVßn drihten god for ealra {rinra apostola weorÖunge25
e 0 changed into «?; erasure of -an after lichomon? It looks as
though a corrector first wanted to change lic homon into lichoman by
putting that at thc end, than changing his mind wiped(sicl) out an and
— very clunisily — correctcd o into a. f These words or letters are
written above the line.
1 andetta (wrong quantity) * ic (cf. 14) 3 gymeleaste * wiÖ
5 andette 6 böte 7 lichainan, and after this word we have fo. 47vo.
s un of unsvfernessuni pasted ovcr in consequence of the restoration of
the Ms. after the fire of 1731. 9 aöa . ,0 mine . " d£da " yfeles .
13 ofer fagcn (read ofer fagen (— oferfangen). " ic (cf. 2. C>2) I3 forgirae-
leasade "5 |>inc 17 andette ,h böte ,9 lichaman *° gecynde 2I wiest-
mas . -- pa . jri lichamam (sie) 24 eallra 25 wcorjmnge
502 LOGEMAN,
ic }>e halsige26 pect j?u me ne forla§te27 on J^sem28 egesfullan
domes d»ge peah ic awäcode. Min drihten god for minre29
tyddernesse 30 J>eah ic )?inef bebodu ne heolde/ Nu ic . |>ef J?eah
halsige31 min drihten god for J?aere }>rowunge pe ]>u J>rowodest
for ealra manna luelo32 . 7 ic \>e halsige aelmihtig god33 for34
re
pmvun wuldorlican wnldor35 haele me for sojrfaestra36 sawla on-
fenge.37 Min drihten god foröon38 pu waere in byrgenne ge set«
o
ne laet me belucan39 in40 synfulra monna40 gardung stowe.42
Nu ic minum43 ge wyrhtum )>U8 w&ce truwige for minum
uyn
firenlustfullujn44 dcedum.h Min drihten god45 selmihtig forgif
me minra synna alfs46 sa346 for minre njrdj>earfe. Min drihten
o
god47 aclmihtig foröon48 }>u w«6re eadig in49 Öinre modor in-
nope ne forlaet me. Min sanclus michaäl archangelus (foL 190vo)
beo pu me fingere to )>aem heofenÄcan1 sc^ppende to »lmih-
tigum god51 e/j52 for minuw monigfealdum53 synnum. Min drih-
ten god54 seleme56 ge de fe56 breowe67 7 so)>e68 andetnesse'9
0
ealra60 minra61 synna }>ara Öe ic62 in63 minre64 gemeleste65
o i
ged^de wiÖ weras oÖÖe wiÖ wif oÖÖe in66 deglum me mid
■yn
firenfulluro67 daedum67 gefjlde. Min drihten god ne Uet me
***** « --* —
* syn
synfulne mon68 deoflum geg&n )>eah hi69 me Jms firenlice70
• • •• •
costedon71 foröon72 J>u on spi daguin73 ge scopg heofonaxf 7
o
eorj>an 7 ea//ef74 werold* gesceafta.' Min drihten god for ealr»7*
k erasure? h added in corr.'a hand. l / corr. from 6? J if isadded
in the line by corrector. k The e of werold is changed into 0, which has
bcen put ovor it all the same by corrector.
M halsic. " forl»te. ** J?am w minre, n above the Une.
90 tyndderncsse , a niistake for the right reading of B. *' halsige.
w hifclo 33 god . 3* )nmim M wuldre, re on erasure. M soöfaeatra
87 onfrenge ** foröon . C3W belucan . *° on .c 41 manna 41 stowe 4* mi-
nun . 44 8ynfullumc 45 god 40 lisse 47 god . 4H forj?on . •• on Wnre
60 michael '. 51 god ö* et not in T. (cf. note j). M niEenigfealdum
54 god . M syle . M gedßfe 57 reowe . M soöe . M andetnysse .
w eallra. 6I mi;ira, r above the line. *" ic, cf. 2. 14. M on . •• minre,
1 above the line. te gymeleastc . '" on diglum . " synfullnm . dedmn
•" man öy hine ., wrong for reading of B. 7 ' synlice . 7I after costedon
fo. 4S«\ 71 for)»on . 73 gescopt; 74 woruldgescefta . 7S ealre
ANGLOSAXON1CA MINOR A. 503
j>a&re76 ge sceafte pe pu onsyx dagum77 gesceapen haefdest 7
J?a pu gerestes78 on paem seofeöan'79 daege. Min drihtett god8ü
ing *
for pinan81 restandaege 82 ge hael83 mine sawle from84 deofles
anwealde of pem*b synfullan ham for)?on Öaer86 biß sorhful
syn
wop. Min drihten god ne laßt me aslfdon on J>a firenfnllan87
eardung stowe }>eah mine ge wyrhta j?us88 wice syn for mlnuiw
gemelystum 89 Nn ic }>e bidde min drihtett pset )m me seile90
y o
(/od*90 in ge hydf90 7 ge mindf9° poet ic ge lyfe in91 Öe91 7
o
in91 8a91 ealle pe for pinum naman )?rowodon. Min drihten ic
pe bidde for ealra jrinra apastola arwyr/>nesse192 )>aet 8u93 me
0 o
ne sceade94 of }>aem sojrfaestan95 Öe in Öe gelyfa)> in fieder 7
o
on{ suna 7 in päd« ne{ halgan gastg95 Nu96 ic halsige J>a heo-
y
fanlican97 faemnan sawctam marian swelce ic michahäl97 7 ga-
brtel98 7 rapbael" . iohawne* . 7 petrus100 • 7 panlus101 7 an-
dreäs102 . iobawies103 7 i&cob104; mathäus105 7 itidas106 phi-
lippus107 7 bartholomews108 thom&s109 7 iicob110; symon111 7
tadd6us.112 Nu ic halsige )>a cristes )?egnas for hiora113 ealdor-
lican setle pcet ge me synfulng114 mon116 ne sceadon on pa,
lan y
earmfulra116 J?eostra117 for minum yfluiw118 weorcum. Per te
• • • •
iesxxm ehristem salvator mnndi qui in trinitate perfecta vivis et
regnas in secuta seculorwro amen.119
1 p corrected from bl
76 gescefte " gescepen . 78 gerestest . 79 seofeöan «° god, but on
erasure R1 )wian, but in above the line. M rescing, sie, read resting.
83 geh*l . 84 fram « p&m . M J?aer 87 sinfullan ** J>as, read J>us with B.
89 gymealeastum , read gynie- gymae?- leastum. *» sylle god in^egyd
(^e, above the line, ineant for eh, so as to correct gyd into gehyd.) ge-
mynd. 91 on pe 7 on p*. OT arwirfmy sse ; w corrected from r. M fm.
94 sceade . 95— 95 The whole of this passage in T. runs as follow: soÖ-
ftestan pe on psene halgan gast . 96— °® Nu ic bidde halsige p& heofen-
lican; where bidde is most likely a marginal gloss, transcribed into the
text. 97 raichael w gabriel . " Kaphael . 10° Petrus wl Paulus 109 An-
dreas l0S Johannes . ,<M Jacob us . 1M Matheus loa iudas, erased. ,07 Phi-
lip/ms, p erased. 108 Bartholomeus 109 Thomas llc Jacobus . ,n Simon .
112 Taddeus . n3 heora 1U synfulne m man . U6 earmfullan, erasure
of a aftcr m. ll7 )>ystra 1,H yfelum . ll9 Amen.
504 LOGEMAN,
XII.
a
TMm*1 drihtiu ftlmihtig god si pe2 wuldor 7 J?onc3 paes pe Öu
me oppe4 aenigum men6 aefre to miltsum forgeafe. Min drih-
a
ien sie pe6 )>oncf6 j?aes |>e pu* to wlite Jnne englas gescope7 7
ealhitfi halgum sawlum to ge fean 7 )?a ealle )rinum naman
a o a
wuldrien8 in8 ecnesse.8 Min drihten sy J>e9 aelmihtignm }>onc10
o a
)?8D8 pe pn waere11 in menniscne lichoman12 acenned 7 ealra
a
J>ara eadmodnesse pe J>u for eallum monnm13 cynne13 adrngi .
7 «teowdest . (fo. 191 vo) forgif me for j?aere14 eadmodnesse14
a
miltsae14 7 are15 minre1* synna. Min drillten crist sie16 pe16
a od
}>onc16 paes pe pun in18 fulwihtes18 bse)?18 astige18 unsynnig
a
ealra svnna moncvnne19 to micelre blisse20 forlaetnesse ealra
» mV
minra gyn 11 a para pe ic aefre21 gefremede wiÖ amig* gesceafte.
a
Min drihtin sie22 pe ponc22 p&a pe pu feo wertig daga 7 nihta
a o
moncynnes23 synna in24 westenne24 festes/25 7 Öaes26 leahtras
ofer swiödesf 27 7 dioful gentpradest. Forgif me forpaes faesten-
nes28 are28 forlaetnesse 28 ealra minra synna 7 |>aes pe ic to
tyt29 for minum synnum30 fauste . 7 mine leahtras oferswiÖ .31
psetr deofol32 naefre32 ne mote minre sawle ne min um licho-
derian a
man33 sce^an.34 Min driht^n sie35 pe )?onc35 J>aes pe pu lete
a
Hnne36 lichoman36 oferfön 7 gibindan 7 swingan nnsjunigne.37
Forgif me for )?aere swingellan Öe38 pe nngileaffulle swungon
■ynna
7 slogan eall39 pcel on me J>urh firena40 wunda gelegen wo41
m erasure.
1 I) in, D Wrongly rubricated for M * Öe . 3 |>anc 4 oÖÖe * men .
• öc J>anc . 7 gesceope . • wuldrian on ecnvssc . ° Öe . ,0 J>anc . ,l on
" lichaman ,3 mancynne " pere eadmodnysse miltae w are minra
10 si Öc )>anc " a vertical strvke after pu 1H on fulwihtes baeÖ astige.
19 mancynne *» after blisse, T. adds dorne, i. e. do me without which B.
is unintelligiblc. 2I n>fre, f corr. from r. n siöe J>anc . M mancynnes
*4 on westenc w fspstes . ** |»a?s *7 oferswiöe dest . M ftestenei Are
forlietnysse w \<t ** erasure bcfore synnuui 3I ofswiö, read ofcrswiÖ
with B. M dooful nrrfre, a* corr. from anothcr letter? M licham, - after
which erasure; vi. .'iti. ** derian. M siöe |>ane . M licham(sic!) cf. 35.
37 UHsynuiiitjc, read unsynnigno with B. 3H }»e . :w* eal . *° synna . M sl .
ANGLO-SAXONICA MINORA. 505
pcet1 pu past od me min haelend ge hsele purh pine mildheort-
a a
iiesse.42 Min drihten sie43 pe ponc paes pe pu for monna44
lufan ge prowadest" . 7 pcet pu (fo. 192 ro) cet° foran eorölices
gebolodest
deman heahsetlef ge stode 7 bis domas on pe sylfum aremdest45
Forgif me for paere46 eadmodnesse p«s domses47 ponne ic cet{
a
for anf pinum heabsetle48 stonde49 pcet pu ponne me{ nef for-
deine ac me milde 7 arfulge60 weorpe.50 Min drihten sie51
a
pe ponc51 paes pe pu on Öin52 paef* haiige heafod63 Igte53 pyr-
a
nenne53 beah asettgn.54 Forgif me for pines beafdes are55 eall
pcet ic aefre mid mines beafdes55 gewealde p656, purh aenig57
pinc abnlge58 ic pe bidde min drihten paes ealles forgifnesse.
a
Min drihten sie59 pg59 ponc59 paes pe pu forlete60 on }>innef61
a * spatl
ondwlitan pa earman 7 pa unlaedan beora horb62 spfwan. For-
• • • •
a
gif me for paere Örowunge63 pe bi on pinne ondwlitan64 spaet
a
ledon65 pcet pu geclaensige66 from67 eallum besmitenessum68 ge
a * a
minnef lichoman.69 Min drihten sie70 pe ponc paes pe pu Igte71
a " be
pinne lichoman72 onreafian73 Öines74 hraegles75 7 hine pa on
ahön a e
rode ahebbeu76 7 for ealles moncynnes76 haelo77 pin feorh ge
' a
sealdest. Forgif me for paere are78 pines lichoman79 7 pines
medo forgifnesse
hraegles80 pcet pu ongere me81 ealra minra sjuna (fo.l92vo)
a
mildelice. Min drihten sie82 pe ponc82 paes pe pu pin haiige
sweorb&n ge eadmeddest83 to pon pcet pu on84 rode galgan
n wadest; read prowadest. ° added at conunencement of the line.
p added on erasure?
42 müdheortnysse . 48 si pe panc . 44 mana, read manna 45 gepolo-
dest . *6 pere eadmodnysse . 47 douaes . 48 heahsetle 49 stände . M ar-
full geweoröe . 51 si Öe panc 52 pinum M heofod lete prinnene; prin-
nene, a legitimate form of pyrnenne? M asettan . 55— 65 are eall pcet ic
aefre mid mines heafdes, not in T.; T is evidently corrupt. M pe . 67 anig
68 ä bulge 59 si pe panc . *° lete 6I pinum andwlite OT spati 63 proh-
unge, a most intercsting spelling. 64 andwlitan tt spaetlodon . w ge-
clensie . 67 fram <* besmitennyssum 6Ö lichaman . 70 si pe panc . 7I lete
72 lichaman, meant no doubt for lichaman. 73 bereafian. 74 pynes
75 hraegeles 7ü ähon, meant for ahön. 77 hrele . 78 are . 7® lichaman .
*° hrspgeles . H1 tbrgit'enesse . H2 si pe panc M ge eadmeddest M omitted.
(
506 LOGEMAN,
underhnfge.86 Forgif me forl»tnesse86 ealra p&ra* oferh^gda87
7 p&s unnyttan88 gielpes89 pe ic »fre me selfnuiw90 üpahöf91
a
to unrihte. Min drihtoi sie92 pe )>onc92 J>»8 |>e \>u }>e03 on
ra a a* a
rödetreow ahöfe94 7 eallum95 monniuw95 synne awurpe |>»iw96
o
Öe •• seife 9« woldon in 97 pe gilyfan 98 7 gihyhtan. Forgif me for
}>«re99 are Jrinre Örowunge100 pcet Öu101 me hiebbe Öurh102 8a lw
syn
of eallum103 minum firenum104 wundum*. Min drihtm sie105
_ • • • •
a
pe }?onc105 j>aes pe ]>n mid pinum py*m clsenan mü^e107 7
tangan ecedr|08 of geallan109 badest f.1!0 Forgif me for Jwre
eadmodnesse111 Jnnes112 muj?es113 eallae113 J>a biternesse114 pe
ic{ aefre »t J>inre heortan ge fremede oppe ic »fre mid muj?e115
geoweede
tö unny/tef agelde ponne ic meto^e116 ge biddan scolde.117
•vle me drihten h»a etiles forglfoesaellS
7 Jrinne naman wuröian 7 wuldrian alet in Ö«s ealles
for }>ines mu^es119 ire119 7 pinre*119 tangan 7 }>inra weo-
a
l*ra,.12° Min drihten sie111 p$ )>oncm p&8 pe |>u Öinem
earmas on rode a)?enedest 7 )nne handa123 7 fei124 let§
mid (fo. 193ro) nseglnm125 )?urhdrifan 7 J?ine -sine- sidan ge
q nearly erased. r Ms. eledl cf. variae lectlones.
• e changed into o.
** underhnige . M fortotnysse . " oferhigda M unntttan, ni above the
line. •• gylpes *> sjifum 91 üp a ' ofx sie; cf. 94. M siÖe )*nc n pe,
omitted w dohfe (= ahofe) see 91. * ealra manna M )>amj>e seife . w on
* gelefan . " pere l0° {rowunge . 101 Öu m J>urh }>a 10» ealum ** syn
wundum, sie; a mistake mtroduced by B. having been copied too closely?
The corrector in B. himself has committed the blander of looking npon
firenum as a subst. instead of an adjeetive, and he changed it aecoraingjy.
106 si pe banc 104 }>y, not in T. and rightly so; it is merely a0partial
dittography of pinum, and in B. nearly erased. 107 inuÖe . Hm eced in
T. for ürst c (over the e) see X, note 38 (infra 154). The second c may
be a / in the Ms. see note to B. 10» eallan, an interesting spellinf.
110 bergdest . in eadmodnysse m T. here wrongly inserts p* tc.
118 mnoes ealle lu biternysse . m muöc . "• me to pe in three
words. In B. it would seem as if the scribe who writes metope takes
it as metode. i17 see olde. llH forgifenysse . "9 muöes are, after which
a hole in the parchment, by which the following word (B. pmra) is
affected. It looks like . . onra. 1W welera. ,S1 si öe ^anc, after which
the same hole in the parchment as is referred to in note 119. Hence
.cm instead of pars. m Hne- ,M and*. m fei* somewhat ei&ced,
hardly a legitimatc spelling for fet, so a mistake? But see Sievers § 94
anmerkung. ur' ncfy(him) somewhat effaced.
ANGLO-SAXONICA MINOKA. 507
a
wundian 7 waeter 7 blöd ofirnan126 7 J?»t moncynne127 eces
lifes to wedde ge settest . J?am pe hit mid rihte ge earnia}?.128
Forgif me for }?inra wunda &re )>#* }>u ge hsel od me ealra
■ynna
minra firena129 wunda 7 me130 forgif pcet ic nsefre unme-
***** a
n
deme ne untrmw to }>inum lichoman 131 . 7 to p'mum blöde ne
ange u
gene }>e132 ac me forgif pcet me sio ondfengnes133 m<5134 to to
a
ecere* hs&lo ge weorJ>an.134 Min drihten sie136 pe J?onc136 J>®8
a
pe pu 16te136 pmne lichoman137 ongrsef algcgan138. 7 in139 hell-
a se
grundas139 astig*. 7 ealle haliganv140 sawla J>onan aleddest140
7 dioful ge141 nföradest 7 helle duru to wurpe for manna142
lufan. Forgif me for Öaere äre ponne min lichoma*143 ge dr6-
on
fed143 lic ge pcet pu Sonne minne gast in144 Öaw grundas ne
säende145 ne hi146 ne sete in helle wita.146 Min drihten sie147
a
pe ponc147 pses pe pn pine eagan 7 pine earan for manna
o
lufan in 148 deaße betyndest.148 Forgif me min drihten eal )>aet
pe ic aefre mid minu/w eagiun to unnyttg 149 ge sawe 15° o)>J>e 160
mid minum earuro to unnjtte ge hjnrde sele me pm (fo. 193vo)
ealles forgifnesse !51 oforx )>inra eagena*162 ire . 7 )rinra eärena*.
a
Min drihten sie 153 pe }?onc163 p&s pe pu mid pinxwi J>aro clsenan
hrife154 hungor 7 J>urst* 7 c^le J?rowodest Forgif me for
d a syn
bsere are155 forlaetnesse 156 ealra frecennesse 1M 7 firen157 lusta
• ••••«.
* mö to to ecere — second to above the line. The 0 of first to is
changed into.e. So: mote to ecere. v haiige or haiig an. Ms. haiig. w b~
corr. from a. x 0 changed into e by corrector. y e changed into ce.
W6ofyrnan. 127mancynne. ,MgeearaiaJ? 1W synna ,30m6 ,S1 licha-
man . 13S gange, wrong quantity. 183 andfenges ,s* mote to ecere haelo
geweoröan . I3S si pe panc ,36 lete 13T lichaniam . ,88 alecgan ,w on
helle grundas 14° halge sawle |?anan (fo. 49vo> aleddest (this word in pale
ink). m gentyaradest . u% mana. "* lichama gedrefed lu sie! T.
has the two prep. written next to each other instead of on over in.
145 s&nde . I46 hine sette on helle wita. U7 siöe |>anc . U8 on dea}?e
betyndest . uo un nytte, with an erasure between the two parts. 0 ,5° ge-
säwe oJ>{>e r>1 forgyfenesse . 18t 'eagena ws si pe J?anc l54 hnfe, for
the c cf. X, note 38; supra 108 etc. ,66 are forketnysse. I50 frecednysse
167 synlusta .
508 LOGEMAN,
o
pe aBfre in168 me grfremede w«§ron159 7 me mid hwylcre160
• • • • • • •
8umre o
hwu gu gife 7 mid suman spearcan p&B halgan gastes in161
• • • • •
lyht for paere äre J>ines J>aes halgan inno)>aes162 s6 äraes163 mid*
a
godcundnesse ge164 fyllyd. Min dribtew sie165 pe ponc165 Öaes
J>e }>u Jrinne hricg166 7 }>ine cneownon167 oliuöt/s" dune ge-
bigdest . 7 Jnne tearas gute168 7 formanna c^nne to pinum(m
faeder gebaede170 for }?aere äre ic J?e bidde min drillten169 J?«Bt
gemiltaige tlaw
jm me alaete170 ealles J>aes J>e ic{ to saene171 w#sf minef
leomu forÖe to b*gannebb 172 7 mine tearas to geotanne 7 me
forgif poet ic mote in nefl™ on{ j?aro geryme174 beon pe Öu J>a
fore ge bsedse*175 mingi swij? froma176 7 paßt ic mote cüman
beforan Öin heahsetl 7 mine heortan 7 mine eagan onlyht pcet
o a g, betan
ic maege in177 )>inre lufe heran178. 7 mine synne179 cwtyan.180
Min drihte/i sie181 }?e }>onc181 J>aes (fo. 194ro) J>e )?u }>me182 fet
°. *
lete in182 deaÖe acölian183 pe pn aerestf mid eodest™ 7 mon-
cyn184 to lyfe185 la jodest . forgif me for jrinra föta186 are
eal l86 psßt ic aefre mid minuw fotum unnyttes ge eode oÖÖe on-
ged$-de a
nyttaes187 agelde.187 Min drihte/i crist sie188 pe J?onc188 ealles
► • • • •
j>aes halgan innoj>es are se!" waes & mid godcundnesse190 ge
y
filled !»o . forgif me for Jnnes inno^es äre eal j?aet pe min in»oJ>!91
sy mid ge qlled192 unrihtra lusta193 oJ>)>e unfaestene oJ>J^e on19S
idlum gilpe194 o)>j?e!94 on taßlnesse195 oJ?f>e195 on twispraece oJ?J>e
* above the line, add. by corrector. »» 1 made into *? ** 1 one
rasure, but not the stroke over it. <* Ms. eddesH
im on iw wseron . löü sumere . Wl on '•• innoÖes IM a wies,
and thus B. must be corrected. 1C4 gefylled . c lM si be J>anc J>«s ,ai ricg .
167 cneowu . on. which read in B. ,68 agutc . cf. a, note 38: supra 154
etc. lfl0 A hole in the parchuient in these two words, not affecting any
letters. It0 gebifede — gcuiiltsie ,71 slaw ,7a gebiganne minne.
m geryme . m gcbaede . 17ft inin geswij» froma not in T. m on .
"" heran . 17» synna ,w gebetan . ,81 si )»e J*nc . M f>ine (meant for
/>ine) fet lete on . "° acölian (meant for acölian). Wi mancVnn ,ts lifo
,H6 fota are eal . Is7 unnyttes gedyde . IHH si pe |>anc ,B» firat word of
fo. 5<^°. I9ü godcundnysse gefylleH ,91 innoÖ m gefylled m lustim
(read lusta) ooö<» onfa*stene oöoe on . IW gylpe oJ?)>e *96 tylnesso 0ÖÖ0
ANGLO-SAXONICA MINORA. 509
y y
on dirnnm196 gelegere o^e on ffelre197 trumnesse197 oppe on
yfelum nifre
tolatum ntye199 seghwylce gjitas199 ic eom nu for minre earman
• • ••••• • • • •
sawle200 Öearfe200 andetta pe ealles paes pe ic aefre mid be-
smiten waes . forgif me for J>ines inno)>e8201 äre pset pn adi-
]ig/ef202 eane mine leahtras of minum innoJ>e203 pcet hie204 syn
a
cla>ne.20r> Min drihtin sie206 pe ponc206 pses pe pu }?uM£fgagt.
a
pinum* fseder bebude207 . ps, pn woldest for monna208 cynne
dea)* J?rowian. forgif me for pseve'209 are209 ponne* ic scyle of
a
Ibisse weorulde 2,° feran210 pcet J?u ponne2U minuro gaste (fo.l94vo)
on fö212 mid sibbe 7 ic hine mote Öe bebeodan pehes pead
derian
bi213 se awyrgda gast sceaj?8an2u mote.214 Min drihten sie215
pe |>onc215 p&s pe |>u of deaöe arise eallum monna216 cynne
to gefean . forgif me for p&re aeristg217 are217 pcet }>u me of
syn na
firenan21* de&pe awecce219 on dömes220 dsege mid )?inutfi halgum
■ • • • •
7 me poune aerist forgife 7 ece221 lif. Min drihten sie222 pe
a
}?ouc222 |>*es pe pn on heofonas223 astige 223. forgif me for pinnm
a
upstige . of{ J>sew224 halgum pinnm fultum pcet ic mege225 Öurh
pomie fultum* of minum synnum upastigan226 to )?inre mildheort-
nesse227 i'ip228 becuman of {risse deafilicnesse.929 Min drillten
a
sie230 pe ponc230 Öes pe pu haligne gast onsaendest231 )>inuiw231
fore sprecenu/w pegnnm to psem232 pcet hie233 Jnnne to c^me
a a aß
bodedon66234 7 j?ine mihte moncynne235 laerdgn236 7 segdon236.
• • • •
dd added later. ee de of bodedon is on erasure; first 0 changed
into e by a stroke. The scribe possibly wanted to change the second 0,
then discovering his mistake put again an o over the first one.
uw (iymum 197 yfelre truinnysse ,98 yfeluni niöe lw geltas .
200 sawla> ^earfe ao1 in noöes *°* adilige (1 of a dt (Ige is above the line)
ealle. *°3 innoöe ii04 hi . 2Ü5 claene . ** si Öe }>anc; sie! ™ bebudu,
read with B. bebude. 208 manna . cynne . ** piere (sie) are . *10 woru-
lude (r corrected from a) faran 2n J?onne(sic!] 21> on fö . "8 him which
read in B. 2U derian mote . *15 si Öe panc (sie !) 2W mann cynne, and
erasure of um after mann. 217 aeriste äre *218 synna 119 awecce, corrected
from aweccen by erasure of n. 22° domes "' ece *" si pe J>anc
228 heofenas astige 22* J>am 226 maege burh ponnefsicn 286 upastige,
but read -an with B. 227 mildheortnysse *» 7 up '*** deaölicnvsse . **> si
Öe |*anc |>aes 231 onsendest Jnnun(sicl) 232 J?am 2M hi a5* bodedon.
235 manc} nne 2M laerdan 7 ssedan .
510 LOGRMAN,
forgif me for ps&re are237 Jrines halgan gastes hwelcne" hwaet238
hwogn sprecan pine godcnndnesse230 minre sawle to ecere hselo.240
a p»nne
Min drihten crist sie241 pe )>onc241 p&& pe Jm nn hwonne 242 ctmst*
_ •••••••••
a
to dorne243 eallum mon cynne244 7 eallum sawlum bi)>248 aerist245
a
forgifen mid lic(fo. lOö^homan248 7 biom ponne bioJ>247 demidr
eallum ftiforan f )>\num heabsetle be hiora selfra 248 ge wyrbtum.
Min drihten for Jrinre249 mielan mildheortnesse250 ne fordern251
o a
pu me ponne jn262 Öa252 wyrstan hond253 ne m6 ne ascrtf to
y
pcern™ pe Öu J>onw* to cwist255 ge wftaÖ g6256 awtrgde fram
o
me in2&7 psc ecan258 witu helle brynes . pe eow wses ge gear-
wod fram fruman midd g*g aneardes259 for eower gaslnesse280
g*elrahh2ftl dsßda J>a sculon262 brücan deaj>es263 bntan dreame
a to2«4 witan fcore.264 Min dribtam god «lmihtig265 sie2«5 pe
a a
}>onc28& pses pe }>u }>onne11 »tjiv^est }>inra honda288 dolh swaT
/>ar 7 Jrinre sidan 7 j>inre fotakk 7 ealle267 Jrine eadmodngsse288
on Jjaem28" mielan daßge beoÖ on27ü pe selfum271 gesyne . forgif
me ponne min drihten for }>inre eadmodnesse288 eal pect ic nu
a
litlg eadmodnesse on minam lfchoman272 for pinum naman ge-
forgy mde
J>rowode 7 to fela273 agelda273 on minre274 gemekasnesse f *7*
a gefremede
godra d«da . yfelass278 to fela araefnde.277 Gyt ic pe bidde
min hselend forgif me for Öinra wunda &re psdt pu* ge h»le
synna
on me ealra monra firena278 wunda peet ic279 min Sonn« n§280
• • • • •
tf htvelcne crossed out and htvoet in the margin in later band, n £
nearly erased and evidently meant to be quite so. It points to an original
reading middangeardes. hh Erasure. Ms. geel or gal? ll stroke over
secondn. kk a corrected from other letter?
tst fre ss» WÄt WUgu *» godcundnv'sse . ,4° belo *41 si pe
banc u* j>aeime 9>s dorne Ui maneynne* tM biß fi&rist. tM liohaman
S4T big un gyif^g U9 pmTe sm müdheortnysse . M1 fordern »onj«.
*» hand *" J>am ** to cwyst «• ge . MT on ** ecan «• middan-
geardes .0 *" gaelnysse . *" gaelra . *■ sculon *• deaöes . *• to
widan feore (sic!)j for c cf. X.t note 38 etc. w «lmihteg si 8e J*nc
*• handa Mf ealle (sie) i? or remnant of some other letter, perhan« c.
*• eadmodnysse *•• bam ^ on ,n sylfum •» lichaman *•» faale
forgymde m mire . "5 gymealeasnysse, read gymelia$ny$$*. m yfelea
177 gefremede ,Ti synna ,T9 ic? * ne
ANGLOSAXONICA MINOR A. 511
a
J>urfe scoman281 for J>*em282 miclan (fo. 195vo) f>reate heofon-
warena 7 ealra eoröwarena. Ac forgif me pcet ic mote beon
mid }>inum gecorenum halgum p& Öe on )>&283 swißeranhand284
y
beoÖ to }>a3m28r> }>u |?onne cwist.286 CumaÖ ge gebletsode287 7
onfoJ>287 mines federrice288 per eow ge gearwod w«s fram fru-
man midd? aneardes*™ eowere welwisse290 welrvillendnysse11
a
godra dseda J^aer gemoten291 eallum halgum lifgeanram292 libban293
o
mid dreame butan dea)>e293 in294 swegle butan susl§294 mid
am o
fseder 7 mid sana 7 mid J>ae2ft5 halgum gaste a in296 genesse.296
amen.
11 in the margin. mm libban in the margin to Ufgean.
281 scamian *** J>am ** {>a **• swibranhand *86 }>am W6 cwyst
*H1 geblesode 7 onfoö *** fseder rice 2W mtddangeardes a9° wel willend-
nesse 5W1 ge motan "^ libban **■ deaöe W4 on swegle buton susle
8«* |>am 296 on ecnesse.
XIII.
Drihten p\\ eart seippend ealra gescefta forgyf me aerest pcet
ic pe eunne ribte 7 gescadwislice biddan J>#f ic masge ge earnian
J>#{ ic si J>aes wjrÖe pcet }>u me for pinre mildheortnesse alise 7 ge-
freolsige. Ic clypige to Öe drihten l )?u pe eall geworhtest J>#* elles
geweoröan ne mihte ne eac wunian ne mihte butan pe. Ic clypige
to pe drihten px\ pe n&m2 gesceafte3 ne forlaet4 . to nahte ge-
weoröan. To pam ic clipige pe eall gesceafte smicere geworhte
bütan selcum andweorce5. To pe fc clypige pe nsefre nan yfelne
worhtest . ac »lc göd wärest. Ic pe halsige Jm arfresta . 7 w#l-
willenda* 7 welw^rcenda drihten pcet Jm m6 under fö Jtfnne
flyman for )?am ic waes geoÖfn . 7 p& fleah fram pe to deofle .
7 ful eode bis willan 7 micel broc ge)>olade on his )?eowdome .
Ac gif pe nu, }>incÖ swä swä iu pincÖ genoh lange ic wffis on
}>am bis msere 7 on j^sere scame J>e hi me on gebrohton. Ac
onfoh me nu pine agenne )>eowan for }>ani ic eom fleonde fram
heom. Hwaet hi me under fengon «r )?a ic seeoe fram pe to
hiom nu ic pe gesollt hsebbe. Ac on tyn me }rine dura7 7 tsec
1 fo. 51™. * read naVt* 8 a above the line. 4 One letter erased?
6 n partly on erasure. 6 0 corrected into <b! 7 For a c here and
elsewhere over vowels, see note 38 to X, etc.
512 LOGEMAN,
me hu ic sceole to* pe cuman n»bbe ic Öe naht to bringan ne
buton godne . willan for psun pe ic seif naht elles nebbe ne ic
naht betere nat ponne ic lufige peet heofonlice 7 \>cet gastlice
ofer \>cet eorölice swa ic eac do god feder for )?am ic me naht
betere nat )?onne }nvt Ac ic nat hu ic seeol cuman to pe buton
)>u me laere. Ac ge ta3C hit me 7 ge fultuma me. Gif pe )>urh
getreowa findan J>a pe findan forgef me }>onne craeft. Gif pe
|>urh hwylcne operne craeft findan pa, pe findan sele me j>a ge
triode forgef me }>onne craeft. Gif pe j>urh wisdom findan J>a
pe findan forgef me J>aene wisdom 7 ge yc hine on me. Eala
hu [>in godnes is to wundrianne . for [>am hio is ungelic eallum
oprum godum. Ic wilnigende cuman to j>e . 7 waes ealles pe
ic on }>am wege habban J>e«rf9 | ,0 Ic wilnige to \>e . 7 J?aes
swiÖost J>e ac bütan to pe cuman ne maeg. Gif pu me forlaetst
l'onne for wurj?e ic Ac ic wat J>eah peet p\\ me nelt forlaetan .
buton ic pe for laete . ne ic eac nelle forlifetan pe . for J>am Jm
eart |>>#/ hjhs/e11 god. Nis nan )>ara pe pe rihte secÖ )>#/ he
pe ne finde }>a äna |>e onriht secaÖ pe pü unriht laerst peet hi
pe secan 7 him getaeest hu hi pe secan sculon wälla god faeder
wel atys nie of )>am ge dwolan pe ic 08 J>is on dwelede 7 git
dwelige . 7 getaec me }>aene weg pe menan feond on gemete
aer ic to pe cume . gif ic naht ofer pe ne lufige. Ic pe halsige
peet ic pe gemete 7 gif ic aeniges Ringes ungemetlice 7 unribt-
lice wilnige ge freo me J>aes . 7 gedome )>aes wyröne peet ic pe
mote geseon. Du selesta faeder . 7 )?u wisesta . ic pe befeste
mine lichaman peet pn hine gehaele hälne. Ic nat peak hwgs
ic (>aer bidde pe nyttes pxl unnyttes me sylfum ne )>i13nathn
lange l>u hine halne wilt gehealdan for p\ ic hine befeste pe .
7 bebeode for }>am }m bet w&st ponne ic wite . hwaes ic be
)>earf u for pam ic bidde . peet J>u me simle lafere J>a hwile }>e
ic on J>isum lichaman . 7 on pysse worulde . sy 7 gefultamg ne
J>#/ ic s\mle J>aene raed araedige pe pe licwyröe sy . 7 me frem-
full . 7 )>earf lic si . for bam lifum . 7 be/st ,5 7 nytwyrÖost sj 7
nu git ofer ealle o}>re )>ing ic ge pe geornlicost bidde peet pn
me eallunga to gec^rre . 7 ne laet me nan wuht ofer winnan
8 a letter erased above o\ cl • a above the line. ,0 16. 61*°.
11 st corrected from one or two other letters. If />*, reAd ge, = i ? cf.
note 13. IS Ms. p = J>e? cf. Hart, Mod. Language Notes I, 175, Ib. II,
281 and see II, 444. See XV, notes 12 and IS u Erasure of one letter.
w / above tbe line.
ANGLO-SAXONICA MINOR A. 513
on t?issnm wege pcet ic ne mage cuman to pe 7 geclsensia me
J>a wile pe ic on pisse worolde si . gedome eadmodne . 7 syle
me ofer hyda. Dome gescadwisne . 7 rihtwisne . 7 for J?an-
colne . 7 fulfremedne 16 7 gedome lufigendwe16 . 7 andgitfulne /
pmcs wisdomos 7 gedome wirÖne pcet ifc si wunigende on j <-
pinnm eadigan rice si tut swä. !
XIV.
Gif pn nu laeof17 eal swa pe micel )?earf is andetnysse don
ealra )?inra synna j?onne do J?u pcet mid ealre (fo. 52ro) georful-
nys8e18. 7 mid ealre eadmodnysse . 7 ne gescamige19 pe a8 eow20 .
naht . for pam panan cymS forgifnes . bütan andetnesse nis nan
forgefenes micle betere is }>am men pcet him scamige her on life
beforan anan21 men . his synna )>onne him seyle eft geseamian
on godes dorne aet foran heofenwaran . 7 eoröwaran . 7 hel-
waran .-7 helwaran . pvex ne m»g nan man nan ping gode be
diglian . {ues pe he aefre her on life geworhte godes oÖÖe
yfeles . for ]>am se pe be hyt his leahtras . ne biö he geriht-
wisad . 7 se pe hi22 soölice geandet he aljsÖ his sawle of
deaÖe ealswa ure leofa drillten on his god spelle cweÖ . doÖ
diiidbote eowra synna . soÖlice heofena . rice23 to eow genea-
laecÖ . hit micel neod )>onne we fela Jmrh deofles lare doft
ongean godes willan . 7 bebod pcet we }>onne eac )?urh soÖe ^
eadmödnesse24 . andetnysse betan psst georne hreowsigende .
eal swa hit gesettan haiige faederas . 7 ealle pa. yfelan getane
pe pe T U8 eow2° on heortan becuma^ Jmrh deofles onbrincg
andette l weß°2« pxa )>a )rinum x wram «<>»"»» " scrirfte28 pcet pn
mote l>urh softe andetnysse 7 dsedbote habban heofena rice
swiöe dysig is se man 7 dyrstig se pe syngaö gelöme beforan
godes eagan eall swa we ealles to oft doÖ . 7 he Joanne for-
scamaö pcet hit anan men an dette for |>am nis nan man on
l'isuni life geboran butan synnum bütan gode annnum29 pe
his 3ü leof ful cuö J?eos haiige . 7 )>eos clajne tid laenten faeste-
16 n above the line. " i. e. leof. 18 Read qeornfulnysse. Iö t in-
distinet. 20 Added in a 8 mall contemporary handwriting above the line.
Gloss to pe. 2I Meant for anan! w hi. Read him. M Erasure of d be-
fore rice. *4 0 corrected from u. M becumafi, written in a neater hand-
writing. On erasure? 2Ö t we get small cont. h.; cf. notes 18 and 25.
Gloss to pu. 21 i urum eowrum (w above the line) small cont. h. See
notes 18. 24. Gloss to pinum. M scrirfte, sie. Read scrifte. w an-
unum, read an um. *> his = is.
Anglia, XII. band. 33
514 LOGEMAN,
nes on J>aere }m scealt Jrine gymeal^ste 31 . 7 for gaegednyssa
j?inum gaslicnm32 scrifte ge andettan . 7 midfestene . 7 mid
waeccum . 7 mid gebednm . 7 mid aelmesdaedum . fram synum
pe ajnvean pmt pM bliöelice mid gastlicre bliese p& easterlican
maersunge cristes aeristes . gebidan mote . 7 J^aes halgan hnsles
Eigene mid gelefan underfon . to forgifen^sse ealra }>inra
synna . 7 to gecfennysse deoflicra costnunga . p\s feortig daga
festen . (fo. 52 Vü) us is git 8e33 to teo Jring dagum J>aes geares .
7 swa hwaet swa we on twelf monjmm mis doö on worde.
o^e on weorce on dede o}>}?e on raede on aeraete84 oJ>J>e on
oferdrince o^e on o)>rum leabtrum eal we hit magan . 7 motan
mid godes lefe 7 mid ures scriftes on fiesere halgan tide ge-
betan . gif we geornlice ure festen begaS 7 ure aelmes san 7
gebeda eal swa crist sylf ns laerefr behydaö eower . aelmesse
0 c
witodlice 7 gebit for eow . 7 eal swa waeter adwaescÖ pcet fyr
swa adwaescÖ eac seo aelmesse }>a senne. Drihten on him
sylfum astealde pis festen . 7 feste on an )>urh his godcnndan
mihte feowertig daga . 7 nihta fram eallnm earölicum biglefam .
witodlice on eallnm tidum gedafenaÖ cristenum mannam pcet
hi gode weorc began . 7 aelmes deda 7 swa J>eah swy fost on
f>issere halgan tide . for }>am pe we habhaft micele neode }>a
hwile pe we her syndon on }>ysan laenan life 7 on pyssm ge-
witendlicam pcet we )?onne on J>aere toweardan wurulde magan
7 motan becuman to life )?aes he fon cnndan 35 rices . 7 to |^am
wnldre ]>aere 6can eadignesse . J>aer we motan si]>)>an onsorh-
lice36 libban 7 rixian bntan selcere ge endange mid urum
drih/ne 37 haelendum criste 7 mid eallnm his hal . gnm gif we
hit ge hearnian willaÖ mid urum godam daedum . nis nanes
mannes maeÖ pcet mähte oppe cnnne asaecgan eal pcet god .
7 p9, yönessa pe god haefö gegearwod eallnm J>am pe hine
InfiaÖ 7 bis beboda healdan willaÖ . 7 gelestan gif we pornie
willaÖ his willan wercan 7 on his lnfe ^nrhwnnian )>onne ge
earnige we ns bntan aelcan tweon heofena rice mid criste selfan
7 mid eallan his balgnm. Ealra aerest nn leof a J>ena pe ead-
31 ce evidently corrected from ee. n i. v. gastlicumA See Sievers*
§ 1%, anm. 3, and a most interesting article by-Wright, Mod. Language
Notes I, 3: 'On silent T in English'. " Meant for qeset. ** A mis-
take for ofermte. M = (W. S.) heofoncundan. * Read orsorhlice.
17 t above llne, one letter erased; 1?
ANGLO-SAXONTCA MINOR A. 515
modlice to earöan on godes ge (fo. 53ro) sihöe38 to gebede . 7
bide J>a eadigan aanctam marian )rine leofan hlaefdian . 7 pa
hagan apöstolas . 7 haiige martiras*9 7 . J>a halgan confessores .
7 J>a msersodan faemnen }>#* bi gebiddan to drihtne for p& ]>cet
se aelmibtiga god gesylle pe fulne wisdom . 7 gewitt . 7 soft
ändgit to andete enne40 ealle Jrine synna . J>e Jm gemanan
mage op pis ne andweardan daeg )><£{ J>e naefre deoful aet witan
ne mage pcel pn bütan andetnysse . 7 böte heofenan of life ne
gewite aer pn ealle J?ine synna gebete . 7 syö J>an ans üp glaed-
liee 7 bliÖelice . mid truwan 7 mid soÖan geleafan . 7 c$'Ö us
J>ine neode . 7 /*mra *ait>/<i pearfe41 7 we }>e willaÖ swiÖe
georne mid inweordre heortan fore gebiddan pcet god aelmih-
tig pe getiwige 42 . 7 jnne bene gehyre.
88 sihd'e in the ins. *• The italicised words are in pale ink and in
a rough handwriting. For haqan read halgan. *° i. e. and et enne. " In
pale ink. sarvlä ineant for siirvla. ** Read getipige.
XV.
CONFESSIO.
Ic andette pe Indnlgentia1 — Se aelmibtiga god j?egescop
heofenas and eorÖan . 7 ealle gescefta gemiltfsa2 me . 7 do3
pe forgifnysse ealra pinra synna pe pu aofre geworhtest . fvam
fremde4 Jrines cristen domes 08 J>as tide . 7 alyse pe god fram
eallum yfelum . 7 gehealde J>e aefre god on eallum gödum weor-
cnm . 7 laede pe crist J>aes lifigendan godes sunn to )>am ecan
life into heofenan rfces mtrhÖe pe crist sylf be bäten hsefÖ
eallum |>am mannnm }>e hine lufiaÖ . 7 bis beboda healdaÖ . 7
se leofa drihten nele pcet aenig mann forweoröa . ae be wile
pcel ealle beon ha/e5 . 7 ebene . 7 tosoÖ faestnysse . 7 to böte
gee^rran eal swa drihten mid his J>am halgan . 7 )?am claenan
muÖ cwide gecwaßÖ . onswa hwilenm daege swa we sjufulla
man biÖ gecjrred to criste he leofaÖ . 7 ne swelt. Ic wille
biddan minne leofan drihtne pe nu is . 7 ä waes 7 afre biß
butan synnum 7 )?urh his prowunga . 7 f>urh is halgan rode 7
)mrh his balgan blödes ago/inesse6 pcet he pe for gyfennesse
(fo. 53vo) do ealra Jrinra senna pe pn on eallum fnnum life ge-
fremeÖ haefst 08 )?is . 7 ic bidde god aßlmihtigne pcet he ne
gelte aefterjnnum wacrange7 earnungum ac aefter Jrinum warcan8
1 Erasure. % d above the line. 8 0 crossed as if corrector from e.
4 frempe i. e. Ws. frympe. 6 / corr. from 1. 6 le above the line. 7 rvacran
for wacanl = wacum. 8 iparomfor worcanl = weorcum.
33*
514 LOGEMAN,
nes on J>rere pu scealt Jrine gymeal#ste31 . 7 for gaegedntssa
}?inum gaslicum32 scrifte ge andettan . 7 midfestene . 7 mid
wreccum . 7 mid gebedum . 7 mid relmesdredum . fram synum
pe apwean J>£?/ }>u bliöelice mid gastlicre blisse p& easterlican
mrersunge cristes tristes . gebidan mote . 7 p&B halgan husles
Eigene mid gelefan underfon . to forgifenvsse ealra Jrinra
synna . 7 to geclrennysse deoflicra costnunga . J>is feortig daga
festen . (fo. 52vu) us is git *e33 to teo }>ing dagum J?res geares.
7 swa hwret swa we on twelf mon^um mis doö on worde .
oppe on weorce on dede o^e on rrede on rerrete34 o^e on
oferdrince o(^e on o)n*am leabtrnm eal we hit magan . 7 motan
mid godes lefe 7 mid nres scriftes on fiesere halgan tide ge-
betan . gif we geornlice ure festen begaÖ 7 ure relmes san 7
gebeda eal swa crist sylf us lrerefr behjdaö eower . reimesse
c 0
witodlice 7 gebit for eow . 7 eal swa waeter adwaescÖ pcet fyr
swa adwrescÖ eac seo reimesse pa senne. Drihten on him
sylfum astealde pi& festen . 7 feste on an J>urh his godenndan
mihte feowertig daga . 7 nihta fram eal 1 um earÖlicum biglefnm .
witodlice on eallum tidum gedafenaÖ cristennm mannam pcet
hi gode weorc began . 7 relmes deda 7 swa J>eah swy )>ost on
Jrissere halgan tide . for }>am pe we habbaÖ mieele neode J>a
hwile pe we her syndon on }>ysan lrenan life 7 on J>^san ge-
witeudlieum pcet we j?onne on )>aere toweardan wurulde magan
7 motan becuman to life )?res he fon cundan35 riees . 7 to f>am
waldre ^rere 6can eadignesse . J>aer we motan si^an onsorh-
lice36 libban 7 rixian bntan seleere ge endange mid nram
drih/ne 3" hselendum eriste 7 mid eallum his hal . gum gif we
hit ge hearnian willaÖ mid urum godam dredum . nis nanes
manne8 mreö pcet mähte o^e eanne asrecgan eal pat god .
7 J>a yftnessa pe god hrefö gegearwod eallum J>am pe hine
lufiaÖ 7 his beboda healdan willaÖ . 7 gelestan gif we f>onne
willaÖ his willan werean 7 on his lufe {mrhwunian }>onne ge
earnige we ns bntan relean tweon heofena rice mid eriste selfan
7 mid eallan his halgum. Ealra rerest na leof a J>ena pe ead-
31 cr evident \y conrected from ee. » i. 9. gasUicwn.l See Slevertf*
§ 196, anm. 3. and a most interesting article by-Wright, Mod. I Angnage
Notes I, 3: 40n silent T in English'. " Meant for geset. M A mnv
take for ofermtt. M = (W. S.) heofoncundmn. *• Read onorklic*
" / above llne, one letter eraaed; 1?
ANGLO-SAXONICA MINOR A. 515
modlice to earöan on godes ge (fo. 53ro) sihÖe38 to gebede . 7
bide )>a eadigan sanc/am marian }>ine leofan hlaefdian . 7 pa
hagan apöstolas . 7 haiige martiras*9 7 . p& halgan confessores.
7 J>a m&rsodan faemnen ]>cet hi gebiddan to drihtne for pk pcet
se aelmihtiga god gesylle pe fulne wisdom . 7 gewitt . 7 soö
ändgit to andete enne40 ealle Jrine synna . pe pn gemunan
mage o]> \>ib ne andweardan daeg pcet pe naßfre deoful aet witan
ne mage pcet \>n bütan andetnysse . 7 böte heofenan of life ne
gewite aer pü ealle Jnne sjrnna gebete . 7 syö }>an aris üp glaed-
lice 7 bliÖelice . mid truwan 7 mid soÖan geleafan . 7 cjr8 us
)>ine neode . 7 /*wra saw/a pearfe41 7 we )>e willaft swifte
georne mid inweordre heortan fore gebiddan pcet god aelmih-
tig pe getiwige 42 . 7 )4ne bene geh vre.
38 «iA/fe in the ms. 39 The italicised words are in pale ink and in
a rongh handwriting. For hagan read halgan. *° i. e. andetenne. 4I In
pale ink. sawlä meant for sätvla. 49 Read ge tipige.
XV.
CONFESSIO.
Ic andette pe Iudulgentia1 — Se aelmihtiga god )?egescop
heofenas and eorßan . 7 ealle gescefta gemiltfsa2 me . 7 do3
pe forgifnysse ealra )>inra synna pe pn aefre geworhtest . fram
fremde4 }rines cristen domes oÖ J>as tide . 7 alyse pe god fram
eallum yfelum . 7 gehealde pe aßfre god on eallum gödum weor-
eum . 7 laede pe crist }>aes lifigendan godes sunu to psun ecan
life into heofenan rices mtrhSe pe crist svlf be bäten hsefÖ
vi fr
eallum )>am mannum pe hine lufiaS . 7 his beboda healdaÖ . 7
se leofa drihten nele pcet aenig mann forweorÖa . ac he wile
pcet ealle beon ha/e5 . 7 claene . 7 tosoÖ faestnysse . 7 to böte
gecyrran eal swa drihten mid his )?am halgan . 7 )?am claenan
muß cwide gecwaeÖ . onswa hwilcum daege swa we synfulla
man biÖ gecyrred to criste he leofaÖ . 7 ne swelt. Ic wille
biddan minne leofan drihtne pe nu is . 7 ä waes 7 afre biÖ
butan synnnm 7 }>urh his }>rowunga . 7 pm\\ is halgan rode 7
J>urh his halgan blödes agotenesse6 }?#* he }>e for gyfennesse
(fo. 53vo) do ealra )>inra senna pe pu on eallum Jrinum life ge-
fremeS haefst oÖ p\% . 7 ic bidde god aelmihtigne pcet he ne
gelte aefterfrinum wacrange7 earnungum ac aefter Jrinum warcan8
1 Era8ure. 2 rf above the line. s 0 crossed as if corrector from e.
4 frempe i. e. Ws. frympe. 6 / corr. from t. 6 te above the line. 7 rvacran
for wacanl = wacum. 8 warcanfor tvorcanl = weorcum.
33*
518 LOGEMAN, ANGLO-SAXONICA MINOKA.
his )?am halgan dyrwurÖan blöde s^lle pc forgyfeness eallra
pinra synna \>e ]>u aefre &i\> oppe aer gelobtest oJ>j?e geworbtest
for his miclan 7 maeran mildbeortnesse . 7 efter J>isan laenan
life mid bim wununge on J>aere 6cean worulde on godes blisse .
7 on his myrhÖe ]>e naefre to nanum ende nycemÖ. Getyf aefre
georne on god aelmihtigne . 7 on }>ane snnu . 7 on [>one balgan
gast 7 gelyf eac pcet ealle menn sculan arisan on domes daeg
of deaöe . 7 bet . 7 be hreowsia aefre swiöe georne . ealles )?aes
pe \>u to yfele haefst geloht . 7 gecwaedon 7 geworht . god bit )>e
forgjfe . 7 ic mote foh(?) nu on pin faesten mid godes geleue 7
mid minre . 7 began bit mid17 ealre georfulnesse18 7 claennesse
7 mid geswicenysse ^inra gylta . 7 faest aelce daege to nones 7
to anes maeles 7 forgang hwit . 7 be beorh (fo. 55ro) pe wiÖ
J>a eahta heahsynna ]>e{9 \>vl }>a ne fremige \cet is gitsunge . 7
gifernes Galnes . 7 weamodnes . 7 unrotnes . 7 asolcennes20 Gilp-
geornes . 7 ofermodines seo is heofod . 7 wyrtrama ealra leahtra
0
nis J>eah nan man lybbend on )?isan life \>e butan suman
Jjyssa leahtra beon mage ae hit is micel pearf )?#* se }>e aslide
7 on senne befeale pcet he eft raöe arise 7 georne bete \asi
he aer to braec swa his scrift him taece 7 aefre raa21 aeft swj'lces
geswice for J>am hit his gecyndlic J>#f se earma man syngie
ac hit his swj'Öe deofllic . 7 egeslic pcel he on synnum Jmr
wunie forÖ 08 his ende . 7 lufa )?inne drihten mid eallum
mode . 7 mid eallum maegne . 7 eallum mibtum . 7 ealre in-
werdre heortan faestlice . 7 beo earmum mannum milde . 7 man
j>aere 24 7 aelmes georn ** . to godes — 23 ciric geornn . 7 teo Jwng
georn . .22 to godes cyrecan . 7 earmum mannum }>onne biß god
J>e milde . 7 bliöe 7 j?u mid him most )>onne libban . 7 rlxian .
in ealra worulda woruld äbtitan aeleum ende amen.
I havc no othcr 0. E. rcferenccs but I suspect an othcr inst&nces of our ex-
pression to bc hiddcn in Dedpum eedpe gehöhte quoted by Bosw.-Toller
in voce ceap. The translation (at a great [deep] price' seeras rather fiur-
fetehed. 17 Between mid and ealra there is a stroke in the Ms. which
looks likc part of / erased. I8 Read geornfulnesse. Itt Ms. j>. See note 1 1
to XIV and snpra passiin. *' n above the line. " ce/re ma\ modern
English evermorcV I have no othcr referenees before 1250. n n erased.
M Erasurc of ono lettcr. ** read man pwmre.
Ghent, June 1889. II. Logeman.
DIE QUELLE VON BEN JONSON'S
VOLPONE.
Der gelehrte Gifford hat zwar io seiner ausgäbe von Ben
Jonson's werken bereits an zwei stellen l des Volpone auf ent-
lehnungen aus Petronius aufmerksam gemacht, jedoch habe
ich weder bei ihm noch bei andern herausgeben] oder literar-
historikern die tatsache ausgesprochen gefunden, dass der eng-
lische dichter die idee und mehrere episoden seines dramas
dem satirischen Schelmenroman des alten Römers verdankt.
Ich werde dies im folgenden nachzuweisen suchen, wobei ich
den lat. text nach der zweiten ausgäbe von Bticheler (Petronii
Satirae et über Priapeoruum, Berolini 1871) citiere.2
Nachdem Eumolpus, Encolpius, Giton und einige Sklaven
aus einem Schiffbruche an der unteritalienischen küste nur das
nackte leben gerettet haben, kommen sie in die nähe von Cro-
ton (Bticheler p. 78—80), über welche Stadt ihnen ein gutsver-
walter (vilicus) folgende auskunft gibt:
'si negotiatores estis, mutete propositum aliudque vitae praesidium
quaerite. sin autem urbanioris notae homines sustinetis semper men-
tiri, recta ad hierum curritis. in hac enim urbe non literarum studia
celebrantur, non eloquentia locuin habet, non frugal itas sanctique mores
laudibus ad fructum perveniunt, sed quoscumque homines in hac urbe
videritis, scitote in duas partes esse divisos. nam aut captantur aut
captant. in hac urbe nemo liberos tollit, quia quisquis suos heredes
habet, non ad cenas, non ad spectacula admittitur, sed omnibus pro-
1 In dem vod Cunningham besorgten dreibändigen neudruck (London,
Chatto & Windus) p. 339 und p. 342 in den anmerkungen.
2 Da der Volpone im jähre 1605 zuerst gespielt wurde, kann B. J.
natürlich nur eine vor dieser zeit erschienene ausgäbe benutzt haben.
Von solchen besitzt die hiesige Universitätsbibliothek: 1) die ausgäbe des
Joh. Sambucus , Antverpiae 1565; 2) ex recognitione Jani Dousae, Lug-
duni Batavorum 15S5; 3) eine anonyme, Lutetiae 1587; 4) von Joa. a Wou-
weren, Lutetiae Parisiorum 1601; 5) desgl. ex officina Plantiniana Raphe-
lengij 1604. — Die abweichungen dieser ältesten texte sind jedoch so un-
erheblich, dass wir sie für unsere zwecke ausser acht lassen dürfen.
520 HOLTHAUSEN,
prohibetur commodis, inter ignominioBos latitat. qui vero nee uxores
unquam duxerunt nec proxiinas necessitudines habent, ad sumraos
honores perveniunt, id est soli militares, soll fortissimi atque etiam
innocentes habentur. adhibitis' inquit 'oppidum tan quam in pesti-
lentia campos, in quibus nihil aliud est nisi cadavera, quae lacerantur,
aut cor vi, qui lacerant.
Nach einer lticke heisst es in cap. 117, p. 81 weiter:
prudentior Eumolpus convertit ad novitatem rei mentem genusque
divinationis sibi non displicere confessus est. iocari ego senem poc-
tica levitate credebam, cum illo 'utinam quidem' inquit 'sufliecret
largior scoena [id est vestis human ior], instrumentum lautius, quod
praeberet mendacio fidem: non mehercules penam istam differrem,
sed continuo vos ad magnas opes ducerem 'quid ergo' in-
quit Eumolpus, 'cessamus mimum componere? facite ergo me domi-
num, si negotiatio placet'. nemo ausus est artem damnare nihil an-
ferentem. itaque ut duraret inter omnes tutum mendacium, in verba
Eumolpi sacramentum iuravimus: uri, vinciri, verberari ferroque necari,
et quiequid aliud Eumolpus iussisset. tanquam legitimi gladiatores
domino corpora animasque religiosissime addieimus. post peractum
sacramentum serviliter ficti dominum consalutamus, elatumque ab
Eumolpo filium pariter condiseimus, ideoque de civitate sua
miserrimum senem exisse, ne aut clientes sodalesque filii sui aut sepulc-
rum quotidie causam lacrimarum cerneret. accessisse huic tristitiae
proximum naufragium, quo amplius vicies sestertium amiserit; nec
illum iactura moveri, sed destitutum ministerio non agnoscere digni-
tatem suam. praeterea habere in Africa trecenties sestertium fundis
nominibusque depositum; nam familiam quidem tarn magnam per
agros Numidiae esse sparsam, ut possit vel Carthaginem capere.
seeundum1 hanc formulam imperamus Eumolpo, ut plurimum tussiat,
ut sit modo solutioris stomachi eibosque omnes palam damnet; loqua-
tur aunim et argentum fundosque mendaces et perpetuam terrarum
sterilitatem ; sedeat praeterea quotidie ad rationes tabulasque testa-
menti omnibus mensibus renovet
Nachdem Eumolpus sein gedieht über den btirgerkrieg vorge-
tragen, gelangen die reisenden nach Croton (BUch. p. 90):
ubi quidem parvo deversorio refecti, postero die amplioris fortunae
domum quaerentes ineidimus* in turbam heredipetarum sciscitantium,
quod genus hominum aut unde veniremus. ex praescripto ergo con-
silii communis exaggerata verborum volubilitate, unde aut qui esse-
mus, haud dubio credentibus indicaviuius. qui statim opes suas summo
cum certamine in Eumolpum congesserunt.
Certatim omnes heredipetae muneribus gratiam Eumolpi solli-
citant
Cap. 125. dum haec magno tempore Crotone aguotur et Eu-
molpus felicitate plenus prioris fortunae esset oblitus statum adeo,
1 Diese stelle hat bereits Giflford p. 342, note 8 angezogen, vgl. oben.
" Auch diese stelle hat schon Giflord p. .Wia anm. herangezogen.
BEN JONSON1S VOLPONE. 521
ut suis iactaret, neminem gratiae suae ibi posse resistere
ceterum ego, etei quotidie raagis magisque superfluentibus bonis sagi-
natum corpus impleveram
Sehen wir zunächst, was Ben Jonson aus dem bisher aas-
gehobenen gemacht hat Der Eumolpus des Petronius ist bei
ihm zu dem schlauen Volpone geworden, der vagabundierende
spitzbube und päderast Encolpius zu Volpone's vertrautem
diener und helfe rehelfer Mosoa, dessen lustknaben Oiton wir
in dem hermaphroditen Androgyno in diensten Volpone's
widerfinden; die erbscbleicher von Croton sind durch Voltore,
Corbaccio und Gorvino repräsentiert; die bezeichnenden namen
der beiden letzteren dürften durch Petron's bild von den raben
(cor vi) veranlasst sein.
Der dichter bat Italien als Schauplatz beibehalten und
nur das berühmte und berüchtigte Venedig an stelle des* ver-
gessenen Croton gesetzt; wenn er die handlang aus dem klassi-
schen altertum in die lebendige und verständlichere gegenwart
verlegte, folgte er nur dem zuge der zeit Dieser entsprechend
sind auch die figuren des Stückes umgestaltet worden. Es be-
ginnt mit ähnlichen Voraussetzungen wie die betrügerei des
Eumolpus in Croton: Volpone, der keine kinder und verwanten
hat, stellt sich krank1 und weiss mit hilfe Mosca's die erb-
schleicher durch Versprechung seines naehlasses zu reichlichen
geschenken zu bewegen1; nur ist er nicht ein zufällig in
die Stadt verschlagener pechvogel, wie der dichter des Petro-
nius, sondern ein bereits begüterter, eingesessener 'magnifieo'.
Uebrigens hat Jonson dem original noch einen zug entlehnt:
Volpone ist wie Eumolpus ein lüstling. Wegen dieser eigen-
schaft muss ich den leser auf das verweisen, was Petron in
cap. 85 ff., 94 ff. und 140 von den unzüchtigen neigungen seines
helden erzählt. Dementsprechend lässt Ben Jonson seinen Vol-
pone sagen:
1 ° 'Prepare
Me rausic, dances, banquets, all delights;
The Turk is not more sensual in hiß pleasures
Than will Volpone' (I, 1, p. 349a).
Und wie lodert bei Mosca's darauf folgender Schilderung von
der schönen jungen frau Corvino's gleich seine Sinnlichkeit auf,
mit welchem eifer sucht er sie zu gewinnen, und endlieh, als
der habsüchtige ehemann sie ihm persönlich überliefert hat
1 Ich verweise auf die von Gifford verglichenen stellen, 8. oben.
522 HOLTHAUSEN,
(III, 6), durch Versprechungen, Schmeicheleien and endlich ge-
walt sich ihrer zu bemächtigen! Die eben berührte episode
hat aber Jonson (was Gifford entgangen zu sein scheint) eben-
falls dem roman des Petronius entlehnt, allerdings mit einigen,
durch die veränderten Zeiten und anschauungen bedingten
Umgestaltungen. In cap. 104 (Buch. p. 104 f.) erzählt Encolpius
weiter:
matrona inter priiuas honesta, Philomela nomine, quae multas saepe
hereditates officio aetatis extorserat, tum anus et floris extincti, filium
filiamque ingerebat orbis senibus, et per hanc successionem artem
suam perseverabat extendere. ea ergo ad Eumolpum venit et com-
mendare liberos suos eius prüden tiae bonitatique credere se
et vota sua. illum esse solum, qui praeceptis etiam salubribus in-
struere iuvenes quotidie posset. ad snmmam, relinquere se pueros
in domo Eumolpi, ut illum loquentem audirent quae sola
posset hereditas iuvenibus dari. nee aliter fecit ac dixerat, filiamque
speciosissimam cum fratre ephebo in cubiculo reliquit simulavitque
se in templum ire advota nuneupanda. Eumolpus, qui tarn fmgi erat
ut Uli etiam ego puer viderer, non distulit puellam invitare ad pig-
niaca sacra. sed et podagricum se esse lumborumque solntorum omni-
bu8 dixerat, et si non servasset integram simulationem, periclitabatur
totam paene tragoediam evertere
Die erbschleicherin Philomela hat Ben Jonson zu dem
habsüchtigen kaufmann Corvino umgewandelt, der sich durch
Mosca in der 3. scene des 2. aktes überreden läset, sein junges
schönes weib dem angeblich ganz entkräfteten und lenden-
lahmen1 Volpone als letztes mittel zur widerherstellung seiner
gesunkenen wärme und geschwundenen kräfte zu überlassen.
1 So erscheint er den besuchern im l.akt, wo Mosca akt 2, sc. 8
(p. 360b) von ihm sagt:
(That nought can warm his blood. sir, but a fever;
Nor any incantation raise his spirtt:
A long forgetfulness hath seized that part\
Und Corvino nennt ihn, um die bedenken seiner frau zu beseitigen:
'An old decrepit wretch,
That has no sense, no sinew;
a voiee, a shadow;
And what can this man hurt you?' (III, 6, p. 368a)
Dementsprechend hustet und redet Volpone (p. 369 a), als Mosca das ehe*
paar zu ihm führt; Mosca nennt ihn in der ersten gerichtsscene (IV, 2,
p. 381a) 'so weak, so fecble', Voltore 'not able to indure the air\ als
man sein erscheinen fordert, und der letztere versichert:
4 But sure, the sight will rather move yonr pities
Than Indignation \
Diese rolle weiss Volpone denn auch später, als er auf einer bahre rn den
BEN jonson's volponb. 528
Die ärzte haben verschiedenes angeraten nnd angewandt, um
die schwäche des alten zu beseitigen nnd
(at last they resolved
That to preserve him, was no other means
But some young woman must be straight sought out,
Lu8ty, and fall of juice, to sleep by him' (p. 360a).
Dieses mittel erinnert zu sehr an das im 1. buche der könige,
eap. I, 1 — 4 vom alten kttnig David erzählte, als dass man
nicht eine entlehnnng ans dieser geschichte annehmen sollte.
Es heisst dort nämlich (nach der Bevised Version):
(Now king David was old and stricken in years; and they
covered him with clothes, bat he gat no heat. Wherefore his ser-
vants said unto him: "Let there be sought for my lord the king a
young virgin: and let her stand before the king, and cherish him;
and let her lie in thy bosom, that my lord the king may get heat".
So they sought for a fair yoang damsel throughout all the coasts of
Israel, and found Abishag the Shunnamite, and brought her to the
king. And the damsel was very fair; and she eherished the king,
and ministered to him; bat the king knew her not.'
Freilich hat Ben Jonson diese episode wider eigenartig um-
gestaltet und zur weiterfthrung der handlang benutzt: was
Philomela freiwillig tut, dazu entschließet sich Corvino erst
auf zureden Mosca's nach einigem kämpfe — wobei allerdings
die habsucht bald über die eifersucht siegt — , während bei
Petron die matter ihre tochter dem Wüstling überläset, vertraut
ihm bei Jonson der gatte die gattin an — beide handeln zwar
als erbschleicher, aber die nächsten motive zum entschluss
sind . doch verschieden. Der römische Schreiber sagt nichts
von einer Weigerung des geopferten mädchens, der englische
dramatiker weiss die scene zwischen dem überredenden, be-
fehlenden, drohenden, wütenden gatten und der mit weiblichem
Schamgefühl ihre ehre verteitigenden Celia wunderbar auszu-
malen. Philomela bringt ihre kinder angeblich zur erziehung
und belehrung, Corvino seine gattin direkt zu medizinischen
zwecken. Eumolpus stillt seine lust, ohne auf widerstand zu
stossen und braucht keine Überredungskünste anzuwenden,
Volpone bittet und verspricht, schmeichelt und singt verbuhlte
lieder, und muss sich schliesslich doch noch, als er gewalt
anwenden will, seine beute entgehen lassen. Für Eumolpus
saal gebracht wird (p. 384) trefflich durchzuführen, and die beredsamkeit
des advokatcn Voltore schildert seine Unfähigkeit für das ihm zur last
gelegte verbrechen bei dieser gelegenheit mit gut gewühlten Worten,
524 HOLTHAUSEN,
hat die angelegenheit keine weiteren folgen, aber für Volpone
wird sie verhängnissvoll der anfang vom ende.
Noch einen umstand, der am ende der erhaltenen frag-
mente des Petron erzählt wird, die eigenartige dttpiernng der
crbschleicher, hat Ben Jonson in origineller weise benutzt und
unigebildet. In cap. 140 f. (Buch. p. 105, z. 35) sagt Encolpius:
'nee ulli enim celerius homines ineidere debent in malam fortunam,
quam qui alienum coneupiseunt. unde plani autem, unde levatores
viverent, nisi aut locellos aut sonantes aere sacellos pro hamis in
turbam mitterent? sicut muta animalia eibo inescantur, sie homines
non caperentur nisi spei aliquid niorderent ex Africa navis,
ut promiscras, cum peeunia tua et familia non venit. captatores iam
exhausti liberalitatem iinminuerunt. itaque aut fallor, aut fortuna
communis coepit redire ad poenitentiam tuam'.
Darauf folgt eine lUcke, in welcher berichtet sein muss, wie
Eumolpus ein die erbschleicher verhöhnendes testament machte.
Aus diesem sind folgende Sätze erhalten:
'ouines qui in testamento roeo legata haben t, praeter libertos meos
hac condicione pereipient, quae dedi, si corpus meum in partes con-
eiderint et astante populo comederint'.
Nachdem hierfür ironisch einige trostgründe angegeben sind,
erklart sich ein gewisser Gorgias, verblendet durch die menge
des erhofften gewinns, sogar zu diesem eklen mahle bereit!
Der schluss des testamentes, so weit es überliefert ist, führt
noch weiter aus, mit welchen erwägungen die scheu vor dem
genusse von menschenfleisch zu besiegen sei.
Ben Jonson lässt seinen beiden, übermütig geworden durch
den glücklichen ausgang des prozesses, in der 1. scene des
5. aktes den tollen gedanken fassen, sich tot zu stellen und
Mosca scheinbar als Universalerben einzusetzen, um sich an
der enttäuschung und dem ärger der betrogenen erbschleicher
ungesehen oder unerkannt zu weiden. Eumolpus sowol wie
Volpone haben dieselbe absieht, suchen sie aber durch ver-
schiedene mittel zu erreichen.
Ueberblicken wir nun das ganze: thema, liguren und de-
mente der handlung, so ist klar, dass Jonson das erstere ganz
seinem vorbilde entlehnt hat: ein betrüger erwirbt sich ver-
mögen, indem er einer anzahl von erbschleichern verspricht,
sie in seinem testamente zu Universalerben einzusetzen, wofür
sie ihn reichlich beschenken. Aber der englische dichter hat
diesen gedanken noch erweitert, sein Volpone wird durch den
erfolg übermütig, schmiedet plan auf plan und richtet sich
BEN jonson's volpone. 525
selbst zu gründe, da ihm sein gefügigstes Werkzeug untreu
wird. — Von wirklich vorliegenden figuren übernahm Ben Jon-
son den haupthelden Volpone = Eumolpus, dessen 'parasiten'
Mosca = Encolpius, den diener Androgyno = Giton. Volpone
entlehnte er als schlauen betrttger und lttstling, streifte ihm da-
gegen die eigenschaften eines fahrenden dichters, philosophen
und heruntergekommenen landstreichers ab, wofür er ihn zum
venezianischen magnifico machte. Mosca ist ganz umgearbeitet
worden, von seinem vorbilde hat er nichts als die Schlauheit
und Verschlagenheit behalten. Giton ist sehr verblasst und
zu der rolle eines unbedeutenden dieners herabgesunken, zum
spassmacher ftir seinen herrn. — Die bloss angedeuteten erb-
schleicher von Croton dagegen sind vom dichter prächtig heraus-
gearbeitet und individualisiert worden; Corvino, Corbaccio und
Voltore stehen als charakteristische typen in lebensvoller per-
sönlichkeit da. — Von wirklichen handlungselementen über-
nahm Ben Jonson die scene, wo die matrone ihre schöne
tochter dem alten lüstling überliefert, schuf es aber mit Ver-
wendung eines leiblichsten motivs derart um, dass aus der
mutter ein gatte, aus der tochter dessen junges weib wurde,
zu dem der betrtiger in unzüchtiger lust entbrannt ist. Wäh-
rend die alte ihr kind aus eigenem antriebe bringt und dies
sieh auch willig ergibt, lässt der englische dichter den ebenso
habgierigen wie eifersüchtigen ehemann durch Mosca über-
reden, die widerstrebende keusche gattin zu dem angeblich
kranken Volpone zu schleppen. — Das wegen der schlechten
Überlieferung unklare motiv von der Verhöhnung der erb-
schleicher durch ein testament hat Jonson wunderbar verwen-
det, um seinen helden sich durch Übermut selbst stürzen zu
lassen. Seine erben sollen zwar nicht sein fleisch verzehren,
aber vor neid und ärger vergehen, wenn sie den gehofffcen fetten
bissen sich durch Mosca weggeschnappt sehen müssen.
Ich hoffe noch durch weitere quellenuntersuchungen zeigen
zu können, wie Ben Jonson, trotz vieler entlehnungen, sich doch
in der Umgestaltung und Verwertung fremden gutes als selb-
ständig schaffender dichter zeigt, der das ausländische national
und das überkommene persönlich zum geistigen eigentum zu
machen versteht.
Göttingen. F. Hoj/thausen.
ZU MIDDLETON'S <NO WIT, NO HELP
LIKE A WOMAN'S'.
In der 1. scene des 2. aktes der genannten komüdie l gibt
Weatherwise der Lady Goldenflecce und ihren anbetern, Sir
Gilbert Lambstone, Popperton und Overdone in seinem hause
ein gastmahl, wobei er ein gericht in form der zwölf zeichen
des tierkreises auftragen lässt. Dieselben werden sodann dem
Charakter der gaste gemäss in witziger weise verteilt; zu den
übrig bleibenden speisen dürfen sich die pächter setzen. Die
betreffende stelle lautet (Bullen IV, p. 323 f.):
[Music. The banquet is brought in, six of Weatherwise's Tenants
carrying the Twelve Signs, Aries, Taurus, Geniini, Cancer, Leo, Virgo,
Libra, Scorpio, Sagittarius, Capricorn, Aquarius, and Pisces, made of
Canqueting-stuff.
Z. Gold. What, the Twelve Signs!
Wea. These are the signs of love, widow.
Er verteilt dann die platze:
Sweet widow, take your place at Aries here,
That's the head sign; a widow is the head
Till ehe be married. [Lady G. sits.
Taurus — sir Gilbert Lambstone, that's for you;
The say you 're a good town-bull.
And Gemini for master Pepperton,
He had two boys at once by his last wife.
Cancer, the crab, for master Overdone,
For when a thing's past fifty, it grows crooked.
Z. Gold. Now for yourself, sir.
Wea. Take no care for me, widow; I can be anywhere: here 's
Leo, heart and back; Virgo, gute and belly:
1 Ich eitlere nach der neuen ausgäbe von Bullen: The Works of
Thomas Middleton, London 1885, wo das stück im vierten bände p. 277 ff.
gedruckt Ist.
HOLTHAUSEN, MIDDLETON'S NO WTT, NO HELP RTC 527
I can go lower yet, and yet fare better,
Since Sagittarius fits me the thighs.
Obgleich der dichter gar wol diese idee Weatherwise's, der
an alle kalenderprophezeiungen glaubt und stets einen alma-
nach in der tasche trägt, selbständig erfanden haben kann,
so ist doch die Übereinstimmung mit einer stelle im Petron
zu schlagend, als dass man nicht an entlehnung aus diesem
glauben sollte.
Bei der Schilderung von Trimalchio's grossartigem gast-
mahl heisst es (Bücheler2 p. 21) in cap. 35:
* laudatio nem ferculum est insecutum plane non pro expectatione mag-
num; novitas tarnen omnium convertit ocolos. rotundnm enim repo-
sitorium duodecim habebat signa in orbe disposita, super quae pro-
prium convenientemque materiae structor imposuerat cibum: super
arietem cicer arietinum, super taurum bubulae frustum, super geminos
testiculos ac rienes, super cancrum coronam, super leonem ficum
Africanam, super yirginem steribiculam, super libram Stateram in
cuius altera parte scriblita erat, in altera placenta, super scorpionem
pisculum marinum, super sagittarium oclopetam, super aquariam an-
serem, super pisces duos mullos .'
Middleton hat — wenn überhaupt in diesem punkte benutzung
Petron's vorliegt — die quelle insofern umgestaltet, als er
nicht die speisen, sondern die gaste auf die einzelnen
zeichen verteilt, wodurch entschieden eine noch komischere
Wirkung erzielt ist als im originale.
Göttingen. F. Holthausen.
STRAY GLEANINGS.
1. O.E. clim in Corpus Gl. 427.
This gloss i8 found on p. 49 of Sweet's Oldest English
Texts; in Wright-Wülker col. 12, 1. 14, in Wright II, 103:
Caluarium, calunerclim. The first part of this gloss is evi-
dently an Englishing of the lemma, but the second part is by
no means so clear. Sweet mentions the word in his glossary
on p. 629. According to bim the i is long, and he is therefore
most likely of the same view as that proponnded by Dieter
(Ueber Sprache und Mundart der ältesten englischen Denkmäler
der Epinaler und Cambridger Glossen p. 7 note) who suggests
that the word should belong to the root of*climan postulated
by Ettmüller (395). This view would at first sight seem to be
favoured by Wright-Wülker 197.27/28: Caluarium, strictura, uel
cahverclympe, — especially since this Ms. (Harl. 3376) presents
many points of resemblance with the Corpus glossary, — but
of this more anon. The difficulty in connecting these two words
(viz. -clim and *climan) lies not so much in the form (although
we have no certain indication that the i is long) as in the
meaning. —
Prof. Gall6e of Utrecht has collected some words show-
ing how a consonant, followed by a nasal or liquid presents
the somewhat stränge phenomcnon of sometimes conforming
to the rules of the 1" consonantshift, and sometimes on the
other band remaining unshifted. (See: Etudes Arch£ologiques,
Linguistiques et Historiques, dädiäes a M. le Dr- C. Leeman
p. 279 ff., and cf. Kluge, Beitr. X, 339.) Thus we have Duteh krmg
by the side of ring (formerly hring) as compared with Greek
xQlxog, xlQxog, lat. circus. We have English (to) Clinch and, with-
out nasal clickei (see Mayhew and Skeat, M. E. Diel in voce) by
the side of link = an older hl ine. Now there is an O.E. word
LOGEMAN, STRAY GLEANINGS. 529
Mine, meaning, a hill, rising ground. See Bosworth-Toller's
interesting quotations. The Links would appear to be the proper
name of a hilly part of the country around Edinborough. Link,
says Wright (Prov. Dict. in voce) is 'A green or wooded bank
on the side of a hill between two pieces of eultivated land\
He also gives a sand-hill as the meaning. See further ib. in
voc. linck, linchet, Halliwell in voce and the following quotation
from Cassell's Encyclopsedic Dictionary: Upon the links, or
downs close to them, were seen four or five huts inhabited
by fishers (Scott: Antiquary eh. XI).
From what I have quoted from Galläe's article it will be
clear that in the Teutonic languages we may expect a form
commencing with a k to exist by the side of a form with h
(with h is afterwards dropped).
The forms with c are simply legion in the Continental dialects,
especially in place- names, E. g. Low Saxon klenk, H. 6. Klang,
'auf die Klänge' i. e. lon the sandbanks on the shore' (Gallöe
p. 280). This will be gathered from an other article of Prof.
Gallee's from which, as it will probably be just as little acces-
sible as the foregoing, I take the liberty to produce some ex-
tracts. ;By a comparison of these various words and their signi-
fications, one sees that to bend is probably the oldest signi-
fication; hence we have it in the meaning of to be round, to
form a circle, therefore to Surround any thing quiie and further:
'to Surround anything quite or partly, as if by a circle or a
curve; out of the signification: to be round, that of to elevate
oneself above a level developped itself . Now, just as well as a
bend can curve upwards, it can go downwards; hence by the
side of the notion 'elevation' we get that of 'depth' .... (No-
mina Geographica Neerlandica) 1886, p. 85. Hence we have
link etc. in the meaning of volley as well as of hill.
Add to this the significations of wood and rivulet which the
word assumes sometimes and we can nnderstand the enormous
amount of proper names where the word klink, or kling, figures.
See ib. p. 86, where a good many are enumerated.
As to the form with h (see Nom. Geogr. Neerl. p. 87) it
exists in Old English as stated before. Now it would be
very stränge if in Old English only, the two forms did not
exist side by side. After what has gone before I need hardly
state that I suppose the form *clinc to be hid in the more
Anglia, XU. band. 34
530 LOGEMAN,
or less mysterious clim for which see supra. Graphically the
change is very slight, and the fact of *clinc being a rare form
may account for its having beeu misread. The copyist may
have thought of the same word which we find in the Harleian
glossary (clympe ; cf. supra).
Has this hypothetic.al *clinc, — unlike Mine — left no
traces in Modern English? 1 dare not be positive bot would
submit the following quotation to the judgment of others. The
change of meaning from wood to that of park is certainly not
so great as to arouse snspicion: 'It was common to speak of
Paris Garden as the place for these Sports, whether the circle
in question was in Paris Garden or in the Clink; it being pre-
mised that Paris Garden was the King's manor or property of
a lord and copyholders, and the Clink was the Bishop of Win-
chcster's manor, and contained or consisted of his park9. —
(Notes and Queries, June 4. 1887, p. 442).1
2. Haupte Zeitschrift IX, 503k
We here find stoieorum glossed by slcerleornera. The stoiei
here referred to, whatever the meaning, could certainly not be
called: teachers of history. Stoieorum, a more or less legitimate
form, must be connected with Greek oroixtlov, a simple sonnd,
an element as opposed to YQafifia, a Single letter. Henee we
may confidently snppose stcerleornera to be corrnpted from steef-
leornera. The difference between ötoix*Iov and YQapfia will
not have been pereeived by the original glossator. It may
have been this very difference that caused the copyist to mis-
understand the text before him.
3. Englische Studien VIII, 474.
Kluge therc pnblished an 0. E. text from which I eopy a
few lines:
Swa hwset swa |>u halfst, hafa to mildheortnysse . \>&t (nn
1 This quotation will suftice, I fancy, to establish the meaning of
park. Possessora of more provincial glossaries than here at my diapoaal
(Halliwell and Wright where it is not found) will probably be able to
supply more instances. Just now (Dec. 89) Dr. Murrav's latest oomet to
hand, in which I find no traces of clink = wood or bill. But of aoilte
it may be merely a dialectal word or hid in tome more proper
STRAY GLEANINGS. 5H1
maegen gehelpe J>earfan waedlunge and gif ]m hwsenne gelo-
godne on nead j>earfe ongitst . and gif J>u hwaene on waedle
be preafodne . and gif jw hwaene on ienigura pigum aidlodne
acnsewst . and gif \>\\ hwaene of j>rihtene oÖÖe geead medne
gesihst mid \>san gehelpe ne forseoh pu cenine . ne forhoga
senine.
It will hardly require any comment if I propose to read
the italicised words respectively as follows:
be pearfodne andgitsf, Jnngum ()?!gum); ce (= ä) hine.
The ehange of cenine to ce hine is very slight and the cor-
ruption will have crept in through the word cenine following
directly after.
4. Wright-Wülker p. 100, 1. 44.
We here find herbam glossed by goerd (see note), which
the latest editor changes to gcers. ßut the form gcerd = graßd,
I think, is perfectly legitimate. So far as I am aware gcerd
does not obtain any more but gred, the Mercian representative
of grced may be found in the Vespasian Hymns 7. 4 (Sweet,
0. E. T. p. 409); where Sweet wrongly stars the gloss. See on
the word gred: Modern Language Notes II, 284 (J. M. Hart).
Ghent. Mav 1880. H. Logeman.
34*
DIE PRÄSENTISCHEN TEMPORA
BEI CHAUCER.
Als text sind zu gründe gelegt: I. für Chaucer's werke
folgende aasgaben:
1 . The Poetical Works of Geoffrey Chaucer in six volumes edited by
Richard Morris, L.L.D. with memoir by Sir Harris Nicolas. In the
Aldine Edition of the British Poets, London 18S6. (Unsere citate
beziehen sich auf diese ausgäbe, wo nicht ausdrücklich eine andere
genannt ist.)
2. A Six-Text Print of Chaucer's Canterbury Tales in Parallel Columns
from the following mss.: 1) The Ellesniere (in unserer abhandlung
mit der abkürzuug £ bezeichnet). 2) The Hengwrt 154 (= H).
3) The Cambridge Univ. Library Gg 4. 27 (= C). 4) The Corpus
Christi College Oxford (= Corpus). 5) The Petworth (== P). 6) The
Lansdowne (= L).
3. Die Chaucer-edition von Gilmans: da zur vergleichung herangezogen,
wo eine ausgäbe von hss., wie die Six-Text-ed. nicht vorlag.
4. Für das Astrolabe: die ed. von Skeat in der Early English Text
Society.
5. Für den Boethius: die ed. von Morris in der Early English Text
Society.
IL Bei vergleichung der originale und quellen von Chaucer's
werken sind benutzt folgende ausgaben:
1. Zur Tale of Melibeus: Albertani Brixiensis Liber Consolationis et
Consilii ed. Thor Sundby Pro Societate Chauceriana London 1878.
2. Zum Boethius: die Editio Teubneriana.
3. Zum Romaunt of the Rose: die ausgaben des Roman de la Rose 1) von
Meon, 4 bdc. Paris 1814. 2) Die ausgäbe des 1. teils Li Romans de
la Rose, premiere partie par Guillaume de Lorris vom Oberlehrer
Dr. PUschel im Jahresbericht vom Friedrichs-gymnasium, Berlin 1872.
3) Le Roman de la Rose par Guillaume de Lorris et Jean de Mann
dit Clopinel ed. Amsterdam 1 735 (bezeichnet mit 0. A.).
Citiert ist überall, wo nicht ausdrücklich eine andere quelle
angegeben ist, nach der ausgäbe von Morris und zwar gewöhn-
lich nach der verszahl, nur in der Tale of Melibeus und in
GRAEF, PRÄS. TEMPORA BEI CHAUCER. 533
der Persones Tale nach der Seitenzahl mit beifttgung der Zeilen-
zahl der betreffenden seite. Die abkürzungen sind derartig,
dass es zu ihrer erklärung keiner bemerkung bedarf.
Einleitung.
Wenn wir in der art der behandlang unseres Stoffes von
bisherigen arbeiten dieser art abweichen, so geschah dies, weil
es ans schien, dass bei Übernahme der behandlangsweise aas
einer der ans bekannten abhandlangen über tempora ein be-
friedigender einblick in den gebrauch der präsentischen tem-
pora bei Chaucer nicht gewonnen werden könne. Wir sind in
unserer abhandlang nicht von dem grandsatze aasgegangen,
eine methodische einteilang mit rücksichtsloser konseqaenz
überall durchzuführen, sondern wir haben es für wesentlicher
erachtet, ans je den speziellen bedürfhissen anzupassen, die
aas der art des einzelstoffes erwachsen. So finden sich z. b.
wol paragraphen über begrenzung der zeitsphäre beim prae-
sens und beim perfectum, nicht aber beim futurum.
Was unsere Unterscheidung der tempora in echte und stell-
vertretende bezüglich relative betrifft, so ist dazu noch folgen-
des über das wesen der tempora im allgemeinen zu erwähnen:
Das tempus bestimmt die zeitsphäre, in welcher ein verbal-
begriff verwirklicht gedacht wird. Wir haben demgemäss in
jedem tempus das produkt zweier begriffsfaktoren zu sehen
und zwar sind diese 1) der wortbegriff oder der verbale faktor,
2) der zeitbegriff oder der temporale faktor. Bei den verben,
die eine tätigkeit bezeichnen, kommt dazu noch der begriff
des tätigkeitsträgers, der jedoch in bezug auf das tempus von
untergeordneter bedeutung ist
Obige zwei begriffe sind nicht in allen temporibus gleich
stark betont. Es lässt sich sogar, sobald die im tempus liegende
Zeitbestimmung durch andere mittel schon hinlänglich deutlich
ist, eine Vernachlässigung des zeitbegriffs in gewissen tempo-
ribus beobachten, welche so weit geht, dass eine zeitform für
eine ganz andere zeitsphäre angewendet werden kann, als für
die im tempus bestimmte. Diese erscheinung findet sich jedoch
nur bei dem temporibus der praesentialreihe, für welche sich
dementsprechend die einteilung in echte und stellvertretende
bezüglich relative notwendig macht.
534 ÜRAEF,
Was die vcisehiedenen modi der einzelnen Zeitformen be-
trifft, so ist zu bemerken, dass bei der feststellung des ge-
brauche der tempora nur der indicativ als die aussageform
der wirklich gedachten handlung in betracht kommt, da nur
hier der zeitbegriff als solcher massgebend für die Verwendung
der verschiedenen formen ist, während im conjunctiv der zeit-
begriff gegenüber dem begriff der irrealität ganz in den hinter-
grund tritt. Vgl. auch Brinkmann II, s. 673, 5.
Die werke, von denen Chaucer's autorschaft nicht mit
Sicherheit feststeht, glaubten wir nicht unbeachtet lassen zu
dürfen, und so haben wir da, wo es sich um bemerkenswerte
erscheinungen handelte, stets auch das verhalten dieser werke
zu den betreffenden erscheinungen geprüft. Den Romaunt of
the Rose haben wir in einem anhange einer besonderen be-
tracht ung in stetem vergleich zu seinem original unterzogen,
um so festzustellen, wie weit der vom original abweichende
Sprachgebrauch des Übersetzers mit dem bei Chaucer festge-
stellten gebrauch der präsentischen tempora übereinstimmt
Ebenso ist von den echten werken, zum Boethius durchweg,
das lateinische original und zur Tale of Melibeus bei bemer-
kenswerten stellen die lateinische quelle Albertani Brixiensis
Liber Consolationis et Consilii zur vergleichung herangezogen
worden.
Wenn wir uns schliesslich hie und da darauf eingelassen
haben, zu konstatierten erscheinungen eine erklärung zu ver-
suchen, so mag uns da, wo uns hieraus ein Vorwurf entstehen
sollte, das wort Tobler's zur entschuldigung dienen: 'Und be-
greifen möchte doch mancher gerne, nicht stehen bleiben bei
einem verzeichniss von unleugbaren einzelnen tatsachen, noch
auch bei einem darausgezogenen beobachtungsfacit, wenn das-
selbe dem verstände unnahbar bleibt'. Verm. Beitr. 37, 8. 209.
I. TEIL.
Das praesens.
Grimm, Gr. IV, 140. - MUtzner, Gr. II, IX — Koch § 42.
'Das praesens bezeichnet eine tätigkeit, welche der seit
angehört, in welcher sie ausgesprochen wird.' M. a. a. o.
Das präsens ist von allen temporibus dasjenige, welche*
PRÄS. TEMPOKA BEI CHAUCEK. 535
die temporale beziehung am wenigsten betont. Dieselbe wird
vielmehr vom sprechenden meist als selbstverständlich voraus-
gesetzt und nur in ganz besonderen fällen als gesondertes
moment gefühlt.
Kap. 1.
Das praesens als echtes tempus.
§ 1. Das temporale element im praesens.
a) Das praesens trägt die zeitliche begrenzung des verbal-
begriffs lediglich in sich selbst
T. Lawe 477. This constable was not lord of the place,
Of which I speke ....
T. Knight 35. This duk of whom I make mencioun.
T. Reeve 160. Sehe seyde 'Allast your höre goth to the fen'.
n. dgl. m.
b) Das praesens wird in seiner zeitlichen begrenzung des
verbalbegriffs durch eine dazutretende Zeitbestimmung gestützt
Prol. 720. But now is tyme ....
T. Knight 425. Thou walkest now in Thebes at thi large
T. Lawe 478. And yit I holde my pees'.
Die funktion der Zeitbestimmung kann eine Ortsbestimmung
übernehmen.
T. Knight 961. At the request of the qneen that kneleth here.
T. Clerk II, 166. And here I swere.
Troilus II, 1253. 'Ncce, ise who comth here ryde.
Pr. Schipm. 12. (I smel a loller in the wind' quod he.
T. Schipm. 149. He nie no more cosyn unto me,
Than is this leef that hongeth on the tre.
T. Pardoner 206. What corps is that, that passeth her forthby. u.dgl.m.
c) Das praesens wird in seiner zeitlichen begrenzung des
verbalbegriffes durch gegenüberstellung eines anderen tempus
gestützt
a) Dies kann sein ein tempus der präsentischen reihe und
zwar das perfectum.
T. Clerk III, 38. But I desire, as I have doon byfore
ib. I, 12. Thus in delyt he ly veth and hath don yore
T. Lawe 174. Uousbondes ben al goode, and han be yore.
u. dgl. m.
Das futurum.
T. Knight 285 whom I love and serve,
And evere schal unto niyn herte sterve.
536 GKAEF,
T. Knight 325. Lovc if the liste; for I lovc and ay schal.
T. Clerk III, 61. This wil is in uiyn hert and ay schal be.
u. so sehr oft.
ß) ein tempns der präteritalreihe und zwar hier nur das
praetcritum seihst.
T. Knight 699. But ther as I was wont to hotc Arcite
Now hoote I Philostratc.
T. Clerk V, 30. I woot and wist alway.
T. Lawe 733. As strong as cver he was, he is right now.
u. so sehr oft.
§ 2. Ueber die grenzbestimmung der zeitsphäre
des praesens.
1. 'Das praesens bezeichnet eine tätigkeit, welche der zeit
angehört, in der sie ausgesprochen wird.' M. II, s. 73. Die
nähere begrenzung dieser zeitsphäre ist dem subjektiven be-
dürfniss des redenden überlassen, indem er dieselbe einerseits
auf einen moment beschränken, andererseits auf Zeitabschnitte
beliebiger grosse ausdehnen kann, sobald er sie nur in gegen-
satz zu einem andern Zeitabschnitt setzt und somit dem prae-
sens eine bestimmt begrenzte zeitsphäre zuweist
Die zeitsphäre der gegenwart wird
a) auf den moment der aussage beschränkt.
T. Pardoner 206. What corps is that, that passe th her forthby.
ib. 69. I say it now wepyng with pitous vois.
u. so oft; vgl. beispiele sub § 1.
b) auf Zeitabschnitte beliebiger grosse erweitert
T. Pard. 199. These riottoura thre, of which I you teile,
ib. 266. Thus walk I lyk a resteles caytif.
ib. 732. So how I vanysshe flessh and blood and skyn.
T. N. P. 4. This wydowe, of which I teile yow my talo.
u. so oft. Das praesens bezeichnet hier die ganze zeit, welche
die erzählung der geschiente in ansprach nimmt — also einen
ganz beliebigen Zeitabschnitt.
2. Dabei werden zumeist auch handlungen der unmittel-
baren Vergangenheit oder der unmittelbaren zukunft mit in die
gegenwart gerechnet indem der redende, der in lebhafter be-
ziehung zu diesen handlungen steht, dieselbe in keiner weise
als von seiner gegenwart getrennt empfindet
a) Die nächste Vergangenheit
T. Knight 267. * Whether neistow in ernest or in pleyV
T. Frere 254. Ne herest nought thon, what the carter saith.
PRÄS. TEMPOKA BEI CHAUCER. 537
T. Clerk IV, 20. For to myn eeris cometh the vois so smerte . . .
T. Squyer 102. He sayde: The kyng of Araby and Inde
My liege lord, on this solempne day
Saluteth you as he best can or may
He sendeth you . . . By me . . . This stede of bras' . . .
T. Melib. 149, 31— 32. wher as ye sayn: quelle: dixisti.
Ebenso T. Miller 304; T. Frere 158, 329; T. Somp. 426; Pr. Ba.
337, 348 u. s. w.
Anmerkung. Es ist aber ein unterschied zu machen, ob der
redende die nächste Vergangenheit an sich noch in seiner anschauung als
im Zusammenhang mit der gegenwart stehend fühlt, [wegen der kürze der
zwischen seiner gegenwart und dieser eben verflossenen Vergangenheit
liegenden zeit] oder ob dieser Zusammenhang der beiden zeitsphären, die
der redende im übrigen als deutlich getrennt empfindet, nur durch eine
beiden gleichmässig angehörige handlung hervorgerufen wird. Da man
im letzteren falle für die eine handlung auch nur ein tempus zu setzen
pflegt, so entsteht die trage, welches tempus — das praesens oder das
perfectum, welche eigentlich beide nebeneinander stehen sollten — den
vorrang vor dem andern haben soll. — Der Deutsche und der Franzose
ziehen hier das praesens vor, der Engländer das perfectum. Dies zeigt
sich auch schon bei Chaucer. — Doch ist ein fall auszunehmen. Soll es
nämlich besonders betont werden, dass eine an sich der Vergangenheit
angehörige handlung auffälliger weise noch bis in die gegenwart hinein-
reicht, — so steht stets das praesens.
T. N. Pr. 74 By God, me mette I was in such meschief
Rightnow, that yit myn hert is sore afright u.ö.
Troilus V, 1351 But in two monethes yit ye not retourne.
Sonst steht bei Chaucer im obigen falle schon vorwiegend das perfectum;
vgl. Perfectum s. 40. Jedoch findet sich auch das praesens; vgl. ib. s. 43.
b) Die nächste zukunft.
Dem redenden schwebt eine unmittelbar bevorstehende
handlang so lebhaft vor, dass er sie schon als gegenwärtig
empfindet.
T.Miller 534. 'I comeanon.'
ib. 537. For after this I hope ther cometh more.
ib. 630. He thought, 'Alias, for now cometh Noes flood!'
T. Bathe 154. The nexte thing, that I require the,
Thou shalt it doo.
Pr. Maunc. 104. 'wel, sir' quod he, *now herkyn what I say.?
und so oft.
3. Anders liegt der fall in folgenden beispielen, die nicht
dadurch erklärt werden können, dass der redende die ver-
gangene handlung zu seiner gegenwart rechnet, — sondern
wo das praesens unverkennbar statt des perfecta steht
538 GKAEF,
T. Miller 580. Why ryse ye so rathe?
= Warum seid ihr so früh auf?
T. Lawe 807. Of which the nanie in my text nought I fynde.
Dasselbe T. Monk 265; Troilus IV, 1387 u. öfter.
Gerade dies verb steht fast regelmässig im praesens in
diesem zusammenbange.
T. Bathe 6. This was the old oppynyoun as I rede;
Dasselbe T. Lawe 997; T. Nonne Pr. 290 u. öfter.
Aach dies verb findet sich ziemlich ziemlich häufig so.
Troilus II, 653. Lo ! this is he.
Which that myn uncle swerth he moot be dede.
ib. V, 1282. Paraunter ther thow dremest of this boor,
It may so be that it may signifye ....
Lucrecia 45. And axeth hem (what tydynges heren ye
Adriane 203. That I nc repente not to yeve yow lyfc
Phyllis 157. But syn thus synfully ye me begile, . . .
n. andere mehr.
Das ne. / forgel haben wir bei Chaucer nicht nachweisen
können.
Dieser gebrauch des praesens ist als folge einer starken
kttrznng von ausdrücken anzusehen, deren umfangreiche gram-
matische form ihrem klaren und einfachen gedankeninhalte
gegenüber als zu umständlich empfunden wurde. — So sagte
man statt: Es ist mir bekannt, denn ich habe gelesen, gehört,
gesehen, erfahren etc. — ich lese, ich höre, ich sehe, ich er-
fahre und ähnlich in den Übrigen fällen. — Diese ausdrucks-
weise ist zwar grammatisch auffällig, aber bezüglich ihres
Inhaltes so absolut klar, dass ein missverständniss gar nicht
möglich. —
Anmerkung. Hieran reiht M. den gebrauch des praes. bei quellen«
angaben von citaten.
T. Miller 343. For thus seith Salonion.
T. Clerk VI, 216. As saith seint Jame, if ye his pistril rede.
Ebenso Pr. Bathe 49, 51, 64, 91, 182, 325, 652; T. Bathe 269, 309, 336;
T. Somp. 314; Pr. Lawe 25, 76, 77; T. Lawe 309; T. March 881, 998—1007
u. sehr oft.
M. scheint jedoch übersehen zu haben, dass es sich hier um eine
rein bildliche ausdrucksweise handelt, indem der autor statt seines werkes
gesetzt wird und 'sagen' sowie ähnliche ausdrücke die bedeutung haben :
'es steht geschrieben in', 4es wird gesagt in7 u. 8. w.
An die frage, wann dies bezw. das betreffende buch geschrieben
worden ist, wird hierbei gar nicht gedacht. Es handelt sich nur darum,
zu konstatieren, dass eine gewisse meinung, die der schriftsteiler aus-
spricht, auch durch bUcherstcllon gestützt wird.
PRÄS, TEMPORA BEI CHAUCEK. 539
Diese rcdcweise ist also eine bildliche und ihr inhalt gehört nicht
der Vergangenheit, sondern der gegenwart an. Wenn es überhaupt nötig
ist, einen beweis hierfür anzuführen, so mögen die folgenden stellen als
solcher angesehen werden.
T. Knight 340 as olde bookes sayn, ....
T. Bathe 126. Redith Ovyd, and ther ye niow it leere.
T. March 1040. The Romayn gestes eek make remembraunce
T. Melib. 157,24. for the book saith: quelle s. 52,14: Scriptum est
enim.
ib. 166, 11. for the book saith: quelle s. 2, 1: scriptum est
namque u. so oft.
T. Monk 127 as saith the Prophe.
Ebenso T. Bathe 312; T. Monk 470, 508; T. N. Pr. 443, 509 u. s. w. Ganz
originelle beispiele sind:
Pr. Lawe 93. Metamorphoseos wot what I mene.
T. N. Pr. 539. as saith us (Eneydos).
S. T. 4549, ebenso E. H.C. zeigen seith; Corpus, P. L., seyde. T. Monk
665: as saith Machabe, ebenso alle hss. der S. T. 3845.
Hertzberg, Uebers. der C. T. in der anm. s. 614, bemerkt dazu sehr
treffend: 'Was die namensform Metamorphoseos betrifft, so glaube ich . .
. . . nicht, dass Chaucer sich darunter einen menschen vorgestellt habe'
(er spricht öfters von büchern in der bekannten figur wie von personen).
Wir haben also hier durchaus kein praes. vor uns, dass an stelle eines
praet. oder perf. steht, sondern ein gewöhnliches praes., dass semer natur
nach unter kap. 3 gehört; vgl. kap. 3, 4.
Allerdings kann bei anfUhrung von aussprüchen berühmter personen
auch das praet. stehen. Dann aber ist es klar, dass dieselben auch wirk-
lich als personen gefühlt werden und es handelt sich nicht um eine bild-
liche redeweise.
Pr. Coke 6. Wel seyde Salomon in bis language.
Ebenso T. Bathe 96—97; Pr. Bathe 12, 16, 64—65, 73, 108, 111; T.Miller
41 — 42 u. öfter. Auffällig ist jedoch, dass die beiden tempora unmittelbar
nebeneinander stehen.
Pr. Bathe. Thapostil, when he spekth of maydenhede,
He sayde.
T. Bathe 269. Wel can the wyse poet of Florence,
That hatte Daunt, speke of this sentence.
u. öfter; vgl. kap. 3, 4.
Kap. 2.
Das praesens als stellvertretendes tempus.
Das praesens kann sich seiner temporalen eigentümlich-
keit so weit entkleiden, dass es die zeitsphäre der Verwirk-
lichung eines verbalbegriffs nur noch relativ fixiert, indem es
nun nicht mehr die zeit jener Verwirklichung bestimmt, son-
dern nur deren dauer begrenzt.
540 GRAEF,
Dieser fall tritt ein, wenn das praesens andere tempora
vertritt und zwar kann es eine derartige Vertretung über-
nehmen 1) für das praeteritum, 2) für das futur.
§ 1. Das praesens historicnm.
Handelt es sich darum, überraschend schnell eintretende
oder in rascher folge einander drängende ereignisse entsprechend
darzustellen, so kann, besonders wenn die zeitliche beziehung
durch den Zusammenhang schon hinreichend bestimmt ist, die
zeitsphäre der handlung durch das tempus gänzlich ignoriert
werden. Dies geschieht in der absieht, die ganze kraft der
Vorstellung auf den verbalbegriff zu konzentrieren und ihn von
allen anderen nebenbegriffen, die in diesem falle nur hemmend
auf die darstellung einwirken, zu befreien. Da nun das prae-
sens von allen temporibus dasjenige ist, welches den verbal-
begriff am wenigsten durch den zeitbegriff beschränkt, bezw.
in unserem sinne abschwächt, so ist es das für obige dar-
stellungsweise am meisten geeignete tempus.
Das ideal für diese darstellungsweise wäre, wenn man
die verbalbegriffe aller beziehung auf zeit und person ent-
kleiden und so die reinen verbalbegriffe an einander reihen
könnte. Dies haben denn auch einige sprachen im infinitivus
historicus erreicht.
Derartige infinitive finden sich auch bei Chaucer1, wenn
man sie auch wegen ihres sehr vereinzelten Vorkommens nicht
mit dem namen historische infinitive belegt, sondern sie besser
als infinitive des ausrufs auffasst. Ein wesentlicher unterschied
zwischen diesen beiden arten des infinitive existiert aber absolut
nicht, denn beide verdanken ihre entstehung gleichmässig der
lebhaftigkeit der darstellung. Der infinitiv steht in den vier
zu belegenden fällen, um teils die ausserge wohnlich rasche,
teils die ausserordentlich heftige art der ausführung der betr.
handlung zu bezeichnen — und zwar steht der infinitiv mit
und ohne to.
Troilus II, 1107. 'By God' quod he, *I hope alway byhynde!'
And sbe to laugb, it thoughte hire herte breste.
Ebenso £. ed. G. II, ib. s. 467.
1 Fiedler u. Sachs, b. II syntax s. 54, führen einige weitere beispiele
für diesen infinitiv im Engl, an, von denen jedoch die aus Ch. citierten, wie
auf den ersten blick erhellt, zu streichen sind. Aufrecht zu erhalten sind
nur zwei der dort angeführten beispiele, nämlich das erste und dritte.
PRÄS. TEMPORA BEI CHAUCER. 541
Troil. 11,1731.*. . . . God hym amende!'
And inwarde thus ful softely bygynne:
'Nece, I conjure, and heighly you defende, . . .
Farne II, 388 (am anfang eines absatzes).
And I adoun to loken thoo,
And behelde feldes and playnes, . . .
Die stelle ist jedoch unsicher, denn E. ed. 6. III, s. 33 zeigt:
And I adoun gan loken thoo
And behelde feldes and playnes . . .
Welche lesart die richtige ist, konnten wir, wie auch bei fol-
gendem beispiel, nicht entscheiden, da uns keine handschriften
zu geböte standen. Ferner ein beispiel aus dem unsicheren
Ch. Dream 1653.
For when the tirae ye set was past,
The queene to counsaile sone in hast
What was to doe, and said(,) great blame
Your acquaintaunce cause would . . .
Auch hier weicht E. ed. 6. III, s. 632 ab:
For when the Time ye set was past,
The queene took counsaile sone in hast,
What was to doe.
Es ist noch ein höherer grad von lebhaftigkeit in dieser
richtung hin möglich, indem das verbum ganz ausgelassen wird.
Der satz nimmt dann vollständig das gepräge eines ausrufs an.
Troil. I, 1072. But Troylus lay tho no lenger doun,
But up anone upon his steede bay,
And in the feelde, he pleyde the leoune, . . .
ib. II, 133. 'As helpe me God, I not nought what ye mene.
'And I youre borough, ne nevere shal, for me,
This thynge be told to yow, as mote I thryveP
ib. II, 786 ek men ben so untrewe,
That right anon, as cessed is hire leste,
So ceseth love, and forth to love a newe.
Anmerkung. Das Neuenglische kann eine ausserordentlich rasche
aufeinanderfolge von handlungen dadurch wirksam darstellen, dass es alle
nebenbeziehungen aus den verbalbegriffen ausscheidet und als prädikat
setzt, während die verbalbegriffe als infinitive das Subjekt bilden — ein
gebrauch, der sich bei Chaucer noch' nicht findet.
To rush forward — to shatter the door — to seize Jone in
his ariiis — to hurry from the mansion — seemed to him the work
of an instant! — Bulwer, The Last Days of Pompeii V, 5 (Tauchnitz-
ed. s. 411, z. 17—19).
Das psychologische moment, welches M. II, s. 74 als erklä-
rung des praesens historicum anführt, erklärt nur dasjenige
praes. bist, welches nicht die handlungen in rascher aufein-
542 GRAEF,
anderfolge bezw. in energischer hewegung darstellt, sondern,
'mit interesse bei der beschreibung von scenen verweilend',
eine panse in der erzählung eintreten läset, um so das bild
in seiner vollen kraft einen moment lang ungestört wirken zu
lassen. Es bedeutet also einen rnhepnnkt in der erzählung
und ist von dem obenerwähnten praes. bist wol zu unter-
scheiden. Dass in der tat ein sehr wesentlicher unterschied
zwischen diesen beiden arten des praes. bist besteht, zeigt die
tatsache, dass das Mhd., welches nur die letztere art kennt;
vgl. Grimm, Gram. IV, 142 ff.
Wir behandeln desshalb beide arten getrennt, und zwar:
A. Das praes. bist, im fortschritt der erzählung.
B. Das praes. bist, im stillstand der erzählung.
Anmerkung. Wenn wir das praes. bist, im folgenden ausführlicher
behandeln, als es das grammatische interesse dieses tempus zu erfordern
scheint, so geschieht dies aus zwei gründen. Einmal, weil es notig igt,
um einen Überblick über das allmählige vordringen des praes. bist, im
Me. zu erlangen, die ausdehnung des gebrauchs desselben bei einseinen
Schriftstellern, die als grosse etappen gelten können, genau festzustellen —
zweitens aber, weil es einen wesentlichen einblick in die eigenart der
darstellungsweise gibt, zu beobachten, in welcher weise ein dichter nicht
nur im grossen und ganzen, sondern gerade im einseinen derartige dar-
Stellungsmittel, wie das praes. bist., verwendet.
A. Das praes. hist. im fortschritt der erzählung.
Gust. Rudolph s. 201.
1. Uas praes. hist. bezeichnet einfach den fortschritt der
handluug.
a) Es bezeichnet gegenüber dem praeteritum den wich-
tigeren fortschritt der handlung.
T. Knight 610. By helpyng of a frend brak bis prisoun,
And fleeth the cite fast as he may go.
T. Uwe 1005.
And whan sehe saugh hir fader in the streete,
Sehe light adoun and falle th him to feete.
T. Clerk III, 1 29.
He tolde poynt for poynt, in schort and playn,
And him presentith with his doughter deere.
Ebenso T. Lawe 778—780; T. Knight 1783; T. Sehipman 299;
Tesbe 179—181 u. öfter.
b) Es bezeichnet bisweilen den fortschritt der handlung
gegenüber dem praeteritum. welches dann das tempus der
nebenumstände ist.
PRÄS. TEMPORA BEI CHAÜCER. 543
T. Miller 508. He rometh to the carpenteres hous,
And stille he stant under the schot wyndowe;
Unto his brest it raught, it was so lowe;
And softe he cowhith with a semysoun.
T. Knight 1359.
And in hire hour he walketh forth a paas
Unto the lystes, ther hir temple was.
T. Lawe 505. Sone after comth this constable hom agayn,
And eek Alla, that was kyng of that lond.
Ebenso T. Squyer I, 288 u. öfter.
c) Nicht selten jedoch steht es im Wechsel mit dem prae-
teritnm, ohne dass ein anderer grund für seine anwendung zn
erkennen wäre als die absieht, abwechslung in die erzählung
zu bringen.
T.Reeve 147. This melier goth agayn, and no word seyde,
Bat doth his note, and with the Clerkes pleyde
Phil. 77—80. . . .: and yaf him yeftes grete,
And him conveyth thurgh the inaistir strete
Of Athenes, and to the see him broghte
And tnrneth home; no malyce he ne thoghte.
Ebenso T. Knight 2098—2104 u. so oft.
Diese angeführten stellen sind besonders interessant, weil
das praes. hist. und das praeteritum hier ganz regelmässig mit
einander wechseln.
Auffallend sind die beispiele, wo praes. hisl und prae-
teritum ohne jeden erkennbaren grund unmittelbar neben ein-
ander stehen.
T. Lawe 240. They sworen and assenten every man
To lyfe with hir and dye
ib. 3*22. But al to deere they bought it ar they ryse.
T. Clerk 1, 120. With hertly wil thay sworen and assentyn
Lucrecia 125. She axeth grace, and seyde al that she kan.
Es scheint uns nach analogie der übrigen stellen (vgl. aueh
weiter unten die stellen Troilus I, 473 sub B 1, 5. d) nieht nötig,
in den beiden letzten beispielen assenten als synkopiertes prae-
teritum aufzufassen. Vgl. ten Brink, Chaucer's Sprache u. Vers-
kunst, Leipzig 1884, § 194.
In den meisten fällen scheint hier der reim einen starken
einfluss geübt zu haben.
2. Das praes. hist. dient dazu, mit übergehung aller neben-
umstände nur die hauptmomente anzuführen, und so verleiht
es der darstellung etwas abgerissenes, stossweise vorrückende«,
oder es bezeichnet nur das resultat einer ha ndlungs reihe, mit
544 GRAEP,
Übergebung dieser selbst, und gibt gewissennassen nur eine
knrze Inhaltsangabe derselben.
a) Es bezeichnet nnr die hauptmomente der handlnng:
T. Miller 310. This carpenter goth forth, and comth agayn.
T. Clerk IV, 195.
His wyves fader in his court he kepith,
TU tbat the soule out of his body crepith.
T. Bathe 216. And takith his wyf, and goth with hir to bedde.
Ebenso T. Frere 106—8; T. Clerk VI, 169—71; T. Marcb 615—16;
T.Squyer I, 164—65. II, 36—38, 165. II, 93—94; T. Pardoner
243—44; Troilns V, 186 n. öfter.
Ein besonders hervorzuhebender fall findet sich
T. Squyer I, 267.
This noble kyng is set upon his trone;
This straunge knight is fet to hiin ful sone.
wo die beiden praes. bist durch den binnenreim ganz beson-
ders hervorgehoben werden.
b) Es gibt nur das endergebniss einer kürzeren oder länge-
ren handlungsreihe an, indem diese selbst übergangen wird.
T. Lawe 276. What schuld I in this tale lenger tary?
Sehe rideth to the sowdan on a day,
ib. 867. . . . but schortly this is thende,
Hom-ward to Rome they schapen hcni to wende,
ib. 1049. And dame Custaunce, fynally to say,
Toward the toun of Roine goth hir way.
Ypcrniystre 114.
And shortly, leste this tale be to longe,
This Lyno and she beth i-broght to bedde.
Ebenso T. Lawe 893; T. Schipman 313—314; Troilus IV, 117;
Lucrecia 106; Ypsiphile 277; Adriane 285— 88; Philom. 30— 32
U. 80 Oft.
Anmerkung. Dies praes. hist. zeigt grosse Ähnlichkeit mit dem
praesens der berichteretattung; vgl. weiter unten.
c) Hieran schliesst sich unmittelbar der gebrauch des praes.
hist im abschluss einer handlungsreihe. Das letzte verb, wel-
ches an sich noch einen fortschritt der handlung bezeichnet,
steht im praes. hist. und schliesst so die betreffende handlungs-
reihe wirksam ab.
T. Bathe 62. And takith his leve, and wendith forth bis weye.
T.Frank 291. And home they gon in joye and in solas.
T. Schipm. 322. And forth he rideth hom to his abbay . . .
Ebenso T. Knight 170; T.Miller 434; T.Reeve233,240; T.Uwe
140, 1033, 1059—60; T. Bathe 131; T.Somp.458; T. Marcb 521,
PRÄS. TEMPORA BEI CHAUCER. 545
558—60 (mehrere verben im praes. bist); T. Sqyuer II, 46; T.
Frank 876; T. Pardoner 389, 416; T. Monk 638-40; T. Nonne
Pr. 174; Troilus V, 1658; Dido 28; Adriane 57, 277; Ypsiphile
140-41, 229—30; Philomene 56; Phillis 88; Ypermystre 60
n. so sehr oft
Unsichere werke: C. of Love 1431, 1435; Ch. Dream 786.
So findet es sich oft am ende einer Strophe, eines ab-
schnittes, oder selbst einer tale. T. Lawe 287, 301, 630, 672,
777; T. Bathe 216; T. Clerk I, 132—33, 138—40 (ende der tale),
IV, 7; T. Frank 74, 85; Pari, of Foules 532; Troilus I, 1012.
III, 1771 (ende der erzählung); Tesbe 181 u. öfter.
Diesem gebrauche entsprechend zeigt sich das praes. bist,
hin und wider im temporalsatz mit til, wo es der bandlung
des hauptsatzes den abschluss gibt.
T. Schipman 297.
Thay drynke, and speke, and rome a while and playe,
Til that dan Jonen rydeth to his abbaye.
Phillis 20-28.
The see . . . posseth hym up and donne
Til Neptnnns hath of hym compassyoun, . . . u. öfter.
3. Das praes. bist, steht zur einleitung und wirksamen
anklindigung einer neuen handlungsreihe. Gewöhnlich steht
dann nur ein praes. bist., selten zwei oder mehrere, zu beginn
derselben, während die erzählung sich dann im praet. weiter-
spinnt. Dieser gebrauch des praes. bist, ist bei Chaucer ausser-
ordentlich beliebt.
a) Es leitet eine neue handlungsreihe ein,
a) ohne besondere merkmale.
T.Miller 260. Adoun he goth, and tolde his mayster soone . . .
T. Reeve 9f>. This Aleyn maketh redy al his gere
And on an hors the sak he cast anoon.
Ebenso T. Miller 169, T. Lawe 999; T. Frank 504; T. Doctour
153, 207; (Ch. Dream 1569); Ypsiphile 106 u. s. w.
Zwei praes. bist.:
T.lteeve 151. This Johan goth out, and fynt his hors away
And gan to crye ... u. öfter.
ß) Es steht entsprechend seiner funktion am anfang eines
absatzes oder einer strophe: T. Lawe 309,351,407,491 (zwei
praes. bist.), 778, 813, 869, 876, 897, 904, 918; T. Clerk II, 65.
III, 148; T. Frank 603; T. See. Nonne 218 (zwei praes. hist);
T. Monk 704; Troilus V, 1547, 1681 u. s. w.
Anglia, XII. band. 35
546 GRAEF,
7) Besonders zu behandeln sind die verba dieendi zur ein-
leitnng der direkten rede. Diese stehen nach Bockhoff s. 16
und Rudolph s. 262 in den betreffenden altfranzösischen denk-
mälern besonders häufig im praesens historicum. Bei Chancer
können wir dies nicht konstatieren; im gegenteil macht sich
die neigung geltend, diese verba ins praet. zu setzen, selbst
wenn sie unmittelbar auf ein praes. hist. folgen.
T. Miller 576. Tbis Absolon knokketh al esily,
And seyde: '. . .
T. Doct. 247. Sehe riseth up, and to hir fader sayde: *. . .
T. Monk 219. Hut Daniel expoundith it anoon,
And sayde: '. . .
Ebenso T. Knight 361—65 (sechs praes. bist), 1361—62, 1906;
T. Miller 239; T. Reeve 151—52; T. Lawe 277—78, 351—52;
T. March 583—84 u. öfter.
Desshalb ist das praes. hist. jedoch hier nicht ausge-
schlossen — es finden sich sogar eine ganze anzahl von fällen
mit demselben. Aber es ist dann meist durch anderweitige
gründe verursacht:
So durch die betonung der art und weise, in welcher eine
haudlung ausgeführt wird.
T.Miller 511. And softe he cowhith with a semysoun: '. . .
Ebenso T. Somp. 338; Adriane 325; Philomene 101.
T. March 1122. And sehe answerith: 4 — um das schnelle,
schlagfertige erfolgen der antwort zu bezeichnen.
T. March 893 steht es im consecutivsatz; vgl. unten.
Dido 385—90 wird die verzweiflungsvolle klage der Dido
im praes. hist. geschildert und daran schliesst sich an: And
seith: ' — also durch die lebhaftigkeit der ganzen Schilderung
bewirkt.
Nur verhältni8smässig wenig stellen bleiben übrig, in denen
das praes. hist. auf grund seiner einleitenden funktion steht
T. Knight 702. Tbis Palamon answereth: 4. . .
T.Lawe284. The sawdan seith: *. . .
Lucrecia 44. And bad hir servauntes doon hir besynesse,
And axeth hem: (. . . u. andere.
Jedenfalls finden sich diese beispiele in ganz verschwindender
minderzahl gegenüber denen, in welchen die direkte rede durch
das praeteritum der verba dieendi eingeleitet wird.
Etwas anderes ist es bei der anführung indirekter rede;
wenn nämlich der inhalt der rede im praes. hist gegeben wird,
PRÄS. TEMPORA BEI CHAUCER. 547
so steht meist auch das einleitende verbum dicendi im praes.
historicnra.
T. Lawe 523. But nevertheles ther was gret mornyng
Among the people, and seyn they can not gesse . . .
ib. 780. And asketh wher his wyf and his child ys.
T. Frank 294. He seith, he may not fro his deth asterte
Hirn sein eth, he felith his herte colde.
Troil.V, 1430. But in hire letre made she swich feeste,
That wonder was, and swerth she loveth hym beste,
und so öfter.
Seltener findet sich das einleitende verb. die. im praes. hist.,
wenn der inhalt der indirekten rede im praet. steht.
Lucrecia 154. Hir freu des axen what hir aylen myghte.
b) Entsprechend der sub a angeführten funktion wird es
gern verwandt, am nach längerem stillstand der erzählung die
abgebrochene handlung wider aufzunehmen.
a) nach einer längeren reflexion: T. Lawe 218. Nachdem
der Verfasser sich in einer reflexion von drei Strophen ergangen
hat, setzt endlich die handlung wider ein mit:
To schippe is brought this woful faire may de.
Ebenso ib. 407, 687, 848, 947, und zwar setzt es in diesen mit
einer neuen Strophe an, und so öfter.
ß) nach einer längeren rede oder wechselrede der helden.
T. Frere238. And with that word thay riden forth her way.
Ebenso ib. 106; T. Somp. 94 (anfang eines absatzes und zwei
praes. hist); T. March 330; T. Squyer 1, 161 u. öfter.
4. So eignet sich das praes. hist auch ganz besonders
dazu, die einem vorgange unmittelbar folgende handlung wirk-
sam darzustellen. Dieser Vorgang kann bestehen
a) in einer handlung.
T.Miller 623. Of goth the skyn an hande brede aboute.
Als unmittelbare folge der berührung mit dem glühenden eisen.
Das praes. hist. steht besonders wirksam am anfang des verses.
ib. 033. And doun he goth . . .
(sc. er hat soeben den strick durchgeschnitten, an dem er hing).
T.CLVI, 169. Waltier hir gladith, and hir sorwe slakith,
T.Squ. 11,36. Her maistres clepeth wominen a gret route
And up they risen . . . u. öfter.
b) In einem befehl, einer bitte, aufforderung.
T. Knight 2010. His officers with swifte foot they renne,
And ryde anon at his comaundement.
in folge eines soeben erhaltenen befehls. Ebenso
T. March. 7 17. And sehe obeieth be hir lief or loth.
35*
548 GRAEF,
T. Pard. 506. Anon thay kisse and riden forth her waye.
In ausftihrung der an sie ergangenen aufforderung — Ebenso
T. Miller 248; T. Frank 752; T. Schipraan 67;,Ypermystre 111.
c) in einer rede, Verkündigung, mitteilung etc, mag die-
selbe in direkter oder indirekter rede stehen.
T. Knight 1703.
The voice of the poepul touchith heven . . .
In folge der verkttndignng des herolds. Ebenso ib. 1012 — 13
(direkte rede).
T. Miller 428. This seely carpenter bygynneth quake;
In folge der ihm soeben (von Nicolas) gemachten mitteilung.
T. Bathe 372. This knight avysith him, and sore sikith.
In folge der ihm soeben gestellten alternative (direkte rede).
T. Frank 846. 'No, no7 quod he, and sorwfully he siketh.
In folge der eben durch seine antwort konstatierten tatsache.
Aehnliche fälle T. Frank 25 (indirekte rede), 801 (direkte
rede); Adriane 238 (direkte rede) u. öfter.
d) in einer Überlegung in gestalt eines Selbstgespräches,
in einem gefassten beschluss oder in einer Versicherung.
T. Rceve 29S. 'Alias!' quod sehe, *I had alraost mysgoon;
I had alniost goon to the Clerkes bed,
Ey, benedicite! than had I foule i-sped!'
And forth sehe goth, til sehe the cradil fand.
Tesbe 150. 4If it so falle that my Pirauius . . .
ße conien hider, and may nie nat fynde,
He may ine holden fals, and ek unkynde.
And oute she comith, and after hym gan espien.
Troil.IV,91S. Goth Pandarus, and Troilus he soughte.
In folge eines soeben gefassten beschlusses. Auch hier steht
das praes. hist. sehr wirksam am versanfang und zugleich am
anfang der Strophe.
T.Frank 826. *My trouthe wol 1 kepe, I wol uoght lye.'
With herte soor he goth unto bis cofre
And broughte gold unto this philosophre.
Zur bestätigung seiner Versicherung.
5. Ganz besonders ist diese art des praes. hist beliebt zur
darstellung lebhafter beweg ung, welch letztere äusserlich oder
innerlich sein kann. Es sucht hier den eindruck der gleich«
zeitigkeit bei in der tat sich folgenden handlungen zu erwecken.
a) Die bewegung ist äusserlich, d. h. sie bezieht sieh nur
auf Vorgänge körperlicher natur.
So bildet das praes. hist. ein treffliches darsteilungsmittel
a) für schnell auf einander drängende handlungen.
PRÄS. TEMPORA BEI CHAUCER. 549
T.Knight 1744—51.
In goth the speres ful sadly in arrest
Tber seen men who can juste, and who can ryde;
In goth the scharpe spore into the aide.
Ther schyveren Schaftes upon schuldres thykke;
He feeleth thurgh the herte-spon the prikke.
Up sprengen Speeres on twenty foot on night.
Out goon the swerdes as the silver bright.
The helmes thei to-hewen and to-schrede, . . .
Aehnlich T. Lawe 866; Cleopatra 56-60, 61—70 u. öfter. Wie
es bei dieser art des praes. bist, lediglich auf betonung der
verbalbegriffe abgesehen ist, zeigt sich hier wie auch in später
folgenden beispielen sehr deutlich daran, dass dieselben und
zwar teils auf künstliche weise (durch inversion) an die vers-
anfönge gestellt sind.
ß) um das unaufhaltsame, unabwendbare, unerbittlich ein-
tretende zu bezeichnen.
T.Knight 1885—88.
Swelleth the brest of Arcyte, and the sore
Encresceth at bis herte more and more
The clothred blood, for eny lecbe-craft
Corrumpith and . . .
Aehnlich T. Lawe 196; T. Clerk III, 89; Troilus V, 59, 1760—61;
Philomene 103 u. öfter.
/) um den eindruck des emsigen, eifrigen, eiligen, hastigen,
geschäftigen zu erhöhen.
T. Miller 559. Who rubbith now, who froteth now his lippes
With dust, with sand, with straw, with cloth, with clippes
But Absolon?
T. March767. He kombith bim, he pruneth him and pyketh
He doth al that unto his lady likith, . . .
T.Schipman 302.
Now goth tliis marchaund faste and bnsily
About his neede, and bieth and creaunceth, . . .
Ebenso T. Miller 575; T. March 12, 563, 711; T. Squyer II, 292,
296; T. Frank 96, 99, 520—22; T. Ch. Y. 311; T. Pardoner 376;
T. N. Pr. 362—63; T. Manne 52; Troilus V, 772 u. s. w.
6) um das plötzliche, unerwartete, Überraschende eines
Vorgangs hervorzuheben.
T. Kn. 1707. Up goth the trompes and the melodye.
ib. 1783. And by the force of twenti he is take . . .
T. March 765. Up ryseth Damyan the nexte morwe,
All passed was his siknes and his sorwe.
Cleopatra 50. Up gooth the trompe . . .
550 GRAEF,
and so in allen den stellen , wo ein praes. bist, eine kampf-
oder lärmscene eröffnet; vgl. sub a.
Ferner T. March 330; T. Pardoner 243; Cleopatra 75 n. ö.
• e) am das längst mit Spannung erwartete, durch andere
handlangen schon vorbereitete eintreten eines ereignisses an-
zukündigen.
Adriane 141. The gayler cometh, and with bym Theseus.
ib. 300. Ryght in the dawenynge awaketh shee,
And gropeth in the bed, and fonde ryght noght.
(Ch. Dream 1149.
Forth goeth the ship, outgoeth the sonde.)
Ebenso T. Reeve 98; Ch. Dream 1569 u. öfter.
£) um das sofortige, präzise eintreten eines ereignisses zu
bezeichnen. — Hierher kann man zunächst alle sub 4 ange-
führten stellen zählen, ebenso die mehrzahl derjenigen sab 3 a
ad a) und ß) erwähnten. Ferner aber besonders die stellen,
wo ein dabeistehendes anon oder ein adverb ähnlicher bedeu-
tung diesen sinn des praes. hist. unzweifelhaft macht.
T. Somp. 318. Anoon the knight bifore the juge is brought.
T. Cl. II, 104. And in sehe goth withouten lenger let.
Ebenso T. Miller 502; T. Reeve 143; T. Squyer 1, 164; T. Prio-
resse 177; T. Monk 219; Troilus I, 324. III, 699; Dido 153, 287;
Tesbe 100—101 u. andere.
Hierher gehören auch die fälle, wo eine adverbiale be-
stimmung wie therwithai eine folgende handlung als gleich-
zeitig mit der vorhergehenden darzustellen sucht
T.Miller 600. He cowheth first, and knokketh therwithai . . .
Tesbe 177. And therwithai she lyfteth up bis heed
Ypermystre 105.
And therwithai a costrel taketh he tho
And seyde.
fr) So kann ganz allgemein auch das energische einer
handlung das praes. hist. hervorrufen.
T. Pard. 389. And forth he goth, no lenger wold he tarye.
T. Doct. 247. Sehe riseth up, and to hir fader sayde.
T. Schipman 379.
And up he goth, and maketh it ful tough.
Ebenso T. Schipman 75—77, 250; T. N. Pr. 214; (Ch. Dream 663)
und so oft.
b) Die bewegung ist innerlich, d.h. sie bezieht sieh auf
Vorgänge seelischer natur.
Das praes. hist. wird hervorgerufen:
PRÄS. TEMPORA BEI CHAUCER. 551
a) durch das heftige derartiger bewegung. So beson-
ders in klagen:
T.Frank 91. Sehe mourneth, waketh, wayleth, fasteth, pley-
neth, . . .
Ebenso T. Knight 361—64 (6 praes. hist); T. Miller 432—33
(4 pr. h.); T. March 828 (2 pr. h.), 848; T. Frank 89, 388; Troi-
lusV,211(3); Anelida 172— 77(8); Dido240— 41 (4), 385— 90(8).
Im wntansbruch:
Troil. V, 207. He curseth Jove, Apollo, and ek Cnpide;
He eurseth Geres, Bachus and Cipride . . .
Die innere unrnhe:
Troil. V, 561. Fro thennes-forth he rydeth up and down, . . .
ß) durch das unermüdliche derselben. So besonders im
ausdruck der freu de, des fröhlichen festjubels und der zärt-
lichen liebkosung.
T.Frank 369. He nought entendeth to no suche matere,
But daunceth, justith, and maketh good cheere.
Adriane 272. There festen they, there dauncen they and synge
T. March 579. He lallith hir, he kissith hir ful ofte;
ib. 1167. He kissith hir, and clippith hir ful ofte, . . .
Ebenso T. March 583, 704; T. Schipman 327—328; Troilus III,
1669—70 (5 pr. h.) u. öfter.
B. Das praes. hist. im stillstände der ersählung.
Das praesens, dessen Zeitbegrenzung fast ganz von dem
belieben (der anschauung) des sprechenden abhängt, hat weit
mehr, als das praeteritum, die fähigkeit, sich dem subjektiven
bedttrfniss des redenden anzupassen, und zwar sowol wenn
dieser rasch von tat zu tat eilen will und so die dauer der
Verwirklichung der verbalbegriffe möglichst kurz darstellen
muss, als auch umgekehrt, wenn er mit interesse bei einer
Situation zu verweilen und so die zeitsphäre der Verwirklichung
des verbalbegriffes möglichst auszudehnen wünscht Während
es aber bei dem praes. hist. sub A nur darauf ankam, alle
nebenbegriffe [und damit auch den zeitbegriff] gegenüber dem
verbalbegriff möglichst zu unterdrücken, um so die ganze wucht
des accents auf diesen konzentrieren zu können, so gilt es hier
[da die objektiv im rücken des hörers liegende Situation ihm
subjektiv nahe gebracht werden soll, nm ihm so ein tieferes
versenken in dieselbe zu ermöglichen] gerade den zeitbegriff
der gegenwart zu betonen. Das praesens steht also hier auf
Kr
52 GKAEF,
grund seiner eigenschaft als zeitform der gegenwart and nicht
wie oben als notbehelf und aus mangel einer verbalform, in
welcher der temporale begriff gänzlich eliminiert werden könnte
[wie etwa im infinitivus historicus], und es erklärt sich hier
nur aus psychologischen gründen.
Dies praes. bist, kann stehen:
I. in der Schilderung;
IL in der reflexion, welche der Verfasser an eine
Situation der erzählung anknüpft.
I. In der Schilderung.
1. In der eigentlichen Schilderung.
a) Besonders beliebt ist das praes. bist, in der einleitenden
Schilderung, in welcher der Schriftsteller sein publikum ttber die
besonderen örtlichen und zeitlichen nebenumstände, über den
Charakter der eingeführten personen, ihre äussere läge, ihre
Verhältnisse, ihre gewohnheiten, ihr äusseres u. s. w. orientiert.
T. Clerk II, 225—28. This Walter
In Goddes pees lyveth ful esily
At hoine, and outward grace ynough hath he.
T. Pard. 4. Wher as with lutes, harpes and gyternes,
Thay d au nee and play at dees, bothe day and night
And ete also, and drynk over her raigbt, . . .
T. Sire Thopas 16.
His rode is lik scarlet en grayn . . .
Phillis 11. Distroyedys of Troye the citee.
Ebenso und ähnlich T. Knight 479—80, 633—38 (die herrliche
Schilderung des erwachenden morgens). T. Miller 162 — 63; T.
March 651; T. Doctour 41; T. Schipman 36—37; T. Sire Thopas
49, 55, 171, 174, 190, 202 u. öfter.
Hierher gehören auch die eine handlung vorbereitenden
Schilderungen wie Ypersmystre 46:
The array ys wroght, the tyme ys faste by
And thus Lyno hath of his fadres brother
The doghter wedded, ... u. andere.
b) Ebenso steht es gern in der abschliessenden, rasch
überleitenden Schilderung. Der Verfasser wirft, ehe er sich von
der eben dargestellten handlungsreihe, episode oder Schilderung
zu einer neuen wendet, noch einen kurzen rückblick auf die
erstere und fasst die hervorgerufene Situation, an welche die
neue handlungsreihe anknüpfen soll, summarisch in einer kurzen
Schilderung zusammen.
T.Squ.l, 212. Of sondry thoughtes thus they jangle and trete.
PRÄS. TEMPORA BEI CHAUCER. 553
T. Ch. Y. 375. Thus maketh he is introduccioun.
T. Kn. 1900. Nature hath now no dominacioun.
ib. 2243. For now is Palomon in al his wele, . . .
Ebenso T. Miller 467; T. Reeve 194; T.Clerk VI, 183; T. March
598; T. Squyer I, 244, 253; T. Frank 32, 72; Troilus V, 1101;
Anelida 179, 196; Cleopatra 71; Phyllis 45; Ypermystre59 u. so
olt Oft steht es so am ende einer Strophe: Pari, of Fonles 532,
Troilus I, 1092. III, 1631 u. s. w.
Anmerkung. Stellen wie T. Knight 2249:
Thus endeth Palomon and Emelyc
sind nicht als praes. hist. aufzufassen, sondern als pracs. logicum, indem
die namen kurz gebraucht sind für 'die geschichte von'.
c) Ueberhaupt in irgendwie eingehenden Schilderungen,
auch mitten im gange der handlung.
T. Frank 516—19.
Janus sit by the fuyr with double berd
And drynketh of his bügle hörn the wyn,
Biforn him stont the braun of toskid swyn,
And (nowel) crieth every lusty man.
T. Schipman 82.
His bookes and his bagges many oon
He hath byforn him on his counter bord.
Dido 273—77.
Upon a thikke palfrey, paper white,
Sitte Dido, al in golde and perrey wreighe.
And she is faire as is the bryghte morwe.
Ebenso T. Knight 1648; T. Frank 765; T. Schipman 90; Yper-
mystre 49—54 (5 praes. hist.) u. öfter.
Anmerkung. Die fortschreitende handlung steht hier, um den
gegensatz auch im tempus auszudrücken, gern im praeteritum.
T. Miller 237. This sely carpenter hath gret mervaile
Of Nicholas, or what thing may him ayle,
And seyde . . .
und so oft. Oft steht jedoch dieselbe ebenfalls im praes. hist.
Lucrecia 153. She sytte in halle with a sorowful syghte.
Hir frendes axen what hir aylen myghte,
And who was dede, and she sytte aye wepynge.
und öfter.
Ein besonders wirksames mittel zur erhöhung der leb-
haftigkeit der Schilderung ist die anrede des erzählers einer-
seits an sein publikum, andrerseits, und dies ist noch wirk-
samer, an die personen der erzählung. Beide arten der anrede
stehen meist im praet. hist.
a) an sein publikum.
554 GRAEF,
T. Kn. 1270. Ther maistow so coniyng with Palomoun
Ligurge himself, the grete kyng of Trace.
ib. 1688. Ther mayst thou see devysyng of hermeys.
Ebenso T. Clerk II, 69 und an anderen stellen.
ß) an die personen der erzählung. Hier besonders ist das
praes. bist, das vorwiegende tempns.
T. March 544—47.
0 January . . se how thy Dam y an,
Thyn oughne squier and thy borne man,
Entendith for to do the vilonye.
T. Frank 362—65.
0, blisful art thou now, thou Dorigen,
That hast thin lustry housbonde in thin armes,
That loveth the, as his owen hertes lyf.
Ebenso T. Lawe 533—34, 673—77, 705—6; T. Ch. Y. 67, 68,
70, 72; T. Monk 87; Troilus I, 524; Philomene 112—13 u. öfter.
d) So ist das praes. bist, auch geeignet znr hervorhebnng
des gegensatzes einer Situation, an der die erzählung eben an-
gelangt ist, gegenüber einer früheren, welche oft im praeteritum
daneben gestellt ist.
T. Monk 82. Ther was no bond with which men might him bynde.
But now is he in prisoun in a cave.
Troilus IV, 1126.
And thus she lith, with hewes pale and grene,
That whilom fressh and fairest was to sene.
Ebenso T. Monk 379, 382, 384; Troilus IV, 840; T. Reeve 77—78
und öfter.
2. Das praes. bist, steht oft, wenn ein besonderer ton auf
der art und weise ruht, in der sich ein Vorgang vollzieht Dies
kann stattfinden:
a) durch bilder und gleichnisse, welche mit demselben in
parallele gesetzt werden.
a) Bilder.
T.ReevelS". Wery and wete as bestys in the reyn
Comth sely Johan, and with him comth Aleyn.
T. Lawe 957. . . . as domb sehe stant as a tree.
T. Clerk III, 90.
And as a lamb sehe sitteth meeke and stille.
T. Schipman 209.
And forth sehe goth, as joly as a pye.
Ebenso T. March 769; T. Somp. 96; T. Knight 740; T. Sqoyer
1, 162— 63; T. Schipman 369; T. Prioresse 222; Ypermyrtre 122
und öfter.
PRÄS. TEMPORA BEI CHAÜCER. 555
ß) Gleichnisse.
T.Sqn. 1,174. It staiit, as it were to the ground i-glewed.
Troilus IV, 1404.
And as the bryddes, whan the sonne is shene,
Deuten in hire songes, in leves grene,
Right so the wordes that they spak ifeere
Deliten hem, and make hire hertes chere.
Ypsiph. 217. Or as a welle that were botomeles,
Right so kan Jason ne have no pes. u. öfter.
b) durch adverbiale bestimmungen der art und weise oder
durch sonstige, näher schildernde znsätze.
Dieselben bezeichnen
a) das feierliche einer handlang, eines auftrittes, einer
erscheinnng.
T. March459. Forth comth the preost, with stoole about his necke.
T.Lawe2l8. To schippe is broaght this wofnl faire mayde
Solempnely, with every circumstance.
Ebenso T. Squyer 1, 170—71, 260, Adriane 259 u. öfter.
ß) das rührende, mitleiderregende, ergreifende.
T. Lawe821. Hire childe crieth and sehe pytonsly.
T. Cl. V, 113. The folk hir folwen wepyng in hir weye.
Ebenso und ähnlich T. Lawe 872, 1055—56: T. Clerk V, 110;
T. Frank 610-13; T. Monk 373, 421; Lucrecia 153, 155-56
und öfter.
Bisweilen erfolgt nur die besondere betonung der art und
weise durch das adverb (how), während das rührende in den
verbalbegriffen selbst liegt
Tesbe 167-73. Who koude write . . . (164)
And how she Iyth and swowneth on the grounde?
And how she wepe of teres fuk his wounde?
How medeleth she his blood with hir compleynte?
How with his blood hir selven gan she peynte?
How clippeth she the dede corps? alias!
How dooth this woful Tesbe in this cas?
How kysseth she his frosty monthe so colde?
und ähnlich öfter.
y) kurz das aussergewöhnliehe bezw. spezifisch eigentüm-
liche einer einzelnen handlung; dies geschieht
aa) durch adverbien, und zwar
ad) durch selbständige adverbien.
T.Miller 248. This knave goth him up ful sturdily . . .
T.Reevel42. And to the hors he goth him faire and wel.
T. Lawe 632. Unto the kynges moder he goth ful swithe.
And salueth hire fair in his langage.
556 GRAEF,
Ebenso T.Miller 224, 460; T. Reeve 137; T.Clerk VI, 84; T.
March 696; T. Sire Thopas 119; Lucrecia 79—80; Ypermystrc
118 und so sehr oft.
ßß) durch adverbien, welche auf eine folgende oder voran-
gehende ausführlichere Schilderung hinweisend, diese in be-
ziehung zu der handlung setzen, auf welche sie sich beziehen.
Troil. V, 859. Fro that demaunde he so descendeth doun
To axen hire.
ib. V, 1524. And so descendeth doun from gestes olde
To Diomede, . . .
Ebenso Philomene 59; (Ch. Dream 1589) u. öfter.
Hierher sind auch die zahlreichen durch thus eingeleiteten
praes. bist, zu zählen, welche sub l,b von einem anderen gc-
sichtspunkte aus betrachtet sind.
Unmittelbar hieran schliesst sich der gebrauch des praes.
bist, im Vordersatz des consecutiven Satzgefüges. S. unten 6, b.
bh) durch sonstige schildernde zusätze.
T.Miller 464. Withouten wordes mo thcy goon to bedde.
ib. 553. And Absolon goth forth a sory paas.
T. Clerk II, 106.
He by the hond than takith this olde man, . . .
Ebenso T.Lawe 311; T.Somp.462; T. Frank 765; (Flower and
Leaf 419—20); Cleopatra 121; Tesbe 97 u. so oft.
Besonders deutlich zeigt sich der einfluss der besonderen
betonung der art und weise auf die setzung des praes. bist, da
wo dasselbe mit einem adverb der art und weise unmittelbar
neben dem praeteritum steht.
T. Miller 454. This carpenter seyd Ins devocioun,
And stille he sitt, . . .
T.Lawe 961. He wept and him excuseth pitously.
Pr.Bathes03. And ner he cam, and knelith faire adoun.
Ypsiph. 1S2. He loketh pitousely, but noght he saydc. u. öfter.
3. Das praes. bist, steht gern bei handlungen und zu-
ständen längerer dauer.
a) Der verbalbegrilf seihst schliesst den l>egriff einer
längeren daner in sieh. So besonders to nayte.
T. Clerk IV, «9.
He wayteth, if by word or countenaunce . . .
Ebenso T. March 852; T.Squyer 1,79-80; T.Frank 563; T.Prio-
resse 134 u. öfter.
to dtreile: T.Frank 85.
And dwelleth there two yeer.
PRÄS. TEMPORA BKI CHAÜCER. 567
to sojourne: Troilus V, 213 u. öfter.
And in this wyse he neigh til day sojourneth.
to lyve: T. Clerk VI, 190 u. öfter.
Ful many a yer in heigh prosperite1
Ly ven these two in concord and in rest. u. andere.
ß) Der begriff der daner wird durch eine Zeitbestimmung
hervorgerufen.
T. Prior. 183. Upon bis beere ay litb this innocent . . .
T. Monk 189. . . . and ever he is afere
To doon amys or more to trespace.
Ebenso T. Reeve 279, 302; T. Clerk VI, 81; T. March 507; T.
Frank 561; T. Monk 357; Troilus IV, 670. V, 771—72, 1444—45
und öfter.
Anmerkung. In folgendem beispiele kann man die Ursache des
praes. hist. deutlich beobachten:
T. Lawe 768. And ever sehe prayeth hir child to hold his pees,
And took hir leve, and with an holy entente
Sehe blesseth hire, and to the schip sehe wente.
Das praet. trägt die schlichte handlung, während da, wo zusätze der dauer
oder der art und weise hinzukommen, sofort das praes. hist. erscheint.
4. Hierher gehören auch die fälle, wo das praes. hist in
der indirekten rede steht, indem die worte, gedanken oder
absichten der handelnden personen, oder besonders wichtige
stellen aus Schriftstücken, briefen u. s. w. dem Verfasser so leb-
haft vorschweben, dass er sie gleichsam zu hören glaubt und
sie desshalb in das praesens setzt
a) So beginnt er die indirekte rede oft mit dem praete-
ritum und verfällt mit dem wachsenden interesse, das der
inhalt der darstellung erweckt, in das praesens.
T. Knight 1661.
Som sayde he lokede grym and wolde fyghte;
He hath a sparth of twenti pound of wighte.
ib. 1847. Men seyde eek, that Arcita shoulde nought dye,
He schal be helyd of his maladye
S. T. 2705. £. H. G. Corpus und L. zeigen auch das erste mal schal, nur
P. stützt shu/d.
T. Miller 105. And swor hir oth by seynt Thomas of Kent,
That sehe wolde be at his commaundement,
Whan that sehe may hir leysir wel aspye.
T. Lawe 140—43. They ben acordid, . . . that . . . alle his lieges schuld
i-crystned be,
And he schal have Constance in mariage.
Troil. V, 859. Fro that demaunde he so descendeth doun
To axen hire, if that hire straunge thoughte
558 GRAEF,
The Grekis gyse, and werkes that they wroughte?
And whi hire fader tarieth so longe
To wedden hire unto som worthy wighte?
Ehenso T. Lawe 246—49, 652—58; T. March 385—86; Troilus
V, 771— 75, 1430—31; Ypsiphile 50—52 n. öfter.
b) Die indirekte rede beginnt gleich mit dem praes. hist
T. Lawe 988. Som men wolde seye, that hir child Maurice
Doth his me8aage unto the emperour . . .
T. March 839. For whan he wist it may noon other be
Troilus I, 90. And sayden that he and alle his kyn atoones
Ben worthy for to brennen alle fei and bones.
Ebenso T. Lawe 314—15; T.Clerk IV, 135 — 36; T. March
971—72; Troilus I, 83. III, 1678—79. IV, 117—19; Ypsiphile
201—2 u. öfter.
Die lebhaftigkeit dieser darstellungsweise wird bisweilen
so gross, dass der Verfasser ohne jede vermittlang in direkte
rede fällt. So:
Dido 305. This Dido hath suspecion of this,
And thoughte wel that hit was al amys;
For in his bedde he lythe a nyght and siketh,
She asketh him anoon what him mysliketh;
(My dere herte which that I love mooste?'
Ypsiphile 159—75 stellt alle drei Stadien dar. Die rede
des Ercules wird in indirekter rede angeführt und so steht
anfangs das praeteritum. 160—164 fällt jedoch der Verfasser
schon in das praes. hist — Das praeteritum tritt dann wider
ein, um 171 — 175 jedoch plötzlich in direkte rede überzu-
gehen, die freilich von den herausgebern nicht als solche an-
gezeigt ist [weder von Morris V, s. 324, noch von Gilmans Ell,
S. 138|536_4oJ.
Anmerkung. Hier schliessen sich einige stellen an, wo es sich
allerdings nicht um indirekte rede handelt, die aber insofern mit den hier
behandelnden fällen übereinstimmen, als eine im praet. stehende, einen
fortsehritt bezeichnende handlang [dort tat/ de — hier eine beliebige
handhing] nach ihrem inhalt näher erläutert und ausgeführt wird — aus-
flihrungen, die im praes. bist, geschehen.
T.Frank 169. And schopen for to pleyen somwhere elles.
(sc.) They leden hire by ryveres and by weites,
And eek in other places delitables;
They daunce and playe at chesse and at table«.
Ypsiphile 197—200.
A letter sente she to hym certeyn,
And him repreveth of his grete untronthe,
And prayeth him on hir to bave tome routhe.
PRÄS. TEMPORA BEI CHAUCER. 559
Cleopatra 10—12.
So fil yt, as Fortune hym oght a shame
Rebel unto the tonne of Rorae ys hee.
Duchesse r>6. So it befil, therafter sone,
This king wol wenden over se.
Und an anderen stellen, doch nicht häufig.
c) Einen noch höheren grad von lebhaftigkeit erreicht der
Schriftsteller, wenn die indirekte rede, welche im praes. bist.
steht, gar nicht durch ein verbum dicendi eingeleitet ist. [Das
praes. bist, erweckt hier anwillkürlich die Vorstellung direkter
rede.] Diese ausdrucksweise ermöglicht bei aller deutlichkeit
eine kürze, welche die lebendigkeit und frische der darstellung
bedeutend erhöht.
T. March371. Nedith no more for him to gon ne ryde.
ib. 382. Suffisith him bis youthe and hir beaute.
T. Pard. 248. Deth schal be deed, if that they may him heute.
Troilus IV, 647.
That al this world ne inyghte hire love unbynde,
Ne Troilus out of hire herte caste;
She wol ben bis whil that hire lif may laste.
Dieses beispiel ist sehr deutlich. Nachdem der Schriftsteller
bis v. 648 die empfindung der Criseyde objektiv geschildert
hat, glaubt man sie, v. 649, plötzlich selbst reden zu hören.
Ebenso T. Frank 710—11; Troilus V, 186—87, 1112—13; Cleo-
patra 50—51, 92 u. öfter.
Die frage, ob direkte oder indirekte rede, ist im folgenden
beispiel gar nicht zu entscheiden.
Troilus II, 1583 (wir citieren die ganze, stelle):
After compleynt hym gönnen they to preyse,
As folk don yet when som wight hath bygonne
To preyse a man, and up with prys him rayse
A thousande fold yet heighere than the sonne;
He is, he kan, that fewe lordes könne,
And Pandarus, of that thei wold afferme,
He naught forgat hire preysynge to conferme.
5. Das praes. bist, steht oft, um die Wichtigkeit gewisser
neben umstände für den späteren verlauf der handlung anzu-
deuten. [Wenn dieselben im praet. stehen, so werden sie meist
durch now eingeleitet (vgl. das deutsche nun, nun aber). Troilus
I, 113: Aow was this Ector pitous of nature u. so oft.]
T.Reeve236. The cradil at hire beddes feet is set,
To rokken, and to yive the child to souke.
T. Lawe934. This Alla hath the face in remembraunce
Of dame Custaunce, and thereon mused he . . .
560 GRAEF,
T. Schipin. 62. This nobil monk of which I yow devyse,
Hath of bis abbot, as hiui list, licence, . . .
Philoni. 132. But letteres kan she weve to and froo . . .
Meist finden derartige nebenumstände ihre stelle im relativsatz,
und zwar kann der letztere schildernd, determinierend, bezw.
näher bezeichnend, näher erklärend oder beschränkend sein.
a) Schildernd.
T. Kn. 2022. Whan it was day he brought hem to the halle,
That roreth of the cry and of the soun.
T. Lawe 592—94. Jhesus
Made Alla wedde ful solempnely
This holy mayde, that is bright and schene.
Ebenso T. Miller 471—72; T. Lawe 621; T. March 408, 713, 1084;
T. Squyer I, 182; Philoin. 7 — 8. Auffällig erscheint das praes.
bist, in Farne III, 111 (Gilmans ib.):
There herd 1 pleyen upon an harpe
That sowneth bothe wel and sharpe
Orpheus ful craftely.
Man möchte dabei wol an ein praes. logicum denken, — doch
spricht der Zusammenhang zu deutlich dafür, dass es praes.
bist, sein muss.
b) Determinierend, bezw. näher bezeichnend.
T. Kn. 1039. In al the lond ther nas no craftys man,
That geoinetry or arsmetrike can.
T. Miller 572. A soofte paas went he over the strete
Unto a sinyth, men clepith dann Gerveys, . . .
T. Schipin. 95. A mayde child com in hir compaignie,
Wh ich as hir list sehe may governe and gye.
Ebenso T. Somp. 60; Troilus IV, 657. V, 460; Adriane 75, 257
und öfter.
c) Näher erklärend.
T. Clerk IV, 152.
This marquys writen hath in special
A letter, in which he schewith his entente.
T. March 752. Right of hir hond a letter makede sehe,
In which sehe granntith him hir verray grace. u. öfter.
d) Beschränkend. *
T.Miller 232. He nolde answere, for nought that may bifidle.
Lucrccia 125. She axoth grace, and seyde al that she kan. u. öfter.
Das praes. bist im relativsatze macht oft den eindruck,
als habe der erzähler den Standpunkt der erzählung in einer
gewissen nachlässigkeit fallen lassen und sei in seinem eigenen
fortgefahren. Dazu sind besonders die beiden folgenden be-
merkenswerten stellen zu vergleichen:
PRÄS. TEMPORA BEI CHAUCER. 561
T. Frank 94—95. Hire frendes . . .
Conforted hire in al that ever they mighte or may«
Troil. I, 473. And yet was he, wher-so men went or riden,
Fonnde oon the best, . . .
Doch ändert das wenig an der tatsache; denn ob mit ab-
siebt des Verfassers oder nicht, zweifellos ist es, dass die leb-
baftigkeit der darstellung das praesens auch in diesen fällen
veranlasst hat. Oefters wird das praes. bist, im relativsatze
durch das praes. hist des regierenden hauptsatzes hervorge-
rufen: so T. Squyer 1, 171; T. Frank 520, 526; T. Doct. 158—59;
Troilus I, 84. V, 187; Lucrecia 124 und so oft, doch im allge-
meinen scheint die consecutio temporum auf Setzung oder nicht-
setzung des praes. hist. so gut wie keinen einfluss zu haben,
wie aus den im ganzen abschnitt angeführten beispielen zur
genüge hervorgeht. —
Entsprechend dem sub 2 und 3 angeführten gebrauche des
praes. hist. steht dasselbe gern in folgenden Satzarten.
a) in vergleichungssätzen, und zwar sowol realer wie
irrealer art (vgl. 2, a).
a) im realen vergleichungssatz: und zwar steht das
praes. hist.
aa) sowol im vorder- wie im nachsatz.
aa) vergleich der gleichheii
T. Kn. 010. By helpyng of a freend brak his prisoun,
And fleeth the cite fast as he may goo.
T. Cl. II, 81. And cometh hom as soone as ever sehe may.
Ebenso T. Knight 617, 1857 (die vergleichungspartikel ist aus-
gelassen: as he wel can, vgl. Hertzberg 2717 'so gut er kann');
Pr. Somp. 33; Troilus V, 1100—1 u. öfter.
ßß) vergleich der Ungleichheit
T. Cl. VI, 50. Für she is fairer, as they demen alle,
Than is Grislld, and more tender of age. u. öfter.
bb) Nur im nachsatz.
T.Lawe 1001. As ferforth as his connyng may suffise.
Lucrecia 75. And ay the more he was in dispaire,
The more he covetyth . . .
Ebenso T. Clerk 1, 124. IV, 131; T. March 691 u. öfter.
cc) Nur im Vordersatz.
T, March 769. And eek to January he goth as lowe
As ever did a dogge for the bowe.
Ypsiph. 181. Thise Jason is as coy as ys a mayde.
Das praesens im nachsatz ist praes. log. — und so öfter.
Anglift, XII. band. 30
562 6RABF,
ß) im irrealen vergleich ungssatz. — Hier kann das praes.
bist nur im Vordersätze stehen, während der vergleich als irreal
gedacht im conj. praet. zn stehen pflegt.
T.Reeve231. He yoxeth, and he speketh thurgh the nose
As he were on the qnakke or on the pose.
T. Prior. 142. Sehe goth, as sehe were half out of hir mynde,
To every place.
T. N.Pr. 359. He lokith as it were a grim lioun.
Ebenso T. Squyer I, 174; T. Frank 810 u. öfter.
b) im consecutiven satzgefttge. Zwischen a) und b) stehen
beispiele wie folgendes:
T. March500. Queen Esther lokede never with such an ye
On Assuere, so meke a look hath sehe;
a) im haupt- oder Vordersatz.
T. Kn. 2245. And Emely him loveth so tendirly,
And he hir serveth al so gentilly, That . . .
T.Miller 102. This parisch clerk, this joly Absolon
Hath in his herte such a love longyng, That . . .
T.Lawe56l— 63. This Alla kyng hath such compassioun . . That . .
Ebenso T. Clerk III, 3. VI, 173; T. March 498, 799; Troilns IV,
20, 342, 650; Anelida 186; Dido 83; Philom. 120; Ypermystre
123, 124 u. öfter.
Im unsicheren Ch. Dream 2021 u. öfter.
Der hauptsatz kann auch nachstehen:
Phyllis 20. Hyra were lever than al the worlde a-londe,
So hunteth hym the tempest to and fro. u. so öfter.
ß) im nachsatz, dem eigentlichen consecutivsatz. Die
handlung desselben erhält durch den Vordersatz einen außer-
gewöhnlichen accent.
T. Cl. 11,216. And couthe so the poeples hert embrace,
That eech hir loveth that lokith in hir face.
T. Monk 430. And mete and drynk he hadde
So smal that wel unnethe it may sufifise
Philomene 65 »66.
He caste hys firy hert lipon hir soo,
That he wol have hir how-soo that hyt goo, . . .
Ebenso T. Reeve 100; T. March 448-51, 734—36; T. Squyer
1,260—63; Troilus IV, 27— 28,315; Anelida 120, 184; Farne m,
590—92; Lucrecia 137—39; Adriane 18—20; Ypermygtre 29
u. öfter.
In Dido 295 ist der consecutivsatz zugleich wider Vorder-
satz zu einem anderen consecutivsatz, und so ist das praes.
bist hier doppelt begründet
PRÄS. TEMPORA BEI CHAUCER. 563
Doune come the rayne, with haile and sleet so faste,
With hevenes fire, that ys so sore agaste
This noble quene, and also hire ineynee,
That . . .
/) Sowol im vorder- wie im nachsatze.
T. Knight 117—10.
The reede statue of Mars with spere and targe
So schyneth in his white baner large,
That alle the feeldes gliteren up and doun.
T. Cl. VI, 78. With so glad chier his gestes sehe receyveth,
And so eonnyngly everich in his degre,
That no defaute no man aparceyveth, . . .
T. March 771—73.
He is so plesaunt unto every man,
That every wight is fayn to speke him good.
Ebenso T. Knight 419—20, 596—98, 635—36, 816—18, 1335—37,
1627—28; T.Miller 185—86, 200—201; T. Lawe 309—10; T.
March 346— 48; 631—32,849—51; T. Pardoner 10-11; T. Prio-
resse 103 — 5 u. öfter.
In umgekehrter Stellung.
T. March 605. The slakke skyn about his nekke schaketh,
Whil that he song, so chaunteth he and craketh.
Dido 266. An huntynge w o 1 this lusty fresshe queene,
So p r i k e t h hire this newe joly woo. u. öfter.
c) In sätzen, in denen die Vorstellung der dauer einer
handlung besonders hervorgehoben wird ; vgl. 3. s. 556.
a) Im haupt- bezw. Vordersatz zum temporalsatz mit ///, —
der dem Vordersatz des consecutiven Satzgefüges sehr nahe steht.
T.Reeve301. And forth sehe goth, til sehe the cradil fand.
T.Schipm.318. In mirth al night a bisy lif thay lede
Til it was day.
Dido 45. So longe he walke th in this wildernesse,
Til at the last . . .
Ebenso T. Reeve 139; T. Lawe 1060; T. Clerk II, 97—98; T.
Frank 78—79; Phillis 26—28 u. öfter.
whan steht in fast gleicher bedeutung mit til in
T. Lawe 495. He wayteth whan the constable was aweye, . . u. öfter
ß) Im temporalsatz mit whil, rvhiles, jedoch nur, wenn
derselbe die gleichzeitigkeit zweier handlungen ausspricht; im
Lateinischen ist das praes. hist. nach dum regel.
aa) mit rrhiles.
T. Squ. I, 69. Whil that the kyng sit thus in his nobleye,
T. Monk 327. Ne never might her fomen doon hem fle
Ay while that Odenakes day es laste.
36*
564 GRAEF,
Kommt das praes. bist, nach whiles unter anderen als
obigen bedingungen vor, so ist es ans anderen Ursachen zu
erklären und gehört nicht hierher.
bb) mit as.
T.Ueeve 194. Thus pleyneth Johan, as he goth by the way.
T. Clerk V, 113.
The folk hir folwen wepyng in hir weye,
And fortune ay thay cursen as thay goon.
T. Prioresse 56 u. öfter.
IL In der reflexion.
1. Wenn der Verfasser eine reflexion an eine Situation
oder an ein ereigniss der erzählung anknüpfen will, so tut er
dies meist im praes. bist, um dadurch, dass er dem gegen-
stände der reflexion das gepräge des unmittelbar vorliegenden,
gegenwärtigen verleiht, das interesse des hörers oder lesers
zu erhöhen.
T. Kn. 599. And eek therto he is a prisoner
Perpetually, nat oonly for a yeer!
T. Cl. 111, 9. lle . . . fond hir ever good, what needith it
Hire to tempte?
Pr.Maunc. 89. [What needith it? he drank ynough biforn.]
Troil.IV, 174. This folk desiren now delyveraunce
()f Anterior, that brought hem to myschaunce.
ib. V, 1M2. Swich fin hath, lo! this Troilus for love!
Swich fyn hath al his grete worthynesse!
Swich fyn hath his estat real above!
Swich fyn his luste, swich fyn hath his noblessc.
Swich fyn hath false worldes brotelnesse!
Interessant ist hier, dass im letzten verse das praes. log.
ganz unmittelbar neben dem praes. bist, steht.
Ebenso steht das praes. bist.: T. Miller 199; T. Lawe 401;
T.Frank 108; Troilus V, 449, 1565; Dido 400; Lucrecia 118—25
und so sehr oft.
Solche reflexionen erhalten oft einen sehr lebhaften Cha-
rakter dadurch, dass der dichter die personen der erzählung
anredet. Auch hier steht das praes. bist, mit Vorliebe.
T. Prior. 122. 0 cursed folk! 0 Hcrodes al newe!
What may your evyl entente you availeV
Adriane 07. Wel in ay stow wepe, O woful Thesciis,
That art a kynges sone, and dainpned thus!
Ebenso T. Prioresse 12t) u. öfter.
2. Hierher sind auch die (Übrigens nicht gerade zahlreichen)
■teilen zu zählen, in denen das praes« bist den inhalt einer fol-
PRÄS. TEMPORA BEI CHAUCBR. 565
genden episode im voraus kurz angibt und so gewissermassen
die funktion einer Überschrift ttbernimmt
T. Lawe 368. 0 many a sory mele may sehe bayte,
After hir deth ful ofte may sehe wayte,
Or that the wilde wawe wol hir dry ve
Unto the place theras sehe schal arryve. u. öfter.
Bemerkungen. 1. Während es sehr erklärlich ist, dass in den
fällen sub A sich hauptsächlich verba derbewegung im praes. hist.
finden, so ist es andrerseits doch bemerkenswert, dass in den fällen sab B
ein auffällig häufiges vorkommen der hilfsverba besonders von may and
can za beobachten ist.
2. Wie sehr sich das praes. hist. in der spräche Chaucer's schon be-
festigt hatte, zeigen die zahlreichen stellen, in denen es ohne weiteres
neben dem praes. log. vorkommt. Eine Verwechslung der durch die beiden
tempora bezeichneten, verschiedenen zeitsphären war also schon völlig
ausgeschlossen. Hier ist jedoch zu erwähnen, dass sich bei Chaucer das
praesens hin und wider in präteritaler darstellung findet, ohne ein praes.
hist zu sein. Es ist dann ein Wechsel des Standpunktes anzunehmen,
der teils aus einer gewissen lebhaftigkeit, teils aber auch aus einer un-
verkennbaren nachlässigkeit zu erklären ist.
Astrolabe II, § 1, 8. Tho leide I my rewle ouer this forseide day &
fond the point of my rewle in the bordare vp-on the firste degree
of aries; ... & thus knowe I this conclusionn . . .
ib. II, § 40, 12. & thanne set I the point of F vpward (15) &
thus hauy 2 degrees by-twixe my to prikkes; than leide I down
softely my compas . . .
ib. II, § 40, 37. & thanne set I the point of F downward in the same
signe . . . (39) & thus hauy 3 degrees by-twixe bothe prikkes;
thanne sette I the degree . . .,
[dass set in beiden fällen praeteritum ist, ist nach dem vorangehenden
(36) tho tok I und nach dem folgenden (41) tho tok Imy Label f leide
it fix . . . anzunehmen].
Boethius I, 192—94. pei . . . to drowen me criynge, and
tornen and to renten my clo|?es [G. zeigt jedoch koruen statt
tornen].
ib. I, 150. derknesses forleften me, and to myn eyen repeyre
ageyne her firste strenke)* [C. zeigt jedoch repeyrede].
3. Um einen ungefähren Überblick über die ausdehnnng des praes.
hist. bei Chaucer zu ermöglichen, geben wir eine statistische Zusammen-
stellung der erzählenden tempora in der Knightes und der Clerk of Oxen-
fordes Tale, deren stil für Chaucer wol als mastergütig bezeichnet werden
darf. Hierbei sind sämmtliche tempora der direkten rede, sämmtliche rein
persönlichen beraerkungen des dichtere (as I you tolde first, of tvhich I
firsl bigan u. dgl.), sowie sämmtliche stellen, wo die verbalform sowol
praesens wie praeteritum sein kann (wepen bothe yong and olde u. dgl.)
ausgeschlossen worden. In der Knightes Tale sind von 1021 temporibus
der erzähhing 970 solche der werdenden, 51 der vollendeten handlang.
566 GRAEF,
Von diesen 970 entfallen 727 — mithin ca. 75 °/0 — auf das praeteritum,
213 — mithin ca. 22 % — auf das praes. hist. und 30 — mithin ca. 3% —
auf das perf. hist. I (vgl. Perfectum).
Etwas ungünstiger für das praes. hist. stellt sich das verhältniss in
der Clerk of Oxenfordes Tale, wo von 491 temporibus der fortschreitenden
handlung 389 — mithin ca. 77 % — auf das praet., 83 — mithin ca. 17 °/0 —
auf das praes. hist. und 19 — mithin ca. 4% — - auf das perf. hist I ent-
fallen. — In summa findet sich das praes. hist. in den Canterbury Tales
ca. 1150 mal. — Im afr. Rolandsliede findet es sich nach Bockhoff s. 15
1500 mal. Dabei ist jedoch zu beachten, dass einerseits die Tale of Me-
libeus und die Persones Tale bei obiger aufstellung nicht mit in betracht
kommen, andrerseits auch die zahlreichen prologe ihrer natur nach nur
sehr wenig erzählende tempora enthalten , so dass diese zahl an sich
geringer erscheint, als sie tatsächlich im vergleich zu den übrigen erzäh-
lenden temporibus sich stellt.
Besonders stark vertreten ist das erzählende praesens in folgenden
Tales: T. Knight, T.Miller, T. Reeve, T. Lawe, T.Clerk, T. March, T.
Squyer — etwas weniger stark, aber immer noch in stattlicher anzahl, in
T. Frank, T. Schipman und in Sire Topas. Auffallend spärlich zeigt es
sich in der T. Somp. (9 mal), T. See. Nonne (2 mal), T. Doctour (7 mal)
und der T. Maunciple (nur ein einziges mal : vers 52).
Ausserdem ist zu bemerken, dass die Legende of 9 Goode Wymmen
und die Caunterbury Tales sich vor allen übrigen werken Chaucer's durch
eine besonders ausgiebige Verwendung des historischen praesens aus-
zeichnen. —
§2. Das praesens für das futurum.
Grimm IV, 139 u. 176 ff. — Heyse II, 6, 757. — Koch § 42 u. 46.
Mätzner II, 75: 'Bei dem mangel einer besonderen form
für das futurum haben die älteren germanischen mundarten
grossenteils die von dem Standpunkt des redenden aus zu-
künftigen tätigkeiten durch das praesens ausgedrückt'
Dieser gebrauch findet sich auch bei Chaucer, aber nur
unter der bedingung, dass der futurische sinn dieser praesentia
durch den Zusammenhang zweifellos klarliegt Man könnte
dieses verhältniss vielleicht auch so auffassen, dass der begriff
des zukünftigen nicht im tempus, sondern auf andere weise
(meist durch adverbiale Zeitbestimmungen) ausgedrückt wird.
Es ist hierbei jedoch zu bemerken, dass in einzelnen fällen,
wo die abstrakte, streng logische denkart futurische ausdrucks-
weise vorziehen würde, es gar nicht in der absieht des reden*
den liegt, das zukünftige der handlung zu betonen, sondern
wo er im gegenteil durch das bestreben, einen anderen be-
griff (als den des zukünftigen) in den Vordergrund zu stellen,
PRÄS. TEMPORA BEI CHAUCER. 567
absichtlich das futurum vermeidet — Das futurum würde
dann dem gedanken des redenden eine ganz falsche färbung
geben.
I. Das praesens steht also in solchen fällen nicht statt
des futurs, sondern in eigener funktion. Solche fälle sind:
1. Das praesens hat präsentische bedeutung, schliesst aber
darum die zukunft von der zeitsphäre der handlung nicht aus,
sondern in der anschauung des redenden bilden gegenwart und
zukunft in bezug auf Verwirklichung der betreffenden handlung
eine zeitsphäre.
T. Knight 310. For wel thou wost
That thou and I been dampned to prisoun
Perpetually, us gayneth no raunsoun.
ib. 2168. ... the harde stoon
Under oure foot, on wbich we tredo and goon,
Yith wastetb it, as it lith by the weye.
T. Reeve318. But evermo . . .
I am tbin owen clerk.
T. Bathe 378. I do no fors the whether of the tuo,
For as yow likith, it suffisith me.
Troilus 111,881.
I am, til God me bettere mynde sende,
At dulcarnon, right at my wittes ende u. s. w.
2. Das praes. steht in der absieht, das zukünftige ereigniss
aus der entfernteren zeitsphäre in die unmittelbare gegenwart
zu verlegen, um so die unbedingte Sicherheit anzuzeigen, mit
welcher nacli Überzeugung des redenden das betreffende ereig-
niss eintritt, — bezw. ausbleibt.
T. Kn. 264. I nam but deed, ther nys no more to seye.
T.Miller 422. Help us to skape, or we be ded echon.
T. Miller 110, 416 und so sehr häufig.
Anmerkung. Vergleiche hierzu den gleichen gebrauch im Afr.,
BockhoÖ* s. 11: mort sunt Rol. 577; morz estes ib. 3513; morz ies ib. 3955,
während doch das Afr. gerade in bezug auf die Verwendung des futurs
ausserordentlich genau verfahrt.
3. Die präsentische anschauung geht gleichberechtigt neben
der futurischen her, indem diese den ton mehr auf die zeit-
sphäre, jene mehr auf das geschehen an sich legt.
T. Kn. 710. Ye ben the cause wherfore that I dye. (dass. ib. 88.)
T. Miller 91. I wis, but if I have my wille
For derne love of the, lomman, I spüle.
ib. 317. To no wight thou schalt this counsel wreye
For it is Cristes counsel that I seye . . .'
T.Reevel79. They get hym nat so lightly, by my croun!
568 GRAEF,
T. Schipm. 328. And forth he rideth hom to this abbay,
Or wher him list, nor more of him I say.
Pr. Persone 31. Thow getist fable noon 1-told for me.
Hierher gehören die meisten fälle sab relativsatz, vgl II, 2, c
4. Der verbalbegriff drückt an sich etwas werdendes nnd
damit in die Zukunft hineinragendes ans, so dass das praes.
in bezng auf den Standpunkt des redenden schon von vorn-
herein etwas zukünftiges einschliesst.
So rvaxen:
T. Knight 2166. The brode ryver som tyme wexeth drye.
(som tyme = einst).
So come:
T. Kn. 780—85. Right as the honter in the regne of Trace,
That stondeth in the gappe with a spere
And thenketh: Here cometh my mortel enemy.
T. Miller 537. For after this I hope ther cometh more u. s. w.
II. Da, wo man schliesslich das praes. zur bezeichnnng
einer zukünftigen handlung findet, kann man nicht sagen, dass
das praes. statt des futurums stehe, — sondern der begriff des
zukünftigen ist hier nicht im tempus, sondern anderweitig aas-
gedrückt und zwar
1. Im hauptsatz.
a) Durch eine adverbiale Zeitbestimmung.
T. Persone 274, 12. Wher ben thanne the gaye robes, and die softe
scheetis, and the smale schirtes?
ib. 302, 13. this day thay prayse, to morwe thay blame.
Troilus V, 1122. For ought I woot, byfor noon sykerly,
Into this town ne cometh not here Criseyde.
Farne I, 353. Eke, though I myghte duro ever,
That I have do, rekever I never n. so oft.
b) Oft erhält der nebensatz die bedeutung einer futur.
Zeitbestimmung.
d) Temporalsätze.
T. Knight 1399. Thanne rckke I nat, whan I have lost my lyf,
Though that Arcite have hir to his wyf.
M. 189, 6—8. and thanne, whan I knowo here wille and here enteit,
I may counseile yow the more seurly.
Troilus 111,881. 1 am, til God me bettcre mynde sende;
At dulcarnon u. s. w.
ß) Bedingungssätze.
Troilus I, 636. If thow do so. thi witte is wele bywared
ib. I, 694. Wo hym that is allone,
For, and he falle, he hath non helpe him to ryse.
ib. I, 715. If God wil thow art nought agast of me, n. 8. w.
PRÄS. TEMPORA BEI CHAUCER. 569
Ebenso ein versteckter bedingungssatz:
Troilus I, 953—55.
Now looke that atempree be thi brydel,
Or elles alle oure labour is on ydel. u. öfter.
Anmerkung. Das praesens kann überhaupt nicht nur da stehen,
wo die streng logische anschauungsweise das futur erwartet, sondern auch
da, wo sonst modale hilfsverben mit dem infinitiv des betreffenden be-
griffsverbs demselben gedanken eine feinere und schärfere nüancierung
geben, auf welche es dem redenden jedoch, wenn er nur das praesens
des begriffsverbs setzt, weniger ankommt.
So 1. Müssen.
a) müssen = nicht anders können (prämissen und schluss
sind nicht als solche ausgesprochen).
Boece I, 227. we scorne swiche rauiners and honters of foulest pinges.
= wir müssen sie verachten,
ib. 976. \>er nis nat whi f>ou sholdest wene \>i seif a wreche . for Ringes
)?at now semen soory passen also. u. so oft.
b) müssen = notwendiger schluss.
Astrolabe II, § 38, 18. & yif thow drawe a cros-lyne ouer-thwart the
compas Justly over the lyne Meridional, than hastow est and west.
ib. II, § 25, 25. & thanne hastow the heighte of the heuedes of aries
& libra.
Ebenso ib. IL § 29, 18 ; § 37, 1 und sehr oft.
Aus der Vorstellung, dass diese folgen notwendig eintreten,
geht die Vorstellung hervor, dass sie zweifellos sicher ein-
treten, und um diese unbedingte Sicherheit auszudrücken, steht
das praesens.
c) müssen = notwendige prämisse zu einem gegebenen
schluss, — z. b. notwendige handlung zur erreichung einer ab-
sieht, zur erfüllung einer bedingung — oft eine versteckte auf-
forderung.
Astrolabe II, § 42, 10. & aftyrward, whan J>ou seest hym (sc. ]>e tour)
at 2, J>er pou settest an-o|>er prikke, J>an )>ou fyndest between
too prikkys 60 fett; )?an J>ou schalt fynde ^at 10 is |>e 6-party of 60.
And }?en is 10 fete )?e altitude of J>e tour. = und dann, wenn du
ihn bei 2 siehst, wo du wider ein zeichen setzen musst, findest
du zwischen 2 (den beiden) zeichen 60 fuss. u. so öfter.
2. Sollen.
a) Sollen = imperativ. Umschreibung. Hier ist nur eine
stelle zu belegen und selbst diese ist unsicher. Sie ist aber
gerade desshalb um so interessanter, als sie zeigt, dass das
praesens zum ausdruck dieser nüance schon von Chaucer nicht
mehr als geeignet empfunden wurde.
570 GRAKF,
Harl. ed. Morris: T. Persone 282, 21. And therfore seyde the aungel to
Joseph, thow (schalt) clepe his name Jhesus.
Ebenso S. T.: E. 286, H und C. Aber Corpus in Übereinstimmung
mit P und L zeigt:
286 \>ovl clepest his name ihesus.
b) Sollen = futurische Umschreibung in allen möglichen
nüancen.
a) in der prophezeiung.
T. Persone 273,11. Agayns honours han they in helle schäme and
confusioun.
Vgl. dazu ib. 273, 27. Agayns riches of this world schuln thay han
mysese of povert. u. so öfter.
ß) in der drohung.
T. Pard. 290. Thou partist nought so lightly, by seint Johan. u. öfter.
/) im versprechen.
Troilus II, 1531. Thow shalt the bettere pleyne,
And hast the lasse nede u. öfter.
6) in der Versicherung.
Pr. Persone 3 1 . Thow g e t i s t fable noon i-told for me.
Vgl. weitere beispiele sub I, 3. T. Reeve 179, T. Miller 92 u. öfter.
t) in der rein futurischen Umschreibung. Siehe oben IL
3. Können, jedoch nur, wenn der sinn negativ ist
Boethius 3397. For foreine shrewednesse ne bygynnej? nat fro ]?e
corages of good folk hire propre hononre.
Vgl. dazu die ne. randglosse der herausgeber: The wickedness of
another cannot deprive a virtuous soul of its own honour.
ib. 627. And for)?i he J?at forletej? certeyne ordinaunce of doynge by
ouerj?rowyng wey ... he ne haj? no glade issue or ende of hys
werkes . . . (dessen werke können unmöglich ein gutes ende
nehmen).
Pr. Miller 43. Leeve brother Osewold,
Who hath oo wyf, he is no cokewold.
(der kann natürlich auch kein hahnrei sein), u. so öfter.
4. Wollen.
a) in eigener bedeutung (hier ist das praesens selten).
Astrolabe II, § 29, 9. set the point of thy gret Rewle ther thow takest
thyne Altitudes, vp-on as many degrees in his bordure fro his Meri-
dional as was the point of thy label fro the lyne Meridional ....
= wo du deine höhen nehmen willst, u. so öfter.
Anmerkung. Einen ganz speziellen und interessanten fall für
diese erscheinung [dass nämlich modal verba mit dem Infinitiv eines be-
griffsverbs durch die einfachen verbalformen des letzteren, so weit es sich
um das praesens oder das praeteritum handelt, vertreten werden können],
bietet das lateinische imperfectum de conatu dar.
b) als futurische Umschreibung.
PRÄS. TEMPOKA BEI CHAUCEK. 571
Astrolabe II, § 36, 11. set thanne the nadir of the assendent on the
ende of the 4 howre, J>an wol the bygynnyng of the 6 house sittc
on the Midnyght lyne . ]>e bygynnyng of the 7 hows is nadir of
the Assendent . . .
und so bis § 36, 17 stets w, während vorher in genau dem-
selben zusammenhange § 36, 2, — 5, — 7, — 10 wol steht. —
und so häufig.
5. Pflegen. Gerade dieses verhältniss kann in den meisten
fällen vom praesens allein genügend ausgedrückt werden, zumal
da der Zusammenhang hier stets jeden zweifei beseitigt, — nur
da, wo es sich um eine ganz besondere hervorhebung des be-
griffs der widerholung handelt, treten die entsprechenden modal-
verba ein (meist wol).
T. Prioresse 49. As smale childer doon in her childhede.
Hertzberg 13,430. '. . . so wie allerwegen
In solchem alter kleine kinder pflegen.'
und so ausserordentlich häufig; vgl. hierzu kap. 3, la.
2. Im nebensatz.
a) im tempöralsatz
d) mit ar, or, er.
T. Ch. Y. 49. I wol doon a maystry er I go!
T. Persone 272, 10—12. suflfre, Lord, that I may a while . . . weepe,
or I go . . . to the derke lond.
Philom. 74. That she may seen me sones or I deye.
Ebenso Prol. Coke 35, 38; Pr. Ch. Y. 156; Troilus 1, 1014. II, 214,
278. III, 891. V, 1801 u. so oft.
ß) mit til.
Pr. Ch. Y. 70. ... al this ground on which we ben ridynge
Til that we comen to Caimterbury toun . . .
Troil.III, 717. Youre wommen slepen alle, I undertake
So that for hem the housmen myghte myne,
And slepen wollen til the sonne shyne.
ib. III, S81. I am, til God me bettere mynde sende,
At dulcarnon, . . .
Boeth. 146S. al J?e peoples }?at phebus \>e sonne may seen comyng from
his outerest arysyng til he hideth his bemes vndir J>e wawes.
Das erste und letzte beispiel zeigen recht deutlich, wie in
/// ursprünglich ein raumverhältniss zu gründe liegt, das erst
auf die zeit übertragen ist — und so erklärt sich auch das
praesens hier sehr gut in eigener funktion.
Ebenso Astrolabe II, § 7, 12; II, § 12, 1 — § 12, 3 — § 12,
04 -§ 14, 4 — §23, 2 -§23,9 -§27,3 -§28,4 -§38, 12;
Boethius 741 u. so oft.
572 GRAEF,
trhan in der bedeutung von ///.
Astrolabe II, § 35, 6. Awaite wel thanne whan pat thi sterre fix is in
the sarae altitude
Ebenso II, § 25, 21 u. öfter.
/) mit tvhan, tvhen, whanne, rvhanne that — meist in der
bedeutung von 4so bald als'.
T.Reevel31. The more queynte knakkes that they make,
The more wol I stele, whan I take.
T.Clerk II, 159.
And eek whan I say ye, ye say not nay,
Neyther by word, ne frownyng countenaunce.
Swer this, and here swer I our alliance.
T. Pard. 338. Whan it is night, we wol this tresour carie . . .
Troil. V, 91)2. That when I se that I nevere er sey,
Thanne wol I werke . . .
ib. II, 1740. That wol ye bothe seyne, when ye ben oon.
Prol.9 G. W. 101.
That schal I seyn, whanne that I see my tyme.
Ebenso T. Miller 384; Pr. Frere 27; T. Prioresse 82; Melibeus
180, 7; T. Doctour 71; T. Ch. Y. 1)4 u. so oft.
d) as swyth as — ebenfalls in der bedeutung von 'so bald als'.
Troil.V, 13S3. For was ther never herte yit so blühe
To have hys lyf, as I shal ben as swyth
A s I y o u s e e. u. öfter.
t) mit fvhil, whiles, whils, whil that.
T.Knight487. For I moot weope and weyle, whil that I lyve.
Pr.Ch.Y.lS3. Whil 1 lyve schal I it quite never.
(Cuckow and N. 140).
T. Ch.Y. 126. And sehet the dore, whils we ben aboute
Our privetee, that no man us aspye,
Whil es we werken in this philosophie.
T. Pard. 3Mi. I schal ryf him thurgh the sydes tweye
Whils thou strogelest with him as in game.
Ebenso T. Knight 1557—00; Pr. Bathe 157; Melib. 190,33 u.ö.
£) mit as fer as.
T.Frank 257. . . . as fer as 1 have wit,
I wolc ben his to whom that I am knyt. ö. öfter.
b) Im lokalsatz.
T. Soinp. 512. I schal defame him everal wher I speke.
T. Pard. 33S. wo wol this tresour carie
By oon assent, ther as us liketh best.
T.N. Pr. 1>5. This night I schal be murdrid ther I lye.
Astrolabe II, $ 31, 7. but waitc in which azymut }>at thi sonne en-
treth at his arisyng.
Ebeuso T. Pardouer 339; A«trolabc U, § 27, 5 — § 25, 5 o, 80 oft.
PRÄS. TEMPORA BEI CHAUCER. 573
c) Im relativsatz.
a) Der relativsatz vertritt ein adjectiv. — Hier bedarf das
verb des relativsatzes meist noch einer ausdrücklich auf die
zakunft weisenden Zeitbestimmung.
Melib. 197, 21. he is so . . merciable, that he wil . . bringe us to the
blisse that never hath ende.
T. Nonne Pr. 803—6. Macrobius . . .
Affermeth dremes, and saith that thay been
Warnyng of thinges that men after seen.
Vgl. dazu ib. 311. ... dremes ben som tyme
Warnyng of thinges that schal after falle, n. Öfter.
ß) Der relativsatz vertritt ein Substantiv.
T. See. N. 78. Yet pray I you that reden that I write. u. so öfter.
7) Der relativsatz ist zugleich bedingungsatz.
T. Kn. 1693. And he that is at meschief schal be take.
ib. 850. . . . anon he schal be deed,
That smyteth eny strook, that I may seen.
Pr. Monk 34. That schal he fynde that hire mysdoth or saith.
T. Pard. 333. And he that hath the cut, with herte blithe
Schal renne to the tonn.
T. Schipman 138; T. See. Nonne 78 u. öfter.
d) Im bedingungssatz , aber nur, wenn die bedingung in
ein temporal verhältniss eingekleidet ist.
T.Frank 264. Loke, what day that endelong Bryteyne
Ye remewe alle the rokkes, ston by stoon, . . .
Pers. 287, 11. God wot, that what day ye ete therof, youre eyen
schal open . . .
u. öfter; vgl. oben a, 7.
Anmerkung 1. In allen diesen fallen ist der fnturische sinn des
praesens im nebensatze durch den hanptsatz, der meist einen futur oder
einen imperativ enthält, deutlich angezeigt.
Anmerkung 2. Im gewöhnlichen bedingungssatze steht nicht das
zeitverhältniss im Vordergrund, sondern das verhältniss von möglichkeit
und Wirklichkeit — und es gilt hier nicht den begriff der zukunft, son-
dern den der ungewissheit zu betonen. Es ist eine verkennung des tat-
sächlichen Verhältnisses, hier eine Vertretung des futurums durch den
conj. praes. anzunehmen, wie dies Brinkmann II, s. 685b. nnd vor und
nach ihm andere tun, indem sie diese sätze den obigen anreihen.
Selbst in bedingungssätzen, in denen die handlnng unzweifelhaft nur
als zukünftig aufgefasst werden kann, tritt dies zn tage.
Pr. Miller 31. And therefore if that I mys-speke or seye
Wyte it the ale of Southwerk, I yon preye.
(Er weiss es gar nicht, ob er es tun wird). — Dies drückt der conj. ans;
stände das futur, so würde dadurch ausgedrückt, dass er es schon ganz
bestimmt wüsste. Also futur und conj. praes. ergeben einen verschie-
denen sinn. Stände dagegen der indic. praeaentia, so wäre die annähme,
574 GRAEP,
dass hier eine Vertretung des futurs vorliege, noch eher berechtigt, ob-
gleich auch der indic. praes. dem gedanken eine andere färbung gibt als
das futur — nämlich die der grösseren selbstgewissheit Der indic. praes.
setzt eine handlung schon als wirklich, während das futurum sie als zu-
künftig und damit nur erst als vorgestellt bezeichnet. — Aehnliches ist
zum concessivsatz zu bemerken.
III. Hin und wider findet sich das praesens auch da, wo
die streng-logische ausdrucksweise das futurum II verlangen
würde. Da von einem gebrauch des futurum II bei Chaucer
noch nicht die rede sein kann (vgl. fut. II), so gelangt ent-
weder der begriff der Vollendung im futurum gar nicht zum
ausdruck, so dass fut. I (Koch II, § 47) und praesens sich in
die funktionen desselben teilen — oder er findet seinen aus-
druck im perfect und der begriff der zukunft wird anderweitig,
ausserhalb des tempus bezeichnet. Vgl. Perf. kap. 2, § 2.
Das praesens findet sich so:
Bocthius 3405. )>an at arst skal he faylen of mede whan he forletif*
to ben good.
Original IV, Prose 8, 19. tum suo praemio carebit, cum probus esse
desierit.
T. Melib. 196, 14. And I pray yow, that ye wol forbere now to do
vengeaunce ... (18) that ye have noon cause to repente yow of
thing that ye doon.
T. Nonne Pr. 122. 'whan we fle fro thise beeiues,
For Goddis love, as tak so in laxatyf.
Troilus IV, 1247. I shal wele bryngen it aboute
To com ayein, soon efter that I go. u. so oft.
Diese erscheinung ist aber eigentlich weniger vom gram-
matischen, als vielmehr vom psychologischen Standpunkte ans
bemerkenswert Sie zeigt, dass die damalige denkweise die
zeitsphäre der zukunft noch nicht so scharf von der gegenwart
trennte, als der schriftgebrauch späterer, im logischen denken
besser geschulter generationen. Dasselbe gilt von all den sab
§ 2 angeführten fällen, daher denn auch noch heute dieser ge-
brauch, besonders für die sub II angeführten fälle in der volks-
und gewöhnlichen Umgangssprache nichts seltenes ist
Es muss also betont werden, dass bei Chaucer von einer
Vertretung des futurs durch das praesens, wie dies im Alteng-
lischen der fall war, nicht mehr die rede sein kann; da, wo es
gilt, den begriff des zukünftigen als wesentlich zu bezeichnen,
zeigt Chaucer stets futurische (umschreibende) Zeitformen; da,
wo wir jedoch das praesens finden, wälireud die streng-logisebe
PRÄS. TEMPORA BEI CHAUCRR. 575
denkweise das futur verlangen würde, ist dies nicht für die
spräche, d. i. grammatisch, sondern für die anschaunngsweise,
d. h. psychologisch bemerkenswert So lässt sich auch für die
form ben bei Chaucer keine besondere, fatarische bedeutang
mehr nachweisen, welche M. II, 76 für beom im Angelsäch-
sischen belegt
Kap. 3.
Das praesens kein tempus, sondern nnr subjekttragende
verbalform.
Dasjenige, was eine verbalform zum tempus macht, ist die
eigen schaft, die zeitsphäre zu bestimmen, in welcher ein
verbalbegriff verwirklicht gedacht wird.
Nur da, wo diese bestimmung eine absolute ist, ist das
tempus ein echtes tempus.
Da, wo diese bestimmung nur relativ, d. h. mit bezug auf
die zeitsphäre einer anderen handlung geschieht, sinkt das
tempus zum stellvertretenden oder besser zum tempus rela-
tivum herab.
Verliert die form des tempus jede zeitbestimmende funktion,
gilt also das von ihr ausgesagte nicht für eine bestimmte zeit-
sphäre, sondern gleichmässig für alle, — bezw. negiert gleich-
massig für keine, so hat die verbalform aufgehört, tempus zu
sein. Sie ist dann nur noch subjekttragende verbalform.
Auf dieser stufe finden wir das praesens
1. da, wo es tempus des prädikats ist, welches von seinem
Subjekt etwas in dessen Wesensbeschaffenheit liegendes aussagt
a) Es dient dazu, tätigkeiten auszusprechen, die aus der
Wesensbeschaffenheit des Subjekts hervorgehen und an keine
zeitsphäre gebunden sind.
d) Das praesens steht ohne Zeitbestimmungen. Man kann
es hier meist mit ( pflegen' umschreiben.
Boethius 1433. Also musyk makej? musiciens .and fysik make^phi-
siciens, and rhetorik rhetoriens . . .
T.Frank 222. That langnisshith as fuyr doth in helle
ib. 227. . . . at datmces
Ther yong folk kepen here observannces.
T. Squyer 196. They murmured, as doth a swarm of been.
T. Persone 329, 4. for it (this vertn) enhannslth and enforceth the
soule, right as accidie abateth it and makith it feble.
Und so unzählige male.
576 GRAEF,
ß) Es steht ein adverb der zeit dabei, das die widerkehr
der handlung ausdrücklich bezeichnet.
Astrolabe II, §28,14. thise signes arisen euer-mo by-twyxe the
verrey este & the verrey sowth in owre orisonte.
T. Frank 51. For in this worlde certeyn no wight ther nys,
That he ne doth or saith som tyme amys.
ib. 54. Wyn, wo, or chaungynge of couiplexioun,
Causeth ful often to don amys . . .
T. Persone 339,30. a man somtyme forgetith by tbo morwe, what
he dide at eve.
und so ganz gewöhnlich.
b) Es dient dazu, die angehörigkeit von eigenschaften
auszusprechen, die in der Wesensbeschaffenheit des Subjekts
begründet und in ihrer existenz an keine bestimmte zeitsphüre
gebunden sind.
T. Kn. 1 77. That Einelie, that fairer was to seene,
Than is the lilie on hire stalkes grene.
T.Frank 199. That freisseher was and jolyer of array
As to my dorne, than is the monthe of May.
T. Persone 341,2. these two synnes ben so neih cosyns, that ofte
tyme thay wol not departe.
ib. 329, 1. This vertu is so mighty and so rigorous, that . . .
Boethius 1432. in whoin p&t swiftenesse is(,) Sothe it is )>at he is
swyfte. u. s. w.
c) Es dient behufs klassifikation des Subjekts dazu, das-
selbe unter begriffe, welche seine wesensbeschaffenheit näher
erläutern und in ihrer geltung an keine zeitsphilre gebunden
sind, zu subsumieren. Hier sinkt das existentialverbum zur
copula herab.
T.Frank 39. Love is a thing as any spirit fire,
T. Persone 330, 14. Avance . . . is a likerousnes in hert to have
erthely thinges.
ib. 338, 27. Glotenye is unresonable and desordeyned coveytise ... u. s.w.
2. In allgemeinen erfahrungssätzen und Sinnsprüchen.
T. Kn. 681. Seide is the Fryday al the wyke Mike
ib. 954. A man m o o t ben a fool other yong or olde.
ib. 1591. Men may the eelde at-renne, but nat atrede.
ib. C<>3. For soth is seyde, goon ful many yeeres,
That feld hath eyen, and the woode hath eeres. u. B.w.
:\. Zum ausdruck allgemeiner Verhältnisse.
T. Lawe 932. Now was this child as lik unto Custannoe,
As possible is a creatur* to be.
Astrolabe I, § 16, 10. 5 of thise degrees maken a MUewey, & 3 Mfle-
wey maken an howre . . .
PRÄS. TEMPORA BEI CHAÜCER. 577
Ebenso in dem formelhaften as who seip — gleichsam, als ob
(Boethius 1977 u. s. w.), und in dem ausdruck ähnlicher art (hat
is to sayn (M. 140, 6. 171, 25 u. s. w.) and so sehr oft.
4. In der berichterstattang. Aach hier ist das vom prae-
sens ausgesagte an keine zeitsphäre gebunden, bezw. keiner
bestimmten zeitsphäre zugewiesen.
a) Bei quellenangaben von citaten.
T. See. N. 120. This mayden bright Cecilie, as hir lyf saith,
Was comen of Romayns and of noble kynde.
Zahlreiche beispiele hierzu sub kap. 1, § 2, 3 anmerkung.
b) Bei inhaltsangaben.
Pr. Bathe 650. And thanne wold he upon his book seeker
That ilke proverbe of Ecclesiaste,
Wher he comaundith and forbedith faste; . . .
Pr. Clerk 41. I say that he first with heigh stile enditith
[Er he the body of his tale writith]
A proheme, in the which descrivith he
Piemounde, and of Saluces the contre,
And spekith of Appenyne . . .
T. Persone 272, 26. The cause why that Job calleth, helle the lond
of derknes, understondith, that he elepith it lond or eorthe, for
it is stable.
Parl.of F. 36. First teile thhyt,(se.29 This booke)whanScipion was come
Into Aufryke, how he mette Maasynysse, . . .
ib. 39. Than telleth he hir speche and al the blysse
That was betwixt hem . . .
Ebenso Prol. Melib. 26—27; T. See Nonne 113, 271; T. Monk 137,
728—30; Boethius 1531—32 u. so öfter.
Interessant ist, dass das praesens hier mit dem praete-
ritum wechselt
Boethius 1976. For whiche J>ing catullus elepid aconsol of Rome }>at
hyzt nonius postum . or hoch as who sety he clepij? hym a con-
gregacionn of uices in his brest as a postum is ful of corrupeioun.
Vgl. weitere beispiele sub kap. 1, § 2, anmerkung zu 3.
Husum. A. Graef.
Anmerkung. Ad s. 40, z. 4 meiner abhandlung über das perfek-
tum bei Chaucer ist zu bemerken, dass bei Fiedler und Sachs IL s. 80,
ausg. 1861 allerdings ein vereinzeltes beispiel aus Ch. für den betreffenden
perfektgebrauch angeführt ist — ein beispiel, das in seiner vereinzeltheit
jedoch als hinreichender beleg für den betreffenden gebrauch des perf.
im Me. schwerlich anzusehen sein dürfte.
AngU», XII. band. 37
zu
FISCHER, SPRACHE UND AUTORSCHAFT
DER MITTELENGL. LEGENDEN ST. EDITHA
UND ST. ETHELDREDA.
Die Anglia XI, 175 — 218 abgedruckte abhandlung Fischer's,
die denselben gegenständ behandelt wie meine fast zwei jähre
vorher erschienene dissertation und sich in fast allen punkten
gegen dieselbe wendet, kann auch mir insofern erwünscht sein,
als sie mich der Verpflichtung überhebt, zahlreiche druckfehler,
ungenauigkeiten und irrtümer einer besonders während des
drucks überstürzten arbeit selber berichtigen zu müssen.
Es ist auch jetzt nicht meine absieht, auf einzelheiten oder
kleinere missverständnisse einzugehen, sondern ich werde mich,
bei der knappheit von zeit und räum, auf wenige hauptpunkte
beschränken.
Doch benutze ich diese gelegenheit, um den mehrfach er-
hobenen tadel zurückzuweisen, dass die Schreibung gar nicht
oder ungenügend berücksichtigt sei, da meine dissertation nnr
eine reimuntersuchung bietet und bieten sollte; die Schreibung
ist nicht 'leider nur', sondern 'leider auch9 an wenigen punk-
ten berührt
Die Live s of Saints Bokenam's zeigen beispiele genug, dass me.
legenden nicht immer der einteilung und einschnitte entbehren, sondern
oft recht künstlich und kompliziert gebaut sind. Es ist also nicht ntttig,
die stelle in der mitte der Ed., in welcher der dichter versichert, die
ereignisse bis zur translation wahrheitsgetreu geschildert tu haben ud
die Verzeihung des iesers Air etwaige missgriffe erbittet, für den abseUvta
eines ganzen zu halten. Fassen wir sie aber auch nur als seMusf elfte*
ersten teils, so Hegt doch der gedankc nahe, das« nicht allein die latttr-
licho gliederung des Stoffes, die doch bei ganz ähnlichen Verhältnissen
fllr die Eth. nicht zu einer Zweiteilung geführt hat, sondern hauptsleMkh
eine pause zwischen der abfassung beider teile unsern kunstlosen cUektar
HEUSER, ZU FISCHER ANGLIA XI. 579
zu einem deutlichen abschluss für teil I veranlasst hat. Die Widersprüche,
die sich gerade zwischen den angaben am Schlüsse des ersten und am
anfange des zweiten teils finden und die es Fischer nicht gelungen ist
wegzudeuteln, finden hierdurch ihre genügende erklärung, ohne dass man
desshalb, wie ich es früher getan, zur annähme von zwei Verfassern zu
schreiten braucht Dieselbe ist unhaltbar, da die sprachlichen differenzen,
die sich festhalten Hessen, zu gering sind und auf zufall beruhen können.
Den Widerspruch bei den angaben über das todes- und translations-
jahr der S. Editha hat Fischer nicht verstanden. Wenn der todestag in
das 4. regierungsjahr künig Etheldrede's fällt, so kann die translation nach
mindestens 12 jähren nicht im 15., sondern frühestens im IC. regierungs-
jahre desselben stattfinden.
Fischer nimmt ferner an, dass Editha 12 jähre und einen teil des 13.
bis zur translation im grabe lag. Dabei bleibt merkwürdig, dass Ed. I,
2365 steht '13 jähre', Ed. II, 2395 dagegen 'das 13. wollte Gott sie dort
nicht mehr verborgen bleiben lassen1.
Ausserdem ist die natürliche auffassung der stelle in Ed. I als
'13 jähre' und nicht als '12 jähre und etwas' zur genüge gesichert durch
eine bislang übersehene stelle Ed. II, 3367 : ihrettene yeere and more und
auch durch die von Horstmann abgedruckte latein. vita S. Ed.: 13 annis
elapsis . . .
Andrerseits tritt die angäbe Ed. II, 2391 ff. zu bestimmt und zu aus-
führlich auf, um lediglich auf flüchtigkeit oder Schreibfehler zu beruhen.
Wir müssen daher zwei Versionen über die betreffende anzahl von jähren
annehmen, die dem dichter beide bekannt waren und bei ihm Verwirrung
hervorriefen. Wenn aber diese schwankenden angaben sich innerhalb 30
zeilen zeigen und dazwischen ein einschnitt oder schluss liegt, so hat man
anzunehmen, dass der dichter an dieser stelle seine arbeit unterbrach.
Anmerkung. Die von mir als auffällig bezeichnete stelle in dem
latein. anhange erklärt sich dadurch, dass die angeführten werke nicht
quellen im strengen sinne sind, der betr. ausdruck also nicht genau
genommen werden darf.
§2.
Bei der folgenden behandlung der fortsetzung von ae. m in ge-
schlossener silbe, der sichersten und massgebenden quelle des me. ä, be-
schränke ich mich auf die Ed., die ich jetzt in bezug auf die Schreibung
einer genauen Untersuchung unterworfen habe.
Die beweisenden reime haben bei Fischer eine sehr zweifelhafte be-
reicherung erfahren durch die fälle von than (then) i. r. : e. Schon frühme.
findet sich neben than die nebenform then, theonne, vgl auch ne. then,
so dass das wort für das verhalten von me. ä in keiner weise mass-
gebend ist.
Die reime von ae. ce : e in falte, satte hält er nicht für beweisend.
Auch ich halte jetzt die a-form in fache (fetch) und dem prt. fatte für
eine berechtigte form in unserem denk mal, wie aus der konsequenten
Schreibung hervorgeht: fache i. r. 2927, 4120, innerhalb des verses 2930,
4078. falte : 1931, 2198, 2316, 2700, 2815, 2807. Nur einmal, v. 4696, finde
37*
580 HEUSER,
ich für das prt. fetten. Dagegen ist ausser dem einmal i. r. angeglichenen
satte (für seile) 118 nicht der leiseste grund vorhanden, eine Vermischung
von satte (ae. scet) und seile (ae. seile) anzunehmen, sete (= scel) 24SC»
ist wol analogieform nach dem pl. prt. seien.
Fischer's resultat für die entwicklung des ae. ce in unseren denk-
malern ist: ae. et wird vorwiegend zu a, vor s, d, n auch zu e. Wenn
er aber vor s, d, n, wir müssen hinzufügen t, nebenformen ansetzt, so
haben wir diese für Vs a^er &He un^ gerade für die häufigeren reim-
Wörter. Man sieht dann nicht ein, weshalb sie für den kleinen rest, fiir
den zufällig keine reimbelege vorhanden sind, ausgeschlossen werden.
Solche nebenformerklärungcn sind ebenso bequem wie unwahrscheinlich.
Die sporadischen bindungen von a:o, die nach Fischer charakte-
ristisch für den laut des a sind, beweisen genau ebenso viel wie die
sporadischen bindungen von e:o, nämlich gar nichts. Vgl. 1769 redde :
god, 3742 dode (= did) : blöde \ Eth. 381 god : dodde (ae. dt ad). Neben
crasse (cross) : was steht cresse : lesse.
Die sporadischen reime : t finden sich für zwei fälle: then neben
lhan, tves neben was, wo sichere, auch durch die Schreibung gestützte
^-nebenformen vorliegen.
Die Schreibung habe ich bisher nur mit einer dürftigen und unrich-
tigen bemerkung gestreift, die aber leider von Fischer aeeeptiert ist.
Tatsächlich findet sich durchaus nicht a und e für ae. ce geschrieben,
sondern konsequent a. Ich bemerke in der Ed. nur einmal, i. r. ange-
glichen, e: 939 lest: rest. 4620 metede, 4621 melte gehen nicht zurück
auf das ae. prt. tndsl, sondern sind durch analogie entstandene schwache
formen; 24S6 sete ist bereits besprochen.
Wenn sich i. r. von a : e überhaupt angleichung findet, so ist stets
e an a angeglichen, mit ausnähme des eben erwähnten falles. So häufig
bei der endung -ness, die sich auch innerhalb des verses mit a findet;
ferner 1582 masse icorvn fasse, 2923 fast : upbarsle (inf.) 4411, 4735 fast:
rast (= rest), IIS satte (set) : /hat, 3843 p'adde : hadde, 4743 hadde :
spadde. Der umstand, dass der Schreiber bei angleichung t. r. nicht e
für n schrieb, sondern a fiir e, ist zufall, beweist aber immerhin, dass der
Schreiber wenigstens die Fischer'schen nebenfonnen nicht kannte oder
nicht zu gebrauchen wusste.
Ich halte also die annähme eines hellen, ^-ähnlichen lautes flir das
a in unseren denkmälern fest und erkenne als doppelformen nur tkmn,
then und was, tves an.
§3-
Für ä in unseren denkmälern einen ^-ähnlichen laut anzunehmen,
erschien mir früher zu gewagt, so dass ich lieber versuchte, dfa darauf
hinweisenden reime wegzuerklären. Das ist mir indess nur sehr unvoll-
kommen gelungen, auch werden durch eine solche annähme, die für das
1 5. Jahrhundert nicht allzu sehr befremden darf, so viele Schwierigkeiten
aus dem wege geräumt, dass ich jetzt glaube, sie machen au dürfen. Ein
heller, <r-ähnlicher laut für ä wird gefordert: 1) durch reime von 4: -n*SS€p
encresse. Ich habe früher dieser Schwierigkeit durch annähme von fäkal-
ZU FISCHER ANGLIA XI. 581
tativer verdumpfung von e vor ss, st auszuweichen gesucht, also nicht,
wie mir Fischer unterschiebt, durch reime von -ess i ä für letzteres, son-
dern flir ersteres den «-laut beweisen wollen.
2) durch made i sayde (sBde) 338, 863, : dradde (drede) 4543, : gade
Eth. 1074. Diese falle habe ich früher wegzuerklären versucht.
3) durch reime von ä i ä, das seinerseits wider mit : c reimt. Diese
bindungen verlieren nur bei der annähme eines helleren lautes auch für a
ihre Schwierigkeit. Fischer, der für ae. äs bei ziemlich häufigen i-reinicn
nur doppelformen vor s, d, n anerkennt, kommt für ä (bei ihm festes a)
ebenfalls zu der annähme eines ^-ähnlichen lautes, und zwar auf grund
eines durchaus ungenügenden materials, denn cache : fache stellt sich zu
den reimen von ä:ä [vgl. King Hörn H 1243 cacche i vacche, 1390 cecche :
vecche und die ne. ausspräche], scante i plente ist einer korrumpierten
stelle entnommen. Es bleibt also als einziger von den drei angeführten
sicheren fällen grace i encresse, gewiss in unseren ungenauen denk malern
ein genügender rückhalt flir die aufstellung einer so schwerwiegenden
behauptung.
§4.
Für od und 66 habe ich mischung im reime nur vor nasal und im
auslaut angenommen. Fischer ist anderer meinung, kann aber den ein-
zigen von mir angeführten ausnahmefall nur um einen richtigen pore : öd
und zwei falsche goth, both i loth vermehren.
§5-
Für die tftf-reiiue habe ich relative reimreinheit nachzuweisen ver-
sucht und bin dabei zu falschen resultaten gekommen, nicht durch falsche,
sondern durch unvollständige beobachtung, indem ich wol die reime von
ee.ee, eeiee, eeiee, eeiee, aber nicht die von eeiee zusammenstellte.
4444 4t' 44 ' 4 4 4 4
Ueberflüssig ist nur die Zusammenstellung von <ie:ee.
Die angeführten zahlen — Ed. 1, 13 ee: ee, 13 eeiee, 2 ee :ee\ vor r:
Ed. 1, 16 eeiee (verdruckt s. 19, richtig s. 16), 10 ee: ee (verdr. s.19, richtig
s. 16); Ed. II, 21 ee : ee (verdr. s. 16, richtig s. 19), 4 ee : ee — stimmen im
wesentlichen zu den von Fischer angegebenen, wenn man in betracht
zieht, 1) dass F. sich widerholende reime nur einmal, ich sie entsprechend
oft rechne; 2) dass F. für nede, der ee statt ee, für lede (ae. legde) ee
statt ee oder ee, für rere ee statt ee ansetzt, und 3) dass er zuweilen
ungenau ist: so fehlen für Yeiee Ed! I die reime 299, 278, 5S2, 1726 (559,
1519, 1962 rechnet er anders); slepe : mete 1666 findet sich unter ee.ee.
Von reinen //-reimen für die Ed. I hat F. richtig angegeben: 86, 114, 1 19,
930, 2346, also fünf, die übrigen sind anders aufzufassen; von reinen
/?<r-reimen vor r findet sich als einziger 2908 eyer (== ctr) : ner, der sich
noch dazu ebenfalls als ee : ee auffassen lässt. Diese geringe zahl der
reinen //-reime beweist zur genüge, dass eeiee etc. wol absolut, aber
nicht relativ selten sein kann und dass an reimreinheit, selbst wenn
sich die übrigen Verhältnisse günstiger stellten, als sie tun, nicht zu
denken ist.
Fischer führt seinen gegenbeweis auf die denkbar umständlichste
582 HEUSER,
weise, nämlich durch eine Zusammenstellung des gesammten ungeheueren
materials der £*-reime in der Editha.
Anmerkung. Ich hatte die relative reimreinheit deriV- und ee~
reime, ausser vor r, in Ed. I dadurch möglich zu machen gesucht, dass ich
fiir ta vor d, das ausser zu kürzen stets : ee reimt, eine Sonderstellung
annahm; die übrigen unreinen reime finden sich auch bei Chaucer.
Kürzung von ee vor d.
Ich habe früher kürzung für sämintliche fälle von ia vor d ange-
nommen was auch das wahrscheinlichste ist; sicher beweisen lassen sich
indess nur d2dt hZd (he'afod), vgl. 2659, 4584. 4590. Fischer zieht nur
dtd in betracht, und hier zeigt sich zwischen den beiden teilen der Ed.
kein unterschied in der neigung zur kürze.
Von den sonstigen von ihm angeführten reimen ? : ce ist nur richtig
2360, der auch von mir angeführt ist, unsicher ist die quantität des e in
dede (= did) und in bed (ae. bead), das sich noch dazu mit bad (ae. boed)
vermischt hat.
Merkwürdig ist die angäbe F. 's, dass Ed. I von ungekürztem c vor
d 34 fälle in 41 reim paaren, Ed. II 23 in 58 zähle. Der Ursprung dieser
zahlen ist mir unklar; sollte F. vielleicht alle fälle fiir gekürzt halten, in
denen der Schreiber dd fiir d gesetzt hat? Die konsonanten Verdopplung
beweist in unseren denkmäleni für kürze des vorhergehenden vokale gar
nichts, vgl. tnadde, herre (= ae. hacr) etc.
Schliesslich möchte ich noch bemerken, dass ich weder aus den
relativ bedeutend zahlreicheren reimen von ee : ee vor r für Ed. 1, noch
aus der vorgeschritteneren kürzung vor d für Ed. II auf höheres alter
geschlossen habe, wie mir Fischer zumutet.
§6.
Fischer wirft meine behandlung der fortsetzung des ae. eo in der
Editha, wo sich nur spuren in der Schreibung zeigen, und in dem sdw.
dialekt, wo wir eine regelmässige, in reim und Schreibung ausgeprägte
entwicklung finden, zusammen und scheint sogar das hauptgewicht auf
die erstere zu legen. Ich habe die unzweifelhaften spuren für die Ed.
konstatiert, aber eine Untersuchung nur da geführt, wo sie möglich ist,
nämlich für den sdw. dialekt.
Für diesen scheint es mir allerdings nicht sehr zweifelhaft zu sein,
welchen laut wir für die selbständig gebliebene fortsetzung von ae. eo
annehmen müssen, wenn man sich - was F. allerdings nicht tut — das
verhäitniss von io zum afrz. <7-laut, mit dem es sämmtliche bexeichnungen
gemein hat, vergegenwärtigt. So wird ins Me. gedrungenes afrz. 6 durch
eo bezeichnet [vgl. jetzt auch die beispiele von Stunnfels, Anglia IX, 555,
die dieser indess nicht richtig deutet]; andererseits findet sich in anjrjo-
normannischen hss. eo zur bezeichnung des d'-lautes verwandt, x. b. wie
Koch, (Jhardry s. 169 zu Josaphaz v. 2 bemerkt, fast ausnahmslos in der
hs. O des betreffenden denkmals [dagegen findet sich eo nicht im Com*
putus und Anbau]. Für diese wenig beachtete Schreibung des Agn., die
auch Koch ohne weitere bemerkung lässt, kann ich nur eine benrteilnnjj
anführen, Koschwitz, Ueberlieferung und Sprache der chanson du ▼ojago
ZU FISCHER ANGLIA XI. 588
de Charlemagne s. 29: 'Die bezeichnung des lat. ö mit eo ist speziell agn.
und kann nur den laut ö repräsentiert haben'.
Anmerkung 1. e vor r: afrz. u habe ich nicht als e : ö, sondern
als ö : ü (oder der von ten Brink angenommenen nuance) getost
Anmerkung 2. thuse entspricht nicht dem mld. plural thise, son-
dern dem sdw. theos, denn wir finden für den plural nur 3 mal thise:
2687, 3635, 3809 neben gewöhnlichem thuse \ für den sing, dagegen nur
3 mal Ihns 1494, 1890, 2796 neben dem gewöhnlichen this innerhalb des
verses. Im reime wird es zuweilen angeglichen.
§7.
Die auffallenden reime von aiii in unseren denkmälera erklärt F. durch
diphthongierung von i, die indess noch nicht vollendet zu sein brauche,
und er wird in dieser annähme bestärkt durch die Schreibung ey für t.
Zu den betreffenden reimen tilge ich den bisher übersehenen Ed. 610
priory : day hinzu; Utk : feyth erklärt F. genügend durch Verwechslung
von lyen und leyen\ teinde (von ae. tynan) :l hatte ich früher falsch auf-
gefasst, es bleiben also nur reime von ausl. ai : t und 3 mal leyde : t. Was
diese reime anbelangt, so halte ich einmal die diphthongierung von I ftir
unwahrscheinlich oder doch sicher nicht so weit fortgeschritten, um ai-
reime zu ermöglichen, andrerseits, gäbe man selbst die diphthongierung
von 1 zu, ist sie nicht im stände, alle vorliegenden fälle zu erklären.
1. Aus der völlig unaufgeklärten Schreibung ^t/fUri, aber auch ftir?,
2, Y, lässt sich vorläufig überhaupt nichts schUessen, am wenigsten
für den reim.
2. * zeigt sonst nicht immer selbstreime, sondern auch solche, die nur
für einen Maut möglich sind:
Ed. 3787 this (Y) : rys (l), 3656 pryse : use, Woltrude ; 1 2707, 2967,
3239, 2835 (: gekürztem I in bytydde [prt.] 2916).
Vgl. auch: 255, 1182 servyse : ryse, 1057 : wyse} 4972 story :
by etc.; ferner 3387 rvhitte (= wiht) : smytte [muss nicht t vor gt
gleichzeitig mit l diphthongiert werden?).
3. Für zwei fälle: 610 priory, 4456 remedy(:ai), wo diphthongierung
nie stattgefunden hat, muss Fischer sie ebenfalls annehmen.
4. Reime von ausl. t : ai sind auch sonst nachzuweisen: Firumbras
cryc : seye\ Kol. many : say, nay\ S. of Troy cryy by : way; Guy
of Warwick envye : seye; vgl. ferner Holthaus, Anglia VIII, anz. 121
für Lonelich, Holy Grail way : velonye, : certahüye, : sekerlye etc.
Also es reimt ebensowol Y und tonlos werdendes t : ai, wie I. Solche
reime beweisen weder die diphthongierung von I, noch, wie Holt-
haus will, die monophthongierung von ai zu *, da er nur reime
ai : t, nicht ai : e aus Lonelich anführt.
Es bleibt kaum eine andere möglichkeit übrig, als in diesen
Reimen bindung von t (lang oder kurz) zu dem zweiten element
des diphthongcn ai zu sehen.
5. leyde reimt ausser zu syde auch zu Woltrude. Man setzt also hier,
ebenso wie in den reimen von sayde : Woltrude und : made (sprich
mäd) am besten die berechtigte tf-nebenform ein.
584 HEUSER, ZU FISCHER ANGLIA XI.
§8.
Reime bei ungleichen konsonanten.
In F. 's Zusammenstellung der betreffenden reime (s. 210) sind die
tälle nicht vollständig angeführt und die sich widerholenden reime der-
selben Wörter nur einmal gerechnet. Ich führe im folgenden sämmtliche
fälle, die in der Ed. vorkommen, an.
pit 522, 887, 1281, 1666, 2516, 2748, 3016, 3679, 3732, 4135, 4352.
p : k 3355, 4336, 4400, 4907.
kit 1181.
dd : bb 4816, 3983.
m : n 98, 3519 — 2077 rende : fr ende (für fremde).
n:v 1697; ri v 4052.
Ausserdem t : d, t i th, s : sh, s : st, p : pt, tt i pt, ch : rch\ nd : mb
bei F. ist der Eth. entnommen, k : d 3028 von mir emendicrt.
Ich führe noch die reime ungleicher konsonanten aus folgenden
anderen denkmälern an.
Guy of Warwick, ed. Zupitza, einl. s. XII: pik, t : k, thif, nding,
m i n, l i r (1 fall), / : n (1), m : v (1); ausserdem d : t, nd : nt, rd : rt.
Schottische Legenden, nach Buss, Anglia IX, 512. Man vgl. auch die
bemerkungen von Buss. pik, p : t, k i t, th i f, ng : nd, min, m : nd;
ausserdem d i l, s i sh, n : ng, n i nd.
King Hörn, nach Wissmann, Untersuchungen s. 54 : p : k, p : (, k : t,
th i f(v), mm, ng i Id, nd : ng, vir (1), / : r (2); vgl. auch dotier : lofle,
: ofte\ ausserdem je 1 mal ss ist, xi xt, rt i rst, U i pl. — felage i have etc.
stellen sich wol zu trewe : leve.
The stacyons of Jerusalem, Horstmann, Altengl. Legenden N. F. 8. 357:
tip 113, 131, 476, 823; tik 671, 687; ft i %t 127, 301; dd i bb 341; n:m
58, 71, 121 u. ö.; ng i mb 543. Ausserdem / : d 125, 497.
Die reime, die durch metathetisches r oder durch £ vor dem l des
einen reimwortes unrein werden, sind nicht berücksichtigt.
Als resultat lässt sich aufstellen.
1. Nur ungenaue oder halbreine reime und darum nicht selten sind:
s i sh, dil, lith, s i st, xi xt, p i pt, pt : // u. ähnl.
2. Nicht ungenaue, sondern eine besondere art von reimen, die gleich-
artigkeit der konsonanten erfordern, sind solche von tenuis : tenuis,
media : media, asp. : asp., nas. : nas., oder wol Überhaupt liquida :
liquida [vielleicht auch v i liqu.]. Halbreine reime sind sie desshsib
nicht, weil die betreffenden mit einander gebundenen konsonanten
zwar gleichartig, aber nicht ähnlich lautend und verwandt sind.
3. Reime von k i d, ithr : b, : f etc. sind falsche reime und fast gar
nicht zu belegen. Hier sind die konsonanten weder verwandt noch
gleichartig.
Hannover, Dez. 1888. W. Heuseil
LIEDERSAMMLUNGEN
DES XVI. JAHRHUNDERTS, BESONDERS AUS
DER ZEIT HEINRICH'S VIII.
II.
Von den schon unter Heinrich VIII. gedruckten lieder-
saniralungen ist leider nur ein geringer und auch seinem werte
nach nicht sehr bedeutender teil auf uns gekommen. Vielleicht
die berühmteste gedruckte Sammlung von liedern (ich nehme
auch hier die eigentlichen bailaden aus, vgl. oben 8. 225) ist
diejenige, von der überhaupt nur ein blatt im kleinsten oktav
erhalten ist: die Sammlung der weihnachtslieder, welche
Wynkyn de Worde 1521 veranstaltete.
Dies blättchen befand sich ehemals im besitze Hearne's
und ihm verdanken wir gewiss, dass es überhaupt aufbewahrt
worden ist. Es ging auf die Bodleian Library über und wurde
der inneren Zusammengehörigkeit halber nach blatt 94 der un-
schätzbaren Douce-fragnients eingeheftet: als blatt 94 b.
Das Douce-fragment 94: Christmas Carolles newely Im-
printed (mit rohem holzschnitt auf dem titelblättchen) ist leider
ein druck 'ohne jähr', und so kann das genaue datum nur
schwer festgestellt werden, es dürfte aber wol etwas jünger
sein als der druck von Wynkyn de Worde; dass freilich die
daselbst aufbewahrten lieder selbst gleichzeitig mit denen von
Wynkyn de Worde entstanden seien, ist sehr wahrscheinlich.
Die fünfte der mitgeteilten liedersammlungen (v. j. 1530)
ist im Britischen Museum aufbewahrt (früher C. 31. b. 22, jetzt
K. 1. c. 1, also unter der musikliteratur); sie enthält einige wirk-
lich gute stücke, neben recht wertlosen und recht schlechten
(nach inhalt und form). Von liedern aus diesem drucke ist
(so weit mir bekannt) seit Ritson nur eins bisher wider ab-
gedruckt worden in E. F. Rimbault's Little Book of Songs and
586 FLÜGEL,
Ballack 1851 (daselbst als no. XXI: By by lullabie etc.), sonst
ist der forscher ruhig an diesem bändchen (welches sogar in
den show cases des British Museum ausgestellt gewesen) vor-
über gegangen, und selbst Chapell hat sich begnügt (Populär
Music of the olden Time I, 55) dasselbe zu besehreiben: 4The
first collection of songs in parts that was printed in Engbind
was in 1530; bat of that only a base part now remains. It
contained compositions by Cornisli, Pygot, Ashwell, Taverner,
Gwynneth, Jones, Dr. Cowper and Dr. Fairfax'.1
Der 'Bassus1 ist ein kleines bändchen in querquart und
gibt unter den noten, die im folgenden abgedruckten texte,
ohne jede vers- und Stropheneinteilung. Ein umstand, der zu
berücksichtigen ist, da ich glaube, dass die im folgenden ge-
gebene verseinteilung im einzelnen noch zu verändern und zu
verbessern ist.
Die komponisten (und dichter?) vom 'Bastms' sind schon
aus den oben (aus Add. Ms. 31922 und Royal Ms. App. 58) ver-
öffentlichten liedern zum teil bekannt, sie begegnen auch sonst
noch häufig (z. b. Add. Ms. 5405 u. a.). Ueber ihre gesammt-
bedeutung für die englische literatur wird wol das beste lieht
verbreitet werden, wenn eine noch grössere zahl der von mir
kopierten liederhandschriften abgedruckt ist.
Dem exemplar des 'Bassus' im Britischen Museum (ein
anderes ist zur zeit nicht bekannt) sind handschriftlich zwei
lieder beigefügt: das eine ist eines der beliebten unsinnigen
lieder2, welches wol schwer in vernünftige verse zn bringen
wäre; das andere ist ein patriotisches lied auf Heinrich VIII.,
den 'Defender of owr feythe', es mag gnt gemeint gewesen sein,
— vielleicht eine Schmeichelei eines hofmusikns (Cornysbe?) —
aber es ist poetisch sehr wenig wert. Der anfang ist der
gleiche mit dem aus Royal Ms. App. 58 (vgl. oben s. 264) ver-
öffentlichten, auch sonst haben beide lieder noch viel mit ein-
ander gemein3, vor allem die Verworrenheit der form.
1 Seit Chappcll hat Herford in seineu vortrefflichen Stadies im the
literary relations etc. p. 2 auf dies ' Boke ' hingewiesen.
8 Von denen das Porkington Ms. proben gibt, ReliqoJae Antiqnme
I, 81. 64. 85.
3 Gänzlich verschieden - - bis auf den gleichlautenden anfing — bt
das lied aus K[ing] II|enry'sj Mirth in Ravenscroft's Deuteromen 1609,
no. 10, welches ich mit dieser ganzen sammlang später absudruckea
gedenke.
LIEDERSAMMLUNGEN. 587
3'.
Fragment der Christmasse Carolles von Wynkyn de Worde. 1521.
(Douce Fragments 94 b.)
A caroll of huntynge.
As I came by a grene forest sydc
I raet with a forster y»* badde me abyde
With hey go bet hey go bet ,' hey go . howe
H Underneth a tre I dyde me set
And with a grete hert anone I inet
I badde let slyppe ■' and sayd hey go bet
With hey go bet .' hey go bet howe.
11 I had not stände there but a whyle
For the mountenaunce of a myle
There came a grete herte without gyle
There he gothe there he gothe. &c.
We shall haue sporte and game ynowe.
H Talbot my hoüde with a mery taste
All about the grene wode he gau cast
1 toke my hörne and blewe him a blast
with tro ro ro / ro : tro / ro / ro / ro.
With hey go bet / hey go bet. &c.
There he gothe ; there he goth. &c.
We shall haue sport and game ynowe.
H Finis.
f A caroll bringyng in the bores heed.
H Caput apri differo*
Reddens laudens' doraino
The bores heed in hande bring 1
with garlans gay and rosemary
I pray yow all synge inerely
Qui estis in conuiuio.
H The bores heed I vnderstande
Is the [c]hefe3 seruyce in this lande
Loke where euer it be fände.
Semite cum cantico.
H Be gladde lordes bothe more and lasse
For this hath ordeyned ouer stcwarde
To chere you all this christmasse
The bores heed with mustarde.
Finis.
f1 Thus endeth the Christmasse carolles / newely enprinted at Londö / in
the fletestrete at the sygne of the sonne by wynkyn de worde. The
yere of our lorde .M.Ü.XXI.
1 1. und 2. siehe s. 226 und 256.
* So im druck. 3 Im druck: thefe.
588 FLÜGEL,
4.
Chrittmas Carolles. newHy Inprintcd. Ohne jähr.
(Douce Fragmente 1*4.}
% A caroll of the bvrth <»f Chrvst
• •
C Couie to Bethleera and ye shal se
Puer natu» est hodie.
A woman a mayd &c.
Synfull man &c.
00 the crosse &c.
^! Farewell aduent & haue good daye
Chrystmas is come, nowe go thy way
(Jet the hence what doest thou here
Thou hast no loue of no beggere
Thou unkest vs fast with euyll chere
With farewell aduent.
Thou takest on y« more thä doth y« lent
The[n]' d wellest so long that y°° art shent.
*j Whan alleluya is a lofte
1 go gay and syt softe
And than I am mery ofte
As any byrde on brere
^ Whan laus tibi conieth to towne
Than ine behoueth to kncle downe
And euer to be in orisowne
As it were a frere.
••" Koone at Kaster erimeth alleluya
With butter diese and a tansay
It is nothynge to my pay
That he taryeth away so long«
••" Myght I byde shere thureday
Laus tibi shall go away
And 1 haue wepte that I may
Though he neuer come vs amouge.
Finis.
In the honour of Christes byrth
Syng wc al with ioye and myrthe.
IN this tyine of Chiystmas
Bytwyxte an oxe and an aase
A uiayden delyuered was
Of Christ her dere son dere.
•1 The husband of Mary
[Saft] Joseph stnode her by
And saide he was ready
To scrue her if nede were.
Im drucke Thcu (ob Thou gemeint?)
LIEDERSAMMLUNGEN.
589
H Wh an she her deare sonne se
She set him on her kne
And song hydder to nie.
Cum basse thy moder deare.
$ On her lap she hiui layde
And with her pappe he playde
And euer sang the mayde
Cüine basse thy niother dere.
•" With lyppes collyng
II is niouth ofte she dyd kysse
And sayd sweete hert myne
I pray you make good chere.
W To this chylde let vs pray
That borne was on this day
Of Mary the mylde may
To graunt vs all good chere.
11 Finis.
M>.
5.
M 11 Bassus.
[\h] In this boke ar coteynyd .XX. sfiges .IX. of jjjj.
of thre p*rtes.
Uli. partes
p^tes and .XI.
jjj. partes
Pater noster
By by
She in ay be eallyd
The bella
My loue niournyth
Pleasure it is
Ut re my fa sol la.
Ut re my fa sol la.
Cornysh
Pygot
Ashwell
Tauernar
Gwvnneth
Cornysh
Fayrfax
Cowper
In youth Cowper
Beware my lytyll fynger
So great vnkyndnes Cowper
Who shall haue my fayr
lady Jones
Mynyon goo trym
Joly felow Joly
And wyl ye serue me soo
My harte my tnynde Tauernar
Loue wyll I Tauernar
My hartes lust Fayrfax
I Fa la soll Cornyshe
. Anno dni .M.CCCCC.XXX. Decimo die mensis Octobris.
[Äj; 2»] Pater noster qni es in celis santificetur nonie tuii adueniat regnö
tuum fiat volunt&s tua sicut in celo et in terra pane" nostrii quo-
tidianü da nobis hodie et dimitte nobis debita [2b] nostra sicut et
nos Dimittimns debitoribus nostris Et ne nos inducas In tempta-
cionem sed libera nos a malo. Amen. Cornyshe.
[3»] In youth in age both in welth and woo
auxiliu meum a domino.
[3b] Though po[etts feyn that fortüe by her chaüce
ad her frewyl doth oppres & aduftce
forttie dothe mysse her wyl ä lyberte
Then trust to vertu let fortüe go
590
FLÜGEL,
[4*] auxilium raeu a domi[no.
Of grace diufe wyth heufly assystes
yf vertu do reniaf e v*-rtu all way
wh£ she lyst may call fortiis chauoc agayn
what [fors 1 then thowgh fortunc be- my foo
Auxiliil meu a domino.
^ 1 II 1 8.
Cowper.
15»] By by lullaby
by by lullaby
rockid I my chyld
by by by by by by lullaby
rockyd i my child
f a dre late as I lay
me yought i hard
a maydyn say
& spak thes wordys mylde
my lytil sone
with the i play
[bh] & co she sog
by lullay
th"8 rockyd she her chyld
r mis.
by by lullabi
by by lullabi
rockid 1 may child by by.
The merueld I
ryght sore of thys
a mayd to haue
a child I wys (G»; $j]
By by lullaby
tli»« rockyd she her chyld
by by lullaby
by [by] lullaby
rockid I my chyld
by by by by by lullabi
rockyd I my chylde
Bewar my lytyl fynger
syr I yow desyre
bewar my lytyl fynger
bewar my lytyl fynger
bewar my lytyl fynger syr
[7 »] 1 yow || desyre
bewar my lytyl fiuger syr
1 yow desyre.
ye wryng my band so sore
I pray yow do no more
ala8 alas ther for
ye hurt my lytyl ffger
why so do ye say
ye be a wätö may
[7'»] I do but wyth yow play
beware my lytyl fynger
beware my littil finger syr
I yow vt supra.
Syr no mor of suche sport
for I haue littil cdfort
[b"| of your hether re || sort
to hurt my littil ffger
for soth goodly mastres
i am Mori for yowr disese
a lac what may yow plese
bewar my littil ffger |&c.|
For soth ye be to blÄe [&*>]
1 wis it wyl not fräe
yt ys to yow gret softe
to hurt my lytyl fynger
yt was agayn my wyl certayn.
yet wold I haue yt hole agayn
for I am sory for your payn
t>ewar my lytyl fyn || ger [&c] [9*]
Seyng for the cause ye be sory
1 wold be glad wyth you for to
mary
so that ye wold not ov« \6g taiy
to hele my lytyl fynger
I sayd || wyth a ioyful harte
agayiie [9 b]
of that 1 wolde be ful fayn
and for your sake to take sumpayn
to heel your littyl finger
bewar my littyl finger |&c]
Then we hothe agrede [10*; G j]
I pray yow by owr weddf g weile
& thä we hall baue lyttyl nede
LIEDERSAMMLUNGEN.
591
to hele my lyttyl ffger
that I wyl by gods grace
I shal deck your mynyö face
that yt shal shy ne feuery place
[10 b] & heie y0nr lytyl fiTger.
bewar my lytyl ffger
Alas my lytyl ffger
and 0 my lytyl fynger
a lady marcy
ye hurt my lytyl fynger
beware my lytyl fynger
syr I yow desyre vt snpra
Finia.
[11»] She may be calryd
a souerftt lady
That ys a mayd
and beryth a baby
A mayd perles
hath borne godys son
nature gaue place
[1 1 b] when gostly grace
sub'tude reson.
she may be callyd
As for bewty
or hy gentrye
she is the floure
by god electe
for this ef || fect [12*]
ma* to socour
she may be callyd
a souerant lady
That ys a mayd vt supra
Of vyrgyns quene
lodester of lyght
whom to honor
A son erat lady
that is a mayd vt supra
[12h] we onght || endeuer
vs day & ny[ght]
She may be callyd [&c.]
The bella the bella
[13*] we maydfs beryth || the bella [2 mal widerholt]
[I3b] How praty & p*°per now that we be
so cöly vnder kella vt supra the bella the bella
[14»; $i] we be maydyns fayr & gent
wyth yes gTey & browys bent
we be cü for thys ftent
[14b] our selfys now for to sell||la[I] the bel[la] vt snpra.1
[15b] So gTet vnkyndnes wythoute deseruyng
was neuer shewyd to man erthly
saue only to me In wo now endnryng
[16»] as man most infortunate wythout any | remedy
for her fauor haue I lost whom I lonyd only
wythout thought to haue ehangyd
as I dyd promise
Euer to haue seruyd her
In most hübyll wyse.
[16b] Bat now I am rewardyd
1 Assay you then non of ther spyce for it wyl make
your bely to swell . the bella vt supra
[15»] for then euery man wyl laugh yow to skorn
and say kytt hath got a clap vnder a thorne
alak wher shal we then dwella . the bel[la] vt snpra.
592 FLÜGEL,
wyth a small recompence
by a surinyse of thein
that be most vntr[e]w deuiyd
I am to haue done
A gret oflfence
[17*] to her that iny sorous en || cresyth new & new
wyth her vnkynd delyng for all that 1 do shew
for my decleracion though I be beleued
so well as other whych sor hath uie greuyd.
[17b] But on my fortunc wyl 1 neuer complayn
[S]ol that for euer I be refusyd of her
that now I am in gret dysdayn
through falce wordys whyche be all fenyd
[18*; (Sj] tu cause tue to lese || her that I best louyd
whych I trust verely wyth out deseruyng
wyll not refuse me for a falce surmysyng
Finis quod docter Cowper.
flSb] WHo shall haue my fayr lady
who but I who but I who
who shall haue my fayr lady
who hath more ryght therto [?]
This lady clere For loue swetnes
That 1 sheu here & joy ßdles
[19*] mä soul yt ys trust [ye I made my lady fire
to cryst most dere vnto my lyknes
it hath no pere I gaue her quicnes
ther for thys song syng we in paradyse tu be.
who shal vt supra. who shal haue vtsupra (19*]
0 my swet störe
my true loue therfore
thy place yt ys a buue
what man mav do more
than only dy therfore
lady for thy loue
who shall vt supra.
Finis.8
Mynyon go trym go tryin
& mynyou go trym go trym
thys ys a song
thes men among
of mynyon go trym.
[20»»] Thys mynyon
ys in London
' Im drucke: to. * Von K. Jons. Ein weltliches lied mit gleichem
anfaug Add. Ms. 4:>t>5, toi. *#*•«».
LIEDERSAMMLUNGEN. 593
freshe as any jay
ther ys wyth hyui
hys mastres tri"
fresh f her aray
wytli mynyon go trf
uiynyon go trf go vt supra.
[21 a) Thys mynyon ys to wyne || Goone
ther to 111 akc bale chere
then folowyth trym
as slie wold swyui
A mastres sanspere
wyth mynyon go trf
mynyon go trf vt snpra.
[2I'»| Thys mynyon wyll syng || A none
there to sprig & dauce
ye shall se trym
shake bone & lim
non lyke hece to frailce
with uiynyon go trym
mynyon go tri"
[22*; gj] wheu all is done this uiynyon
ys A rutterkyn
non lyke to hym
but only trym
hys owne suterkyn
wyth mynyon go trim
mynyou go trym go vt supra.
Fiuis.
[22 h] Joly felowe ioly
ioly felowe ioly
yf thou haue but ly tyll uiony
spend it not f foly
A prety we"che may be plesur
in dalyance she may endure
yf she be trym proper & pure [23 b]
Joly felow ioly
but sped yt on A prety w^che ioly felow ioly ioly vt supra.
& she slial help the at A Ly tyll mony dothgret com |j fort [24»]
pfche | spende [it] on the mynyon sort
28 «] hey ioly felow io || ly ioly \ delytyng in honest dysport1
hey ioly felow ioly. hey Joly j Joly felow Joly vt supra.
Finis.
[24 b] ANd wyll ye serue me so
For my kyndnes thus to serue me soo
In fayth ye be to blame
for my good wyll me to dyffame.
1 Im drucke: dysporst.
Anglia, XII. band. SS
594 FLÜGEL,
[25«] äd therof to make A game
and yet to serue me so.
And wyll ye serue me soo
For my kyndnes vt supra.
Be crist spare not hardely
[25 *»] 1 trust ons or || tbat I dye
to do as iuoche for yow pcrdy
& yf ye serue me soo
And wyl ye serue me so
For my kyndnes vt supra
why then a dew Adew I wyll be playn
[2t»»; ©j] be surc your || Company I schal refrayn
which at length shall be to your payu
I fors not though ye serue me so
And wyll ye serue me so
tbr my kfdnes vt supra
[2üh] MI hart my niynde ad my hole poure
my seruyce trew wyth all my uiyght
on lod or see f storme and shour
1 geue to yow be day & nyght
& eke my body for to fyght
[27*1 My goods also be at your plesur
Take me & myne as yowre owne tresure
when your wyll is be uygt or day
to ryde or go I wyll be prest
[27 »»| & not to refuse that l || do may
to perysh tue hart wyth in my brest
aduersät trobles at your request
shal nie not dere but to be pleasure
take me and myn as your owne tresure
[2$*] yf ye fare well gicat myrth I make
yf you mysfare the contrary
my grefe doth grow my myrth doth slake
and redy I am strayt for to dye
[2b b] as ye do fare euyn || so fare I
your wo my payn your Joy my plesur
take me and myne as yourc owne treasnre
yow for to please it ys my uiynd
[29*] and you to serue my wyll yt ys
what shuld 1 more thus wast my wynd
1 haue no thyng that you ean myse
nur ought can do wyth my seruyce
and |so I] shal be at your pleasure
[29 h] take me and myne || as youre own treasure.
Finis. (Tauerner.)
LIEDERSAMMLUNGEN.
595
LOue wyll I & leue so yt may befall
I hold yt great wysdom in that gouernatfce
[30 »; £j] a hard thfg it is proue it who || so shall
A mannys thought to know by hys coiitenance
Sum tyme I was in loays daüce
& cowde not be wäre tyll I dyd aspy1
how that 1 rode on mocke toll preuely.
quod Master Tauerner.
[30 b] ANd 1 mankynd haue not in
mynd
my loue that mornyth for me
who is my loue [for me
but god Aboue
[31«] that born was of mary[!]
ad on the rode
hys precious blöde
he shed to make me fre
whoin shold I proue
so true of loue
so getyll & curtes as he
that kfg of blys
my loue he ys
[31 h] that mornyth so sor [for me
The father hys son
frö heuyn sent down
& borne was of A mayd
The prophesye of Isay
fulfyllyd he
and sayd behold mankynd
thy niaker most louyng for
thy loue
[32 »] Couie to dye what ys thy [mynd
to be so vnkynd
syth I so mourne for the for the
that virgyns chyld
most uieke and myld
alonly for my sake
hys fathers wyll
for to rulfyl
he came great payns to take
and soffred deth
as scrypt[ur sayth [32 b]
that we shuld sauyd be
on good fryday
wherfor I say
he mournyd sore for me for me
Such payne and smart as in hys
he suffred for mankynd [hart
can no man take
nor mournfg make
so mekly for hys frend [33 »]
the cruel Jeus
wold not refuse
to nayel hym to a tre
and wyth a dart
to perce hys hart
thus monrnyd he for me.
Now cryst Jhü
of lone most trew
haue mercy apon [me [SS»>]
I axe the grace
for my trespas
that I haue done to the
for thy swet name
saue me from shame
and all adversytye
for marys sake to the me take
and mourn no more for me.
(Johö gwynneth, eb.)
[34»;3j] PLeasnre yt ys
to here I wys
the byrd[e]s* synge
the dere in the dale
the shepe in the vale
1 Druck: asspy. * byrds im druck.
88*
596 FLÜGEL,
the corne spryngyng
Gods purayaunce
for sustenaunce
yt ys for man
tben we alwayse
[34 ••] to hyin || giuc prase
& thfik hyin than
& tliäk liym than.
Finis. Cornysbe.
[3ü*]! MI hartys lust & all my plesure
ys geuyn wlier I may not take it ageyne »
do ye repent (?) naye I mako you suer
what ys the cause then ye do eopl[ay]n[?] ;*
[3f> b] yt plesyth iny || hart to shew part of my payn /
to whom[V| to you[!| pease that wyll not l>e[!]
all these wordys to nie they be in vayn[,]
complayn you wbere ye may haue remedyj!]
[37 u] I- do coplayn and ffd no relese[!]
yee do ye so[V] I pray you tel mc how[!]
My lady lyst not my paynys to redres[!]
say ye soth[V] yee I make god a vowe[!]
[37 b] wbo ys your la||dy[V] I put ease you[!]
who I[,l nay be ye suer yt ys not soo[!]
In fayth ye be[I] wby do ye swer now[V]
for in good fayth I loue you and no moo[!)
|3S*;Äj) No mo but me[V] no so sayd I|!]
may I you trust[?] yee I make yow sure|!]
I fere nay[I] yes 1 shall teil yow wby[I]
teil on let here[!] ye haue my hart in cure[!)
[3Sb]:l your hart nay[V] yes wyth out mesure
1 Der schluss von 34 b, 35 * und 35 '» sind mit einer komposition su
folgendein texte ausgefüllt: Concordana niusycallJugyd by the ere of syg-
tys gydyng to thexpert thyng touchyng dotli execute the souns that were
of Tubais hammers by pictagoras contryuyng As to thys matter nothyng
to smellyng The thQ" we shall gyue laude to hym that gyueth vs all.
* Druck: ya.
:i Nun folgen noch dreizehn Seiten singiibungen ohne text mit der
Unterschrift: Qu od Doctor Couper. Dann folgt handschriftlich einreftlgt:
Hehold & see &c. und das oben im text gegebene patriotische Hed.
Den text des folgenden Iicdes (von Thomas Stretton) wage ich nicht
in versc abzuteilen.
Behold & see how byrds dothe fly coke crow mydey pype mery
And wyll you go to L[o]ndon to bv a calffes hede thvrty herryngi for
a peny" fy yt is dogge cheppe call the boy colyn chynke yesterday
was owr dame kow broght to grase w»th heyffe Sc how Rdbelow cry
owt a pace hardlv Ho were wyll be grene that is but reson & they cü
yn season w*i» sl:ikc cost nie nawglit tomlyn whether go y°w now to
catche bvrd>a w( byrdlyme & rods[.]all sparos sehall keep theyr oatta
füll shoft Cu to mc ctl podyngs wyll be dere tbryps and chytterlysga
LIEDERSAMMLUNGEN.
597
I do you loue[!] I pray you say not so[!]
in feyth I do [!] may I of you be suro [?]
yee in good fayth[!] Then am I yours all soo[!]
Anhang.
By a banke as I ley
uiiisyg In my mynd
on thyngs that were past
In the mery monthe of niey
[som]1 what before the dey
nicthoght I hard at the last
how a byrd begä ftül fast
w* notis hy w* notis hya
armonyously to syng
blessyd is that lond
of ye lords own hond
yt hathe a nobull kyng
yt h/a/n/b/k/ yt h/a/n/b/kg»
The nyghtyngall
ye lady & mestres of all
Musyk syttyng
In the valle syngyng
wl notis siualle
she inarblythe the wonders thik
uiy spryttes the waxyd quyk
for ioy to here for Ioy to here*
how she begä to syng
blessyd she seyd
ynglond awake
Re[j]ois3 bothe nyght & dey
& such myrthis make
now for thy princes sake
& put all care awey
Wherfor comfort and assey
this joyfull song this joyfull song*
wlth me to syng
blessyd &c.
This excellent pr*nce of myght
y« defender of owr feythe
who cä sey nay
gods own chosen knyght
wlth the for to fyght
that ageynst bis word do sey
now lord as thow best may
send hy long lyff send hf long ly ff 2
th£ may we surly syng
blessyd [&c]
None may w*ih htf cöpare
thorow owt all crystendu*
we may ryght well sey so
god keepe hf styll frö care
& send hf well to fare
Whersoeu" he ryde or go
his heuynes ouer wo
his pleser ouer joy his plesur
ou« joy
wherfor sure now let vs syng: ||
ouer blow my hörne behynde cö blow A torne Agayne robyn & bende
on thy bow wl torne Ageyne Kobyne & bend on thv bow.
qnod samont notterts.
1 Druck: and what. * Widerholt 8 Druck: Reyoes.
Leipzig.
Ewai-d Flügel.
ON CODEX JUNIUS XI.
(pp. 143 to 212.)
It is well known that the tcxt of the so-called Casdmon
pocms rests on the authority of a single manuscript — Codex
Junius XI.
Having reeently examined tbe part of this MS. which con-
tains tbe Exodus and Daniel pocms, viz. pp.il43 to 212, I pro-
pose now (1) to make a few remarks on sections B, C, and D
of Prof. Stoddard's article on the Codex (Anglia X), as far as
they concern the pagcs above mentioned; (2) to make a few
additions to the eollation of Exodus and Daniel by Prof. Sievers
in Haupt XV, 459; (3) to give a list of instances in which
Grcin's edition of these poems varies from the MS. without
attention being called to the fact in the foot-notes; (4) to give
a list of similar variations in the tatest independent edition
of the Exodus, viz. that by Prof. F. Kluge (Angelsächs. Lese-
buch pp. 85—00); and (5) to offer a few comments on the
textual suggestions by 0. Hofer in the anhang to bis article:
*Ueber die entstehung des Daniel' {Anglia XII).
1. Stoddard B.
Five places are mentioned in which folios have been re-
moved between p. 143 and p. 213, viz. 164, 174, 180, 182 and
212. I will take np these cases in order.
I. The first is nnimportant, sincc pp. 104 and 105 are
both entirely blank.
II. No break in the sensc is noticeable at p. 174. the last
word of which - - beorna - - is a genitive dcpending on
unrim, the first word on p. 175. The supposed missing
folio m u st therefore have been blank on both sides, since
thcre are no picturcs in the Codex after p. 90. There aro
LAWRENCE, ON CODEX JÜNIUS XL 599
no knife marks either on p. 174 or on p. 175. There is,
it is true , a narrow slip of parehment between the pages,
which forma part of, and holds in, folio 175 — 6, the string
of Gathering XIV passing here. This folio was probably
in its present condition when the Codex was bound.
III. The case of pp. 180 and 181 is more important, because
here there is a manifest break in the poem. That a
folio has been ' roughly torn out' is, however, not possible.
The 'fragment' between pp. 180 and 181, which is about
3 inches long, by »/s- of an inch broad, has a sharp
cdge such as a knife, bnt not sneh as tearing, would
leave. It serves to hold in folio 169 — 170, and is broad
enough to cover almost completely a Perforation which
extends from p. 172 to p. 182, bnt of which there is no
trace in the fragment itself. The resnlt of my examina-
tion, in which I had the valnable assistance of Prof. Napier
and Mr. Madan, is that the discontinnity in the poem at
this point must be put down to the scribe.
IV. The evidence for the removal of a folio at pp. 182 and
183 is strong, as here the npper part of a fragment inter-
vening between the pages coincides exactly with a knife
mark on page 182. Yet the sense is not broken.
V. The interesting Suggestion that at p. 212 a folio has been
cut out, containing the conclnsion of the Daniel, most, I
fear, bc rejected. The only external evidence for this is
the existence, in the upper part of p. 212, of a cut 3 in.
long, of which half goes right through the parehment
This, in the absence of any fragment between pp. 212
and 213, seems hardly enough to argue* the excision of
an entire folio.
C.
The marginal letters Xb are not peculiar to Codex Jun. XI
(cp. Academy, March 16 and 23, 1889). Mr. St. seems not to
have noticed the marginal words healf trymt (p. 98) and healf
um (p. 100). Prof. Napier suggests that the seeond word is an
abbreviation of tramet, pagina (cp. Schröder, Benedietinerregel
p. 133, 1. 2), pL irametas (Germania XXIII, p. 398); against which
the only objeetion is the y in the word as given on p. 98.
It is significant that these marginal words oeeur immediately
betöre the first blank half-pages in the MS., the last picture
600 LAWRENCE,
(which is unfinished) being, as already mentioned, on p. 00.
Such blank Spaces are frcquent throughout the first portion
of Codex Jim. XI, that is up to p. 212, and were no doubt
intended for illustrations. The marginal words in question,
bowever, occur nowbere eise tban on pp. 98 and 100.
Stoddard D.
The MS. omits the numbering of two chapters (not of one
only, as S. states) between XL1X and LV, viz. of LII and LIV,
commencing on pages 184 and 199 respectively. Thorpc also
omits the number LIV, nor does he give any sign to show
where the chapter begins, although the initial I> on p. 199 is
iinusually large, going throngh five lines.
The three numbers omitted between XXXVII and XLVII
are XLIII, XLIV, and XLV, absent from pp. 146, 148 and 149,
respectively. The initials havc also been omitted, bat Spaces
are left for them.
Chap. XLIV brcaks off abrnptly with the words 'wr ge\
There is no possibility here of a folio having been cut ont, as
pp. 148 and 149 belong to the same leaf, the string of Gather-
ing XII passing between them. The gathering possesses only
3 leaves. It is probable, therefore, that, as Stoddard suggcsts,
a whole leaf has been lost at this place.
2. Additions to Sievers's Collation.
Exodus 30S : MS. leo}>
„ 327: MS. hand. This a altered froiu an e. Junius reads hcläd,
but corrects to hand in the * Errata'.
„ 331: MS. mod-gade. The connecting stroke slightly curved.1
n 458: MS. mod-gode
„ 525: MS. Run
Daniel 102: MS. gengum. More like geaguui.
n 210: MS. onmalde. The a adapted from e.
„ 400: MS. breostum. The r altered froin a.
„ 430; MS. sien,on. (The mark , usually signifies an Omission.)
„ 499: MS. wyrtum. The r an afterthought for rv.
„ 530: MS. 8itytro. More like saytro.
n 629: MS. herewoxan. For sa, the scribe wrote first of all r, tho
1 A hyphen at the end of a line where a word has been left un-
finished is pretty frecpient, but by no means regulär. The hyphens, like
the accents, may have been added by a later hand; but were that the
case the former would probably occur more regularly, and the latter would
probably have a more uniform slant than we find. *
ON CODEX JUNIÜS XI,
601
second stroke of which is used for thc completion of the s
and commencement of the a. I read the word at first here-
worin.
The foregoing additions have to do merely with peculiar-
ities in writing which have not affected the printed texts. The
following are more important: —
1. Additions to Sievers:
Thorpe MS.
Exodus v. 1 75 : cining cyning
Daniel v. 138: gecwaedon gcwsedon
(so also Junius)
„ v. 682: litel lytel
2. Errors in Sievers:
Siev. (Haupt X) MS.
Exodus v. 161: hreopan hwreopan
v. 177: hei het
v. 532 : wirecum wreccuin (cf. p. 608).
n
n
3. Grein's Variations.
Tliosc printed in italies are shared by Thorpe. Thc nnmer-
ons instances in which Grein has p for Ö are not included in
thc subjoined list.
Grein
MS.
Exodus
V. 1 . .
habbaö . .
. . habaÖ
n
4 . .
uproder . . .
. uprodor
n
6 . .
lifgendra . .
. . lifigendra
n
17 . .
magoraswan
. magorseswum
n
67 . .
uiearclondum .
. . mearclandum
n
107 . .
her g es . . .
. heriges
n
115 . .
n
118 . .
wedrum . .
. . wederum
n
122 . .
)?ain here^reate
. in t>am here^reate
n
146 . .
pa heo his .
. . 9a heo heo his
n
156 . .
Faraones . . .
. faraonis
n
165 . .
sefenleod . . ,
. . aefenleoÖ
n
175 . .
. . cyning
!?
176 . .
wselhlencan . .
, . hw&lhlencan
n
177 . .
heht . . . .
. het
!?
179 . .
eagum . . .
. eagan
n
200 . .
on wicum
. . in wicum
• *
227 . .
«fieles . .
. . seÖel&n
»
249 . .
beorhtest . .
. beorhtost
55
266 . .
ondrsedan . .
. andrsedan
!5
321 (uote)
gyldene . .
. . gyldenne
n
333 . .
saewicinge . .
. saewicinga«
"5
352 . .
Moyses . . .
. moises
602
LAWRENCE,
Grein
MS.
Exodus
v. 371 . .
gehrvces . .
. . gehaes
n
386 . .
beorg . . .
. . beorh
n
411 . .
eaforan . . .
. . eaferan
r»
424 . .
ealdre . . .
. . aldre
n
443 . .
Egypte . .
. . egipte
n
470 . .
asaeled . . .
. aesseled
n
477 . .
blodegsan .
. . blodegesan
n
500 . .
]>& he . . . ,
. . Öa|>e
n
504 . .
heorofaeöinuiu
. . huru faeoimiui
n
524 . .
ginfsest . . .
. gin faesten
n
n • •
caßgum . . .
. esegon
n
520 . .
tueotodes . .
metodes
n
532 (notc)
wineccura
. . wreecum
n
537 . .
gehwylces .
. . gohylees
n
544 . .
gsestas . .
. . gastas
n
577 . .
golon . . . .
. galan
•
586 . .
heom . . .
. . heo
»i
5S9 . .
niapst . . .
. . in*
Daniel
V. 22 . .
lifgan . . .
. . hweorfan
n
23 . .
Israela . .
. . israhela
n
34 . .
]>&\n he . . .
. f>am |?e
n
62 . .
swilcc all . .
. swilc call
n
85 . .
n all es . . . .
. nales
n
91 . .
Ananias . . .
. . annanias
r»
138 . .
tjecwccdon . .
. . gewsedon
n
176
for J^ain he . .
, . for f>ara |*e
n
183 . .
efncdon . .
. . efndon
n
18* . .
l>ri . . . .
. . |>ry
r»
192 dioto
herige . . .
. . herige
ji
207 . .
J?wt |?is . . .
. t>a pis
n
20h . .
|>isiie . . .
. . |?ysne
n
227 inote)
wa he tvecs . .
\>& he wies
n
232 . .
ginge . . .
. . geonge
n
254 . .
ofen . . . .
. ofn
n
266 . .
f>e f>a . . .
. . we |»a
n
268 . .
gefegon . .
. . gefaegon
»
269 . .
ajning . . .
. eynig
»
292 . .
seippend . . .
. . scyppend
fj
310 . .
forlspt . . .
. . forlct
n
317
heora . . .
. . hyra
n
324 . .
|>;rt |?U8 bis
. )>jet his
n
356 . .
Ana Dias . .
. . annanias
r»
365 . .
heofenas . .
. . heofonas
n
366 . .
on rudcruio . .
, . ot' rodenim
n
381 . .
biestige . .
. . bletsige
n
407 <«"'«)
gewurbati
. . gewuröad
n
429 . .
|>set . . .
. . hit
ON CODEX JUNIUS XI.
603
Daniel v. 435
443
n
n
n
n
n
n
n
n
n
n
n
n
n
n
n
n
n
n
■
n
n
n
n
480
489
501
505
516
583
589
592
606
609 (note)
612
621
623
624
6S2
701
704
r>
712
720
727
748
Grein
|* . . .
}>egen . .
uionige .
tacn . .
hlifode .
scilde . .
wyrtruman
yuib seofon
aweorpe .
firene . .
on sefan .
coro . .
wyllc . .
soniod
locacle
wildeora .
litel . .
sidestan .
hebt . .
/>«...
Salomonen
lygeword
Sennara .
biere . .
MS.
|?egn
monig
tacen
hlfode
scylde
wyrtruuiain
ymbc scofau
awor])e
fyrene
in sefan
eart
wille
sauiod
locode
wild-deora
lytcl
siSestan
het (cf. also Hofer, Anglia
}>aui XII, p. 202)
salomanes
ligeword
sennera
bere
The only instanec in whidi therc is any diflieulty in decid-
ing what is thc MS. reading i« that of trreccum (Cod. Jun. XI,
p. 169; Exodus v. 532).
All the editors agree that this is the word rcquired by
the sense, bat all, with thc exccption of Jnnins, have failed to
see that it is really the reading of the MS. They give it in
their notes as follows:
Thorpe, Grein, Kluge: wineccum MS.
Bouterwek :
Sievers :
wrineccum MS.
wirecum MS. (c for cc doubtless by
a printer's error).
The diffieulty is caused by a V-shaped cnt which com-
pletely divides page 169. The word wreccum (minus the w)
occnrs just in the angle of the V, the left arm of which has
sliced off, on the uppcr side of the cut, the curved portion of
thc wen where it was tbickest, and on the lower side, the part
of the left stroke of the r which extended bclow the line. It
happens that in the stitching together of the two parts of the
page (which has been clumsily done with a coloured thread
604
LOGEMAN,
of twisted silk) the part severed from the w has been brought
jnst opposite the end eut from the r, so that the two together
present at first sigbt the appearance of an /. The Iower part
of this apparent letter, however, is exactly what is wanted to
complete the letter r which comes next to it on the right,
wbilst the upper part would just supply what is laeking in
the w on the left. On the other hand, the lower part finishes
straight, likc the first stroke of an r, and not with the slight
eurvc to the right usnal in the i. The reading wreccum is
thcrefore, 1 think, unquestionable.1
4. Kluge's Variations.
Instanees in which /> is given for Ö" are hcrc inclnded, as
Prof. Klage's edition, for the most part, conforms to the MS. in
the use of these letters.
n
n
n
n
Exodus v. 4
47
104
115
118
141
143
17«
178
205
223
232
237
259
2(>(>
274
27li
277
283
30S
321
343
354
Ina
477
503
rt
n
n
n
n
n
Kluge
uproder .
deofolgild
liftweg
bearn . .
wedrum .
J>cah|?e .
micles . .
wa'lhlencan
fyrdgetrum
|* . . .
Fyrst . .
tyn hund .
tane . .
I'ealiöe
ondnedan
)>as . . .
t>8 . . .
lifgendra .
wjelfsesten
looö . .
gyldenc .
gußcyst .
landfruina
|>wr . .
blodegsan
and saca .
MS.
uprodor
deofolgyld
lif weg
baru
wederum
Öeah|?e
uüceles
hwaelhlcncan
syrdgetrutu
9a
fyrd
X. hund
ilane
)?eah|>c
andnedan
das
Öa
lifigendra
wealfaesten
\eo\>
gyldenne
guÖcysto
leodfruma
Ö:er
blodegesan
7 saca (= andsaca)
Prof. Napier, to whuui I liavc »howu the word, confirms my view.
ON CODEX JUNIUS XI.
605
Kluge
Exodus v. 532 inote) winecctim
„ f>37 . . geliwylces
5h(> . . heom . .
»
MS.
wreceum
gchylcea
heo.
5. Anhang to article by Hofer in Anglia XII.
Dan.
n
n
n
n
n
Hofer
v. (>1 gestreona wol im MS.
i*8 bcorn beo(?) bead radiert.
zu beorn bebead.
110 warf (G.)
249 lu(V)fuui verbessert zu
leufuui.
310 äne
332 )>aer
413 sendon
701 t6 soinble verbessert zu
to symblc.
704 liet
Ilkley, NEAR Leeds.
Comtnenf.
gestreona quite clearly in MS.: ge-
streonti only in Ettm..
bebead frora böbead or babead: no
letter-space between e and b.
MS. and G. both swaef.
The/, merely, on the erasure. There
had been a small brown spot at the
place, which the scribe has tried,
unsuccessfully, to erase. The ink
of the / has run, but not so as to
make the letter illegible. How-
ever, to make assurance sure, a
small / has been written in the
margin.
MS. äna; which needs no alteration.
The form äna oecurs for sing.
masc. fem. and neutr. (cf. Sehr ad er,
Studien zur <A£lfric'schen Syntax
§52,3,a; F. Kluge, Engl. Studien
IX, 36), as well as for the Plural
(Schrader § 52, 3, b).
?
MS. syndon. Why alter?
MS. tosymble froin to som-. Prob-
ably the scribe was thinkrng of
tösomne.
MS. het, as Hofer conjeetures.
John Lawrence.
ZU ANGLIA XÜ, 530, 2.
Mein verehrter freund Dr. Logeman wird es mir hoffent-
lieh nieht Übel nehmen, wenn ich seinen an der genannten
stelle niedergelegten Vermutungen x über stoicorum : stcerleornera
in Haupt's Zeitschrift IX, 503 b widerspreche. Wie aus dem
zusammenhange des textes hervorgeht, kann stoicorum durchaus
nichts mit oroix^ov zu tun haben. Es heisst nämlich in dem
betreffenden kap. 44 nach der ausgäbe von Giles (S. Aldhelmi
Opera, Oxonii 1844) s. 58: '. . . omnes philosophorum syllogis-
mos et Epicuri sectas atque Aristotelis argumenta, simulque
quinqucnnem Stoicorum taciturnitatem perfecte juxta sophis-
matum disciplinas didicisset . . .' Der glossator hat vielmehr
stoicorum für storicorum = historicorum (vgl. spät- und vulgär-
lateinisch storia = historia) genommen oder gelesen, und dem-
gemäss übersetzt. Wir dürfen daher stierleornera nicht mit L.
in stv/lcornera ändern. Eine wirkliche Verwechselung der
beiden worte findet sich aber in Wright-Wttlker's Anglo-Saxon
and Old Engtish Vocabularies I, 416, 23, wo Historiographus
flllschlich durch sterf- statt stwr-trritere glossiert ist
OoiTINGEN. F. IIOLTHAUSEN.
1 Die ieh tliireh den korrekturbogen kennen lernte.
ZU PARTANOPK OF RL01&
(tower erwähnt in Heiner 4:1 ballade anter andern sagen«
Kioflfen auch Iitrianoß*.1 Obgleich die ballade in franittsiscber
spräche ahgefasst ist, so dtlrfen wir hier doch wol an ein
gedieht in Knglisch denken« worauf der dichter anspielt Es
int uns nun auch ein englisches icedicht erhalten, das diesen
stoff behandelt, und es wurde dies nach einer nicht vollstän-
digen handschrift von W. E. Kuckley für den Koxburghc Clnb
herausgcgc^ien.' Da Kuckley diese bandschrift des IT». Jahr-
hunderts nl* wüque bezeichnet. sc> dürfte es nicht uninter-
essant nein, wenn für einen etwaigen herausgeber des gedieh*
Ich noch folgende hnichsttlckc abgedruckt werden. Ich lieaa
nie früher einmal in der absieht, dieses gedieht neuberaussa-
^elien. abschreiben. Die alischrift ist von heim tJeorg Parker
auf der Itodleiaua angefertigt (IH82i und öfter mit der urhand-
schrill verglichen wonlcn. Da mir hier kein abxug des ab-
drucks des Koxhurghc-Clulis zur haud ist sii unterlasse ich eine
vergleich uug desselben.
Die abgedruckten handsehriften sind nach Parkers angäbe
ans dein I."». Jahrhundert
Km wllrdc mich sehr freuen, wenn jemand unter den
jüngeren fuchgenossen durch diese Veröffentlichung veranlasst
würde, den l*nrhmopr <>f iilois einmal ucuhcrauszngehen.
1 Vfl KaJbuU an<1 otlnr IW»«. by Jofen <«o»<*f l»riatc«l fro» iW
Orijeiiuü äaaiiM-ri}it in ihr Ubrmry «>f tfer Minjui» «>f SuflurU ml Irrall
Printen! für tbr Ko&buricbr Hub, 1>l>
• «inlruokt IVÜ. 4*
608 WÜLKER,
A Fragment of a 15th Century MS. (belonging to Lord Robartes) with
corresponding Portions from the University College MS., Oxford.
UNI VERS IT V COLLEGE MS. 188.*
(p. 04) [Hur bell which was hevy to bere*2 3430*
This lady bad both shame and fere
For she was in right gretc doute 3432*
Hur women stode rounde aboute
Hur bede and pressede wonder nyghe
To have a sigbt of hur lady 3435*
On hur they loke wonder faste
And nere they eome at the laste
Hur lady better to devyse
Then they thought in all wyse
And sbe bad ben glad and not hevy 3440*
The bade beute not passyngly
Hur beute made hur maly[n]eoly sese
(p. 95) So that there was none of that prese
That they ne were in hert sory
That they bad so reprovydc their lady 3445*
And all stode still in on acorde
That none of hem durste say a worde
1! With in a white come in auonc 3446*
A symly lady and a fayre one
In hir persone was fonde no lake 3450*
Hir bere henge tressede at hur bake
Well bangynge downe at her feete
She of her beute to other was mete
And so haunswerynge in iche degre
That she was pressede passynge of beute 3455*
Her array to reherse to reherse'* bere
Hit uedv1h not for in beste manere
She was arravde in the beste that ireshe mav
Who so luste to bere of hir arraye
Let hym go to the frenehe boke 3460*
And who-so will it overloke
To teil it in prose or in ryme
For nie it were a longe tyme
1 See the text printed by tlie lioxburKhe Club, p. 272. * Froui
1. 3430* to 1. 34V2* :ire fr« »in tW MS. K:iwl. l'oetrv 14. 3 Sic!
ZU PARTANOPE OF BLOIS. 609
LORD ROBARTES* MS,
* * *
•K V *l*
[For sb]e was in ryght gret doute 3432*
[Hur w]o/wmen stode all rownde a-boute
[Hur be]d and presed wondyr nye
[To hav]e a syght off hur lady 2435*
[On hur] they lokyn wondyr fast
[And ne]rre they come att )>e last
[Hur la]dy better to A-Vyse
[Th]an thay thowght in all wyse
[And sh]e had ben glad and not heuy 3440*
[She ha]d beuate1 and not passyngly
[Hur bejuate1 made hur malyncoly sees
[So that th]er were non of )>at prees
[That th]ay ne were on hert sory
[That thay] hfad so] reprouyfde] her lady 3445*
[And all stode s]tyll [In on] a-corde
[That none of h]em deir to say more a word
[With-in a] whyle come in a-non 3448*
[A] s[ymly] lady and a fayre on
[In her persone] was found no lacke 3450*
[Hir here] hyng tressyd at hur bakke
[Welln]y honged downe to her fete
[She o]ff he[r] beuate1 to other was [mete]
[And so haun]8eryng in eche degre 3454*
[That she was] presed passyngly off beuate1*2
* * *
* * *
•ff 3f» *f»
* * *
$t Hf *f»
t>en here who-so wyll loke3 3461*
[To teil] hyt in pr^cesse or yn ryme
[For mej hyt wer a long tyme
1 Sic! a Bottom line.
3 Top line of col.
Anglia, XI I. baiid. 39
610 WÜLKER,
[Partanope] UNI VERS 1TY COLLEGE MS.
And it is a mater tbereto nedles
For iche man wol well without les 3405*
A lady that is of hyghe degre
Arrayde in the beste manere most neds be
What nedyth to speke of hir forhede
Of hir nose mouth or lyppes rede
Of hir sbape or of hir armes small 3470*
Of this and more right a gretc tall
Myne autor seyth which shall not fyne
Hern to rehersc I will resyne
For she was holde on of the fayreste
That was on lyve and also the godlyeste 3475*
With ijl delle that myght be
And Urake forsothe hight she
Syster she was to feyre Melyore
For she come furthe with hert sore
Streight to the bede there as she lay 34S0*
This other lady when she here sey
Had withdrawe and don her reverence]
(f. 59 b) Why sayde he I dyd her tresoun2 4500
Where-fore 1 haue des^ruyd wele
Euer to lyve in care and doule
Tyll that her lust ys to for-yeve me
ffor as she woll so mote hyt be
Hcdyr I bronght An ambeler gray 45tf5
Fall late he was her* fast by
Füll leene and megre now ys he
I trow he ys fledde to the see
Yf ony body hym hydyr wold fett
Vpon hym I myght wele sett 4570
Than myght I streyght ryde forth with yow
Bat wyth all myn hert I pray yow now
To euery wyght hyt vnknow be
That my name ys now Partanope
And late me pryvely som-wher* sorgeron 4575
Wher* no man shall se me morne
1 Sic in MS., but? * p. 154 of printed text.
Zu PARTANOPE OF BLOIS. 611
LORD RO BARTES* MS. [Partanope.]
And i]t ys A mater pertn füll nedeles
For echje man wote well w/tÄ[-out] lees
A lady] \>at ys off hey degre
Arrayde] in |>e best mane[r m]ost be
What] nedyth hyt to speke off her* forhede
Of hir] nose moutli and lyppys rede
Of hir] shap or off hur armys smalle ;uto*
Of this | And more A ryght gret tale
Myne a]uctor hatli whych shal not serue
nVJow to reherse y wyll reserue
For she] was holdyn one off J>e fayrest 3474*
That w]as on lyue and one off the godlyest
With ij d]ele that myght be
And Vrjake for-sothe hyte she
Syster] she was to fayre Melyoure
For she co]me fo(?)rthe with hert sore
Streigjht to the bedd ther as she lay 3480*
Tliis otjhyr lady whan she hur say
Had with]-drawen and done here reuerencse1
Where-fore] y haue desirued well 4561
Euer to l]yue in care and doole
Tyli that her] lust be to forgeue me
For as sjhe wolle so mote it be
Hedyr I brjought An Amier gray 4565
Füll late] he was here fast by
Füll leenje and megre now is he
I trow h]e be fledde to the see
Yf ony bo]dy hym heder wyll ffette
V])on hy]m y myght well sytte 4570
Than myg]ht y than straugh ryde with you
But wjih a]ll myn hert y pray you
To euery w]yght it vnknowe be
That my] name is partanope
And late] me pryvely sumwhere soiouren 4575
Where no) man shall se me morne
1 The bottom line, with an inch of margin below.
89»
612 WÜLKER,
[Partanope.] CNIVERS1TV COLLEGE MS.
Ne that my lady me neuer see
To haue the nieii despyte of me
11 Sertes sayd this goode Vrak
All thys I dar* well vndyrtake 458o
As they wer* spekyng of thys Aray
They sey wher* come hys Palfray
Anon to her thys horse was fett
And Partanope on hym was sett
Streyght to the böte bothe they ryde 4585
Calme was the see fayr* was the tyde
The buoth1 wyth good wyll they row echone
Thus at the Shypp* they wer* a-none
In goth Vrak and Partanope
And in cometh After all the meyne J590
Vrak marak to her dyd ealle
Whych lond ys next vs of all
Seytli She mow teil vs blyve
Ther* I wold wyth myth a-ryve
Madame sayth marak truly 4595
Her* ys an Ile bat fast vs by
The lond of Salence men to hit call
The lond ys next vs now of all
(f. (50) To maruk sayd this goode Vrak
In all the hast I pray the mak 4000
They Shypp* redy in all degree
That vndyr sayle in hast we be
maruk byddyth hys men a pase
600 hye yow fast to the wyndase
And pull the Ankr* vp in hast 4605
The sayle ther-wyth a-doune he cast
(f. Gl) ffor She that lyueth in Chastyte 4695
Whan folk pley thau lowreth She
She hath no Joy of myry dalyauns
Late her go forth wyth myschauns 469s
And beaute of her ueu*r take heede
Ye mow not A-corde wvth-outeu drede 4700
1 both alte red tu booth.
ZU PARTANOPE OF BLOIS. 613
LORD ROB ARTEST MS. [Partanope.]
[Ne thatj my lady me euer see
[To have] the more despite of me
[Sertes sa]yde this Goode Vrake
[All thys] y darre well vndertake 4580
[As they] were spekyng of this Aray1 . 4581
* * *
* * *
* * *
* * *
* * *
[The bootli wytfi good] wyll J?ay row echon2 3587
[Thus at the Shypp they] were anone
[In goth Vrak and part] anop[e]
[And in cometn after] alt tfhe meyne] 4590
* * *
* * *
* * *
[There I wold wyth] mygfrt [aryu]e
[Mada]m sayde Marok trulfye] 4595
[Ilere] ys an yle but ffast [byej
[The l]and of Salence me[n do hit call]
[The] lond ys [next] vs [now of all]
[To M]aruk [sayd this] gode Vrak
(In al]l [the] h[ast I pray] the make 4600
[Thy] ship [redy] in all degree
[That] vnder sayle in hast we be
[Maru]k byddeth hur men a place
[Goo] hyeth fast to the wyndace
[And] pulle the Ankor vp in hast 4605
[The] sayle ther-wytli a-[d]owne he [cast
Lete hur go fforth wyth my schau nee3 4698
And beaute of hur neuer take hede
ye may not Accord w/tÄ-outen drede
1 Bot tum line. 2 Top line of col. 3 An inch of uiargin »bove,
and at tbe back of 1. 4561.
614 WÜLKER,
[Partanope.] rMVERSITV COLLEGE MS.
ffor beaute louyd all gentylnesse
Honoure noble and largenesse
ffayr* specti and ther-to fall of plesauns
louyng botTi pley to sying and danns
Chastyte putteth beaute oute of aray 1705
She wyll never suffre her be fresh and gay
Bat shadows bere euer wyth mornyng cheyr*
Of her hath She a füll lewde feere?
ffor beaute desyretli to haue the coloure
Of the fayre freysli Rose floure 4710
And louetb also to lyve in Jolyte
Desyryng to haue hye prosperyte
Bat that soule that may not haue
To her love neyther knyght ne knave
Gentyllman ne yoman of no degre 4715
(t. 61 b) Late her than lyve in chastyte1 47 ir»
Betther a grett dele than She doth nie 4717
For yf I speke to her of ony love 471 s
Be god that sytteth in hevyn a-bove 4710
To me She Answeryd so Shortely 1720
That of hyr worden a-basshed am I 4721
For wan I wold som tyme in counsayle
Shew myn hert to her som dele
She Answered me in word*.** so hye
I had as lyef my counsayll erye 4725
In london at the Crosse in ehepe
She gyffetli me cause ater to wepe 4727
Than for to lagh thys ys no nay
And som tyme whan that 1 assay
To gyf her a yeft brocli or rynge 47;to
That woll She not take for no thyng
Tims rüde ys chastyte and not curtayse
She hath me grevyd in many wyse
But now I woll late all ladyes be
PAnd teil forth of Partanope 4735
artanope2 hath now for-sake
1 No gap in the Univ. Coli. MS. * V great initial lütter.
ZU PARTANOPB OF BLOIS. 615
LORD ROBARTES MS. [PartanopcJ
For beaute loueth AH Jentilnesse
Honowre noble and largenesse 4602
Favre speche and therto füll [of] plesaunce
lonyng both play to syng and daunce
Chastite putteth beaute oute of A-ray 4705
She wyll neuer suffer hur be ffreshe [and gay]
but shadow hur euer witÄ mornyng ch[ere]
Of hur hath she A füll lowde flrere
For beaute desyreth to haue the eoloure
Of the ffresshe ffayre rose ffloure 4710
And loueth Also to leue in Jolite
Desyryng to haue prosperite
but that ffoule ]>at may not haue
To hur loue nother knyglit ne knaue
Gentilman ne yomaii of no dfegrej 4715
lete hur than leue in Chastite 4716
Yette vnknowe y loue well Chastite1 4716*
better A grete dele than she doth me 4717
F°r yf y speke to hur of any loue 4718
by godde that sytte in heven A-boue 4719
To me she Aunsweretfi so shortly 4720
* * *
* * *
* * *
* * *
* * *
* * *
she geueth me ca[u]se After to wepe 4727
than forto laugfi this is no nay
And sumtyme whan pat y assay
To geue hur a y[eft] broche or ryng 4730
That wyll sh[e not] take for no-thyng
This rüde is Chastite and not eurtay[se[
She hatli me gr[e]ved in many wyse
but now woll y lete All ladyes be
And teile forth of partanope 3735
[pjartanope hatli now clene forsake
Yet vnknowe I loue chattete in the Rawlinson MS.
616 WÜLKER,
[Partanope.J rmVERSlTY COLLEGE MS.
The wod-wou8 lyfe and hatli hym tako
To the goutfrnauns all fully
Of fayre Vrak and of pursewy
And they be redy I yow plygtit 4740
Hym to comfort wyth all her myght
Both hym washe and ley hym soft
She hym feyned lettres füll oft
Of comfort endyted So goodely
And beri an hond that trulv 1745
They wer« hym sent fro melioure
To heele hys woand that preved hym sore 4747
LORD ROBARTES' MS.
t>
o
f
a
ff
h
A
a
S (or b?)
b . . .
y • • •
ye . .
P [or V|
y(<0 • •
As
w
As'
1 This colunin eouies noxt al'ter that beginning witli 1. 3432* ; or it
may be at the bopnninfc of that sheet.
'' Bottom lim1, with an inch of margin below.
ZV PAKTANOP1 Of BLOI&.
IM HD HOB AH T ES* MS. ;rartajtope.|
The wodwoys lyf and bath hym t(akc]
To the (ionernaunee Alle fally
Of ffayre vrak and of persewey
And thay be redy now plyght 4740
hym to eoofort wytli All her myght
both hym waaahe and ley hym softe
She hym ffeyned lettirva fall ofte
Of eoofort endited 110 Oodelv
And bare Ad hond that troly 474s
Thev were hvm aent fro melvoare
• • •
To hole hi« wound'that preued h\m nore.1 4747
LOH D HOHAHTES* MS.
wytli hym they shall be well A-pay|dep
off yowre-selff be not dynmayed
thvn mav best be hadde voare nbame
• • •
for none off them than may yow blajme|
they wvll A-gre hem to youre detyrje]
Syth that ye ly*t ffally yonre pleaajure)
hem thn* to teil than mögt thav be
off vonre coan*avle and 00 mav vee
• • • •
Knie them all rvglit a* ve Ivst
Madam mc thvnketh thv* va W beut
• • • »
for vff ve take a-nother lord
thowph hyt be All here a-eord
for thv* ve ahnll oft here blame
h\t »hall fnll fonle Apeyre yonrr . .
:fP Ii\m lady aunaweryd y«ore tjamc)
Me thynkytli |»at y* icretly A frafme]
that v nhnld euer bv« lone l>e
tliat hath Ivs faleelv hetraved me
* • • •
For vff that euer toke hvm to l<»rd
In» und v nhald nener A-eord
»
*u*n»r fullv |mt knowe >c off l<mc
1 Ij^T • rrhotl .
' '• , iiM-lt« * of margta »W>w. *n<l it Hark of pftf* bejp*ft4fttf «Hh
l. ."»4:t2* * | K«»r *h|«\
618 WCLKBR,
f Partanope.) LnRIß IHM AKT ES? MS.
ye besyed yow (not?)1 neuer to prouc
ther-vn ncvther vov ue
for trulv suster witÄ
An
to
An
thy
An
tak
)>at
now
her
all thys mater ve let now be2
And ther-of spekyth no more to nie
grct sorow makytli thyn fayre niay[dc]
And w/t/i here suster ys euell a-payde
that hur entent mav not be
*
parformyd as she wyll yn no degre
She syglied She weped fful tendyrlye
These wordys she sayd füll pytuusly
yn loue ys A wondyr thyng
A lytell wretli hatli neuer non enfdyngj
A god lord that syttyst A-boue
hard thyng hyt ys one for to loue
svth for A word or lvtell de-bate
eehc 8hall o\>er for euer hate
And after they spake no more
but partanope wepte wondyr sorc
he ys reson And stond vppon hys fc(te)
Vrak »ett hyr downe to wepe
All the ladves that ther-vn beue
Ar wroth And heuy wyth the qucne*
1 vet V * No margin above, and at back of i»*kc beicinninic witb
1. .Miil ;|vii \wtv\
1 lhe bottoiu linc, with P « inehcs of margiii bclow.
[8]
ZU PARTANOPE OF BLOIS. 619
LORD ROBARTEX MS. [Partanope/|
wherto wepe ye thys s l
yc shend yowre selflfe A
hyt ys sythen A-mendy
ther-for my counsayle
leuc all thys sorrow fo
or eis we shall oflf yow
be so encombred that
we shull knowe yow
vster sayd thys
thys counsel th
May neuer setell in
V feie here-off so ded
that truly and by god
My thynketli y coude
A-las suster y am not
he hatli done me so
And god wote coansay
For onys A grete oflf
]>at y for-gaffe hym
And now be hath quy
thes two defawtar gee
that truly suster y r
'Adam than
A cause ye h
oflf hur pr*sence2
fayre Vrake
ur ehe spake
r goddys loue haue mercy
hyp and hyde yowre foly
s well we see
t may hap to be
ys in vayne
haue (s?) fayne
be-hold hem well
euery dele
1 *i inch of uiargin above; and at the back of leaf beginning: (off
hur pr^sence'.
2 3 4 inch of margiu above; and at back of * wherto wepe'.
620 WÜLKER, ZU PARTANOPE OF BLOIS.
[Partanope.] LORD RO BARTES' MS.
no thyng mysdo
Uro
myn adayce
botli manly and wyse
shall no man fynd
hym thorow grece and ynde
ym to youre loue
ig youre reproue
do ful folylye
w vntrwlye
found vnstabull
ay be pardonabnlt
vnd
A bet
At s
At v
And
Saf
To
Ga
To
bete
e
(End of 4Partonope, Fragment.)
Gohlis-Leipzig. R. Wülker.
BÜOHERANZETGEN.
The Century Dictionary. An Encyclopedic Lexieon of the English
Language. Prepared under the Superintendence of William
Dwight Whitney, Ph. D. LL. D., Professor of Comparative
Philology and Sanskrit in Yale Univ. In Six Vol. Vol. I.
Part I (A — Appei). New York, The Century Comp. (London,
T. Fisher Unwin). 272 ss. gr. 4<>.
Es wäre schwer, von einem so grossen wörterbuche, wie dem vor-
liegenden, schon nach der ersten lieferung ein urteil abzugeben, geht es
doch selbst in bezug auf das Wörterbuch der Philological Society noch so,
dass man mit jeder neuen lieferung erst mehr und mehr in den plan und
die vortrefflichkeit des werkes eindringt; aber eines kann man schon
nach der ersten lieferung des Century Dictionary getrost behaupten : dass
es sich um ein im höchsten grade bedeutendes unternehmen handelt,
welches für die geschichte der englischen lexicographie in gewissem sinne
epochemachend ist. Es sind ganz andere zwecke, welche das Wörterbuch
der Philol. Soc. und das gegenwärtige verfolgen , das eine bietet doch in
erster linie dem forscher den längst entbehrten sicheren anhält, während
das Century Dictionary für die benutzung des gebildeten im allgemeinen
bestimmt ist; aber trotzdem lassen sich beide Wörterbücher mit einander
vergleichen; beide werden, vollendet, die umfangreichsten werke der art
sein, beide sind durch zusammenwirken vieler fachleute entstanden, und
beide haben das ziel, die neuesten und sichersten forschungen zu ver-
werten. y
Das Century Dictionary ist ein hervorragendes amerikanisches
werk, prof. Whitney steht an der spitze, ihm zur seite 7 'editorial assi-
stants' und diesen wird der stoff durch 33 mitarbeite!*, sämmtlich fach-
leuten von nauien, zugeführt. So kommt es, dass die behandlung der
einzelnen artikel ganz vortrefflich ist, besonders die ausarbeitung und
priuision der definitionen kann als mustergiltig gerühmt werden. Auch
die belege sind zahlreich und gut (und grösstenteils wenigstens selb-
ständig), aber freilich mit der art, die belege zu geben, bekennen wir uns
nicht einverstanden. Da findet sich mancher satz aus W. K. Parker, Fair-
t'ax's Tnmsl. °f Tasso, Latimer, Disraeli — aber keine Seitenzahl und kein
verweis; diese stellen, wo bloss der name angegeben, sind zum glück nur
622 BÜCHERANZEIGEN.
ausnahmen, meist ist das citat genau gegeben. Aus dem prospekt ersehen
wir, dass vor allem der Wortschatz seit dem 16. Jahrhundert bis auf das
19. (gerade mit besonderer berücksichtigung der bedeutungsveränderungen
auch der gesprochenen spräche des letzteren) behandelt werden soll, und
welchen umfang das werk einnehmen wird, geht aus der vorläufigen be-
rech nun g des bereits fertig gedruckten teiles hervor: demnach wird der
gesammtumfang auf 6500 quartseiten auflaufen, auf denen 200,000 ' separate
words' zu behandeln sind; in den text selbst werden 6000 bilder einge-
fügt werden, denen man nach der ersten lieferung nur das höchste lob
zollen kann, bezüglich der auswahl und ausfuhrung. Wir Deutsche sind
ja in unseren Wörterbüchern im allgemeinen mit recht einem bilderschmuck
fern geblieben, der meist weiter keinen erfolg hat, als den für andere
dinge kostbaren räum wegzunehmen, und viele bilder im Worcester und
Webster sind einfach der art. Aber bei wie viel ausdrücken (allein z. b.
aus der baukunst u. s. f.) ist ein bild im stände, eine lange definition zu
sparen? Und das ist in erster linie auch das verdienst der bilder in
gegenwärtigem wörterbuche, dass sie reichhaltig, aber doch nur da wo
sie nötig sind, sich finden, und dass sie überall mit der grössten feinheir,
schärfe und Schönheit ausgeführt sind.
Die bilder stehen unter besonderer aufsieht eines Departement of
lllustrations, unter direktion des herrn W. L. Fräser und sind jedes einzeln
ein kunstwerk.
Auch die äussere aiisstattung der typen ist musterhaft, und so wird
das werk wol das ideal glänzend erreichen, welchem WTorcester und
Webster nachstrebten: eiu gediegnes, reichhaltiges und zuverlässiges
nachschlagebuch zu liefern. Wir wünschen dem Century Dictionary allen
erfolg, den es in hervorragendem maasse verdient, denn es ist ein eng-
lisches Wörterbuch, wie es bis jetzt noch wirklich gefehlt hat. E. F.
Gesammelte Abhandlungen von Dr. Alexander Schmidt. Mit einer
Lebensskizze herausgegeben von Freunden des Verstorbenen.
[Mit Porträt] Berlin, G. Reimer, 1889. 380 ss. 8°.
Wol jeder wird die gesammelten aufsätze von Alex. Schmidt mit
grosser Spannung zur hand nehmen und jeder wird, nachdem er sie ge-
lesen, den herausgebern grossen dank wissen. Nicht als ob diese ab-
handhingen die Wissenschaft wesentlich förderten und Alex. Schmidt's
namen als gelehrten noch höhere lorbeern einbrächten, sondern weil ein
ganzer, grosser und liebenswürdiger mann aus diesem buche, wie aus
wenigen, sich offenbart.
Von den aufsätzen selbst ist keiner neu, aber gerade die inter-
essantesten waren in schulprogrammen versteckt, und zerstreut waren sie
alle, so dass die Sammlung tatsächlich willkommen sein muss. Wir geben
nur kurz eine Inhaltsangabe und wünschen, dass jeder, der den namen
Schinidt's verehrt, interessc für die englische literatur hat und einige
genussreiche stunden sich bereiten will, zum buche selbst greife.
BÜCHERANZBIGEN. 623
Der l.aufsatz behandelt: Voltaire1 s Verdienste vm die Einführung
Shakespeare's in Frankreich (1664), der 2.: Essay on the Life and Dra-
malic Writings of Ben Jonson (v. j. 1847) lässt nur eines bedauern, dass
in AI. Schmidt's nachlass sich keine deutsche urbchandlung dazu vor-
gefunden hat, denn das englische gewand kleidet nicht recht und ruft
(wie Elzes englischer Addisonstelzenstil) stets die unheimliche idee des
unnatürlichen hervor. Mit dem inhalte hat man Ursache desto zufriedener
zu sein, namentlich mit der rücksichtslosen Offenheit, mit der AI. Schmidt
den sittlichen wert von Ben Jonson's dramen beurteilt Wer ein offenes
wort über Volpone und den Alchemist zu lesen wünscht, wird sich freuen,
in AI. Schmidt einen bundesgenossen gegen die Überschätzung an sich
völlig wertlosen und elendeu zeuges zu finden. Der nächste aufsatz:
Miltons dramatische Dichtungen (18f>4, Vortrag) hat doppelten wert: ein-
mal durch die ausgezeichnete Interpretation und musterhafte deutsche
Übersetzung vom Comus und Samson, dann aber durch die vortreffliche
biographische einleitung (worin sich wider der mann AI. Schmidt mehr
zeigt, als der gelehrte). Ein grosses Übersetzertalent zeigen auch die 8
lieder der schottischen kavalicre, die in dem Denkstein gesetzt den Manen
des Dichters W. E. Aytoun gesammelt sind. Die folgenden 4 aufsätze:
Zur Textkritik des King Lear (Anglia 1879), (Juarlos und Folio von
Richard 11 L (Shakesp.-.Tahrb. XV), Die ältesten Ausgaben des Sommer-
nacht slraumes (1881, progr.), Zur Shakespeare' sehen Textkritik (Shakesp.-
Jahrb. III), sind schon seit einer reihe von jähren bekannt, sie sind des
Verfassers eigenstem gebiete entlehnt, mit solcher klarheit und schärfe
durchgearbeitet, dass man nur bedauert, dass AI. Schmidt nicht noch mehr
ähnliches geschrieben, aus dein grossen schätze seiner Shakespearekennt-
nisse geschöpft. — Eine Vorlesung über Walter Scott (vortrag v.j. IStil)
macht den beschluss, sie gibt ein schönes bild von der tüchtigen Persön-
lichkeit Scott's.
Was dem vorliegenden werke besonders noch anziehung verleiht, ist
eine kurze lebensskizze Schmidt's (s. 4—25); sie behandelt ausser dem an
sich ja ziemlich einfach verlaufenen leben des grossen gelehrten noch
kurz (vielleicht allzu kurz) seine werke. Eine viel grössere ausführüch-
keit gerade dieser einleitung hätte den herausgebern nur noch mehr dank
eingetragen. Die vortreffliche nachbildung eines medaillonporträts (von der
hand des prof. Rausch) ziert das auch sonst schön ausgestattete werk.
Wir versuchen schliesslich noch kurz die hauptdaten von Alexander
Schmidt's leben und werken nach der lebensskizze zusammenzustellen:
1810. .5. Dez. geb. zu K aschin ( Gouv. Twer) t. Russf. (v. deutschen Eitern).
1834. Abiturientenexamen zu Königsberg.
1838. Doctorgrad erworben.
1840. Hilfslehrer an der St. Pt tri schule zu Dan zig (mit der facultas
für alle möglichen fächer, aber nicht filr Deutsch und Englisch !).
1842. Sacherklärende Anmerkungen zu Shakespeare's Dramen.
1847. Essay on the Life and Dramatic Writings of Ben Jonson (progr.)
1853. Maeaulay'8 Lieder vom alten Rom (übers.).
1854 (—1885). Direktor der höheren bürget schule (später: des Lobe-
nicht' sehen reaigymnasiums) zu Königsberg i. Pr.
622 BÜCHERANZEIGEN.
ausnahmen, meist ist das citat genau gegeben. Aus dem prospekt ersehen
wir, dass vor aHein der Wortschatz seit dem 16. Jahrhundert bis auf das
19. (gerade mit besonderer berücksichtigung der bedeutungsveränderungen
auch der gesprochenen spräche des letzteren) behandelt werden soll, uud
welchen umfang das werk einnehmen wird, geht aus der vorläufigen be-
rechnung des bereits fertig gedruckten teilcs hervor: demnach wird der
gesammtumfang auf 6500 quartseiten auflaufen, auf denen 200,000 'separate
words' zu behandeln sind; in den text selbst werden 6000 bilder einge-
fügt werden, denen man nach der ersten lieferung nur das höchste lob
zollen kann, bezüglich der auswahl und ausflihrung. Wir Deutsche sind
ja in unseren Wörterbüchern im allgemeinen mit recht einem bilderschmuck
fern geblieben, der meist weiter keinen erfolg hat, als den für andere
dinge kostbaren räum wegzunehmen, und viele bilder im Worcester und
Webster sind einfach der art. Aber bei wie viel ausdrücken (allein z. b.
aus der baukunst u. s. f.) ist ein bild im stände, eine lange definition zu
sparen? Und das ist in erster linie auch das verdienst der bilder in
gegenwärtigem wörterbuche, dass sie reichhaltig, aber doch nur da wo
sie nötig sind, sich finden, und dass sie überall mit der grössten feinheit,
schärfe und Schönheit ausgeführt sind.
Die bilder stehen unter besonderer aufsieht eines Departement of
Illustrations, unter direktion des herrn W. L. Fräser und sind jedes einzeln
ein kunstwerk.
Auch die äussere ausstattung der typen ist musterhaft, und so wird
das werk wol das ideal glänzend erreichen, welchem Worcester und
Webster nachstrebten: eiu gediegnes, reichhaltiges und zuverlässiges
nachschlagebuch zu liefern. Wir wünschen dem Century Dictionary allen
erfolg, den es in hervorragendem maasse verdient, denn es ist ein eng-
lisches Wörterbuch, wie es bis jetzt noch wirklieh gefehlt hat. E. F.
Gesammelte Abhandlungen von Dr. Alexander Schmidt. Mit einer
Lehensskizze herausgegeben von Freunden des Verstorbenen.
[Mit Porträt] Berlin, O. Reimer, 1889. 380 ss. 8°.
Wol jeder wird die gesammelten aufsätze von Alex. Schmidt mit
grosser Spannung zur hand nehmen und jeder wird, nachdem er sie ge-
lesen, den herausgebern grossen dank wissen. Nicht als ob diese Ab-
handlungen die Wissenschaft wesentlich forderten und Alex. Schmidt's
namen als gelehrten noch höhere lorbeern einbrächten, sondern weil ein
ganzer, grosser und liebenswürdiger mann aus diesem buche, wie aus
wenigen, sich offenbart.
Von den aufsätzen selbst ist keiner neu, aber gerade die inter-
essantesten waren in schulprogrammen versteckt, und zerstreut waren sie
alle, so dass die Sammlung tatsächlich willkommen sein muss. Wir geben
nur kurz eine inhaltsangabe und wünschen, dass jeder, der den namen
Schmidt's verehrt, interesse flir die englische literatur hat und einige
genussreiche stunden sich bereiten will, zum buche selbst greife.
BÜCHERANZEIGEN. 623
Der l.aufsatz bebandelt: Voltaires Verdienste um die Einführung
Shakespeares in Frankreich (1864), der 2.: Essay on (he Life and Dra-
inage Writings of Ben Jonson (v. j. 1847) lässt nur eines bedauern, dass
in AI. Schmidt's nachlass sieb keine deutsche urbehandlung dazu vor-
gefunden hat, denn das englische gewand kleidet nicht recht und ruft
(wie Elzes englischer Addisonstelzenstil) stets die unbeimlicbe idee des
unnatürlichen hervor. Mit dem Inhalte bat man Ursache desto zufriedener
zu sein, namentlich mit der rücksichtslosen Offenheit, mit der AI. Schmidt
den sittlichen wert von Ben Jonson's draraen beurteilt. Wer ein offenes
wort über Yolpone und den Alcbemist zu lesen wünscht, wird sieb freuen,
in AI. Schmidt einen bundesgeuossen gegen die Überschätzung an sich
völlig wertlosen und elenden zeuges zu finden. Der nächste aufsatz:
Mi'tons dramatische Dichtungen (18(>4, Vortrag) bat doppelten wert: ein-
mal durch die ausgezeichnete interpretation und musterhafte deutsche
Übersetzung vom Comus und Samson, dann aber dureb die vortreffliche
biographische einleitung (worin sich wider der mann AI. Scbmidt mehr
zeigt, als der gelehrte). Ein grosses Übersetzertalent zeigen auch die 8
lieder der schottischen kavaliere, die iu dem Denkstein gesetzt den Manen
des Dichters W.E.Aytoun gesammelt sind. Die folgenden 4 aufsätze:
Zur Textkritik des King Lear (Anglia 1879), (Juarlos und Folio von
Richard 111. (Shakesp.-.Jahrb. XV), Die ältesten Ausgaben des Sommer-
nacht's traumes (1881, progr.), Zur Shakespeare' sehen Textkritik (Shakesp.-
.Jahrb. 111), sind schon seit einer reihe von jähren bekannt, sie sind des
Verfassers eigenstem gebiete entlehnt, mit solcher klarheit und schärfe
durchgearbeitet, dass man nur bedauert, dass AI. Scbmidt nicht noch mehr
ähnliches geschrieben, aus dem grossen schätze seiner Shakespearekennt-
nisse geschöpft. — Eine Vorlesung über Walter Scott (vortrag v.j. 1801)
macht den beschluss, sie gibt ein schönes bild von der tüchtigen Persön-
lichkeit Scott's.
Was dem vorliegenden werke besonders noch anziebung verleibt, ist
eine kurze lebeusskizze Schmidt's (s. 4—25); sie behandelt ausser dem an
sich ja ziemlich einfach verlaufenen leben des grossen gelehrten noch
kurz (vielleicht allzu kurz) seine werke. Eine viel grössere ausfiihrlich-
keit gerade dieser einleitung hätte den herausgeberu nur noch mehr dank
eingetragen. Die vortreffliche nacbbildung eines inedaillonporträts (von der
band des prof. Rausch) ziert das auch sonst schön ausgestattete werk.
Wir versuchen schliesslich noch kurz die hauptdaten von Alexander
Schmidt's leben und werken nach der lebensskizze zusammenzustellen:
1810. .5. Dez. geb. zu Kaschin (Gouv. Twer) i. Russl. (v. deutschen Eltern).
Ib84. Abilurientenexamen zu Königsberg.
1 ^ 3 S . Doclorgrad erworben.
1S40. Hilfslehrer an der St. Petrischule zu D einzig (mit der facultas
für alle möglichen fäcber, aber nicht für Deutsch und Englisch !).
1842. Sacherklärende Anmerkungen zu Shakespeare's Dramen.
1847. Essay ou the Life and Dramatic Writings of Ben Jonson (progr.)
1853. Maeaulay's Lieder vom alten Rom (übers.).
1854 (—1885). Direktor der höheren bürg er schule (später: des Lö be-
ute h(' sehen re(dgymnasiums) zu Königsberg i. Pr.
•Ü4 RlCHERAXZEIGEN.
:>*■:. Walter Scott ivortraci.
:>M. Mihon's Pramansche Dichtungen (Vortrag).
Voltaire s Verdienste um d. Erafnhrg. Shakespeare9« in
:v^-:;v Arhrit dm SktkffpcAre-Lcxicon (ersch. I 1874, II 1S75)i
■.>t* Ein Denkstein sese;« den Manen des Dichters William
stoune Arrour. « JW£7 -
>?" "!. KoilaktioTi von 22 >':**£ e^peare-drameii fttr die nei
xor. Schliß"* vlNrs; rsunr der deutschen Shnkesp.-GeseHaeasft.
:*•* .";:r Sh.Nke^artsrr.ti. [V-x:kr::ik Shakesp.-Jahrb. IQ).
>"> Aiiscabe des Co^-"jkT.::>
A.lSa:: . _- r;\:kr;r.k i:* K:nr l^ear tAngü* IQ).
^ >-. <„*—■.> t-:. V:lv - --i Ek-huri 111. (Shakesp. -Jahrb. XV).
v» l»i; x\>:;i \-so\t *i> >oxiT2«»aeh«traiiines (progr.).
^; ki.scfc.V .:.;> .*.:..-< Oa*sar
:* . ** r.t c» i •• f:-£ F*~ E.F.
vx
~i« C-tci **■*!* r inexakt Hster) 1783—1789 by John
: >i: --: ^l >.■*: ? xr: N V. H-nriiton. MiflBin & Co.
_»'r X» .., ^» >5s
Y'ji *r-* «:-«.>.> \o xi *>.■»• *-inr axrocitatrren Stellung rflham
iaa.i. v.ir.] o. ■■.-.•: i^-* .-ic-w ; LVicracang des qneUenmateriab
:ai: i> *.;».-. .\i.-sv--.i,£ * iiu; lxtsjAm« der 'Constitution'.
"_h- i^-.^s. !•.- .•*.-*• ».x :-.-t \ji -i^^K-i crs^tÄrkae < vdcke nickt doreh
.ci r^-^: i . i *^* .\\->."'. » . *■■ ^ i-S.-n *cs die jakre Tom friedeas-
-o^^?sc '■> . l* :^v. n. - .-is: \ •* a ^tc darEber ^~n-f umfaaat)
r-r: n »e *ci ivi ^, t .^v^'- •■» ■■ "*■-■" £* «*sn* diplnantiurhn and
iTisrivx^ .i^\^. :^ a. ^r m rnndi gefegt ist, um die
:^r> !t - -c- .V > o >*< ix* . . -.«*. Es Hesemekt daa back
rujt . •!»- 's.-!"* I? *v .v* .^-.>.' :?^ *v i • > jMkviopkiscken warkea
:a-: ^..t^.1" . « . ^ *v ..w r.»\\ ;v> v>^o ieäc^« Veeka#nssen kffa***
»r^ :s^»o->e* *;^ ^^ ^ • ■>■ - ■■"■, «ji<-iv«\«mA( fansaBkeiten — nia
^»r> •-•. ^-= h. i*>* ^. '- * "v \ - .-. > x *. -i-sjc^cs de? MI ist. Dasaeia-
.t "ä kit % .-. ^ -.vw s* ■•^•■•« \ ■ ' : s.*: l >. s. **&. JJ7) and dai
»: -»*> . • -.. ^- >.^ vä i a« «iaccncai gwtaUtn dar
BÜCHERANZEIGEN. 625
The Ideals of the Republic or Great Words from Great Americans.
N. Y. and London, G. P. Putnam's Sons [1889]. 173 ss. 12°.
Ein neues bändchen der reizenden Knickerbocker Nuggets bringt
(offenbar zur hundertjährigen feier von Washington^ inauguration) den
genauen textabdrack von acht bedeutenden denkmälern der amerikanischen
geschiente. Zunächst die Unabhängigkeitserklärung und die* Constitution',
dann Washington^ erste und zweite Inaugural Address, seine abschieds-
rede (1790), die zwei Inaugural Addresses von Lincoln, mit seiner Gettys-
burg Address.
Besonders wertvoll ist der kritische text von Washington^ abschieds-
rede : nach W.?s konzepte mit allen Änderungen und änderungsplänen W.'s
gegeben (nach dem neudrucke des autographs im besitze von James Lenox
1 sr>r», jetzt zu einer grossen Seltenheit geworden).
Wenn man auch noch manches andere dokument in dem kleinen
bändchen gern erblicken würde, so ist es doch gewiss, dass die darin
gegebenen acht die wichtigsten marksteine der entwickelung des ameri-
kanischen volkes bezeichnen und es ist freudig anzuerkennen, dass die
ausstattung eine des inhalts würdige ist. E. F.
'The Fighting Veres'. Lives of Sir Francis Vere . . . and of Sir
Horace Vere . . . by Clements R. Markham. Boston and
N. Y., Houghton, Mifflin & Co. 1888. VII, 508 ss. gr. 8°.
Nicht nur eine episode, sondern eigentlich die ganze geschiente des
niederländischen krieges der Elisabeth (der auch in der literatur jener zeit
eine wichtige rolle spielt) ist in der geschiente der beiden, besonders des
älteren, Vere inbegriffen — und die geschichte dieser beiden männer ab-
schliessend behandelt zu haben ist das verdienst des vorliegenden werkes.
Man könnte sich wundern, wie nach Motley neues und wertvolles gebracht
werden könnte, aber gerade die beurteilung von Francis Vere durch Motley
ist einer der wenigen sehr schwachen punkte in dem unsterblichen werke
des grossen historikers. Motley's urteil über Vere's Charakter, besonders
über die von Vere hinterlassenen Commentaries (welche Motley nur in
einem französischen auszuge kannte ! vgl. s. 303) ist nicht nur falsch, son-
dern scheint absichtlich ungerecht: Bei gelegenheit der besprechung
der Schlacht von Nieuport deckt Markham dies auf (vgl. s. 299, 302, 328,
:U!>, 3tfo). Wir können dem verf. dafiir nur dankbar sein, dass er den
nanien dieses vortrefflichen mannes gereinigt hat vor übelwollender kritik
und dabei ein höchst anziehendes Charakterbild geliefert hat.
Im einzelnen ist allerdings noch manches nachzutragen und grössere
uusführlichkeit zu wünschen. So z. b. weiss man nicht, warum von Golding
nur die Übersetzung von Bariffe angeführt ist (s. 18), so ist Edward Earl
of Oxford zu kurz abgetan; von seinen gedienten sind nur die aus dem
Paradise of Dainty Devices 1578 angeführt, und das wichtige dokument
aus dem State Paper Office (Domestic Ser. Eliz. vol. 151, no. 45) nicht be-
nutzt. Bei gelegenheit von Leicester's landimg in Vlissingen (s. 79) hätte
Anglia, XU. band. 40
624 BÜCHERANZEIGEN.
1861. Walter Scott (vortrag).
1864. Milton's Dramatische Dichtungen (vortrag).
— Voltaire's Verdienste um d. EinfUhrg. Shakespeare's in Frankreicn.
1864—73. Arbeit am Shakespeare-Lexicon (ersch. I 1874, II 1875).
1866. Ein Denkstein gesetzt den Manen des Dichters William Edmond-
stoune Aytoun (progr.).
1867—71. Redaktion von 22 Shakespeare-dramen für die neuausgabc
von Schlegel's Übersetzung der deutschen Shakesp.-Gesellschaft.
1868. Zur Shakespcare'schen Textkritik (Shakesp.- Jahrb. III).
1876. Lalla Kookh (übers, in 2. auf!.).
1878. Ausgabe des Coriolanus.
1879. Ausgabe des King Lear.
— Aufsatz: Zur Textkritik des King Lear (Anglia III).
1886. Die Quartos und Folio von Richard III. (Shakesp .-Jahrb. XV).
1881. Die ältesten Ausgaben des Sominernachtstraumes (progr.).
1882. Ausgabe des Julius Caesar.
1886. Shakespeare-Lexicon, 2. aufl.
18S7. 27. Juni gest. zu Königsberg i. Pr. E. F.
The Critical Period of American History 1783—1789 by John
Fiske. 4th ed. Boston and N. V., Houston, Mifflin & Co.
1889. XVIII, 368 88.
Ein werk, welches sich mit recht einer autoritativen Stellung rühmen
kann, durch die tiefe und originelle durchdringung des quellen materials
und die klare darstellung der entwickelungsphasen der ' Constitution \
Die * kritische periode' der amerikanischen geschichte (welche nicht durch
den frieden von 1 783 beendet wurde, sondern erst die jähre vom friedens-
schlusse bis zur errungenen 'Constitution' und darüber hinaus umfasst)
wird in sieben kapiteln dargestellt, denen die genaue diplomatische und
parlamentarische entwickelung der läge zu gründe gelegt ist, um die
historische folge der ereignisse klar zu zeigen. Es beherrscht das buch
beinahe eine Schroffheit der erzählung (die in F.'s philosophischen werken
nicht auffällt), welche das intcresse des lesers leicht beeinflussen künnte
und die menschliche seite des interesses fast zurückdrängt, aber dieser
stil ist begründet genug und hat den grossen vorteil, dass die darstellung
der ereignisse nie gestört wird durch anekdotenhafte einzelheiten — wie
dies in dem sonst so trefflichen buche Macmasters der fall ist Dass ein-
zelne anekdotenhafte zttge eingeflochten sind (z. b. s. 305, 327) und den
stil etwas mildern, versteht sich und macht die ehernen gestalten der
begründer des amerikanischen Staates etwas greifbarer. Eine gedrängte
quellenttbersicht zum Schlüsse gibt ein kritisches bild der einschlägigen
literatur und zugleich auch äusserlich einen einblick in die gewissenhaften
und umfassenden vorarbeiten des Verfassers.
Das ganze buch reibt sich passend an die im gleichen verlag er-
scheinenden vortrefflichen Serien: American Coniroonwealths nnd American
Statestuen an. E. F.
BÜCHERANZEIGRN. 625
The Ideals of the Republic or Great Words from Great Americans.
N. Y. and London, G. P. Putnam's Sons [1889]. 173 ss. 12°.
Ein neues bändchen der reizenden Knickerbocker Nuggets bringt
(offenbar zur hundertjährigen feier von Washington^ inauguration) den
genauen textabdrack von acht bedeutenden denkmälern der amerikanischen
geschiente. Zunächst die Unabhängigkeitserklärung und die ' Constitution \
dann Washington^ erste und zweite Inaugural Address, seine abschieds-
rede (1796), die zwei Inaugural Addresses von Lincoln, mit seiner Gettys-
burg Address.
Besonders wertvoll ist der kritische text von Washington^ abschieds-
rede : nach W.'s konzepte mit allen änderungen und änderungsplänen W.'s
gegeben (nach dem neudrucke des antographs im besitze von James Lenox
lfcf>(>, jetzt zu einer grossen Seltenheit geworden).
Wenn man auch noch manches andere dokument in dem kleinen
bändchen gern erblicken würde, so ist es doch gewiss, dass die darin
gegebenen acht die wichtigsten marksteine der entwickelung des ameri-
kanischen Volkes bezeichnen und es ist freudig anzuerkennen, dass die
ausstattung eine des inhalts würdige ist. £. F.
'The Fighting Veres'. Lives of Sir Francis Vere . . . and of Sir
Horace Vere . . . by Clements R. Markham. Boston and
N. Y., Houghton, Mifflin & Co. 1888. VII, 508 ss. gr. 8°.
Nicht nur eine episode, sondern eigentlich die ganze geschiente des
niederländischen krieges der Elisabeth (der auch in der literatur jener zeit
eine wichtige rolle spielt) ist in der geschichte der beiden, besonders des
älteren, Vere inbegriffen — und die geschichte dieser beiden männer ab-
schliessend behandelt zu haben ist das verdienst des vorliegenden werkes.
Man könnte sich wundern, wie nach Motley neues und wertvolles gebracht
werden könnte, aber gerade die beurteilung von Francis Vere durch Motley
ist einer der wenigen sehr schwachen punkte in dem unsterblichen werke
des grossen historikers. Motley's urteil über Vere's Charakter, besonders
über die von Vere Unterlassenen Commentaries (welche Motley nur in
einem französischen auszuge kannte! vgl. s. 303) ist nicht nur falsch, son-
dern scheint absichtlich ungerecht: Bei gelegenheit der besprechung
der schlacht von Nieuport deckt Markham dies auf (vgl. s. 299, 302, 328,
349, 360). Wir können dem verf. dafür nur dankbar sein, dass er den
namen dieses vortrefflichen mannes gereinigt hat vor übelwollender kritik
und dabei ein höchst anziehendes Charakterbild geliefert hat.
Im einzelnen ist allerdings noch manches nachzutragen nnd grössere
Ausführlichkeit zu wünschen. So z. b. weiss man nicht, warum von Qoldmg
nur die Übersetzung von Bariffe angeführt ist (s. 18), so ist Edward Eari
of Oxford zu kurz abgetan; von seinen gedienten sind nur die ans dem
Paradise of Dainty Devices 1578 angeführt, nnd das wichtige dokument
aus dem State Paper Office (Domestic Ser. Eliz. vol. 151, no. 45) nicht be-
nutzt Bei gelegenheit von Leicester's landung in Vlissingen (s. 79) hätte
Anglia, XIL band. 40
626 BÜCHERANZEIGEti.
das interessante gern aide der Haarlemer gallerie angeführt zu werden ver-
dient. Der abschnitt über Sidney, dem allerdings ein grösserer platz ein-
geräumt ist, scheint nicht ganz aus den quellen geschrieben zu sein. Hie
und da ist eine beurteilung allzu günstig, wie z. b. von Leicester's fähig-
keit (8. 97; ein richtiges urteil s. 73), oder von Elisabeths Stellung zu den
Generalstaaten (s. 32; das richtige urteil s. 66); man vermisst an solchen
stellen beweise, d. h. genauere citate.
Aber alles dies sind dinge, welche das eigentliche leben Vere's nicht
zu nahe berühren, und den wert des buches nicht treffen.
Mehr als anhang ist das leben des biederen, aber unbedeutenderen
jüngeren (Horace) Vere gegeben; dasselbe war nie anfeindungen ausge-
setzt, und deshalb ist die behandlung der erzählung weniger kritisch, als
schildernd.
Was die ausstattung des buches anbetrifft, so ist dieselbe tadellos
und glänzend. Die von Markham nach genauester terrainkenntniss ge-
schilderten niederländischen örtlichkeiten werden in zahlreichen karten
vorgeführt. Zwei porträts sind in vortrefflichem holzschnitt beigegeben
und ein erschöpfender index. £. F.
Poet-Lore. A Monthly Magazine devoted to Shakespeare and
Browning, and the Comparative Study of Literature.
Januarheft: D. G. Brinton, Fascettes of Love: from Browning. —
Helen A. Clarke, A New Willow Song. With Music. - Charl. Pend-
le ton, A Study in Shakespeare^ Fairy Rhythms. — Societies. — The
Study. — The Stage. — Notes and News.
Februarheft: H. L. Wayland, Kemarks on some Passages in Rabbi
ben Ezra. — J. Parker Norrie, The Editors of Shakespeare: Halliwell-
Phillipps. — W. H. Wyman, Recent Bacon - Shakespeare Literature. —
Societies. — The Study. — The Stage. — Notes and News.
Märzheft: H. Howard Furness, Tbe Study of Shakespeare. —
Helen A. Clarke, Paracelsus and The Date of Ethics. — Societies etc.
Aprilheft: Morton W. Easton, Tendencies of English and French
Literature during the Elizabethan Period. — A. Eastman Cross, Mrs.
Browning's Sonncts from the Portuguese. — Th. Child, French Versions
of the Willow Song. With Music. — Societies. — The Study. - The
Stage. — The Library. — Notes and News.
Maiheft: L. M.Griffiths, Romeo and Rosaline. -- F. E. Sehe Hing,
A Word on English Literature in America. — S. W.Brooks, Souie Pre-
deeessors of Spenser. — Societies etc.
Juniheft: W. T. Harris, Einersou's 'Brahma' and the 'Bhagavid
Gita\ — T. IL do Beer, Shakespeare in Dutch. - Papers on the Brown-
ing Society in Boston. — Societies etc.
Juliheft: Th. Child: Othello in Paris. — Papers on the Browning
Society in Boston. — Societies etc. — Music: 'My Star1 (Words by
Browning; Music by Helen Clarke).
Atigtisrheft: Dr. Edw. Berdoc, Bruwuiug%s Scieuce. — Th. Child,
BÜCHERANZEIGEN. 627
Othello in Paris. — Papers of the Shakspere Society of Philadelphia (Rieh.
Ashhurst, Prolegoinena to Henry IV). — The Study etc.
Septemberheft: Prof. W. T. Harris, Goethe's »World Spirit ' and the
Vishnu of the 'Bhagavid Gita\ — J. Ph. Fruit, Shakespeare^ Egoism. —
Papers of the Browning Society of the New Century Club (H.Morris,
Browning versus Browning). — Societies etc.
Oktoberheft: V. D. Scudder, Woinanhood in Modern Poetry. —
E. Hausknecht, Shakespeare in Japan. Translated. — Papers of the
Browning Society of the New Century Club (AI. Groff , The True Great-
ness of Browning). — The Study etc. — Publishers' Scrap Book.
Weitere hefte Hegen uns nicht vor.
Englische Studien. Herausg. von Eugen Kölbiug. XIII. bd.,
H. lieft, lleilbroun. Henninger.
.1. Zupitza: Die romanze von Athelston. I. IL (Die schon so sehr
lange uns versprochene arbeit von Zupitza liegt nun zum grösseren teil
vor. I. gibt den text der über soo verse umfassenden reimerzählung nach
der einzigen hs. zu Cambridge. Zwar wurde dieses gedieht schon zweimal
veröffentlicht, von Hartshorne und von Wright, doch ersieht man aus den
abweichenden lesarten, dass ein neudruck desselben ganz erwünscht war.
II. gibt anmerkungen zum gedieht in reicher fülle, erklärender und kri-
tischer art. Hier stehen auch die abweichenden lesungen der früheren
herausgeher, während änderungen gegen die hs., welche Zupitza vor-
nahm, unter dem texte bemerkt sind. III. wird wol eine literargeschicht-
liche einleitung enthalten.)
P. Holzhausen: Dryden's heroisches drama. (Auch diese arbeit ist
hier noch nicht vollständig gedruckt. Sie schliesst sich an Bobertag's
abhandlung an, doch entwickelt sie in durchaus selbständiger weise Dry-
den's theorie des heroischen drainas und betrachtet die einzelnen stücke
dieser art. Behandelt werden hier: The Indian Queen; Secret Love, or
The Maiden Queen, das allerdings nur teilweise hierher gehört; Tyrannic
Love, or The Royal Martyr; The Conquest of Granada; Marriage a la
Mode; Amboyna, or The Cruelties of the Dutch to the English Merchants;
Aureng Zebc; The Staate of Innocence, and Fall of Man. Man sieht,
dass hier auch stücke besprochen sind, die gewöhnlich nicht zu den
heroischen dramen gerechnet werden, doch weiss Holzhausen seinen Stand-
punkt sehr wol zu verteidigen. Warum eine betrachtung vom Indian
Emperour, einer fortsetzung der Indian Queen, nicht auf diese folgt, son-
dern an ganz andere stelle gewiesen wird, sieht man nicht ein. — Wenn
die ganze abhandlung vorliegt, kommen wir noch einmal darauf zurück,
da bis jetzt der verf. noch wenig seiner eigenen ansichten vorträgt.)
G. Wendt: Das englische haus der gemeinen. (Wendt wiU hier das
wissenswerteste über das hans der gemeinen im englischen Parlamente
zusammenstellen; besonders das, was für einen lebrer des Englischen zu
wissen von Wichtigkeit ist. Es ist diese absieht dem verf. auch recht wol
gelungen. Allerdings hätten wir den aufsatz doch gerne noch etwas um-
40*
628 BÜCHERANZEIGEN.
fangreicbcr gesehen, denn zwanzig Seiten, um über das parlamentsgebäude,
die Wähler, den wahhnodus, die gewählten, die konstituierung des Unter-
hauses, den geschäftsgang, die koinuiissionen, die geschäftsordnung und
die parteien zu handeln, ist recht knapp.)
Literatur. — Miseellen. K. W.
Chaucer's Canterbury Tales. Aunotated and accented, witli
Illustrations of English Life in Chaucer's Time. By John
Saunders. New and Revised Edition. With IlliiRtrations
from the Ellesniere MS. London, 1889.
Dies nützliche buch, welches seiner zeit in seiner ersten aufläge
ausserordentlich viel zur Verbreitung der kenutniss Chaucer's in England
beitrug, war jähre lang vollständig vergriffen. Mit Unterstützung Furni-
vall'8 hat nun Saunders dasselbe ganz neu bearbeitet. In diesem neuen
gewande wird es allen alten freunden sehr willkommen sein und sich
hoffentlich recht viele neue hinzu erwerben.
Zuerst gibt der verf. eine Übersicht in tabellenform über die herrscher
in Europa zu Chaucer's zeit und über die gleichzeitigen weltgeschicht-
lichen ereignisse ; ebenso über die damaligen literaturwerke Englands und
über Chaucer's leben und werke. Es folgt darauf eine betrachtung des
Tabard und darauf werden die einzelnen gruppen der pilger eingehend
durchgenommen. 1. Chivalry (The Knight, The Squire, The Yeoiuan);
2. Keligion (The Keligious Orders, The Monk, The Prioress, The Friar,
The Sumpnour, The Pardoner, The Parson). 3. Professional Men (The
Sergeant-at-Law, The Manciple, The Doctour of Physic, The Alchemist,
The Clerk ot Oxenford). 4. Trade and Commerce (Agriculture, The
Franklin, The Miller, The Keeve, The Ploughman). 5. Trade and Com-
merce, continued (The Merchant, The Shipman, The Haberdasher etc.,
The Cook's Tale of the Prentice, The Cook, The Wife of Bath).
Nach dieser cinleitung werden die einzelnen geschienten vorgeführt.
Es geschieht dies in der weise, dass der ganze inhalt derselben erzählt
wird und die hauptstellen in der Ursprache, mit erklärnng der unbekann-
ten Wörter, so dass jedermann dieselben, auch wenn er kein Altenglisch
versteht, leicht lesen kann. Jeder geschiente werden auch noch literar-
geschichtliche und erklärende bemerkungen beigefügt, so dass man über
alles zum verständniss notwendige vollständig unterrichtet wird.
Da das buch besonders für den familienkreis bestimmt ist, so werden
die erzählungeii, welche anstössiger natur sind, nur in auszügen gegeben.
Es sind dies die erzählungen des müllers, des Verwalters, des kaufmanns
und des Schiffers. Man kann also das werk jedem in die hand geben.
Besonders sei noch darauf aufmerksam gemacht, dass diesem buche
auch die abbildungen der pilger nach der Ellesmerehandschrift beigefügt
sind. Chaucer beginnt die reihe, es folgen 22 bilder. Wenn dieselben
auch durchaus keine kunstwerke sind, so sind sie doch sehr charakte-
ristisch und erhöhen den wert des buches noch sehr.
BÜCHERANZEIGEN. 629
Allen freunden der englischen literatnr, die sich mit dem haupt-
werke Chaucer's bekannt machen wollen, sei daher Saunder's werk an-
gelegentlichst empfohlen. R. W.
Library of Anglo-Saxon Poetry: Vol. III. Cynewulf s Elene. An
Old English Poem, edited with Introduction, Latin Original,
Notes, and Complete Dictionary. By Charles W. Kent.
Boston and London, 1889.
Dieses buch müsste einen anderen titel führen, es müsste heissen:
Cynewulf s Elene, ed. with the Latin Original, and Complete Glossary by
Zupitza. Translated by Charles Kent. Denn der text ist der von Zupitza,
das Wörterbuch ebenfalls das von Zupitza. Nur die einleitung und die
noten sind grösstenteils eigentum Kent's.
Die einleitung zerfällt in 1. Manuscript. 2. Airthor. 3. Theme, Plan, and
Literary Merit of the Poem. 4. Metrical Introduction. 5. Bibliography.
Bei der abhandlung über das manuskript muss man sich billig wun-
dem, dass Napier's entdeckung für Kent noch nicht da zu sein scheint,
denn sie wird mit keinem worte erwähnt. Hinsichtlich der frage, wie die
hs. nach Vercelli gekommen sei, schliesst er sich der ansieht Pauli's und
des kritikers der Quarterly Review an, die nachher Cook eifrig verteidigte :
dass die hs. durch kardinal Guala nach Vercelli gebracht worden sei.
Kent meint: 'This chain of cireumstauces, construeted upon evidence ad-
duced and compared by Cook, may not be flawless, but it represents at
present not only the most plausible, but by far the best substantiated
theory to aecount for the presence of this famous book in Vercelli'. —
Darauf sei erwidert:
Cook beginnt seinen aufsatz: Cardinal Guala and the Vercelli Book
mit der behauptung, dass ich mit * evident disapprobation' die in der
Quarterly Review und von Pauli aufgestellte ansieht bespräche. Dies ist
nur bedingt richtig! Allerdings spreche ich mit * evident disapprobation'
von Pnuli'ä verfahren, auf die bislang vorgebrachten gründe hin so zu-
versichtlich zu tun wie Pauli und zu schreiben: 'Es ist längst bekannt,
dass das (Vercelli-) buch erst im jähre 12 IS mit dem kardinal Guala nach
Vercelli kam'. Dies scheint mir ein sehr unkritisches verfahren zu sein!
Wenn aber Cook und Kent glauben, dass die von ersterem vorgebrachten
gründe überzeugend seien, muss ich entschieden widersprechen. Alle be-
ruhen auf schwacher unterläge, so weit sie des kardinals kenntniss der
englischen spräche und sein interesse für englische literatur betreffen.
Wenn durch englisches geld das kloster und die kirche S. Andrea in Ver-
celli gegründet wurden, wie feststeht, so geht daraus nicht hervor, dass
bücher und Handschriften in englischer spräche nach Vercelli kamen.
Wenn sich der kardinal für englische (d. h. normannische) bankunst inter-
essierte, so braucht er dies nicht für 'English letters ' getan zu haben.
Ks beruht auf einer gänzlichen verkennung der damaligen Verhältnisse,
vorauszusetzen, dass Guala, weil er an dem Französisch redenden hofe
und mit Latein sprechenden gelehrten verkehrte, Englisch verstanden
630 BÜCHER ANZEIGEN.
haben müsse. Dafür, dass Guala Englisch verstanden habe, bringt Cook
keinen einzigen entscheidenden gnind vor. Aber auch selbst wenn wir
dies zugeben wollten, so verstand er darum noch lange kein Angelsäch-
sisch, eine schrift und spräche, die im 13. Jahrhundert wol nur wenige
Engländer noch lesen und ins Englische übertragen konnten, vielweniger
fremde. Dass der ruf der klosterschule einen später berühmten eng-
lischen gelehrten, Adam Marsh, anzog, beweist gar nichts für die eng-
lischen kenntnisse Guala's, denn um Englisch oder Angelsächsisch zu
lernen, kam Marsh doch nicht nach Vercelli. Die uns von Marsh erhal-
tenen briefe, welche nach dieser stadt gerichtet waren, sind lateinisch,
nicht englisch, geschrieben. Auch dass Guala eine grosse büchersamiu-
lung besass, beweist nichts, im gegenteil, diese grosse Sammlung hat er
keinesfalls dem kloster zu Vercelli vermacht, sonst müsste man sicher
dort etwas davon wissen. Dort aber weiss man gar nichts von einer
solchen grossartigen Schenkung. Wenn von büchern, die im besitz des
kardinals waren, genannt werden (vgl. Cook s. 7): 'Bibliotheca magna de
littera Parisiensi cooperta purpurn, et ornata floribus aureis, et littera»
capitales aureai . . . item alia Bibliotheca de littera ltoloniensi cum corio
rubeo; item Bibliotheca de litera Anglicana', so heisst das natürlich nicht,
wie Cook glauben machen will, ein buch in englischer spräche, sondern
(worauf * littera Parisiensis, littera Boloniensis' deutlich hinweisen) ein buch
in englischem duetus, das einen englischen Schreiber verrät. Der inhalt
wird so gut wie der des buches vom Pariser Schreiber *un corpo della Sacra
Scrittura' (natürlich lateinisch) gewesen sein. — Ich bleibe daher nach wie
vor bei meiner ansieht, die ich Grundriss 8. 237 aussprach.
Wunderbar ist im abschnitt 'Author' Kent's behauptung: Kemble first
discovered that the runes in the Kiddles . . . gave the name Cynewulf ! ! !
Hier zeigt sich auch deutlich, dass Keut von Napier's entdeckung, die
schon 1S8S veröffentlicht wurde, noch nichts weiss, obgleich er die dritte
ausgäbe von Zupitza's Elene sicherlich in der hand hatte.
Die bibliographie ist aus Zupitza's übersieht über die literatur und
meinem Grundriss zusammengetragen. Man sieht nicht recht ein, nadi
welchen grundsätzen Kent dieselbe gibt. Zupitza hielt sich nur an das,
was sich auf die Elene bezieht. Kent gibt auch noch Schriften über Cyne-
wulf im allgemeinen. Wollte er dies, so fehlt noch manches, was seit
18b5, dem erscheinungsjahre meines Grundrisses, veröffentlicht wurde.
Gehen wir nun auf die ausgäbe gelbst ein, so ist zwar im ganzen
wenig zu bemerken, da sich Kent eng an die zweite ausgäbe Zupitza's
im text und an die dritte im glossar anschlieast. Zupitza gibt aber die
lesarten der anderen ausgaben unter dem texte und sein Wörterbuch um-
fasst auch die Wörter, welche sich nur in anmerkungen finden. Da Kent
diese lesarten weglässt, das glossar aber nach Zupitza gibt, so finden
sich eine reihe von Wörtern darin, welche in dem texte gar nicht vor-
kommen, z. b. v. :t| bur genta. Zupitza hat dazu Etttnüller's änderung
burgeatu oder burggealu. Kent hat aus Z.'s Wörterbuch bürgert und
bürgend mit verweis auf 31, obgleich dort nur die letztere form steht;
ebenso zu v. 1 1 Sl sige und sigor, obgleich im text nur die entere form;
ebenso 531 gehHu und giäd, 1 021» anbroce und unbrarce, 4151 gedyrsian,
FLÜGEL, NACHTRAG. 631
aber dies wort steht wol in Z.'s an m erklingen , nicht aber bei Kent. In
Kent's Notes finden sich diese Wörter auch nicht. Die gegebenen bei-
spiele mögen für unseren zweck genügen, sie lassen sich mit leichtigkeit
noch stark vermehren.
Ein arger missstand in Kent's texte ist, dass er gar nicht angibt, wie
die handschrift lautet, sondern ohne bemerkung seine, oder vielmehr Z.'s,
änderung einsetzt. So lesen wir v. 21 Hugas. In den anmerkungen finden
wir die sonderbare bemerkung: * Grimm reads Hunas, Grein translated
llunen\ Demnach sieht es aus, als ob Hu^as die lesart der hs. und
Hunas änderung sei, während es gerade umgekehrt ist. Ausserdem scheint
Kent nur Grein's Übersetzung, nicht aber seine ausgäbe zn kennen, wenn
er auch den titel anführt, denn sonst hätte er doch wol auch Grein's
lesung anführen müssen ! v. 54S ändert Zupitza gthwcer in gehrvcene.
Letzteres druckt Kent, ohne aber die lesung der hs. anzugeben. Ueber
die anläge des Wörterbuches sei bemerkt, dass Kent praktischer weise
das />, wo man es zu suchen gewohnt ist, nach t stellt und nicht der
grille Zupitza'8 folgt, p ganz an das ende zu stellen. Ebenso wenig ver-
sucht er es mit Z., einen buchstaben, den das Angelsächsische gar nicht
kannte, nämlich j statt i, in dasselbe einzuführen.
Manche abweichungen von Z. benihen auf druckfehlem; z. b. gefrem-
man 575 soll heissen 515, gefremede 298 soll heissen 299 u. a.
Die anmerkungen sind meist für einen recht niederen stand von
kenntnissen berechnet. Wem rvces noch als 'Sd.p. s. pret. front wesan'
erklärt werden niuss; hwil = NE. white, by metathesis\ tid = tide in WhiU
suntide, Shrovetide\ eard has nothing to do with eortie, der befindet sich
noch sehr in den anfangen des Angelsächsischen und dem wäre es viel-
leicht besser, erst noch etwas anderes als die Elene zu lesen. Doch Kent
muss am besten wissen, welche schüler er vor sich haben wird.
Auf alle fälle ist bei einer zweiten aufläge das ganze buch noch
einmal einer genauen durchsieht zu unterwerfen. R. W.
Nachtrag zu s. 16 (Pyramys and Tysbe).
Der Schreiber des Bai Hol Ms. entnahm seine fassung von v. 1 — 171
und v. 177 — 191 wörtlich aus dem 3. buche von Gower's Confessio Amantis,
ed. Pauli I, 324 ff.
Allerdings sind einige abweichungen vorhanden, auf welche ich be-
sonders den künftigen herausgeber von Gower's werken aufmerksam machen
möchte, da sie auf den text desselben hie und da ein licht werfen.
Ich kann mich hier nur auf die wichtigsten Varianten beschränken,
möchte aber bemerken, dass auch für die metrik der vergleich dieser
fassung aus dem ende des 15. oder anfang des 16. Jahrhunderts mit dem
original von interesse ist (besonders was die endungssilben betrifft in
v. 55 u. s. f.).
632 FLÜGEL, NACHTRAG.
Varianten (Pauli's text liest): v. S. d wellend . within a »trete. —
v. 11. But wowe to wowe. — 12. hath in. — 16. lond that for. — 17. Men
wistcn none. — IS. and feil so as it shulde. — 21. tlie thyngs. — 22. they
ne niight Ins hoods escape. — 23/24. That he his ffyre on heme ne caste ;|
Wherof her harts he overcaste. — 25. folow thilke lore & sue. — 30. they
mighten winne a speeche. — 3S. that für eu«\ — 41. upon flir thorow. —
54. the für by. — 56. the für a. — 59. lyked flir lyketh. — 62: comend
a leon. — 64. In haste . And she tho fledde away. — 67. upon therbage. —
69. there out. — 71. he hath. — 72. thilke für the. — 76 (lautet): bebledde
aboute and all forgnawe. — 77. he straught him. — 82. were in. — 92/93.
so sore aflight || A mannes herte &c. — 94. To him. — 98. she be. —
106. up to the heven he gan to calle || And praide &c. — 113. swerd to
ground. — US. For she within a while cam. — 123. Speke out for her
herte shette. — 132. cleped art. — 136. Of thilke unhap. — 138. here I se. —
139. Bledend. — 148. Withouten joy. — 152. word where. — 163. thus both
on a swerd bledend. — 164. liggend. — 165 ff. spricht der Confessor,
dessen rede jedoch von v. 172—176 durch selbständige verse ersetzt ist.
Von v. 177—191 sind die verse wider dem Confessor entnommen, mit
geringfügigen abweichungen. v. 189 ist Gowcr's suche a rees verändert.
DO N ~ "
!• f
: TLATE